Thalia-Theater https://www.tiefgang.net Tue, 08 Jul 2025 14:23:13 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Kontinuität und neue Impulse https://www.tiefgang.net/kontinuitaet-und-neue-impulse/ Fri, 04 Jul 2025 22:33:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12080 [...]]]> Die Kulturszene Hamburgs erlebt in diesen Tagen einen bemerkenswerten Staffelwechsel an einigen entscheidenden Schaltstellen. Und nein, Kultursenator Brosda, der auf dem Bundesparteitag der SPD auch höhere Ämter anstrebte, ist damit nicht gemeint.

In der vergangenen Woche kulminierten mehrere Personalentscheidungen und Würdigungen, die nicht nur individuelle Biografien ehren, sondern auch tiefgreifende Implikationen für die zukünftige Ausrichtung und gesellschaftliche Wirkung der Kunst- und Musikinstitutionen der Hansestadt bergen. Die Stadt verabschiedet sich von prägenden Persönlichkeiten, während gleichzeitig neue Führungskräfte in Position gebracht werden, die das Erbe fortführen und zugleich innovative Akzente setzen sollen.

Im Zentrum des Interesses: die Verabschiedung von Kent Nagano und Georges Delnon von der Spitze der Hamburgischen Staatsoper und des Philharmonischen Staatsorchesters. Über ein Jahrzehnt hinweg, seit August 2015, prägten Generalmusikdirektor Nagano und Intendant Delnon maßgeblich das künstlerische Profil dieser Institutionen und damit auch die Musikstadt Hamburg als Ganzes. Ihr Wirken war gekennzeichnet von einer dezidierten spartenübergreifenden Denkweise und dem Bestreben, die Musik in die Stadtgesellschaft zu öffnen. Dies manifestierte sich in zahlreichen Premieren und Uraufführungen, die internationale Beachtung fanden und Oper stets als „politischen Spiegel unserer Zeit“ verstanden. Senator Dr. Carsten Brosda würdigte die „außergewöhnliche Kreativität“ dieses Leitungsteams, das selbst die erheblichen Hindernisse der pandemischen Phase mit künstlerischer Exzellenz meistern konnte und das Haus für Neues und Innovatives öffnete: „Trotz der erheblichen Hindernisse während der von Corona geprägten Phase hat sich die künstlerische Kreativität unter diesem Team vielseitig entwickelt.“ Die Wertschätzung der Stadt wurde durch Senatsfrühstücke für beide Persönlichkeiten unterstrichen. Kent Nagano selbst reflektierte seine Amtszeit humorvoll mit den Worten: „Die Amtszeit eines Generalmusikdirektors ist im Vergleich zur fast 350-jährigen Geschichte unserer Institution nur ein kurzer Augenblick, und es ist ein außergewöhnliches Privileg, in den Dienst dieser großen Tradition zu treten.“ Georges Delnon zeigte sich dankbar: „Zu allererst bin ich dankbar dafür, dass ich hier in Hamburg so vieles von dem realisieren konnte, was ich mir vorgenommen hatte.“ Sein Abschied erfolgte mit der letzten Opernvorstellung „Le Nozze di Figaro“ am 3. Juli 2025, während Nagano sich mit einer letzten Uraufführung am 30. Juni 2025 in der Elbphilharmonie verabschiedete. Ihr Abschied markiert nicht nur das Ende einer Ära, sondern eröffnet auch den Raum für die kommende Spielzeit unter Tobias Kratzer und Omer Meir Wellber.

Parallel dazu vollzieht sich ein bedeutsamer Wechsel in der Intendanz des Thalia Theaters. Nach 16 Jahren einer prägenden Leitung durch Joachim Lux tritt mit Sonja Anders eine neue Intendantin ihr Amt an. Die Kontinuität in der Geschäftsführung wird jedoch durch die Vertragsverlängerung von Tom Till um weitere fünf Jahre gesichert. Till, seit August 2016 Geschäftsführer, hat das Thalia Theater erfolgreich durch die pandemiebedingten Herausforderungen geführt und die Modernisierung sowie Öffnung des Hauses maßgeblich vorangetrieben. Senator Brosda betont, dass diese Kontinuität eine „feste Basis“ für den Neustart unter der neuen Intendanz bildet: „Die Kontinuität in der Leitung des Hauses verleiht dem Neustart eine feste Basis und wir freuen uns, dass Tom Till die positive Entwicklung des Thalia Theaters weiter so verlässlich voranbringen wird.“ Sonja Anders selbst äußert sich erfreut über die weitere Zusammenarbeit mit Till: „Tom Till hat ein feines Gespür für Prozesse und die dahinterstehenden Menschen.“ Diese Kooperation verspricht eine spannende Transformation in Repertoire und Ensemble sowie die Adressierung von Zukunftsthemen wie Digitalität, Diversität und Nachhaltigkeit. Tom Till blickt gespannt voraus: „Nach neun aufregenden und ereignisreichen Jahren, in denen ich Joachim Lux und sein herausragendes Ensemble begleiten durfte, wird mit Sonja Anders nun alles anders am Thalia.“

Eine weitere Schlüsselposition im Bildungsbereich der Hamburger Kultur wurde ebenfalls neu besetzt: Am Hamburger Konservatorium verabschiedete sich Markus Menke nach 24 erfolgreichen Jahren in den Ruhestand. Unter seiner Führung entwickelte sich ein vielfältiges Bildungsangebot, das soziokulturelle, inklusive und spitzenmusikalische Förderung umfasste. Ein herausragender Erfolg seiner Amtszeit war der Bau der Musik.Werk.Stadt, die seit November 2024 Musikschule, Akademie und eine Kita mit musikalischem Schwerpunkt unter einem barrierefreien Dach vereint. Senator Brosda würdigte Menkes „Weitsicht und leidenschaftliches Engagement“, das die innovative Kraft einer traditionsreichen Institution entfesselte. Markus Menke selbst sprach von einem „großen Privileg“, die Geschicke des Konservatoriums über einen so langen Zeitraum leiten zu können. Menkes Nachfolge tritt Anke Nickel an, die gemeinsam mit Michael Petermann die Leitung übernehmen wird. Nickel bringt Erfahrungen in Musikpädagogik und Kulturmanagement mit und plant, Bewährtes fortzuführen sowie neue Impulse zu setzen. Sie betont die bundesweit einzigartige Struktur des Konservatoriums: „Das Hamburger Konservatorium mit seinem Dreiklang Musik-Kita, Musikschule und Akademie ist bundesweit einzigartig.“ Sie sieht die zukünftige Aufgabe darin, die Attraktivität des Hauses für Musikbegeisterte und Lehrkräfte zu sichern und städtisches sowie bürgerschaftliches Engagement weiter zusammenzuführen. Michael Petermann, der langjährige Weggefährte, hob die Bedeutung der Teamarbeit hervor: „Direktion als Teamwork zu verstehen war und ist unser Leitgedanke.“

