urban gestresste Menschen – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 23 Jun 2017 13:23:21 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 Refugium Neuenfelde und Artothek https://www.tiefgang.net/refugium-neuenfelde-und-artothek/ Sat, 24 Jun 2017 06:27:37 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1459 [...]]]> Am kommenden Donnerstag tagt der Harburger Kulturausschuss letztmalig vor der Sommerpause und es stehen zwei interessante Kulturthemen an: Neuenfelde und Artothek.

Die Sitzung findet am Do., 29. Jun. 2017 ab 18h im Mehrzwecksaal im Sozialen Dienstleistungszentrum Harburg, Harburger Rathausforum 1, 21073 Hamburg statt.

Als zweiter Tagesordnungspunkt ist das Projekt „Refugium für urban gestresste Menschen“ – Wie geht es nun weiter?“ Thema. (siehe auch Tiefgang-Artikel „Keep cool im Großstadtpfuhl“)

Hintergrund: Von März bis August 2016 hat der gemeinnützige Verein Stadtkultur Hafen e.V. zusammen mit dem Büro für Kunst Bauen Stadtentwicklung üNN auf eigene Initiative zwei Häuser in der Hasselwerder Straße in Neuenfelde ausgiebig erforscht. Es handelte sich um gut 120 Jahre alte Häuser, die seit einem Jahrzehnt aufgrund der Airbus Landebahnverlängerung leer standen. Insbesondere wurden die Eigenarten der Häuser, die Bausubstanz und der hübsch verwilderte Garten erkundet. Nun sind Vertreter von „Stadtkultur Hafen e.V.“ und „überNormalNull“ in den „Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit“ eingeladen, um dort über die weitere Entwicklung des Projektes zu berichten.

Als nächster Punkt der Tagesordnung ist dann das Thema „Artothek für Harburg?“ vorgesehen.

Auf Bestreben der Initiative SuedKultur (die selbst keine Anträge einbringen kann) hatte die CDU im April diesen Jahres das Thema in die Bezirksversammlung eingebracht. „In vielen Städten und Gemeinden, auch im Harburger Umland, bestehen Artotheken, bei denen Werke aktueller Kunst kostenlos oder gegen geringe Gebühr ausgeliehen werden können. Diese Einrichtungen dienen der Kunstvermittlung und der Künstlerförderung. Sie sind häufig öffentlichen Bibliotheken, Kunstvereinen, Kulturämtern, Museen oder Volkshochschulen angegliedert“, heißt es in der Drucksache

Darauf hin sollte eine Stellungnahme der Behörde für Kultur und Medien der Stadt Hamburg zum Thema eingeholt werden, welche Möglichkeiten der Kunstvermittlung und Künstlerförderung über Artotheken geschaffen oder verbessert werden können, welche Rahmenbedingungen dafür bestehen und in welchem Umfang die Frage der Einrichtung von Artotheken auch in den Bezirken in der Vergangenheit geprüft worden ist. Diese liegt nun schriftlich vor und wird nun thematisiert werden.

Die Sitzung ist zu einem Großteil öffentlich und kann von interessierten Bürger*innen besucht werden. Die Unterlagen zur Sitzung finden Sie hier online. sitzungsdienst-harburg

 

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Keep cool im Großstadtpfuhl https://www.tiefgang.net/keep-cool-im-grossstadtpfuhl/ Sat, 17 Jun 2017 06:00:31 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1327 [...]]]> Die Großstadt bietet alles was das Herz begehrt – nur Ruhe eher selten. Ausgerechnet ein „Refugium“ in Airbus-Nähe soll dies nun ändern …

Wer wünscht es sich nicht? Alle Vorteile einer Metropole mit Einkauf-, Kultur-, Freizeit- und Sport-Angeboten noch und nöcher und am Besten alles direkt vor der eigenen Haustür.  Dumm nur, wenn diese viele andere Menschen auch nutzen und es zu Staus, Gedrängel, Lärm und Hektik kommt. Aber passt das Idyll des ruhigen Dorfs mit der Metropole zusammen? Stadtplaner, Umwelt-, Kulturaktivist und SuedKulturler Mathias Lintl sagt ja.

