Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele https://www.tiefgang.net Sat, 17 Oct 2026 15:25:03 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Die Seele malt mit https://www.tiefgang.net/die-seele-malt-mit/ https://www.tiefgang.net/die-seele-malt-mit/#respond Sat, 17 Oct 2026 15:24:17 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14602 [...]]]> Ein Bild entsteht und plötzlich ist da eine Spinne, ein Labyrinth oder eine verschlossene Tür. Was hat das mit mir zu tun? Kunst öffnet einen Raum, in dem innere Bilder zu überraschenden Erkenntnissen führen und Geschichten sichtbar werden, für die es keine Worte braucht.

von Ulrike Hinrichs

Kunst kann uns als Ausdrucksform zur Selbstreflexion dienen. Dabei können wir entweder von einem konkreten Thema ausgehen, das uns aktuell beschäftigt – zum Beispiel Wut – und dieses in einem Bild ausdrücken. Oder wir legen das Thema gedanklich beiseite, lassen uns im Malprozess von einem kreativen Impuls leiten und schauen erst anschließend, wie sich das Gemalte mit unserer aktuellen Lebenssituation in Verbindung bringen lässt. Beide Herangehensweisen ermöglichen es, eigene Gefühle und Erfahrungen bewusster wahrzunehmen und neue Erkenntnisse über sich selbst zu gewinnen.

Kunst als Muttersprache

Besonders spannend wird es, wenn in Bildern mythische Figuren, Märchenfiguren oder Archetypen auftauchen. Das erlebe ich immer wieder in meinen Praxisgruppen. Im nachfolgenden Praxisbeispiel ist es die Spinne.

In Bildern, Symbolen oder Geschichten finden wir einen unmittelbaren Ausdruck dessen, was in uns lebt. Metaphern und Bilder können uns neue Zugänge zu unseren Erfahrungen eröffnen und uns erkennen lassen, dass wir Teil eines größeren Gewebes sind. Sie schaffen Verbindungen zu universellen Mustern und eröffnen neue Perspektiven auf schwierige Lebenssituationen.

Praxisbeispiel: Vom Text zum Bild

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Frauengruppe „Mit Bild- und Wortnotizen gegen Gewalt“ sind wir mit dem etwas absurden Text „Die Schublade“ in den Malprozess eingestiegen.

Die Schublade
In einer Schublade
liegt ein Nachmittag.

Ich mache sie
nur kurz auf.
Es riecht
nach Regen.
Ich schließe sie wieder.

Der Text diente als kreativer Impuls, ohne eine bestimmte Deutung oder ein konkretes Thema vorzugeben. Die Teilnehmerinnen konnten eigene Bilder, Assoziationen und Gefühle entstehen lassen und diese malerisch ausdrücken. Erst im anschließenden Austausch bestand die Möglichkeit, Verbindungen zwischen dem entstandenen Bild und der eigenen Lebenssituation herzustellen.

Auf einem der Bilder war eine Spinne mit einem großen Netz im weiten Blau zu sehen.

„Auf den ersten Blick gruselig, aber auf den zweiten Blick auch zärtlich“, meldete eine der Frauen zurück.

In der archetypischen Deutung steht die Spinne für die Große Mutter und als Krafttier für Schöpferkraft und die Fähigkeit, das eigene Lebensnetz zu weben. Sie kann dazu anregen, veraltete Denkmuster und Abhängigkeiten zu erkennen und neue Verbindungen zu sich selbst und zur Welt zu knüpfen.

Für die Teilnehmerin bekam das Bild vor dem Hintergrund ihrer Lebenssituation eine besondere Bedeutung. Sie versuchte gerade, sich aus einem toxischen Beziehungsgeflecht zu lösen und ihren eigenen Weg zurück zu sich selbst zu finden.

In unseren Bildern begegnen wir etwas, das längst in uns angelegt ist, aber noch keine Worte gefunden hat. Was zunächst fremd oder sogar bedrohlich erscheint, kann sich als Teil der eigenen Geschichte zeigen und neue Möglichkeiten eröffnen, das eigene Lebensnetz zu gestalten.

Was findest du in deiner Schublade?

Mehr Praxisbeispiel zur Selbstfürsorge findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2

 Buschmiede – Happy Balance

 20,00 EUR

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin der Positiven Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe Mit Bild- und Wortnotizen gegen Gewalt wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.


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Wenn innere Stärke Gestalt annimmt https://www.tiefgang.net/wenn-innere-staerke-gestalt-annimmt/ https://www.tiefgang.net/wenn-innere-staerke-gestalt-annimmt/#respond Wed, 07 Oct 2026 22:47:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14585 [...]]]> Der künstlerische Ausdruck eröffnet einen Raum, in dem Gefühle, Erfahrungen, Wünsche und innere Konflikte eine eigene Bildsprache finden können. Dabei muss ein Bild nichts erklären. Gerade seine Mehrdeutigkeit und seine symbolische Sprache laden dazu ein, genauer hinzuschauen und neue Perspektiven zu entdecken.

von Ulrike Hinrichs

Die authentische und bewertungsfreie Kunst ist eine Sprache unserer Seele. Metaphern und Symbole spielen dabei eine besondere Rolle. C. G. Jung prägte den Begriff der Archetypen. Das sind Urbilder des Menschen, universelle Symbole, die in allen Kulturen zu finden sind und bestimmte menschliche Erfahrungen spiegeln. Sie tauchen in Träumen, Mythen und Geschichten auf und spiegeln unsere Urängste, Sehnsüchte und verborgenen Kräfte.

