Straßen(um)benennungen https://www.tiefgang.net Wed, 28 May 2025 10:55:06 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Hamburg ehrt Widerstandskämpferin https://www.tiefgang.net/hamburg-ehrt-widerstandskaempferin/ Fri, 30 May 2025 22:51:04 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11861 [...]]]>

Ein bedeutsamer Schritt in der Hamburger Erinnerungskultur: Die Hindenburgstraße erhält einen neuen Namen.

Auf Beschluss der Senatskommission für die Benennung von Verkehrsflächen, und auf Vorschlag des Bezirks Hamburg-Nord, wird der nördliche Teil der Straße in Traute-Lafrenz-Straße umbenannt.

Diese Entscheidung würdigt Traute Lafrenz, eine bemerkenswerte Hamburgerin, die 1919 in der Hansestadt geboren wurde und sich als Teil der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ mutig den Verbrechen der Nationalsozialisten entgegenstellte.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, unterstreicht die Bedeutung dieses Akts: „Die Stadt hat lange um den richtigen Umgang mit der Benennung der Hindenburgstraße gerungen. Als Kompromiss wurde zunächst nur ein Teil nach Otto Wels umbenannt. Ich begrüße es sehr, dass nun auch der verbliebene Teil der Hindenburgstraße umbenannt wurde und wir künftig mit der Benennung an Traute Lafrenz erinnern, einer starken Hamburgerin, die sich als Mitglied der Widerstandsgruppe ‚Weiße Rose‘ mutig den Verbrechen der Nationalsozialisten entgegengestellt hat. Die Frage, an wen wir mit der Benennung der Straßen erinnern, ist ein wichtiger Teil des bewussten Umgangs mit unserer Geschichte.“

Traute Lafrenz‘ Lebensweg ist geprägt von Mut und Engagement. Geboren am 3. Mai 1919, knüpfte sie als Schülerin in Hamburg und später als Studentin in München Kontakte zu bekannten Widerstandskämpfern und beteiligte sich aktiv am Widerstand. Ihre Zugehörigkeit zur „Weißen Rose“ und ihre Verhaftung 1943 zeugen von ihrem unerschrockenen Einsatz. Nach ihrer Befreiung 1945 durch amerikanische Truppen zog sie 1947 in die USA, absolvierte ihr Medizinstudium und wirkte von 1972 bis 1994 als Leiterin der heilpädagogischen Tagesschule „Esperanza“. Hamburg würdigte ihr Wirken mit der Verleihung der Herbert-Weichmann-Medaille 2009 und des Bundesverdienstordens 1. Klasse 2019.

Die neue Traute-Lafrenz-Straße erstreckt sich von der U-Bahnstation Alsterdorf bis zur Alsterkrugchaussee. Im Zuge der Umbenennung wird auch die in diesem Bereich liegende Hindenburgbrücke zur Traute-Lafrenz-Brücke. Der südliche Teil der Hindenburgstraße bis zum Jahnring wird dem bereits 2013 in Otto-Wels-Straße umbenannten Abschnitt angegliedert.

Die Pressemitteilung informiert auch über eine weitere Ehrung im Hamburger Stadtbild: Ein Fußweg an der Elbe, der sich zwischen Dockland und dem Museumshafen Oevelgönne erstreckt, wird Tiller-Giller-Promenade genannt. Diese Benennung erinnert an das Schauspielerehepaar Nadja Tiller und Walter Giller, die bis zu ihrem Tod in einem angrenzenden Seniorenstift lebten.

Nadja Tiller (1929-2023) und Walter Giller (1927-2011) waren über Jahrzehnte feste Größen in der deutschen Theater- und Filmlandschaft. Ihre künstlerischen Leistungen wurden mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt, darunter das Bundesverdienstkreuz für beide.

