St. Pauli https://www.tiefgang.net Fri, 13 Dec 2024 10:58:39 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Zwei Club-Ikonen werden saniert https://www.tiefgang.net/zwei-club-ikonen-werden-saniert/ Fri, 13 Dec 2024 23:48:49 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11366 [...]]]> Das „Gruenspan“ und „Indra“ sind zwei Ikonen der Hamburger Clubkultur. Jetzt werden sie umfangreich saniert.

Die beiden legendären St. Pauli Livemusikclubs „Gruenspan und „Indra“ in der Großen Freiheit haben eine lange Tradition auf dem Kiez. Jetzt müssen sie, genau wie die darüber liegenden Wohnungen, dringend saniert werden. Nachdem lange unklar war, wie die Maßnahmen finanziert werden sollen, ist nun ein Weg gefunden. 14,3 Millionen Euro will die Stadt Hamburg investieren und so die Bauarbeiten möglich machen. Auch ein geeigneter Interimsstandort zur Überbrückung notwendiger Schließzeiten in zentraler Lage ist bereits in Aussicht und soll ab Mitte kommenden Jahres bereitstehen. Im Rahmen der Haushaltsberatungen muss jetzt noch die Bürgerschaft zustimmen und so den Weg für den Start der Sanierung frei machen.

„Beide Spielstätten sind aus der Hamburger Livebühnenlandschaft nicht wegzudenken. Ich freue mich sehr, diese beiden Ikonen des Kiez‘ bald in neuem Glanz zu sehen“, so Kultursenator Carsten Brosda. Bei beiden Clubs werden die Fassaden saniert und der Brandschutz verbessert. Der Gruenspan erhält darüber hinaus einen Neubau im Backstage-Bereich. Der dadurch gewonnene Platz soll Kapazität von etwa 900 auf 1.100 Personen erhöhen. So bleibt der Gruenspan auch zukünftig wettbewerbsfähig. An der Südseite des „Gruenspan“ soll zudem eine neue Fassade vor die bestehende Außenhülle gesetzt werden, um die Statik zu verbessern. Auf der neuen Fassade soll auch das 500 m² große Wandbild der Künstler Werner Nöfer und Dieter Glasmacher von 1968 neu aufgetragen und das denkmalgeschützte Original darunter gesichert werden.

Hinsichtlich des „Gruenspans“ ist die Dringlichkeit besodners hoch. Das Gebäude muss grundlegend saniert werden. Die bisher durchgeführten Maßnahmen sind nicht für eine dauerhafte Nutzung ausgelegt. Da die Planungen sehr weit fortgeschritten sind, kann die Sanierung im Sommer 2025 beginnen. Nachdem eine Bundesförderung im September 2024 nicht zustande gekommen ist, soll nun im Rahmen der Haushaltsberatungen der Bürgerschaft entschieden werden, dass die Stadt Hamburg die Gesamtmaßnahme mit 14,3 Mio. Euro aus Restmitteln des Sanierungsfonds der Bürgerschaft und Reservepositionen der Finanzbehörde unterstützt. Zusammen mit Eigenmitteln der zur Finanzbehörde gehörenden Sprinkenhof beläuft sich das Volumen des Gesamtprojekts auf 18,9 Mio. Euro. Ein geeigneter Interimsstandort zur Überbrückung notwendiger Schließzeiten in der näheren Umgebung ist bereits in Aussicht.

Das Grundstück, auf dem das „Gruenspan“ und das „Indra“ beheimatet sind, befindet sich seit 1999 im Besitz der Sprinkenhof, der zur Finanzbehörde gehörenden gewerblichen Immobiliengesellschaft der Stadt. Die Mietverhältnisse mit den Clubs sollen fortgeführt werden, dies schließt auch die Wohnungen in den Obergeschossen ein. Die Entwurfsplanung für die Gesamtmaßnahme soll im Februar 2025 abgeschlossen werden. Das dahinterliegende Projektgrundstück des zur Finanzbehörde gehörenden Landesbetriebs Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) soll zudem zukünftig für das zu realisierende Projekt „Azubiwohnheim“ der Hamburger Stadtwirtschaft genutzt werden, was die Gesamtplanung an der Großen Freiheit abrunden wird.

