Ulrike Hinrichs – Krankheit als Bild https://www.tiefgang.net Fri, 06 Mar 2026 10:44:29 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Wenn deine Krankheit eine Pflanze wäre https://www.tiefgang.net/wenn-deine-krankheit-eine-pflanze-waere/ Sun, 08 Mar 2026 05:35:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13502 [...]]]> Eine Krankheit kommt selten leise. Vor allem chronische und autoimmune Erkrankungen bleiben. Sie mischen sich in unser Bild von uns selbst, in unseren Alltag und in unsere Beziehungen ein. Sie nehmen uns Tempo, Kraft und Lebensfreude.

von Ulrike Hinrichs

Wir erleben eine Krankheit als Störung, als etwas, das weg soll. Möglichst schnell. Und doch trägt jede Krankheit auch eine Erfahrung in sich. Eine Stimmung. Eine eigene Qualität. Etwas, das gespürt und gesehen werden will.

In der kunsttherapeutischen Arbeit öffnen wir dafür einen anderen Zugang. Wir sprechen nicht über Diagnosen und nicht über richtig oder falsch. Wir wandeln Symptome in Bilder.

Das möchte ich dir anhand eines Praxisbeispiels zeigen. Es stammt aus meiner Gruppe Krankheit als Bild, die sich regelmäßig im De Stuuv in Neugraben-Fischbek trifft. Die Gruppe wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

Wir haben uns gefragt:

Wenn deine Krankheit eine Pflanze wäre, welche wäre sie?

Vielleicht willst du dir die Frage auch stellen? Dann lass dich ganz intuitiv überraschen, was dir dazu in den Kopf kommt. Ist es ein Steinpilz im Wald, wie ihn eine Teilnehmerin aus meiner Gruppe gemalt hat? Oder sind es Gänseblümchen auf einer Wiese?

Das im Header dargestellte Kunstwerk wurde in der Gruppe Krankheit als Bild zum Bluthochdruck gemalt.

Auf den ersten Blick sehen wir Herzen. Rot, leuchtend, kraftvoll. Sie stehen auf grünen Stielen wie Blüten. Doch sie sind nicht still. Um sie herum sprüht Farbe. Gelb. Pink. Wie eine Explosion. Wie Energie, die keinen Halt findet.

Der Bluthochdruck zeigt sich weniger als Bedrohung, sondern mehr als Übermaß an Energie. Als ein Zuviel. Zu viel Hitze. Zu viel Bewegung. Zu viel nach außen.

Gleichzeitig stehen die Pflanzen fest im Boden. Der grüne Untergrund wirkt ruhig. Fast kühl. Als gäbe es neben all der Hitze auch eine Sehnsucht nach Erdung.

Im Gespräch wurde deutlich: Das Herz will nicht nur leisten. Es will sich zeigen. Es will Raum. Vielleicht auch Entlastung. Durch das Bild verschob sich bei der Klientin die Perspektive. Der Druck bekam eine Form. Eine Farbe. Eine Gestalt. Er war nicht mehr nur ein Messwert, sondern Ausdruck einer inneren Dynamik, die auch viel positive Energie in sich trägt. Herzklopfen ist nicht nur Angst, sondern auch Freude. Bluthochdruck als explodierende Herzblüte. Kraftvoll. Schön. Und vielleicht ein Ruf nach Balance zwischen Feuer und Boden.

Wenn du dich für ausführlich beschriebene Praxisbeispiele mit Klient:innen-Feedback interessierst, dann findest du viele Beispiele in meinem Buch Krankheit als Bild. Als Appetitmacher verweise ich auch gern auf weitere Artikel auf Tiefgang:

Ulrike Hinrichs – Krankheit als Bild

Mit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln

263 Seiten, 88 farbige Abbildungen

2. erweiterte Auflage

ISBN Print 978-3-99165-716-3

Softcover EUR 20,00;

Mehr Infos hier entlang

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumazentrierte Fachberaterin und Anwenderin der Positiven Psychologie. Sie ist auch Ausbilderin für Kunsttherapie und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe Krankheit als Bild wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

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Wenn Bilder sprechen – Das Tier unter der Haut https://www.tiefgang.net/wenn-bilder-sprechen-das-tier-unter-der-haut/ Mon, 29 Dec 2025 12:01:54 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13052 [...]]]> Was wäre, wenn wir Krankheit nicht nur als Symptom betrachten, sondern als eine Ausdrucksform mit einer ganz eigenen Sprache? Die Kunst kann uns dabei helfen, die Sprache der Symptome besser zu verstehen.

von Ulrike Hinrichs

Die Arbeit mit Symbolen öffnet neue Räume. Räume jenseits von Erklärung und Bewertung.

In der Symbolsprache darf Krankheit mehr sein als ein Symptom. Sie wird zu einer Gestalt.
Zu einem inneren Gegenüber. Bilder umgehen den rationalen Verstand. Sie sprechen direkt zum Körpergedächtnis. Dort, wo Worte oft nicht ausreichen. In der kunsttherapeutischen Praxis entstehen so neue Möglichkeiten. Für Beziehung statt Widerstand. Für Verstehen statt Bekämpfen.

Dazu möchte ich dir ein Praxisbeispiel aus meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Krankheit als Bild geben. In der Gruppe sind Menschen mit unterschiedlichen langanhaltenden Krankheiten beteiligt. Mit der Kunst als Ausdrucksform suchen wir neue Perspektiven im Umgang mit der Erkrankung.

Gruppe „Krankheit als Bild!“ – Maulwurf

Die Frage zum hier abgebildeten Kunstwerk lautete: „Wenn deine Krankheit ein Tier wäre, welches wäre es?“ Sie lädt zu einer symbolischen Annäherung an die Krankheit ein. Sie verschiebt den Blick von der Diagnose hin zur Beziehung. Von Kontrolle hin zu Wahrnehmung und Mitgefühl.

