Verein StadtKultur Hafen e.V. https://www.tiefgang.net Mon, 14 Jan 2019 17:18:24 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 „Neues Zentrum machbar!“ https://www.tiefgang.net/neues-zentrum-machbar/ Fri, 11 Jan 2019 23:58:10 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4742 [...]]]> „3falt – Kunst, Kultur, Kreativität“ – das Projekt zur Erprobung einer kulturellen Neu- bzw. Umnutzung der einstigen Harburger Dreifaltigkeitskirche in der Neuen Straße – geht zuversichtlich ins Jahr 2019. In der Pressemitteilung hierzu heißt es:

„Obwohl die Probephase der Initiative SuedKultur sowie des Stadtentwicklungsvereins Stadtkultur Hafen e.V. noch nicht beendet ist, zeigt sich für alle Beteiligten: eine Neunutzung als genreübergreifendes Kulturzentrum von und für die Harburger Kultur ist nicht nur möglich sondern heiß begehrt.

Mathias Lintl vom Verein Stadtkultur Hafen e.V.: „Es ist unglaublich, was an verschiedenen Formaten in diesen Räumen alles möglich ist. Auch wenn unsere derzeitigen Möglichkeiten  derzeit aufgrund des Zustandes des Gebäudekomplexes recht eingeschränkt sind, ist die Nachfrage und der Ideenimpuls für diesen Gebäudekomplex enorm hoch. Konzerte, Kino, Theater, Tanz, Kunst, Begegnungen und Kurse jeder Art –  es scheint kaum etwas zu geben, was nicht schon angefragt oder erprobt wurde. Und es zeigt sich: Harburg fehlt genau so ein Zentrum, in dem man unwillkürlich aufeinander trifft und Neues entwirft.“

3falt bei der Music-Night.

Heiko Langanke, Projektleiter der mittlerweile ins zwölfte Jahr gehenden Initiative SuedKultur, der mittlerweile rund 50 Kulturinstitutionen des Süderelbe-Raumes angehören: „Ein kulturelles Haus der Vielfalt steht schon lange auf der Agenda der SuedKulturler. Mit der „3falt“ kommt auf einmal ein Ort mit konkreten Räumen in greifbare Nähe. Und ob es nun Hoch- oder Subkultur ist, von Literatur über Tanz und Theater, Film oder Konzerten – es entsteht beinahe zwangläufig ein spannendes Programm für alle Kulturneugierigen. Und aktuelle Themen wie Integration oder Inklusion kommen ganz nebenbei zur Verwirklichung. Es müsste eben ein wenig am Gebäude getan werden.“

Doch noch mal zur Entwicklung:

Ausgangslage:

Als es Ende Nov. 2017 die ersten konkreten Gespräche mit der Eigentümergemeinde Trinitatis Harburg über eine kulturelle Erprobung der Dreifaltigkeitskirche gab, um über eine mögliche Weiternutzung des Gebäudekomplexes zu diskutieren, war die Gemeinde noch in Verhandlungen mit einem interessierten Investor. Dieser hatte ein Angebot abgegeben und erbat bis Ende Februar 2018 Bedenk- & Prüfzeit. Nachdem aber auch diese Interessensbekundung zurückgezogen wurde, kamen erste konkrete Gespräche über eine kulturelle Testphase zustande. Ende April 2018 schließlich wurde es konkret und der Kirchenkreis HH-Ost erarbeitete eine Vereinbarung in Form einer Anhandgabe, die dann zum Mai von den Parteien Trinitatis-Gemeinde Harburg, dem Verein Stadtkultur HH e.V. und der Initiative SuedKultur unterzeichnet wurde und eine Probe- und Erkundungsphase bis Ende Feb.2019 vorsieht.

Zum Juni 2018 kam es schließlich zur Schlüsselübergabe und erstmaliger In-Augenscheinnahme des  Komplexes. Kurz vor den Sommerferien.

Jazz-Duo Jakubowsky / Bahlmann am 2. Nov. in der 3falt.

