Ulrike Hinrichs – Kunst als Sprache der Intuition https://www.tiefgang.net Fri, 02 Feb 2024 15:11:55 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Selbstmitgefühl: Ich will Schokolade https://www.tiefgang.net/selbstmitgefuehl-ich-will-schokolade/ Fri, 02 Feb 2024 23:07:54 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10544 [...]]]> Selbstmitgefühl ist ein Lebensprojekt, eine innere Haltung und eine dauerhafte Herausforderung. Was kannst du für dich tun, damit Selbstmitgefühl ein alltäglicher Bestanteil deines Lebens wird?

von Ulrike Hinrichs

Schokolade macht glücklich. Ein Grund sind die Inhaltsstoffe des Kakaos, vor allem die Aminosäure Tryptophan, durch die der Körper das Glückshormon Serotonin ausbildet. Die stimmungsaufhellende Wirkung finden wir daher besonders in der bitteren schwarzen Schokolade. Mit dem Selbstmitgefühl verhält es sich ähnlich. Du musst dich in deiner inneren Dunkelheit gut auskennen, um die fürsorgliche und wohltuende Wirkung des Selbstmitgefühls zu erwecken. Wenn du alte Muster verlassen willst, gilt es überholte Glaubenssätze aufzustöbern und über Bord zu werfen. Vor allem aber werden sich die Dämonen und Untoten aus deiner Schattenwelt melden. Mit ihnen wirst du Frieden schließen müssen.

Selbstmitgefühl ist der Generalschlüssel zu deinem inneren Gefängnis.

Mit Selbstmitgefühl kannst du dein inneres Gefängnis öffnen. Selbstmitgefühl verhilft dir zu einem gesunden und erfüllten Leben. Aber was so einfach klingt, ist für viele von uns schwer. Selbstmitgefühl bedeutet nämlich, dass du bereit bist dich mit all deinen Macken, deinen dunklen Seiten, deinen Leiden und den belastenden Erfahrungen, deiner Ursprungsfamilie, deinem Körper, deiner Lebenssituation, deinen Rollen und Erwartungen anzunehmen. Das ist der Preis den du zahlst, wenn du mitfühlend mit dir bist. Alles bleibt bei dir, nichts davon kannst du ablegen, abgeben oder loswerden. Je mehr du für dich sorgst, desto mehr Leute werden dich nicht mögen. Denn du wirst es nicht mehr allen rechtmachen können. Du wirst nein sagen und Grenzen setzen müssen.

Mehr dazu in meinem Artikel auf Tiefgang Nicht jeder muss dich mögen.

Viele von uns sind nicht mit einem gesunden Urvertrauen ausgestattet worden. Viele haben Gewalt und Vernachlässigung erfahren, sind abgewertet und bewertet worden, haben keine soziale und emotionale Verbundenheit gespürt und waren schon als Kinder völlig verängstigt und einsam. Uns prägt zeitlebens eine existenzielle Urangst. Das Schattenheer der Kritiker und Saboteure, das der Selbstfürsorge im Weg steht, ist bei schwerverletzten Seelen besonders hochgerüstet. Immer wieder wird von den destruktiven inneren Anteilen die Selbstfürsorge boykottiert. Sie schießen mit verbalen Kanonenkugeln auf dich. Diese Stimmen wirst du nicht los. Du kannst diesen Quälgeistern nur mit Mitgefühl und Nächstenliebe begegnen. Und du kannst deine fürsorglichen und liebevollen Stimmen verstärken. Sie sind deine Verbündeten auf dem Weg zu mehr Selbstmitgefühl. Lass sie laut werden, gib ihnen ein Mikrofon, eine Trommel oder eine Sirene. Damit können sie sich bemerkbar machen.

Kunst ist kosmische Kommunikation!