Zur Autoimmunerkrankung Rosacea entstand der abgebildete Maulwurf. Rosacea ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung. Sie zeigt sich vor allem im Gesicht durch Rötungen, Hitzegefühle und empfindliche Haut. Viele Betroffene erleben die Haut als schnell überreizt und schwer zu schützen. Auf dem Bild sehen wir ein grabendes Tier. Einen Maulwurf. Er lebt unter der Haut der Erde. Er meidet das grelle Licht. Er sucht Kühle, Feuchtigkeit und Schutz. Die Hände sind kräftig. Sie wollen Raum schaffen. Sie drücken und wühlen.

Rosacea als Maulwurf könnte bedeuten, so die Klientin: Ein Wesen, das zu viel Reiz erlebt. Licht, Hitze, Aufmerksamkeit. Es reagiert mit Rückzug. Mit Erröten als Alarm. Mit Entzündung als Grenze. Der Körper sagt: Es ist zu viel. Ich brauche Tiefe. Ich brauche Dunkelheit. Ich brauche Ruhe. Im Bild wirkt das Tier auf mich nicht feindlich. Im Gegenteil. Eher sensibel. Verletzlich. Beharrlich. Es erinnert mich an mein Schutzbedürfnis. An den Wunsch, mich einzugraben. An Selbstfürsorge statt Kampf.

Vielleicht fragt dieses Tier: Wo darf ich mich sicher fühlen? Wer achtet meine empfindliche Haut?

Siehe dazu auch auf Tiefgang:

Willst du es ausprobieren? Wenn deine Krankheit ein Tier wäre, wie würde es aussehen? Welches Tier taucht ganz spontan auf? Dann lege los und male. Du kannst eine Bleistiftskizze fertigen oder ein Ölgemälde malen. Das ist ganz egal. Es braucht nicht perfekt zu sein. Es geht um Ausdruck.

Betrachte das Bild. Hier sind einige Impulsfragen:

  • Was kommt dir dazu in den Sinn?
  • Wenn das Tier sprechen könnte, was würde es sagen?
  • Was ist die Botschaft des Tieres?
  • Was braucht dieses Wesen?
  • Was schützt es?
  • In welcher Umgebung fühlt es sich wohl?
  • Ist es lieber allein oder in Gesellschaft?
  • Welche Größe oder Form hat es?
  • Welche Bewegung macht es – still, flink, schwerfällig?
  • Welche Gefühle löst das Tier in dir aus?
  • Welche Kräfte oder Fähigkeiten besitzt es?
  • Welche Schwächen oder Verletzlichkeiten zeigt es?
  • Gibt es etwas, das das Tier sucht oder vermeiden möchte?

Mehr dazu in meinem Buch:

Ulrike HInrichs: Krankheit als Bild

Mit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln

263 Seiten, 88 farbige Abbildungen

2. erweiterte Auflage

ISBN Print 978-3-99165-716-3

Softcover EUR 20,00

Mehr Infos hier entlang

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumazentrierte Fachberaterin und Anwenderin Positive Psychologie. Sie ist auch Ausbilderin für Kunsttherapie und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.ulrikehinrichs.com

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Antenne an, Herz auf, Pinsel raus! https://www.tiefgang.net/antenne-an-herz-auf-pinsel-raus/ Fri, 07 Nov 2025 23:58:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12814 [...]]]> Manchmal fällt es uns schwer, auf uns selbst zu achten, und zwar gerade, wenn wir eine langanhaltende Krankheit haben, die unser Leben dominiert, oder wenn wir in einer anderen schwierigen Lebenssituation stecken. Künstlerisch umzusetzen, was uns guttut, kann dabei helfen.

von Ulrike Hinrichs

In uns leben viele Stimmen. Manche sind laut und fordernd, andere leise und kaum hörbar. Selbstfürsorge ist häufig eine dieser leisen Stimmen. Selbstfürsorge zeigt sich im bewussten Umgang mit dem eigenen Leben: im Wahrnehmen der eigenen Grenzen, im Sich-Zuwenden und im Raumgeben für das, was wirklich guttut.

Selbstfürsorge erinnert uns daran, zu atmen, Pausen zu machen und freundlich mit uns zu sein. Sie zeigt uns, dass Fürsorge nicht nur eine Handlung, sondern ein innerer Zustand ist, den wir bewusst nähren können. Oft verlieren wir diesen Anteil aus den Augen. Kunst kann helfen, ihm Gestalt zu geben und damit ins Leben einzuladen. Durch die Brille der Kunst eröffnen sich neue Perspektiven im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen.

In meiner vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe Krankheit als Bild, die sich regelmäßig im Quartiershaus De Stuuv in Hamburg-Fischbek trifft, haben wir uns gefragt:

„Wenn du einen inneren Anteil für deine Selbstfürsorge hättest, wie würde der aussehen?“

Die Ergebnisse waren faszinierend. Eines der Werke ist das im Header abgebildete leuchtende Wesen mit großen Augen und einem sanften Lächeln. Eine Antenne ragt nach oben, mit der es aufmerksam empfangen kann. Eine Uhr ohne Zeiger nimmt den Stress aus dem Leben. Das Wesen wirkt fröhlich, wach und liebevoll zugleich. Fast so, als würde es sagen: „Ich bin hier. Ich passe auf dich auf. Du darfst dich ausruhen.“

Dieses Bild zeigt, wie wir innere Fürsorge spürbar machen können. Es erinnert daran, dass Selbstfürsorge kein abstraktes Konzept ist, sondern ein lebendiger, achtsamer Teil in uns, der gesehen, gehört und gepflegt werden möchte.

Gerade für Menschen mit chronischen oder anderen langanhaltenden Krankheiten sind innere Ressourcen überlebenswichtig.

