SuedStadt – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 12 Sep 2025 16:28:45 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Ende der Illusionen! https://www.tiefgang.net/ende-der-illusionen/ Fri, 12 Sep 2025 22:09:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12439 [...]]]> Es gab eine Zeit, da lag ein Zauber in der Luft. Ein Traum, der so groß und so kühn war wie der Koloss, den er zu beleben suchte. Es war die Vision eines „Third Place“ für Harburg.

So beschwor ihn die Kollegin der Kolumne, Clara Klatsch, einst – ein Ort der Begegnung, der Kreativität, der Kultur, direkt im Herzen des Bezirks. Nun ist dieser Traum zerplatzt. Mit einer knappen, aber unmissverständlichen Pressemitteilung hat das Netzwerk SuedKultur den Stecker gezogen. Nach mehr als 300 unentgeltlich ehrenamtlich geleisteten Stunden ist das Kapitel Karstadt für sie beendet. Es ist das traurige Ende eines Prozesses, der nie so richtig begonnen hat.

Die Erzählung begann im April 2024 mit einer hoffnungsvollen Nachricht: Die Stadt Hamburg hatte das ehemalige Karstadt-Kaufhaus am Harburger Ring gekauft. Der Senat versprach, die Schlüsselimmobilie im Herzen des Bezirks zu einem neuen, lebendigen Viertel zu entwickeln. Kurze Zeit später, im Juni 2024, wurden die Kulturschaffenden von SuedKultur angefragt. Ihre Aufgabe: Ideen liefern, die das damals völlig leere Gebäude kulturell beleben könnten. Die Motivation war enorm. Mehr als 20 Vorschläge wurden erarbeitet, gut 7.000 Quadratmeter wären planbar gewesen. Dabei Musikproberäume, eine aktives Spielemuseum, eine interaktives Kino, die Modelleisenbahn des Museums für Hamburgische Geschichte, die Staatliche Jugendmusikschule, die Volkshochschule, Kunst, Literatur, Treffpunkte … Und es schien, als würde das Projekt mit dem Arbeitstitel „SuedStadt“ eine neue Ära für Harburgs Kultur einläuten.

Doch die Hoffnung verflüchtigte sich schnell. Im Herbst 2024 wurde aus dem Traum ein Schatten. Erste Berichte sprachen von den „Karstadt-Geistern“: fehlende Transparenz, unklare Kosten und eine scheinbar undurchsichtige Verwaltung. Während in Hamburgs Innenstadt der temporäre Gebrauch des ehemaligen Karstadt Sport-Gebäudes als vorbildliches Modell mit klarem Mandat und einem Millionenbudget gefeiert wurde, herrschte in Harburg der „Blindflug“. Die Harburger Linken-Fraktion kritisierte das Fehlen von Haushaltsgeldern für die soziokulturelle Zwischennutzung.

Zwischendurch gab es kleine Lichtblicke. Das „Schau-Fenster der Stadtentwicklung“ erhellte die leeren Ladenfronten, und im Dezember 2024 wurde bekannt, dass das Archäologische Museum tatsächlich in das Erdgeschoss ziehen würde. Dies war eine willkommene Belebung, doch es blieb ein Projekt für eine einzige Etage, keine große, transformative Vision.

Der wahre Einschnitt kam im September 2025: die erfahrene Hamburg Kreativ Gesellschaft zog sich zurück. Der Boden, der unter den Füßen der Kulturschaffenden ohnehin schon wackelig war, gab nach. Plötzlich sollte SuedKultur die „konzeptionelle Lücke“ schließen – aber ohne klare Rollendefinition und ohne einen Finanzierungsvorschlag für die enormen Aufwände.

Die Pressemitteilung von SuedKultur ist nun die logische, wenn auch traurige Konsequenz dieser Entwicklung. Man hat sich nach einem Jahr des Wartens und der Frustration einstimmig entschieden, nicht mehr als „bündelnder Partner“ zur Verfügung zu stehen. Das war keine spontane Entscheidung, sondern das Ende eines Prozesses, der von unklaren Rahmenbedingungen und fehlender finanzieller Unterstützung geprägt war. Der Wunsch, einen Ort für alle zu schaffen, ist gescheitert an den nüchternen Realitäten von mangelndem Mandat und fehlendem Geld.

