St. Maximilian-Kolbe-Kirche – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 25 Nov 2022 17:08:31 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Von Kirche zu Campus https://www.tiefgang.net/von-kirche-zu-campus/ Fri, 25 Nov 2022 23:03:51 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9528 [...]]]> Diese Woche wurde mit dem Malteser Campus St. Maximilian Kolbe ein quartierbezogenes interkulturelles Bürgerzentrum für Jung und Alt eröffnet. Im Mittelpunkt des Campus steht  das gleichnamige denkmalgeschützte Kirchengebäude.

Der außergewöhnliche Sakralbau von 1974 mit seinem auffälligen Betonspiralturm sollte ursprünglich abgerissen werden und konnte dank des Engagements der Malteser, engagierter Bürgerinnen und Bürger und des Denkmalschutzamtes gerettet und denkmalgerecht instandgesetzt werden. Ziel war es, die besonderen Qualitäten des denkmalgeschützten Kirchengebäudes innen wie außen zu erhalten und die nötigen Eingriffe in den Bau zu minimieren. Der heutige Campus ist das Ergebnis eines Ideenwettbewerbs, an dem sich 2014 viele Wilhelmsburgerinnen und Wilhelmsburger zu der Frage beteiligt haben, wie das entweihte Kirchengebäude in Zukunft nachhaltig genutzt werden kann.

Die denkmalgerechte Instandsetzung des Kirchengebäudes und der Innenausbau erfolgten nach einem Entwurf des Architekturbüros Landwehr Henke + Partner mdB. Dieses ging als Gewinner aus einem Wettbewerb hervor und schafft durch das „Haus-in-Haus-Prinzip“ Räume für die neue Nutzung, wobei der beeindruckende Innenraum des Kirchengebäudes weiter erlebbar bleibt. 2018 erhielt das Projekt einen von drei Preisen des Bundeswettbewerbs „Europäische Stadt: Wandel und Werte – Erfolgreiche Entwicklung aus dem Bestand“. Ausgelobt worden war der Wettbewerb durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) zum Europäischen Kulturerbejahr 2018. Etwa 1,5 Millionen Euro investierten die Malteser in den Innenausbau der ehemaligen St. Maximilian Kolbe Kirche. An der Finanzierung der 900.000 Euro teuren Außensanierung der Kirche beteiligte sich der Bund mit 400.000 Euro, das Denkmalschutzamt Hamburg mit 350.000 Euro, davon 100.000 Euro aus einer zweckgebundenen privaten Zuwendung an das Amt, und die Hamburger Stiftung Denkmalpflege mit 50.000 Euro. Das Erzbistum Hamburg engagierte sich mit 100.000 Euro.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Der Erhalt der wertvollen Architektur der ehemaligen St. Maximilian Kolbe-Kirche ist für die Stadt von hoher Bedeutung. Mit ihrer markanten Spiralform ist die Kirche ein wichtiges städtebauliches Wahrzeichen in Wilhelmsburg und zugleich ein sozialer Anker für das Quartier. Es ist ein schöner Erfolg für den Denkmalschutz, dass hier gemeinsam ein guter Weg für eine Umnutzung der Kirche gefunden wurde und durch die Instandsetzung Räume entstanden sind, die den Bedürfnissen des Stadtteils und der Arbeit der Malteser gerecht werden. Herzlichen Dank an alle, die sich für den Erhalt des Denkmals eingesetzt haben und die Zukunft des Campus gestalten.“

Dr. Elmar Pankau, Vorstand der Geschäftsführung der Malteser Deutschland GmbH: „Es freut mich sehr, dass wir durch den Erhalt des ehemaligen Kirchengebäudes den dringend benötigten Raum für interkulturelle und generationenübergreifende Begegnungen in Wilhelmsburg schaffen. Mit den sozialen und kultursensiblen Angeboten, die wir Malteser hier nun anbieten und weiterentwickeln wollen, setzen wir unseren Auftrag, für hilfebedürftige, kranke und alte Menschen da zu sein, auf ganz besondere Weise um.“

Ministerialrat Matthias Vollmer vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen nahm im Rahmen der Eröffnungsfeier vor rund 130 geladenen Gästen Bezug auf die umfassende Unterstützung durch den Bund und die Förderung der interkulturellen Arbeit in Wilhelmsburg. Manouchehr Shamsrizi, Vorsitzender des Fachbeirats Malteser Campus St. Maximilian Kolbe, erläuterte die wissenschaftliche Begleitung des aufwendigen Projektes.