Du kannst es auch ausprobieren: Male dein eigenes Wesen der Selbstfürsorge.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Weitere Praxisbeispiele in meinem Buch:

Ulrike Hinrichs: Krankheit als Bild – Mit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln

2. erweiterte Auflage; 263 Seiten, 88 farbige Abbildungen

ISBN Print 978-3-99165-716-3

Softcover EUR 20,00; Mehr Infos hier entlang

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumazentrierte Fachberaterin und Anwenderin Positive Psychologie. Sie ist auch Ausbilderin für Kunsttherapie und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.ulrikehinrichs.com

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Krankheit als Bild oder wenn Buddha ein Elefant wäre https://www.tiefgang.net/krankheit-als-bild-oder-wenn-buddha-ein-elefant-waere/ Fri, 12 Sep 2025 22:19:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12397 [...]]]> Dein Körper spricht nicht in Sätzen, sondern in Empfindungen, Spannungen und Schmerzen. Um diese Sprache zu verstehen, braucht es manchmal eine Übersetzung. Kunst kann hier eine wertvolle Begleiterin sein. Farben, Formen und Symbole eröffnen Zugänge, die mit Logik kaum zu erreichen sind.

von Ulrike Hinrichs

Eine langanhaltende Krankheit wirft vieles aus der Bahn. Sie verändert unseren Alltag, unsere Beziehungen und unser Selbstbild. Oft empfinden wir sie als Störung oder Bedrohung. Doch die Krankheit kann auch ein Symbol senden, das uns etwas mitteilen möchte. Oft sind es Inspirationen dafür, was uns gerade fehlt und was wir brauchen.

Das möchte ich dir anhand eines Praxisbeispiels zeigen. Es stammt aus meiner Gruppe Krankheit als Bild, die sich regelmäßig im De Stuuv im Quartiershaus am Ohrnsweg in Hamburg-Neugraben trifft. Die Gruppe wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

Wir haben uns die Frage gestellt:

„Wenn deine Krankheit dir eine Postkarte aus dem Urlaub schicken würde, wie würde die aussehen?“

Dazu entstand die im Header dargestellte Postkarte. Die Szene wirkt humorvoll und zugleich liebevoll. Der Satz „Wenn Buddha ein Elefant wäre“ kam ganz intuitiv, erzählte die Teilnehmerin. Er eröffnet einen spielerischen, fast paradoxen Raum. Buddha steht für Stille, Weisheit und inneren Frieden. Der Elefant für Kraft, Erdung und manchmal auch für Schwere. Auf dem Bild wirkt der Elefant fast kindlich.

Zusammen könnte das eine Botschaft ergeben, so die Teilnehmerin: Weisheit braucht Erdverbundenheit, Liebe braucht Kraft und auch etwas scheinbar Schweres kann Sanftheit ausstrahlen. Für die Teilnehmerin waren auch die Themen kindliche Neugier und Humor besonders wichtig – in der Schwere, in der Not, im Leid immer wieder auch das Lachen zu finden.

An die symbolhafte Sprache müssen wir uns intuitiv herantasten. Man könnte die Postkarte auch als Einladung lesen:

  • die Krankheit nicht nur als Last, sondern auch als Hüterin von Weisheit zu betrachten,
  • die Schwere mit Sanftheit zu verbinden,
  • in die Stille und Innenschau zu gehen,
  • sich von einer übergroßen Kraft tragen zu lassen, statt gegen sie zu kämpfen und
  • ganz viel kindliche Neugier und Humor zulassen.

Durch solche kreativen Zugänge verschiebt sich der Blickwinkel. Krankheit wird nicht mehr als Gegnerin betrachtet, sondern als Botschafterin. Auf dieser symbolischen Ebene lassen sich Zusammenhänge erkennen, die zuvor verborgen waren.

In der Auseinandersetzung mit den Bildern können wir uns selbst neu begegnen und manchmal sogar eine versöhnliche Haltung zur Krankheit finden.

Krankheit als Bild zu verstehen, heißt: den inneren Dialog zuzulassen. Und oft steckt in diesem Dialog eine Weisheit, die uns auf unserem Lebensweg weiterführt.

Mehr dazu:

Offene Werkstatt: Krankheit als Bild – Kulturtage Süderelbe
Ein Tag zum Schauen, Fragen, Austauschen und Mitfühlen und einem Vortrag von mir. Dienstag, 11.11.2025, von 12.00 bis 16.00 Uhr

Auf Tiefgang:

In meinem Buch:

Krankheit als Bild – Mit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln

263 Seiten, 88 farbige Abbildungen

2. erweiterte Auflage

ISBN Print 978-3-99165-716-3

Softcover EUR 20,00;

Mehr Infos hier entlang

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumazentrierte Fachberaterin und Anwenderin Positive Psychologie. Sie ist auch Ausbilderin für Kunsttherapie und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.ulrikehinrichs.com

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Krankheit als Mythos https://www.tiefgang.net/krankheit-als-mythos/ Fri, 22 Aug 2025 22:12:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12338 [...]]]> Krankheiten sind nicht nur medizinische Phänomene. Sie berühren Körper, Seele und Geist und tragen oft verborgene Botschaften in sich. Wer sie als reines Defizit betrachtet, übersieht ihre tieferen Ebenen.

von Ulrike Hinrichs

Mythen und Archetypen können uns helfen, die Botschaften der Krankheit zu entschlüsseln. Mythen sind uralte Geschichten, die Wahrheiten über das Menschsein in Bildern und Symbolen bewahren. Wenn wir Krankheit (auch) als Mythos verstehen, öffnen wir uns für neue Deutungen und Wege zur Heilung.

Mythen sind mehr als Geschichten. Sie sind kollektive Muster. Archetypen wie Heldinnen, Beschützerinnen oder Schattenwesen, wirken in diesen Mythen und spiegeln sich auch in unserem Leben. Sie helfen uns, persönliche Themen mit dem größeren Ganzen zu verbinden.

Auch Krankheiten lassen sich in diesem Spiegel betrachten. Eine langanhaltende Erkrankung kann Ausdruck eines archetypischen Themas sein, das gelebt und verstanden werden will. Wir können es sichtbar machen, erzählen oder aufschreiben.

 Worte sind Magie!

Für Ptah, den Schöpfergott der altägyptischen Mythologie, sind Herz und Zunge die Werkzeuge seiner Schöpfung, die Kräfte von Verstand und Wort. Es heißt, Ptah habe die mit dem Herzen gebildeten Gedanken laut ausgesprochen und so das Universum erschaffen. Die Worte selbst besitzen magische Kräfte. Wenn man etwas ausspricht, erweckt man es zum Leben, so die Weisheiten des alten Ägyptens.