Mehr dazu auf Tiefgang: Das kreative Spiel mit dem Unheimlichen

Tiere als starke Symbole

Tiere gehören zu den ältesten und zugleich unmittelbarsten Motiven menschlicher Bildsprache. Sie begegnen uns in Mythen, Sagen und Märchen. Auch in Religionen, Wappen und kulturellen Symbolen sind sie allgegenwärtig.

Kinder entwickeln eine besondere Beziehung zu ihrem Lieblingskuscheltier. Haustiere wiederum sind für viele Menschen wichtige Begleiter im Alltag.

Die Vorstellung von Kraft- oder Schutztieren eröffnet eine Möglichkeit, belastende Erfahrungen und Krisen in die metaphorische Sprache der Bilder zu übersetzen. Gerade in schwierigen Situationen kann uns der künstlerische Ausdruck durch seine Schöpferkraft unterstützen.

Der „geflügelte Hüter“

Ich möchte das an einem Beispiel aus meiner Praxis deutlich machen. Das Bild im Header entstand in meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Frauengruppe „Mit Bild- und Wortnotizen gegen Gewalt“.

Eine Teilnehmerin befand sich in einer sehr belastenden Lebenssituation und stand vor einem schwierigen Termin, der ihr große Sorgen bereitete.

Wir fragten uns: Welches Tier könnte dich dabei unterstützen? Welche Kraft möchtest du mitnehmen?

Ganz spontan kam ihr ein Löwe mit Flügeln in den Sinn. Die Frage lenkte den Blick weg von der belastenden Situation und hin zu der Frage: Was genau könnte mir jetzt zur Seite stehen?

Der Löwe hat große hellblaue Flügel, einen goldenen Heiligenschein, eine leuchtend gelbe Farbigkeit und eine große braune Mähne. Sein kindlich-liebevoller Blick wirkt berührend.

Durch die Gestaltung bekam das Tier eine konkrete Form, die noch einmal anders aussah als in der Vorstellung. Aus einer Idee wurde ein Gegenüber, das für die Teilnehmerin mit bestimmten Eigenschaften und Botschaften verbunden werden konnte.

Die Flügel könnten für Freiheit, Schutz und die Möglichkeit stehen, sich über eine schwierige Situation hinauszubewegen. Das leuchtende Gelb erinnert an Licht und Energie. Die Mähne verleiht dem Löwen Macht. Trotz seiner Stärke wirkt das Löwenkind friedlich, neugierig und offen. Die Teilnehmerin hatte noch weitere, sehr persönliche Assoziationen, die ihr halfen, mit der Situation besser umzugehen.

Der „geflügelte Hüter“ verbindet scheinbare Gegensätze: Stärke und Sanftheit, Mut und Angst, Schutz und Verletzlichkeit, Kindlichkeit und Macht.

Darin liegt die besondere Kraft der Kunst. Sie gibt dem, was in uns wirkt, eine Gestalt. Aus einem spontanen Impuls entsteht etwas, das wir vorher nicht bewusst gesucht haben. Die Intuition führt uns zu Bildern und Bedeutungen, die sich nicht einfach erdenken lassen. So können auch unbewusste Empfindungen, Bedürfnisse und innere Bilder sichtbar werden und neue Erkenntnisse ermöglichen.

Kennst du schon unser Krafttierkartenset aus einem ehrenamtlichen Projekt gestaltet von Flüchtlingskindern? Du kannst es zum Selbstkostenpreis von EUR 12,90 bei meinspiel.de erwerben.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

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Innere Anteile sind eigenwillige Gesellen https://www.tiefgang.net/innere-anteile-sind-eigenwillige-gesellen/ https://www.tiefgang.net/innere-anteile-sind-eigenwillige-gesellen/#respond Mon, 21 Sep 2026 16:04:37 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14555 [...]]]> Wer ist eigentlich auf deiner Seite, wenn du es selbst gerade nicht bist? Wir können gut mit anderen mitfühlen. Bei uns In uns wirken ganz unterschiedliche Stimmen und Seiten. Jede von ihnen verfolgt ihre eigene Absicht. Die eine will uns schützen, die andere uns vor Verletzung bewahren. Wieder andere sehnen sich nach Nähe, Freiheit oder Ruhe. Sie können sich widersprechen, bekämpfen oder gegenseitig übertönen.

Von Ulrike Hinrichs

Spannend wird es dort, wo wir unsere Anteile nicht länger nur im Kopf beobachten. Mit der Kunst können wir ihnen einen Körper geben, um sie besser kennenzulernen und zu verstehen.

Du kannst einen inneren Anteil aus Ton formen. Du kannst ihn zeichnen, collagieren, fotografieren oder aus Fundstücken bauen. Du kannst ihm eine Stimme geben und einen Namen. Oder du kannst ihn mit einem KI-Video zum Leben erwecken.

