Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 08 May 2026 10:00:07 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Wenn deine Stärken Gestalt annehmen https://www.tiefgang.net/wenn-deine-staerken-gestalt-annehmen/ Thu, 07 May 2026 14:55:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13810 [...]]]> Welche Frage oder welches Thema bewegt dich? Nimm dir Pinsel und Farbe. Greif dir drei Stärken und leg los. Gib ihnen ein Gesicht, eine Gestalt, eine Haltung. Und schau, was entsteht, wenn sie für dich sprechen.

von Ulrike Hinrichs

Die Charakterstärken stammen aus der Positiven Psychologie, einem Forschungszweig, der sich mit den Bedingungen für ein gelingendes Leben beschäftigt. Entwickelt wurde das Modell von Martin Seligman und Christopher Peterson. In ihrem Buch „Character Strengths and Virtues“ beschreiben sie 24 Stärken, die in jedem Menschen angelegt sind.

Im Zentrum steht die Idee, dass jeder Mensch über universelle Charakterstärken verfügt, die sich fördern und bewusst einsetzen lassen. Das Modell bietet eine wissenschaftlich fundierte Grundlage, um Ressourcen sichtbar zu machen und persönliches Wachstum zu unterstützen. Den 24 Stärken sind sechs übergeordnete Tugenden zugeordnet: Weisheit, Mut, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung, Transzendenz.

Unten im Text ist eine Tabelle mit den 24 Stärken abgebildet. Wenn du dich näher damit beschäftigen willst, findest du eine wertvolle Vertiefung in dem Buch von Ryan M. Niemiec (2019) „Charakterstärken. Trainings und Interventionen für die Praxis“.

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe „Mit Bild- und Wortnotizen gegen Gewalt“ haben wir die Persönlichkeitsstärken künstlerisch aufgegriffen. Wir sind gemeinsam die 24 Stärken durchgegangen und haben nachgefühlt, welche Stärke für das eigene Thema gerade nützlich sein könnte.

Der Auftrag lautete:

  • Nimm dir ein Thema, das dich aktuell belastet. Wähle 3-4 Stärken aus der Liste der Charakterstärken, die dich unterstützen könnten.
  • Male dazu ein Wesen, das diese Stärken symbolisiert. Es kann ein Mensch sein, ein Tier oder Fantasiewesen. Dieses Wesen steht an deiner Seite. Es schützt, stärkt und erinnert dich an das, was in dir angelegt ist.

In meiner Gruppe entstand das im Header dargestellte Kunstwerk. Die Klientin wählte die Stärken „Liebe zum Lernen“, „Sinn für das Schöne“, „Tapferkeit“, „Vorsicht“. Die entstandene Figur verbindet Schönheit mit Klarheit und Authentizität. Mit Tapferkeit und Vorsicht setzt sie ein sichtbares Nein und schützt damit ihren eigenen Raum. Die Frau im Bild fragt sich: Was passiert, wenn ich Nein sage? Das Wesen zeigt: Grenzen setzen kann zugleich kraftvoll, bewusst und selbstfürsorglich sein.

Wenn du dich mit diesen Stärken beschäftigst, aktivierst du innere Kräfte. Du gehst in Resonanz mit dem, was in dir bereits angelegt ist.

Mehr Praxisbeispiel zur Selbstfürsorge findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2

 Buschmiede – Happy Balance

 20,00 EUR

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin der Positiven Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe „Mit Bild- und Wortnotizen gegen Gewalt“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.


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Ich mit etwas auf dem Kopf https://www.tiefgang.net/ich-mit-etwas-auf-dem-kopf/ Mon, 02 Mar 2026 23:23:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13464 [...]]]> Was trägst du auf deinem Kopf? Vielleicht eine Krone? Einen Stein? Ein Nest? Einen ganzen Garten? Was kommt dir ganz spontan in den Sinn? Dieses „Etwas auf dem Kopf“ ist mehr als Schmuck oder Last. Es ist ein Symbol für die schöpferische Kraft, die in jedem von uns wohnt.

von Ulrike Hinrichs

Der Kopf ist sichtbar. Er trägt unseren Blick, unsere Mimik, unsere Präsenz. Sobald wir uns etwas auf den Kopf setzen, verändert sich die Haltung. Der Rücken richtet sich auf oder wird schwer. Der Blick hebt sich oder sinkt. Etwas auf dem Kopf wirkt unmittelbar. Es verändert nicht nur unser äußeres Bild, sondern auch unser inneres Erleben.

Im Kopf verorten wir unsere Gedanken, Glaubenssätze und Erinnerungen. Oft hängen wir gerade in problembelasteten Situationen in Denkschleifen fest. Die Gedanken kreisen um das Immergleiche. Ein künstlerisches Portrait mit etwas auf dem Kopf lädt dich ein, einen Raum für neue Perspektiven, überraschende Einsichten und kreative Freiheit zu erschaffen. Vielleicht wird aus einer Last eine Krone. Vielleicht aus innerem Chaos ein leuchtendes Feuer.

Das Etwas auf dem Kopf fordert dich heraus, dich aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, spielerisch, mutig, neugierig, und verbindet dich gleichzeitig mit deiner tiefen Schöpferkraft.