Sprache ruft Wirklichkeit hervor. Sie erschafft unsere innere und äußere Welt. Worte sind Hinweisschilder für die Seele. Wenn wir beginnen, unsere eigene Geschichte zu erzählen, statt die Zuschreibungen anderer zu übernehmen, nehmen wir die Macht des Benennens in die Hand. Wir werden zum Magier, der seine Wahrheit ausspricht. In dieser Erzählung kann Heilung geschehen.

Kunst als Muttersprache

In Bildern, Symbolen, Musik oder Geschichten finden wir einen unmittelbaren Ausdruck dessen, was in uns lebt. Kunst und Sprache begegnen sich dort, wo Mythen wirken. Ihre Metaphern und Bilder lassen uns erkennen, dass wir Teil eines größeren Gewebes sind. Sie schaffen Verbindung zu universellen Mustern, die Heilung ermöglichen.

Krankheit als Bild

In meiner Gruppe Krankheit als Bild nutzen wir die Kunst als Ausdrucksform, um mit der Krankheit in einen Dialog zu treten. Es geht dabei um lang anhaltende Erkrankungen wie etwa autoimmune oder psychosomatische Erkrankungen. Mehr über diesen Zugang beschreibe ich in meinem Buch Krankheit als Bild: Mit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln.

Wenn wir Krankheit auch unter der Perspektive eines Mythos verstehen, öffnet sich ein neuer Blick. Die Krankheit wird zur Geschichte, die uns etwas erzählt und die wir zugleich mitschreiben dürfen. Mythen, Sprache und Kunst helfen uns, hinter die Oberfläche des Symptoms zu schauen und ein tieferes Verständnis zu bekommen, worum es eigentlich geht.

Mehr dazu auf Tiefgang:

Mir persönlich begegnete der Mythos der Medusa im Zusammenhang mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung bereits in meiner Jugend. Damals wusste ich noch gar nichts über diesen Mythos. Medusa, die jeden in Stein verwandelt, der in ihre Augen schaut, fand ich faszinierend, vor allem nachdem ich mit 14 Jahren durch meine Autoimmunerkrankung selbst in einen „lebenden Stein“ verwandelt worden war.

In meinem Buch Lebendig begraben: Guillain-Barré-Syndrom: Trauma, Krankheit und die Narben der Geschichte habe ich mich damit vertiefend auseinandergesetzt.

Archetyp der Großen Mutter

Medusa entspringt dem Archetyp der Großen Mutter. Die Große Mutter vereint nährende und zerstörerische Aspekte in sich, sie gebiert Leben und verschlingt es zugleich. In ihr spiegelt sich die Urkraft, die uns mit der Erde, mit Geburt, Tod und Wandlung verbindet. Medusa ist ein Mythos über Angst, Macht und die Kraft, sich selbst anzusehen. Sie wurde zur Warnung. Zur Fratze. Zum Monster. Doch unter den Schlangen auf ihrem Haupt, unter den starren Augen und dem tödlichen Blick verbirgt sich etwas Tieferes: eine Geschichte von Gewalt, von Schweigen und von unterdrückter Macht. Sie ist ein Symbol für das, was geschieht, wenn Mädchen und Frauen ihre Stimme verlieren. Für das, was in uns allen versteinert ist, wenn Trauma nicht gesehen wird. Und für die Kraft, die entsteht, wenn wir beginnen, zurückzublicken.

Mich beeindruckt diese Form der Symbolsprache immer wieder sehr. Mythen sprechen in Bildern und Symbolen, die uns oft tiefer berühren als jede Erklärung. Eine Krankheit kann in dieser Sprache zu uns sprechen, wenn wir ihr zuhören.

Wenn deine Krankheit ein Mythos wäre, wovon würde er erzählen? Ich gebe dir einige Impulsfragen dazu:

  • Welche Figur taucht intuitiv auf, z.B. eine Heldin, eine Hexe, ein Wächter, ein Schattenwesen oder ein Tier?
  • Erinnert sie dich an ein Märchen oder an einen Mythos, den du kennst?
  • Welche Botschaft trägt diese Geschichte für dich und dein Leben?
  • Welche Verwandlung oder Wandlungskraft liegt darin verborgen?
  • Wenn du eine eigene Geschichte schreiben würdest, wie würde die Überschrift dazu lauten?
  • An welchem Ort spielt deine mythische Geschichte, vielleicht in einem Wald, einer Höhle, auf einem Meer oder in einer Stadt?
  • Welche Prüfung oder Aufgabe bringt sie der Hauptfigur?
  • Wer begleitet sie in diesem Mythos, wer steht als Helfer oder Verbündeter zur Seite?
  • Welche Gefühle tauchen auf, wenn du dich in diese Geschichte hineinversetzt?
  • Wie könnte die Geschichte enden, mit einer Rückkehr, einer Verwandlung, einer neuen Kraft?

Indem wir unsere Krankheit als Teil einer größeren Geschichte betrachten, können wir Zugang zu inneren Bildern finden, die heilsam wirken. So öffnet sich ein Raum, in dem Schmerz, Sinn und Wandlung zusammenfinden. Wenn wir Themen in der Kunst, in Geschichten sichtbar machen, können sie heilen.

Krankheit als Bild. Mit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln, 263 Seiten, 88 farbige Abbildungen

2. erweiterte Auflage

ISBN Print 978-3-99165-716-3

Softcover EUR 20,00;

Mehr Infos hier entlang

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumazentrierte Fachberaterin und Anwenderin Positive Psychologie. Sie ist auch Ausbilderin für Kunsttherapie und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe Krankheit als Bild wird gefördert vom Bezirksamt Harburg

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Die Farben deiner Krankheit https://www.tiefgang.net/die-farben-deiner-krankheit/ Fri, 16 May 2025 22:11:15 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11771 [...]]]> Farben berühren etwas in uns, das tiefer geht als Worte. Sie wirken ganz unmittelbar, auf den Körper, auf die Stimmung, auf das, was unter der Oberfläche liegt. Sie können uns zeigen, wie sich ein Zustand anfühlt. Schwer, flirrend, drückend oder leer. Heiß, kühl, matt oder schrill.

von Ulrike Hinrichs

Farben sind weit mehr als bloße Gestaltungselemente. Auf physiologischer Ebene beeinflussen sie unbewusst unsere Körperfunktionen. Blau etwa wirkt entspannend. Es senkt die Herzfrequenz und den Blutdruck und kann sogar muskuläre Spannungen reduzieren (Studie von 2006, Küller et al.). Blau wird oft mit dem Himmel, dem Meer und weiter Landschaft assoziiert, Reize, die Ruhe, Weite und Sicherheit vermitteln. Blau ist aber auch verbunden mit Kälte, Winter und Eis, was eher Taubheit und Lähmung symbolisiert.