KI-Video „Der Tod“ von Ulrike Hinrichs

Hier findest du ein Beispiel-Video zu einem meiner inneren dunklen Anteile. Es ist der „Tod“, der mir Angst macht. Doch die entstandene Collage und vor allem das KI-Video haben mich neugierig gemacht. Animiert wirkt er plötzlich plappernd und erstaunlich lebendig. Und eigentlich ist die Figur mit ihrem großen Hut auch eher eine „sie“.

Kunst darf übertreiben. Das ist eine ihrer großen Freiheiten.

Innere Anteile sichtbar zu machen, stärkt dein Mitgefühl auch für die unangenehmen und schmerzenden Seiten in dir. Ein Gefühl, das sich im Alltag kaum zeigen darf, kann auf dem Papier riesig werden. Eine kleine Stimme kann eine Trompete bekommen. Ein schüchterner Anteil kann einen roten Umhang tragen. Ein Anteil, der sich ständig zurücknimmt, kann auf einer Leinwand drei Meter groß sein.

Du kannst die leisen Stimmen laut werden lassen. Du kannst den Anteil, den du am liebsten zum Schweigen bringen würdest, erzählen lassen, was er für dich tun will. Du kannst seine gute Absicht sichtbar machen. Du kannst seine Waffen malen.

Und du kannst dir auch neue Anteile erschaffen.

Du entscheidest, wer auf deiner inneren Bühne welchen Platz bekommt. Du gibst den Figuren ein Gesicht, einen Körper, eine Stimme. Du lässt sie miteinander sprechen, streiten, tanzen oder schweigen.

Ein Praxisbeispiel:

Für den Anteil der Gelassenheit wurde in meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe für Frauenbilder die Figur gestaltet, die im Header abgebildet ist. Sie tut nichts, außer zu atmen. Sie sitzt da, ohne Aufgabe, ohne Ziel, ohne etwas leisten zu müssen. Der Atem wird zum sichtbaren Ausdruck von Ruhe und Präsenz.

Die Figur erinnert daran, dass Gelassenheit kein Zustand ist, den ich herstellen muss. Sie darf einfach da sein.

Welchen Anteil möchtest du dir gestalten?

Interessiert dich die Arbeit mit inneren Anteilen in der Kunsttherapie? Dann empfehle ich dir unsere Fortbildung Die Arbeit mit inneren Anteilen in der Kunsttherapie am campus naturalis. Für alle, die diesen Weg ganz praktisch vertiefen möchten, bietet mein Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl kreative Anregungen und künstlerische Übungen

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Dein innerer Fanclub https://www.tiefgang.net/dein-innerer-fanclub/ https://www.tiefgang.net/dein-innerer-fanclub/#respond Sat, 12 Sep 2026 22:19:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14522 [...]]]> Wer ist eigentlich auf deiner Seite, wenn du es selbst gerade nicht bist? Wir können gut mit anderen mitfühlen. Bei uns selbst sieht das oft ganz anders aus.

Von Ulrike Hinrichs

Selbstmitgefühl ist eine besondere Form innerer Beziehung. Es zeigt sich in dem Moment, in dem wir uns selbst auch dann zugewandt bleiben, wenn etwas in uns schmerzt, scheitert, sich schämt oder den eigenen Ansprüchen nicht genügt. Kristin Neff beschreibt Selbstmitgefühl über drei miteinander verbundene Qualitäten: einen freundlichen Umgang mit sich selbst, das Erleben gemeinsamer menschlicher Verletzlichkeit und eine achtsame Wahrnehmung des eigenen Erlebens. Damit entsteht eine innere Haltung, die Leid wahrnimmt, ohne den Menschen darin auf seine Schwäche zu reduzieren.

In der Praxis kennen viele allerdings einen anderen Umgang mit sich selbst. Etwas tut weh und sofort beginnt die Bewertung. Ich hätte anders reagieren müssen. Warum bin ich so empfindlich? Ich sollte längst darüber hinweg sein. Aus dem ursprünglichen Gefühl wird ein zweites Leiden, nämlich die Art, wie wir mit uns umgehen, wenn es uns schlecht geht.

Jeder braucht jemanden, der zu ihm hält. Auch du.

Was du in diesem Moment brauchst, ist Selbstzuwendung. Werde die Mutter für dein inneres Kind. Selbstmitgefühl schafft eine neue innere Beziehung. Der verletzte, erschöpfte oder beschämte Anteil in dir wird nicht zum Problem gemacht, das beseitigt werden muss. Er bekommt Zuwendung.

Die Kunst als Ausdrucksform kann dir dabei helfen. Sie hilft dir leicht zu werden, Fehler zu machen, das Unperfekte zu feiern.

Dazu möchte ich dir ein Praxisbeispielaus meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe „Vielfalt leben. Gemeinsam gestalten“ zeigen.

Wenn dein Selbstgefühl ein Wesen wäre, wie würde es aussehen?

Mit dieser Frage verändert sich der innere Zugang. Selbstmitgefühl wird zu einem Gegenüber. Es kommt näher und wird zu einer greifbaren Form.

Im Header ist ein Beispiel aus meiner Gruppe für so ein Wesen abgebildet. Das Herz bildet den Körper. Die kleinen Füße stehen auf dem Boden. Die Flügelarme öffnen sich. Die großen Augen schauen herzerwärmend. „Komm in meine Arme“, scheint es zu sagen, „ich halte dich“.

