Rüdiger Kruse – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 15 May 2020 14:30:02 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Schwimmt sogar https://www.tiefgang.net/schwimmt-sogar/ Fri, 15 May 2020 22:22:31 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6909 [...]]]> Der politische Strippenzieher Johannes Kahrs hat sein Bundestagsmandat niedergelegt und staatstragenden Auftritten steht die Kontaktsperre im Weg. Die PEKING ist dennoch restauriert.

Es ist wie beim Berliner Flughafen. Im Grunde wäre es ein Grund zu feiern, wenn Unmögliches doch noch wirklich wird. Doch die Pandemie macht auch hier nicht halt. Nun ist die Restaurierung der historischen Bark abgeschlossen und freuen tun sich dennoch etliche …

In der Mitteilung der Behörde für Kultur und Medien heißt es:

„Die Viermastbark PEKING erstrahlt wieder im vollen Glanz! Das 1911 bei Blohm+Voss gebaute Frachtschiff gehört zu den legendären Flying P-Linern der Reederei F. Laeisz, die für ihre Geschwindigkeit und ihre Sicherheit berühmt waren. Unter Leitung der Stiftung Hamburg Maritim wurden in den letzten drei Jahren auf der Peters Werft in Wewelsfleth Rumpf und Rigg des historischen Frachtseglers fachgerecht restauriert. Das Schiff mit seinen imposanten über 50 Meter hohen gelben Masten erstrahlt nun wieder in den Reedereifarben Schwarz (Rumpf über der Wasserlinie), Weiß (Wasserlinie) und Rot (Unterwasserschiff). Am heutigen Tag übernimmt die Stiftung Historische Museen Hamburg (SHMH) das Schiff wie geplant in ihr Stiftungsvermögen. In der Verantwortung der SHMH werden an Bord der PEKING in den kommenden Monaten noch weitere Ausrüstungsmaßnahmen für ihren künftigen Einsatz als größtes Objekt des zukünftigen Deutschen Hafenmuseums stattfinden. Im August ist die Rückkehr der PEKING in ihren Heimathafen Hamburg vorgesehen, wo sie zunächst im Hansahafen festmachen wird.

Das Schiff, das bis 1932 für die Reederei F. Laeisz über den Atlantik segelte, ist im Sommer 2017 aus New York zurück an die Elbe geholt worden. Zuvor war es seit 1974 fester Bestandteil des South Street Seaport Museums in Manhattan. Der Rückholung und Restaurierung ging ein jahrelanger unermüdlicher Einsatz der Stiftung Hamburg Maritim und der „Freunde der Viermastbark PEKING e.V.“ voraus. Möglich wurde dies durch die Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in Höhe von rund 38 Millionen Euro aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags aus dem November 2015. Besonders Hamburger Bundestagsabgeordnete hatten sich erfolgreich dafür eingesetzt.

Überführung und Restaurierung wurden an die Stiftung Hamburg Maritim übertragen. Die Stiftung, die eine eigene Flotte historischer Schiffe betreibt, verfügt über große Erfahrung in der Restaurierung und hat auch dieses große Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss geführt. Nach nunmehr vier Jahren seit Projektbeginn überträgt die Stiftung Hamburg Maritim die PEKING an die Stiftung Historische Museen Hamburg.

Mit der Entwicklung, der Errichtung und dem Betrieb des Deutschen Hafenmuseums ist die Stiftung Historische Museen Hamburg beauftragt, von der auch derzeit die inhaltliche Konzeption zur späteren Nutzung der PEKING im Kontext des Deutschen Hafenmuseums erarbeitet wird. Im August 2020 wird die PEKING voraussichtlich im Hansahafen festmachen. Dort, in unmittelbarer Nachbarschaft zum historischen Schuppen 50A und der bestehenden Museumsflotte der Stiftung Historische Museen Hamburg, wird die PEKING als Zeugnis des transnationalen Seehandels weiter ertüchtigt und die Rekonstruktion der Inneneinrichtung vorangetrieben. Der Viermaster wird von einer Crew von vier Mitarbeitern betreut werden. Mit zusätzlicher Unterstützung von Ehrenamtlichen und den „Freunden der Viermastbark PEKING e.V.“ wird sie die Wartung und Pflege fachgerecht sicherstellen.