In der künstlerischen Arbeit wird dieses Motiv zu einer Projektionsfläche für das aktuelle Erleben. Es macht Unsichtbares sichtbar und gibt inneren Zuständen eine Form.

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Frauenbilder, für Frauen in schwierigen Lebenssituationen, sind ganz unterschiedliche Motive entstanden. Auf dem Kopf der Frauen waren beispielsweise ein Wollknäul, eine Krone, ein Himmel, ein rosa Elefant.

Was findest du auf deinem Kopf?

Reflexionsfragen

  • Was genau trage ich auf dem Kopf?
  • Wie fühlt es sich an?
  • Was verändert sich in mir, wenn ich es bewusst trage?
  • Wem zeige ich es und wem nicht?
  • Welche Seiten von mir werden dadurch sichtbar?
  • Was geschieht in mir, wenn ich es bewusst wahrnehme und trage?
  • Welche Beziehung habe ich zu diesem „Etwas“?
  • Welche Geschichte verbindet mich mit ihm?
  • Wie möchte ich damit in die Welt treten?

Mehr Praxisbeispiel zur Selbstfürsorge findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2

 Buschmiede – Happy Balance

 20,00 EUR

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin der Positiven Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe „Frauenbilder“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

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Die Kraft von Symbolen: Gespräch mit einem Stein https://www.tiefgang.net/die-kraft-von-symbolen-gespraech-mit-einem-stein/ Tue, 27 Jan 2026 15:14:03 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13188 [...]]]> Der Stein hat für uns viele Bedeutungen und weckt unterschiedliche Assoziationen. Wir können ihn in der kunsttherapeutischen Arbeit als Symbol nutzen, um tiefere Erkenntnisse zu gewinnen.

von Ulrike Hinrichs

Zahlreiche Redewendungen greifen das Symbol des Steins auf: „Er ist wie versteinert“, „Mir fiel ein Stein vom Herzen“, „Ein Herz aus Stein“, „Bei jemandem einen Stein im Brett haben“, „Etwas ist in Stein gemeißelt“. Der Stein steht für etwas Verhärtetes, scheinbar Lebloses und zugleich Ewiges. Gleichzeitig gibt er Rätsel auf.

Der geheimnisvolle „Stein der Weisen“ bezeichnet in der Alchemie einen Stein, der unedle Metalle in Gold und Silber verwandeln kann. Er steht für Transformation, Heilung und Läuterung. Der römische Gott Mithra, eine mythologische Personifizierung der Sonne, wurde der Überlieferung nach in einer Felsenhöhle geboren. In vielen Kulturen wird erzählt, dass Felsen Edelsteine gebären, ebenfalls ein Zeichen der Wandlung.

Wir können die Kraft von Symbolen in der kunsttherapeutischen Arbeit für uns nutzen. Symbole sind mehrdeutig und über Sprachgrenzen hinweg verständlich. Der symbolische Ausdruck besteht nach C. G. Jung darin, dass sich in Analogien etwas noch Unbekanntes und Werdendes zeigen kann. Symbole haben keine starre, festgeschriebene Bedeutung, sondern werden von kollektiven und individuellen Wahrnehmungen geprägt.

Du kannst die Symbolarbeit mit einem Stein ausprobieren.

Und so geht es:

  1. Suche dir ein Lebensthema, das dich beschäftigt, mit dem du arbeiten möchtest.

Gib deinem Thema eine Überschrift.

Hier ein Beispiel: Eine Klientin aus meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Frauenbilder wählte das Thema „Ich bin nicht genug“. Sie berichtete von einer permanenten Angst, nicht zu genügen.

2) Suche dir ganz intuitiv bei einem Spaziergang einen Stein. Lass dich von ihm finden. Welcher zieht dich magisch an? Es wird der richtige sein.

3) Wenn du magst, kannst du folgenden Malauftrag mit deinem Stein verbinden:
„Wie sieht es im Inneren deines Steines aus?“ Male ganz intuitiv.

4) Reflexion: Zu diesem Malimpuls entstand das im Header abgebildete Kunstwerk der Klientin. Assoziationen der Gruppenteilnehmerinnen lauteten: „Stummer Schrei“, „Mein inneres Weinen“, „Ich will geliebt werden“ oder auch „sanft und harmonisch“.

Die Klientin war von ihrem eigenen Bild und den Rückmeldungen sehr berührt. Im Zentrum stand für sie das Thema „Kind sein dürfen“ und „Kindheit“. Die Tüte mit Brausepulver hatte sie zufällig gefunden und spontan ins Bild eingearbeitet. Auch die Süßigkeit erinnerte sie an ihre Kindheit. Mehr Spielen statt Funktionieren, auch Nichtstun statt Leistung, waren wichtige Impulse für sie.

Mich beeindruckt immer wieder, welche Ideen, Assoziationen und Bilder bei der Arbeit mit Symbolen entstehen. Sie führen heraus aus dem Denkkarussell. Schon das Suchen des Steines selbst und die Beschäftigung mit einem belastenden Thema auf einer symbolischen, bildhaften Ebene können neue Kräfte und Ressourcen wecken.

Wie ist es dir ergangen?