Dein innerer Fanclub ist nicht dafür da, dir zu sagen, dass alles gut ist. Er ist da, wenn gerade eben nicht alles gut ist. Er klatscht nicht nur, wenn du etwas geschafft hast. Er bleibt vor allem dann, wenn du gescheitert bist, dich geschämt hast oder nicht weiterweißt. Ich bin auf deiner Seite, auch und gerade jetzt.

Mehr zum Thema findest du in meinen Beiträgen auf Tiefgang:

Für alle, die diesen Weg vertiefen möchten, bietet das Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl kreative Anregungen und künstlerische Übungen.

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Wenn Worte zu klein werden https://www.tiefgang.net/wenn-worte-zu-klein-werden/ https://www.tiefgang.net/wenn-worte-zu-klein-werden/#respond Mon, 07 Sep 2026 22:15:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14483 [...]]]> Über belastende Erfahrungen zu sprechen, setzt voraus, dass Sprache zur Verfügung steht. Erinnerungen können verschollen sein. Gefühle und innere Bilder halten sich nicht an Sprache. Sie können widersprüchlich, diffus oder körperlich sein. Manches ist spürbar, bevor es sich in Worte fassen lässt. Ein Satz wird schnell zu klein für das Unsagbare.

von Ulrike Hinrichs

Künstlerisches Arbeiten eröffnet einen anderen Zugang zu unserem Inneren. Eine Farbe, eine Form, ein Material oder ein selbst gewähltes Symbol können etwas aufnehmen, ohne es vollständig erklären zu müssen. Das ist auch der Grund, warum kreative Methoden in Gruppen mit Menschen, die belastende Themen mitbringen, einen besonderen Platz haben können und sollten.

Im Gestalten entsteht ein Raum, in dem auch das Unklare, Widersprüchliche und noch nicht Bewusste einen Ausdruck findet. Etwas kann sich zeigen, ohne dass wir bereits wissen müssen, was es bedeutet. Gerade diese Offenheit macht künstlerisches Arbeiten für Menschen mit belastenden Themen wertvoll.

Ein Beispiel aus meiner Praxis:

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Frauengruppe, in der Gewalterfahrungen Teil der Biografien sind, haben wir mit einer solchen Form des Ausdrucks gearbeitet.

Der Ausgangspunkt war die Idee einer Herz-Kammer für Mut und Milde.

Work in progress – Herzkammer für Mut und Milde

Die Herzkammer hatte keine vorgegebene Form. Jede Frau suchte sich das Gefäß, das für sie stimmig war. Eine Mappe, ein Briefumschlag, eine Shampooflasche, ein Eierkarton.

Aus Alltäglichem wurden persönliche Räume für das, was bewahrt, gestärkt und mitgenommen werden sollte.

Anschließend haben wir uns dazu folgende Fragen gestellt:

  • Was in mir möchte mutig werden und einen ersten Schritt gehen?
  • Wo darf ich aufhören, mich anzutreiben, und mir selbst mitfühlender begegnen?
  • Welcher Satz trägt mich, wenn ein Tag schwer wird und ich mich selbst verliere?
  • Was nährt mein Herz und wovon wünsche ich mir mehr in meinem Leben?
  • Und welche Frage darf heute einfach noch offen bleiben, bis die Zukunft dir die Antwort schickt?

Die Antworten wurden auf Kärtchen geschrieben und in unserer Herz-Kammer gesteckt.

Wenn wir Ressourcen gestalten, bleiben sie nicht auf der Ebene von Gedanken. Sie werden sinnlich erfahrbar, bekommen Gestalt und einen Platz in uns. Dabei berühren wir eine Ebene, die der Sprache vorausgeht. Durch das Tun können Ressourcen entstehen, die vorher noch keine konkrete Form hatten: ein Gefühl von Kraft, ein inneres Bild, ein Satz, eine Vorstellung von Schutz oder eine neue Erfahrung mit sich selbst.

Was dabei entsteht, wird nicht nur kognitiv verstanden, sondern fühlend erlebt. Genau darin liegt für mich die besondere Tiefe dieser Arbeit. Wir schaffen etwas, das uns innerlich stärken kann, bevor wir es vollständig in Worte fassen können. Die Erfahrung wird in uns lebendig und verbindet sich mit inneren Bildern, Gefühlen und Empfindungen. So entsteht ein persönlicher Anker, zu dem wir jederzeit zurückkehren können und der uns wieder mit der eigenen Kraftquelle verbindet.

Mehr Praxisbeispiel zur Selbstfürsorge findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

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Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin der Positiven Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe Mit Bild- und Wortnotizen gegen Gewalt wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.


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Aber Serverkosten und andere „Kleinigkeiten“ kosten auch so rund 500 Euro im Jahr. Bisher fehlen gut 350!

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Das Bild weiß mehr https://www.tiefgang.net/das-bild-weiss-mehr/ https://www.tiefgang.net/das-bild-weiss-mehr/#respond Thu, 27 Aug 2026 22:30:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14449 [...]]]> Kunst ist eine Sprache. Sie spricht nicht in Sätzen. Sie arbeitet mit Bildern, Formen, Farben und Assoziationen. Und manchmal bringt sie etwas zum Ausdruck, das wir mit dem bewussten, rationalen Denken nur schwer greifen können.

von Ulrike Hinrichs

Ein großer Teil unserer Wahrnehmung geschieht unmittelbar. Wir erkennen Gesichter, Stimmungen, Gefahren oder Vertrautes noch bevor wir bewusst darüber nachdenken. Ein Bild kann uns berühren, bevor wir wissen, womit genau wir in Resonanz gehen. Eine bestimmte Farbe kann eine Stimmung auslösen. Eine Form kann sich vertraut oder bedrohlich anfühlen, ohne dass wir zunächst erklären können, warum.