Diese Bündelung von Personalwechseln innerhalb weniger Tage in den Top-Ebenen der Hamburger Kulturinstitutionen ist mehr als eine reine Verwaltungsmaßnahme. Sie spiegelt eine bewusste Strategie der Kulturpolitik wider, die sowohl auf Kontinuität und Wertschätzung des Erreichten setzt als auch auf die Notwendigkeit, neue Narrative zu etablieren und die Institutionen zukunftsfähig zu gestalten. Das „Stakeholder-Engagement“ – sei es das Publikum, die Politik oder die Künstler*innen selbst – zieht sich durch fast alle Abschiedsworte und Antrittsbekundungen betont. Die Herausforderung für die neuen Führungspersönlichkeiten wird darin bestehen, die etablierten Stärken zu bewahren und gleichzeitig die kulturelle Infrastruktur Hamburgs mit frischen Impulsen zu versehen, um den sich wandelnden gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Man darf gespannt bleiben.

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Wer kommt eigentlich? https://www.tiefgang.net/wer-kommt-eigentlich/ Fri, 13 Jan 2023 23:04:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9637 [...]]]> Wer besucht in Hamburg eigentlich welche Kultureinrichtung? Wie informiert sich das Publikum über Kulturangebote und wie wird die Hamburger Kulturszene wahrgenommen? Die Kulturbehörde will es wissen …

Was hat sich eigentlich seit Beginn der Pandemie verändert? Viele Fragen, denen man noch nicht wirklich nachgegangen ist. Ihre Antworten könnten aber zukunftsweisend sein.

Um repräsentative Daten zur Publikumsstruktur in den Hamburger Kultureinrichtungen zu gewinnen, startet die Behörde für Kultur und Medien in enger Absprache mit Hamburger Kultureinrichtungen im Januar eine breit angelegte Befragung von Besucher*innen, die an verschiedenen Terminen im gesamten Jahr 2023 stattfinden wird. Zunächst wird stichprobenartig das Publikum in den staatlichen Häusern wie den Museumsstiftungen oder den Staatstheatern befragt. Im Laufe des Jahres können sich auch private Kulturinstitutionen an der Befragung beteiligen. Ergänzt wird die Erhebung durch eine Nicht-Besucherbefragung im Laufe des Jahres.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Nach den großen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sehen wir ein sehr uneinheitliches Bild bei den Besucherzahlen: Während einige Kulturveranstaltungen wieder ausverkauft sind, werden andere weiter eher zögerlich besucht. Wir wollen genauer wissen, woran das jeweils liegt und welche Strategien sich lohnen, um das Publikum noch besser anzusprechen. Der erste Schritt ist daher eine breit angelegte Besucherbefragung. Wir wollen erfahren, wie sich das Publikum unserer Kultureinrichtungen zusammensetzt und welche Bedürfnisse es hat. Wir brauchen repräsentative Daten zum Publikum der Kultureinrichtungen und zur Kulturstadt Hamburg. Die Ergebnisse können eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung der Kulturstadt Hamburg in den nächsten Jahren sein. Die Kultureinrichtungen können mit dieser Basis noch gezielter auch ein neues Publikum ansprechen und ihre Reichweite vergrößern. Denn wir alle brauchen Kultur.“

Die Befragung der Besucher*innen war ursprünglich für das Jahr 2020 geplant und musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Sie beginnt im Januar und findet in verschiedenen Kultureinrichtungen über das gesamte Jahr 2023 statt. Sie wird vom Leipziger Marktforschungsunternehmen CONOSCOPE durchgeführt und startet in den staatlichen Kulturinstitutionen: Archäologisches Museum Hamburg, Bergedorfer Museumslandschaft, Deichtorhallen Hamburg, Deutsches Schauspielhaus, Hamburg Musik (Elbphilharmonie, Plaza und Laeiszhalle), Hamburger Kunsthalle, Hamburgische Staatsoper, Kampnagel, KZ-Gedenkstätte Neuengamme, MARKK – Museum am Rothenbaum, Museum für Kunst und Gewerbe, Philharmonisches Staatsorchester, Planetarium Hamburg, Thalia Theater und die Häuser der Stiftung Historische Museen Hamburg.

In jeder Kultureinrichtung werden so viele Besucher*innen befragt, dass die Daten repräsentativ für das jeweilige Haus sind. Alle erhobenen Daten werden außerdem gesammelt ausgewertet, sodass darüber hinaus auch aussagekräftige Ergebnisse zur Publikumsstruktur der Kulturstadt Hamburg insgesamt entstehen. Insgesamt sollen rund 15.000 Besucherinnen und Besucher befragt werden. Geschulte Interviewerinnen und Interviewer werden an mit den Kultureinrichtungen abgestimmten Terminen die Besucher*innen auf Basis eines Fragebogens interviewen. Der Fragebogen kann analog oder digital ausgefüllt werden.

In allen Kultureinrichtungen wird ein identischer Basisfragebogen genutzt. Jede Kultureinrichtung kann außerdem noch eigene Fragen hinzufügen und so Antworten auf individuelle Fragestellungen erhalten.  In den nächsten Monaten können sich außerdem private Kultureinrichtungen anschließen und in ihren Häusern ebenfalls die Besucher*innen befragen. Darüber hinaus soll in einer ergänzenden Nicht-Besucherbefragung im Laufe des Jahres näher untersucht werden, warum Menschen sich gegen den Besuch einer Kultureinrichtung entscheiden und wie sich das Verhalten der Besucher*innen von Kultureinrichtungen in den letzten drei Jahren verändert hat. Es ist geplant, nach rund sechs Monaten ein erstes Zwischenergebnis vorzulegen. Für die Befragung steht insgesamt ein Budget von rund 160.000 Euro zur Verfügung.