Rot dagegen zieht Aufmerksamkeit stärker auf sich als andere Farben. Das liegt an seiner Signalfunktion (Blut, Feuer, Warnzeichen). Menschen assoziieren Rot oft mit Dominanz, Energie, Leidenschaft, Aggression und Wut.

Auf emotionaler Ebene entfalten Farben eine starke Kraft. Sie lösen Gefühle aus, oft ohne dass wir es merken. Schließlich tragen Farben auch eine symbolische Bedeutung, die stark von kulturellen Prägungen abhängt. Weiß steht im westlichen Raum oft für Reinheit und Neubeginn, während es in vielen asiatischen Ländern mit Trauer und Abschied verbunden ist. Farben sprechen unser Innerstes an, körperlich, seelisch und kulturell.

Wenn deine Krankheit eine Farbe hätte?

In meiner Gruppe Krankheit als Bild wandeln wir Krankheiten in Bilder, um ihnen ihre tiefere Botschaft zu entlocken. Manchmal flüstert die Krankheit uns etwas ins Ohr, manchmal schreit sie laut auf vor Schmerzen. Wie wäre es, wenn wir Farben auf unsere Krankheit übertragen? Im Ausdruck der Farben kann sich etwas zeigen, eine Spur, ein Gefühl, eine Wahrheit.

Wenn deine Krankheit eine Farbe hätte? Was würdest du antworten – ganz intuitiv, ohne lange zu überlegen? Wäre es ein kühles Blau, ein loderndes Rot, ein fahles Gelb? Oder vielleicht eine Farbe, die sich nicht benennen lässt, weil sie sich ständig verändert? Am besten ist, wenn du die Frage gleich mit Pinsel und Farbe beantwortest.

Rot, Blau, Gelb, Grün, Orange, Schwarz, was bedeuten die Farben für dich? Wie fühlt sich die Farbe an? Wie klingt sie? Welche Melodie spielt sie? Welche Form hat sie? Wie schmeckt und riecht sie?

Rot brennt vielleicht, macht Druck, drängt oder ruft nach Abgrenzung. Blau zieht sich möglicherweise eher zurück, schafft Distanz, Klarheit oder sucht Stille. Gelb flackert, überreizt oder bringt Energie. Grün tastet sich voran, sucht Gleichgewicht oder signalisiert Übergang. Orange will sich zeigen, will leben oder wird unterdrückt. Schwarz ist schwer, schützend, abschließend oder voller Tiefe und Magie.

Das im Beitrag dargestellte Bild aus meiner Gruppe Krankheit als Bild zeigt eine kreative Umsetzung des Symptoms „Bluthochdruck“ in Farben im Körper.

Für die Teilnehmerin war überraschend, dass sich ihr Körperbild in zwei Farben aufteilt, die sich sehr unterschiedlich anfühlen. Der Oberkörper in Rot deute für sie auf sehr viel feurige, fast aggressive Energie. Das passe zu ihrem Dauererregungszustand, so die Künstlerin. Etwas drücke von innen, das nach außen drängt. Die Beine in Blau erinnerten sie eher an Kälte, Lähmung und Leere.

Wie sieht deine Krankheit in Farbe aus?

Wenn du dich für weitere Praxisbeispiele mit Klient:innen-Feedback interessierst, dann findest du viele Ideen in meinem Buch Krankheit als Bild.

 Krankheit als Bild

Mit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln

263 Seiten, 88 farbige Abbildungen

2. erweiterte Auflage 2025

ISBN Print 978-3-99165-716-3

Softcover EUR 20,00

Mehr Infos hier entlang

 

 

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumazentrierte Fachberaterin und Anwenderin Positive Psychologie. Sie ist auch Ausbilderin für Kunsttherapie und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe Krankheit als Bild wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

 

 

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Wenn deine Krankheit ein Narr wäre? https://www.tiefgang.net/wenn-deine-krankheit-ein-narr-waere/ Fri, 25 Apr 2025 22:00:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11695 [...]]]> Manchmal zeigt sich das, was du nicht fühlen willst, über den Körper. Du ziehst dich zurück, betäubst dich innerlich, spürst vielleicht nur noch den Schmerz oder die ständige Erschöpfung. Doch was, wenn hinter deiner Krankheit Gefühle stecken, die keinen Raum bekommen haben?

von Ulrike Hinrichs

Stell dir vor, deine Krankheit ist kein Gegner, sondern ein Gefühl in Verkleidung. Um diese Verkleidung zu enttarnen, eignet sich besonders gut die Kunst als Ausdrucksform. In meiner Gruppe Krankheit als Bild wandeln wir Symptome in Bilder, um die verdeckte Botschaft der Krankheit besser zu verstehen. Die Teilnehmenden sind von ganz unterschiedlichen Krankheiten betroffen, etwa Multiple Sklerose, Endometriose oder Bluthochdruck. Gemeinsam ist allen, dass die langanhaltende Krankheit täglicher Alltagsbegleiter ist. Spielerisch und metaphorisch übersetzen wir in unserer Gruppe Krankheitsbelastungen in Bilder. Dazu arbeiten wir mit unterschiedlichen Impulsen.

Siehe dazu auch auf Tiefgang:

 Im Header ist ein Beispielbild zu einer chronischen Pilzinfektion der Zunge dargestellt. In diesem Praxisbeispiel haben wir uns die Frage gestellt:

Wenn deine Krankheit ein Narr wäre, wie würde er aussehen?