In meinem Buch Gymnastik für die Seele: Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl findest du Übungsanleitungen, mit denen du dich im Selbstmitgefühl üben kannst. Dabei halte ich viele Praxisübungen für dich bereit, mit denen du dich und deine inneren unterstützenden Anteile stärken kannst. Wusstest du, dass du dir beispielweise eine innere Psychotherapeutin erschaffen kannst, die du in die Hosentasche stecken und bei seelischer Not befragen kannst? Ebenso könntest du dir eine innere Kriegerin kreieren, die dich dabei unterstützt, Grenzen zu setzen ohne zu verletzen. Und dein innerer Heiler hilft dir, deine Selbstheilungskräfte zu erwecken. Das sind nur einige Beispiele von insgesamt 50 Praxisübungen.

Die Kunst als Ausdrucksform ist eine wunderbare Übungsplattform, um zu dir selbst zu reisen. Du kannst rumkleckern, vermeintliche Fehler machen oder am besten absichtlich welche einbauen, du kannst dich ausdrücken so wie du es willst, kannst zeigen was in dir steckt. Ich gebe dir Impulse, wie du deine Kraftquellen stärkst, dich aus der Opferrolle befreist und dich annimmst wie du bist. Bilder sind ein Weg, über den die Seele mit dir kommuniziert.

Über Bilder haben wir Zugang zu einem größeren, verborgenen Wissen.

Im schöpferischen Prozess des Malens tauchen wir ein in eine magische Dimension. Es ist das Wissen unseres Unbewussten, das mit allem vernetzt ist. Metaphorische Bilder gehören zu einer anderen Ordnung als unsere rationale Sprache. Sie fördern eine intuitive Herangehensweise und eine archetypische Ordnungsbildung, wie der berühmte Psychiater C.G Jung es beschreibt. Die Sprache der Symbole entzieht sich der kritischen rationalen Analyse, da sie intuitive Erkenntnisse aufzeigt. Kunst ist kosmische Kommunikation.

Mehr dazu in meinem Buch „Gymnastik für die Seele“.

 

Ulrike Hinrichs ist Gesprächstherapeutin, Kunsttherapeutin (M.A) und Autorin zahlreicher Sachbücher. www.lösungskunst.com

Ulrike Hinrichs

Gymnastik für die Seele

Mit Pinsel und Farbe zu mehr Selbstmitgefühl

ISBN 978-3-99165-010-2

Buschmiede – Happy Balance

20,00 EUR

Mit 50 Praxisübungen und 73 farbigen Abbildungen

Das Cover-Bild stammt von der Harburger Künstlerin Yvonne Lautenschläger

]]>
Kunst, Natur und Gesundheit https://www.tiefgang.net/kunst-natur-und-gesundheit/ Fri, 20 Dec 2019 23:43:42 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6173 [...]]]> Faulenzen, Tagträumen und Nichtstun sind keine Tugenden. Dabei täten wir vermutlich gut daran. 

Ein Gastbeitrag von Ulrike Hinrichs

Was haben Kunst und Natur miteinander zu tun? Sie helfen uns gesund zu bleiben und unterstützen sogar Heilungsprozesse. Ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation bestätigte jüngst „Kunst macht gesünder“.

Einige Länder beschäftigen sich sogar schon damit, Kunst auf Rezept zu verschreiben, bestätigen die Autoren der Studie. Und der österreichische Biologe Clemens Arvay konstatiert in einem Beitrag des NDR zum Thema Wissenswertes rund um die Heilkraft des Waldes (10.08.2018): „Der Wald hilft uns gegen Depressionen, gegen psychische Stressbelastungen und Burnout. Aber er stärkt auch unser Immunsystem, kann uns vor ernsthaften chronischen Krankheiten schützen und sogar vor Herzinfarkt.“ Auch in anderen Kultur wird die Kraft des Waldes zur Prävention betont, in Japan etwa gibt es das so genannte „Shinrin-yoku“ (Waldbaden) als Teil der Gesundheitsvorsorge.