Zahlreiche Angebote für Bürgerinnen und Bürger

Im neu gestalteten Innenraum des denkmalgeschützten Kirchengebäudes werden vielfältige Angebote für Alt und Jung Platz finden. So wird dort unter anderem die Vorschule der Katholischen Bonifatiusschule in Wilhelmsburg und die Kita St. Bonifatius einziehen. Auch das Koordinierungsbüro der bereits seit 2018 im Stadtteil aktiven Malteser Hospizgruppe wird in dem ehemaligen Kirchengebäude eröffnen. Von dort aus organisieren die Malteser zum Beispiel Ehrenamtsschulungen für Sterbebegleiterinnen und Sterbebegleiter, die in Wilhelmsburg Menschen am Lebensende begleiten und unterstützen. Der Integrationsdienst der Malteser wird Deutschkurse für Geflüchtete und verschiedene weitere Projekte für Menschen mit Migrationshintergrund anbieten. In der Elternküche können Schwangere, junge Mütter und Väter mit Säuglingen und Kleinkindern gemeinsam gesund kochen und miteinander ins Gespräch kommen. Auch das Mentorenprogramm „Balu und Du“, das Grundschulkindern aus dem Hamburger Süden zugute kommt, wird von hier aus koordiniert. Ein Besuchsdienst für Seniorinnen und Senioren, die unter Einsamkeit leiden, ist ebenso im Aufbau wie das Angebot von Erste-Hilfe-Kursen und sozialpflegerischen Ausbildungen.

Offen gestalteter Andachtsraum bleibt erhalten

Im Innenraum der entweihten denkmalgeschützten Kirche gibt es einen kleinen, offen gestalteten Andachtsraum. Er steht den Bewohnerinnen und Bewohnern der angrenzenden Pflegeeinrichtung ebenso zur Verfügung wie allen Interessierten – unabhängig davon, welcher Religion sie angehören. So bleibt den Wilhelmsburgerinnen und Wilhelmsburgern ein Stück ihrer Kirche erhalten.

Infos zum Campus unter: www.maltesercampus-wilhelmsburg.de

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Hamburgs geteiltes Erbe https://www.tiefgang.net/hamburgs-geteiltes-erbe/ Fri, 28 Dec 2018 23:14:50 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4700 [...]]]> Hamburg ist mit sich zufrieden. Zumindest was die Teilnahme am Europäischen Kulturerbe angeht …

Die Stadt Hamburg zieht Bilanz zum Europäischen  Kulturerbejahr 2018. Und klar: Alles gut! Dabei bleiben erwartungsgemäß aktuelle Abriss-Debatten über das Deutschlandhaus oder die Cityhöfe unerwähnt.

In der Mitteilung der Behörde für Kultur und Medien heißt es:

„Mit 30 Hamburger Projekten lag die Beteiligung der Hansestadt weit über dem Bundesdurchschnitt.

Das Europäische Kulturerbejahr 2018 unter dem Motto „Sharing Heritage“ hat auch in Hamburg unser reichhaltiges europäisches Erbe erfolgreich sichtbar gemacht. In ganz Europa bot das Jahr viele Gelegenheiten, dem Motto entsprechend „zu Hause Europas Geschichte zu entdecken“. Vertreter und Vertreterinnen von Initiativen, Stiftungen, Schulen, von Hochschulen, Kirchen, Museen, Geschichtswerkstätten und Vereinen haben sich in Hamburg mit insgesamt rund 30 Projekten, darunter Ausstellungen, Vorträgen und Diskussionen, Kunst-, Foto- und Filmprojekten sowie App, Forschungs- und Vermittlungsvorhaben, eingebracht. Damit lag die Beteiligung der Hansestadt deutlich über dem Bundesdurchschnitt.

