Unesco – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Wed, 09 Feb 2022 11:01:02 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Kunst und Kultur in Gefahr! https://www.tiefgang.net/kunst-und-kultur-in-gefahr/ Fri, 11 Feb 2022 23:53:19 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8759 [...]]]> Allein 2020 fielen rund 10 Millionen Arbeitsplätze in der Kultur- und Kreativwirtschaft der Pandemie zum Opfer. Dies geht aus einem Bericht „Re|Shaping policies for creativity“ der UNESCO hervor, der am vergangenen Dienstag veröffentlicht wurde.

Darin analysiert die UNESCO die globalen kulturpolitischen Trends der letzten Jahre. In ihrem vorgelegten Weltbericht zur Kulturpolitik mahnt die UNESCO Veränderungen an, um die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen besser zu schützen. Die Auswirkungen der Corona-Krise hätten Kunst und Kultur stark zugesetzt. Schätzungen der UN-Organisation zufolge fielen allein 2020 rund 10 Millionen Arbeitsplätze in der Kultur- und Kreativwirtschaft der Pandemie zum Opfer. Der Bericht „Re|Shaping policies for creativity“ analysiert die globalen kulturpolitischen Trends der letzten Jahre.

Pandemie verschärft prekäre Arbeitsbedingungen

Laut der UNESCO-Studie wurden die öffentlichen Ausgaben für Kunst und Kultur bereits vor der Pandemie in vielen Ländern der Welt zurückgefahren. In der Krise sei der Kreativsektor dadurch besonders in Mitleidenschaft gezogen worden, was die oft ohnehin schon schwierigen Arbeitsbedingungen im Kulturbereich verschärft habe. Nach Zahlen der Weltkulturorganisation hatte die Branche in den untersuchten Ländern 2020 Einnahmenverluste zwischen 20 und 40 Prozent zu verkraften.

Die Pandemie habe deutlich gemacht, wie unzureichend Kulturschaffende abgesichert sind. Ihre Arbeitsbedingungen müssten verbessert werden. Neben einem Mindestlohn schlagen die Autorinnen und Autoren der Studie die Einführung von Renten- und Krankenversicherungssystemen für Freischaffende vor. In Deutschland existiert mit der Künstlersozialkasse bereits ein solches Modell.

Digitalisierung gerecht gestalten

Die zunehmende Verlagerung kultureller Angebote auf digitale Plattformen sei durch die Pandemie beschleunigt worden, so der Bericht. Daraus ergäben sich Chancen, aber es sei dringend notwendig, neue Vergütungssysteme zu entwickeln. So seien die Einnahmen von Streaming-Diensten zwar deutlich gestiegen, aber nur die wenigsten Künstlerinnen und Künstler würden direkt davon profitieren. Die Mehrheit habe ihre pandemiebedingten Einnahmeausfälle durch Streaming-Angebote nicht ausgleichen können.

Viele Plattformen würden ihre Gesamteinnahmen zunächst bündeln und neu verteilen, was vor allem eine kleine Zahl bekannter und reichweitenstarker Acts begünstige. Im Gegensatz zu diesem vorherrschenden Modell schlägt der Bericht eine gerechtere Vergütung der abgerufenen Inhalte vor.

Unterschiede weiter groß

Laut der UNESCO nimmt die Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft für den Welthandel weiter zu. Allerdings zeigten sich dabei große Unterschiede. So werde etwa der Handel mit kulturellen Dienstleistungen von Staaten des Globalen Nordens dominiert. Auf sie entfielen 95 Prozent aller Exporte in diesem Bereich. Angesichts dieses Ungleichgewichts stellt der Bericht fest, dass in der Entwicklungszusammenarbeit zu wenig Mittel für den Kulturbereich zur Verfügung stehen. Der Kreativbranche in den Empfängerländern werde dadurch die Möglichkeit genommen, zu einem nachhaltigen wirtschaftlichen Wachstum beizutragen.