Sprache ermöglicht uns besonders das lineare und begriffliche Denken. Bilder eröffnen dagegen einen stärker assoziativen und nichtlinearen Zugang. Ein Bild zeigt Ambivalenzen und Widersprüche ganz selbstverständlich nebeneinander. Ein Bild kann eine Farbe mit einer Erinnerung verbinden, eine Form mit einem Gefühl, einen Gegenstand mit einer persönlichen Erfahrung. Es muss diese Verbindungen nicht erklären.

Während Sprache einen Gedanken entfaltet, kann das Bild ihn verdichten. Es kann etwas sichtbar machen, das begrifflich noch gar nicht zur Verfügung steht.

Mehr zu diesem Thema auf Tiefgang:

Diese Vorstellung einer mehrdeutigen, nicht vollständig in Begriffe übersetzbaren Bildsprache findet sich auch bei Carl Gustav Jung. Der Begründer der analytischen Psychologie hat sich intensiv mit der Sprache von Träumen, Mythen und Symbolen beschäftigt. Für ihn war ein Symbol nicht einfach ein Zeichen, dessen Bedeutung sich eindeutig übersetzen lässt. Ein Symbol hat Bedeutungstiefe. Es kann etwas Persönliches ausdrücken und gleichzeitig an etwas Allgemeineres anknüpfen. Es kann unterschiedliche Bedeutungen nebeneinander tragen. Und genau darin liegt die Kraft des Symbols. Es ist persönlich und zugleich über das Persönliche hinausweisend.

Diese andere Art der symbolischen Sprache können wir uns mittels des künstlerischen Ausdrucks zunutze machen. Gerade bei belastenden Themen kann es hilfreich sein, den sprachlichen Modus zu verlassen und in einen bildhaften, assoziativen Modus zu wechseln, um eine erweiterte Sicht auf ein Thema zu bekommen.

Hier ein Praxisbeispiel aus meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Frauenbilder.

Wir haben uns zunächst eine einfache Frage gestellt:

Wenn du deinem derzeit belastenden Thema eine Überschrift geben würdest, nur ein Wort, welches wäre es?

Eine der teilnehmenden Frauen wählte das Wort „Grenzen“.

Damit war das Thema zunächst in einen Begriff gefasst. Ein Wort verdichtet und benennt etwas, das in der Alltagrealität viel komplexer ist.

Im nächsten Schritt ging es um die Übersetzung vom linearen, begrifflichen Denken in die assoziative, bildhafte Sprache.

Wenn dieses Wort ein Symbol wäre, welches wäre es?

Die Frau wählte für ihr Wort „Grenzen“ die Hand als „Stopp-Zeichen“.

Anschließend galt es, das Symbol künstlerisch umzusetzen. Die Frau zeichnete zunächst ihre Handumrisse nach. Der Hintergrund, der sich im Laufe des Malens zu einem kräftigen Feuer entwickelte, entstand erst im Prozess. Etwas, das zunächst noch nicht als konkrete Vorstellung vorhanden war, nahm beim Malen Gestalt an. Ein Feuer.

Das Entscheidende geschah dort, wo etwas Ungeplantes in den Gestaltungsprozess eintrat. Aus dem Symbol „Hand“ entwickelte sich ein Bild, dessen Aussage über die ursprüngliche Idee hinausging.

Die Hand scheint im Bild mehr als ein Stopp-Zeichen geworden zu sein. Sie wirkt beinahe schutzlos vor der gewaltigen roten und gelben Feuerfläche, die sie umgibt. Gleichzeitig bleibt die Hand selbst hell und weitgehend unbemalt und hebt sich dadurch deutlich von der aggressiven Farbigkeit des Hintergrunds ab. Ihre nach oben geöffnete Haltung macht das Bild ambivalent: Sie setzt eine Grenze und sagt „Stopp“, steht dem Feuer aber zugleich unmittelbar gegenüber. Gerade diese Spannung zwischen Abwehr und Ausgesetztsein macht die Bildwirkung aus.

Die Frau selbst war überrascht, wie heftig das Feuer loderte. Erst im fertigen Bild nahm sie die Wucht des Themas für sich selbst deutlich wahr. Sie beschrieb es anschließend so, dass sie die Situation und ihre Belastung bislang unterschätzt habe.

Hier zeigt sich, was mit dem Bild als Sprache gemeint sein kann: Die Erkenntnis war nicht einfach vorher da und wurde anschließend illustriert. Sie entstand im Wechselspiel von Wahrnehmen, Gestalten und Betrachten. Das Bild hatte etwas sichtbar gemacht, das der Frau zuvor noch nicht in dieser Deutlichkeit zugänglich gewesen war.