Der Narr oder die Närrin ist ein starkes archetypisches Symbol. Die Figur tanzt außerhalb der Ordnung. Sie lacht, wo andere schweigen. Sie stellt Fragen, wo alle Antworten längst festgezurrt scheinen. Im Narren wohnt etwas Wildes, Ungezähmtes – eine Weisheit, die sich nicht in Büchern finden lässt, sondern zwischen den Zeilen des Lebens. Der Narr oder die Närrin trägt die Maske der Torheit, doch dahinter verbirgt sich oft eine tiefe Verbindung zum Unsichtbaren, zum Transzendenten. Die Figur ist kein Clown zur Belustigung. Sie ist ein Spiegel. Einer, der dir zeigt, was du nicht sehen willst. Der das Absurde enthüllt, das Verborgene aufdeckt, so wie Till Eulenspiegel, der durch seine Streiche Wahrheiten entlarvte.

Vielleicht begegnet dir auch dein innerer Narr oder deine Närrin – dort, wo das Normale nicht mehr trägt. Wo Krankheit auftaucht. Wo du aus der Spur geraten bist.

Wie sieht dein Bild aus? Male ganz intuitiv und ohne Bewertung.

Du kannst dich nach dem Malen fragen:

  • Was sagt der Narr oder die Närrin, wenn ich einfach zuhöre – ohne zu bewerten oder zu unterbrechen?
    Versuche, seine oder ihre Stimme innerlich wahrzunehmen. Welche Worte fliegen dir durch den Kopf, was kommt dir in den Sinn?
  • Welche Gefühle weckt der Narr oder die Närrin in mir?
    Beobachte, ob Wut, Angst, Traurigkeit, Neugier oder etwas anderes aufsteigt.
  • Was will der Narr oder die Närrin mir zeigen, woran ich bisher vorbeigeschaut habe?
    Gibt es etwas in deinem Leben, das übersehen oder verdrängt wurde?
  • Welches Spiel spielt der Narr oder die Närrin mit mir? Was passiert, wenn ich nicht mehr mitspiele?
    Eine Frage, die zum Perspektivwechsel einlädt.
  • Wovor schützt mich der Narr oder die Närrin eigentlich?
    Auch eine Krankheit kann unbewusst vor etwas anderem bewahren.

Vielleicht liegt im Symbol des Narren genau die Wahrheit, die deine Heilung braucht. Und vielleicht flüstert dir dein Narr heute etwas zu, das nur du verstehen kannst. Manchmal beginnt Veränderung mit einem Gespräch – auch wenn es mit einem Narren ist.

 Wenn du dich für weitere Praxisbeispiele mit Klient:innen-Feedback interessierst, dann findest du viele Ideen in meinem Buch Krankheit als Bild.

Krankheit als Bild

Mit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln

263 Seiten, 88 farbige Abbildungen | erweiterte Auflage 2025

ISBN Print 978-3-99165-716-3

Softcover EUR 20,00

Mehr Infos hier entlang

 

 

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumazentrierte Fachberaterin und Anwenderin Positive Psychologie. Sie ist auch Ausbilderin für Kunsttherapie und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe Krankheit als Bild wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

 

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Die Weisheit des Körpers https://www.tiefgang.net/die-weisheit-des-koerpers/ Fri, 14 Mar 2025 23:16:51 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11587 [...]]]> Wir haben verlernt, die Sprache unseres Körpers zu verstehen. Wenn wir nicht hinhören, dann holt er seinen Lautsprecher heraus. Und dann kann es ungemütlich werden.

von Ulrike Hinrichs

Viele Menschen gehen permanent über ihre Grenzen. Unsere Leistungsgesellschaft kennt keine Pause. Von klein auf lernen wir, zu funktionieren, ohne Rücksicht auf uns und unseren Körper zu nehmen. Doch wenn wir seine Warnsignale ignorieren, zahlen wir einen hohen Preis.

Die Psychologin Stephanie Konkol beschreibt es in ihrem Buch Die tiefe Ruhe deiner kraftvollen Präsenz so: „je weiter wir uns von unserer eigenen Natur entfernen, umso mehr versucht der Körper uns Signale zu senden, um uns in den Körper zurückzuholen, uns mitzuteilen, welche Bedürfnisse erfüllt werden möchten und welche Glaubenssätze in Dissonanz mit unserem wahren Selbst stehen. Vielleicht sendet der Körper mir ein Gefühl von Hunger oder Unruhe, wenn er eine Pause wünscht. Vielleicht spüre ich auch im Magen ein leichtes Gefühl von Widerstand, wenn der eingeschlagene Weg nicht stimmig für meine Entfaltung ist. Diese ersten Körpersignale sind ganz subtile, feine Empfindungen. Wir haben uns jedoch antrainiert, diese Signale wegzudrücken und zu übergehen, um weiterhin vom Kopf gesteuert zu funktionieren: die Aufgaben planmäßig abzuarbeiten, die Karriere wie vorgestellt zu verfolgen oder eigenen Erwartungen zu entsprechen.“  

  • Wie kommen wir aus dem Kopf wieder mehr ins Gefühl?
  • Wie können wir die Zeichen unseres Körpers besser wahrnehmen und verstehen?
  • Was können wir tun, um einen ganzheitlichen Blick auf unsere Krankheit zu bekommen?

Unser Körper gibt uns Signale, die nicht immer leicht zu übersetzen sind. Mit der Kunst als Ausdrucksform können wir die symbolischen Botschaften des Körpers entschlüsseln. Kunst als Sprache und unsere Körpersprache sind wie Geschwister. Sie entspringen unserer intuitiven und fühlenden Seite. „Das Gehirn ist ein bildgebendes Organ“ sagt der Neurobiologe Gerald Hüther ins einem Buch Die Macht der inneren Bilder: Mit Visionen das Gehirn, den Menschen und die ganze Welt verändern. Unser Körper spricht mit seinen Symptomen in Bildern.

Das Symptom ist nicht das Problem, sondern der Weg zur Lösung.