Auch in Sachen Geschlechtergerechtigkeit sieht die UNESCO Handlungsbedarf. So wird aktuellen Zahlen zufolge weltweit nur etwa ein Drittel aller nationalen Kunstpreise an Frauen verliehen. Besonders in Führungspositionen seien sie weiter unterrepräsentiert. Um diesem Missstand zu begegnen, schlagen die Autorinnen und Autoren der Studie vor, die öffentliche Finanzierung von Kunst und Kultur an Maßnahmen zur Gleichstellung der Geschlechter zu knüpfen.

Hintergrund

Der Weltbericht zur Kulturpolitik dient dem Monitoring der UNESCO-Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen. Er beleuchtet kulturpolitische Trends, Fortschritte und Herausforderungen weltweit und formuliert Empfehlungen für die nachhaltige Entwicklung der Kreativbranche. Der Bericht wurde erstmals 2015 vorgelegt und erscheint in diesem Jahr zum dritten Mal. Eine deutschsprachige Kurzfassung wird im Mai 2022 veröffentlicht.

Die UNESCO-Generalkonferenz hat am 20. Oktober 2005 die Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen verabschiedet. 150 Länder und die Europäische Union haben die Konvention seither ratifiziert. Sie garantiert dauerhaft das Recht auf eine eigenständige Kulturpolitik der Vertragsstaaten und soll zur Intensivierung globaler Kulturkooperation beitragen. Die Konvention trat am 18. März 2007 in Kraft. Deutschland hat sie am 12. März 2007 ratifiziert. Als nationale Kontaktstelle gestaltet die Deutsche UNESCO-Kommission die Fortentwicklung der Umsetzungspraxis des UNESCO-Übereinkommens über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen aktiv mit.
weitere Informationen: www.unesco.de

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Fordernde Fotografie https://www.tiefgang.net/fordernde-fotografie/ Fri, 12 Jul 2019 22:03:18 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5523 [...]]]> Der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels hat den Fotografen Sebastião Salgado zum Träger des Friedenspreises 2019 gewählt. Die Fotos sprechen Bände …

 

Das gab Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, bei den Buchtagen Berlin bekannt. Die Verleihung findet zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 20. Oktober 2019, in der Paulskirche in Frankfurt am Main statt und wird live im Fernsehen übertragen. Der Friedenspreis wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

In der Begründung des Stiftungsrats heißt es: „Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein 2019 an den brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado und zeichnet mit ihm einen Bildkünstler aus, der mit seinen Fotografien soziale Gerechtigkeit und Frieden fordert und der weltweit geführten Debatte um Natur- und Klimaschutz Dringlichkeit verleiht. Zugleich hat Sebastião Salgado mit seinem ,Instituto Terra‘ eine Einrichtung geschaffen, die einen direkten Beitrag zur Wiederbelebung von Biodiversität und Ökosystemen leistet. Mit seinem fotografischen Werk, das in zahlreichen Ausstellungen und Büchern veröffentlicht ist, nimmt er die durch Kriege oder Klimakatastrophen entwurzelten Menschen genauso in den Fokus wie jene, die traditionell in ihrer natürlichen Umwelt verwurzelt sind. Dadurch gelingt es Sebastião Salgado, Menschen weltweit für das Schicksal von Arbeitern und Migranten und für die Lebensbedingungen indigener Völker zu sensibilisieren. Indem der Fotograf seine aufrüttelnden, konsequent in schwarz-weiß gehaltenen Bilder als ,Hommage an die Größe der Natur‘ beschreibt und die geschändete Erde ebenso sichtbar macht wie ihre fragile Schönheit, gibt Sebastião Salgado uns die Chance, die Erde als das zu begreifen, was sie ist: als einen Lebensraum, der uns nicht allein gehört und den es unbedingt zu bewahren gilt.“