Assoziationen der Gruppe

Im nächsten Schritt haben wir in der Gruppe diese assoziative Ebene noch einmal bewusst aktiviert. Jede Teilnehmerin schrieb zu jedem Bild einen intuitiven Satz auf einen Zettel, ohne lange zu überlegen, ohne das Bild zu analysieren oder erklären zu müssen.

So kam zu dem, was die jeweilige Frau selbst in ihr Bild gelegt hatte, noch eine weitere Ebene hinzu: die unmittelbare Resonanz und Assoziation der anderen.

Es entstanden zu dem Bild diese intuitiven Sätze:

  • „Es reicht“
  • „Ich lege meine Hand ins Feuer“
  • „Die Erkenntnis zum Greifen nah“.

Das Bild wird damit zum Resonanzraum. Es spricht nicht nur aus der Perspektive der Frau, die es gemalt hat. Es löst auch bei den anderen etwas aus, das wiederum auf sie und ihr Bild zurückwirkt. Aus einer individuellen Erfahrung entsteht ein Bild, in dem mehrere Menschen unterschiedliche Bedeutungen entdecken können. Diese Art des Herangehens an Themen eröffnet eine neue Perspektive und bietet alternative Lösungsansätze.

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Wenn deine Stärken Gestalt annehmen https://www.tiefgang.net/wenn-deine-staerken-gestalt-annehmen/ Thu, 07 May 2026 14:55:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13810 [...]]]> Welche Frage oder welches Thema bewegt dich? Nimm dir Pinsel und Farbe. Greif dir drei Stärken und leg los. Gib ihnen ein Gesicht, eine Gestalt, eine Haltung. Und schau, was entsteht, wenn sie für dich sprechen.

von Ulrike Hinrichs

Die Charakterstärken stammen aus der Positiven Psychologie, einem Forschungszweig, der sich mit den Bedingungen für ein gelingendes Leben beschäftigt. Entwickelt wurde das Modell von Martin Seligman und Christopher Peterson. In ihrem Buch „Character Strengths and Virtues“ beschreiben sie 24 Stärken, die in jedem Menschen angelegt sind.

Im Zentrum steht die Idee, dass jeder Mensch über universelle Charakterstärken verfügt, die sich fördern und bewusst einsetzen lassen. Das Modell bietet eine wissenschaftlich fundierte Grundlage, um Ressourcen sichtbar zu machen und persönliches Wachstum zu unterstützen. Den 24 Stärken sind sechs übergeordnete Tugenden zugeordnet: Weisheit, Mut, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung, Transzendenz.

Unten im Text ist eine Tabelle mit den 24 Stärken abgebildet. Wenn du dich näher damit beschäftigen willst, findest du eine wertvolle Vertiefung in dem Buch von Ryan M. Niemiec (2019) „Charakterstärken. Trainings und Interventionen für die Praxis“.

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe „Mit Bild- und Wortnotizen gegen Gewalt“ haben wir die Persönlichkeitsstärken künstlerisch aufgegriffen. Wir sind gemeinsam die 24 Stärken durchgegangen und haben nachgefühlt, welche Stärke für das eigene Thema gerade nützlich sein könnte.

Der Auftrag lautete:

  • Nimm dir ein Thema, das dich aktuell belastet. Wähle 3-4 Stärken aus der Liste der Charakterstärken, die dich unterstützen könnten.
  • Male dazu ein Wesen, das diese Stärken symbolisiert. Es kann ein Mensch sein, ein Tier oder Fantasiewesen. Dieses Wesen steht an deiner Seite. Es schützt, stärkt und erinnert dich an das, was in dir angelegt ist.

In meiner Gruppe entstand das im Header dargestellte Kunstwerk. Die Klientin wählte die Stärken „Liebe zum Lernen“, „Sinn für das Schöne“, „Tapferkeit“, „Vorsicht“. Die entstandene Figur verbindet Schönheit mit Klarheit und Authentizität. Mit Tapferkeit und Vorsicht setzt sie ein sichtbares Nein und schützt damit ihren eigenen Raum. Die Frau im Bild fragt sich: Was passiert, wenn ich Nein sage? Das Wesen zeigt: Grenzen setzen kann zugleich kraftvoll, bewusst und selbstfürsorglich sein.

Wenn du dich mit diesen Stärken beschäftigst, aktivierst du innere Kräfte. Du gehst in Resonanz mit dem, was in dir bereits angelegt ist.

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Ich mit etwas auf dem Kopf https://www.tiefgang.net/ich-mit-etwas-auf-dem-kopf/ Mon, 02 Mar 2026 23:23:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13464 [...]]]> Was trägst du auf deinem Kopf? Vielleicht eine Krone? Einen Stein? Ein Nest? Einen ganzen Garten? Was kommt dir ganz spontan in den Sinn? Dieses „Etwas auf dem Kopf“ ist mehr als Schmuck oder Last. Es ist ein Symbol für die schöpferische Kraft, die in jedem von uns wohnt.

von Ulrike Hinrichs

Der Kopf ist sichtbar. Er trägt unseren Blick, unsere Mimik, unsere Präsenz. Sobald wir uns etwas auf den Kopf setzen, verändert sich die Haltung. Der Rücken richtet sich auf oder wird schwer. Der Blick hebt sich oder sinkt. Etwas auf dem Kopf wirkt unmittelbar. Es verändert nicht nur unser äußeres Bild, sondern auch unser inneres Erleben.