Die PEKING wird mit der Eröffnung des Deutschen Hafenmuseums auf dem Grasbrook seinen festen Liegeplatz in Hamburgs neuem Stadtteil erhalten. Dort sollen mit ihr die vielfältigen Verflechtungen aus der Zeit des Salpeterhandels zwischen Deutschland und Chile mit ihren wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verästelungen erzählt werden. Sie wird so ein wichtiger Ort für das Thema Globalisierung am Knotenpunkt Hafen.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Es ist beeindruckend, was für ein strahlend schönes Schiff die Stiftung Hamburg Maritim und die Peters Werft in den letzten drei Jahren wieder aus der PEKING gemacht haben. Ich danke allen, die in den letzten Jahren zu der erfolgreichen Rückführung und Restaurierung der Viermastbark beigetragen haben. Hamburg bekommt mit der PEKING ein außerordentliches Segelschiff, das uns auf eindrückliche Weise die Geschichte der Globalisierung deutlich macht. Die Planungen zum Deutschen Hafenmuseum sind in vollem Gange und die Stiftung Historische Museen wird die PEKING in den nächsten Jahren zu einem der zentralen Objekte dieses neuen Museums weiterentwickeln.“

Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien: „Endlich erstrahlt die PEKING wieder in all ihrer Pracht. Das Schiff, das 34 Mal das Kap Hoorn umrundet hat, gibt uns nicht nur einen Einblick in vergangene Transport- und Arbeitswelten. Die PEKING ist darüber hinaus auch ein Symbol für die frühe Globalisierung und ein maritimes Kulturgut von nationaler Bedeutung. Aus diesem Grund hat der Bund die Restaurierung und Rückholung des Schiffs in erheblicher Höhe gefördert. Wenn die PEKING einmal ihren endgültigen Liegeplatz eingenommen hat, wird sie ganz sicher zum Wahrzeichen des Deutschen Hafenmuseums in Hamburgs neuem Stadtteil werden.“

Prof. Dr. Hans-Jörg Czech, Direktor und Vorstand der Stiftung Historische Museen: „Der heutige Tag ist ein historisches Datum in der Geschichte unserer Stiftung und ein Anlass zu großer Freude. Die Übernahme der PEKING bedeutet für die Stiftung Historische Museen Hamburg einen wichtigen Entwicklungsschritt, der die Aufgabenstellungen unserer Einrichtung erheblich erweitert. Ich bin mir sicher, dass die Viermastbark, für deren hervorragende Restaurierung wir der Stiftung Hamburg Maritim größten Dank schulden, ein neues Wahrzeichen Hamburgs sowie ein spektakulärer Botschafter und deutlich sichtbares Symbol für die fortschreitende Planung und Realisierung des Deutschen Hafenmuseums werden kann.“

Joachim Kaiser, Vorstandsmitglied der Stiftung Hamburg Maritim: „Als uns 2016 die Projektträgerschaft für die Restaurierung der PEKING angetragen wurde, waren wir zunächst eher reserviert, denn wir wussten sehr genau um ihren desolaten Zustand. Insbesondere ich habe immer wieder vor einer Übernahme gewarnt, weil sich hier ein Multi-Millionen-Risiko abzeichnete, auch wenn der Rumpf schon längst zu verschenken war. Die Fördermittelzusage und das in uns gesetzte Vertrauen haben uns dann motiviert, uns dieser großen Aufgabe zu stellen. Mannigfaltige Schwierigkeiten auf dem langen Weg liegen jetzt hinter uns, heute sind wir stolz und froh über das Gelingen des Restaurierungsprojekts. Wir danken der Werft für die qualitätsvolle Arbeit und allen, die zum erfolgreichen Gelingen beigetragen haben – der Bauaufsicht und den Taklern, aber auch den kaufmännischen Experten in unserer Stiftung, die das umfangreiche Vertragswerk betreut und die finanzielle Abwicklung des komplexen Projekts gesteuert haben.“

Johannes Kahrs, Mitglied des Deutschen Bundestags a.D.: „Ich habe mich bereits als 18-jähriger im Hafen von New York in die PEKING verliebt. Als ich hörte, dass sie verschrottet werden soll, war ich zunächst tieftraurig. Doch dann kam mir die Idee, die Rückholung und Sanierung der Viermastbark mit der Errichtung eines Deutschen Hafenmuseums zu verknüpfen. Diese ließ sich im Haushaltsausschuss dankbarerweise durchsetzen. Jetzt nähert sich die PEKING immer mehr ihrer Vollendung und ich bin nicht nur immer noch verliebt, sondern auch stolz wie Bolle, dass wir das Schiff retten konnten. Ganz besonders danke ich allen Beteiligten der Stiftung Maritim und insbesondere allen Ehrenamtlichen des Deutschen Hafenmuseums für Ihre leidenschaftliche Unterstützung.“