Sebastião Ribeiro Salgado, geboren am 8. Februar 1944 in Aimorés im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais, wuchs auf einer großen Rinderfarm im Regenwaldgebiet auf und studierte später Wirtschaftswissenschaften. Während der brasilianischen Militärdiktatur engagierte er sich in der linken Oppositionsbewegung, weswegen er 1969 nach Paris emigrieren musste. Ab 1971 betreute Sebastião Salgado als Ökonom Entwicklungshilfeprojekte in Afrika. Hier entdeckte er seine Leidenschaft für die Fotografie und entschied sich 1973, seinen Beruf aufzugeben und ganz als Fotograf zu arbeiten.

Von Beginn an waren bei seinen Langzeitprojekten Armut, Flucht, Heimatlosigkeit und Krieg die Hauptmotive seiner ausnahmslos in schwarz-weiß gehaltenen Fotografien. Zahlreiche dieser Projekte und der sie begleitenden Fotobände sind in Zusammenarbeit mit Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, UNICEF, UNESCO oder Reporter ohne Grenzen zustande gekommen. Mit den Büchern „Migration“ und „The Children: Refugees and Migrants“ (dt. „Kinder der Migration“), die beide 2000 veröffentlicht wurden, machte er auf das Schicksal von damals 30 Millionen Flüchtlingen weltweit aufmerksam und sammelte Geld für die Kinderhilfsorganisation UNICEF.

Aus gesundheitlichen Gründen und weil ihn durch die direkte Konfrontation mit dem Völkermord in Ruanda Zweifel an seiner Arbeit überkamen, hörte er Mitte der 1990er Jahre für eine Zeit mit seiner fotografischen Arbeit auf. Gemeinsam mit seiner Frau, der Architektin Lélia Wanick Salgado, mit der er seit 1967 verheiratet ist, kehrte er nach Brasilien zurück und begann, die Fazenda seiner Eltern wieder aufzuforsten. 1998 wurden die 680 Hektar in ein Naturschutzgebiet umgewandelt und das gemeinnützige „Instituto Terra“ gegründet. Seither ist es ihnen gelungen, 2,7 Millionen Bäume zu pflanzen und den Wald wieder in einen weitgehend ursprünglichen Zustand mit einer großen Vielfalt an Pflanzen und Tieren zu versetzen.
Auch in seinem Werk wandte sich Sebastião Salgado ab den 1990er Jahren verstärkt der Landschaftsfotografie zu. Es entstanden die Werke „Africa“ (2007) und „Genesis“ (2013). Mit letzterem Projekt gab er seine Eindrücke der unberührten Natur, den dort angesiedelten Tieren und isoliert lebenden Menschen aus ursprünglichen Kulturen wieder, um zu zeigen, wie fragil die Welt mittlerweile geworden ist.
Sebastião Salgado erhielt zahlreiche Auszeichnungen für sein Schaffen, u.a. die Ehrenmitgliedschaft der American Academy of Arts and Letters (2019), den Save the Children International Prize (2010), den Rio-Branco-Orden (2004), die Jahrhundertmedaille der Royal Photographic Society of Great Britain (1994), den Grand Prix National de la Photographie (1994), den Prinz-von-Asturien-Preis (1998) sowie den World Press Photo Award (1985). 2016 wurde er als Mitglied in die Académie des Beaux-Arts des Institut de France aufgenommen, eine der wichtigsten kulturellen Ehrbekundungen Frankreichs.
Das Ehepaar Salgado lebt in Paris und hat zwei Söhne, Juliano (geboren 1976) und Rodrigo (geboren 1981).“

Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.

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Immaterielles Kulturerbe Orgel https://www.tiefgang.net/immaterielles-kulturerbe-orgel/ Fri, 28 Sep 2018 22:04:14 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4267 [...]]]> Orgeln sind vor allem eine Kirchengeschichte. Dennoch: es ist eine Kunst des Baus und Spielens, die einzigartig und daher schützenswert ist. Die UNESCO urteilte jetzt.