Jana Schiedek, Staatsrätin für Kultur und Medien: „Die Hamburgerinnen und Hamburger haben die Idee der Europäischen Kommission engagiert aufgegriffen und das Motto ,Sharing Heritage´ vielfältig erlebbar gemacht. Nach dem bundesweiten Auftakt des Kulturerbejahres im Hamburger Rathaus, haben viele erfolgreich dazu beigetragen, unsere gemeinsame europäische Geschichte auch in Hamburg lebendig zu halten. Ein Großteil der Aktivitäten zum Kulturerbejahr kam aus der Hamburger Zivilgesellschaft. Ich bin allen Beteiligten dankbar für ihren Einsatz und ihre Ideen und Impulse. In ihrer Vielfalt haben die Hamburger Projekte gezeigt, dass unser kulturelles Erbe mit all seinen Gemeinsamkeiten und Unterschieden ein stabiles Fundament unserer gemeinsamen Zukunft bildet.“

Das Denkmalschutzamt der Hamburger Behörde für Kultur und Medien hatte sich bereits maßgeblich an den Vorbereitungen des Europäischen Kulturerbejahres auch auf nationaler und internationaler Ebene beteiligt. Bereits seit 2015 ist Landesdenkmalpfleger Andreas Kellner als Vertreter der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger Mitglied im nationalen Programmbeirat gewesen. Im Rahmen eines Denkmalsalons im Herbst 2015 stimmte Architekturkritiker und Denkmalratsmitglied Jürgen Tietz Hamburger Fachkreise auf das bevorstehende Themenjahr mit dem Motto „Sharing Heritage“ ein. Im Mai 2017 lud das Denkmalschutzamt zivilgesellschaftliche Akteure zu einem Auftakt-Workshop in die ehemalige St. Maximilian Kolbe-Kirche ein. „Was sind unsere gemeinsamen Wurzeln? Wo ist Europa in Hamburg präsent? Wer sind die künftigen Erben unseres kulturellen Erbes? Und wie wollen wir uns konkret in das Europäische Kulturerbejahr 2018 einbringen?“ Diese Fragen diskutierten rund 40 Vertreterinnen und Vertreter von Stiftungen, Hochschulen, Kirchen, Museen, Geschichtswerkstätten, Vereinen und Initiativen.

Anfang 2019 wird das Denkmalschutzamt die zivilgesellschaftlichen Akteure, die sich in Hamburg im Europäischen Kulturerbejahr engagiert haben, noch einmal zu einem Workshop einladen, der Rückblicke und Ausblicke miteinander verbinden wird.

Einzelne Projekte im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahrs

Kurz bevor am 8. Januar 2018 der bundesweite Auftakt zum Europäischen Kulturerbejahr im Hamburger Rathaus stattfand, hatte die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) im Dezember 2017 das Kolloquium „KULTURGUT EUROPÄISCHE STADT“ mit mehreren Landesdenkmalpflegern und Hamburgs Oberbaudirektor an der Hochschule für Bildende Künste durchgeführt. Von Januar bis April fanden im Denkmalsalon vier Vortragsabende zum Thema Denkmalpflege in Europa statt mit Erfahrungsberichten aus Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz und Russland.

Hamburgweit fanden das ganze Jahr über zahlreiche Veranstaltungen, organisiert von verschiedensten zivilgesellschaftlichen Akteuren, statt, einige begleitet durch die Behörde für Kultur und Medien. Projekte wie die Ausstellung „Klassisch dänisch. Norddeutsche Baukultur seit 1790“ im Jenisch Haus, die Veranstaltung „Tafelsilber und Betongold“ der Patriotischen Gesellschaft, des Denkmalrats und des Denkmalvereins oder die Ausstellung und Publikation zum 180jährigen Jubiläum der Englischen Kirche am Zeughausmarkt erhielten Fördermittel, andere wurden durch Redebeiträge und Vermittlung von Partnern unterstützt.

Höhepunkte unterschiedlichster Aktivitäten waren die Europawoche und der Tag des offenen Denkmals.