Mehr Praxisbeispiel zur Selbstfürsorge findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl (Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen) ISBN 978-3-99165-010-2

Buschmiede – Happy Balance

 20,00 EUR;

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin der Positiven Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe „Frauenbilder“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

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Selbstfürsorge: Die Farbe eines Augenblicks https://www.tiefgang.net/selbstfuersorge-die-farbe-eines-augenblicks/ Fri, 17 Oct 2025 22:57:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12673 [...]]]> Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl sind gerade in Zeiten, in denen es einem nicht gut geht, herausfordernd und zugleich von zentraler Bedeutung. Die Kunst als Ausdrucksform unterstützt dabei, kreativ Kraft zu tanken.

von Ulrike Hinrichs

Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl helfen, belastende Lebenssituationen zu meistern. Beide Begriffe sind eng miteinander verbunden. Selbstfürsorge beschreibt die Fähigkeit, gut für die eigenen Bedürfnisse zu sorgen. Selbstmitgefühl meint, sich selbst in schwierigen Momenten freundlich und verständnisvoll zu begegnen. Das klingt allerdings einfacher, als es oft ist.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Das künstlerische Schaffen kann dabei helfen, achtsam wahrzunehmen, was im Inneren geschieht, und diesem Empfinden mit Ausdruck zu begegnen. Farben, Formen und Symbole werden zu einer Sprache des Mitgefühls, die oft tiefer wirkt als Worte.

In meiner Gruppe „Kreativ Kraft tanken“ geht es genau um dieses Thema. Das Projekt öffnet einen kreativen Begegnungsraum für Frauen in psychisch belastenden Lebenssituationen. Ziel ist es, die Resilienz zu stärken und so die psychische Gesundheit nachhaltig zu fördern. Die Gruppe wird gefördert von der Techniker Krankenkasse und findet im Stadtteilhaus Neuwiedenthal in Hamburg statt.

Ich möchte dir ein Beispiel für kreative Selbstfürsorge zeigen, welches du auch für dich selbst umsetzen kannst. Die Aufgabe in einer unserer Gruppensitzungen lautete:

Erinnere dich an einen kleinen schönen Moment der letzten Zeit. Solche Momente wahrzunehmen, fällt gerade dann schwer, wenn es einem nicht gut geht, man vielleicht sogar in einer Depression steckt oder unter chronischem Stress leidet. Dennoch lassen sich auch in solchen Lebenssituationen kleine „Glücksmomente“ wachkitzeln.

Eine Teilnehmerin, die dicht am Wald wohnt, erzählte, wie sie frühmorgens aus dem Küchenfenster blickte und plötzlich einem Reh in die Augen sah. Ein stiller, fast magischer Augenblick mitten im Alltag. Diesen Moment setzte sie anschließend künstlerisch um. Entstanden ist ein intensives Bild (Header): ein Reh mit klarem, wachem Blick, sein Körper strahlt in Blau und ist umgeben von leuchtenden Farben in Rosa und Orange. In dieser Begegnung mit dem Tier spiegelt sich lebendige Verbundenheit, Ruhe und Vertrauen.

Wie sieht dein Moment aus? Du kannst genauso gut auf länger vergangene Momente im Leben zurückgreifen, wenn dir keine aktuelle Situation einfällt. Deinem Gehirn ist es egal, ob der Moment, den du wiederbelebst, lange vergangen ist oder erst gestern war.

Indem wir diese Momente künstlerisch einfangen, werden sie zu leuchtenden Ankern im Alltag. Ein Anker hält den eigenen kleinen Glücksmoment fest, die Freude, die Ruhe, die Verbundenheit, die wir erlebt haben. Das gemeinsame Teilen dieser Augenblicke in der Gruppe wirkt wie ein kreatives Kraftwerk, das die individuellen Erfahrungen miteinander verwebt. Die Bilder leuchten wie kleine Erinnerungslichter, die nicht nur das persönliche warme Gefühl zurückrufen, sondern auch die Kraft des geteilten Moments immer wieder spürbar machen.

Speicher dir dein Bild daher als Hintergrund auf dem Smartphone oder häng es dir zu Hause auf. So kommst du ganz automatisch wieder mit dem Gefühl in Kontakt, wenn du das Werk betrachtest.

Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl wachsen, wenn wir uns erlauben, diese Momente festzuhalten als Erinnerung daran, dass das Schöne auch im Kleinen und Alltäglichen wohnt, auch wenn es im Inneren oft sehr dunkel ist.

Für alle, die diesen Weg vertiefen möchten, bietet das Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl kreative Anregungen und künstlerische Übungen, die dazu einladen, einen liebevolleren Zugang zu sich selbst zu finden.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2Buschmiede – Happy Balance

20,00 EUR,

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Kunst als Ankommen: Ein Projekt für geflüchtete Menschen https://www.tiefgang.net/kunst-als-ankommen-ein-projekt-fuer-gefluechtete-menschen/ Fri, 08 Aug 2025 22:03:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12221 [...]]]> Seit Herbst 2024 ist in der Unterkunft Quellmoor in Neuwiedenthal ein besonderer Ort entstanden. Rund 200 Menschen, die aus ihren Heimatländern fliehen mussten, leben dort. Sie sind entwurzelt, erschöpft, auf der Suche nach einem neuen Anfang.

von Ulrike Hinrichs

Inmitten dieses schwierigen Ankommens schafft das künstlerische Projekt „Künstlergruppe für Geflüchtete“ Raum für Stabilisierung, Begegnung und Ausdruck. Das von mir geleitete Projekt wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

Die Kunst wird in unserer Gruppe nicht als etwas verstanden, das perfekt sein muss. Sie ist Mittel des Ausdrucks, auch dort, wo Worte fehlen. Sie darf roh sein, leise, bunt, wütend, tastend oder kraftvoll. Sie darf da sein, so wie die Menschen selbst.