Um zumindest eine erste Einschätzung aller bei SuedKultur zusammengeschlossenen Kulturschaffenden vornehmen zu können, wurde kurzerhand eine Art „Kulturtag“ am 14. Juni anberaumt. Dort fanden Lesungen, verschiedene Konzerttests, Tanz- & Theaterproben statt, die auch der Öffentlichkeit zugänglich waren aber vor allem den Kulturschaffenden einen ersten Eindruck über die Möglichkeiten einzelner Räume und ihrer Beschaffenheit gaben. Schon hier war das Fazit durchweg positiv: erste konkrete Ideen wurden notiert, diskutiert und erarbeitet und sollten dann in Einzelformaten nach den Sommerferien konkreter erprobt werden.

Erste Problemstellungen wurden auch schon erkannt wie etwa Brandschutzpläne, eingeschränkte Erprobungen durch mangelnde Kenntnis über die bestehenden Denkmalschutzauflagen aber auch fest installierte Kirchenbänke oder veraltete Strominfrastruktur, nötiger Schwingboden im Tanz- & Theaterraum etc.pp.

Ab September dann startete nach und nach eine Art „Programm“: am Tag des offenen Denkmals zeigte der Publikumsverkehr großes Interesse am Gebäude sowie dem Architektenehepaar Spengelin, das sich für den Nachkriegsbau verantwortlich zeichnete und auch der Harburger Stadtgeschichte. Denn bis 1944 war der vorherige Kirchenbau auch Hauptkirche von Harburger an der Elbe und Wilhelmsburg. Also ein durchaus relevanter Standort.

Die Ausstellung „wir in Harburg“ dann offenbarte erste Möglichkeiten für breiter angelegte Kunstdarstellungen. Kunstkurse in den Außenbereichen  und im Gemeindehaus verdeutlichten die neuen Möglichkeiten für viele Kreative, denen es an (zentral gelegenem) Raum im Bezirk mangelt.

Der erste Harburger Comic-Kulturtag aber auch die Tanz- & Theaterproben verwiesen auf mögliche neue Kulturformate und –angebote, die durch großzügigere Räume überhaupt erst möglich wurden. Die SuedKultur Music-Night wie auch der Harburger Kulturtag verdeutlichten den großen und sofortigen Zuspruch beim lokalen Publikum und den Raumbedarf bestehender lokaler Akteure. Ein Konzert zweier indischer Musiker offenbarte die spirituelle Ruhe, ein nachfolgendes Jazz-Duo und auch eine öffentliche Probe eines lokalen Kammerorchesters unterstrich die außergewöhnliche Klangstruktur des Kirchenschiffes.

Reges Interesse an ´70 Jahre Grundrechte` …

Im Verlauf des Herbstes wurden auch Formate erprobt, die im Süden Hamburgs selten sind oder auch nicht über den nötigen Raum verfügen. So wurden verschiedene Kino- und Film-Formate ausgetestet aber auch ein Adventsmarkt und die Größe von Leinwandfläche und die Möglich-keiten der Raumgestaltung samt Filmdarstellung mit Rückprojektion überraschten positiv.

Parallel wurde eine Online- aber auch Print-Werbeplattform geschaffen, von der alle einzeln erprobenden Akteure profitierten und zugleich für das interessierte Publikum eine Programm entstand, das an Vielfalt und Spannjung schnell seinesgleichen im Bezirk suchte. Auch hier zeigten sich schnell Synergien und vor allem eine mediale Wahrnehmung durch die inspi-rierende Unterschiedlichkeit der Programmpunkte. Ob Hoch- oder Subkultur, ob Kunst oder Musik, Tanz oder Theater ob für Jung oder Alt – die Programmfacetten selbst beeindruckten und verdeutlichten zugleich, dass hier ein kulturelles Vakuum gefüllt wird.

Zudem erweisen sich die Netzwerkstrukturen der lokalen Initiative SuedKultur als durchaus stabil, da für die Tests notwendige technische Infrastruktur problemlos und schnell zur Ver-fügung gestellt wurde: eine bereit Unterstützung aller Mitgliedsorganisationen für das Modell-projekt konnte aufgebracht werden und Hilfestellungen etwa bei GEMA- und Filmrechte-Anforderungen, Catering, Fachwissen wie Spielstättenverordnung, Brandschutz, Barrierefreiheit oder Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gingen schnell und sachkundig in verschiedene und kompetente Hände. Ob Marias Ballroom, die Akademie für Musik und Kultur, das Stadtmuseum Harburg, die Geschichtswerkstatt, das Kulturhaus Süderelbe, das Stellwerk oder der Irish Pub Old Dubliner  – wo Hilfe gebraucht wurde, war Hilfe da.