In der Natur fühlen wir uns verbunden, haben das Gefühl, dass alles am richtigen Platz ist und einen Sinn ergibt. In der Natur können wir einfach nur sein, ohne etwas leisten zu müssen. Wir lassen uns treiben, beobachten die Umgebung, genießen den Moment. Das entspricht unserem ursprünglichen Daseinszustand. Wir kommen nicht auf die Welt, um dafür mit irgendeiner persönlichen Leistung zu bezahlen. Dennoch lernen wir in unserer Gesellschaft von Kindesbeinen auf, dass Leistung, Anerkennung und Status zählt, nicht das bloße Dasein. Von innen mag dann ein Hamsterrad wie eine Karriereleiter aussehen. Faulenzen, Tagträumen und Nichtstun sind jedenfalls keine Tugenden. Alles was wir tun wird bewertet und kategorisiert. Nun gibt es gegen Leistung nicht per se etwas einzuwenden. Aber es fehlt uns oft die Balance.

Hier kann die Natur ein Vorbild für uns sein. Während sie im Frühjahr und Sommer hoch aktiv ist, ruht Flora und Fauna im Herbst und Winter. Es ist ein immer wiederkehrendes Werden und Vergehen mit unterschiedlichen Rhythmen und Zyklen im Kreislauf der Welt. Nur unsere Hochleistungsgesellschaft setzt auf permanentes individuelles wie kollektives Wachstum.

Phasen der Ruhe und des Nichtstuns helfen uns, zu unserem inneren Rhythmus zu finden. Wir können eine Art inneren Kompass entdecken, der uns zeigt, was gerade ansteht im Leben, was es zu tun oder eben auch gerade nicht zu tun gibt. Erst in den Phasen der Ruhe kann sich etwas entfalten und Neues entstehen.

Der künstlerische Ausdruck kann diese intuitiven Prozesse unterstützen. Ich verstehe die Kunst als eine Sprache der Intuition (siehe dazu auch „Mit der Kunst die Intuition einfangen“). Die Kunst dient der Intuition als eine Sehhilfe. Sie bringt Inneres nach außen und manifestiert es in einem Kunstwerk.

Durch Resonanz gehen wir in Kontakt mit Anliegen, Wünschen und Themen, die gesehen werden wollen. Durch das absichtslose und bewertungsfreie künstlerische Schaffen nehmen wir auch Kontakt zum „inneren Heiler“ auf, jener Instanz, die Selbstheilungskräfte mobilisiert. Wir können dieses Leitsystem auch Intuition oder intuitive Führung nennen. Der Mediziner und Psychotherapeut Dr. Hans Hein, der das Vorwort zu meinem Buch „Kunst als Sprache der Intuition“ geschrieben hat, konstatiert, dass der innere Heiler so etwas wie ein eingebauter Resonanzdetektor sei, der sensibel auf die Wahrnehmung von körperlichen, emotionalen und seelischen Unstimmigkeiten ausgerichtet sei.

Die Intuition „spricht“ in Bildern, Mythen, Geschichten und Symbolen. Der intuitive Ausdruck ist daher für die Ratio nicht immer leicht zu verstehen. Denn die heute immer noch vorherrschende rationale (wissenschaftliche) Herangehensweise nutzt das Analysieren, Auswerten und das Zerlegen der Bestandteile in ihre Einzelteile, um Lösungen zu finden. Das intuitive, fühlende Denken dagegen folgt dem bildhaften Ausdruck, nutzt das Zusammenfügen, Vernetzen und überblickt das größere Ganze. Bestenfalls wirken beide menschlichen Fähigkeiten, die sich auch in unserer rechten und linken Hirnhälfte widerspiegeln, zusammen.

Hein konstatiert zum inneren Heiler in meinem Buch „Kunst als Sprache der Intuition“ (S. 74): „Der physiologische Hintergrund dieser Fähigkeit speist sich aus all den Anteilen in unserem Nervensystem, die mit dem evolutionären und archaischen Urwissen unserer Körperinformation verbunden sind. Die Kunst ist es genau das wahrnehmbar und zugänglich zu machen. Der Zugang gelingt über das Training der Intuition und die Übersetzung der inneren Wahrnehmungen in Bilder von Gestalten, die sehr oft mythischen Charakter haben, also eine Verbindung zum kollektiven Unbewussten herstellen. Mittlerweile gibt es eine wissenschaftliche Betrachtung von zwei Grundformen des Denkens, das schnelle und das langsame. Das schnelle entspricht der intuitiven holografischen instantanen Wahrnehmung, das langsame eher der dem logisch sequenziellen. Der innere Heiler ist eine Funktion der instantanen Wahrnehmung der individuellen Realitäten mit der Chance die verzerrenden und krankmachenden Schwingungsmuster zu identifizieren und zu verändern.“