In der Mitteilung der UNESCO heißt es:

„Deutschland ist eines der weltweit wichtigsten Länder für die Entwicklung des Orgelbaus und der Orgelmusik. 400 handwerkliche Orgelbaubetriebe mit etwa 2.800 Mitarbeitenden, 180 Auszubildenden sowie 3.500 hauptamtlichen und zehntausenden ehrenamtlichen Organistinnen und Organisten prägen das Handwerk und die Kunst des Orgelbaus und der Orgelmusik hierzulande. Im Haus des Deutschen Handwerks in Berlin erhielten heute Vertreterinnen und Vertreter von Orgelbauern und Orgelmusikern die UNESCO-Urkunde zur Auszeichnung als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit. Der Zwischenstaatliche UNESCO-Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe hatte die Kulturform im Dezember 2017 im südkoreanischen Jeju in die UNESCO-Liste aufgenommen.

In ihrem Grußwort betonte die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Prof. Dr. Maria Böhmer aus diesem Anlass: „Orgelbau und Orgelspiel haben in Deutschland eine große, über Generationen gepflegte und weltweit beachtete Tradition. Viele deutsche Orgelbaubetriebe bauen in Kirchen und Konzerthäusern der ganzen Welt mit großem Können wunderbare Orgeln. Aber die Orgel ist ein kosmopolitisches Instrument. Orgelbau und Orgelspiel sind in vielen Ländern zu Hause.“

Die Orgel, der Orgelbau und die Orgelmusik wurden vor mehr als 2.000 Jahren im hellenistischen Ägypten erfunden und gelangten über Byzanz nach Europa, wo sie seit der Karolingischen Renaissance als Kulturgut bis in die Gegenwart weiterentwickelt wurden. Seit dem Mittelalter werden Orgeln aus Europa, wo die meisten Orgeln gebaut werden, in viele Länder weltweit exportiert.

„Für die Zukunft wünsche ich mir, dass sich die Begeisterung für den Orgelbau und das Orgelspiel durch die Anerkennung der UNESCO auf noch viel mehr Menschen überträgt. In der Musik und im Handwerk wurde immer schon über Grenzen hinweg gearbeitet und gedacht. Daher hoffe ich auch, dass in einigen Jahren hinter dem Eintrag „Orgelbau und Orgelmusik“ auf der UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit neben Deutschland noch weitere Länder stehen“, so Böhmer weiter.

Im Orgelbau verbinden sich Wissen im nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen der Natur und traditionelles Handwerk mit innovativer Technik einer jeweiligen Epoche. Seit dem Mittelalter ist Orgelmusik auch Teil der kirchlichen Liturgie. Sie hat viele Komponisten, wie Bach, Liszt oder Mendelssohn-Bartholdy in Deutschland und darüber hinaus inspiriert.

Die UNESCO-Urkunde wurde heute im Haus des Deutschen Handwerks in Berlin durch die Beauftragte für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, Irmgard Maria Fellner, dem Bund Deutscher Orgelbaumeister (BDO), der Gesellschaft der Orgelfreunde e.V. (GdO), der Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands (VOD) und dem Bundesinnungsverband für das Musikinstrumenten-Handwerk überreicht.“

 

Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission

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Landschaftspflege mit Pfeifen https://www.tiefgang.net/landschaftspflege-mit-pfeifen/ Sat, 09 Dec 2017 15:40:09 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2694 [...]]]> Jetzt sind auch sie zum Kulturerbe der UN ernannt worden: die Orgeln und ihre Baukunst. Damit wird eine Sparte gewürdigt, aber auch ganze Landstriche wie Harburg und sein Landkreis.

