Ulrike Hinrichs – Atelier für Biografiearbeit https://www.tiefgang.net Tue, 18 Aug 2026 14:08:29 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Gewebe jenseits der Zeit https://www.tiefgang.net/gewebe-jenseits-der-zeit/ https://www.tiefgang.net/gewebe-jenseits-der-zeit/#respond Tue, 18 Aug 2026 14:07:44 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14401 [...]]]> Biografien bestehen aus Erinnerungen, Brüchen, Leerstellen und Geschichten, die über Generationen hinweg weitererzählt oder verschwiegen werden. Künstlerische Biografiearbeit verbindet Erinnern mit sinnlicher Erfahrung und schafft Möglichkeiten, dem Fragmentarischen eine neue Form zu geben.

Von Ulrike Hinrichs

Erinnerungen wohnen in Fotografien, Briefen, Tagebüchern und anderen Dingen, die uns über viele Jahre begleitet haben. Sie liegen in Schubladen, Kartons und in alten Fotoalben. Heute finden wir sie auch in digitaler Form auf unseren Handys und in den sozialen Medien. Erinnerungen haben ihren Ort verändert, aber nicht ihre Bedeutung. Sie sammeln sich weiter an, werden gespeichert, geteilt und weitergetragen.

Welche Geschichten entstehen, wenn wir das Vertraute verändern? Was geschieht, wenn wir Fotos zerschneiden, Texte übermalen, Fragmente neu zusammensetzen? Das Material selbst wird zum Gesprächspartner. Erinnerungsstücke verlieren ihre ursprüngliche Ordnung und treten in neue Beziehungen zueinander.

Anders als beim bloßen Bewahren im Fotoalbum dürfen die Materialien verändert werden. Textile Techniken wie Nähen, Sticken oder Weben bieten hierfür einen kraftvollen Zugang. Ein Schnitt trennt, eine Naht verbindet. Durch die künstlerische Transformation entsteht eine neue Form des Erinnerns. Fäden schaffen Beziehungen und verbinden Generationen. Sichtbare Nähte erzählen von Übergängen und Verknüpfungen. Wunden werden mit einem goldenen Stich veredelt.

Ich möchte dir dafür ein Beispiel geben, das in meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe entstanden ist. Im Header abgebildet ist auszugsweise meine biografische Arbeit: Heilendes Gewebe jenseits der Zeit.

Ulrike Hinrichs – Ausschnitt aus „Gewebe jenseits der Zeit“

Der noch wachsende, collageartige Flickenteppich verbindet Familienfotos, Tagebuchseiten, Briefe, Postkarten, Kindheitsbilder und Auszüge aus dem Poesiealbum. Mit farbigem Stickgarn habe ich die einzelnen Elemente verbunden. Die Fäden schaffen Beziehungen zwischen Bildern, Worten und Leerstellen. Dabei werden intuitive Verbindungen zwischen Menschen, Erinnerungen und verschiedenen Zeiten spürbar.

So entsteht statt eines chronologisch geordneten Familienalbums ein transgenerationales Gewebe, welches sich immer weiter wandeln, ergänzen und neu verknüpfen lässt. Es verbindet Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Die einzelnen Fragmente bleiben sichtbar und bewahren ihre eigene Geschichte. In ihrer neuen Verbindung entsteht etwas Gemeinsames und Größeres, das über die individuelle Biografie hinausweist und verschiedene Generationen miteinander verbindet.

Künstlerische Biografiearbeit ist daher weit mehr als das Gestalten eines Erinnerungsobjekts. Sie eröffnet einen Erfahrungsraum, in dem Vergangenheit und Gegenwart miteinander in Beziehung treten. Das kreative Tun macht sichtbar, was sich oft nur schwer in Worte fassen lässt. Es entstehen keine endgültigen Antworten, sondern neue Fragen und erweiterte Perspektiven auf das Familiensystem.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Mehr dazu in meinem Buch:

Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich ein, deinen Lebensweg kreativ zu erforschen. Die 60 kreativen Impulse sind so gestaltet, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zu deiner eigenen Lebensgeschichte ermöglichen.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs – Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen | ISBN 978-3-99192-197-4 | Buchschmiede – Happy Balance; 22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com


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Biografiearbeit mit dem Nicht-Erzählten https://www.tiefgang.net/collage-biografiearbeit/ Wed, 24 Jun 2026 22:21:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14068 [...]]]> Manche Vorfahren hinterlassen Briefe, Fotografien und Erzählungen, die sich wie Spuren durch die Zeit ziehen. Andere verschwinden aus den Familienchroniken und sind kaum mehr als ein Name. In jeder Biografie begegnen uns Leerstellen, verbunden mit Unausgesprochenem, das unter der Oberfläche wirksam bleibt.

von Ulrike Hinrichs

Transgenerational wird auch das Schweigen weitergegeben. Familien entwickeln unausgesprochene Regeln darüber, worüber gesprochen wird und worüber nicht. Besonders häufig finden sich Brüche in der Ahnenreihe rund um Themen wie uneheliche Geburt, psychische Krisen, Gewalt, Flucht, Armut oder Suizid.