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Mr. Green ist gone https://www.tiefgang.net/mr-green-ist-gone/ Fri, 17 Jul 2020 22:13:33 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7101 [...]]]> Über 60 Jahre lang war Peter Maertens eng mit dem Thalia Theater verbunden. Am 11. Juli ist der Schauspieler nach längerer Krankheit im Alter von 88 Jahren in seiner Heimatstadt verstorben.

Das Thalia Theater trauert um einen großen Theatermann und Charakterdarsteller, der vom Publikum bis zum Schluss zutiefst verehrt wurde.

Peter Maertens stammt aus einer bedeutenden Theaterfamilie. Sein Vater Willy Maertens und seine Mutter Charlotte Kramm waren Schauspieler; sein Vater erhielt bereits 1927 ein Engagement am Thalia Theater, zu dessen Intendant er 1945 berufen wurde und das er bis 1964 leitete. Auch seine Kinder Kai, Michael und Miriam wurden Schauspieler – sie alle und auch seine Mutter Charlotte standen auf der Bühne des Thalia Theater. Nach seiner Ausbildung an der Hamburger Schauspielschule  begann Peter Maertens  1954 seine eigene Karriere zunächst in Oldenburg, Hannover, Freiburg und Göttingen, bevor ihn sein Vater ans Thalia holte. Hier spielte er in den vergangenen Jahrzehnten unzählige Rollen.

Unvergessen sind seine Auftritte in der Intendanz von Jürgen Flimm zwischen 1985 und 2000, darunter „Maria Magdalena“ in der Regie von Amélie Niermeyer (1995), „Die Stunde da wir nichts von einander wussten“ von Peter Handke in der Regie von Jürgen Gosch (1996) und „Harrys Kopf“ von Tankred Dorst in der Regie von Jürgen Flimm (1997). Zusammen mit seinem Sohn Kai Maertens, der 1985 Ensemblemitglied wurde, war er u.a.. in „Ein Sommernachtstraum“  (1987) in der Regie von Jürgen Gosch zu sehen. Gemeinsam mit Michael Maertens stand er 1988 in „Yeti – der wilde Mann“ in der Regie von Lin Zhaohua auf der Thalia Bühne und im gleichen  Jahr mit seiner Tochter Miriam Maertens in Molières „Tartuffe“ (1988). Zu seinem 50. Bühnenjubiläum 2004 trat er gemeinsam mit all seinen Kindern, Miriam, Michael und Kai auf.

In den letzten Jahren hat er sich insbesondere in vielen Rollen mit dem Regisseur Luk Perceval verbunden, in „Draußen vor der Tür“ (2011), „Macbeth“ (2011), „Die Brüder Karamasow“ (2013), und „Othello“ (2009). Besonders unvergesslich war sein Totengräber in „Hamlet“ (2010).

Anders als viele seine Kollegen hat Peter Maertens  immer die Begegnung mit der jungen Regie-Generation gesucht. Eine enge Arbeitsbeziehung verband ihn mit Nicolas Stemann, in dessen „Ulrike Maria Stuart“ von Elfriede Jelinek er 2006 als Alter Ego von Andreas Baader glänzte, eine für ihn persönlich wichtige Rolle. Dreimal arbeitete er mit Christopher Rüping, dessen  „Panikherz“ von Benjamin Stuckrad-Barre (2018), eine Lebensbeichte über Drogen, Höhenflüge und Abstürze, zu seinen letzten Arbeiten auf der großen Bühne gehörte.

Über 60 ausverkaufte Vorstellungen im Thalia Gaußstraße spielte Peter Maertens in einem von ihm selbst initiierten Zweipersonen-Stück: „Besuch bei Mr. Green“ von Jeff Baron ist eine Komödie über den Zusammenprall unterschiedlicher Lebensmodelle, Religionen, Generationen – und über das Altern. Die Rolle des störrischen alten Mr. Green, der einen Crash-Kurs in Mitmenschlichkeit bekommt, hatte sich Peter Maertens gewünscht – es war seine letzte.

Joachim Lux: „Mit Peter Maertens  hat ein Schauspieler die Bühne des Lebens und des Theaters verlassen, der mit seiner großen Theaterfamilie wie kein zweiter mit der Geschichte des Thalia verbunden ist. Obwohl er in den letzten Monaten merklich von seiner Krankheit gezeichnet war, blieb er durch und durch der Theatermann, der er immer war. Offen und neugierig wie eh und je wollte er spielen, spielen, spielen – bis zum Schluß. Noch wenige Wochen vor seinem Tod freute er sich darauf, im September, nach der Sommerpause wieder als „Mr. Green“ auf der Bühne zu stehen – coronagerecht. Wir werden Peter  sehr vermissen und uns immer ehrend an ihn erinnern. Er ist eine Hamburger Schauspiellegende.“

 

Quelle:

https://www.thalia-theater.de/ueber-uns/ensemble/darsteller/peter-maertens

 

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Kaum Zeit, aber Geld https://www.tiefgang.net/kaum-zeit-aber-geld/ Fri, 28 Jun 2019 22:39:43 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5536 [...]]]> Über 300.000 € gibt die Kulturstiftung des Bundes im ersten Halbjahr 2019 für drei neue Projekten in Hamburg dazu. Kampnagel, Thaila und die Literaturhäuser sind dabei.

Die interdisziplinäre Jury der antragsgebundenen „allgemeinen Projektförderung“ hat auf ihrer letzten Sitzung drei Förderprojekte in Hamburg ausgewählt Dazu gehört auch eine „installative Performance“ auf Kampnagel – „Ksana“, was die kürzest mögliche Zeiteinheit bezeichnet.