Finanzsenator und Sprinkenhof Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Andreas Dressel: „Die Club-Szene in der Großen Freiheit ist legendär – für St. Pauli, für Hamburg – und weit darüber hinaus. Wir alle wollen, dass das so bleibt: Was wäre Hamburg ohne die Clubs in der Großen Freiheit? Als sich im September im Bundestag abgezeichnet hat, dass die Bundesförderung leider nicht zustande kommt, war Gefahr im Verzug. Landespolitik, Behörden, Sprinkenhof und Betreiber haben sich untergehakt und einen Weg gefunden, damit die Sanierung auch ohne Bundesförderung gelingt. Und wir legen noch einen drauf: Auf dem Nachbargrundstück plant meine Behörde ein Azubi-Wohnheim für die Hamburger Stadtwirtschaft. Zusammen mit der weiteren Quartiersentwicklung in der Großen Freiheit wird das ein tolles und für Gäste und Bewohner gleichermaßen tolles Miteinander an einer der spannendsten Stellen der Stadt! Danke an alle Beteiligten für dieses Unterhaken in finanziell herausfordernden Zeiten!“

Kultursenator Dr. Carsten Brosda: „Das ‚Gruenspan‘ hatte sich 2018 anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums selbst als ‚Mutter aller Clubs‘ bezeichnet. Das Indra könnte dann wohl als ‚Mutter der Beatles‘ in Hamburg bezeichnet werden. Dies zeigt, wie sehr ‚Gruenspan‘ und ‚Indra‘ die Musik- und Clubkultur Hamburgs prägen. Beide Spielstätten repräsentieren eine große kulturelle Tradition und prägen heute mit ihrer musikalischen Vielfalt die Kulturstadt Hamburg. Mit dem Wandbild der beiden Künstler Werner Nöfer und Dieter Glasmacher von 1968 sind sie zudem bedeutende Denkmäler. Dass wir nun gemeinsam die Sanierung dieser Ikonen des Kiez‘ auf den Weg bringen können ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie wir die Clubkultur in Hamburg stärken.“

Ralf Engelhardt, Bereichsleiter Asset Management Sprinkenhof GmbH: „Im Sinne einer auch zukünftig attraktiven Hamburger Clubszene verfolgen wir gemeinsam mit Senat und Bürgerschaft das Ziel, die notwendigen Sanierungsmaßnahmen in unseren Clubs zügig anzugehen. Darunter sind das ‚Gruenspan‘ und das ‚Indra‘ besonders hervorzuheben. Neben dem Mindestziel, die Besucher*innenzahlen zu erhalten, stehen größere, wettbewerbsfähige Saalkapazitäten im Fokus. Darüber hinaus ist für beide Clubs weiterhin eine bedeutende Rolle für das sich gerade in Entwicklung befindende Areal um die Große Freiheit 58-70 hinsichtlich einer attraktiven, städtischen Quartiersentwicklung vorgesehen.“

Timur Börü, geschäftsführender Gesellschafter Gruenspan GmbH: „Wir freuen uns sehr darüber, dass das ‚Gruenspan‘ in der Großen Freiheit 58 bleiben wird, auch wenn wir für die umfassenden Sanierungen in eine Ersatzspielstätte ausweichen müssen. Dass das umfangreiche Vorhaben nach der langen Planungsphase in die Umsetzung geht, ist eine große Erleichterung. Dank der konkreten Aussicht auf einen gut geeigneten Interimsstandort blicken wir optimistisch auf die bevorstehende Sanierung und auf die Rückkehr in ein modernes ‚Gruenspan‘ mit historischem Charme. Wir danken für die Unterstützung der Stadt Hamburg und aller Beteiligten.“