In der Mitteilung der UNESCO hießt es:

„Der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe hat heute (6. Dez.2018) den Orgelbau und die Orgelmusik in Deutschland in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. 400 handwerkliche Orgelbaubetriebe mit etwa 2.800 Mitarbeitern, 180 Auszubildende sowie 3.500 hauptamtlichen und zehntausenden ehrenamtlichen Organisten prägen das Handwerk und die Kunst des Orgelbaus und der Orgelmusik in Deutschland. Über 50.000 Orgeln sind derzeit hierzulande im Einsatz. Der Zwischenstaatliche Ausschuss zum Immateriellen Kulturerbe tagt noch bis zum 9. Dezember im südkoreanischen Jeju.

Staatsministerin Monika Grütters betonte: „Deutschland kann auf eine große Kultur des Orgelbaus und der Orgelmusik zurückblicken, die weltweit ihresgleichen sucht. Durch die Aufnahme in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes wird die Bedeutung dieses über Jahrhunderte gewachsenen kulturellen Erbes gebührend gewürdigt. Orgelbau und Orgelmusik sind auch heute noch ein wichtiger Teil unseres Musiklebens, sie werden von Generation zu Generation weitergegeben, gepflegt und fortentwickelt. Um diese großartige Tradition auch in Zukunft zu schützen und zu stärken, fördert die Bundesregierung die Modernisierung national bedeutsamer Orgeln und den Erhalt wertvoller Instrumente der Orgellandschaft in diesem Jahr mit rund fünf Millionen Euro.“

Dr. Susanne Eisenmann, Präsidentin der Kultusministerkonferenz und baden-württembergische Ministerin für Kultus, Jugend und Sport unterstrich: „Die vielen lokal- und regionalspezifischen Orgelbaustile in Deutschland machen einen wichtigen Teil dieses reichen Kulturerbes aus. Faszinierend ist für viele auch das vielschichtige Klangspektrum dieser ‚Königin der Instrumente‘. Der Bauprozess einer Orgel, das komplexe Zusammenspiel ihrer unzähligen Bestandteile, die aufwendige Intonation zur Klangerzeugung – das ist wahrlich ein Meisterwerk, das Generationen und sogar Epochen überdauern kann. Junge Menschen erlernen das Orgelbau-Handwerk bei uns im bewährten Rahmen einer dualen Ausbildung.“

„Spieltisch“ im Michel (Foto: St. MIchaelis)

Staatsministerin Maria Böhmer erläuterte: „Orgelbau und Orgelmusik sind schon immer geprägt vom Austausch engagierter, kreativer und leidenschaftlicher Menschen. Diese Neugier hat an staatlichen Grenzen nie Halt gemacht. In Deutschland produzierte Orgeln erklingen heute weltweit, sei es in Japan, auf den Philippinen, in Brasilien oder den USA. Und auch Organistinnen und Organisten, die an deutschen Hochschulen ausgebildet wurden, sind auf der ganzen Welt gefragt und geschätzt. Die vielen zeitgenössischen Kompositionen für Orgel wie auch die kontinuierliche Entwicklung neuer Bautechniken zeigen, dass die Kultur des Orgelbaus und der Orgelmusik äußerst lebendig und wandlungsfähig ist.“

„Jede Orgel ist einzigartig, denn sie wird eigens für den Raum entwickelt, in dem sie später erklingt. Auch das jeweilige kulturelle und gesellschaftliche Umfeld spiegelt sich in ihrem Aussehen und ihrem Klang wieder. Und nicht zuletzt ist eine Orgel immer ein Produkt ihrer Zeit. Menschliches Wissen und Können sind für den traditionsreichen, in Deutschland sehr innovativen Orgelbau deshalb so zentral“, sagt Prof. Dr. Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission.