  • Kampnagel produziert mit „Ksana“ des chinesischen Regisseurs und Künstlers Tianzhuo Chen ein auf zwölf Stunden angelegtes, bildgewaltiges Theaterereignis, in dem der Künstler mit unterschiedlichen kulturellen Wahrnehmungen von Zeit arbeitet. Er verwebt Tanz, Performance, bildende Kunst und Musik zu einem künstlerischen Happening und nimmt dabei aktuelle Entwicklungen in China in den Blick. Kampnagel erhält für das Projekt 300 Euro.

Ksana – by Tianzhuo Chen

Der chinesische Künstler Tianzhuo Chen verbindet in seinen Arbeiten Tradition und Moderne, Bildende Kunst und Theater, Live Art, Musik und Videokunst. Seine neue Produktion „Ksana“ ist ein auf zwölf Stunden angelegtes, bildgewaltiges Theaterereignis, das der Regisseur und bildende Künstler für Kampnagel in Hamburg entwirft.
Der Begriff Ksana stammt aus der buddhistischen Mythologie und bezeichnet die kürzest mögliche Zeiteinheit. Tianzhuo Chen wird in seinem Happening mit unterschiedlichen kulturellen Wahrnehmungen und Konzepten von Zeit arbeiten. Tanz, Performance, bildende Kunst und Musik werden zu einer installativen Performance verwoben. Das Publikum kann sich in der Installation frei bewegen und erlebt eine Folge von Tableaus, Szenen und Settings unterschiedlichster Art, in denen Motive fernöstlicher Spiritualität auf ein Kaleidoskop digitaler Bilder treffen. Chens Choreografien sind von rituellen Tanzstilen ebenso inspiriert wie von zeitgenössischer globaler Clubkultur.
Inhaltlich nimmt der Regisseur aktuelle Entwicklungen in China in den Blick und verschränkt sie mit Science Fiction-Erzählungen des frühen 20. Jahrhunderts. Er kontrastiert die imaginierte Zukunft der frühen Science Fiction mit einer technofuturistisch anmutenden Gegenwart. Biotechnologische und neurowissenschaftliche Trends, das Thema des Klonens und die voranschreitende Totalüberwachung der Bevölkerung durch künstliche Intelligenz finden gleichermaßen ihren Ausdruck in der Performance.
Nach ihrer Uraufführung auf Kampnagel wird die Produktion auf weiteren Festivals in Europa zu sehen sein.

Künstlerische Leitung / Regie: Tianzhuo Chen; Dramaturgie: Petra Pölzl; Choreografie: Ylva Falk; Produktion: Johannes Maile; Komposition/Musik: Felix-Florian Tödtloff, Will Ballantyne; Künstlerinnen: Akihiko Tanada, KHNG KHAN, Ican Harem, Lavinia Vago, Ndoho Ange, Siko Setyanto, Yousuke Yukimatsu u.a.

Aufführungstermine: 6.-9. Mai 2020 auf Kampnagel

  • Das Thalia Theater wird für seine Inszenierung von „Neverland“, dem internationalen Projekt von Antú Romero Nunes, gefördert. Es bringt dreizehn junge Menschen auf eine Bühne, von denen die Mehrzahl weder Sprache noch Kulturkreis teilen. Was bedeuten für sie Heimat, Identität und Zugehörigkeit? Den erzählerischen Rahmen bildet die „Peter Pan“-Geschichte, deren Protagonisten die Erfahrung eint, entwurzelt zu sein. Dafür erhält das Thalia Theater 110.000 Euro.

Neverland – Ein internationales Projekt von Antú Romero Nunes nach J.M. Barries „Peter Pan“

Dreizehn junge Menschen auf einer Bühne, von denen die Mehrzahl weder Sprache noch Kulturkreis miteinander teilen: Was verbindet sie? Was ist für sie Heimat, Identität und Zugehörigkeit? Für seine Inszenierung „Neverland“ bringt der 1983 in Tübingen geborene und mehrsprachig aufgewachsene Regisseur Antú Romero Nunes Schauspielerinnen und Schauspieler verschiedener Nationalitäten zusammen. Auf der Bühne des Thalia Theaters Hamburg werden sie in ihrer eigenen Muttersprache sprechen und in Dialogen jeweils die Sprache wählen, mit der sie sich auch im realen Leben verständigen würden. Der erzählerische Rahmen für diese Versuchsanordnung ist die Geschichte von Peter Pan: In der fiktiven Hafenstadt Neverland treffen mit den Figuren der aus bürgerlichen Verhältnissen kommenden Wendy sowie des Peter Pan und des Captain Hock Menschen aus verschiedenen Lebenswelten aufeinander. Gemeinsam ist ihnen, entwurzelt zu sein.

Auftakt für das auf Partizipation setzende Projekt ist ein gemeinsamer Workshop im Sommer 2019, bei dem sich die Beteiligten kennenlernen und Einblicke in ihre eigenen Biografien geben. Wie auch ihre jeweiligen Muttersprachen wird Antú Romero Nunes diese persönlichen Geschichten der Darsteller in das Stück einweben. Nunes wird zudem geschlechterspezifische Rollenbesetzungen aufbrechen, indem Wendy von einem Mann und Peter Pan von einer jungen Frau verkörpert werden sollen. Mit seinem Stück spannt der Regisseur ein Panorama einer jungen, international vernetzten Generation auf und macht kulturelle Vielfalt künstlerisch erlebbar. Ein Rahmenprogramm wird den internationalen Dialog und den Austausch zu verschiedenen Konzepten von Heimat weiter vertiefen.

Künstlerische Leitung: Joachim Lux
Regie: Antú Romero Nunes; Dramaturgie: Christina Bellingen; Projektleitung und künstlerische Mitarbeit: Franziska Autzen; Künstlerinnen/Schauspielerinnen: Aenne Schwarz, Alexandra Mamkaeva, Christiane von Poelnitz, Electra Hallman, Johannes Hofmann und Anna Bauer, Lena Schön und Helen Stein, Marko Mandić, Matthias Koch, Nir de Volff, Pascal Houdus; Internationale Kooperationspartner: Baltic House Theatre-Festival, Platform European Theatre Academies (PLETA), Slowenische Nationaltheater – Schauspiel Ljubljana, The Royal Dramatic Theatre in Schweden

Aufführungstermine: 12. Okt. 2019 im Thalia-Theater

  • Das Projekt „Mit Sprache handeln. Literatur im öffentlichen Raum“ untersucht, wie sich das Verhältnis von Autor und Öffentlichkeit gewandelt hat und wie die Präsentation und Vermittlung von Literatur zukünftig aussehen kann. Geplant sind ein Festival in Ljubljana und ein Symposium in Berlin. Zur Umsetzung des Projekts hat sich das Netzwerk der Literaturhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit zahlreichen weiteren europäischen Literaturveranstaltern zusammengeschlossen. Die Kulturstiftung des Bundes unterstützt das Vorhaben mit 81.600 Euro.