Die Europawoche wurde mit der Fotoausstellung „Die Straßen von Marseille – Les rues de Hambourg“ eröffnet, die vom Denkmalschutzamt konzipiert, von der Leipziger Agentur Panoramastreetline umgesetzt und durch die Stiftung Denkmalpflege Hamburg und das Goethe Institut Marseille gefördert wurde. Die Ausstellung, die große Resonanz erfuhr, wurde im Mai in der Rathausdiele gezeigt, anschließend in Marseille zum Besuch des Ersten Bürgermeisters Peter Tschentscher im Juli. Zum Gegenbesuch der französischen Delegation kehrte die Ausstellung im Herbst zurück in die Hamburger Rathausdiele, bevor sie im November an der HafenCity Universität zu sehen war.

In der Europawoche hatten Denkmalschutzamt, Senatskanzlei und Infopoint Europa außerdem die Podiumsveranstaltung „Wie europäisch ist Hamburg? – Vielfalt und Reichtum des europäischen Kulturerbes“ über Zukunftsfragen des gemeinsamen baukulturellen Erbes durchgeführt. Im Spiegelsaal des Museums für Kunst und Gewerbe diskutierten Landesdenkmalpfleger Andreas Kellner, Dr. Sebastian Giesen, Geschäftsführer der Hermann-Reemtsma-Stiftung, Dr. Ingrid Nümann-Seidewinkel, Vorsitzende der Patriotischen Gesellschaft von 1765 und HCU-Professorin Dr. Lisa Kosok über Zukunftsfragen des gemeinsamen baukulturellen Erbes.

Den Tag des offenen Denkmals mit dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“ nahmen viele Veranstalter zum Anlass, Fragen von Kulturtransfer, Austausch und Bewegung aufzugreifen. Die Auftaktveranstaltung am 7. September 2018 – dem 210 Geburtstag des englischen Ingenieurs William Lindley – lenkte den Fokus auf die englischen, unter anderem aber auch auf die dänischen und portugiesischen Spuren in Hamburg. Vorgestellt wurde dabei auch das Schülerprojekt des Gymnasiums Klosterschule „Ein Ingenieur startet durch!“, das in einer Ausstellung zu William Lindley und in einer gemeinsamen Publikation mit dem Denkmalschutzamt mündete.

Ein Schwerpunktprojekt des Denkmalschutzamts im Kulturerbejahr war die Entwicklung der Augmented Reality App „Mit Lindley durch Hamburg: Englisches Know-How in der Hansestadt digital erleben“, die auch Thema zur Eröffnung des Tags des offenen Denkmals war. Finanziert wurde das Projekt aus Mitteln des IT-Globalfonds der Freien und Hansestadt Hamburg und aus Denkmalschutzmitteln der Behörde für Kultur und Medien. Die App ist Teil des Verbundprojekts „Denkmal Europa“ der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger, das im November auf denkmal, der Europäischen Leitmesse für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung, in Leipzig präsentiert wurde.

Außerdem erhielt auf der Denkmalmesse Leipzig das Konzept der geplanten Umnutzung der ehemaligen St. Maximilian Kolbe-Kirche in Hamburg Wilhelmsburg einen Preis beim Bundeswettbewerb „Europäische Stadt: Wandel und Werte – Erfolgreiche Entwicklung aus dem Bestand“, den das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 ausgelobt hatte. Der Impuls zur Projekteinreichung beim Bundeswettbewerb ging vom Denkmalschutzamt aus.

Ziel des Europäischen Kulturerbejahres war es auch, nachhaltige Effekte für Denkmalschutz und eine nachhaltige Baukultur über 2018 hinaus zu initiieren. Dazu wurde in Berlin zum Sharing Heritage Summit der „Berlin Call to Action“ verabschiedet, den Hamburgs Landesdenkmalpfleger vor Ort mitunterzeichnete. Dieser Aktionsplan hat den Impuls der „Davos-Declaration zum Stellenwert der Baukultur“ gezielt in den Kulturerbe-Bereich getragen, nachdem sich bereits die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (VdL) auf ihrer Jahrestagung unmittelbar vor dem Summit mit dem „Trierer Manifest“ zur Davos-Declaration bekannt hatte. Der Aktionsplan fordert verstärkte Bildungs- und Vermittlungsaktivitäten für das kulturelle Erbe ein und setzt so auf Verstetigung der Aufbruchstimmung des Europäischen Kulturerbejahres.