Das Angebot richtet sich an Geflüchtete aller Altersgruppen. Es soll dabei helfen, Ressourcen (wieder) zu entdecken, sich mit anderen zu verbinden und im kreativen Tun Momente des Innehaltens, aber auch der Teilhabe zu erleben. Die entstandene Kunst baut Brücken in die neue Heimat, leistet einen Beitrag zur Integration und fördert das Harburger Leitbild „Zusammenleben in Vielfalt“.   Besonders eindrücklich ist für mich der künstlerische Beitrag der 16-jährigen Neda Akbari aus Afghanistan, die sich in ihrer Kunst mit den wichtigen Themen Frauenrechte und Frauenunterdrückung auseinandersetzt. Neda hat schon in Afghanistan Gedichte geschrieben. Ihre Worte sind mutig, klar und erschütternd. Sie rütteln auf und sprechen über das Unfassbare. Neda nutzt ihre Gedichte als Quelle der Inspiration für ihre beeindruckenden Bilder.

Foto: Neda Akbari
Foto: Neda Akbari

 

Eines ihrer Gedichte (Persisch)

سنك بارانم كنيد آري زنم مجرم منم

تیت وپاشانم  كنيدآرى زنم مجرم منم

خسته ازنيرنگ  هر وولت كر وبيگانه ام

درج زندانم كنيد آرى زنم مجرم منم

گه براى عقد چهارم  من به قربان میشوم

زنجير و زولا نم  كنيد آرى زنم مجرم منم

ان ورين وولت بلى من ناقصم از عقل وهوش

خاك وحيرانم كنيد آرى زنم مجرم منم

سنگ، بزن تا جان وارى اوكه يك بيجاره هست

سنك بارانم كنيد آرى زنم مجرم منم

Und in deutscher Übersetzung (übersetzt mit ChatGPT). Neda kann zwar gut Deutsch sprechen, doch das Poetische ist schwierig in der Übersetzung.

Steinigt mich, ja, ich bin eine Frau – ich bin die Schuldige.
Zerreißt mich in Stücke, ja, ich bin eine Frau – ich bin die Schuldige.
Müde bin ich vom Trug jedes Staates, taub und fremd bin ich geworden.
Werft mich ins Gefängnis, ja, ich bin eine Frau – ich bin die Schuldige.
Manchmal werde ich geopfert für eine vierte Ehe,
Fesselt und quält mich, ja, ich bin eine Frau – ich bin die Schuldige.
In den Augen dieses Staates bin ich lückenhaft an Verstand und Geist,
Macht mich zu Staub und Verwirrung, ja, ich bin eine Frau – ich bin die Schuldige.
Wirf den Stein, bis das Leben weicht aus einem wehrlosen Leib.
Steinigt mich, ja, ich bin eine Frau – ich bin die Schuldige.

Wir präsentieren die Werke und Gedichte auf dem Sommerfest im Camp am 22. August 2025. Kunst wie diese ist Ausdruck innerer Wahrheiten. Sie schafft Sichtbarkeit und Würde. In einem geschützten Rahmen kann sie wachsen und Teil einer neuen Geschichte werden, einer Geschichte, in der Selbstmitgefühl, Selbstwirksamkeit und Verbundenheit möglich sind.

Ulrike Hinrichs: Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2

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 20,00 EUR

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

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Selbstliebe – Versteckte Fallen eines gut gemeinten Auftrags https://www.tiefgang.net/selbstliebe-versteckte-fallen-eines-gut-gemeinten-auftrags/ Fri, 11 Jul 2025 22:00:56 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12068 [...]]]> Die Aufforderung, sich selbst zu lieben, begegnet uns überall: in Ratgebern, auf Postkarten und in Therapieprozessen. Doch so gut gemeint sie ist, in ihrer Absolutheit kann sie zur Falle werden.

von Ulrike Hinrichs

Liebe lässt sich nicht erzwingen. Sie ist ein Gefühl, kein Befehl. Du kannst deinem Herzen nicht sagen: „Jetzt liebe.“ Genauso wenig, wie du einer Freundin nach einem missglückten Date raten würdest: „Liebe diesen Menschen doch einfach.“ Es funktioniert nicht. Gefühle folgen ihrer eigenen Logik, nicht der des Verstandes.

Wenn wir uns also bemühen, der Aufforderung zu folgen und es nicht gelingt, kommt oft das Gegenteil dabei heraus: Selbstzweifel, Ablehnung, innere Härte. Wir halten uns für unfähig, für defizitär. Die paradoxe Wirkung: Wer sich zu Selbstliebe zwingen will, entfernt sich innerlich oft mehr von sich selbst. Weil diese Forderung uns suggeriert, dass wir falsch sind, solange wir sie nicht erfüllen können.