Mit Sprache handeln – Literatur im öffentlichen Raum – ein europäisches Festival

Während die Anzahl der gelesenen Bücher abnimmt, nimmt das Interesse an literarischen Veranstaltungen beständig zu. Was bedeutet es für die Literatur, für Autoren und Literaturveranstalter, wenn das Gemeinschaftserlebnis und die Persönlichkeit des Autors dadurch stärker im Fokus stehen?

Das Netzwerk der Literaturhäuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat das Projekt gemeinsam mit anderen europäischen Literaturveranstaltern wie der Slowenischen Buchagentur JAK, der Nest Foundation Bulgarien, dem Writer’s House Georgia und dem Free Word London entwickelt. Im Rahmen eines Auftakttreffens in Ljubljana, einer Essaysammlung und eines Festivals in Berlin wollen sie das Thema ‚Literatur im öffentlichen Raum‘ aus europäischer Perspektive beleuchten. Die Frage, wie sich das Verhältnis von Autor und Öffentlichkeit gewandelt hat und welche Bedeutung dem Performativen in der Präsentation von Literatur zukommt, steht dabei im Zentrum. Das internationale Kuratorenteam will während des Festivals auch die eigenen Institutionen und Formate der Literaturvermittlung befragen: Wie kann die Präsentation von Literatur in Zukunft aussehen? Wie können Institutionen der Literaturvermittlung in die Stadtgesellschaft hineinwirken, wie erreichen sie auch ein neues, jüngeres Publikum?

Das Spannungsfeld von Internationalisierung und Nationalisierung bildet einen weiteren wichtigen Fokus des Projektes. Während manche Autoren den Sprachwechsel zum Englischen vollziehen, um ein globales Publikum zu erreichen, pflegen andere das Schreiben in der Muttersprache. Wie gehen Literaturveranstalter mit den sogenannten kleinen und großen Sprachen um? Beim Auftakttreffen in Ljubljana wird unter anderem diskutiert, was es für Autoren und Veranstalter bedeutet, mit einer kleinen Sprache in Konkurrenz zu großen Sprachen zu bestehen. Den Höhepunkt des Festivals in Berlin bildet ein Format-Parcours, auf dem die europäischen Veranstalter Literatur auf ganz unterschiedliche Weise präsentieren.

Künstlerische Leitung: Claudia Dathe, Tomas Friedmann, Florian Höllerer, Ursula Steffens, Renata Zamida

Autoren und Referentinnen: Priya Basil, Thomas Böhm, Zaza Burchuladze, Sharon Dodua Otoo, Heike Fiedler, Dagmara Kraus, Amalija Maček, Terézia Mora, Tina Popović, Schamma Schahadat, Aleš Šteger, Marlene Streeruwitz u.a.

 

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Hochkultur für weniger Geld https://www.tiefgang.net/hochkultur-fuer-weniger-geld/ Fri, 24 Nov 2017 23:33:53 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2630 [...]]]> Theater, Schauspielhaus oder Staatsoper – für viele ein Traum, wenn es nicht so teuer wär´. Aber es ist ja bald Weihnachten und da kommen manche Geschenke auch von der Kultur …

In der Pressemitteilung der Staatsoper Hamburg heißt es:

„Die FamilienCard – Mit der ganzen Familie in die Staatsoper, ins Thalia Theater oder in das Deutsche Schauspielhaus – und das zum günstigen Preis? Mit der FamilienCard der Hamburger Staatstheater kein Problem!

Die FamilienCard kann für eine Gebühr von 15,– Euro erworben werden. Sie gilt unabhängig vom Ausstellungsdatum für eine Spielzeit und ist personengebunden und nicht übertragbar. Die FamilienCard gilt für bis zu zwei Erwachsene in Begleitung von Kindern oder Jugendlichen bis 18 Jahre. Auf die verfügbaren Karten der Platzgruppen 1 bis 5 (Staatsoper) erhalten die Erwachsenen eine Ermäßigung von 10%. Die Kinder und Jugendlichen zahlen für ihre Eintrittskarte einen günstigen Festpreis (Hamburgische Staatsoper: 10,– Euro). Die FamilienCard gilt für alle Vorstellungen außer Premieren, Gala-Vorstellungen, Sonderveranstaltungen und Vorstellungen fremder Veranstalter in der Staatsoper (Großes Haus), im Thalia Theater (Großes Haus und Thalia in der Gaußstraße) und im Schauspielhaus (Großes Haus). Die FamilienCard ist im Kartenservice der Hamburgischen Staatsoper sowie im Thalia Theater und im Schauspielhaus erhältlich.“

Weitere Informationen unter: staatsoper-hamburg.de und jung-staatsoper.de , Kartenservice: 040-35 68 68

Und zur Weihnachtszeit stehen zudem einige festliche Termine auf dem Programm:

Die Zauberflöte

Die Zauberflöte von Mozart steht wieder auf dem Spielplan der Staatsoper Hamburg – in der Inszenierung von Jette Steckel und dem Bühnenbild von Florian Lösche. Es gibt ein Wiedersehen mit Willi Schwinghammer als Sarastro, mit Jonathan McGovern als Papageno, mit Christina Poulitsi als Königin der Nacht. Tamino wird von Dovlet Nurgeldiyev und alternierend von Oleksiy Palchikov im Rollendebut verkörpert. Pamina ist Hayoung Lee und alternierend Fatma Said, Papagena wird durch Narea Son und im Rollendebut alternierend von Soomin Lee gestaltet. Es spielt das Philharmonische Staatsorchester unter der Leitung von Adrian Müller.