Rüdiger Kruse, Mitglied des Deutschen Bundestages aus Hamburg: „Mit der PEKING kehrt ein Schiff nach Hamburg zurück, dass nicht nur für eine Epoche der Seefahrt steht, sondern das Credo Hamburgs verkörpert: Handel treiben mit aller Welt. Seefahrt war nie Romantik. Die PEKING, in Hamburg gebaut, war modernste Transporttechnik, sowie die Schiffe und nun auch Flugzeuge, die heute in Hamburg gebaut werden. Ich bin froh, dass ich einen Beitrag leisten konnte, die Peking nachhause zu holen.“

Mathias Kahl, Vorsitzender des Vereins Freunde der Viermastbark PEKING e.V.: „Der Verein der Freunde der Viermastbark PEKING dankt allen Beteiligten für die Rückholung und herausragende Restaurierung der PEKING. Doch nach der Restaurierung ist vor der Pflege und Instandhaltung: Dieses große Schiff mit seinem riesigen Rigg über Jahre in dem jetzt erreichten Zustand zu erhalten, ist eine wirkliche Herausforderung, der sich unser Verein mit seinen derzeit 350 Mitgliedern aber gern annimmt; unsere Ehrenamtlichen brennen darauf, die PEKING in ihre Obhut zu nehmen.“

Nikolaus H. Schües, Inhaber der Reederei F. Laeisz und Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Hamburg Maritim: „Dank und Gratulation an alle Beteiligten. Die PEKING bald wieder in altem Glanz in Hamburg zu sehen, ist ein wahres Gemeinschaftswerk von öffentlicher Hand, Werft und Ehrenamt.“

Mark Dethlefs, Geschäftsführer der Peters Werft: „Ein jeder Refit- oder Reparatur-Auftrag der Peters Werft hat spezielle Herausforderungen, die wir in Zusammenarbeit mit unserem Kunden lösen müssen. Als die Viermastbark PEKING im Sommer 2017 von New York nach Wewelsfleth gebracht wurde, war sie in einem wirklich maroden Zustand. Der besondere Anspruch dieses Auftrags an uns als Werft und die SHM als Eigentümerin wurde offensichtlich. Im Laufe der aufwendigen Sanierung der PEKING, in der einmal nicht die Fahrtüchtigkeit, sondern die Nutzung zu einem reinen Museumsschiff die Aufgabe war, wurde jedoch nach und nach die Schönheit dieses historischen Frachtenseglers deutlich. Wir sind stolz, an diesem Auftrag mit historischer Bedeutung mitgewirkt zu haben und sind bewegt von der Tatsache, dass die PEKING auch heute noch so viele Emotionen weckt. Wir freuen uns schon darauf, gemeinsam mit anderen interessierten Besuchern die PEKING an ihrem Liegeplatz in Hamburg wiederzusehen.“

Michael Scheuermann, für den Vorstand von Hafenkultur e. V.: „‚Oha, das wird teuer…‘ sagten die Fachleute im Hafenmuseum, als 2014 der Erwerb der PEKING angekündigt wurde. So kam es denn auch – aber was für ein Prachtstück ist inzwischen aus dem Schiff geworden. Dankenswerter Weise wurde die PEKING – anders als viele andere, auch sehenswerte Museumsschiffe, die zu ihrem Unterhalt mit Gastronomie oder Hotelbetrieb an Bord beitragen müssen – wieder in den Originalzustand versetzt. So kann man als Besucher Seefahrt und Hafenumschlag nach 1900 nachvollziehen, so fügt sie sich hervorragend in das künftige Deutsche Hafenmuseum ein. Der Werft und den Beteiligten an der Wiederherstellung des Schiffes gebührt Anerkennung, die Ehrenamtlichen des Hafenmuseums Hamburg freuen sich auf das Festmachen der PEKING am Bremer Kai.“