Vorgesehen sind Fassadensanierungen und brandschutztechnische Verbesserungen in beiden teils denkmalgeschützten Clubs. Um die Statik des Gebäudes zu verbessern, wird an der Südseite des „Gruenspan“ eine neue Fassade als zusätzliches Tragsystem vor die bestehende Außenhülle gesetzt. Auf der neuen Fassade wird auch das 500 m² große Wandbild der Künstler Werner Nöfer und Dieter Glasmacher von 1968 neu aufgetragen. Darüber hinaus werden die Neben- und Technikflächen erweitert – so wird der Club durch einen Neubauteil im Backstage-Bereich vergrößert. Durch diese Maßnahmen kann die aktuelle Kapazität von etwa 900 auf 1.100 Personen erhöht werden, was sicherstellt, dass das „Gruenspan“ auch zukünftig wettbewerbsfähig bleibt.

Zwei Hamburger Orte mit langer Tradition

Auf dem Grund des heutigen „Gruenspan“ befand sich bereits 1889 der erste Hamburger Tanzsalon namens „Palmengarten“. Danach folgten Umbauten, verschiedenste Besitzerinnen und Besitzer sowie Nutzungen. Ob als Konzerthalle, Tanzlokal, „Hippodrome“, Lichtspielhaus und ab 1930 sogar für drei Jahrzehnte als Badeanstalt. In den 1960er Jahren wurde das Objekt wieder als Tanzpalast und Lichtspielhaus umfunktioniert und erhielt seinen Namen Grünspan (heute Gruenspan) zu Ehren des jüdischen Freiheitskämpfers Herschel Feibel Grynszpan. Das „Indra“ verfolgt ebenfalls eine lange Tradition, es gilt als einer der ältesten Clubs in Hamburg. Mit Eröffnung im Jahr 1960 wurde es zu einem bedeutenden Ort für die Entwicklung der Hamburger Musikszene, insbesondere für Rock- und Beatmusik. Am 17. August 1960 spielten hier erstmals die Beatles.

 

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Neuer Standort für das Molotow https://www.tiefgang.net/neuer-standort-fuer-das-molotow/ Fri, 05 Jul 2024 22:11:09 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10967 [...]]]> Reeperbahn 136 – ein Fachwerkhaus, das in der Umgebung aufällt. Und Clubgeschichte hat und weiter schreibt: Molotows neues Zuhause!Es ist eines der auffälligsten Gebäude auf der Reeperbahn und hat eine lange Geschichte als kultureller Ort. Das Haus mit pittoreskem Fachwerkgiebel an der Reeperbahn 136 hat eine wechselhafte Geschichte. Hier spielten schon die Beatles und die Kinks und seit 2008 hat hier das moondoo sein zuhause. Zum 31.12.2024 werden die Betreiber ihren Club schließen und den Ort der Hamburg Kreativ Gesellschaft übergeben, die die Räumlichkeiten mit einer Laufzeit bis mindestens 2037 anmieten und als Kulturort weiterentwickeln soll. Als Untermieter soll zu Beginn des kommenden Jahres das Molotow hier einziehen, das seinen jetzigen Standort am Nobistor zum Ende des Jahres verlassen muss.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Zu St. Pauli und ganz besonders zur Reeperbahn gehören Kultur und Musik seit jeher dazu. Es gibt wenige Orte auf der Welt, an denen so greifbar ist, wie sehr Musik unser Miteinander prägen kann. Hier sind Weltkarrieren gestartet, weil man es überall schaffen kann, wenn man es hier geschafft hat. Das soll auch so bleiben – und dafür braucht es Räume. Mit der Anmietung des Gebäudes an der Reeperbahn 136 können wir zusammen mit der städtischen Kreativ Gesellschaft einen legendären Musikort langfristig sichern. Ich bin erleichtert, dass wir damit auch dem Molotow eine langfristige Perspektive geben können. Andi Schmidt bietet mit seinem Team großen und kleinen Bands gleichermaßen eine Bühne im Herzen St. Paulis. Das Molotow ist eine feste Säule der Musikstadt Hamburg. Ich bin froh, dass es zusammen mit der Kreativ Gesellschaft und mit Hilfe vieler weiterer aus dem Bezirk und vor Ort gelungen ist, nicht nur dem Molotow ein neues Zuhause zu geben, sondern zugleich auch ein Gebäude direkt an der Reeperbahn langfristig für eine kulturelle Nutzung zu sichern.“

