Ulrike Hinrichs – Atelier für Biografiearbeit – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Mon, 18 May 2026 12:59:24 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Künstlerische Biografiearbeit zwischen Wunde und Wandlung https://www.tiefgang.net/kuenstlerische-biografiearbeit-zwischen-wunde-und-wandlung/ Mon, 18 May 2026 12:59:17 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13871 [...]]]> Künstlerische Biografiearbeit beginnt nicht mit Antworten, sondern mit Fragmenten. Wer collagiert, ordnet nicht nur Bilder neu, sondern auch das eigene innere Erleben. Künstlerische Biografiearbeit kann helfen, die eigene Geschichte zurückzuerobern.

von Ulrike Hinrichs

In der künstlerischen Biografiearbeit darf paradox gearbeitet werden. Eine Collage muss nicht die Wahrheit dokumentieren. Sie darf widersprüchlich, schmerzlich und poetisch zugleich sein.

In der Wortcollage im Header heißt es: „Meine Mutter sagte“.

„Sprich mit Pflanzen, Tieren und Bäumen.“ 

„Verbinde dich mit dem Rhythmus von Mutter Erde.“

Diese Sätze hätte meine Mutter niemals gesagt. Fühlen war wie in den meisten Familien in der Nachkriegszeit ein Tabu. „Reiß dich zusammen“, hieß es nicht nur in meiner Familie. Gewalt, Schuld und Menschenverachtung wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in den Kerker der Erinnerung gesperrt.

Doch gerade in den widersprüchlichen Antworten liegt Wahrheit. Paradoxes Arbeiten in der Kunst kann befreiend sein. Es erlaubt uns, innere Gegenbilder zu erschaffen. So entstehen Räume für Würde, Trost und neue Bedeutungen.

Die Katze im alten Gewand erinnert mich an eine Ahnin, an Großmütter und weibliche Linien, an ein schweres Erbe, das durch Generationen wandert. Gleichzeitig trägt das Tier etwas Wildes in sich, etwas, das sich nicht domestizieren lässt.

Unter der Wort-Collage heißt es: „Schweres Erbe.“ Vielleicht beginnt künstlerische Biografiearbeit genau dort. Wo wir das Erbe sichtbar machen und gleichzeitig beginnen, eine andere Sprache für uns selbst zu finden. Eine Sprache, die nicht nur beschreibt, sondern verwandelt.

Mehr dazu auf Tiefgang

Hast du Lust bekommen, selbst kreativ zu werden?

Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich ein, deinen Lebensweg zu erforschen. Die 60 kreativen Impulse unterstützen dich, einen tiefgehenden Zugang zu deiner eigenen Lebensgeschichte zu schaffen.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs

Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com


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Familientabus in der künstlerischen Biografiearbeit https://www.tiefgang.net/familientabus-in-der-kuenstlerischen-biografiearbeit/ Wed, 13 May 2026 13:48:23 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13846 [...]]]> Familientabus wirken wie unsichtbare Mauern. Niemand spricht über das, was geschehen ist. Über Krieg, Gewalt, Sucht, Verrat, Verlust, über die Menschen, die plötzlich verschwanden oder innerlich nie anwesend waren. Stattdessen entstehen schmerzende Leerstellen.

Von Ulrike Hinrichs

„Darüber redet man nicht“, lautet die Botschaft. Die unausgesprochenen Sätze sind lauter als jedes Wort. „Lass die Vergangenheit ruhen.“ Doch die Vergangenheit ruht nicht. Sie zeigt sich in toxischen Beziehungen, in Schuldgefühlen, in undefinierbaren Ängsten, in unerklärlicher Traurigkeit oder in einem ständigen Gefühl von innerer Zerrissenheit.

Viele Menschen tragen Loyalitäten in sich, die älter sind als ihre eigene Geschichte. Sie schützen Familienmitglieder, obwohl diese sie verletzt haben. Sie schweigen, um Zugehörigkeit nicht zu verlieren. Sie übernehmen Gefühle, Rollen und Geheimnisse, die nie ihre waren.

Die eigene Wahrheit auszusprechen fällt oft unendlich schwer, weil das Schweigen bereits mit der Muttermilch weitergegeben wurde. Familienbande sind von kollektiven Normen und unsichtbaren Loyalitäten geprägt. Darf man den Kontakt zur eigenen Herkunftsfamilie abbrechen? Darf man denken: „Mutter, es ist gut, dass du nicht mehr da bist“? Solche Gedanken sind mit Schuld, Angst und Scham verbunden, weil familiäre Loyalität als unantastbar gilt. Doch Heilung entsteht dort, wo ein Mensch beginnt, Grenzen zu setzen und das eigene seelische Überleben wichtiger zu nehmen als das Schweigen eines Systems.