Die Vision von einem Harburger „Third Place“ bleibt somit eine verpasste Chance. Eine von vielen in Harburgs Stadtentwicklung! SuedKultur will sich nun wieder verstärkt dem Konkreten widmen: Ergebnisse des Runden Tisches Kultur vom letzten Jahr aufarbeiten und in die Umsetzung bringen. Es wäre zu wünschen, dass Politik und Verwaltung hier mehr zu Ergebnissen beizutragen haben.

Die Pressemitteilung im Wortlaut:

SuedKultur zieht sich aus dem Prozess der soziokulturellen Zwischennutzung für das ehemalige Karstadt-Gebäude zurück

Nach mehr als 300 ehrenamtlich geleisteten Stunden, über 20 Ideen, sehr vielen Gesprächen und einem ganzen Jahr Wartezeit, hat sich das Netzwerk der Kulturschaffenden im Bezirk Harburg am vergangenen Mittwochabend einstimmig dafür entschieden, nicht mehr für weitere konzeptionelle Arbeiten im ehemaligen Karstadt Gebäude zur Verfügung zu stehen.

Im Juni 2024 wurde SuedKultur vom Bezirksamt angefragt, ob es Ideen aus dem Netzwerk gibt, wie man die große Fläche des damals völlig leerstehenden Gebäudes kulturell beleben könnte. Sehr kurzfristig hat SuedKultur über 20 Ideen formuliert und an die Verantwortlichen bei der Sprinkenhof GmbH gesendet. Das Angebot seitens SuedKultur diese Vorschläge gemeinsam konzeptionell zu entwickeln, wurde leider in den folgenden 12 Monaten nicht angenommen.

Der Wunsch von SuedKultur, die erfahrene Hamburg Kreativ Gesellschaft einzubinden, wurde geprüft – am Ende scheiterte es aber an einem mangelnden Mandat, einer klaren Rolle und nicht zuletzt an der Finanzierung. Im Laufe des über 12 monatigen Prozesses wurden zwar Flächen an verschiedene Einzelhändler vergeben, die Ideen von SuedKultur aber leider nie berücksichtigt.

Nach dem Rückzug der Hamburger Kreativ Gesellschaft sollte nun SuedKultur die entstandene konzeptionelle Lücke schließen – leider ohne klare Rollendefinition und ohne einen Finanzierungsvorschlag der dadurch entstehenden enormen Aufwände.

Ein Teil der damaligen Interessenten zur kulturellen Nutzung, sind zu dem heute entweder bereits woanders untergekommen oder möchten in dem aktuell entstandenen, teils noch unklaren Gemisch aus Einzelhandelsflächen und Soziokultur, ihr Angebot nicht aufrechterhalten.

SuedKultur bedauert die Entwicklung sehr, gab es doch im Frühjahr kurzzeitig noch sehr positive Signale. Ideen waren vor 12 Monaten da und auch ein enorm hohes Maß an Motivation. Die lange Zeit, die unklaren, sich verändernden Rahmenbedingungen und fehlende finanzielle Unterstützungen führen aber nun zu dieser traurigen Entscheidung.

Ungeachtet des Rückzugs von SuedKultur steht es jedem einzelnen Kulturschaffenden natürlich frei, sich eigenständig um Flächen zu bewerben. Als bündelnder Partner aber ist SuedKultur nicht mehr verfügbar. Es gibt aktuell Bestrebungen die verbliebenen Interessenten in einer Arbeitsgemeinschaft außerhalb von SuedKultur zu sammeln. SuedKultur begrüßt das Vorgehen und hofft, so zumindest ein wenig beitragen zu können, Kultur in Harburgs zentralste Immobilie zu bringen.

