Runder Tisch – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Thu, 28 May 2020 16:51:42 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 „Pause, Stillstand, Nichts, Null“ https://www.tiefgang.net/pause-stillstand-nichts-null/ Thu, 28 May 2020 16:27:37 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6944 [...]]]> Die Corona-Pandemie zwingt die Kultur in die Knie. Im Süden Hamburgs rafft offenbar den Rest die Politik und Verwaltung dahin …

Die Initiative SuedKultur hat nun einen offenen Brief an alle in der Bezirksversammlung Harburg vertretenden Parteien sowie Vertreter der Verwaltung gesandt. Dort wird einiges nun grundsätzlich infrage gestellt:

„SuedKultur als Zusammenschluss der meisten Kulturschaffenden südlich der Elbe Hamburgs steht im Zeichen der Corona-Pandemie wie die meisten Kulturschaffenden allerorts in Existenznöten. Kultur ohne Publikum: das wirft existenzielle Fragen auf und bedarf mehr denn je kreativer Antworten auf die Frage nach dem Morgen.

Während aber andernorts bereits kreativ daran gearbeitet wird, ob andere z.B. digitale Formate möglich und wirksam sind und zumindest die Versuche politische als auch finanzielle Unterstützung erfahren (weil bewilligte Anträge auch anderweitig einsetzbar sind), ist die Kulturpolitik in Harburg einfach weg. Pause, Stillstand, Nichts, Null.

Da wurde im Koalitionsvertrag von 2019 noch die Arbeit z.B. von SuedKultur gelobt, ein Kulturbeirat und Runder Tisch sollte eingerichtet wie auch ein Kulturentwicklungsplan entwickelt werden. Doch die jetzige Realität zeigt: hier geht vieles kaputt und man schaut einfach zu.

Die im Koalitionsvertrag von 2019 gewürdigte Arbeit der Initiative SuedKultur hat ihren Wiederholungsantrag auf eine grundsätzliche Unterstützung vor Corona nicht wieder bewilligt bekommen Die Diskussion um einen neuen Antrag und in anderer Form wird nach unserem Ermessen gerade in Zeiten von Corona absurd und im Prozedere (da z.Zt. gar keine Ausschüsse, die was entscheiden könnten tagen) zu aufwendig. Gerade aber jetzt wäre eine koordinierende und unterstützende Arbeit für alle Kulturschaffenden im Bezirk dringend nötig.

Offener Brief der Initiative SuedKultur an die Harburger Verwaltung und Politik der ersatzlose Wegfall des Hafenfestes, vermutlich des „Sommer im Park“-Festes als auch der Music-Night und vielleicht gar des Kulturtages macht das Ausmaß der Existenznot sichtbar und ruft zugleich die existenzielle Frage nach dem Bestand der Kulturszene in Harburg auf.

Wir sehen dringenden Bedarf auf Seiten von Politik und Verwaltung zur unbürokratischen Hilfe statt der Behinderung weiterer kultureller Arbeit. Daher sehen wir uns veranlasst, bis auf weiteres eine Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung in Sachen Beirat, Kulturentwicklungsplan und Runder Tisch infrage zu stellen. Denn wir hätten ihn JETZT nötig und haben stattdessen NICHTS.“

Namentlich unterzeichnen folgende Institutionen und/oder Personen diesen „Offenen Brief“

Heimo Rademaker – Sprecher SuedKultur, DreiFalt Genossenschaft & MariasBallroom

Nandor Olah – Förderverein Stellwerk e.V.,, Der Elbdeich e.V., Werner Pfeiffer – Fischhalle, Kulturwerksatt Harburg, Achim Debur – Kulturcafé Komm Du, Jürgen Havlik – Alles wird schön e. V., Jo Riehle – Café Grauer Esel, ContraZt e.V, Christina Lürken & Kirsten Czeskleba-Hauck – Old Dubliner Pup, Keine Knete trotzdem Fete – KktF e.V., Sabine Schnell – Kunstleihe & SuedKultur, Sonja Alphonso – Kunstleihe & SuedKultur, Carsten Lünzmann – Suedkultur& DreiFalt Genossenschaft, Heike Plätke – Kneipe Bla Bla, Sabine Trefzer – Zur Stumpfen Ecke,