Der künstlerische Ausdruck kann dabei helfen. Die Kunst umgeht die Zensur des Familiensystems. In der künstlerischen Biografiearbeit beginnt die Hand zu erzählen. Oft entstehen intuitive Erkenntnisse lange bevor ein Mensch erklären kann, was er eigentlich fühlt. Bilder, Farben und Symbole öffnen einen Zugang zu innerem Wissen, das über Sprache allein kaum erreichbar ist. Gerade bei Tabus zeigt sich in kreativen Prozessen häufig das, was im Alltag verdrängt, abgespalten oder nie bewusst gedacht werden durfte.

Künstlerische Biografiearbeit schafft einen geschützten Raum, in dem innere Wahrheiten sichtbar werden dürfen, nicht als Anklage, sondern als Begegnung mit der eigenen Geschichte.

  • Wer bin ich jenseits der Erwartungen meiner Herkunft?
  • Welche Gefühle durfte ich nie zeigen?
  • Welche Rolle musste ich übernehmen?
  • Und welche Stimme in mir wurde über Jahre zum Schweigen gebracht?

Nicht jede Wahrheit muss laut werden, aber sie braucht Raum, in dem sie sein darf. Kunst schafft diesen Raum, zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Schmerz und Ausdruck, zwischen Schweigen und neuer Betrachtung der eigenen Geschichte.

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Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich ein, deinen Lebensweg kreativ zu erforschen. Die 60 kreativen Impulse unterstützen dich, einen tiefgehenden Zugang zu deiner eigenen Lebensgeschichte zu schaffen.

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Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com


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Mit Pinsel, Farbe und Kinderfoto die eigene Biografie berühren https://www.tiefgang.net/mit-pinsel-farbe-und-kinderfoto-die-eigene-biografie-beruehren/ Sat, 25 Apr 2026 22:30:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13712 [...]]]> Ein altes Foto in den Händen zu halten, kann mehr sein als ein Blick in die Vergangenheit. Es ist eine Begegnung zwischen dem gegenwärtigen Ich und dem Kind, das wir einmal waren.

von Ulrike Hinrichs

In der künstlerischen Biografiearbeit werden alte Fotos zu Türen. Sie öffnen Räume für Erinnerung, Gefühl und neue Deutung.

Wenn du mit Pinsel und Farbe auf ein Kinderfoto reagierst, entsteht kein klassisches Porträt. Es geht nicht um Ähnlichkeit oder Perfektion. Vielmehr entsteht ein Dialog, ein inneres Gespräch zwischen dir und dem Kind auf dem Bild. Farben, Linien und Formen werden zu einer Sprache, die oft direkter ist als Worte.

Das Foto dient dabei als Ausgangspunkt. Es lädt dich ein, in Resonanz zu gehen. Was berührt dich? Was zieht dich an? Was bleibt vielleicht ungesagt? Indem du dich vom Anspruch löst, realistisch zu zeichnen, entsteht Raum für Intuition und Ausdruck. Diese Form der künstlerischen Annäherung ermöglicht es, biografische Erfahrungen behutsam zu erkunden. Sie kann Erinnerungen wachrufen, Gefühle klären und verborgene Ressourcen sichtbar machen. Vor allem aber schafft sie eine Verbindung zu dir selbst, zu deiner Geschichte und zu dem Kind, das immer noch Teil von dir ist.

Und so geht´s

Greife zu deinem Fotoalbum, deiner Fotokiste oder schau in deine digitale Galerie. Welches Bild zieht dich magisch an? Lasse dich intuitiv führen. Wähle einfach das Foto, das dich am meisten fesselt. Vertraue darauf, dass dich das richtige Bild anspricht.

Bei der anschließenden künstlerischen Umsetzung geht es nicht darum, das Foto realistisch nachzuzeichnen. Wichtig ist, in Resonanz mit dem Kind zu treten, das auf dem Bild durchschimmert. Nimm dir deine Lieblingsfarben. Mein Bild im Header ist mit Aquarellfarben entstanden.

Abschluss und Impulsfragen zum Bild

Nimm dir Zeit, dein fertiges Bild zu betrachten. Vielleicht möchtest du es an einen besonderen Ort legen oder aufhängen. Vielleicht magst du auch ein paar Worte dazu schreiben. Was hat sich gezeigt? Was ist sichtbar geworden? Was hat dich berührt? Welche Gefühle steigen in dir auf? Welche Erinnerungen wurden geweckt?

