Schilleroper – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Wed, 20 Aug 2025 07:53:32 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Geschichte in Trümmern https://www.tiefgang.net/geschichte-in-truemmern/ Fri, 22 Aug 2025 22:50:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12309 [...]]]> Was, wenn die Abrissbirne bald zur Hamburger Folklore gehört? Ein neues Buch der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zeigt jetzt, was in nur einem Jahr an kulturellem Erbe unwiederbringlich verloren gegangen ist – auch vor unserer Haustür.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz legt mit ihrem „Schwarzbuch der Denkmalpflege“ ein Dokument vor, das aufrüttelt und zugleich schmerzt. Es ist ein Verzeichnis der Verluste, der bewusst herbeigeführten Ruinen und der stillen, rechtlichen Aushöhlung von Schutzstatus. Ziel des Buches ist es, künftig jährlich aufzuzeigen, was an Geschichte und Einzigartigkeit in nur einem Jahr verloren ging, um so Bewusstsein zu schaffen und Wege aufzuweisen, wie Denkmalverluste zukünftig verhindert werden können.

Und es gibt gute Argumente: Denkmalschutz ist weit mehr als nur der Erhalt von Steinen. Es ist der Schutz von Erinnerung, Identität und Kultur. Die Autoren beleuchten verschiedene Ursachen für die Zerstörung, von „Abriss ohne Genehmigung“ über „Abriss trotz Einsatz vor Ort“ bis hin zur „Spekulation auf Abriss“. Das Buch zeigt auf, wie Denkmalschutzgesetze ausgehöhlt und Denkmalbehörden systematisch geschwächt werden.

Auch für Hamburg wird der traurige Befund des Schwarzbuchs nachvollzogen. Der geplante Abriss der Köhlbrandbrücke etwa: Ein architektonisches Wahrzeichen der Hafenstadt soll einem Neubau weichen, ohne dass eine ernsthafte Diskussion über den Erhalt geführt wird. Noch dramatischer ist die Situation der Sternbrücke, ein ikonisches Bauwerk, dessen Schicksal zwischen Denkmalschutz und dem Drang nach moderner Infrastruktur verhandelt wird. Das geplante Ersatzbauwerk, so die Kritik der Denkmalschützer, werde die Identität des Ortes unwiderruflich zerstören.

Ein weiteres unsägliches Kapitel in der Hamburger Denkmalpflege: die Schilleroper. Das Opernhaus, das einst als Theater mit 1400 Sitzplätzen diente, ist durch jahrelange Vernachlässigung dem Verfall preisgegeben. Ein bezeichnender Fall von „Spekulation auf Abriss“, bei dem private Interessen über das kulturelle Erbe gestellt werden.

Ein eigenes, brisantes Kapitel widmet sich den Bahnhöfen in Deutschland – einst mal die Visitenkarten der Städte und Orte. Die Deutsche Bahn baut nun vielerorts ihre Bahnhöfe um, was häufig aber auch mit einer Missachtung ihrer historischen Bedeutung einhergeht. Auch hier wird kritisiert, dass bei der Modernisierung zu oft historische Substanz geopfert wird, um „Funktionalität“ zu erzielen. So verschwinden unter dem Deckmantel der „Entwicklung“ kunstvolle Dächer, ornamentierte Hallen und historisch wertvolle Fassaden. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fordert auch hier einen bewussteren Umgang mit der denkmalgeschützten Bausubstanz, denn Bahnhöfe seien nicht nur Verkehrsknotenpunkte, sondern auch Zeugnisse der Industrialisierung und der Mobilitätsgeschichte.

Das „Schwarzbuch der Denkmalpflege“ ist ein leidenschaftlicher Appell an alle Bürgerinnen und Bürger, die Verantwortung für unser gemeinsames Erbe zu erkennen und aktiv für den Erhalt einzutreten. Es zeigt, dass auch kleine Schritte und individuelles Engagement wichtig sind, um die Verluste zu stoppen und die Schönheit unserer gebauten Geschichte zu bewahren. Das Schwarzbuch macht deutlich: Es ist fünf nach zwölf, wenn es um unser kulturelles Erbe geht. Das Bewusstsein für die Bedeutung von Geschichte in unseren Städten muss dringend wieder gestärkt werden, damit das, was uns ausmacht, nicht einfach verschwindet.