Die Historie

Die Viermastbark PEKING wurde 1911 in Hamburg bei Blohm+Voss für die Reederei F. Laeisz gebaut, deren Schiffe alle ein „P“ als ersten Buchstaben im Namen tragen: PASSAT, POMMERN, PADUA zum Beispiel. Alle Frachtsegler der Reederei waren in der Salpeterfahrt eingesetzt. Ausgehend wurden Exportwaren für Chile geladen, zum Beispiel auch Steinway-Flügel für dort lebende Auswanderer-Familien, zurück segelten die Schiffe voll beladen mit Guano in Säcken, in Europa ein wichtiger Grundstoff für Dünger und Sprengstoff. Der Salpeterhandel sorgte auch in Südamerika bis zum Ersten Weltkrieg für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Auf jeder Reise wurde zweimal Kap Hoorn umsegelt, die PEKING allein brachte es auf 34 Kap-Hoorn-Umrundungen.

1932 machte die PEKING ihre letzte Reise unter Segeln, wurde außer Dienst gestellt und zum stationären Internats-Schiff umgebaut. Im Medway an der englischen Ostküste lag sie unter dem Namen ARETHUSA bis 1974 vor Anker und wurde dann vom New Yorker South Street Seaport Museum erworben. Das South Street Seaport Museum ließ den Rumpf der PEKING auf einer schottischen Werft in Stand setzen und anschließend über den Atlantik nach New York schleppen. Dort wurde sie wieder aufgetakelt und nahm zur 200-Jahr-Feier der amerikanischen Unabhängigkeit 1976 ihren prominenten Liegeplatz in Manhattan ein. Fortan diente sie als Museumsschiff und Touristenattraktion. Als das South Street Seaport Museum in den Jahren ab 2000 in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, wurde die PEKING für viel Geld zum Verkauf angeboten. Schon damals hatte die frisch gegründete Stiftung Hamburg Maritim Interesse an dem berühmten Viermaster gezeigt, wegen der erheblichen Restaurierungskosten jedoch wieder Abstand genommen von dem Projekt. Über Jahre fand sich kein Übernahmeinteressent, so dass das South Street Seaport Museum das Schiff am Ende sogar als Geschenk anbot. Nachdem der Bundestag 2015 auf Antrag der Hamburger Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs und Rüdiger Kruse das Geld für Überführung und Restaurierung bereitgestellt hat, konnte 2017 die PEKING zurückgeholt werden.

Die PEKING ist einer von vier noch existierenden Windjammern aus der Flotte der legendären „Flying P-Liner“ der Laeisz-Reederei: die PASSAT liegt seit 1960 als Museumsschiff in Travemünde, die POMMERN liegt als Museumsschiff in Mariehamn (Finnland) und die ehemalige PADUA fährt unter dem Namen KRUZENSHTERN als Segelschulschiff unter russischer Flagge.“

Weitere Informationen: www.stiftung-hamburg-maritim.dedeutsches-hafenmuseum

 

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Ein Museum für ein Schiff https://www.tiefgang.net/ein-museum-fuer-ein-schiff/ Fri, 12 Jan 2018 23:16:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2855 [...]]]> Im Grunde ging es erst um ein altes Schiff. Jetzt steht ein ganzes Museum im diskutablen Raum. Hamburg überrascht wieder mit Ungeahntem.

Es waren wohl ein paar Leute, die beseelt und fasziniert von alten Segelschiffen, sich um die in New York stehende „Peking“ – einem uralten Segelfrachter der noch existierenden Hamburger Laeisz-Reederei bemühten. New York hatte den Viermaster vergessen, fahrtauglich war es auch nicht mehr. Es stand vor der Verschrottung.

Erbaut wird die „Peking“ bei der Hamburger Werft Blohm + Voss, wo sie am 25. Februar 1911 vom Stapel läuft. Mit 115 Metern Länge ist sie damals eines der größten Segelschiffe der Welt. Ab 1912 wird die stählerne Bark, die rund 5.300 Tonnen Ladung transportieren kann, im Salpeterhandel mit Chile eingesetzt, doch dort bereits kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 festgesetzt. Ganze 13 Mal soll sie bis dahin gefahren sein. Das Geschäft mit dem Salpeter-Handel – u.a. begehrt für Schiesspulver – war wohl einträchtig genug, um es dann stehen zu lassen.