Wo Wissen endet, beginnt die Imagination

In der künstlerischen Biografiearbeit eröffnen sich Möglichkeiten, die eigene Beziehung zu diesen Leerstellen zu erforschen. Wir können verborgenen Familiengeschichten besonders gut über die Arbeit mit Collage auf die Spur kommen. In einer Collage können Fotografien, Fragmente, Farben, Symbole und Fundstücke miteinander in Beziehung treten. Beim Durchblättern von Zeitschriften, Büchern oder Illustrierten lassen wir uns von Worten und Bildern intuitiv finden. Diese Prozesse aktivieren unsere Intuition. So entsteht ein Bild, das eine innere Beziehung zur Vergangenheit gestaltet. Diese Werke müssen nichts beweisen, sie dürfen Fragen stellen.

Kunst ist eine Brücke zwischen Erinnerung und Nichtwissen

In meiner Familienchronik ist es meine Ururgrußmutter Katharina Hinrichs, die Namensgeberin meiner Familie, deren Spuren ich folge. Sie „verschwand“ 1865 im Alter von 27 Jahren und hinterließ ein uneheliches Kind, meinen Urgroßvater. Zu dieser Zeit war eine uneheliche Geburt mit starker sozialer Stigmatisierung verbunden. Frauen und Kinder konnten dadurch rechtlich und wirtschaftlich an den Rand der Gemeinschaft gedrängt werden. Schande, Ausschluss und moralische Verurteilung prägten solche Lebensgeschichten. Niemand in meiner Familie weiß irgendetwas über meine Ururgroßmutter. Mein Urgroßvater wuchs bei Pflegeltern auf.

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe haben wir mit Collage gearbeitet. In meinem Werk erscheint meine Ururgroßmutter fast wie eine Madonna, die wie eine Hüterin über meinem Großvater wacht. Die künstlerische Arbeit kann keine historischen Wahrheiten herstellen, doch sie kann einen Raum öffnen, in dem Erinnerung, Sehnsucht, Verlust und Verbundenheit sichtbar werden. Vielleicht liegt genau darin eine ihrer größten Kräfte: dem Schweigen eine Form zu geben und denjenigen ein Gesicht, die großes Leid getragen und aus der Familiengeschichte verschwunden sind.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Wenn es in deiner Familiengeschichte Menschen gibt, über die kaum etwas bekannt ist, können folgende Fragen hilfreich sein:

  • Wer fehlt in den Familienerzählungen?
  • Über wen wird nicht gesprochen?
  • Welche Fragen begleiten mich seit Jahren?
  • Welche Gefühle entstehen, wenn ich an diese Person denke?
  • Welche Farben, Symbole oder Materialien verbinde ich mit ihr?
  • Wie könnte eine Collage aussehen, die Fragen stellt?

Mehr dazu in meinem Buch:

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Die Sammlerin der Wut https://www.tiefgang.net/die-sammlerin-der-wut/ Thu, 04 Jun 2026 07:52:30 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13951 [...]]]> Wut ist eine Kraft. Sie zeigt uns, dass etwas nicht stimmt, dass eine Grenze überschritten wurde. Die Heftigkeit der eigenen Wut zu spüren, kann aber auch Angst machen.

von Ulrike Hinrichs

Wut ist oft biografisch und transgenerational. Gerade Menschen, die in toxischen Familienverhältnissen aufgewachsen sind, ihre Gefühle und Bedürfnisse unterdrücken mussten, haben im späteren Leben ein Thema mit der Wut.

Je mehr wir die Wut wegdrücken, desto heftiger kann sie werden. Manchmal kommt sie wie eine Explosion. Und manchmal haben wir selbst Angst vor der eigenen Sprengkraft.

Kreatives Schreiben und künstlerisches Gestalten können einen Raum geben, in dem solche Gefühle sein dürfen und nicht bewertet oder kontrolliert werden.

Wenn starker Druck auftaucht und die Wut sich zeigt, kann es helfen, diese Gefühle aufzuschreiben.

  • Wie genau fühlt es sich an?
  • Was passiert im Körper?
  • Welche Metaphern fallen dir dazu ein?
  • Welche Wörter, Satzfragmente oder Bilder tauchen auf?

Vielleicht fühlt sich die Wut an wie ein Vulkan. Wie ein Käfig voller schwarzer Vögel. Wie ein Feuer, das schon lange unter der Oberfläche brennt.

Schreibe deine Wahrheit auf. Schreie deine Wahrheit heraus. Die Sätze dürfen laut und roh sein. Und anschließend kannst du die Worte in einen poetischen Text wandeln.