Vorstellungen am 29. November jeweils um 19.00 Uhr sowie am 26. und 30. November 2017 um 18.00 Uhr. Doppelvorstellung am 3. Dezember um 14.00 Uhr und 19.00 Uhr. Weitere Termine am 5. und 7. Dezember jeweils um 19.00 Uhr

Ensemblekonzert: Bühne frei!

Das Motto des diesjährigen Ensemblekonzerts Bühne frei! lautet „Bretter, die die Welt bedeuten“. Unter der Moderation von Staatsopernintendant Georges Delnon und der musikalischen Begleitung von Studienleiter Rupert Burleigh gestalten Ensemblemitglieder einen vielseitigen Abend. Das traditionelle Ensemblekonzert findet zugunsten der Deutschen Muskelschwund-Hilfe e.V. statt.

Bühne frei! am 9. Dezember 2017, 20.00 Uhr, Große Bühne

Hänsel und Gretel

Der Weihnachtsklassiker der Staatsoper Hamburg schlechthin ist Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel. „Kennst du nicht den schauerlich düstern Ort, weißt nicht, dass die Böse dort wohnt?“: Überstürzt brechen die Eltern in den Wald auf, um Hänsel und Gretel vor der Knusperhexe Rosina Leckermaul zu retten. Wie befürchtet, haben sich die Kinder im Wald verirrt und sind auf das Lebkuchenhaus gestoßen. Sie können der süßen Verlockung nicht widerstehen – und tappen in die Falle der Hexe, die Kinder buchstäblich zum Fressen gern hat…

Vorstellungen für die ganze Familie sind am 17. Dezember um 15.00 Uhr sowie am 17., 22. und 27. Dezember jeweils um 19.00 Uhr und am 18. Dezember um 11.00 Uhr

La Bohème

Eine der beliebtesten Opern von Puccini ist zurück an der Dammtorstrasse. La Bohème wird in der Inszenierung von Guy Joosten (2006) für fünf Vorstellungen ab dem 2. Dezember wieder zu sehen sein. Rodolfo ist mit dem mexikanischen Tenor Arturo Chacón-Cruz prominent besetzt, Mimì wird vom Staatsopern-Ensemblemitglied Iulia Maria Dan dargestellt und als Musetta gibt die junge Sopranistin Adriana Ferfecka ihr Staatsoperndebut. Das Philharmonische Staatsorchester spielt unter der Leitung von Stefano Ranzani.

Vorstellungen am 2., 6., 13., 16. und 19. Dezember jeweils um 19:30 Uhr

La Belle Hélène

Jacques Offenbachs Opéra bouffe La Belle Hélène zählt zu seinen größten Erfolgen. Das Regieduo André Barbe und Renaud Doucet verlegten die Handlung in ihrer Inszenierung auf ein Kreuzfahrtschiff der 60er-Jahre: Ihre phantasievolle, spritzige Inszenierung ist ein Garant für gute Laune!

Vorstellungen am 25. und 31. Dezember jeweils um 18.00 Uhr und am 28. Dezember um 19.30 Uhr

Der Literarisch-Musikalische Adventskalender

Mitglieder des Opern-Ensembles, des Internationalen Opernstudios, des Staatsopernchores, des Hamburg Balletts, der Ballettschule, der Jungen Choreografen, des Philharmonischen Staatsorchesters sowie Gäste aus Hamburg präsentieren: Geschichten, Gedichte und Lieder – mal bekannte, heitere und besinnliche Weihnachtsklassiker, mal eher Unbekanntes, Ungewöhnliches und Komisches zur Adventszeit. Lassen Sie sich überraschen!

Für alle Neugierigen lüften wir das Geheimnis bereits jeden Morgen auf unserem Blog.

Adventskalender vom 1. – 23. Dezember 2017, 17.00 bis circa 17.30 Uhr, (sonntags jeweils 12.00 Uhr, am 23. Dezember bereits um 16.30 Uhr) Eingangsfoyer, der Eintritt ist frei, es wird für einen wohltätigen Zweck gesammelt.

Familieneinführungen

Für ausgewählte Vorstellungen werden spezielle für junge Vorstellungsbesucher Einführungen in Werk und Inszenierung angeboten, um den inhaltlichen Zugang zu erleichtern. Die Familieneinführ-ungen sind in Verbindung mit einer Karte für die entsprechende Vorstellung kostenfrei und werden jeweils 45 Minuten vor Beginn der Vorstellung in den Räumen der Staatsoper angeboten. Die nächsten Familieneinführungen sind:

Familieneinführung (ab 8 Jahren) Die Zauberflöte: 26.11.17, 17.15 Uhr, Chorsaal (Zugang über den Bühneneingang Kleine Theaterstraße 1)

3.12.17, 13.15 Uhr, Stifter-Lounge, 4. Rangfoyer

Familieneinführung (ab 8 Jahren) Hänsel und Gretel: 17.12.17, 14.15 Uhr, Stifter-Lounge, 4. Rangfoyer

Familieneinführung (ab 10 Jahren) La Belle Hélène: 25.12.17, 17.15 Uhr, Stifter-Lounge, 4. Rangfoyer

Informationen und Kartenreservierung sowie Beratung zu Geschenk-Abonnements, – Gutscheinen oder der OpernCard erhlaten Sie unter Tel. 040 – 35 68 68 oder www.staatsoper-hamburg.de

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Millionen Zuschüsse und doch nur Mindestlohn! https://www.tiefgang.net/millionen-zuschuesse-und-doch-nur-mindestlohn/ Sun, 15 Jan 2017 14:14:57 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=435 [...]]]> Wer Theater mag, kann sich in Hamburg nicht beschweren. Über 60 Theater gibt es und es werden eher mehr. Aber geht es Ihnen auch gut?

Nehmen wir mal das Zahlenspiel vorweg: Das Schauspielhaus erhält jährlich rund 25 Mio. €, Das Thalia-Theater ca. 20 Mio. €, die Staatsoper 55,2 Mio. € und die Kulturfabrik Kampnagel ca. 5,7 Mio. €. Dazu kommen 7,9 Mio. € feste Zuschüsse zu den zahlreichen Privattheatern und nochmal Projektmittel von rd. 220.000,- €. Weitere Zuschüsse für Theatergruppen und –projekte in den Bezirken und Stadtteilen müsste man im Grunde auch noch erfassen, ist angesichts der bisherigen Zahlen aber hier mal vernachlässigt. Summiert man allein die genannten Zahlen, kommt Hamburgs Theater-Förderung auf jährlich etwa 114 Mio. €.