Das Projekt ´Artothek` im Rahmen des 3falt-Kulturtages Mitte Juni 2018. (Foto: Jürgen Drygas)

Und bei aller Improvisation in der technischen und logistischen Infrastruktur zeigte sich bei fast allen Akteuren, dass hier künftig noch viel mehr möglich ist. Terminanfragen häuften sich frühzeitig bis weit ins Jahr 2019 hinein. Und dabei sind hier nur die kulturellen Anfragen und keine durchaus unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten verwertbaren Anfragen  (Bezirksamtswahlen, Jahrestag Eritraergemeinde, Techno-Party-Veranstalter, Firmeneventanfragen, Raumnutzungs-anfragen z.B. Verbraucherschutzverein oder DRK).

Die Nachfrage an Raum ist für die Beteiligten daher unstrittig. Die Planungen in die kalten Winterzeit hinein bei völlig unklaren Erwartungen an anstehende Betriebskosten bzw. Möglich-keiten der Beheizbarkeit etc. konnten das Potenzial dabei nicht mal in Ansätzen ausloten.

Aber: das Gebäude ist in eben einem Zustand, der einer ersten Herrichtung bedarf, um über-haupt umfangreich nutzbar zu sein. Kaputte Fensterisolierungen, verdreckte Heizschächte, ver-altete oder schadhafte Beleuchtungseinrichtungen, die eingeschränkte Nutzbarkeit der WCs oder der Stromleitungen stehen dem ebenso im Weg wie unklare Bedingungen über künftige Eigentumsfragen oder auch mögliche nutzbare Raumkapazitäten.

Ganz nebenbei erlebten die Akteure, dass sich durch den langen Leerstand des Gebäudekom-plexes eine starke Vermüllung im Umfeld, teils Drogenhandel und Szenetreffs in den nicht ein-sichtigen Bereichen eingebürgert hatten. Seit der regelmäßigen Reinigung aber auch der häuf-igen Nutzung des Gebäudekomplexes tags wie abends ließen diese Effekte relativ rasch nach.

Und so sehen die Akteure die im Konzept zur Stadtteilentwicklung angedachte „Reaktivierung der ehemaligen Klangkirche Hamburgs“ als mehr als realistisch.

„Auch dass Räume nicht gratis zu haben sind, ist allen beteiligten völlig klar. Einnahmen aus rein kultureller Nutzung im obersten fünfstelligen Bereich sind realistisch. Es müssten nur mal Nägel mit  Köpfen gemacht werden“, so Heiko Langanke zur Planungslage im Hintergrund.

Dabei geht es vor allem darum, dass die Gemeinde Trinitatis signalisiert hat, das Gebäude nicht weiter im Besitz behalten zu wollen. Wohl aber das Grundstück. Bisher gab es einige Gespräche mit der Stadtentwicklungsgesellschaft STEG und Bezirksmitarbeitern, um auch über Möglichkeiten im Rahmen des RISE-Stadtentwicklungsprogramms Eissendorf-Ost zu erörtern, konkrete Ergebnisse aber ließen auf sich warten.

Aber auch der eingebundene Harburger Architekt Carsten Lünzmann, der jüngst mit der Neugestaltung des Eingangsbereichs zum Harburger Stadtpark sowie der dortigen Freiluft-Bühnengestaltung auffiel, ist zuversichtlich: „Die Auflagen des Denkmalschutzamtes sind für dieses Projekt keine Belastung sondern eher bereichernd, da beiderseits die sakrale Baukunst der Architekten Spengelin, das Ineinandergreifen von Baustilen über fast vier Jahrhunderte sowie die zentrale Stadtgeschichte Harburgs immer auch Kulturthemen sind, die inspirieren aber auch neue Inter-pretationen ermöglichen. Dass eine Kirche natürlich anders beheizt wird als eine Konzerthalle,  eben so nicht über Barrierefreiheit und Sanitäranlagen nach heutigem Standard verfügt, ist ebenso logisch wie aber heutzutage mit Solardächern und Wärmedämmung ganz andere Möglichkeiten bestehen, kostensparend solche Gebäude zu betreiben.“ Fördermöglichkeiten aber seien da.