Du kannst Wut sammeln und kreativ wandeln

Wenn wir Wut aufschreiben, geschieht oft etwas Überraschendes. Aus dem Gefühl wird Ausdruck und Sprache. Aus einem inneren Druck entstehen Bilder, Metaphern und Geschichten. Die Wut ist nicht mehr nur ein diffuses Unbehagen im Körper. Sie bekommt Worte. Manchmal entstehen zunächst einzelne Sätze. Manchmal eine Liste voller Vorwürfe. Manchmal ein Brief, der niemals abgeschickt wird. Und manchmal verdichten sich die Worte zu einem Gedicht. Hier ein Beispiel aus meiner künstlerischen Biografiegruppe, das aus einem Gefühl der Wut entstanden ist:

Mutter

Die alte Frau riecht nach Kälte.
In dem verwelkten Körper sitzt ein Kleinkind.
Ein Sack aus Haut, Knochen und Organen.
Das Herz arbeitet mechanisch, ohne Wärme.
Aus dem Schlund tropfen Größenwahn und Verachtung.
Beleidigungen schlagen wie Fäuste.
Selbst die Stille klingt nach Angriff.
Ihr Gift sickert in jede Nähe.
Sie zieht eine Spur der Verwüstung hinter sich her.
Im letzten Licht schlägt sie noch einmal zu.
Dann ist es ruhig.
„Es ist gut, dass du nicht mehr da bist.“
Dein Gift bleibt im Körper der Welt.
Mutter Erde nimmt dich nur widerwillig auf.
Sie ächzt unter deiner Last.
Jetzt ist es stiller geworden.
Die Räume atmen anders.
Noch immer gibt es Momente, in denen mir der Magen kippt, als läge deine Stimme faulend unter den Dielen.
Manche Erinnerungen schmecken noch nach Rost und Bitterkeit.
Aber zwischen all dem wächst Abstand.

Das Schreiben verändert nicht die Vergangenheit. Es macht Verletzungen nicht ungeschehen. Im kreativen Schreiben geht es nicht darum, etwas wegzumachen. Aber es kann helfen, dem Erlebten eine Form zu geben. Es geht darum, sich selbst zuzuhören.

Manchmal beginnt Heilung nicht mit einer Antwort. Sondern mit einem Satz.

Siehe dazu auch auf Tiefgang:

Künstlerische Biografiearbeit: zwischen Wut und Wandlung

Und meinem Buch:

Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich ein, deinen Lebensweg kreativ zu erforschen. Die 60 kreativen Impulse sind so gestaltet, dass sie einen tiefgehenden Zugang auch zu schwierigen Lebensthemen ermöglichen.

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Künstlerische Biografiearbeit zwischen Wunde und Wandlung https://www.tiefgang.net/kuenstlerische-biografiearbeit-zwischen-wunde-und-wandlung/ Mon, 18 May 2026 12:59:17 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13871 [...]]]> Künstlerische Biografiearbeit beginnt nicht mit Antworten, sondern mit Fragmenten. Wer collagiert, ordnet nicht nur Bilder neu, sondern auch das eigene innere Erleben. Künstlerische Biografiearbeit kann helfen, die eigene Geschichte zurückzuerobern.

von Ulrike Hinrichs

In der künstlerischen Biografiearbeit darf paradox gearbeitet werden. Eine Collage muss nicht die Wahrheit dokumentieren. Sie darf widersprüchlich, schmerzlich und poetisch zugleich sein.

In der Wortcollage im Header heißt es: „Meine Mutter sagte“.

„Sprich mit Pflanzen, Tieren und Bäumen.“ 

„Verbinde dich mit dem Rhythmus von Mutter Erde.“

Diese Sätze hätte meine Mutter niemals gesagt. Fühlen war wie in den meisten Familien in der Nachkriegszeit ein Tabu. „Reiß dich zusammen“, hieß es nicht nur in meiner Familie. Gewalt, Schuld und Menschenverachtung wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in den Kerker der Erinnerung gesperrt.

Doch gerade in den widersprüchlichen Antworten liegt Wahrheit. Paradoxes Arbeiten in der Kunst kann befreiend sein. Es erlaubt uns, innere Gegenbilder zu erschaffen. So entstehen Räume für Würde, Trost und neue Bedeutungen.

Die Katze im alten Gewand erinnert mich an eine Ahnin, an Großmütter und weibliche Linien, an ein schweres Erbe, das durch Generationen wandert. Gleichzeitig trägt das Tier etwas Wildes in sich, etwas, das sich nicht domestizieren lässt.

Unter der Wort-Collage heißt es: „Schweres Erbe.“ Vielleicht beginnt künstlerische Biografiearbeit genau dort. Wo wir das Erbe sichtbar machen und gleichzeitig beginnen, eine andere Sprache für uns selbst zu finden. Eine Sprache, die nicht nur beschreibt, sondern verwandelt.