Klingt viel, ist viel. Aber ist es das auch wert?

Die jährlichen Steuereinnahmen des Bundeslandes Hamburg liegen derzeit bei rd. 12 Milliarden €. Demnach macht die Theaterförderung keinen Prozentpunkt aus. Genau genommen 0,95%!

Das allein ist keine Rechtfertigung, höre ich schon die Haushaltsexperten schreien. Aber beim Rückkauf einer Infrastruktur der Stromnetze in Höhe von 600 Mio. € (befürchtet wurde 1 Mrd.) oder angesichts einer – wenn auch „nur“ – anteiligen Belastung durch die HSH-Nordbank in Höhe von mehr als 18 Mrd. € (Die Welt vom 13. Jan. 2017) kann man auch getrost nach den wahren Werten der Theaterwelt suchen.

Um das Leben der Theater wird seit eh und je aus zweierlei Hinsicht ein „Kampf der Kulturen“ geführt. Zum einen führen die Intendanten mancher Theater gerne den inneren Streit öffentlich in den Feuilletons aus. Dazu später noch mehr. Es gibt aber auch den ewigen Streit mit den politischen Entscheidern, die regelmäßig am Geldhahn drehen. Selten auf, meistens zu. Und da sind die Theaterreihen wiederum geschlossen: Theaterwelt gegen Rotstift-Fraktion.

Auch hier werden gerne Zuschauerzahlen, Kosten, Zuschüsse ins Feld geführt, die aber den Wert der Kulturleistung nicht annähernd beschreiben. Gerne wird auch hier das Zahlenspiel aufgemacht, wieviel Zuschuss je Zuschauer gezahlt werde und damit im Übrigen auch ein wenig suggeriert, die Theatermachenden müssten letztlich dankbar sein, dass sie gegen Lohn arbeiten dürfen. Über eine kulturelle Infrastruktur samt notwendigen Kosten liest man dazu eher nicht. Also schauen wir mal genau auf die Zahlen.

Nach Recherche des „Hamburger Abendblattes“ sah dies für 2016 in etwa so aus:

„Jeder der 352.992 Besucher in der Staatsoper (Zuschuss: 52,55 Millionen) wurde zuletzt mit knapp 149 Euro subventioniert. Im Schauspielhaus (Zuschuss: 25,3 Millionen) lag der Wert bei 115 Euro, im Thalia (21,38 Millionen/278.493 Besucher) bei knapp 77 Euro und in der Kunsthalle (6,2 Millionen/332.000) bei 18,75 Euro.“ Aber man bedenke: je geringer der Ticketpreis, desto mehr Besucher, desto geringer der Pro-Kopf-Zuschuss. In Frankfurt wurde dies unter dem nun nach Berlin wechselnden Schauspiel-Intendanten Oliver Reese zumindest erkannt: umso mehr Kulturinteressierte Theatervorstellungen nutzen, je gefüllter auch die Ränge bei komplexeren Themen und Darbietungen. Hat man also erstmal Theater verstanden, bekommen viele wohl auch hier Lust auf mehr. Bildung im eigentlichen Sinne. (Dazu auch interessant der Artikel aus der „Welt“ mit dem Titel: „Viele Zuschauer zu wenig Zuschüsse“.)

Eintritte machen nur 20% des Etats aus

Aber auch so: der Eintritt macht oft gerade mal 20% des Gesamtetats aus. Daher ist die Diskussion über höhere Eintrittspreise zur Kostendeckung irreführend. Denn über Eintritte ist sie nicht erreichbar.

Und man muss sich vor Augen halten, über was man redet, wenn man über Theater redet. Vom Begrifflichen beschreibt Theater ja erst einmal das Schauspiel an sich. Dazu zählt aber neben dem Sprechtheater eben auch das Musiktheater mit Oper, Operette oder heute eben Musical. Und das Tanztheater mit z.B. Ballett. Wo alles zusammen betrieben wird, ist es dann ein Mehrspartentheater. Allen gemein sind die „Bretter“, die vermeintlich die Welt bedeuten und latent schwingt das Live-Erlebnis mit. Also das unmittelbare, direkt Stattfindende.

So unterschiedlich die Theaterformen, so unterschiedlich sind die Zahlenspiele. Denn auch die Anforderungen und so auch Kostenstrukturen sind nur sehr bedingt vergleichbar. So haben die Landes- oder Stadttheater in ihrer langen Tradition recht klare organisatorische und Kosten-Strukturen. Der organisatorische Bereich um Intendendanz und Direktor hat den tariflich gebundenen Personalbereich zu verwalten, meist schon mit zwei Jahren Vorlauf eine Spielzeit inhaltlich, personell und finanziell vorausplanen. Dann gibt es einen aufwendigen aber notwendigen Bereich an Technikern. Bühnenbildner, Gewandschneiderei, Regie und Regieassistenten, Maskenbildnerei, Komparsen, Licht- und Tontechnik und so weiter und so fort. Pressearbeit, Werbung, Abendkasse, Garderobe – als das schafft viel Arbeit, aber auch Arbeitsplätze.

„Harte Arbeit, die gut bezahlt werden sollte“

Aber wie sehen die eigentlich aus? Das Institut für Soziologie an der Universität Münster hat sich dies vor einiger Zeit genauer angeschaut und musste feststellen, dass zwei Drittel aller Schauspieler auf ein Jahresgehalt von unter 30.000,- € kommen. Brutto wohlgemerkt. Der Unterschied vom Brutto- zum Nettogehalt liegt durchschnittlich bei 40%.  Will heißen: 18.000 € im Jahr oder 1.500,- € im Monat ist das durchschnittliche Schauspielergehalt netto bei 240-300 Arbeitsstunden im Monat.