Filmprojekt „Newcomers“ samt Gespräch …

Und was erwartet die Harburger in 2019?

  • , 13. Jan, 14h Plattenverkostung
  • , 18. Jan., 20h ´Gutes Theater` spielt: “KUNST” (von Yasmina Reza)
  • , 19. Jan. 19h Waldinsel Exil Konzert
  • , 27. Jan., 18h minimal music – Projekt – Phaze2.5
Projekt minimal music
  • , 07. Feb., 20h Klassik – SymphonING Winterkonzert
  • , 8. Feb., ab 18h Welcomefest zum Pfadfinder-Sängerwettstreit am 9.2.
  • , 09. Feb., 20h Chorfestival: stimmgewaltig
  • , 10. Feb., 14h Plattenverkostung
  • , 22. Feb., 19h Filmabend zur Pflegesituation an Hamburger Krankenhäusern
  • , 23. Feb., 19h Klassik: sinfonietta nova

 Detailinfos unter: http://www.sued-kultur.de/?cat=57

Gefördert wird 3falt u.a. vom Fonds Soziokultur, Saga Stiftung Nachbarschaft, dem Beirat der Integrierte Stadtteilentwicklung Harburg Innenstadt / Eißendorf-Ost und der Bezirksversammlung Harburg.“

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3falt: Kunst – Kultur – Kreativität https://www.tiefgang.net/3falt-kunst-kultur-kreativitaet/ Fri, 08 Jun 2018 22:32:17 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3713 [...]]]> Seit Jahren steht sie ungenutzt obdoch so zentral und fußnah zum Marktplatz oder Lämmertwiete: die  Dreifaltigkeitskirche in der Neuen Straße. Am kommenden Sonnabend, 16. Juni 2018 ist nun der Auftakt zu Erkundung eines neuen und spannenden Kulturorts in Harburg.

In der Pressemitteilung der Initiative SuedKultur heißt es:

„Der Bezirk Harburg hat z.Zt. etwa 160.000 Einwohner, wächst, hat aber immer weniger Platz für Kultur. Seit Jahren weist die Initiative SuedKultur auf den Mangel an Ateliers und Musikproberäumen hin, aber auch größere Veranstaltungsräume werden gesucht. Viele Kulturanbietende verfügen nicht über ausreichend Platz für Events mit mehr als 100 Personen und Ausweichflächen sind rar gesät. Das Stellwerk ist regelmäßig ausgebucht, der Rieckhof mit einer Halle, die erst ab 800 Personen wirtschaftlich sinnvoll ist und die bestuhlte Friedrich-Ebert-Halle mit gut 1.400 Plätzen sind keine adäquaten Ausweichflächen.

Gleichzeitig wird seit einigen Jahren die Dreifaltigkeitskirche in der Neuen Straße 44 von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Trinitatis wenig genutzt und die Gemeinde sucht nach neuen Nutzungen für Gebäude und Fläche. Seit Herbst 2017 kamen nun Vertreter der Kirchengemeinde St. Trinitatis Harburg, des auf Stadt- und Raumerforschung spezialisierten Vereins StadtKultur Hafen e.V. sowie der Initiative SuedKultur zusammen, um sich über weitere Nutzungsmöglichkeiten auszutauschen.

Das Resultat: Die Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Trinitatis Harburg stellt die Dreifaltigkeitskirche in der Neuen Straße für eine begrenzte Zeit als Erprobungsraum für eine Kultur-Initiative zur Verfügung. In einer entsprechenden Vereinbarung ist ein Nutzungszeitraum bis Ende Februar 2019 festgehalten. Während dessen wollen die Kulturschaffenden der Initiative SuedKultur und des Vereins StadtKultur Hafen e.V. das Kirchenschiff und angrenzende Gemeindehaus kulturell erproben. „Das Kirchenschiff selbst verfügt bekannterweise über eine erstaunlich studioreife, gedämpfte Akustik und eine Orgel ist auch noch vorhanden. 300 Besucher könnten dort alle Facetten der im Süden beheimateten Kulturaktiven an einem sehr zentral gelegenen Ort erleben“, so Heiko Langanke von der SuedKultur.