Mehr dazu in meinem Buch:

Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich ein, deinen Lebensweg kreativ zu erforschen. Die 60 kreativen Impulse sind so gestaltet, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zu deiner eigenen Lebensgeschichte ermöglichen. Wie du Kinderbilder für deine künstlerische Biografiearbeit nutzen kannst, das erfährst du in meinem Buch.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs – Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

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Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Das kreative Spiel mit dem Unheimlichen https://www.tiefgang.net/das-kreative-spiel-mit-dem-unheimlichen/ Thu, 26 Mar 2026 16:13:22 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13553 [...]]]> Hexen und Teufel gehören zu den ältesten Fantasiegestalten von Kindern. Sie tragen Wildheit, Verbotenes und Mächtiges in sich. Kinder malen sie nicht unbedingt aus Angst, sondern aus Neugier. Sie wollen spüren, wie Dunkelheit, Kraft und Magie sich anfühlen.

von Ulrike Hinrichs

Die authentische Kunst ist eine Sprache unserer Seele. Sie spricht in Symbolen und Bildern. Hexen und Teufel sind starke archetypische Motive. C. G. Jung prägte den Begriff der Archetypen. Das sind Urbilder des Menschen, universelle Symbole, die in allen Kulturen zu finden sind und bestimmte menschliche Erfahrungen spiegeln. Sie tauchen in Träumen, Mythen und Geschichten auf und spiegeln unsere Urängste, Sehnsüchte und verborgenen Kräfte.

In meinem Kinderbild im Header aus dem Jahr 1970 tanzen Hexen und Teufel um ein Feuer. Für Kinder sind Hexen Figuren, die etwas können, was sonst niemand kann. Sie fliegen. Sie zaubern. Sie kennen geheime Kräfte. Damit verkörpern sie Macht, Zauber und Geheimwissen. Viele Kinder sind von solchen Figuren fasziniert, weil sie selbst noch wenig Einfluss auf ihre Welt haben. In der Fantasie können sie sich dieser Macht annähern. Auch als Erwachsene können wir uns über die Kunst unsere Macht und Selbstwirksamkeit zurückerobern.

Neben den Hexen erscheinen im Bild auch blaue Teufel, die gemeinsam mit den Hexen um das Feuer springen. Die Teufel wirken auf mich verspielt und freundlich. In vielen Symbolwelten steht der Teufel für das Verbotene, das Wilde, für Triebkraft und Grenzüberschreitung. In diesem Kinderbild scheinen diese Kräfte verwandelt. Sie dürfen da sein, ohne Angst zu machen. Sie tanzen, sie spielen, sie gehören dazu. Vielleicht zeigt sich darin ein innerer Raum, in dem auch das Unangepasste, Wilde und Widersprüchliche erscheinen durfte, zumindest auf dem Papier. So werden die Teufel nicht zu Gegenspielern der Hexen, sondern zu ihren Gefährten in einer Welt, in der unterschiedliche Kräfte nebeneinander existieren können.

Auch im Heute können wir uns fragen, wie wir das „Verteufelte“ transformieren können. Was in dir will wild und unangepasst sein?

Wenn man das Bild insgesamt betrachtet, entsteht fast eine kleine mythische Szene. Wesen, Feuer, Flug. Das sind uralte Motive. Kinder greifen sie intuitiv auf. Das Bild baut aus Fantasie eine eigene Welt, einen Raum, in dem auch dunkle Figuren ihren Platz haben. Die Figuren im Bild wirken wie frühe innere Gestalten. Beschützerinnen, Beobachterinnen, Spielgefährtinnen.

Eine kleine Einladung an dich:

Vielleicht hast auch du als Kind Bilder gemalt, in denen Hexen, Monster, Tiere oder geheimnisvolle Wesen vorkamen. Lass dich von deinen Kinderbildern inspirieren. Wenn du dich erinnerst oder alte Zeichnungen wieder anschaust, frage dich:

  • Welche Figuren tauchten in meinen Kinderbildern auf?
  • Waren sie freundlich, wild, geheimnisvoll oder unheimlich?
  • Welche Rolle spielten sie in meiner Fantasiewelt?

Und vielleicht auch:

  • Welche dieser Gestalten begleiten mich innerlich noch heute?

Kinderbilder sind mehr als Kritzeleien. Sie öffnen Fenster in die innere Welt. Dort zeigen sich Kräfte, Ängste, Schutzfiguren und Fantasiegestalten, die uns auf leise Weise durchs Leben führen.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Und meinem Buch:

Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich ein, deinen Lebensweg kreativ zu erforschen. Die 60 kreativen Impulse sind so gestaltet, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zu deiner eigenen Lebensgeschichte ermöglichen. Wie du Kinderbilder für deine künstlerische Biografiearbeit nutzen kannst, das erfährst ebenfalls du in meinem Buch.