Mehr dazu auf Tiefgang

Hast du Lust bekommen, selbst kreativ zu werden?

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Familientabus in der künstlerischen Biografiearbeit https://www.tiefgang.net/familientabus-in-der-kuenstlerischen-biografiearbeit/ Wed, 13 May 2026 13:48:23 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13846 [...]]]> Familientabus wirken wie unsichtbare Mauern. Niemand spricht über das, was geschehen ist. Über Krieg, Gewalt, Sucht, Verrat, Verlust, über die Menschen, die plötzlich verschwanden oder innerlich nie anwesend waren. Stattdessen entstehen schmerzende Leerstellen.

Von Ulrike Hinrichs

„Darüber redet man nicht“, lautet die Botschaft. Die unausgesprochenen Sätze sind lauter als jedes Wort. „Lass die Vergangenheit ruhen.“ Doch die Vergangenheit ruht nicht. Sie zeigt sich in toxischen Beziehungen, in Schuldgefühlen, in undefinierbaren Ängsten, in unerklärlicher Traurigkeit oder in einem ständigen Gefühl von innerer Zerrissenheit.

Viele Menschen tragen Loyalitäten in sich, die älter sind als ihre eigene Geschichte. Sie schützen Familienmitglieder, obwohl diese sie verletzt haben. Sie schweigen, um Zugehörigkeit nicht zu verlieren. Sie übernehmen Gefühle, Rollen und Geheimnisse, die nie ihre waren.

Die eigene Wahrheit auszusprechen fällt oft unendlich schwer, weil das Schweigen bereits mit der Muttermilch weitergegeben wurde. Familienbande sind von kollektiven Normen und unsichtbaren Loyalitäten geprägt. Darf man den Kontakt zur eigenen Herkunftsfamilie abbrechen? Darf man denken: „Mutter, es ist gut, dass du nicht mehr da bist“? Solche Gedanken sind mit Schuld, Angst und Scham verbunden, weil familiäre Loyalität als unantastbar gilt. Doch Heilung entsteht dort, wo ein Mensch beginnt, Grenzen zu setzen und das eigene seelische Überleben wichtiger zu nehmen als das Schweigen eines Systems.

Der künstlerische Ausdruck kann dabei helfen. Die Kunst umgeht die Zensur des Familiensystems. In der künstlerischen Biografiearbeit beginnt die Hand zu erzählen. Oft entstehen intuitive Erkenntnisse lange bevor ein Mensch erklären kann, was er eigentlich fühlt. Bilder, Farben und Symbole öffnen einen Zugang zu innerem Wissen, das über Sprache allein kaum erreichbar ist. Gerade bei Tabus zeigt sich in kreativen Prozessen häufig das, was im Alltag verdrängt, abgespalten oder nie bewusst gedacht werden durfte.

Künstlerische Biografiearbeit schafft einen geschützten Raum, in dem innere Wahrheiten sichtbar werden dürfen, nicht als Anklage, sondern als Begegnung mit der eigenen Geschichte.

  • Wer bin ich jenseits der Erwartungen meiner Herkunft?
  • Welche Gefühle durfte ich nie zeigen?
  • Welche Rolle musste ich übernehmen?
  • Und welche Stimme in mir wurde über Jahre zum Schweigen gebracht?

Nicht jede Wahrheit muss laut werden, aber sie braucht Raum, in dem sie sein darf. Kunst schafft diesen Raum, zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Schmerz und Ausdruck, zwischen Schweigen und neuer Betrachtung der eigenen Geschichte.

Mehr dazu auf Tiefgang

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Mit Pinsel, Farbe und Kinderfoto die eigene Biografie berühren https://www.tiefgang.net/mit-pinsel-farbe-und-kinderfoto-die-eigene-biografie-beruehren/ Sat, 25 Apr 2026 22:30:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13712 [...]]]> Ein altes Foto in den Händen zu halten, kann mehr sein als ein Blick in die Vergangenheit. Es ist eine Begegnung zwischen dem gegenwärtigen Ich und dem Kind, das wir einmal waren.

von Ulrike Hinrichs

In der künstlerischen Biografiearbeit werden alte Fotos zu Türen. Sie öffnen Räume für Erinnerung, Gefühl und neue Deutung.

Wenn du mit Pinsel und Farbe auf ein Kinderfoto reagierst, entsteht kein klassisches Porträt. Es geht nicht um Ähnlichkeit oder Perfektion. Vielmehr entsteht ein Dialog, ein inneres Gespräch zwischen dir und dem Kind auf dem Bild. Farben, Linien und Formen werden zu einer Sprache, die oft direkter ist als Worte.