Doch die Sehnsucht nach Selbstliebe zeigt eine heilsame Richtung. Der Weg dorthin kann aber kurvenreich sein. Was kann dich auf dem Weg zu mehr Selbstliebe unterstützen, fragst du dich vielleicht. Der erste Schritt ist deine innere Haltung zu dir selbst. Musst du eigentlich wirklich irgendetwas an dir optimieren oder reparieren? Wie wäre es, wenn du zugleich eine Baustelle und ein Meisterwerk sein kannst? Auf dem Weg zu mehr Selbstliebe hilft dir Mitgefühl mit dir selbst. Mitgefühl bedeutet nicht, ein bestimmtes Gefühl zu „haben“, sondern sich freundlich und wohlwollend zuzuwenden, auch wenn es gerade weh tut und du dich selbst gerade nicht magst.

Selbstmitgefühl fragt nicht: „Liebst du dich genug?“ Es fragt: „Wie gehst du mit dir um, wenn es dir schlecht geht, wenn du zweifelst oder versagst?“ Es öffnet einen Raum, in dem Schmerz nicht verdrängt, sondern gehalten werden darf.

Vielleicht beginnt Heilung nicht mit Liebe, sondern mit einem einfachen: „Ich bin für mich da.“

Selbstliebe wächst nicht aus Zwang, sondern aus Zuwendung. Vielleicht kann das der Anfang sein: dich selbst nicht verbessern zu wollen, sondern dich zu begleiten. Schritt für Schritt. Mit Herz.

Mehr zum Thema findest du in meinen Beiträgen auf Tiefgang:

Für alle, die diesen Weg vertiefen möchten, bietet das Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl kreative Anregungen und künstlerische Übungen, die dich dazu einladen, einen liebevolleren Zugang zu dir selbst zu finden.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2Buschmiede – Happy Balance

20,00 EUR,

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

 

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

 

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Die Kunst der Selbstfürsorge https://www.tiefgang.net/die-kunst-der-selbstfuersorge/ Fri, 27 Jun 2025 22:04:56 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12038 [...]]]> Echte Selbstfürsorge beginnt nicht im Außen, sondern im Inneren, dort, wo das eigene Empfinden, Fühlen und Sein Raum braucht.

Die Kunst als Ausdrucksform kann zu einer solchen inneren Quelle werden, einem Ort, an dem Gedanken zur Ruhe kommen, Gefühle fließen dürfen und Mitgefühl wachsen kann.

von Ulrike Hinrichs

Schöpferischer Ausdruck ist mehr als ein ästhetisches Bild oder ein kreativer Text. Er ist ein stiller Wegweiser zur eigenen Wahrheit, zur Verbindung mit sich selbst und damit zu einem selbstmitfühlenden Leben. Mit der Kunst als Ausdrucksform kannst du die Praxis des Selbstmitgefühls üben.

Mehr zum Thema findest du in meinen Beiträgen auf Tiefgang:

Kennst du das?

Wenn Angst dein Herz trommeln lässt

Kennst du den Spruch: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“? Kontrolle scheint Sicherheit zu geben. Doch sie entspringt der Angst. Wahre Sicherheit entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Vertrauen: in das eigene Spüren, in innere Bilder, in schöpferische Prozesse. Authentische Kunst öffnet den Zugang zu dieser Form von innerem Wissen.

Wenn innere Einsamkeit sich ausbreitet

Du fühlst dich leer und einsam? Diese Gefühle verlangen nicht unbedingt nach Gesellschaft, sondern nach Verbundenheit, vor allem mit dir selbst, mit deiner Geschichte, mit dem Leben. Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl schaffen diese Verbindung. Kunst kann diese Prozesse behutsam stärken.

Wenn deine Gedanken Karussell fahren

Deine Gedanken kreisen unaufhörlich, vor allem nachts? Deine Gefühle bleiben stumm? Zu viel Denken ist oft ein Trick der Psyche, sich vom Fühlen zu dissoziieren. Kreativität dämpft das Denken und bringt Gefühle an die Oberfläche: als Farben, Formen, Bewegungen oder Worte. Es ist eine Rückkehr ins Spüren.

Wenn du dauerhaft erschöpft bist

Du bist müde, obwohl du ausreichend schläfst? Du fühlst dich leer? Zur Erholung braucht es nicht nur Schlaf, sondern auch das stille Erleben: „Ich bin genug“. Kreatives Gestalten kann ein Ort sein, an dem dieses Empfinden wachsen darf, frei von Müssen und Sollen, getragen vom einfachen Sein.

Wenn du nur noch funktionierst

Im ständigen Tun verlierst du das, was dich im Innersten ausmacht. Dauerleistung ist oft ein Zeichen dafür, dass du dich von deinen Gefühlen abgetrennt hast. Kreatives Schaffen kann dich sanft zurückführen zu deiner eigenen Stimme, zu deinem inneren Rhythmus, zu dem Ort in dir, der einfach nur sein darf.

Wenn dein innerer Kritiker zu laut schreit

„Das ist nicht gut genug. Du bist nicht gut genug“, sagt dein innerer Kritiker. „Das kannst du sowieso nicht“, ergänzt er vielleicht. Nicht Perfektion hilft gegen Selbstverurteilung, sondern Selbstmitgefühl. Kreativer Ausdruck macht diesen mitfühlenden Blick erfahrbar: zart, ehrlich, heilsam. Kunst erlaubt, Unvollkommenheit als Teil des Weges zu sehen und das Menschsein in seiner ganzen Zerbrechlichkeit anzunehmen.