Ob Film, Tanz, Theater, Chöre, BigBands, Rock, Pop oder Lesungen, Diskussionsveranstaltungen oder Tagungen: der Bezirk Harburg verfügt über keinen ähnlich gelegenen Raum. Zudem ist die Lage optimal für einen kulturellen Ort: In Nähe der Harburger City mit Fußgängerzone, S-Bahn und Marktplatz, sowie in Nachbarschaft zur Ausgehmeile Lämmertwiete.

Und, so wie bereits die Vorgängerkirche, mit festen Blick hin zum Harburger Binnenhafen. „Sollte das Projekt Realität werden, wird dies sowohl die Neue Straße als auch die gesamte Harburger City beleben und auch den lang ersehnten Brückenschlag zwischen City und Binnenhafen befördern. Im stadtentwicklungspolitischen Sinn eine famouse Situation und diese einmalige Chance sollte wahrgenommen werden“, so Mathias Lintl, Umweltwissenschaftler und Vorstand von StadtKultur Hafen e.V..

Sakraler Einblick mit erstaunlicher Akustik – das Kirchenschiff.

„Das ist der letzte Versuch, eine neue Nutzung für diese Gebäude zu finden“, sagt Pastorin Sabine Kaiser-Reis, Vorsitzende des Kirchengemeinderates von St. Trinitatis. In den vergangenen zwölf Jahren hat es eine Vielzahl an Gesprächen mit Interessenten und Pläne zur Umnutzung der Dreifaltigkeitskirche gegeben. Letztlich blieben bisher alle ohne ein positives Ergebnis für den Erhalt der Kirche.

Die fusionierte Innenstadtgemeinde St. Trinitatis hat das Gottesdienst- und Gemeindeleben auf den Standort an der Bremer Straße konzentriert, weil schon 2006 absehbar war, dass zwei Standorte mittelfristig nicht finanzierbar sind.

Am Sonnabend, 16. Juni 2018 will die Initiative SuedKultur nun einen ersten Probelauf unternehmen in Form eines 3falt-Kulturtages. Den ganzen Tag über sind Künstler*innen und Kulturschaffende eingeladen, sich dem Gebäude anzunehmen und zu erproben, wofür es besonders gut und wofür vielleicht gar nicht geeignet ist, was geändert, verbessert oder renoviert werden müsste. Und das ist nicht als geschlossene Gesellschaft angedacht, sondern die Harburger wie auch andere Kulturinteressierte können sich gleich mit auf den Weg der Erkundung begeben.

„Bisher hat das Projekt bei uns den Arbeitstitel ´3falt – Kunst – Kultur – Kreativität`“, so Sonja Alphonso von der Initiative SuedKultur. „Damit sind wir uns zum einen der bedeutenden Geschichte und der Dreifaltigkeitskirche bei der Entwicklung des heutigen Harburgs bewusst und würden die auch gerne im historischen Bewusstsein verankern wollen. Zum anderen sind Kunst, Kultur und Kreativität als Dreifalt versus Einfalt unser Ansporn.“

Idee zum Logo

Und in der Tat: im Obergeschoss des Gemeindehauses ist angedacht, dass das länger schon in Arbeit befindliche Projekt einer ersten Hamburger Artothek – einer Kunstleihe regionaler Werke – in Harburg spielerisch und mit realen Kunstobjekten vorgestellt wird. Im Erdgeschoss hingegen erprobt eine sonst bei der Akademie für Musik und Kultur unweit im Hafen Harburgs angesiedelte Gruppe, ob dort etwa Flamenco-Tanzkurse samt Umkleide- Räumen denkbar sind. Chöre, BigBands, Orchester und kleine Ensembles wie auch Bands und Einzelkünstler*innen aus Rock, Pop, Folk oder Jazz wollen die Akustik im eigentlichen Kirchenschiff erproben und laden somit zugleich ganz Harburg zu einem kulturellen Kulturtag der etwas anderen Art ein.

In Kooperation mit dem im Phoenixviertel beheimateten Musikclub Marias Ballroom aber auch dem im Heimfeld beheimateten Kulturverein ContraZt e.V. werden eine kleine Musik und Lichtanlage bereit stehen. Auch für Getränke und Imbiss ist gesorgt. Während des Tages wird es Ideen zu verschiedenen Projekten der SuedKultur-Mitstreiter und zum Projekt „3falt“ selbst geben. Sobald eine Abfolge der kulturellen Erprobungsprojekte steht, wird sie unter www.sued-kultur.de zu finden sein.