Reich werden auch sie nicht durchs Schauspiel: Susanne Bard u. Jörg Schüttauf in „Abraham“, Harburger Theater (Foto: Bo Lahola)

 

Und es kommt noch schlimmer: das schauspielende Personal hat zu über 70% befristete Arbeitsverträge. Entweder auf die Spielzeit oder auf einzelne Produktionen befristet. Das wiederum führt häufig dazu, dass zum Ende der Verträge meist nicht mal die gesetzliche Mindestdauer einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung erreicht wurde, um beispielsweise Arbeitslosengeld I zu erhalten.

Dafür erwartet sie ein fordernder Job, der nicht nach Stechuhr läuft und zuweilen nicht mal den Anforderungen des Mindestlohnstandards entspricht. (Vgl. Hamburger Abendblatt, 03. Dez.2016) Und ob man es glaubt oder nicht: wie in vielen künstlerischen Genres stellen auch hier Studien immer wieder fest: die meisten Schauspielenden sind arm aber glücklich.

Und das wiederum macht es selbst der Gewerkschaft schwer. Die Gewerkschaft ver.di kritisiert die Arbeitsbedingungen in der Theater- und Opernlandschaft, die sich bei den freien Theatern meist noch katastrophaler darstellt. Faire Bedingungen fehlten überall. Sie stellt aber auch fest: am meisten fehle ein gesellschaftliches Bewusstsein dafür, dass Kunst und Kultur nicht einfach so aus dem Ärmel geschüttelt werden könne, sondern harte Arbeit ist, die gut bezahlt werden sollte. Hier ist aus Sicht der Gewerkschaft neben politischer Arbeit auch Bewusstseinsarbeit bei den Betroffenen selbst notwendig. Denn bedauerlicherweise stehen Leiden- und Leidens-Schaft der Betroffenen nah beieinander: Zigtausende Hospitanten stehen Jahr für Jahr bereit, um in Dramaturgie, Kostüm oder in der Technik hart zu arbeiten, ohne dafür angemessen entlohnt zu werden. (die Zeit)

Man mag also über die Art eines jeden Theaters nach eigenem Geschmack befinden, ob es Volks-, Tanz-, Unterhaltungs- oder politisches Theater ist. Die Bedingungen aber sind immer gleich katastrophal und das wahre Drama.

Motor für Ästhetik, Ethik und Moral

Und wie steht es um die gesellschaftliche Relevanz? Denn Theater steht eben auch für die anfangs erwähnten internen Streitereien. Und das gerne und mit aller Leidenschaft. Es wird gestritten über Werte, Moral, Politik, Geld und Anstand. Das mag sie manchmal selbst in die Ecke treiben, so dass die weniger intellektuell Herangehenden das Theater als das wahre Drama betrachten und dem ganzen einen (Rot-)Strich drunter setzen wollen. Aber es ist nun mal eine der Eigenarten zumindest der Sprechtheater eben Argumente verbal und theatralisch auszutragen. Und das wiederum befähigt sie dazu, zu einem erheblichen Teil zum offenen Diskurs einer Gesellschaft beizutragen – auch wenn ein Großteil eben dieser Gesellschaft dem Schauspiel nicht beigewohnt haben mag. Theater konnte und kann immer noch Themen – so grenzwertig sie auch seien – eben spielerisch thematisieren, verbildlichen, in ihrer Einordnung helfen. Die darstellende Kunst ist ein wesentlicher Motor für das zeitgemäße Verständnis von Ästhetik, Ethik und Moral. Das ist eine der kreativen und künstlerischen Leistungen, die Theater vermag.

Denn das Schauspiel schafft es, uns der realen Welt zu entrücken. Uns in Dramen und Komödien zu entreißen. Realität anders darzustellen und so das Kriterium „anders“ auch zu vermitteln. Theater bricht Tabus, spielt mit Vorurteilen und Themen, ohne dass man es als aufdringlich empfinden muss. „Es ist ja nur ´gespielt`“.

Und doch: es sind eben häufig diese Theatermachenden, die uns Diskurse überhaupt erst ermöglichen und über die Feuilletons der Zeitungen in die Welt tragen. Sei es Amelie Deuflhard vom Kampnagel-Theater, die schon 2014 das Thema Flüchtlinge stark in den Fokus rückte und den sogenannten „Lampedusa-Flüchtlingen“ in Hamburg Obdach auf Kampnagel anbot. Dafür fing sie sich eine Strafanzeige der AfD-Partei ein. (Vgl. die Zeit v. 05. Mai 2015) Aber auch Schauspielhaus-Intendantin Karin Baier schloss sich der Initiative an und so schufen sie eine Öffentlichkeit und einen politischen Diskurs, der 2015 insofern nicht folgenlos war, als Argumente der Menschlichkeit bereits entwickelt und transportiert waren.

Oder erinnern wir 2008 an das Stück „Marat, was ist aus unserer Revolution geworden“ unter dem damaligen Schauspielhaus-Intendant Friedrich Schirmer und inszeniert von Regisseur Volker Lösch. Das Thema von Armut und Reichtum endete dort in der Verlesung der reichsten Hamburger Persönlichkeiten samt Angabe ihres Wohnsitzes durch einen Chor realer Arbeitsloser. Reichtum wurde so quasi aus dem Anonymen ins Persönliche transformiert und so anfassbar, nah, erlebbar. Zu real, fanden manche. Und so erwirkten einige der verlesenen Reichen rechtlich eine einstweilige Verfügung und Unterlassung. Die damalige Senatorin von Welck versuchte noch Minuten vor der Aufführung Einfluss auf den Intendanten auszuüben. Der ebenso verlesene Immobilienunternehmer Vogel stellte stellvertretend die eigentliche Frage: „Was hat so was im Theater zu suchen?“ Wo denn sonst?!? (Hamburger Abendblatt vom 27. Okt. 2008).

Denn genau hier zeigt sich der Wert des Theaters und seiner Themen auch für die Gesellschaft. Kunst und Kultur konfrontiert uns eben, lässt zweifeln, schafft eine Auseinandersetzung, die anderswo kaum denkbar wäre. Oder würden Sie das Thema etwa im Wirtschaftsteil Ihrer Zeitung erwarten?

(14. Jan. 2017, hl)

 

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