Authentischer Ausdruck durch Kunst kann ein stiller Weg zur inneren Verbundenheit für dich werden. Sie kann eine sanfte Medizin sein für das, was im Inneren verloren ging oder vergessen wurde. Sie schenkt Raum für Selbstbegegnung, für Heilung, für das Wiederfinden der eigenen Lebendigkeit.

Hast du Lust zu einer Praxisübung zum Selbstmitgefühl? Die geht so:

Wenn du einen inneren Anteil kreierst,

der für dein Selbstmitgefühl steht, wie sieht er?

Eine schöpferische Begegnung mit deinem inneren Helfer für Selbstzuwendung

Was du brauchst:

  • Papier oder eine Leinwand
  • Stifte, Pinsel, Farben deiner Wahl

So geht’s:

  • Stelle dir vor, in dir lebt ein innerer Anteil, der nur für dein Mitgefühl da ist.
    Ein Wesen, eine Gestalt, eine Kraft. Vielleicht ist es sanft oder klar.
    Vielleicht alt oder kindlich. Vielleicht hat es Flügel, Hände, Augen oder Wurzeln.
    Lass Bilder aufsteigen, ohne sie zu bewerten.
  • Gib diesem Anteil eine Form. Male, zeichne oder collagiere: Wie sieht er aus? Welche Farben passen zu ihm? Welche Haltung, welche Ausstrahlung?
    Du darfst frei arbeiten, abstrakt oder gegenständlich, kraftvoll oder zart.
  • Wenn du möchtest, gib deiner Figur einen Namen oder ein Symbol.
    Vielleicht ein Wort, das dich stärkt. Vielleicht einen Satz wie.

Reflexion:

  • Was hat sich während des Malens in dir bewegt?
  • Welche Eigenschaften trägt deine Mitgefühlsgestalt in sich?
  • Wie könnte sie dich im Alltag begleiten oder erinnern?
  • Gibt es einen Ort in dir, an dem sie wohnen darf?

Für alle, die diesen Weg vertiefen möchten, bietet das Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl kreative Anregungen und künstlerische Übungen, die dich dazu einladen, einen liebevolleren Zugang zu dir selbst zu finden.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2

 Buschmiede – Happy Balance

20,00 EUR

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

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Der eigenen Biografie kreativ begegnen https://www.tiefgang.net/der-eigenen-biografie-kreativ-begegnen/ Fri, 30 May 2025 22:25:41 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11866 [...]]]> Jeder Mensch trägt eine einzigartige Geschichte in sich, eine Geschichte aus Erlebnissen, Entscheidungen und Begegnungen, die das Leben geformt haben. Jeder Mensch geht seinen Weg im eigenen Tempo, verfolgt seine individuellen Ziele, begegnet seinen persönlichen Herausforderungen.

von Ulrike Hinrichs

Die Biografiearbeit lädt dazu ein, die eigene Geschichte zu erkunden, zu verstehen und zu würdigen. Sie ist nicht nur ein Weg, die Vergangenheit zu reflektieren, sondern auch ein Werkzeug, um sich selbst besser kennenzulernen und das eigene Leben bewusst zu gestalten.

Doch mit dem Erinnern ist das so eine Sache. Einige Episoden erscheinen bunt und lebendig, andere grau und dunkel. Vor allem unsere Erinnerungen an Kindertage sind nicht immer ganz klar, manchmal sogar hinter einem grauen Nebel verschwunden. Die Vergangenheit mit Pinsel und Farbe zu beleuchten, macht besonders Spaß und weckt intuitiv unsere Erinnerungen. Mit der Kunst als Ausdrucksform können wir über die denkenden Begrenzungen hinauswachsen. Wenn wir kreativ sind, legen wir eine Spur zu uns und anderen. Die Kunst ist schöpferisch und fruchtbar. Sie kann mühelos in den dunklen Schatten tauchen und hinter den Nebel der versteckten Erinnerung schauen.

Biografiearbeit – Die Ahnen

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe „Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe“ im Stadtteilhaus Neuwiedenthal haben wir einen Raum geschaffen, bei dem ganz unterschiedliche Menschen sich über den kreativen Ausdruck zu ihrer Heimat und Biografie austauschen.

Die künstlerische Arbeit mit Familienfotos unterstützt uns dabei, alte Spuren aufzunehmen. Das Beispielbild zeigt eine Collage, die aus alten Postkarten, Zeitungen und Kopien von Fotos zusammengefügt wurde. Die Aufgabe bestand darin, sich der Ursprungsfamilie und den Ahnen künstlerisch anzunähern. Denn auch wenn sie längst gegangen sind, weben unsere Vorfahren weiter an unserer Geschichte. Ihre Entscheidungen, ihre Sehnsüchte, ihre Ängste – sie leben in unseren Zellen, in unseren Träumen, in dem, was wir manchmal nicht benennen können, aber doch spüren. Traumatische Erlebnisse hinterlassen sogar Spuren im Erbgut, die auf die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden.