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Ulrike HinrichsAtelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

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Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin der Positiven Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Wenn Bilder die Stimme erheben https://www.tiefgang.net/wenn-bilder-die-stimme-erheben/ Sat, 14 Mar 2026 23:03:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13520 [...]]]> Kunst kann ein Raum sein, in dem Erfahrungen sichtbar werden, für die Worte schwer zu finden sind. Bilder ermöglichen eine andere Form des Ausdrucks. Sie lassen Gefühle, Erinnerungen und innere Spannungen erscheinen, ohne erklären zu müssen.

von Ulrike Hinrichs

Mit der Kunst als Sprache können wir uns belastenden Themen intuitiv nähern. Die Collage ist dafür eine besonders inspirierende Form. Unterschiedliche Bildfragmente, Texte und Materialien werden zusammengefügt und treten in Beziehung zueinander. So entsteht eine eigene Bildsprache, in der Bruchstücke, Gegensätze und verborgene Themen sichtbar werden. Diese Art des Reflektierens folgt nicht dem bewussten Denken, sondern unbewussten, symbolischen Impulsen.

Mehr dazu auf Tiefgang

Im Header ist eine Collage aus meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Mit Bild- und Wortnotizen gegen Gewalt abgebildet. In dieser Gruppe teilen und reflektieren Frauen ihre Erlebnisse. Die Collage spiegelt ein belastendes Thema einer Klientin, die in einem schwer toxischen Familienumfeld aufwuchs. Psychische Gewalt, Manipulation, Vernachlässigung, Abwerten und Schweigen gehörten zum Alltag. All diese emotionale Kälte und Härte beeinträchtigt die Klientin bis heute.

  • Links im Bild ist eine sanft wirkende Frau in militärischer Ausrüstung zu sehen. Voll verteidigungsfähig. Die Rüstung steht für Schutz, Wachsamkeit und Abgrenzung.
  • In der Mitte erscheint ein geöffnetes anatomisches Modell eines Körpers. Organe werden sichtbar, das Innere, das normalerweise verborgen bleibt, wird nach außen getragen. Alles wird offengelegt.
  • Rechts im Bild steht eine Gruppe orangefarbener Figuren. Ihre Gesichter sind kaum erkennbar. Auf ihren Körpern stehen Worte: „Es ist nicht egal“, „Talk about it“. Die Körper werden zu Trägern von Botschaften und fordern dazu auf, hinzusehen und auszusprechen, was lange unausgesprochen blieb.
  • Im Hintergrund liegt eine weite, ruhige Landschaft. Vor dieser Kulisse entfaltet sich eine Szene, in der Schutz, Offenlegung und kollektive Stimmen aufeinandertreffen.

Der Titel „An der Grenze des Machbaren“ öffnet einen Raum für Fragen: Wie viel Wahrheit kann man aushalten? Wie viel kann ein Mensch offenlegen, bevor es zu viel wird?

Die Collage bewegt sich an der Schwelle zwischen Rüstung und Offenheit, zwischen innerem Erleben und öffentlicher Wahrnehmung. Sie erinnert daran, dass das Sichtbarmachen manchmal der erste Schritt ist, um das Schweigen zu durchbrechen. Die eigene Stimme zu erheben und die Wahrheit auszusprechen, das braucht Mut.

Hast du Lust es auch einmal auszuprobieren? Mehr Praxisbeispiel zur Selbstfürsorge mit künstlerischen Mitteln findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

Und in meinem Atelier für Biografiearbeit bekommst du 60 kreative Impulse für einen tiefgehenden Zugang zu deiner Lebensgeschichte. Nicht mit dem Ziel, alles zu erklären oder abzuschließen, sondern um sich selbst bewusster zu begegnen und die eigene Geschichte als Ressource zu entdecken.

Überall im Buchhandel

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Biografiearbeit: Kinderzeichnungen vergessen nichts https://www.tiefgang.net/biografiearbeit-kinderzeichnungen-vergessen-nichts/ Thu, 12 Feb 2026 13:19:37 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13272 [...]]]> Unser Familiensystem ist ein lebendiges Geflecht aus Beziehungen, Erwartungen und unausgesprochenen Geschichten. In den frühen Jahren weben vor allem Eltern, Großeltern und Geschwister daran. Manchmal liebevoll. Manchmal widersprüchlich. Manchmal destruktiv.

von Ulrike Hinrichs

Die Kindheit prägt unser Selbstbild, unsere Bindungsmuster und unser Verhältnis zu Nähe und Distanz. Die Stimmen, Gesten und Geheimnisse wirken weiter. Sie bilden sich in unseren Träumen ab, beeinflussen unbewusst unsere Entscheidungen und zeigen sich in unserem Körpergedächtnis. Vieles aus der Vergangenheit liegt im Dunkeln oder ist vergessen. Oder es ist sogar abgespalten, wenn es sich um traumatische Erfahrungen handelt.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Über alte Kinderzeichnungen können wir Kontakt zu unserem jüngeren Selbst aufnehmen. Dank der Sammelleidenschaft meiner Großmutter habe ich einige davon bewahrt. Die Abbildung im Header zeigt ein Bild aus dem Jahr 1974. Ich war neun Jahre alt, als ich es malte.