Im Kopf verorten wir unsere Gedanken, Glaubenssätze und Erinnerungen. Oft hängen wir gerade in problembelasteten Situationen in Denkschleifen fest. Die Gedanken kreisen um das Immergleiche. Ein künstlerisches Portrait mit etwas auf dem Kopf lädt dich ein, einen Raum für neue Perspektiven, überraschende Einsichten und kreative Freiheit zu erschaffen. Vielleicht wird aus einer Last eine Krone. Vielleicht aus innerem Chaos ein leuchtendes Feuer.

Das Etwas auf dem Kopf fordert dich heraus, dich aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, spielerisch, mutig, neugierig, und verbindet dich gleichzeitig mit deiner tiefen Schöpferkraft.

In der künstlerischen Arbeit wird dieses Motiv zu einer Projektionsfläche für das aktuelle Erleben. Es macht Unsichtbares sichtbar und gibt inneren Zuständen eine Form.

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Frauenbilder, für Frauen in schwierigen Lebenssituationen, sind ganz unterschiedliche Motive entstanden. Auf dem Kopf der Frauen waren beispielsweise ein Wollknäul, eine Krone, ein Himmel, ein rosa Elefant.

Was findest du auf deinem Kopf?

Reflexionsfragen

  • Was genau trage ich auf dem Kopf?
  • Wie fühlt es sich an?
  • Was verändert sich in mir, wenn ich es bewusst trage?
  • Wem zeige ich es und wem nicht?
  • Welche Seiten von mir werden dadurch sichtbar?
  • Was geschieht in mir, wenn ich es bewusst wahrnehme und trage?
  • Welche Beziehung habe ich zu diesem „Etwas“?
  • Welche Geschichte verbindet mich mit ihm?
  • Wie möchte ich damit in die Welt treten?

Mehr Praxisbeispiel zur Selbstfürsorge findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2

 Buschmiede – Happy Balance

 20,00 EUR

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin der Positiven Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe „Frauenbilder“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

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Die Kraft von Symbolen: Gespräch mit einem Stein https://www.tiefgang.net/die-kraft-von-symbolen-gespraech-mit-einem-stein/ Tue, 27 Jan 2026 15:14:03 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13188 [...]]]> Der Stein hat für uns viele Bedeutungen und weckt unterschiedliche Assoziationen. Wir können ihn in der kunsttherapeutischen Arbeit als Symbol nutzen, um tiefere Erkenntnisse zu gewinnen.

von Ulrike Hinrichs

Zahlreiche Redewendungen greifen das Symbol des Steins auf: „Er ist wie versteinert“, „Mir fiel ein Stein vom Herzen“, „Ein Herz aus Stein“, „Bei jemandem einen Stein im Brett haben“, „Etwas ist in Stein gemeißelt“. Der Stein steht für etwas Verhärtetes, scheinbar Lebloses und zugleich Ewiges. Gleichzeitig gibt er Rätsel auf.

Der geheimnisvolle „Stein der Weisen“ bezeichnet in der Alchemie einen Stein, der unedle Metalle in Gold und Silber verwandeln kann. Er steht für Transformation, Heilung und Läuterung. Der römische Gott Mithra, eine mythologische Personifizierung der Sonne, wurde der Überlieferung nach in einer Felsenhöhle geboren. In vielen Kulturen wird erzählt, dass Felsen Edelsteine gebären, ebenfalls ein Zeichen der Wandlung.

Wir können die Kraft von Symbolen in der kunsttherapeutischen Arbeit für uns nutzen. Symbole sind mehrdeutig und über Sprachgrenzen hinweg verständlich. Der symbolische Ausdruck besteht nach C. G. Jung darin, dass sich in Analogien etwas noch Unbekanntes und Werdendes zeigen kann. Symbole haben keine starre, festgeschriebene Bedeutung, sondern werden von kollektiven und individuellen Wahrnehmungen geprägt.

Du kannst die Symbolarbeit mit einem Stein ausprobieren.

Und so geht es:

  1. Suche dir ein Lebensthema, das dich beschäftigt, mit dem du arbeiten möchtest.

Gib deinem Thema eine Überschrift.

Hier ein Beispiel: Eine Klientin aus meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Frauenbilder wählte das Thema „Ich bin nicht genug“. Sie berichtete von einer permanenten Angst, nicht zu genügen.

2) Suche dir ganz intuitiv bei einem Spaziergang einen Stein. Lass dich von ihm finden. Welcher zieht dich magisch an? Es wird der richtige sein.

3) Wenn du magst, kannst du folgenden Malauftrag mit deinem Stein verbinden:
„Wie sieht es im Inneren deines Steines aus?“ Male ganz intuitiv.

4) Reflexion: Zu diesem Malimpuls entstand das im Header abgebildete Kunstwerk der Klientin. Assoziationen der Gruppenteilnehmerinnen lauteten: „Stummer Schrei“, „Mein inneres Weinen“, „Ich will geliebt werden“ oder auch „sanft und harmonisch“.

Die Klientin war von ihrem eigenen Bild und den Rückmeldungen sehr berührt. Im Zentrum stand für sie das Thema „Kind sein dürfen“ und „Kindheit“. Die Tüte mit Brausepulver hatte sie zufällig gefunden und spontan ins Bild eingearbeitet. Auch die Süßigkeit erinnerte sie an ihre Kindheit. Mehr Spielen statt Funktionieren, auch Nichtstun statt Leistung, waren wichtige Impulse für sie.