Die künstlerische Arbeit mit unseren Ahnen ist kein Rückblick ins Museum, sondern eine Reise zu den Quellen. Wenn wir ihnen Raum geben, in unseren Gedanken, in künstlerischen Gesten, in kleinen Zeremonien, können wir beginnen zu verstehen, woher wir kommen. Und was wir vielleicht weitertragen, ohne es zu wollen. Oder was wir bewahren möchten, als Kraftquelle für unser eigenes Leben.

Biografiearbeit ist insoweit auch Selbstreflektion und Selbstfürsorge. Wenn ich weiß, woher ich komme und wie ich kulturell geprägt wurde, dann kann ich mich selbst und auch andere besser verstehen.

Weitere Beispiele für die kreative Arbeit mit Kinderfotos auf Tiefgang:

Mehr Praxisbeispiel zur Selbstfürsorge findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

 

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

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Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

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Die Gruppe „Heimat und Biografie – Begegnungen mit Pinsel und Farbe“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

 

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Der Redestab – sprich deine Wahrheit https://www.tiefgang.net/der-redestab-sprich-deine-wahrheit/ Fri, 02 May 2025 22:38:35 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11741 [...]]]> Viele Menschen mussten früh lernen, ihre eigene Stimme zu unterdrücken. Die Kunst kann ein machtvoller Weg sein, die innere Wahrheit zu finden und sie laut auszusprechen. Ein uraltes Symbol hilft dabei. Der Redestab.

von Ulrike Hinrichs

Der Redestab ist ein rituelles Werkzeug, das in vielen Kulturen insbesondere bei indigenen Völkern Nordamerikas zur Anwendung kommt. In Ratsversammlungen wird der Stab weitergereicht: Wer ihn hält, darf sprechen. Das fördert Aufmerksamkeit, Respekt und gleichwertige Kommunikation.

Auch in anderen Kulturen gibt es Varianten dieser Tradition, wie etwa der keltische Druidenstab, afrikanische Sprecherstäbe, der Krummstab kirchlicher Würdenträger oder der magische Zauberstab in Mythen und Märchen. Sie alle verbindet: Der Stab steht für Macht, Wandlung und Autorität, oft in Verbindung mit spiritueller oder natürlicher Kraft.

Im deutschen Sprachraum gilt der Stenz als besonderer Wander- oder Redestab, vor allem im Zusammenhang mit den fahrenden Handwerksgesellen. Der Stenz ist ein spiralförmig oder knotig geformter Holzstab. Diese Form entsteht, wenn etwa eine Waldrebe oder ein Geißblatt sich um einen jungen Baum windet, der dann die verdrehte Form annimmt. Um solche Stäbe ranken sich viele Mythen. Der Stenz gilt als beseelt. Er ist ein Mittler zwischen Baum und Mensch. In ihm wohnt ein Waldwesen, eine Elfe oder ein Baumgeist, heißt es.

Der Redestab als geistiger Korkenzieher für das Unausgesprochene

Im Kontext von Kunst und Selbstausdruck kann der Redestab zu einem Symbol der Rückverbindung mit der eigenen Stimme werden. Indem wir unsere eigene Geschichte erzählen, verwandeln wir Blut in Leben, Ohnmacht in Ausdruck und Schweigen in Stimme. Wenn wir beginnen, nicht mehr die Erzählungen und Zuschreibungen anderer zu übernehmen, sondern unsere Wahrheit erzählen, dann kann Heilung beginnen. Ein Redestab ermutigt uns, der Wahrheit ins Auge zu sehen, nichts davon abzulehnen, Licht und Schatten zu vereinen. Er ist ein geistiger Korkenzieher für die unausgesprochenen Worte.

In meiner Gruppe für Frauen mit Gewalterfahrung, die vom Bezirksamt Harburg gefördert wird, haben wir mit dieser Intention einen Redestab gestaltet. Denn vor der physischen Gewalt steht oft die psychische. Unterdrückung, Manipulation und Redeverbot greifen früh. Worte sind machtvoll. Deshalb werden sie oft zuerst unterdrückt. Das gilt in Diktaturen ebenso wie im Privaten.
Der Redestab steht als Symbol, die eigene Stimme zu erheben, sich zu wehren und wieder Gehör zu verschaffen. Jeder Redestab trägt die Kraft derer, die ihn halten, und wird so zu einem Zeichen von Würde, Stärke und gemeinsamer Heilung.

work in progress

Und so geht´s

Suche dir einen Stock oder lass dich von ihm finden. Vielleicht ist es ein Ast aus dem Wald, ein besonderer Kochlöffel oder ein alter Besenstiel – es gibt keine Regeln, nur das Gefühl der Stimmigkeit für dich.

Gibt es noch etwas, womit du deinen Redestab verzieren möchtest? Das können Federn, Perlen, Bänder, Steine oder andere kleine Dinge sein, mit denen du deinen Redestab schmückst und ihm damit eine besondere Bedeutung gibst. So wird er zu deinem ganz persönlichen Ausdruck deiner Stimme, deiner Geschichte und deiner inneren Wahrheit.

Lass deinen Redestab so zu einem Werkzeug werden, das deine innere Stimme stärkt und deine Wahrheit ans Licht bringt.