SuedKultur wird sich weiterhin um die kulturelle Entwicklung im Bezirk und Landkreis Harburg bemühen und sich nun verstärkt um eine praktische Umsetzung der erarbeiteten Ziele des Runden Tisches Kultur kümmern.

SuedKultur ist ein seit 2007 agierendes Netzwerk aus Kulturschaffenden in der gesamten Süderelberegion und Wilhelmsburg. Mehr zu SuedKultur unter www.sued-kultur.de.

]]>
Neue Räume für Musik und Kunst im ehemaligen Karstadt https://www.tiefgang.net/neue-raeume-fuer-musik-und-kunst-im-ehemaligen-karstadt/ Tue, 19 Nov 2024 14:55:07 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11316 [...]]]> Das Netzwerk SuedKultur aus dem Hamburger Süden sucht gemeinsam mit dem Rockbüro Hamburg nach kreativen Köpfen, die dringend benötigte Räume für ihre künstlerische Arbeit suchen.

Im Fokus stehen insbesondere Musiker*innen aller Genres, von Bands über Ensembles bis hin zu Chören, sowie bildende Künstler*innen, vor allem Maler*innen.

Ein neue, kreative „SuedStadt“ im ehemaligen Karstadt-Kaufhaus bietet ein enormes Potenzial, um diese dringend benötigten Räume zu schaffen. Die Räumlichkeiten könnten bis ca. 2032 genutzt werden und würden somit eine langfristige Perspektive für die Kulturszene im Süden Hamburgs bieten.

Gemeinsam mit Politik, der Verwaltung und weiteren Akteuren aus Hamburgs Süden wird aktuell ein Gesamtkonzept für eine Zwischennutzung erstellt. Die „SuedStadt“ wäre ein perfekter Ort, um Kunst zu erschaffen..

 Musik für alle Genres

Egal ob Rockband, Kammerensemble oder Chor – die Nachfrage nach bezahlbaren Proberäumen in Hamburg ist groß. Im ehemaligen Karstadt-Kaufhaus könnten nun Räume entstehen, die Musikern aller Genres und Größenordnungen die Möglichkeit bieten, zu proben und zu wachsen. Das erfahrene Rockbüro Hamburg, seit den 80er Jahren ein fester Bestandteil der Hamburger Musikszene und wird bei der Verwaltung und Vergabe der Räume unterstützen können.

Ateliers für Malerinnen und Maler

Auch bildende Künstlerinnen und Künstler sollen von diesem Projekt profitieren. Insbesondere Malerinnen und Maler sind herzlich eingeladen, sich zu melden. Die vorhandenen Flächen würden ausreichend Platz für Ateliers bieten und könnten damit die kreative Arbeit und einen inspirierenden Austausch unter Künstlern ermöglichen.

Ihre Ideen sind gefragt!

Interessierte Musikerinnen und Künstler können sich gerne an sprecher@sued-kultur.de wenden. Bitte geben Sie dabei an, welche Art von Raum Sie benötigen (Proberaum, Atelier) und wie oft Sie diesen nutzen möchten.

SuedStadt! Ein Zuhause für die Kultur

Das ehemalige Karstadt-Kaufhaus bietet ein enormes Potenzial für die kulturelle Entwicklung des Hamburger Südens. Mit diesem Projekt „SuedStadt“ möchten wir einen Ort schaffen, an dem sich Künstlerinnen und Künstler treffen, austauschen und ihre Kreativität entfalten können.

 Über SuedKultur

SuedKultur ist ein Netzwerk, das sich für die Förderung von Kunst und Kultur im Hamburger Süden einsetzt. www.sued-kultur.de

 Über das Rockbüro Hamburg e.V.

Das Rockbüro Hamburg ist seit über 40 Jahren eine feste Institution in der Hamburger Musikszene. Das Büro verwaltet und vergibt zahlreiche Proberäume in ganz Hamburg. Geschäftsführung Rockbüro Hamburg e.V. | Postfach 60 51 40 | 22246 Hamburg | Tel. 0152 – 29 229 998

Kontakt SuedKultur:

Jan Schröder, Sprecher SuedKultur; sprecher@sued-kultur.de

]]>