Auf meinem Bild versammeln sich zahlreiche Tiere. Sie sind nebeneinander angeordnet, fast wie in einem inneren Register. Die Namen sind sorgfältig dazugeschrieben. Vielleicht ein Versuch, die Welt zu ordnen, vielleicht auch, sie festzuhalten oder ihr einen sicheren Platz zu geben.

Kinderzeichnungen sind Zeitfenster in die Vergangenheit.

Kinderzeichnungen sind seelische Landkarten. Sie zeigen, was wichtig war. Wer groß erschien. Wer fehlte. Wo Bedrohung lauerte oder Schutz spürbar war. Sie verraten etwas über Zugehörigkeit, über Sehnsucht und über das, was keinen Namen hatte.

Vielleicht hast auch du eine alte Kinderzeichnung. Schau sie an wie ein Zeitfenster. Ohne Bewertung. Ohne Analyse. Mit Neugier.

  • Was erzählt sie dir heute?
  • Welche Farben ziehen dich an?
  • Wo ist Bewegung, wo Stillstand?
  • Welche Figuren stehen nah beieinander, welche am Rand?
  • Welche Stimmung liegt zwischen den Linien?

Du kannst dieses Bild ins Heute übertragen. Male es neu. Vergrößere ein Detail. Ergänze eine Figur, die gefehlt hat. Gib dem Kind von damals etwas in die Hand. Oder setze dein heutiges Ich dazu. Vielleicht entsteht dabei etwas, das damals noch nicht möglich war. So entsteht ein Dialog zwischen damals und heute, zwischen dem Kind, das du warst, und dem Menschen, der du geworden bist.

Biografiearbeit bedeutet nicht, etwas richtig zu deuten, sondern Beziehung aufzunehmen mit dem eigenen Gewordensein. Sie lädt dich ein, mit deiner Geschichte in Kontakt zu treten. Sie öffnet einen Raum für das Kind, das dich bis heute begleitet. Und manchmal staunt man, wie klar dieses frühe Ich schon wusste, was wesentlich ist.

Siehe dazu auch auf Tiefgang: Dein inneres Kind künstlerisch erwecken

Mehr Praxisimpulse findest du im Atelier für Biografiearbeit. Die 60 kreativen Impulse sind so angelegt, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zur eigenen Lebensgeschichte ermöglichen. Nicht mit dem Ziel, alles zu erklären oder abzuschließen, sondern um sich selbst bewusster zu begegnen und die eigene Geschichte als Ressource zu entdecken. Es geht nicht um professionelle Kunst, sondern um Ausdruck.

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Künstlerische Biografiearbeit: Die Mutter, die ich mir selbst werde https://www.tiefgang.net/kuenstlerische-biografiearbeit-die-mutter-die-ich-mir-selbst-werde/ Sat, 07 Feb 2026 11:05:16 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13266 [...]]]> Wenn wir in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen sind und keine liebenden Eltern hatten, dann leiden wir oft Zeit unseres Lebens unter der emotionalen Kälte. Wie aber wäre es, wenn du dir eine liebende Mutter oder auch einen Vater erschaffen könntest?

von Ulrike Hinrichs

In vielen Kulturen erscheint Mutter Erde als heilige Gestalt, die Leben schenkt, nährt und schützt. Sie trägt viele Namen: Gaia, die uralte Erdmutter der Griechen, aus der alles Leben entstand. Demeter, die Göttin der Fruchtbarkeit, die mit ihrer Trauer den Winter brachte und mit der Rückkehr ihrer Tochter den Frühling. In den Anden lebt Pachamama, die Mutter allen Seins, die Erde und Zeit zugleich ist. Sie wird verehrt mit Gaben und Dank. Diese mythischen Figuren sind Ausdruck einer universellen Sehnsucht nach Verbundenheit, nach einem mütterlichen Prinzip, das jenseits von Herkunft und Familie existiert. Sie erinnern uns daran: Wir sind Teil eines größeren Ganzen. Die Erde ist nicht nur Boden unter unseren Füßen, sie ist Ursprung, Heimat und Spiegel unserer inneren Welt.