Die Ausstellungen „Klassisch dänisch“ im Jenisch Haus und  zum Jubiläum in der Englischen Kirche am Zeughausmarkt sind auch in neuen Jahr noch zu sehen.“

Links:

Das Europäische Kulturerbejahr in Deutschland: www.sharingheritage.de | www.dnk.de

Hamburger Projekte im Europäischen Kulturerbejahr: www.sharingheritage.de/projekte/ort/Hamburg

VdL-Verbundprojekt „Denkmal Europa“: www.denkmal-europa.de

Hamburger Lindley-App: www.williamlindley.eu

Quelle: www.hamburg.de/bkm

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„Beispielhaft“ https://www.tiefgang.net/beispielhaft/ Fri, 09 Nov 2018 23:53:44 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4506 [...]]]> In Wilhelmsburg konnte die denkmalgeschützte ehemalige St. Maximilian-Kolbe-Kirche erhalten werden, in dem eine neue Nutzung gefunden wurde – auch für Kultur. Dafür gab es jetzt einen Preis.

Während die Dreifaltigkeitskirche im Zentrums Harburg nach jahrelangem Leerstand jetzt immerhin in einer Erprobungsphase für eine kulturelle Weiternutzung steht, wird in Wilhelmsburg bereits der erste Preis für ein umgesetztes Profanisierungsprojekt mit einem Preis gefeiert.

In der Pressemitteilung der Hamburger Behörde für Kultur und Medien heißt es:

„Für die Pläne zum Erhalt der denkmalgeschützten St. Maximilian Kolbe-Kirche in Wilhelmsburg und ihre Umnutzung zum „Malteser Campus St. Maximilian Kolbe“ gab es heute einen von drei dritten Preisen beim Bundeswettbewerb „Europäische Stadt: Wandel und Werte – Erfolgreiche Entwicklung aus dem Bestand“, den das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 ausgelobt hatte. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde heute am 8. November in Leipzig im Rahmen der „denkmal – Europäische Leitmesse für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung“ überreicht. Die Rettung und der beispielhafte Erhalt der abrissbedrohten ehemaligen St. Maximilian Kolbe-Kirche und die geplante denkmalgerechte Umwandlung zum Zentrum für Pflege, Ausbildung und Begegnung durch die Malteser Norddeutschland gGmbH wurde in der Kategorie „Stadtgebäude“ ausgezeichnet.

„Wandel und Werte“

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Das ausgezeichnete Projekt zeigt beispielhaft einen Weg zum Erhalt eines identitätsstiftenden Denkmals. Die Hamburgerinnen und Hamburger waren mit vielen kreativen Ideen an der Entwicklung eines neuen Nutzungskonzepts für das Denkmal beteiligt: Die Wünsche aus dem Stadtteil nach Begegnung werden über die denkmalgerechte Umgestaltung des Kircheninnenraums zu einem interkulturellen Zentrum realisiert. Diesem gesellschaftlichen Miteinander jenseits ethnischer, kultureller oder sozialer Grenzen im wahrsten Sinne Raum zu geben, ist auch ein Kerngedanke des Europäischen Kulturerbejahrs. Ich danke den Hamburgerinnen und Hamburgern für ihre vielen guten Ideen zur Umnutzung des Denkmals und den Maltesern für ihre Offenheit bei der Konzeption und Realisierung des Projekts.“

Dr. Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen: „Der Erhalt der wertvollen Architektur der ehemaligen St. Maximilian Kolbe-Kirche ist für die Stadt von hoher Bedeutung. Die geplante Umnutzung wird den Stadtteil Wilhelmsburg mit einem weiteren Baustein an Vielfalt und Lebensqualität bereichern. Mit der neuen Nutzungskonzeption soll eine sozialraumorientierte und nachhaltige Weiterentwicklung des Kirchengebäudes für den Stadtteil entstehen, die für Wilhelmsburg ausgesprochen positiv ist.“

Dr. Franz Graf von Harnoncourt, Geschäftsführer Malteser Deutschland gGmbH: „Wir freuen uns, dass die Jury des Bundeswettbewerbs unsere Bemühungen würdigt, den ,Malteser Campus St. Maximilian Kolbeʻ zum Raum für interkulturelle Begegnung, gekoppelt mit sozialen und kultursensiblen Angeboten, umzuwandeln. Die Auszeichnung ist Bestätigung und Unterstützung zugleich, mit dem Erhalt des Denkmals eine neue Quartiersmitte mit Räumen für alle Wilhelmsburger zu etablieren.“