Asta der TUHH, Siegfried Kopf – Initiative Gloria Tunnel e. V. & Kulturwohnzimmer e.V., Andrea Rausch – Atelier Rausch, Andreas Wolfgang Hans Spohrs – Mobile Kunst&Kultur-Bühne, Wiebke Heinrich – Tanzcompagnie Süderelbe, Fernando Zietek – Gutes Theater /KWH, Dianan Fütterer – Grünestreiben Grafikdesign, Antje Gerds – Malerei – Kunst auf Kaffeesäcken, Andreas Göhring – Wörtermacher, Marion Göhring – Bildmacher, Kai Schulz – Freyhand Event Ausstatter, Rainer Schmitz – Harburger Kantorist & Chorleiter

 

]]>
Harburg bekommt eigenen Kulturausschuss! https://www.tiefgang.net/harburg-bekommt-eigenen-kulturausschuss/ Fri, 20 Sep 2019 22:30:26 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5873 [...]]]> Diese Woche es soweit: die neue Koalition aus SPD und Grünen in Harburg hatte sich geeinigt und setzt für die kommende Legislatur 2019-2024 die Ausschüsse fest. Neu: ein ganz eigener Kulturausschuss!

Das hat es lange nicht oder gar überhaupt schon gegeben: Harburg wird im neu gewählten Bezirksparlament einen Ausschuss nur für Kultur bekommen. Bisher war Kultur neben Freizeit und Sport in einem Ausschuss abgefeiert und noch davor gar mit Bildung und anderem. Dass nun also ein Ausschuss sich nur mit dem Thema Kultur befasst, könnte ein gutes Zeichen sein. Und schaut man sich an, welche Aufgaben dem Ausschuss zugewiesen werden, zeigt sich: da kommt allerhand zusammen.

Auszug zum Thema Kultur im Koalitionsvertrag:

„Die große Anzahl von Aktiven, die sich in Kulturinitiativen und Sportvereinen, sei es ehren- oder hauptamtlich, engagieren, prägen das Zusammenleben in unserem Bezirk maßgeblich. Die Möglichkeit der gemeinsamen Freizeitgestaltung, sei es beim künstlerischen Gestalten oder in der Musik oder auf dem Sportplatz, ist wichtiger Standortfaktor für einen lebenswerten Bezirk. Die Koalition begrüßt die vielfältige Landschaft der Initiativen, Vereinen, Kulturzentren und Kulturschaffenden im Bezirk.

Urbane Stadtteilentwicklung beinhaltet die Berücksichtigung von Erfordernissen kultureller (Frei)Räume, damit das städtische Wachstum mit wachsender Lebensqualität einhergeht.

Räume für Kultur schaffen

  • Räume für kulturelle Nutzungen müssen frühzeitig in die Stadtentwicklung implementiert werden. Die Koalitionspartner sind sich darüber einig, dass die räumliche Kulturentwicklungsplanung für jedes Gebiet angepasst und eine Berücksichtigung der Interessen der Kulturschaffenden an der Errichtung und dem Betrieb von Kulturräumen/flächen von der ersten Planung bis zur Realisierung gewährleisten soll.
  • Die Koalition begrüßt die Errichtung und den Betrieb eines Kulturkatasters zur räumlichen Erfassung der bestehenden kulturellen Vielfalt (Parameter u.a. Lage, Art der Nutzung/en, Flächengröße, Indoor/Outdoor, Programmangebote, Förderungsstatus der FHH) durch die Kulturbehörde. Diese Bestandserfassung dient auch zur Früherkennung von Problemlagen bei Ausschreibungen und zukünftigen Bauplanungen in Hinblick auf vor Ort ansässige Kulturstätten.
  • Für den Bezirk soll eine Plattform für die Raumerfassung entstehen, analog zu der vorhandenen Plattform für die Sporthallen- und Sportplatznutzung, die sich an den Bedürfnissen der Nutzer und Nutzerinnen orientiert.
  • Die Kreativgesellschaft wird aufgefordert, gemäß ihrem Auftrag, auch für den Bezirk Harburg für Kulturschaffende zur Verfügung zu stehen. Besonders für die Zwischennutzung leerstehender Ladenlokale ist die Kreativgesellschaft für die Vertragsgestaltung ein wichtiger Kooperationspartner für Mieter und Vermieter.
  • Das neu entstehende Areal „Harburger Höfe“ bietet ideale Voraussetzungen, urbanes Leben und kulturelle Nutzung zu vereinen. Die Koalition wird sich beim Investor für ein Konzept einsetzen, dass diese Idee weiterentwickelt wird.
  • Die Koalition wird sich dafür einsetzen, dass im Zuge der Entwicklung der Stadtteilkultur im Bezirk, auch die Möglichkeiten für die Schaffung eines weiteren Kulturzentrums geprüft werden.