Seine Planung: das „Refugium für urban gestresste Menschen“. Ort: leerstehende Häuser in der Hasselwerderstraße 146 & 147 in Neuenfelde. Plan: der Prototyp des urbanen Dorfes von Morgen.

Und er- und geforscht hat er auch schon. Dafür gibt es den Verein „Stadtkultur Hafen e.V.“.

Von März bis August 2016 hat dieser zusammen mit dem „Büro für Kunst Bauen Stadtentwicklung üNN“ (üNN steht für die maritime Abkürzung „ über NormalNull“) auf eigene Initiative die zwei Häuser in der Hasselwerder Straße in Neuenfelde ausgiebig erkundet. Es handelte sich um gut 120 Jahre alte Häuser, die seit einem Jahrzehnt aufgrund der Airbus Landebahnverlängerung leer standen. Und Leerstand interessierte Mathias Lintl schon immer. Insbesondere die Eigenarten der Häuser, die Baussubstanz und der hübsch verwilderte Garten galt es zu erkunden.

Gedacht, geforscht, gefeiert

Es wurde gedacht, geforscht, diskutiert, gefeiert und sich mit Menschen aus Neuenfelde und Hamburg Gedanken gemacht, ob dieser Ort das Zeug hat, Heimat für ein „Refugium für urban gestresste Menschen“ zu werden.  Die Forschungsthemen klangen verrückt, brachten aber Erstaunliches zutage: Der Musiker und Künstler Harald Finke zum Beispiel ließ im Sommer 2016 „Pflanzenmusik“ im Rahmen des jährlichen stadtweiten Musikfestivals „blurred edges“ erklingen. Musiker und Pflanzen jammten zusammen. Alte Tapeten wurden ebenso erforscht, wie die Brauchbarkeit alter Hammond-Orgeln oder eines Bäckerei-Ofens.

 

Klingt abstrus? Von wegen. Philip Gaedke, Designer und Inhaber von Gaedke Tapeten, wurde gleich neugierig: „Eine wahre Fundgrube sind diese leeren Häuser in Bezug auf Geschmack und Einrichtungs-Stile vergangener Zeiten. Von besonderem Interesse natürlich die alten Tapeten“, heißt es auf seiner website, auf der er auch Überreste diverser Tapetenmuster aus Neuenfelde zeigt und als neu gestaltet Tapeten auch zum Kauf anbietet.  „Unabhängig davon, ob die Muster gefallen oder nicht, wurde hier im ersten Schritt eine kleine Dokumentation des Bestands erstellt.  Als kleine Fingerübung werden einige Muster nachgebildet, variiert und dienen dann auch als Inspiration für Neues.“

Rarität: Tapete im Bauhausstil. (Foto: Gaedke)

Das Konzept fruchtet also und stößt auf Nährboden. Mathias Lintl: „Schnell wurde klar: Wir müssen weiter, komplexer und größer denken.“

Und so könnte es vor allem ein Rückzugsort für Kreative werden. Lintl: „Viele Hamburger schätzen die Stadt als Lebens- und Wohnort. Doch oft vermissen sie Rückzugs- und Erholungsorte, an denen sie frei von Konsumzwang sich entspannen und Kraft tanken können. Da geht es Künstler*innen und Kulturschaffenden nicht anders als allen Anderen.“

Neue Art Lebenskultur

Daraus entstanden ist nunmehr ein Konzept, das die beiden Häuser als Kern hat, aber auch das Ganze mitdenkt. Ob Nahversorgung & Mobilität, Fahrradtourismus & Hostel, Backkultur & lokale Ökonomie, Wasservitalisierung & Gemeinschaftsgärten, Abriss & Neubau….

Ziel soll es nun sein an die SAGA als Hauseigentümerin zu treten, um zu sehen, ob man den vorübergehend „evakuierten“ Zustand nicht neu beleben kann und ohne Neubau eine neue Art der Lebenskultur etabliert. Urban gestresste Menschen sollten zumindest zu diesem Aspekt hell wach bleiben.

Weitere Infos unter:

refugium-neuenfelde.de

(13. Jun. 2017, hl)

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