Mit dem Bundeswettbewerb „Europäische Stadt: Wandel und Werte“ werden im Europäischen Kulturerbejahr 2018 herausragende Konzepte und Projekte für einen zukunftsweisenden Umgang mit dem baukulturellen Erbe ausgezeichnet. Ausgelobt wurde der Wettbewerb vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI). Kooperationspartner sind die Länder und Kommunalen Spitzenverbände der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen der Bund-Länder-Städtebauförderung und der Nationalen Stadtentwicklungspolitik (NSP).

Die achtköpfige, interdisziplinär besetzte Jury bewertete die Beiträge hinsichtlich ihres Umgangs mit den besonderen Qualitäten der Europäischen Stadt. Grundlage waren sieben Bewertungskriterien: Einfügung in den städtebaulichen Kontext einschließlich Erhalt wertvoller Bausubstanz, Belebung von bereits Vorhandenem durch neue Nutzungen, Impuls für weitere Aktivitäten und Übertragbarkeit auf andere Kommunen sowie Innovation durch Erprobung neuer Planungs- und Umsetzungsmöglichkeiten. Ferner Dialog über partizipative Prozesse und Akzeptanz in der Stadtgesellschaft, Engagement von Bürgern und Bürgerinnen oder Initiativen und Perspektive durch Erwartungen beziehungsweise Auswirkungen auf Bürgerinnen und Bürger sowie Stadtentwicklung. In den vier Kategorien Stadtgebäude, Stadtraum, Stadtleben und Stadtbürger gab es insgesamt 21 Nominierungen.

Das Projekt zur Umnutzung und Erweiterung der denkmalgeschützten und profanierten Kirche St. Maximilan Kolbe erhielt einen von drei dritten Preisen in der Kategorie Stadtgebäude. Die Denkmalumnutzung im Zentrum Wilhelmsburgs ist Teil einer Entwicklung des Standorts zum „Malteser Campus St. Maximilian Kolbe“ als quartiersbezogenes interkulturelles Zentrum für Pflege, Wohnen, Beratung, Ausbildung sowie Begegnung zwischen Generationen und Herkünften.

Abriss war beschlossen

Der Bau des Architekten Jo Filke wurde 1972 als ein Symbol des Aufbruchs für das durch die Flutkatastrophe von 1962 traumatisierte Wilhelmsburg errichtet. Seither prägt der auffällige Betonspiralturm das Stadtbild des Quartiers. Die vorrangig aus Polen stammende Gemeinde erinnerte mit dem Bau an einen in Auschwitz ermordeten Priester und setze somit auch ein Zeichen für die deutsch-polnische Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg.

In Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt wird die Kirche, deren Abriss 2014 bereits beschlossen war, baulich saniert und für Vorschul- und Seminarräume, Beratungsbüros und Familienhilfe umgebaut. Ziel ist es, bei weitestgehendem Erhalt von Raumeindruck, Substanz und Erscheinung einen hochwertigen wie funktionalen Ausbau zu realisieren. Die Kosten der Sanierung werden weitgehend von der Beauftragten für Kultur und Medien der Bundesregierung, dem Denkmalschutzamt Hamburg und Stiftungen getragen.

Der Entwurf für den Umbau von LH-Architekten, Landwehr Henke und Partner mbB war Gewinner eines Wettbewerbs. Er schafft in der Kirche einen Teil der Räume für die neuen Nutzungen sensibel nach dem „Haus-im-Haus-Prinzip“, wobei der beeindruckende Innenraum erlebbar bleibt. Büroarbeitsplätze werden in eine Aufstockung der eingeschossigen Sakristei verlagert, wodurch Eingriffe in die Bestandsfassade minimiert werden können.

Der „Malteser Campus St. Maximilian Kolbe“ ist darauf ausgerichtet, Modellcharakter zu entfalten und wird deshalb auf Grund eines Beschlusses des Bundestages durch das BMI gefördert. Die Fertigstellung ist für 2020 avisiert.“

Quelle: www.hamburg.de/bkm

Weiterführender Link: maltesercampus-wilhelmsburg.de

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