Mehr Praxisbeispiele zur Selbstfürsorge und Selbstermächtigung findest du in meinem Buch

Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2

Buschmiede – Happy Balance

20,00 EUR

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

 

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschlägers

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

 

Die Gruppe „Mit Bild- und Wortnotizen gegen Gewalt“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

 

 

 

 

 

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Heilungsreise für dein inneres Kind https://www.tiefgang.net/heilungsreise-fuer-dein-inneres-kind/ Fri, 11 Apr 2025 22:35:41 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11674 [...]]]> Tief in uns lebt das Kind, das wir einmal waren, mit all seinen Hoffnungen, Ängsten und Erfahrungen. Es trägt die Wunden aus der Vergangenheit, die unser heutiges Leben unbewusst beeinflussen.

von Ulrike Hinrichs

Unsere Kindheit prägt uns ein Leben lang in unseren Gefühlen, Erlebnissen und Verhaltensweisen. Das innere Kind symbolisiert diese Erfahrungswelten. Die Heilung des inneren Kindes ist eine Reise der Selbstakzeptanz und des Selbstmitgefühls. Sie unterstützt uns dabei, alte Muster zu erkennen, innere Blockaden zu lösen und uns selbst liebevoller zu begegnen.

In Krisensituationen meldet sich unser verletztes inneres Kind besonders deutlich zu Wort. Traumatische Erlebnisse hinterlassen emotionale und körperliche Reaktionsmuster, die in belastenden Momenten wieder aufleben können. Es sind Spuren vergangener Erfahrungen, die tief in unserem Nervensystem gespeichert sind. Wir fühlen uns dann klein, hilflos oder überfordert, als ob wir erneut das Kind von damals wären.

Vertiefende Erklärungen zum psychologischen Hintergrund findest du in meinem Beitrag auf Tiefgang Das innere Kind künstlerisch erwecken.

Kreative Prozesse helfen uns, in Kontakt mit unserem verletzten inneren Kind zu treten und es liebevoll zu begleiten. Durch den künstlerischen Ausdruck können wir das innere Kind sichtbar machen und ihm eine Stimme geben. Farben, Formen, Bewegung oder Worte ermöglichen es uns, das Unsagbare aufzuzeigen, alte Wunden zu berühren und neue Wege der Heilung zu finden. Kunst wird so zu einer Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Schmerz und Transformation.

Heilungsreise für dein inneres Kind – Eine Collage zur Selbstermächtigung

Ich möchte dir dazu eine konkrete künstlerische Übung vorstellen, die wir in meiner Gruppe für Frauen mit Gewalterfahrung praktiziert haben. In dieser kreativen Übung gestaltest du eine ressourcenstärkende Collage mit deinem inneren Kind.

Und so geht´s

Thema suchen

Suche dir in einem ersten Schritt ein Thema, das dich bewegt. Du kannst dir das Thema auf der Rückseite deines Collagepapiers notieren.

Frage dich:

  • Was bewegt mich gerade?
  • Welches Problem möchte ich lösen?
  • Mit wem habe ich Probleme?
  • Welche heftigen Gefühle steigen gerade in mir auf?
  • Wobei brauche ich Unterstützung?

Du kannst aber auch ohne Thema arbeiten, indem du dir einfach nur vornimmst, dein inneres Kind zu stärken.

Das brauchst du für die künstlerische Heilungsreise

Für die künstlerische Gestaltung deiner Heilungsreise benötigst du vor allem ein Kinderfoto von dir. Denke gar nicht lange drüber nach, suche dir ganz intuitiv eines aus, es wird genau das richtige sein.

Siehe zur künstlerischen Arbeit mit Kinderfotos auch meinen Artikel auf Tiefgang: Kunst als Reiseführer für die Seele

Zusätzlich benötigst du Zeitschriften, buntes Papier oder alte Buchseiten zum Ausschneiden, sowie Kleber und eine Schere. Du kannst auch Stifte, Farben und Pinsel verwenden, um deine Collage zu gestalten. Als Grundlage dient ein großes Blatt Papier.

Anleitung (die du für dich anpassen kannst)

  • Das innere Kind: Schneide dein Kinderfoto aus und verwende es in der Collage symbolisch für dein Inneres Kind. Falls du nicht das Original verarbeiten möchtest, mache dir eine Kopie von dem Foto.
  • Ressourcen für die Heilungsreise: Füge Elemente hinzu, die dich auf deiner Heilungsreise unterstützen und dir Kraft geben. Webe Worte oder Bilder, Wünsche, Träume, Ressourcen oder Botschaften mit in das Kunstwerk ein.
  • Reflexion: Nachdem du deine Collage gestaltet hast, nimm dir Zeit für eine schriftliche Reflexion. Horch genau hin, was dir dein inneres Kind zu sagen hat. Schau dir dazu dein Werk an. Was spürst du? Welche Botschaft sendet dir dein inneres Kind? Welchen Ratschlag gibt es dir für deine aktuelle Situation? Was möchtest du ihm sagen?

 

Mehr Praxisbeispiel zur Selbstfürsorge findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl.

Ulrike Hinrichs – Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2

 Buschmiede – Happy Balance

20,00 EUR

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

 

 

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe „Mit Bild- und Wortnotizen gegen Gewalt“ wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

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