Wir können die oft etwas verkümmerte, intuitive Seite in uns schulen. Dabei dürfen wir uns auch künstlerisch von der Natur inspirieren lassen und sie als Vorbild nehmen. Immer wieder höre ich in meinen Kreativgruppen mit Kindern, Senioren, Frauen, Geflüchteten „ich kann das nicht, ich kann nicht malen“. Die Kreise wollen zirkelrund gezeichnet werden, die Striche mit dem Lineal.

Immer wieder verweise ich dann auf die Natur, auf das Lebendige, dass wunderschöne fraktale Muster zeichnet, Blätter, Blüten, Bäume. Die Muster ähneln sich, sind aber nie identisch. Nichts in der Natur ist mit dem Zirkel oder Lineal gezogen. Die Schönheit entsteht durch die Unvollkommenheit. Perfektionismus behindert Kreativität und die Intuition (siehe dazu auch meinen Beitrag „Perfektionismus ist der Todfeind der Intuition“).

Ab Februar 2020 wird es mit mir als Kursleiterin im Kulturhaus Süderelbe auch einen Kurs „Kunst als Sprache der Intuition“ geben.

Gern können wir über das Thema auch im Rahmen des Kunstsalon am 19.1.2020, 14.00 bis 16.00 Uhr in der Kunstleihe Harburg sprechen. Ich freue mich über meine Einladung als Künstlerin, die Moderation führt Petra Hagedorn.

 Weiterführende Literatur:

  • Hinrichs, Ulrike (2019). Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen Synergia-Verlag, ISBN 9783906873824
  • Sheldrake, Rupert (2010). Das schöpferische Universum. Die Theorie der morphogenetischen Felder und der morphischen Resonanz.

]]>
Perfektionismus ist der Todfeind der Intuition https://www.tiefgang.net/perfektionismus-ist-der-todfeind-der-intuition/ Fri, 18 Oct 2019 22:21:46 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5943 [...]]]> Lange wurde die Intuition belächelt, Frauenkram, eine Laune der Natur. Mittlerweile hat das Thema auch im Business Einzug gehalten, intuitive Führung steht hoch im Kurs.

ein Gastbeitrag von Ulrike Hinrich

Aber was genau ist eigentlich Intuition? Definitionsversuche für die Intuition gibt es viele, wie etwa von der amerikanische Soziobiologin Rebecca Costa, die für solche spontanen Erkenntnisse folgende Charakteristika gefunden hat: die Intuition taucht plötzlich auf, oft nach einer Phase des Stillstandes oder dem Gefühl festzustecken, sie kann gedanklich oft nicht nachvollzogen werden, ist aber mit dem sicheren Gefühl verbunden, dass die Erkenntnis richtig ist. Das wollte ich aber noch genauer wissen. Denn die Intuition – so meine These – ist eine feine Wahrnehmungsform, die wir alle als Grundausstattung mitbekommen haben.

Mit der Intuition können wir in komplexen Situationen, die mit der Ratio nicht zu bewältigen sind, zu sicheren Lösungen finden. Die Soforterfassung unserer Welt über die Intuition ist extrem schnell. Der Verstand hinkt hinterher und kann die Intuition intuitiven Erkenntnisse oft gar nicht nachvollziehen. Denken und Rationalität sind eher Bummelbahnen, die auf den Schienen schon angebahnter Intuitionen fahren. Wir können unsere Intuition schulen und verfeinern. Dazu müssen wir sie aber zu allererst ernst nehmen.

U. Hinrichs – zu viel Denken

Man kann 4 Grundformen der Intuition unterscheiden:

1) Das Bauchgefühl

Diese subtilen Empfindungen lassen sich tatsächlich im Bauchbereich lokalisieren. Dort ist der Solarplexus, das Sonnengeflecht, als ein riesiges Gitternetz mit dem vegetativen Nervensystem verbunden. Es ist ein Energiezentrum, das am engsten mit der Kreativität und den Emotionen verbunden ist.