Deutsche Stiftung Denkmalschutz (Hg.): Das Schwarzbuch der Denkmalpflege. Ein Verzeichnis verlorener Geschichte 2023/24

284 Seiten

]]>
You´ll never rock alone https://www.tiefgang.net/youll-never-rock-alone/ Fri, 26 Jul 2019 22:16:38 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5595 [...]]]> Fast 170 Clubs und Veranstalter der Hamburger Musikszene bilden mittlerweile das „Clubkombinat“. Ein Rückblick auf 15 Jahre Lobbyarbeit.

Im Juli 2019 existiert der Verein Clubkombinat Hamburg e. V. 15 Jahre und bildet somit nach der Berliner Clubcommission die zweitälteste Vereinigung von Musikspielstätten in Deutschland. Am 06. Juli 2004 fand die offizielle Gründungsversammlung des Hamburger Clubverbands im Waagenbau statt. Neben HafenklangZinnschmelzeFundbureauAstra Stube, EdelfettwerkMarkthalle  und  Molotow nahmen nahmen auch leider längst stillgelegte, teils abgerissene Perlen wie beispielsweise ClickSchilleroperEgal Bar,  Mandarin Casino und Tanzhalle St. Pauli an dem Treffen unter der Sternbrücke teil. Rund 20 Geschäftsführer*innen und Booker*innen gehörten der Gründungsgeneration an, die sich vereinte, um Probleme der Szene im Kollektiv zu benennen, Ideen zu entwickeln und Lösungen zu erarbeiten. An der Aufgabenstellung hat sich bis heute nichts geändert. Inzwischen verbindet das Clubkombinat knapp 170 Vereinsmitglieder. Das Jubiläum zum fünfzehnjährigen Bestehen bietet Anlass, um mit drei Aktionen einige Rückblicke, Einblicke und Ausblicke auf die Verbandsarbeit zu werfen:

“15 Jahre Clubkombinat – You´ll never walk alone”

Ein Feature in Schrift und Bewegtbild dokumentiert die Anfänge, Meilensteine, Arbeit und Visionen des Club-Kollektivs. Der erste Teil der viergliedrigen Serie von Birgit Reuther wured auf der Verbands-Homepage am Samstag, den 06. Juli veröffentlicht. Zeitzeugen, Gründungsmitglieder, ehemalige und aktuelle Clubbetreiber*innen und Unterstützer*innen wie Andrea Rothaug (Rock City e.V.), Wolfgang Landt (Markthalle), Andi Schmidt (Molotow), Terry Krug (Tanzhalle St.Pauli), Karsten Schölermann (Knust), John Schierhorn (Waagebau) sowie Dr. Carsten Brosda (Senator der Behörde für Kultur und Medien) kommen dabei zu Wort.

Hamburger Club-Türen Poster veröffentlicht

81 Türen, hinter denen unzählige unvergessliche Abende und Nächte verbracht wurden, sind für das neue Club-Türen Poster abgelichtet worden (´Tiefgang` berichtete). Von Aalhaus bis Yoko, Altona bis Wandsbek und Anarcho-Punk-Laden bis Weltmusik-Bühne ist alles dabei. So bunt die Türen, so vielfältig sind auch die Musikbühnen dahinter. Auch Türen, die für immer geschlossen bleiben werden, wie die der Kogge und der BarRock, wurden hier für die Ewigkeit festgehalten. Ab sofort sind die Poster (A1) für 10 Euro im St. Pauli Tourist Office (Wohlwillstraße 1 und auch per Online-Bestellung unter info@sanktpaulioffice.de zzgl. Versand) sowie beim Clubkombinat Hamburg (Kastanienallee 9) erhältlich. Eine digitale Variante, die noch weitere Club-Türen zeigt und auch die jeweiligen Websites und viele Club-Portraits bereithält, ist unter club-tueren.clubkombinat.de zu finden.

Sommerfest am 26. August 2019

In Kooperation mit pop-up records lädt das Clubkombinat Ende August auf das Festivalgelände von SOMMER IN ALTONA zum Sommerfest ein. Die geladenen Gäste erwarten verschiedene Beiträge zur fünfzehnjährigen Geschichte des Clubkombinats, u. a. ein Club-Talk zwischen dem Rapper DAS BO, Susanne “Leo” Leonhard (Docks/Prinzenbar), Holger Jass (Ex-Onkel Pö) und Claudia Mohr (Waagenbau). Die Moderation übernimmt Siri Keil (NDR Info Nachtclub).

Quelle: clubkombinat.de

]]>