In meiner Gruppe Krankheit als Bild im Quartierszentrum in Neugraben-Fischbek De Stuuv wandeln wir mit der Kunst als Ausdrucksform Körpersymptome in Bilder. Die Teilnehmenden haben oft eine lange Krankheitsgeschichte begleitetet von vielen Arztbesuchen und unklaren Diagnosen hinter sich. Sie sind von unterschiedlichen langanhaltenden Erkrankungen betroffen wie Long COVID, Bluthochdruck, Multiple Sklerose, Burnout oder Endometriose, um nur einige Beispiele zu nennen. Viele berichteten von Dauerstress.

Die Kunst ist eine Sprache, die in die Tiefe geht.

„Wenn deine Krankheit ein Tier wäre, wie würd es aussehen?“ könnte ein Malimpuls lauten. Durch eine metaphorische Transformation von Symptomen in Symbole können wir einen neuen und erweiterten Blick auf die Krankheit und ihre verschlüsselte Botschaft bekommen.

Im Header ist ein Beispiel einer Teilnehmerin aus der Gruppe Krankheit als Bild abgebildet. Der künstlerische Auftrag dazu lautete: „Wenn deine Krankheit ein Fisch wäre, wie würde er aussehen?“

Nach dem Malprozess reflektieren wir in der Gruppe die Werke durch freies Assoziieren. Kunst ist ein Werkzeug des wilden assoziativen Denkens. Einige Fragen könnten lauten:

  • Was kommt dir als Betrachter:in in den Sinn, wenn du auf das Bild schaust?
  • Welche Gefühle löst es in dir aus?
  • Wie könnte eine Überschrift für das Kunstwerk lauten?

Assoziieren ist etwas anderes als interpretieren. Bei der Assoziation geht es um die ganz persönlichen Eindrücke, die jemand hat, wenn er ein Bild betrachtet. Es sind Ich-Botschaften wie etwa diese: „Wenn ich auf das Fischbild schaue, dann fühle ich Kraft und Präsenz“. Bei der Interpretation dagegen deutet jemand etwas in das Bild bzw. die Künstler:in hinein. Durch die Assoziationen bekommt die jeweilige Künstler:in bestenfalls Ideen, welche Themen sich hinter der Symptomatik verbergen.

Wenn du dich für ausführlich beschriebene Praxisbeispiele mit Klient:innen-Feedback interessierst, dann findest du viele Beispiele in meinem Buch Krankheit als Bild. Als Appetitmacher verweise ich auch gern auf weitere Artikel unter www.krankheit-als-bild.de und du kannst auch auf Tiefgang stöbern:

Krankheit als Bild – Mit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln

263 Seiten, 88 farbige Abbildungen

2. erweiterte Auflage

ISBN Print 978-3-99165-716-3

Softcover EUR 20,00;

Mehr Infos hier entlang

 

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumazentrierte Fachberaterin und Anwenderin Positive Psychologie. Sie ist auch Ausbilderin für Kunsttherapie und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.ulrikehinrichs.com

Die Gruppe Krankheit als Bild wird gefördert vom Bezirksamt Harburg

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Eine Krawallschachtel für Frauen https://www.tiefgang.net/eine-krawallschachtel-fuer-frauen/ Fri, 11 Oct 2024 22:26:17 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11254 [...]]]> Viele Frauen erfahren im Laufe ihres Lebens psychische oder körperliche Gewalt. In meiner Gruppe für Frauen mit Gewalterfahrung nutzen wir die Kunst als Ausdrucksform, um dem schambesetzten Thema zu begegnen.

von Ulrike Hinrichs

Gewalterfahrungen führen zu Sprachlosigkeit, Ohmachtgefühlen, Hilflosigkeit und Selbstzweifeln. Der erste Schritt besteht darin, einem gewalttätigen Umfeld zu entgehen. Danach muss die traumatische Erfahrung verarbeitet werden. Für von Gewalt betroffene Frauen ist der Umgang mit den eignen Grenzen besonders schwierig. Das gleiche gilt für die Selbstfürsorge. Denn Betroffene mussten in einem gewalttätigen Umfeld möglichst unauffällig und leise sein, um weiterer Aggression zu entgehen. Als Kind kann physische und psychische Gewalt lebensbedrohlich sein. Das gilt aber auch für erwachsene Frauen. Die Zahlen der Femizide sind weiterhin sehr hoch. Gewalt ist tödlich.

Wie können wir destruktiver Gewalt mit Kreativität begegnen? In der vom Bezirksamt Harburg geförderten Gruppe „Mit Bild- und Wortnotizen gegen Gewalt“ tauschen wir uns über den künstlerischen Ausdruck in einem geschützten Rahmen aus.

Wir haben uns im hier dargestellten Praxisbeispiel eine Krawallschachtel gestaltet, die auf die Idee der archetypischen Symbole nach C. G. Jung zurückgeht. Der Schüler von Sigmund Freud verstand die Archetypen als universellen Abdruck der Grundstrukturen menschlicher Vorstellungs- und Handlungsmuster. Die Archetypen zeigen sich in Urbildern, die über die ganze Menschheitsgeschichte Gültigkeit haben. Diese metaphorische Bildsprache funktioniert anders als unsere analytische Wortsprache. Metaphorische Bilder fördern eine intuitive Problemlösung und eine archetypische Ordnungsbildung. Die Künstlerin Cabra Skadé bezeichnet die Kunst auch als unsere Muttersprache.

Wie können wir uns dieses theoretische Konstrukt der Archetypen in der Praxis nutzbar machen? Eines der Archetypen nach C.G. Jung ist „Der Narr“. Der Narr steht für den Anfang einer Reise, der Start in ein neues Abenteuer. Mit dem Narr können wir Grenzen überwinden, Mauern sprengen und alte Glaubenssätze über Bord werfen. Der Narr ist eine Figur, die uns aus allen Kulturen bekannt ist. Insbesondere vom 16. bis 18. Jahrhundert hielten sich Könige und Königinnen einen Hofnarren, der sie unterhielt. Hofnarren hatten die Freiheit auch solche Dinge zu sagen, für die andere geköpft wurden. Sie standen außerhalb der Regeln und Gesetze. Es gibt zahlreiche Geschichten über Narren. Hierzulande kennen wir Till Eulenspiegel, der den Menschen neckisch den Spiegel vorhält. Nasreddîn Hoca, der Eulenspiegel aus Anatolien, ist als Volksweiser in der arabischen Welt bekannt. In allen Ländern gibt es solche großen Geschichten, die wie kulturelle Gene von Generation zu Generation vererbet werden. Im Tarot steht der Narr am Anfang der Reise unserer Entwicklung. In Spielkarten ist es der Joker, dort wird er als die „wilde Karte“ eingesetzt, als Glückskarte. Der Narr ist geschützt durch seine Unschuld, schreitet intuitiv und instinktiv voran. Zu viel Nachdenken und Analysieren ist nichts für ihn. Der Narr ist der Springer zwischen den Welten, Regeln interessieren ihn nicht. Er wandert sorglos durch die Leichtigkeit des Seins. Der Narr zeichnet sich durch Kompetenz und Flexibilität im Umgang mit Überraschungen aus.