Zur Bedeutung des Gebäudes

Die einstige Dreifaltigkeitskirche wurde 1650–1652 als Ersatz für die Marienkirche errichtet, welche im Zuge des Ausbaus der Befestigungsanlagen der Stadt und des Harburger Schlosses weichen musste und an Stelle des heutigen Lotsekanals im Harburger Binnenhafen stand.

Die Kirche wurde im Jahr 1944 durch Bomben zerstört. Von den verbliebenen Außenmauern ist heute noch die Westwand mit dem barocken Eingangsportal und dem Fragment einer Christus-Figur (1652) erhalten. Neben dem Portal sind zudem einige Grabplatten als Zeugnis der ehemaligen Kirchenbeerdigungen erhalten, darunter auch solche der Fürstengruft der herzoglichen Familie.

Der jetzige Kirchbau entstammt der Feder des bekannten Hamburger Architektenehepaars Spengelin und wurde 1963 der Gemeinde übergeben. 1999 erfolgte die Unterschutzstellung als Denkmal durch die Kulturbehörde Hamburg.

Aus dem Gutachten:

„Bemerkenswert ist an der Dreifaltigkeitskirche Harburg der städtebauliche Einfall mit der Hoferschließung, die eine beliebte zeitgenössische Idee von der „Kircheninsel“ in dem „Meer“ der Großstadt widerspiegelt. … Hervorzuheben ist der pietätvolle und gleichzeitig geschickte Umgang mit den Resten des Vorgängerbaues… Es stellt ein Baudenkmal dar als charakteristisches Element des Stadtbildes, das in besonderem Maße den Altstadtbereich Harburgs prägt.

Kirchenarchitektur der Nachkriegsmoderne von den Architekten Spengelin.

Innerhalb der Nachkriegskirchenarchitektur besticht das Ensemble durch die Ausgewogenheit der Zuordnung der Baukörper und Bauteile und stellt ein herausragendes Beispiel für die Kirchenarchitektur der Nachkriegsmoderne in Harburg dar. Der ausgeschriebene Wettbewerb, der auch auf Initiative der Stadt in die Wege geleitet wurde, unterstreicht die Bedeutung, die man diesem Bauvorhaben beimaß. Somit ist sie auch aus architektur- und kirchenbaugeschichtlichen Gründen ein Baudenkmal. An ihrer Erhaltung besteht deswegen ein öffentliches Interesse.“

Der strategischen Bedeutung der Lage wird auch im ´Integrierte Entwicklungskonzept` für das Fördergebiet Harburger Innenstadt / Eißendorf-Ost Rechnung (kurz: RISE) getragen: „Der Handlungsbedarf liegt in der Stärkung der Verbindung zwischen Innenstadt und Binnenhafen, damit die Harburger Innenstadt von der dynamischen Entwicklung des Binnenhafens profitieren kann.“

Zum Projektziel

Der auf Stadt- und Raumerforschung spezialisierte Verein StadtKultur Hafen e.V. sowie die Initiative SuedKultur arbeiten an der Idee, das gesamte Gebäudeensemble in die Nutzung eines Kulturprojektes zu überführen. Ziel ist es bis Februar 2019 ein tragfähiges Nutzungs-, Umbau- und Finanzierungskonzept zu entwickeln. Und die Initiative SuedKultur will es nicht einem einzelnen Betreibendem überlassen, sondern als Ort für alle Kulturschaffenden nutzbar machen.

Ideen von Kulturprojekten und Kreativen für den Sa., 16. Juni sind gefragt, sollten in 1-2 Sätzen skizziert und an fest@dreifalt.info gesandt werden. Bitte ungefähre Zeit für den Tag angeben, damit eine Abfolge erstellt werden kann, wer wann bei der Erkundung zum Zuge kommt. Je Aufführung / Erprobung sollte der Fairness halber gegenüber weiteren Interessenten nicht mehr als eine Stunde inkl. Auf- und Abbau angedacht sein.

Darüber hinaus werden Helfende für Vor- und Nachbereitung gesucht: schleppen, putzen, herrichten, abbauen etc.pp..

Auch hierzu bitte mit kurzer Zeitangabe (also wann verfügbar) mögen sich helfende und unterstützende Hände per Mail unter fest@dreifalt.info melden.

 

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