2002 verhandeln Mitglieder des Vereins „Peking-Freunde“ erstmals mit dem Museum in New York über eine Rückführung der „Peking“ nach Hamburg. Doch das Museum fordert erst einen sehr hohen Kaufpreis, dann fehlen Geldgeber für die dringend notwendige Restaurierung. Im Frühjahr 2015 kündigt das Museum schließlich an, der Liegeplatz der „Peking“ werde geräumt – und will das Schiff verschenken. Daraufhin kommt Bewegung in die Sache. Und nun wird es spannend. Die sogenannte Hamburger K&K-Dynastie der Hamburger Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs (SPD) und Rüdiger Kruse (CDU) wird aktiviert. Beide sitzen im Haushaltsausschuss.

Einer von Hamburgs Geldsegnern: MdB Johannes Kahrs (Foto: Deutschlandfunk)

Also direkt an der Quelle begehrten Geldes. Sobald zugewiesene Gelder nicht abgerufen, kann dort eine anderweitige Verwendung beschlossen werden, vereinfacht gesagt. Und beide Abgeordnete machten sich schnell einen Namen durch ihre recht eigene Große Koalition. Der Hamburger Funkturm kann so mit Millionen reaktiviert werden, Wuppertal bekam ein Pina-Bausch-Museum und Hamburg sollte eben auch die Peking für mehr als 20 Millionen Euro wieder bekommen. Da es aber schwer ist, die Rückführung eines einzelnen Hamburger Schiffs mit Bundesgeldern zu rechtfertigen, so die Legende, musste ein Deckmantel her. Also ein Hafenmuseum. Hat Hamburg schon? Dann wird es eben DAS Deutsche Hafenmuseum. Gesamtvolumen zur Investition: 120 Millionen. Und so lautet plötzlich die frohe Botschaft: „Der Bund erklärt sich schließlich bereit, rund 26 Millionen Euro für den Transport des Schiffes nach Deutschland, seine Restaurierung sowie die Einrichtung eines Liegeplatzes im Hamburger Hafen zur Verfügung zu stellen. Am 30. Juli 2017 wird die Viemastbark schließlich in einem Dockschiff nach Brunsbüttel gebracht.“

Ende Dezember 2017 nun stellte Kultursenator Dr. Brosda im Altonaer Museum die Ergebnisse der Standortuntersuchung zum künftigen Deutschen Hafenmuseum vor.

In der Pressemitteilung heißt es:

„Knapp sechzig Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur, Wirtschaft und Politik kamen auf Einladung des Senators für Kultur und Medien, Dr. Carsten Brosda, am 19. Dezember im Altonaer Museum zusammen, um sich über den aktuellen Stand der Standortsuche für das künftige Deutsche Hafenmuseum zu informieren. 2015 hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages der Freien und Hansestadt Hamburg für die Errichtung eines Deutschen Hafenmuseums sowie für die Rückholung und Sanierung der Viermastbark PEKING einen Betrag von insgesamt 120 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Mit der Umsetzung dieses wichtigen Museumsprojekts ist die Stiftung Historische Museen Hamburg betraut.

Die Stiftung hatte das Planungsbüro Albert Speer + Partner (AS+P) mit einer umfassenden Potentialanalyse beauftragt, um einen geeigneten Standort für das Museum zu finden. In enger Zusammenarbeit mit der Stiftung Historische Museen Hamburg und der Behörde für Kultur und Medien wurden neben den historischen 50er Schuppen, wo derzeit das Hamburger Hafenmuseum betrieben wird, drei weitere Standortoptionen analysiert, bewertet und gewichtet. Das Ergebnis zeigt, dass jeder Standort mit mehreren Konflikten behaftet ist, die die Standortentscheidung erschweren.

Ausgeschlossen wurden die Standorte westlich der Landungsbrücken sowie neben den Musical-Theatern am Fährkanal. Die Landungsbrücken haben in der Untersuchung trotz der günstigen Lage im Vergleich aller Flächen mit Abstand am schlechtesten abgeschnitten, da die begrenzte Fläche zu wenig Entwicklungspotential für ein nationales Hafenmuseum bietet. Der Standort „Musical-Theater“ fällt trotz seiner exponierten Lage direkt gegenüber den Landungsbrücken und einer insgesamt positiven Bewertung aufgrund seiner unmittelbaren Nachbarschaft zu einem Störfallbetrieb als nicht genehmigungsfähig heraus.