Das Foto dient dabei als Ausgangspunkt. Es lädt dich ein, in Resonanz zu gehen. Was berührt dich? Was zieht dich an? Was bleibt vielleicht ungesagt? Indem du dich vom Anspruch löst, realistisch zu zeichnen, entsteht Raum für Intuition und Ausdruck. Diese Form der künstlerischen Annäherung ermöglicht es, biografische Erfahrungen behutsam zu erkunden. Sie kann Erinnerungen wachrufen, Gefühle klären und verborgene Ressourcen sichtbar machen. Vor allem aber schafft sie eine Verbindung zu dir selbst, zu deiner Geschichte und zu dem Kind, das immer noch Teil von dir ist.

Und so geht´s

Greife zu deinem Fotoalbum, deiner Fotokiste oder schau in deine digitale Galerie. Welches Bild zieht dich magisch an? Lasse dich intuitiv führen. Wähle einfach das Foto, das dich am meisten fesselt. Vertraue darauf, dass dich das richtige Bild anspricht.

Bei der anschließenden künstlerischen Umsetzung geht es nicht darum, das Foto realistisch nachzuzeichnen. Wichtig ist, in Resonanz mit dem Kind zu treten, das auf dem Bild durchschimmert. Nimm dir deine Lieblingsfarben. Mein Bild im Header ist mit Aquarellfarben entstanden.

Abschluss und Impulsfragen zum Bild

Nimm dir Zeit, dein fertiges Bild zu betrachten. Vielleicht möchtest du es an einen besonderen Ort legen oder aufhängen. Vielleicht magst du auch ein paar Worte dazu schreiben. Was hat sich gezeigt? Was ist sichtbar geworden? Was hat dich berührt? Welche Gefühle steigen in dir auf? Welche Erinnerungen wurden geweckt?

Mehr dazu in meinem Buch:

Das Atelier für Biografiearbeit lädt dich ein, deinen Lebensweg kreativ zu erforschen. Die 60 kreativen Impulse sind so gestaltet, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zu deiner eigenen Lebensgeschichte ermöglichen. Wie du Kinderbilder für deine künstlerische Biografiearbeit nutzen kannst, das erfährst du in meinem Buch.

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Das kreative Spiel mit dem Unheimlichen https://www.tiefgang.net/das-kreative-spiel-mit-dem-unheimlichen/ Thu, 26 Mar 2026 16:13:22 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13553 [...]]]> Hexen und Teufel gehören zu den ältesten Fantasiegestalten von Kindern. Sie tragen Wildheit, Verbotenes und Mächtiges in sich. Kinder malen sie nicht unbedingt aus Angst, sondern aus Neugier. Sie wollen spüren, wie Dunkelheit, Kraft und Magie sich anfühlen.

von Ulrike Hinrichs

Die authentische Kunst ist eine Sprache unserer Seele. Sie spricht in Symbolen und Bildern. Hexen und Teufel sind starke archetypische Motive. C. G. Jung prägte den Begriff der Archetypen. Das sind Urbilder des Menschen, universelle Symbole, die in allen Kulturen zu finden sind und bestimmte menschliche Erfahrungen spiegeln. Sie tauchen in Träumen, Mythen und Geschichten auf und spiegeln unsere Urängste, Sehnsüchte und verborgenen Kräfte.

In meinem Kinderbild im Header aus dem Jahr 1970 tanzen Hexen und Teufel um ein Feuer. Für Kinder sind Hexen Figuren, die etwas können, was sonst niemand kann. Sie fliegen. Sie zaubern. Sie kennen geheime Kräfte. Damit verkörpern sie Macht, Zauber und Geheimwissen. Viele Kinder sind von solchen Figuren fasziniert, weil sie selbst noch wenig Einfluss auf ihre Welt haben. In der Fantasie können sie sich dieser Macht annähern. Auch als Erwachsene können wir uns über die Kunst unsere Macht und Selbstwirksamkeit zurückerobern.

Neben den Hexen erscheinen im Bild auch blaue Teufel, die gemeinsam mit den Hexen um das Feuer springen. Die Teufel wirken auf mich verspielt und freundlich. In vielen Symbolwelten steht der Teufel für das Verbotene, das Wilde, für Triebkraft und Grenzüberschreitung. In diesem Kinderbild scheinen diese Kräfte verwandelt. Sie dürfen da sein, ohne Angst zu machen. Sie tanzen, sie spielen, sie gehören dazu. Vielleicht zeigt sich darin ein innerer Raum, in dem auch das Unangepasste, Wilde und Widersprüchliche erscheinen durfte, zumindest auf dem Papier. So werden die Teufel nicht zu Gegenspielern der Hexen, sondern zu ihren Gefährten in einer Welt, in der unterschiedliche Kräfte nebeneinander existieren können.

Auch im Heute können wir uns fragen, wie wir das „Verteufelte“ transformieren können. Was in dir will wild und unangepasst sein?