2) Die innere Stimme 

Diese Stimme hört zwischen den Worten und Sätzen die eigentlichen Bedeutungen des Gesagten heraus. Sie zeigt sich aber auch über Klänge, Lieder, Gedichte, Geschichten, Wortimpulse etc, die uns plötzlich in den Sinn kommen und Einsichten im aktuellen Lebenskontext vermitteln.

3) Innere Bilder 

Vor dem inneren Auge erscheinen zum Beispiel ein abstraktes Bild oder auch ein Symbol, das Sinn im Zusammenhang mit unserer Problemsituation ergibt. Auch in Träumen können sich intuitive Erkenntnisse andeuten. Wir können auch mit real existierenden Dingen im Außen intuitiv in Resonanz gehen. Der Baum am Wegesrand erinnert uns an etwas. Solche Beobachtungen können ebenfalls zu aktuellen Thema eine intuitive Botschaft vermitteln.

4) Das innere Wissen

Auch Geistesblitze tauchen unverhofft und wie aus dem Nichts auf. Dieses eher fühlende Wissen kann rational nicht begründet werden, man weiß aber, dass es richtig ist.

Die Intuition können wir fördern, indem wir die fühlende Seite in uns aktivieren.

Empathie und Fehlertoleranz anderen und uns selbst gegenüber, sind ebenso gefragt wie Spielen und Kreativität. Wer das ohnehin unmögliche Ziel verfolgt, perfekt sein zu wollen, muss Fehler vermeiden. Nur wer sich ins Unbekannte wagt, sich für Neues öffnet, Fehlertoleranz zulässt, der vertraut auch seiner Intuition.

Ulrike Hinrichs – Spielen

 

Künstlerische Prozesse fördern die Intuition. Die Kunst ist eine Sehhilfe, die die Intuition manifestiert. Dabei geht es um die Kunst als Ausdrucksform jenseits von gesellschaftlichen Bewertungskriterien. Die Intuition spricht in Bildern, Symbolen und Geschichten, das verträgt sich gut mit künstlerischen Prozessen.

Mehr Infos zum Thema auf ´Tiefgang`:  „Mit der Kunst die Intuition einfangen“ und in meinem Fachbuch

Ulrike Hinrichs, Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen, SynergiaVerlag, ISBN: 9783906873824, Preis: 22,90 €

 

]]>
Synergieeffekte https://www.tiefgang.net/synergieeffekte/ Fri, 13 Sep 2019 22:42:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5761 [...]]]> Kürzlich erlebte ich ein bemerkenswert schönes Zusammenspiel auf verschiedenen Ebenen. Alles greift ineinander und fügt sich zu einem Erlebnis der besonderen Art zusammen.

Zum einen ist da die Kunstleihe, für die ich schwärme und mich stark mache, weil sie eindrucksvoll eine eigene Dynamik entwickelt und das Bewusstsein verändert. Die Möglichkeit, sich unglaublich kostengünstig Kunstwerke auszuleihen und in den eigenen vier Wänden wirken zu lassen, ist eine Einladung an alle Menschen, einen persönlichen Zugang zu etwas unsagbar Kostbarem zu finden: Inspiration. Auf der zweiten Ebene kommen Bilder ins Spiel, für die ich mich begeistere und in die ich quasi mit allen Sinnen eintauche. Und schließlich beschäftige ich mich mit dem Fachbuch von Ulrike Hinrichs „Kunst als Sprache der Intuition“.