In meiner Gruppe für Frauen mit Gewalterfahrungen haben wir uns für die innere Närrin eine Schachtel gestaltet. Diese Krawallschachtel beheimatet Widerstand, die Kraft Grenzen zu setzen und auch gegen den Strom zu schwimmen. Die innere Närrin kann aus der Reihe tanzen, Muster verändern, laut sein, Spaß haben, den Spiegel vorhalten und vieles mehr. Gerade Frauen wird Widerstand, Wut, Revolte und Lautstärke weniger zugestanden als Männern.

Sich mit der inneren Närrin zu beschäftigen und diese zu symbolisieren, stärkt die eigenen Ressourcen. Wie sieht deine Krawallschachtel aus? Das Bild zeigt drei Beispiele einer Krawallschachtel.

Mehr Praxisbeispiele für dein Wohlbefinden und Selbstmitgefühl findest du in meinem Buch Gymnastik für die Seele

Ulrike Hinrichs

Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2

Buschmiede – Happy Balance

20,00 EUR

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

 

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschlägers

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A), Anwenderin Positive Psychologie und Autorin www.lösungskunst.com

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Was können wir von den Jahreszeiten lernen? https://www.tiefgang.net/was-koennen-wir-von-den-jahreszeiten-lernen/ Fri, 06 Sep 2024 22:45:53 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11122 [...]]]> Jede Jahreszeit hat ihre besondere Zeitqualität. Was können wir von der Natur im Hinblick auf unseren Umgang mit der Krankheit lernen, haben wir uns in unserer Gruppe Krankheit als Bild gefragt.

von Ulrike Hinrichs

In meiner Gruppe Krankheit als Bild im Quartiershaus „De Stuuv“ in Neugraben-Fischbek wandeln wir Krankheitssymptome in metaphorische Bilder, um einen erweiterten Blick auf die Krankheit zu bekommen. Die Teilnehmenden sind von ganz unterschiedlichen langanhaltenden Erkrankungen betroffen, wie Long COVID, Multiple Sklerose, Rosacea, Depression mit somatischen Beschwerden, Bluthochdruck oder Endometriose, um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Betroffenen habe oft eine lange Krankheitsgeschichte begleitetet von vielen Arztbesuchen und unklaren Diagnosen hinter sich. In unserer Gruppe aktivieren wir mit Kreativität den „inneren Heiler“, jene Kraft in uns, die für die Selbstheilungskräfte steht. Stress ist eines der Begleitsymptome bei lang anhaltenden Krankheiten. Chronischer Stress ist einer der Hauptfaktoren, welcher zu Krankheiten führen bzw. die Heilung erschweren kann. Die Stresshormone Adrenalin und Cortisol greifen in den Hirnstoffwechsel ein und verhindern die Ausschüttung heilungsfördernder Botenstoffe, so dass die Abwehrkräfte versagen. Im kreativen Schaffen reduzieren wir automatisch Stress. Das Halten des Pinsels, das Eintauchen ins Wasser, das Malen mit Farben, wir verweilen im Moment und sind schöpferisch und kreativ.  Bestenfalls kommen wir in einen Flow.

Die künstlerische Auseinandersetzung mit Krankheiten ermöglicht uns zudem, dass wir uns auf einer fühlenden und intuitiven Ebene mit belastenden Themen beschäftigen.

Wenn wir uns also fragen, was wir von der aktuellen Jahreszeit lernen können, was wäre das? Und wie möchte ich das künstlerisch umsetzen? Der Hochsommer geht zu Ende, der Herbst steht vor der Tür. Die Tage werden kürzer, es wird abends früher dunkel. Die Ernte steht an und die Tierwelt legt Vorräte für den Winter an. Die Welt zieht sich wieder ein wenig mehr zurück. Während im Frühjahr und Sommer der Rhythmus der Natur nach außen strebt, geht es nun im Herbst wieder mehr nach Innen.

Das Bild im Header entstand zu dieser Fragestellung in unserer Gruppe Krankheit als Bild. Die Teilnehmerin dachte dabei an die Melancholie, die sie in der jetzigen Jahreszeit empfinde. Einerseits trage der nahende Herbst eine unglaubliche Schönheit in sich, andererseits spüre man den beginnenden Abschied. Das Zurückziehen und Innehalten, wie es jetzt auch die Natur vorlebt, wolle sie für sich und ihren Umgang mit der Krankheit als Impuls mitnehmen. Wie gehe ich mit mir um? Darf ich mir Ruhepausen gönnen? Wie kann ich den inneren Antreiber zur Ruhe kommen lassen? Damit wolle sie sich wieder mehr beschäftigen.

Siehe dazu auch: Krankheit als Narrativ, Pinsel statt Pille und Einhornmedizin.

Mehr Praxisbeispiel zur Selbstanwendung findest du in meinem Buch:

 Krankheit als Bild

Mit Pinsel und Farbe die Botschaft deiner Krankheit entschlüsseln

254 Seiten, 88 farbige Abbildungen; ISBN 9783756890156

Preis: EUR 26,90; ebook: 16,99

bestellen: hier entlang

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A.), Heilpraktikerin für Psychotherapie, Traumazentrierte Fachberaterin und Anwenderin Positive Psychologie. Sie ist auch Ausbilderin für Kunsttherapie und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.lösungskunst.com

Die Gruppe wird gefördert vom Bezirksamt Harburg.

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