Wenn man das Bild insgesamt betrachtet, entsteht fast eine kleine mythische Szene. Wesen, Feuer, Flug. Das sind uralte Motive. Kinder greifen sie intuitiv auf. Das Bild baut aus Fantasie eine eigene Welt, einen Raum, in dem auch dunkle Figuren ihren Platz haben. Die Figuren im Bild wirken wie frühe innere Gestalten. Beschützerinnen, Beobachterinnen, Spielgefährtinnen.

Eine kleine Einladung an dich:

Vielleicht hast auch du als Kind Bilder gemalt, in denen Hexen, Monster, Tiere oder geheimnisvolle Wesen vorkamen. Lass dich von deinen Kinderbildern inspirieren. Wenn du dich erinnerst oder alte Zeichnungen wieder anschaust, frage dich:

  • Welche Figuren tauchten in meinen Kinderbildern auf?
  • Waren sie freundlich, wild, geheimnisvoll oder unheimlich?
  • Welche Rolle spielten sie in meiner Fantasiewelt?

Und vielleicht auch:

  • Welche dieser Gestalten begleiten mich innerlich noch heute?

Kinderbilder sind mehr als Kritzeleien. Sie öffnen Fenster in die innere Welt. Dort zeigen sich Kräfte, Ängste, Schutzfiguren und Fantasiegestalten, die uns auf leise Weise durchs Leben führen.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Und meinem Buch:

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Wenn Bilder die Stimme erheben https://www.tiefgang.net/wenn-bilder-die-stimme-erheben/ Sat, 14 Mar 2026 23:03:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13520 [...]]]> Kunst kann ein Raum sein, in dem Erfahrungen sichtbar werden, für die Worte schwer zu finden sind. Bilder ermöglichen eine andere Form des Ausdrucks. Sie lassen Gefühle, Erinnerungen und innere Spannungen erscheinen, ohne erklären zu müssen.

von Ulrike Hinrichs

Mit der Kunst als Sprache können wir uns belastenden Themen intuitiv nähern. Die Collage ist dafür eine besonders inspirierende Form. Unterschiedliche Bildfragmente, Texte und Materialien werden zusammengefügt und treten in Beziehung zueinander. So entsteht eine eigene Bildsprache, in der Bruchstücke, Gegensätze und verborgene Themen sichtbar werden. Diese Art des Reflektierens folgt nicht dem bewussten Denken, sondern unbewussten, symbolischen Impulsen.

Mehr dazu auf Tiefgang

Im Header ist eine Collage aus meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Mit Bild- und Wortnotizen gegen Gewalt abgebildet. In dieser Gruppe teilen und reflektieren Frauen ihre Erlebnisse. Die Collage spiegelt ein belastendes Thema einer Klientin, die in einem schwer toxischen Familienumfeld aufwuchs. Psychische Gewalt, Manipulation, Vernachlässigung, Abwerten und Schweigen gehörten zum Alltag. All diese emotionale Kälte und Härte beeinträchtigt die Klientin bis heute.

  • Links im Bild ist eine sanft wirkende Frau in militärischer Ausrüstung zu sehen. Voll verteidigungsfähig. Die Rüstung steht für Schutz, Wachsamkeit und Abgrenzung.
  • In der Mitte erscheint ein geöffnetes anatomisches Modell eines Körpers. Organe werden sichtbar, das Innere, das normalerweise verborgen bleibt, wird nach außen getragen. Alles wird offengelegt.
  • Rechts im Bild steht eine Gruppe orangefarbener Figuren. Ihre Gesichter sind kaum erkennbar. Auf ihren Körpern stehen Worte: „Es ist nicht egal“, „Talk about it“. Die Körper werden zu Trägern von Botschaften und fordern dazu auf, hinzusehen und auszusprechen, was lange unausgesprochen blieb.
  • Im Hintergrund liegt eine weite, ruhige Landschaft. Vor dieser Kulisse entfaltet sich eine Szene, in der Schutz, Offenlegung und kollektive Stimmen aufeinandertreffen.

Der Titel „An der Grenze des Machbaren“ öffnet einen Raum für Fragen: Wie viel Wahrheit kann man aushalten? Wie viel kann ein Mensch offenlegen, bevor es zu viel wird?

Die Collage bewegt sich an der Schwelle zwischen Rüstung und Offenheit, zwischen innerem Erleben und öffentlicher Wahrnehmung. Sie erinnert daran, dass das Sichtbarmachen manchmal der erste Schritt ist, um das Schweigen zu durchbrechen. Die eigene Stimme zu erheben und die Wahrheit auszusprechen, das braucht Mut.