Mutter Erde ist die älteste aller Mütter

Lass uns dieses Bild der Urmutter als künstlerischen Impuls nutzen. Mama Erde ist die älteste aller Mütter. Sie trägt uns seit Anbeginn, geduldig, schweigend, atmend. Unter unseren Füßen spüren wir ihr pulsierendes Herz, in ihren Wurzeln liegen die Erinnerung aller Zeiten. Sie ist das große Gedächtnis, das alles speichert und nichts verurteilt. In ihrem Schoß ruhen die Geschichten der Menschheit, der Steine, des Windes. Ihre Haut ist verletzlich, doch sie heilt immer wieder. Mutter Erde nährt uns mit allem, was wir zum Leben brauchen: Wärme, Wasser, Nahrung, Rhythmus, Schönheit. Sie gibt, ohne zu fragen, ohne etwas zurückzufordern. Und doch ruft sie – immer wieder – nach unserer Rückverbindung. Wer sich auf Mutter Erde niederlässt, spürt Halt. Wer ihr lauscht, findet Stille. Wer ihr vertraut, wird erinnert: Du bist Teil dieses lebendigen Organismus. Nicht getrennt, sondern durchwirkt von demselben Atem. In der Verbindung mit Mutter Erde finden wir Zugang zu urweiblicher Kraft: Fruchtbarkeit, Kreativität, Wandel. Sie lehrt uns das Wachsen und das Vergehen. Sie kennt keine Eile. Sie urteilt nicht. Sie sagt: „Du darfst sein. Mit allem, was du bist.“

Es gibt ganz verschiedenen Möglichkeiten, mit Mutter Erde kreativ zu arbeiten. Das haben wir auch in meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe ausprobiert. In meiner Collage im Header ist die Göttin Demeter als Mutter Erde symbolisiert. Eine Frau trägt Landschaft, Geschichte und Erinnerung in sich. In ihrem Körper wohnen Felder, Häuser, Pflanzen, Wege. Leben. Sie beugt sich sanft nach unten. Ihr Blick ist ruhig. Zugewandt. Ohne Forderung. Das Kind in ihren Armen ist aus einer Kopie eines Fotos ausgeschnitten. Es wirkt verletzlich. Nackt. Echt. Es braucht Schutz, Nähe und Wärme. Die Mutterfigur hält es nicht fest. Sie umschließt es. Sie bietet Raum.

In der künstlerischen Biografiearbeit geht es nicht darum, die reale Mutter zu ersetzen. Es geht darum, eine innere Instanz zu entwickeln, die heute verfügbar ist. Eine liebende Mutter im Inneren. Eine, die sieht. Die bleibt. Die nicht beschämt. Durch das Gestalten eines solchen Bildes entsteht Beziehung. Farbe wird Berührung. Form wird Halt. Das Bild wird zu einem inneren Ort, den wir aufsuchen können, wenn alte Verletzungen berührt werden.

So kann Kunst zu einem Akt der Selbstbemutterung werden. Still. Würdevoll. Heilsam.

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Die Gruppe „Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg

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Künstlerische Biografiearbeit: Ich mit meiner Mutter auf dem Schoß https://www.tiefgang.net/kuenstlerische-biografiearbeit-ich-mit-meiner-mutter-auf-dem-schoss/ Tue, 03 Feb 2026 13:13:07 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13208 [...]]]> Biografiearbeit nährt, stärkt, erinnert und verbindet uns mit dem, was uns im Innersten ausmacht. Erinnerungen, Erfahrungen, Verluste und Wendepunkte werden nicht nur zu Geschichten, sondern zu innerem Wissen.

von Ulrike Hinrichs

„Wozu ein Blick in die Vergangenheit? Es ist doch besser nach vorne zu schauen und die Vergangenheit ruhen zu lassen.“ Solche oder ähnliche Sätze höre ich oft. Allerdings ist der Blick zurück kein Rückschritt, sondern ein Schritt in die Zukunft. Denn unverarbeitete Themen gären unter der Oberfläche weiter, wenn man sie aus dem Blick nimmt. Die Vergangenheit auszublenden ist kein gesundes Loslassen, sondern eine Form der Dissoziation.

Mehr dazu findest du auf Tiefgang:

Wenn wir unsere Vergangenheit erkunden, benennen und gestalten, verwandeln sich Erlebnisse in Erkenntnisse. Gerade in Phasen des Umbruchs, der Krise oder Sinnsuche kann die biografische Rückschau eine Orientierungshilfe sein. Sie schenkt uns Einsicht in unsere Lebensmuster, würdigt unsere Kraftquellen und macht uns bewusst, was wir bereits durchschritten haben.

Erinnerung ist eine launige Diva

Biografiearbeit ist kein kognitiver Prozess. Erinnerungen lassen sich nicht chronologisch zurückverfolgen. Kreative Zugänge eröffnen einen anderen Zugang zur eigenen Geschichte. Über Farbe, Form, Schreiben oder symbolisches Gestalten können auch jene Erfahrungen Ausdruck finden, für die es keine fertigen Worte gibt. So wird Biografiearbeit zu einem schöpferischen Akt der Selbstvergewisserung. Sie trägt, nährt und erinnert, gerade dann, wenn der Weg nach vorne noch unklar ist. Humor ist dabei eine große Hilfe, und zwar gerade dann, wenn du aus einem schwierigen Familienumfeld kommst. Humor bringt Leichtigkeit in die Schwere.