Stadtteilkultur fördern

Die Koalition setzt sich dafür ein:

  • Dass die kulturellen Einrichtungen bedarfsgerecht und auskömmlich finanziert
  • Dass erfolgreiche Formate, wie z.B. Suedlese, Wall of Fame, Music Night, Kunstleihe, Kulturtag, Sommer im Park, u.a. gesichert und gefördert werden.
  • Dass Stadtteilkulturzentren, wie z.B. der Riekhof und das Kulturhaus Süderelbe ihre Potentiale entwickeln können und Raum für neue Konzepte haben.
  • Dass die Stadtteilkulturmittel der wachsenden Bevölkerung im Bezirk Harburg angepasst werden
  • Dass die Sammlung Falkenberg in Harburg erhalten bleibt und eine Ausweitung der Öffnungszeiten in Richtung eines regulären Museumsbetriebs geprüft wird.
  • Dass bestehende Kunstwerke, z.B. das „Mahnmal gegen den Faschismus“ und der „Harburger Kunstpfad“, im öffentlichen Raum angemessen präsentiert und kommuniziert werden. Dazu gehören u.a. neue Hinweisschilder im Straßenraum.
  • Dass temporäre Kunstprojekte, z.B. das Projekt „Hamburg/Maschine“ der Stadtkuratorin auch in Harburg stattfinden
  • Dass der Jugendkulturpreis erhalten bleibt und weiterentwickelt wird

 Stadtteilkultur braucht Kommunikation und Mitbestimmung

  • Wir begrüßen die Zusammenschlüsse lokaler Netzwerke von Kulturschaffenden, wie z.B. Suedkultur.
  • Die Koalitionspartner werden veranlassen, dass zukünftig zur besseren Vernetzung von Kultur, Politik und Verwaltung für den Kulturausschuss, analog zum Integrationsbeirat oder Seniorenbeirat, beratende Mitglieder benannt werden.
  • Zusätzlich wird ein „Runder Tisch“ zur Entwicklung von Handlungsfeldern, Zielen und Maßnahmen der Kulturentwicklung im Bezirk eingerichtet. Dieser „Runde Tisch“ besteht aus Mitgliedern der Fraktionen, der Verwaltung und Kulturschaffenden im Bezirk. Der Runde Tisch soll an der Erstellung eines Kulturentwicklungsplans für den Bezirk mitwirken.
  • Für eine Verbesserung in der Zusammenarbeit von den vielen Aktiven aus Kultur und Sport mit der Harburger Bezirksverwaltung ist es notwendig, auch dort die Ressourcen zu stärken. Die steigenden Anforderungen und die wachsende Bevölkerungszahl haben sich bisher nicht im Stellenplan wiedergefunden. Die Koalition wird sich dafür einsetzen, dass im Bezirksamt eine Stelle geschaffen wird, die sich u.a. mit dem Einwerben von Drittmitteln für den Bezirk und auch mit der Unterstützung von Ehrenamtlichen in der Mittelbeschaffung befasst.“

So sollen konkret im Kulturausschuss in den kommenden Jahren folgende Themenbereiche behandelt werden:

  • Stadtteilkultur / Stadtteilkulturmittel
  • Kunst- und Kultureinrichtungen
  • Bürgerhäuser / Stadtteilkulturzentren
  • Kunst
  • Kunst im öffentlichen Raum
  • Museen (auch Hanne Darboven)
  • Kunstvereine
  • Harburger Schloss (soweit nicht RISE)
  • Kulturpfad
  • Geschichtswerkstatt
  • Geschichtspfad
  • Kulturbeirat
  • Denkmalschutz (soweit nicht SPA)
  • Kinder- und Jugendkulturpreis
  • Stadtfeste und öffentliche Veranstaltungen

Nun: Pläne sind das eine und deren Umsetzung das andere. Aber die Liste an Themen und Arbeitsfeldern zeigt: die Arbeit aller Aktiven in der Initiative SuedKultur wurde endlich wahrgenommen und erkannt. Raumnot, Unterfinanzierung und mangelnde Präsenz im Raum und Bewusstsein – es gibt viel zu tun.

Die erste Sitzung des Ausschusses für Kultur ist für den Mo., 7. Oktober angesetzt. Man darf gespannt sein.

