Till Raether https://www.tiefgang.net Fri, 14 Nov 2025 16:45:26 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Wenn die Feder zum Aufschrei wird https://www.tiefgang.net/wenn-die-feder-zum-aufschrei-wird/ Fri, 14 Nov 2025 23:36:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12862 [...]]]> Die Hansestadt hat gewählt. Und die Jury der Hamburger Literaturpreise schickt mit ihrer diesjährigen Auswahl ein beeindruckendes Zeichen in die Republik: Sie setzt auf Texte, die den Finger in offene Wunden legen, neue Formen finden und vor allem die Geschichten sichtbar machen, die lange im Schatten standen.

Mit insgesamt 84.000 Euro würdigt die Behörde für Kultur und Medien eine Bandbreite an schreibenden, übersetzenden und zeichnenden Talenten, die beweist: Hamburgs literarische Szene ist ein brodelnder Herd für die drängendsten Themen unserer Zeit. Die Preisverleihung am 8. Dezember im Literaturhaus wird ein Fest der unerschrockenen Stimmen.

Im Zentrum steht ein Debütroman, der die Jury zutiefst beeindruckte: Jegana Dschabbarowa gewinnt für ihr Werk „Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt“ den mit 8.000 Euro dotierten Preis „Buch des Jahres“. Was für ein Titel – und was für eine Geschichte, die dahintersteckt.

Dschabbarowa, 1992 in einer aserbaidschanischen Familie in Russland geboren und 2024 zur Wahlheimat Hamburg gezwungen, legt einen Roman vor, der poetisch und eindrücklich die Erfahrung weiblicher Körper in einer patriarchalen Gesellschaft erkundet. Die Hände, die in ihrer Familie für Hausarbeit, für das Kochen, für die Pflicht bestimmt waren, sind nun Träger des Schreibens geworden. Dschabbarowa übersetzt die Auswirkungen von Fremdenfeindlichkeit und engen sozialen Grenzen in eine hochliterarische, zarte Sprache. Hamburg ehrt damit nicht nur ein herausragendes Buch, sondern begrüßt eine Autorin, die dem Diktat des Schweigens mit Poesie trotzt.

Eine zweite ebenso wichtige Auseinandersetzung liefert Eva Thöne mit ihrem Sachbuch „Weibliche Macht Neu Denken“, das den Preis der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS erhält. Die Spiegel-Ressortleiterin beleuchtet klug, warum sich Frauen in Machtsphären oft fremd fühlen und fordert eine Abkehr vom toxischen, männlich geprägten „Heldentum“. Ihr Appell ist unmissverständlich: Wir brauchen Solidarität, Selbstwirksamkeit und gemeinsame Verantwortung statt erstarrtem Management. Dieses Buch ist kein sanftes Empowerment, es ist eine energetische und notwendige Analyse über die Leerstelle im feministischen Diskurs – direkt, streitbar und maßgeblich.

Auch in den Werkkategorien zeigt sich die große erzählerische Vielfalt:

Im Bereich Roman teilen sich Andreas Moster und Nicole Röndigs die Auszeichnungen. Moster überzeugt mit seinem „Der Silberriese“, der sich der Vaterschaft in der Krise widmet: Patrik, der alleinerziehende Ex-Leistungssportler, muss nach dem Weggang der Mutter die Beziehung zu seiner Tochter Ada über deren Leistungsturnen neu definieren. Ein nahbarer Blick auf moderne Männlichkeit, das Scheitern und die große Zärtlichkeit, die sich in sportlicher Disziplin verbergen kann.

Besonders begeisterungsfähig macht die Auszeichnung für Noëlle Kröger im Comic-Bereich. Kröger, bekannt für ihre Auseinandersetzung mit Geschlechterfragen und queeren Perspektiven, erhält den Preis für ein Projekt, das mutig und kunstvoll das Werwolf-Motiv nutzt, um historische Denkprozesse über Minderheiten und Pathologisierung zu spiegeln. Hier wird das Medium Comic als das gefeiert, was es ist: eine komplexe, visuelle Literaturform.