Ein humorvolles Praxisimpuls aus meinem Buch Atelier für Biografiearbeit lautet: Ich mit meiner Mutter auf dem Schoß. Zu diesem Impuls gestaltete die Künstlerin Yvonne Lautenschläger das Bild der beiden Frösche. Entstanden ist eine Szene, die auf eine berührende Weise mit vertrauten Rollenbildern spielt.

Humor macht Faxen mit dem Ernst

Was passiert, wenn sich das Bild dreht? Nicht das Kind sitzt auf dem Schoß der Mutter, sondern die Mutter sitzt auf dem Schoß des Kindes. Dieses Bild kann vieles auslösen: Mitleid, Überforderung, Verbundenheit, Abgrenzung. Es berührt eine neue Dimension biografischer Reflexion, denn es zeigt dich nicht mehr als Kind, sondern als die Person, die du heute bist. Du schaust nicht nur zurück, sondern nimmst deine Position neu ein. Vielleicht spürst du, wie die Rollen sich im Laufe des Lebens verschoben haben. Vielleicht wird dir bewusst, wie früh du Verantwortung übernehmen musstest. Oder wie sehr du dir gewünscht hättest, deine Mutter halten zu können oder gehalten zu werden.

Biografiearbeit bedeutet nicht, in der Vergangenheit zu verharren. Sie hilft, innere Zusammenhänge zu verstehen und neue Handlungsspielräume zu öffnen. Besonders kreative Zugänge ermöglichen einen behutsamen Kontakt zu Erinnerungen, Gefühlen und inneren Bildern.

Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich dazu ein, diesen Weg praktisch zu gehen. Die 60 kreativen Impulse ermöglichen dir einen behutsamen und tiefgehenden Zugang zu deiner Lebensgeschichte. Ziel ist nicht, alles zu erklären oder abzuschließen, sondern dir selbst bewusster zu begegnen und deine Geschichte als Ressource zu entdecken.

Ulrike HinrichsAtelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

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Biografiearbeit: Manchmal sind es die kleinen Dinge https://www.tiefgang.net/biografiearbeit-manchmal-sind-es-die-kleinen-dinge/ Tue, 13 Jan 2026 10:32:31 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13101 [...]]]> Biografiearbeit beginnt oft dort, wo Erinnerung unerwartet präzise wird. Bei Zahlen, Bildern, Gerüchen. Bei scheinbar nebensächlichen Details, die sich tief eingeprägt haben und plötzlich wieder auftauchen.

von Ulrike Hinrichs

Ich habe wenige Erinnerungen an meine Kindheit. Doch ich erinnere noch das Kennzeichen unseres ersten Familienautos. HH XD 22. Ein leuchtorangefarbener VW Käfer. Auch Telefonnummern sind geblieben. Die meiner Großmutter, die längst gestorben ist. Die meines Vaters, der getrennt von uns lebte. Die der Firma, in der meine Mutter arbeitete. Ich konnte sie alle auswendig. Ich war ein Schlüsselkind. Telefonnummern gaben Sicherheit.

Erinnerungen sind nicht linear. Oft sind sie vernebelt oder ganz verschluckt von der Vergangenheit. Gerade dann ist es hilfreich, sich solche kleinen Details vorzunehmen und mit ihnen künstlerisch zu arbeiten. Künstlerische Biografiearbeit würdigt diese vordergründig unbedeutenden Erinnerungen und kitzelt etwas wach, was hinter dem Vorhang der Vergangenheit verborgen ist. Kunst erlaubt, diesen Spuren zu folgen, ohne sie sofort erklären zu müssen. Sie macht sichtbar, was lange still war. Das scheinbar Unbedeutende wird bedeutsam. Und oft öffnet gerade das Kleine den Zugang zum Wesentlichen. 

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe „Heimat und Biografie – Begegnung mit Pinsel und Farbe“ arbeiten wir mit der Kunst als Ausdrucksform, um die eigene Herkunft zu erforschen und besser zu verstehen.

In meinem Bild im Header taucht der Käfer meiner Kindheit wieder auf. Leuchtend. Rund. Fast schützend. Er steht auf der Straße und zugleich in einem inneren Raum. Umgeben von Farbe, Punkten, Bewegung. Das gemalte Auto wird zum Träger von Atmosphäre. Von Nähe auf engem Raum. Von Unterwegssein. Von Kindheit, die sich nicht in Szenen, sondern in Fragmenten erinnert. In der künstlerischen Biografiearbeit dürfen solche Bilder auftauchen, ohne bewertet zu werden. Sie müssen nichts beweisen. Sie dürfen einfach da sein.