Egbert Rühl, Geschäftsführer der Hamburg Kreativ Gesellschaft: „Eine der wichtigsten Aufgaben der Kreativ Gesellschaft ist es, Orte und Flächen für die Kreativwirtschaft in Hamburg zu schaffen, zu ermöglichen, zu sichern und zu erhalten oder für eine Duldung zu sorgen. Dass wir dieser Aufgabe nun erfolgreich an der Reeperbahn nachgehen, um einen für Club-Nutzung prädestinierten Ort langfristig zu sichern, ist ein gutes Beispiel für die Funktion der Kreativ Gesellschaft. Das Engagement aller Beteiligten zeigt, wie unverzichtbar solche Orte für die Stadtgesellschaft sind.“  

Andi Schmidt, Geschäftsführer Molotow: „Wenn das nicht das allerbeste Geburtstagsgeschenk ist: Genau zum 34. Molotow Geburtstag, den wir dieses Wochenende feiern, haben wir erfahren, dass es eine neue Location für uns gibt. Anfang des Jahres ziehen wir in die Reeperbahn 136, wo schon die Beatles und die Liverbirds spielten, als es noch der Top Ten Club war. Wir freuen uns extrem darauf, ab Anfang 2025 an diesen legendären Ort sein zu können und bedanken uns unendlich, bei allen, die an uns geglaubt und das möglich gemacht haben! Jetzt gibt es am Wochenende gleich noch mehr zu feiern. Kommt ab Samstag 16 Uhr ins Molotow und feiert mit uns!“

Alexander Kulick, Co-Betreiber moondoo: „Fast siebzehn Jahre lang haben wir die Clubkultur in Hamburg mit Freude mitgestaltet und auf der Reeperbahn im Spannungsfeld von Kunst und Kommerz eigene musikalische Akzente gesetzt. Währenddessen war uns immer auch bewusst, dass kein Club ewig bleiben kann, dass auch das moondoo eines Tages schließen würde – am besten zu einem selbstgewählten Zeitpunkt und mit einem ‚Happy End‘. Als die Standortprobleme des Molotows bekannt wurden, beschlossen wir spontan, unsere Clubräume anzubieten. Wir freuen uns sehr, die Reeperbahn 136 zum 1.1.2025 in Andi Schmidts Hände geben zu können und danken allen Beteiligten, die an der Planung und Umsetzung mitgewirkt haben. Nach dem Ende unserer Sommerpause am 31.8. werden wir unseren Abschied vom Kiez bis zum 31.12. mit einem Abschlussprogramm feiern – als Dankeschön für eine unvergessliche Zeit. Als Gastronomen und Kulturschaffende bleiben wir weiter engagiert – im Café Schöne Aussichten und mit dem Newcomer:innen-Projekt Terrain.“

Die Kreativ Gesellschaft soll zum 1. Januar 2025 neue Mieterin der Clubräumlichkeiten im Unter- und Erdgeschoss des Gebäudes Reeperbahn 136 werden. Mit dem Vermieter wurde ein langfristiger Mietvertrag bis mindestens 2037 vereinbart, so dass dieser Ort langfristig für Musikkultur gesichert werden kann.

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