Die Tiller-Giller-Promenade verläuft vom Dockland, Höhe Große Elbstraße 143, in westliche Richtung bis zur Höhe Neumühlen 37, der Adresse des Seniorenstiftes, in dem das Paar zuletzt lebte.

Die Bezirke werden die Umbenennungen in den kommenden Wochen umsetzen und damit ein neues Kapitel in der Hamburger Straßengeschichte aufschlagen.

 

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Zum Umgang mit kolonialen Straßennamen https://www.tiefgang.net/8360-2/ Fri, 10 Sep 2021 22:39:44 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8360 [...]]]> Das Staatsarchiv Hamburg  veranstaltet am 16. und 17. September 2021 ein Symposium zum Thema „Umgang mit kolonialen Straßennamen in Hamburg“.

Hamburg wurde von Kaufleuten und Reedern geprägt, die über Jahrhunderte Waren wie Zucker, Baumwolle oder Tee von anderen Kontinenten importierten. Dieser Handel war auch durch ökonomische und ökologische Ausbeutung anderer Kontinente geprägt. Die Spuren der Kolonialgeschichte finden sich bis heute im Stadtbild, so auch in über 130 Straßennamen mit kolonialem Bezug. Die Ausbeutung ging mit brutaler Gewalt, massiven Menschenrechtsverletzungen bis hin zu Genoziden einher. Die Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, auch diesen Teil ihrer Geschichte aufzuarbeiten. Hierzu hat der Senat zahlreiche Initiativen gestartet. Ein Element dieses post-kolonialen Erinnerungskonzeptes ist der Umgang mit Verkehrsflächen, die nach kolonial-belasteten Personen oder Orten benannt worden sind. Im Rahmen dieses Prozesses zur Entwicklung einer Strategie im Umgang mit diesen Verkehrsflächen lädt das Staatsarchiv Hamburg jetzt zu dem Symposium ein.

Eingeladen sind Expert*innen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft , die ihre Sichtweisen einbringen und Möglichkeiten des Umgangs diskutieren. Langfristig strebt die Stadt Hamburg an, eine Strategie zu entwickeln, wie sie mit kolonialen Straßennamen umgehen soll.

Das Symposium beginnt mit einer wissenschaftlichen Einführung in verschiedene Perspektiven auf die deutsche Kolonialgeschichte. Im Anschluss wird der Fokus auf das Thema Erinnerungskultur gelegt und der Umgang mit kolonialen Themen und Orten in Deutschland als postkolonialer Gesellschaft diskutiert.

Am zweiten Tag der Veranstaltung widmet sich das Symposium konkreteren und praktischeren Fragen an das Thema. Es sollen verwaltungsrechtliche Rahmenbedingungen von Straßen(um)benennungen betrachtet werden, einige Fallbeispiele besprochen sowie diskutiert werden, welche konkreten Formen der Transformation kolonialer Straßennamen denkbar sind und wer als neue*r Namensgeber*in dienen könnte. Das Ende des gesamten Symposiums bildet ein Abschlusspodium, auf dem Wissenschaftler*innen, Mitarbeiter*innen kultureller Einrichtungen und Aktivist*innen mit dem Hamburger Kultursenator Carsten Brosda diskutieren, welche Schritte die Stadt Hamburg ergreifen könnte, um einen zeitgemäßen Umgang mit ihrem kolonialen Straßennamenerbe zu finden.

Das Symposium wird digital per ZOOM  am 16.09.2021 (Donnerstag) zwischen 10.30 und 17.00 Uhr und am 17.09.2021 (Freitag) von 10.00 bis 17.30 stattfinden.

Das Programm finden Sie hier. Interessierten sind zur Teilnahme eingeladen. Sie können sich bereits jetzt unter verkehrsflaechenbenennung@staatsarchiv.hamburg.de anmelden. Ein ZOOM-Link wird dann ca. 1-2 Tage vor der Veranstaltung verschickt.

Weitere Informationen: Projekt Koloniale Straßennamen in Hamburg.

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