In der Kunstleihe komme ich sowohl mit Künstlern und ihren Werken als auch mit Betrachtern ins Gespräch und finde das anregend und bereichernd. Obwohl ich schon immer „kunstaffin“ und auch kreativ war, kann ich durch den Kontakt an mir selbst verstärkt Veränderung beobachten. Die Kunst hat einen Rückkopplungseffekt. Ich reagiere auf das Energiefeld und bin gleichzeitig Mitwirkende des sich weitenden Bewusstseins. Das mag etwas komisch klingen, doch tatsächlich steckt darin für mich die elementare Erkenntnis, dass wir Teil einer fulminanten Schöpfung sind, gleichermaßen Gestalter und Betrachter in einem universellen Meisterwerk. Die Welt trifft auf unseren Resonanzkörper. Er liebt es, sich einzuschwingen und lässt uns aufleben, wenn wir die richtige Frequenz für uns gefunden haben. Elias Canetti behauptete, ein Werk brauche die Erfahrung des Betrachters, um zum Leben erweckt zu werden. Das bedeutet, dass ein Werk schweigt oder wir vielleicht nur ein dissonantes Rauschen wahrnehmen, wenn wir nicht auf gleicher Wellenlänge sind. Wissenschaft und Technik sind ohne Frage faszinierend, aber vermögen sie uns wirklich zu bewegen und in Harmonie bringen mit einer größeren Ordnung natürlichen Ursprungs? Sind es nicht vielmehr Berührungen und andere Sinneswahrnehmungen, die uns ein Gespür für den göttlichen Funken vermitteln, der in allem schlummert?

Das Denken scheint dafür weniger geeignet als Musik und Tanz, Poesie und bildende Künste. In einem Bild von Anne Beecken sehe ich eben jene Verschmelzung aller Ebenen, die mich selbst erfasst. Ich verliere mich in der Betrachtung und finde mich zugleich wieder. Mein holografisches Ich ist berührt und zutiefst verbunden mit den weichen Wellen. In dieser Bewegung komme ich ganz und gar zur Ruhe. Und in der Ruhe liegt die Kraft. Ich fühlte mich unwiderstehlich angezogen von dem Bild. Mein Verstand ist bemüht, Erklärungen nachzuliefern, was ein anderer Teil von mir unmittelbar „wusste“, weil es spürbar war. Die Ahnung ist schneller und umfasst mehr Sinneswahrnehmung, als wir bewusst gewahr werden.

„Das Wissen ist nicht im Gehirn, sondern das Gehirn im Wissen.“ (Hans Hein)

Ist es müßig, diese Vorgänge in Worten fassen zu wollen? Vielleicht, aber trotzdem ist es mir ein echtes Anliegen, und ich hoffe, dass man meinen Gedanken folgen kann. Die erwähnte Anziehungskraft ist am ehesten vergleichbar mit Sichverlieben.

Man kann sich nicht aussuchen, bei wem oder was der Funken überspringt. Zwar mag man rationale Gründe haben, sich für diesen oder jenen Partner zu entscheiden, aber eine solche Allianz ist nicht vergleichbar mit dem überwältigenden Gefühl von Liebe. Auch dafür ließen sich Erklärungen finden, biochemische Prozesse etc., damit das Kind einen Namen bekommt. Aber was wir fühlen ist: Der/ die/ das ist das Richtige für uns, hier und jetzt.

Nicht umsonst ist das Thema Liebe eines der meist besungenen, besprochenen gemalten und dargestellten. Es ist das stärkste Motiv des Lebens, denn es öffnet Kanäle und macht uns empfänglich für eine unfassbare Energie.

Wenn wir lieben, überspringen wir den Zwischenraum und stehen auf der Brücke, die in eine Welt voller Zauber und Magie führt.

Künstler folgen ihrer Intuition und gestalten, was ihnen in den sechsten Sinn kommt. Sie sind Medium, Diener einer Eingebung und Vermittler einer rätselhaften Kraft.

Sie wissen selber nicht, was bei ihren Werken herauskommt, sondern lassen sich „nur“ ein auf einen selbstbildenden Prozess. Das macht sie in gewisser Weise ebenso zum neugierigen Betrachter. Doch durch ihre ausgelebte Kreativität geben sie dem Wunder Gestalt und anderen Menschen die Möglichkeit, für sich selbst etwas in der jeweiligen Ausdrucksform zu erkennen und weiter zu transformieren.

Die Kunst knüpft Kontakte.

 

]]>