Mich beeindruckt immer wieder, welche Ideen, Assoziationen und Bilder bei der Arbeit mit Symbolen entstehen. Sie führen heraus aus dem Denkkarussell. Schon das Suchen des Steines selbst und die Beschäftigung mit einem belastenden Thema auf einer symbolischen, bildhaften Ebene können neue Kräfte und Ressourcen wecken.

Wie ist es dir ergangen?

Mehr Praxisbeispiel zur Selbstfürsorge findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl (Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen) ISBN 978-3-99165-010-2

Buschmiede – Happy Balance

 20,00 EUR;

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin der Positiven Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe „Frauenbilder“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

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Selbstfürsorge: Die Farbe eines Augenblicks https://www.tiefgang.net/selbstfuersorge-die-farbe-eines-augenblicks/ Fri, 17 Oct 2025 22:57:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12673 [...]]]> Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl sind gerade in Zeiten, in denen es einem nicht gut geht, herausfordernd und zugleich von zentraler Bedeutung. Die Kunst als Ausdrucksform unterstützt dabei, kreativ Kraft zu tanken.

von Ulrike Hinrichs

Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl helfen, belastende Lebenssituationen zu meistern. Beide Begriffe sind eng miteinander verbunden. Selbstfürsorge beschreibt die Fähigkeit, gut für die eigenen Bedürfnisse zu sorgen. Selbstmitgefühl meint, sich selbst in schwierigen Momenten freundlich und verständnisvoll zu begegnen. Das klingt allerdings einfacher, als es oft ist.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Das künstlerische Schaffen kann dabei helfen, achtsam wahrzunehmen, was im Inneren geschieht, und diesem Empfinden mit Ausdruck zu begegnen. Farben, Formen und Symbole werden zu einer Sprache des Mitgefühls, die oft tiefer wirkt als Worte.

In meiner Gruppe „Kreativ Kraft tanken“ geht es genau um dieses Thema. Das Projekt öffnet einen kreativen Begegnungsraum für Frauen in psychisch belastenden Lebenssituationen. Ziel ist es, die Resilienz zu stärken und so die psychische Gesundheit nachhaltig zu fördern. Die Gruppe wird gefördert von der Techniker Krankenkasse und findet im Stadtteilhaus Neuwiedenthal in Hamburg statt.

Ich möchte dir ein Beispiel für kreative Selbstfürsorge zeigen, welches du auch für dich selbst umsetzen kannst. Die Aufgabe in einer unserer Gruppensitzungen lautete:

Erinnere dich an einen kleinen schönen Moment der letzten Zeit. Solche Momente wahrzunehmen, fällt gerade dann schwer, wenn es einem nicht gut geht, man vielleicht sogar in einer Depression steckt oder unter chronischem Stress leidet. Dennoch lassen sich auch in solchen Lebenssituationen kleine „Glücksmomente“ wachkitzeln.

Eine Teilnehmerin, die dicht am Wald wohnt, erzählte, wie sie frühmorgens aus dem Küchenfenster blickte und plötzlich einem Reh in die Augen sah. Ein stiller, fast magischer Augenblick mitten im Alltag. Diesen Moment setzte sie anschließend künstlerisch um. Entstanden ist ein intensives Bild (Header): ein Reh mit klarem, wachem Blick, sein Körper strahlt in Blau und ist umgeben von leuchtenden Farben in Rosa und Orange. In dieser Begegnung mit dem Tier spiegelt sich lebendige Verbundenheit, Ruhe und Vertrauen.

Wie sieht dein Moment aus? Du kannst genauso gut auf länger vergangene Momente im Leben zurückgreifen, wenn dir keine aktuelle Situation einfällt. Deinem Gehirn ist es egal, ob der Moment, den du wiederbelebst, lange vergangen ist oder erst gestern war.

Indem wir diese Momente künstlerisch einfangen, werden sie zu leuchtenden Ankern im Alltag. Ein Anker hält den eigenen kleinen Glücksmoment fest, die Freude, die Ruhe, die Verbundenheit, die wir erlebt haben. Das gemeinsame Teilen dieser Augenblicke in der Gruppe wirkt wie ein kreatives Kraftwerk, das die individuellen Erfahrungen miteinander verwebt. Die Bilder leuchten wie kleine Erinnerungslichter, die nicht nur das persönliche warme Gefühl zurückrufen, sondern auch die Kraft des geteilten Moments immer wieder spürbar machen.

Speicher dir dein Bild daher als Hintergrund auf dem Smartphone oder häng es dir zu Hause auf. So kommst du ganz automatisch wieder mit dem Gefühl in Kontakt, wenn du das Werk betrachtest.

Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl wachsen, wenn wir uns erlauben, diese Momente festzuhalten als Erinnerung daran, dass das Schöne auch im Kleinen und Alltäglichen wohnt, auch wenn es im Inneren oft sehr dunkel ist.

Für alle, die diesen Weg vertiefen möchten, bietet das Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl kreative Anregungen und künstlerische Übungen, die dazu einladen, einen liebevolleren Zugang zu sich selbst zu finden.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2, Buschmiede – Happy Balance

20,00 EUR,

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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