Auch die 50er Schuppen sind auf Grund ihrer schlechten Erreichbarkeit und denkmalpflegerischen Auflagen nicht optimal und nach den vorliegenden Erkenntnissen störfallrechtlich voraussichtlich nicht genehmigungsfähig. Die Fläche liegt in Nachbarschaft zu gleich drei Störfallbetrieben, was einen Ausbau des bestehenden Museums zu einem Deutschen Hafenmuseum voraussichtlich verhindern würde. Eine abschließende Klärung der störfallrechtlichen Situation und der sich daraus ergebenden Möglichkeiten für eine Veränderung oder Erweiterung des Museumsbetriebs an diesem Standort wird derzeit im Rahmen eines förmlichen Vorbescheidsverfahrens herbeigeführt. Der Betrieb des bestehenden Hamburger Hafenmuseums genießt hingegen Bestandsschutz.

MdB Rüdiger Kruse wirbt auf seiner Website mit dem Slogan „Erfolg wählen!“ (Foto: Marcus Renner)

Nach den Kriterien der Standortpotenzialanalyse bietet das ehemalige Überseezentrum südwestlich der Elbbrücken die besten Bedingungen für einen Museumsstandort, insbesondere die jüngsten Pläne zur Entwicklung des Grasbrooks zu einem gemischten Wohn- und Gewerbegebiet eröffnen viele Vorteile. Das künftige Deutsche Hafenmuseum könnte an diesem Standort zum Symbol, Motor und kulturellen Zentrum der Quartiersentwicklung werden.

Eine endgültige Standortentscheidung ist mit den nun vorliegenden Ergebnissen noch nicht gefallen. Die Stiftung Historische Museen Hamburg wird nun neben dem Bauvorbescheidsantrag für die 50er Schuppen auch eine Vorstudie in Auftrag geben, in deren Rahmen ein Planungskonzept mit konkreten Kostenschätzungen für den Grasbrook erarbeitet wird. Zudem soll untersucht werden, wie die 50er Schuppen ins Gesamtkonzept des Deutschen Hafenmuseums eingebunden werden können, damit dieser bedeutende Ort Hamburger Hafengeschichte auch in Zukunft weiter erhalten und für Besucher erlebbar bleibt. Auf der Grundlage dieser nun zu erarbeitenden Konzepte wird die Standortentscheidung zu treffen sein.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Die Errichtung des Deutschen Hafenmuseums samt der Rückholung und Restaurierung der Viermastbark PEKING ist eines der herausragenden Museumsprojekte in Deutschland, das schon heute internationale Aufmerksamkeit erhält. Die Standortentscheidung für ein solches Millionenprojekt lässt sich nicht aus dem Bauch heraus treffen, sondern muss gerade in einem florierenden Hafen mit allen Beteiligten und mit Blick auf alle rechtlichen Gegebenheiten gut geplant werden. Wir sind jetzt bei der Standortsuche einen großen Schritt weiter und werden nun klären, was am Standort 50er Schuppen möglich ist und parallel vertiefend die Chancen auf dem Grasbrook anschauen. Wir brauchen die entsprechenden Bescheide und Vorstudien, um eine endgültige Standortentscheidung zu treffen. Ich kann mir auch eine intelligente Verknüpfung der beiden nahe beieinander liegenden Standorte gut vorstellen.“

Frank Horch, Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation: „Das Ergebnis der Standortuntersuchung gibt uns die Möglichkeit, auf dem Kleinen Grasbrook mit dem Deutschen Hafenmuseum einen modernen Stadtteil zu entwickeln und zeigt gleichzeitig einen Weg auf, mit den 50er Schuppen die Geschichte des Hafens lebendig zu halten. Es ist wichtig, dass wirtschaftliche und kulturelle Hafennutzungen nicht miteinander in Konflikt geraten. Am ehemaligen Überseezentrum können wir mit dem Deutschen Hafenmuseum ein spannendes Schaufenster der Geschichte und Gegenwart des Hafens eröffnen.“

Börries von Notz, Alleinvorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg: „Das Areal auf dem Grasbrook bietet großartige Voraussetzungen, um ein innovatives Museum im 21. Jahrhundert zu verwirklichen und vollkommen neu zu konzipieren. Gleichwohl ist es notwendig, die 50er Schuppen als bedeutendes Denkmal für die Geschichte der deutschen Seehäfen in das Gesamtkonzept des Deutschen Hafenmuseums zu integrieren und auch das dort Geschaffene zu bewahren.“

Quelle: Behörde für Kultur und Medien

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