Hast du Lust es auch einmal auszuprobieren? Mehr Praxisbeispiel zur Selbstfürsorge mit künstlerischen Mitteln findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

Und in meinem Atelier für Biografiearbeit bekommst du 60 kreative Impulse für einen tiefgehenden Zugang zu deiner Lebensgeschichte. Nicht mit dem Ziel, alles zu erklären oder abzuschließen, sondern um sich selbst bewusster zu begegnen und die eigene Geschichte als Ressource zu entdecken.

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Biografiearbeit: Kinderzeichnungen vergessen nichts https://www.tiefgang.net/biografiearbeit-kinderzeichnungen-vergessen-nichts/ Thu, 12 Feb 2026 13:19:37 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13272 [...]]]> Unser Familiensystem ist ein lebendiges Geflecht aus Beziehungen, Erwartungen und unausgesprochenen Geschichten. In den frühen Jahren weben vor allem Eltern, Großeltern und Geschwister daran. Manchmal liebevoll. Manchmal widersprüchlich. Manchmal destruktiv.

von Ulrike Hinrichs

Die Kindheit prägt unser Selbstbild, unsere Bindungsmuster und unser Verhältnis zu Nähe und Distanz. Die Stimmen, Gesten und Geheimnisse wirken weiter. Sie bilden sich in unseren Träumen ab, beeinflussen unbewusst unsere Entscheidungen und zeigen sich in unserem Körpergedächtnis. Vieles aus der Vergangenheit liegt im Dunkeln oder ist vergessen. Oder es ist sogar abgespalten, wenn es sich um traumatische Erfahrungen handelt.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Über alte Kinderzeichnungen können wir Kontakt zu unserem jüngeren Selbst aufnehmen. Dank der Sammelleidenschaft meiner Großmutter habe ich einige davon bewahrt. Die Abbildung im Header zeigt ein Bild aus dem Jahr 1974. Ich war neun Jahre alt, als ich es malte.

Auf meinem Bild versammeln sich zahlreiche Tiere. Sie sind nebeneinander angeordnet, fast wie in einem inneren Register. Die Namen sind sorgfältig dazugeschrieben. Vielleicht ein Versuch, die Welt zu ordnen, vielleicht auch, sie festzuhalten oder ihr einen sicheren Platz zu geben.

Kinderzeichnungen sind Zeitfenster in die Vergangenheit.

Kinderzeichnungen sind seelische Landkarten. Sie zeigen, was wichtig war. Wer groß erschien. Wer fehlte. Wo Bedrohung lauerte oder Schutz spürbar war. Sie verraten etwas über Zugehörigkeit, über Sehnsucht und über das, was keinen Namen hatte.

Vielleicht hast auch du eine alte Kinderzeichnung. Schau sie an wie ein Zeitfenster. Ohne Bewertung. Ohne Analyse. Mit Neugier.

  • Was erzählt sie dir heute?
  • Welche Farben ziehen dich an?
  • Wo ist Bewegung, wo Stillstand?
  • Welche Figuren stehen nah beieinander, welche am Rand?
  • Welche Stimmung liegt zwischen den Linien?

Du kannst dieses Bild ins Heute übertragen. Male es neu. Vergrößere ein Detail. Ergänze eine Figur, die gefehlt hat. Gib dem Kind von damals etwas in die Hand. Oder setze dein heutiges Ich dazu. Vielleicht entsteht dabei etwas, das damals noch nicht möglich war. So entsteht ein Dialog zwischen damals und heute, zwischen dem Kind, das du warst, und dem Menschen, der du geworden bist.

Biografiearbeit bedeutet nicht, etwas richtig zu deuten, sondern Beziehung aufzunehmen mit dem eigenen Gewordensein. Sie lädt dich ein, mit deiner Geschichte in Kontakt zu treten. Sie öffnet einen Raum für das Kind, das dich bis heute begleitet. Und manchmal staunt man, wie klar dieses frühe Ich schon wusste, was wesentlich ist.

Siehe dazu auch auf Tiefgang: Dein inneres Kind künstlerisch erwecken

Mehr Praxisimpulse findest du im Atelier für Biografiearbeit. Die 60 kreativen Impulse sind so angelegt, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zur eigenen Lebensgeschichte ermöglichen. Nicht mit dem Ziel, alles zu erklären oder abzuschließen, sondern um sich selbst bewusster zu begegnen und die eigene Geschichte als Ressource zu entdecken. Es geht nicht um professionelle Kunst, sondern um Ausdruck.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs – Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Künstlerische Biografiearbeit: Die Mutter, die ich mir selbst werde https://www.tiefgang.net/kuenstlerische-biografiearbeit-die-mutter-die-ich-mir-selbst-werde/ Sat, 07 Feb 2026 11:05:16 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13266 [...]]]> Wenn wir in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen sind und keine liebenden Eltern hatten, dann leiden wir oft Zeit unseres Lebens unter der emotionalen Kälte. Wie aber wäre es, wenn du dir eine liebende Mutter oder auch einen Vater erschaffen könntest?