Vielleicht ist es bei dir kein Auto. Vielleicht ist es etwas ganz anderes. Klein, unscheinbar und doch voller Geschichte. Greife danach und lass ein Bild entstehen. Anschließend kannst du einen kreativen Text daraus wachsen kann. Lass dich überraschen, welche Erinnerungen wach werden.

Mehr dazu auf Tiefgang

Bist du neugierig geworden, wie du eigene Erinnerungen künstlerisch erkunden kannst? Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich ein, deinen Lebensweg kreativ zu erforschen. Die 60 kreativen Impulse sind so gestaltet, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zu deiner eigenen Lebensgeschichte ermöglichen.

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Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Die Zaunreiterin – Kunst im Zwischenraum https://www.tiefgang.net/die-zaunreiterin-kunst-im-zwischenraum/ Fri, 05 Dec 2025 23:11:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12962 [...]]]> Die Figur der Zaunreiterin gehört zu den archetypischen Gestalten an den Übergängen. In vielen mythologischen Traditionen erscheinen Wesen, die zwischen den Welten leben. Sie bewegen sich an Schwellen und an Orten, an denen Grenzen durchlässig werden.

von Ulrike Hinrichs

Der Begriff der Zaunreiterin wird oft mit der Figur der weisen alten Frau verbunden. Sie lebt am Rand des Dorfes. Sie kennt die Schwellenräume und kann den Zaun (die Grenzen) zwischen den Welten überschreiten. In der Arbeit mit Ahnenbildern kann die mythische Figur der Zaunreiterin eine hilfreiche Metapher sein. Die Zaunreiterin erinnert daran, dass biografische und transgenerationale Themen oft an den Rändern auftauchen. An den Stellen, an denen etwas weder ganz sichtbar noch ganz verborgen ist. Sie steht für das Lauschen auf leise Impulse, für das Wahrnehmen von Emotionen, Erinnerungen und inneren Bildern, die sich erst allmählich zeigen.

Siehe dazu auch auf Tiefgang:

Die Ahnenreise beschreibt in diesem Zusammenhang einen inneren Prozess. Menschen wenden sich bewusst den Geschichten ihrer Herkunft zu. Sie betrachten familiäre Muster und wiederkehrende Themen. Sie erkennen Belastungen und Ressourcen, die über Generationen weitergegeben wurden. Die Reise führt nicht in eine äußere Welt. Sie führt in die eigene innere Geschichte und in die Beziehung zu denjenigen, die vor einem lebten.

Die Zaunreiterin dient dabei als Symbol für eine achtsame Haltung. Sie lädt dazu ein, Fragen zu stellen. Welche Spuren meiner Ahnen trage ich in mir? Was davon stärk mich? Was belastet mich? Was darf ich neu gestalten? Was braucht Heilung?

Die Zaunreiterin hilft, diesen Prozess nicht wertend, sondern beobachtend zu begleiten. So verbindet sich die mythologische Bedeutung der Figur mit der psychologischen Perspektive der Ahnenarbeit.

Die Zaunreiterin als Collage

Die Zaunreiterin lädt dazu ein, die innere Schwelle zu überschreiten. Sie fordert dazu auf, bewusst hinzusehen. Die Kunst als Ausdrucksform hilft dabei.

Wenn du diesen Impuls künstlerisch aufgreifen möchtest, kannst du dazu eine Collage gestalten, wie wir es in meiner Gruppe Heimat und Biografie: Begegnungen mit Pinsel und Farbe gemacht haben. Als Beispiel ist ein Werk aus der Gruppe abgebildet. Die Collage „Die edle Rebellin“ verbindet eine fröhliche, farbintensive Figur mit einer ruhigeren, fast zeitlosen Person in Schwarzweiß. Es ist ein Foto der Großmutter, welches in die Collage eingearbeitet wurde. Dadurch entsteht ein Gefühl von zwei Zeitebenen, die gleichzeitig anwesend sind. Vergangenheit und Gegenwart. Die Motive aus Nahrung, Pflanzen und organischen Mustern vermitteln Erdung. Sie wirken wie Symbole für Versorgung, Fülle und das Wissen der Kräuterfrauen. Auch das kleine Stofftier mit Verband weckt Assoziationen an Fürsorge und Heilung. Die Collage erzählt von einer Figur, die beides vereint: Erdung und Wildheit. Humor und Ernst. Vergangenheit und Gegenwart. Sie wirkt wie eine Ahnin, die sich zeigt, um Kraft zu geben und gleichzeitig etwas zu hinterfragen.

Wie sieht deine Collage aus?

Mehr Impulse zur künstlerischen Biografiearbeit erhältst du im Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen. 60 Praxisimpulse helfen dir, dich mit deiner Biografie und Familiengeschichte auseinandersetzen.

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