Die Orgel, der Orgelbau und die Orgelmusik wurden vor mehr als 2.000 Jahren im hellenistischen Ägypten erfunden und gelangten über Byzanz nach Europa, wo sie seit der Karolingischen Renaissance als Kulturgut bis in die Gegenwart weiterentwickelt wurden. Seit dem Mittelalter werden Orgeln aus Europa, wo die meisten Orgeln gebaut werden, in viele Länder weltweit exportiert. Deutschland zählt weltweit zu den wichtigsten Ländern für die Weiterentwicklung des Orgelbaus und der Orgelmusik. Im Orgelbau verbinden sich Wissen im Umgang mit der Natur und traditionelles Handwerk mit innovativer Technik der jeweiligen Epoche. Seit dem Mittelalter ist Orgelmusik auch Teil der kirchlichen Liturgie. Sie hat viele Komponisten, wie Bach, Liszt oder Mendelssohn-Bartholdy in Deutschland und darüber hinaus inspiriert.“
Quelle: UNESCO-Kommission

Und auch Ministerium aus Niedersachsen wittert schon Morgenluft und verkündet:

„Damit wird auch die niedersächsische Orgelkultur gewürdigt. „Die Anerkennung von Orgelbau und Orgelmusik als immaterielles Kulturerbe ist ein bedeutender Schritt, weil damit weltweit Orgellandschaften geschützt werden können. Auch Niedersachsen verfügt über einen reichen Orgelfundus – von Ostfriesland über das Alte Land und bis in die Region Hannover hinein“, sagt der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler.

Der Orgelbaukünstler Arp Schnitger (1648 – 1719) ist einer der berühmtesten Vertreter der niedersächsischen Orgelkultur. Zahlreiche seiner einzigartigen Barockorgeln sind in Niedersachsen erhalten – ebenso wie Orgeln seiner Vorgänger und viele der folgenden Jahrhunderte. Bereits seit 2014 stehen Orgelbau und -musik auf der deutschen Liste des immateriellen Kulturerbes.

Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur

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USA pfeifen auf die Weltkultur https://www.tiefgang.net/usa-pfeifen-auf-die-weltkultur/ Fri, 13 Oct 2017 22:55:41 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2331 [...]]]> Der Wert von Kultur und Bildung wird gerne als Völker verbindend gelobt. Ehrlich gemeint ist das selten. Das bekommt nun auch die Unesco zu spüren…

Die Vereinten Nationen (United Nations = UN) waren und sind immer dann bedeutsam gewesen, wenn einzelne Staaten nicht mehr weiter wussten. Dann hat man gerne die UN bemüht. Sollen doch sie den Karren aus dem Dreck ziehen, dass man selbst sein Image nicht ramponiert. Und deshalb mögen die UN zwar immer weise und gelehrsam daher kommen. Angewiesen sind sie aber immer auf alle und das Tempo gibt in etwa der Langsamste vor.

Dennoch: die UN haben zu Zeiten des „Kalten Krieges“ und auch nach dem Fall des sogenannten „Eisernen Vorhangs“ wahren diplomatische Meisterwerke zustande gebracht. In Afrika sind tausende Menschenleben gerettet worden, weil die UN friedliche Truppen und Beobachter entsandte wie auch im damaligen Jugoslawienkrieg.

Und sie ist eben mit Unterabteilungen aktiv. Für Kinder mit Unicef. Für Kultur und Bildung mit der Unesco.

Die jetzigen Zeiten aber sind nicht rosig für die UN. Denn alle Staaten meinen das Recht alleinig auf ihrer Seite zu wissen. Wer braucht da einen Völkerbund? Und wen trifft es mit als Erstes? Die Kulturabteilung Unesco. Erst treten die Vereinigten Staaten von Amerika und nun auch Israel aus.

In der Pressemitteilung der Unesco vom 12. Oktober 2017 heißt es dazu:

„Die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, Prof. Dr. Verena Metze-Mangold, erklärt:

„Wir bedauern außerordentlich, dass die Vereinigten Staaten von Amerika heute entschieden haben, aus der UNESCO auszutreten. Bereits seit der Aufnahme Palästinas in die Organisation im Jahr 2011 haben sie ihre Mitgliedsbeiträge an die UNESCO nicht mehr entrichtet.