von Ulrike Hinrichs

In vielen Kulturen erscheint Mutter Erde als heilige Gestalt, die Leben schenkt, nährt und schützt. Sie trägt viele Namen: Gaia, die uralte Erdmutter der Griechen, aus der alles Leben entstand. Demeter, die Göttin der Fruchtbarkeit, die mit ihrer Trauer den Winter brachte und mit der Rückkehr ihrer Tochter den Frühling. In den Anden lebt Pachamama, die Mutter allen Seins, die Erde und Zeit zugleich ist. Sie wird verehrt mit Gaben und Dank. Diese mythischen Figuren sind Ausdruck einer universellen Sehnsucht nach Verbundenheit, nach einem mütterlichen Prinzip, das jenseits von Herkunft und Familie existiert. Sie erinnern uns daran: Wir sind Teil eines größeren Ganzen. Die Erde ist nicht nur Boden unter unseren Füßen, sie ist Ursprung, Heimat und Spiegel unserer inneren Welt.

Mutter Erde ist die älteste aller Mütter

Lass uns dieses Bild der Urmutter als künstlerischen Impuls nutzen. Mama Erde ist die älteste aller Mütter. Sie trägt uns seit Anbeginn, geduldig, schweigend, atmend. Unter unseren Füßen spüren wir ihr pulsierendes Herz, in ihren Wurzeln liegen die Erinnerung aller Zeiten. Sie ist das große Gedächtnis, das alles speichert und nichts verurteilt. In ihrem Schoß ruhen die Geschichten der Menschheit, der Steine, des Windes. Ihre Haut ist verletzlich, doch sie heilt immer wieder. Mutter Erde nährt uns mit allem, was wir zum Leben brauchen: Wärme, Wasser, Nahrung, Rhythmus, Schönheit. Sie gibt, ohne zu fragen, ohne etwas zurückzufordern. Und doch ruft sie – immer wieder – nach unserer Rückverbindung. Wer sich auf Mutter Erde niederlässt, spürt Halt. Wer ihr lauscht, findet Stille. Wer ihr vertraut, wird erinnert: Du bist Teil dieses lebendigen Organismus. Nicht getrennt, sondern durchwirkt von demselben Atem. In der Verbindung mit Mutter Erde finden wir Zugang zu urweiblicher Kraft: Fruchtbarkeit, Kreativität, Wandel. Sie lehrt uns das Wachsen und das Vergehen. Sie kennt keine Eile. Sie urteilt nicht. Sie sagt: „Du darfst sein. Mit allem, was du bist.“

Es gibt ganz verschiedenen Möglichkeiten, mit Mutter Erde kreativ zu arbeiten. Das haben wir auch in meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe ausprobiert. In meiner Collage im Header ist die Göttin Demeter als Mutter Erde symbolisiert. Eine Frau trägt Landschaft, Geschichte und Erinnerung in sich. In ihrem Körper wohnen Felder, Häuser, Pflanzen, Wege. Leben. Sie beugt sich sanft nach unten. Ihr Blick ist ruhig. Zugewandt. Ohne Forderung. Das Kind in ihren Armen ist aus einer Kopie eines Fotos ausgeschnitten. Es wirkt verletzlich. Nackt. Echt. Es braucht Schutz, Nähe und Wärme. Die Mutterfigur hält es nicht fest. Sie umschließt es. Sie bietet Raum.

In der künstlerischen Biografiearbeit geht es nicht darum, die reale Mutter zu ersetzen. Es geht darum, eine innere Instanz zu entwickeln, die heute verfügbar ist. Eine liebende Mutter im Inneren. Eine, die sieht. Die bleibt. Die nicht beschämt. Durch das Gestalten eines solchen Bildes entsteht Beziehung. Farbe wird Berührung. Form wird Halt. Das Bild wird zu einem inneren Ort, den wir aufsuchen können, wenn alte Verletzungen berührt werden.

So kann Kunst zu einem Akt der Selbstbemutterung werden. Still. Würdevoll. Heilsam.

Mehr Praxisimpulse findest du im Atelier für Biografiearbeit. Die 60 kreativen Impulse sind so angelegt, dass sie einen behutsamen und zugleich tiefgehenden Zugang zur eigenen Lebensgeschichte ermöglichen. Nicht mit dem Ziel, alles zu erklären oder abzuschließen, sondern um sich selbst bewusster zu begegnen und die eigene Geschichte als Ressource zu entdecken. Es geht nicht um professionelle Kunst, sondern um Ausdruck.

Überall im Buchhandel

Ulrike Hinrichs – Atelier für Biografiearbeit – Kreativ mir selbst begegnen

Mit 60 Praxisübungen und 75 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-99192-197-4

Buchschmiede – Happy Balance

22,00 EUR

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe „Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg

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