Die Preise für Lyrik/Experimentelles gehen an Friederike Meltendorf und Till Raether, während Verena Carl für ihre Erzählung geehrt wird. Das Kinder- und Jugendbuch gewinnt Juliane Pickel, die schon oft bewiesen hat, dass sie jungen Leser*innen komplexe, emotionale Welten eröffnen kann.

Und nicht vergessen: Ohne die Übersetzer*innen bliebe ein Großteil dieser Literatur verschlossen. Die Preise gehen an Nicolai von Schweder-Schreiner, Corinna Popp und Kirsten Gleinig, die aus dem Englischen und Französischen die sprachliche Brücke nach Hamburg schlagen.

Die Hamburger Literaturpreise 2025 sind keine reine Trophäenschau. Sie sind ein energisches Plädoyer für eine Literatur, die unbequem ist, die Hände zum Schreiben befreit und die Frage nach Macht neu stellt. Ein absoluter Leseauftrag!

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Ein Ziegel der Worte https://www.tiefgang.net/ein-ziegel-der-worte/ Fri, 02 Apr 2021 22:34:30 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7797 [...]]]> Über 50 Autor*innen aus Hamburgs Literaturkosmos – quasi in Stein gemeißelt und jetzt erhältlich: der ZIEGEL.

Das literarische Hamburg, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2021. Dies sind die Abenteuer­ von über 50 Autorinnen und Autoren. Für die 17. ZIEGEL-Ausgabe haben sie fremde Galaxien erforscht­, neues Leben und ein anderes Miteinander entdeckt. Sie sind »Überland« gereist, mit der »blauen Blume im Gepäck« zu einer »Fernerkundung« aufgebrochen und haben »Lazarus in den Dingen« gefunden. Sie haben einen »Sommer der Gespenster« erlebt, »Späte Kinder« gefunden und erfahren, »Was Glück ist«. Sie haben manchmal sich selbst vergessen, schweben gelernt und gesehen, dass »das Gras auf der anderen Seite nicht immer grüner“ ist. Während die Welt mit rasender Geschwindigkeit ins Stocken geriet, ist der ZIEGEL mit dem Credo Wir sind Astronauten aufgebrochen, um Zukunftsräume zu erkunden.

Der ZIEGEL, das Hamburger Jahrbuch für Literatur, ist seit Jahren in Umfang und Qualität eine im deutschsprachigen Raum einmalige Anthologie. Auch in diesen besonderen Zeiten ruft er die literarischen Stimmen Hamburgs zusammen – für ein dickes Buch und eine höchst kurzweilige Lektüre. In ihm finden sich Beiträge von Katharina Hagena, Stefan Beuse, Karen Köhler, Heinz Strunk, Anselm Neft, Ulla Hahn, Andreas Moster, Katrin Seddig, Marc Degens, Rasha Khayat, Nils Mohl, Till Raether, Ulrike Syha, Michael Weins, Ella Carina Werner, Dagrun Hintze, Sven Lenz, Sigrid Behrens, Hasune El-Choly, Sean Keller, Alexander Posch, Mia Raben, Magdalena Saiger und vielen anderen.

Illustriert wurde diese Ausgabe von dem Hamburger Zeichner Sascha Hommer. Mit ihm und seiner astronautischen Besatzung dringt der ZIEGEL in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

ZIEGEL #17 – Hamburger Jahrbuch für Literatur 2021, Hardcover, Zweifarbiger Innenteil mit farbigen Illustrationen und Titelprägung

536 Seiten, blaues Lesebändchen, pinkes Vorsatzpapier

ISBN 978-3-948722-07-4; Preis: 18,00 € inkl. MwSt, versandkostenfrei

»Hamburgs fetteste Lektüre.« Thomas André, Hamburger Abendblatt

www.mairisch.de

 

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