]]>
Brandschutz und Brandbriefe https://www.tiefgang.net/brandschutz-und-brandbriefe/ Sat, 22 Apr 2017 06:00:32 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=917 [...]]]> Die Kulturinitiative feiert in diesem Jahr ihre 10jährige Existenz – Grund genug, in einer lockeren Folge auf einige Ereignisse zurück zuschauen …

Am Anfang der SuedKultur stand noch das zaghafte gegenseitige Kennenlernen und die damit verbundene Festsstellung, dass Kulturschaffende keine Konkurrenten sondern Leidensgenossen sind. Doch schnell wurde der Bedarf an Austausch größer und es war letztlich Timo Gorf, der einstige Wirt des „Café Lebens“ in Heimfeld, der im Spätsommer 2009 im Rieckhof den zunächst „Runden Tisch Kultur Harburg“ zum monatlichen SuedKultur-Treff aufbaute. Schon Ende 2006 gab es Bestrebungen einen größeren Runden Tisch für Kultur mit Politik, Verwaltung und Kulturschaffenden zu initiieren, aber ein entsprechender Antrag der Fraktion der „Linken“ wurde abgelehnt. Kurios war allerdings das Argument: Kulturpolitik werde ausschließlich von der Koalition gemacht – die bestand seinerzeit in Harburg übrigens aus CDU und GAL.

Der „Stammtisch“ der SuedKultur aber ist bis heute eine feste Institution, die nach wie vor allen Kulturinteressierten offensteht. Und er bekam gleich richtig Schwung – wenn auch nicht in Form von Rückenwind.

2010 wurde nachfolgend nämlich ein recht turbulentes. Die globale Bankenkrise hinterließ auch in Hamburg seine Spuren. Ende März 2010 wurde im Kulturausschuss des Bezirkes bereits vernommen, dass in der Hamburger Kulturbehörde eine „Evaluierung“ der Stadtteilkulturmittel – also jener, der für die Kulturinstitutionen des jeweiligen Stadt-Bezirkes Gelder bereit hält – stattfindet. Und fest stand da bereits, dass es a) nicht mehr Geld z.B. zum Ausgleich von „Teuerungsraten“ aber eher b) andere Maßstäbe zur „Mittelvergabe“ geben wird und c) eine Förderung über mehr 5 Jahre nicht mehr zugesagt würde. Betroffen waren von diesen Planungen vor allem das Kulturhaus Süderelbe (seinerzeit noch in Hausbruch), die Kulturwerkstatt und die Initiative „Alles wird schön“ (siehe „Hamburger Abendblatt“ vom 31. Mrz. 2010).

Zur gleichen Zeit wurde es dann im wahrsten Sinne des Wortes brenzlig um das Bürgerhaus „Rieckhof“. Denn ein neuer Brandschutzbeauftragter stellte bei der routinemäßigen Prüfung fest, dass der Rieckhof den gesetzlichen Bestimmungen der Versammlungsstättenverordnung nicht genügt. Heraus kam: er tat es im Grunde nie. Denn schon zu seiner Eröffnung hätte er im Grunde nicht zugelassen werden dürfen. Clou des Ganzen: es ist ein städtisches Gebäude (siehe „Harburg aktuell“ vom 09.Sept. 2010).

SuedKultur solidarisierte sich in einem „offenen Brief“ mit dem Betreiberverein des Rieckhofs: „Seit geraumer Zeit werden Kulturschaffende nur noch an ihren Besucherzahlen gemessen. Kulturpolitischer „Erfolg“ ist fast nur noch mit überstrapazierter Leidensfähigkeit darstellbar und letztlich werden wir zur Multikompetenz in Juristerei, Haushaltsrecht, Organisation, Hausmeisterei und Behördenauflagen gezwungen.

Dies ist – wie der Fall Rieckhof nun eben besonders deutlich zeigt – eine Sackgasse!

Wir haben Kompetenz in Kultur und fordern konkrete und kompetente Ansprechpartner für Behörden, Auflagen, Juristerei und Haushalts-recht.

Wir fordern umgehende Zusagen zur finanziellen und rechtlichen Absicherung des Rieckhofs!

26 Jahre Programm – 5.000 Veranstaltungen – sind Beweis genug, dass der Rieckhof seine eigentliche Kompetenz – eben Kulturzentrum zu sein – beherrscht. Nun ist es an Politik und Verwaltung, ihrerseits Kompetenz zu beweisen!“

Letztlich wurde von der Politik „frisches Geld“ in Höhe von 865.000 € aufgetrieben, der Rieckhof für ein halbes Jahr geschlossen und saniert. Eine Erhöhung der Mittel für kulturelle Arbeit ließ bis Ende 2017 auf sich warten.

]]>