Prof. Dr. Metze-Mangold

Die UNESCO ist ein zentrales internationales Forum für die Zusammenarbeit in Bildung, Kultur, Wissenschaft und Kommunikation. Mit ihren normativen Instrumenten, innovativen Konzepten sowie weltumspannenden Netzwerken von Expertinnen und Experten in Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Praxis stärkt sie die internationale Verständigung und Zusammenarbeit. Mit ihren erfolgreichen Programmen wie dem Welterbe, den Biosphärenreservaten oder dem UNESCO-Schulnetzwerk fördert sie weltweit Bildung, Kulturerhalt und Weltoffenheit.

Für die UNESCO als UN-Organisation mit universeller Geltung ist der Rückzug der USA ein Verlust. Die Zusammenarbeit der UNESCO mit Akteuren aus Wissenschaft und Praxis in den USA wird jedoch auch weiterhin erfolgen. Wir hoffen, dass die USA in naher Zukunft wieder aktiv an der Gestaltung der UNESCO-Programme mitwirken werden.“

Quelle: unesco.de

 

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Jung, dynamisch, kulturell! https://www.tiefgang.net/jung-dynamisch-kulturell/ Sat, 04 Mar 2017 08:00:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=685 [...]]]> Mit Kultur die Welt und andere Kulturen kennen lernen – das muß kein Traum bleiben …

Das deutsche Unesco-Projekt ´kulturweit` startet zum 1. März 2017 eine Ausschreibung für junge Kulturinteressierte. In der Pressemitteilung heißt es:

„Am 1. März startet die neue Bewerbungsrunde für einen internationalen Freiwilligendienst mit kulturweit. Junge Menschen, die sich in Bildungs- und Kultureinrichtungen weltweit engagieren wollen, können sich bis zum 2. Mai auf www.kulturweit.de für ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland bewerben.

Der Freiwilligendienst beginnt am 1. März 2018. Er richtet sich an alle zwischen 18 und 26 Jahren, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben und über einen Schulabschluss oder eine abgeschlossene Ausbildung verfügen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden intensiv auf ihren Einsatz im Ausland vorbereitet, pädagogisch begleitet und finanziell unterstützt. Neben einem Versicherungsschutz erhalten sie Zuschüsse zu den Reisekosten, Sprachkursen und monatlich 350 Euro.

Ob am Goethe-Institut Hanoi, beim DAAD in Buenos Aires oder an der Europaschule Tiflis: kulturweit-Freiwillige werden für sechs oder zwölf Monate in Bildungs- und Kulturinstitutionen im Ausland aktiv. Durch ihr Engagement tragen sie in über 70 Ländern dazu bei, Raum für Dialog, Vertrauen und gegenseitiges Verständnis zu schaffen.

kulturweit fördert zivilgesellschaftliches Engagement, transkulturelle Kompetenzen und die Weltoffenheit junger Menschen. Seit 2009 hat das Programm über 2.700 Freiwillige entsandt und ist mit dem Quifd-Siegel für Qualität in Freiwilligendiensten ausgezeichnet. Nach Abschluss des Freiwilligendienstes erwartet kulturweit-Alumni ein umfangreiches Weiterbildungsangebot und die Zusammenarbeit in einem jungen Expertennetzwerk zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik.

kulturweit ist ein Projekt der Deutschen UNESCO-Kommission und wird in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt durchgeführt. Partner sind der Deutsche Akademische Austauschdienst, das Goethe-Institut, die Deutsche Welle Akademie, das Deutsche Archäologische Institut, der Pädagogische Austauschdienst in Kooperation mit der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen sowie zahlreiche UNESCO-Nationalkommissionen weltweit.

Weitere Informationen: kulturweit-Webseite“

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