Verkehrsplanung https://www.tiefgang.net Mon, 04 May 2020 07:52:42 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 „Neue Wege in der Stadt- und Verkehrsplanung!“ https://www.tiefgang.net/neue-wege-in-der-stadt-und-verkehrsplanung/ Fri, 01 May 2020 22:37:57 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6843 [...]]]> Der seit langem schwelende Streit um den Abriss der Sternbrücke mit den Musik-Clubs Fundbureau, Waagenbau und Astra-Stube hat eine neue Dimension angenommen. Das was kommen soll, erzürnt nun selbst die Architekten.

Lange Zeit ging es bei dem Streit um den Erhalt der Sternbrücke vor allem um die Existenzängste der darunter befindlichen Musikclubs. Nach dem nun bekannt wurde, was die Deutsche Bahn als Alternative plant, schlagen die Wogen jedoch weit höher. Denn die völlig überdimensionierte Brücke, die entstehen soll, zeigt vor allem: Verkehrsplanungen werden oftmals ohne Blick auf das Umfeld und das Stadtbild vorgenommen. Gerade heutzutage dem Verkehr auf und unter der Brücke derart Priorität einzuräumen, sei engstirnig, so die Architekten. Ein Beitrag, der auch für Harburger Verkehrs- und Stadtplaner mahnend sein sollte.

In der Pressemitteilung der Hamburgischen Architektenkammer vom 24.04.2020 heißt es:

„Die Hamburgische Architektenkammer (HAK) nimmt die Entwicklung bei der Sternbrücke in Altona zum Anlass, grundsätzlich zu den Vorgängen rund um das Projekt sowie zum Verhältnis zwischen Stadt- und Verkehrsplanung Stellung zu beziehen.

Die HAK kritisiert, dass die bisherigen Planungen zur Sternbrücke vollständig hinter verschlossenen Türen abliefen. Hierzu gehören der Entschluss der Bahn, die denkmalgeschützte Brücke abzureißen sowie die dieser Entscheidung zugrunde liegenden, sich teilweise offenbar widersprechenden Stellungnahmen und Gutachten. Auch der weitere Abstimmungsprozess zwischen Bahn, Wirtschaftsbehörde (BWVI), Stadtentwicklungsbehörde sowie Denkmalschutzamt bis hin zur Senatsentscheidung für den Abriss der denkmalgeschützten Sternbrücke und dem Neubau in der nun geplanten Form verlief intransparent. Die Bevölkerung erfuhr von den konkreten Planungen erst jetzt, unmittelbar vor Beginn des Planfeststellungsverfahrens. Dies ist angesichts der Tragweite der Entscheidungen und der Bedeutung des Projekts nicht akzeptabel und gilt es bei künftigen Infrastruktur-Großprojekten zu vermeiden.

Die HAK kritisiert weiter, dass Bahn und Stadt die gesamtstädtische Bedeutung eines Neubaus der Sternbrücke nicht erkannt und nicht entsprechend gehandelt haben. Als eigentliches Problem kristallisiert sich hierbei die Grundsatzentscheidung der BWVI heraus, dass die neue Brücke den Kreuzungsraum Max-Brauer-Allee / Stresemannstraße komplett stützenfrei zu überspannen habe. Erst aufgrund dieser Maßgabe wurde ein Brückenbauwerk notwendig, dessen Dimensionen die Kleinteiligkeit und den Maßstab des Umfelds vollkommen negiert und sprengt.

Inhaltlich ist die Entscheidung für eine den Straßenraum frei überspannende Brücke in Frage zu stellen: Die vage Begründung, man wolle sich mittels Stützenfreiheit alle Optionen für eine künftige Umgestaltung der Straßenräume im Sinne einer Stärkung des ÖPNV und des Radverkehrs offen halten, ist nicht überzeugend, da die BWVI zugleich betont, dass ein Erhalt der Vierspurigkeit der Straßen für den jetzigen und künftigen Kfz-Verkehr unabdingbar sei. Angesichts dessen kritisiert die HAK, dass die BWVI und der Bezirk Altona es trotz ausreichender Zeit mutmaßlich unterlassen haben, ein Verkehrskonzept für die beiden stark durch motorisierten Verkehr frequentierten Straßen Stresemannstraße und Max-Brauer-Allee zu entwickeln. Aufgrund dieses anzunehmenden Unterlassens halten BWVI und Bezirk nun an der Vierspurigkeit fest, die zu den oben beschriebenen Konsequenzen für das neue Brückenbauwerk führt.

Die Architektenkammer fordert den Senat auf, die Grundsatzentscheidung für eine stützenfreie Querung der Straßenräume zu überdenken und zu prüfen, wie eine verkehrliche und stadträumliche Lösung mit einer Brücke mit Stützen aussehen kann. Weiterhin fordert die Architektenkammer die Deutsche Bahn auf, durch weitere Planungsbüros prüfen zu lassen, ob die Vorgabe der Stützenfreiheit tatsächlich zwingend zu einem solch hohen und ungünstig proportionierten Brückenbauwerk führen muss. Es müsste für diesen Fall also unbedingt ein Planungswettbewerb durchgeführt werden. Bei einem derart prägenden Bauwerk muss alles dafür getan werden, dass die für den Stadtraum bestmögliche Lösung gefunden wird.

Insgesamt zeigt die vermeidbare Entwicklung aus Sicht der Architektenkammer exemplarisch, wohin eine isolierte und nicht auf Zusammenarbeit ausgelegte Verkehrsplanung führt, die zudem ihre Auswirkungen auf den Stadtraum nicht bedenkt. Die Hamburgische Architektenkammer fordert daher eindringlich, dass die Verkehrsplanung nicht isoliert agiert, sondern wieder zu einem Teil der Stadtplanung wird. Dies bedeutet einerseits, dass Stadt und Verkehr und also Stadt- und Verkehrsräume wieder zusammengedacht und -geplant werden müssen und zum anderen konkret, dass die Verkehrsabteilung wieder aus der Wirtschaftsbehörde herausgelöst und in die Stadtentwicklungsbehörde integriert wird. Es ist aus Sicht der HAK wichtig, dass in den derzeit laufenden Koalitionsverhandlungen diese Verlagerung beschlossen wird, denn sie ist eine Grundvoraussetzung für die dringend notwendige Verkehrswende in Hamburg.

Diese Neustrukturierung ist nicht nur unter klimapolitischen Aspekten notwendig, sondern auch aus der aktuellen Notwendigkeit, die städtischen öffentlichen Räume Hamburgs unter dem Aspekt des wohl noch lange notwendigen Social Distancing zu optimieren. Der städtische Raum muss und wird sich somit dauerhaft und tiefgreifend verändern. Umso wichtiger ist es, dass sich eine Prozess- und Planungskultur etabliert, die auf Zusammenarbeit, Austausch und Transparenz beruht.“

Quelle: www.akhh.de

 

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Stadt- statt Verkehrsräume! https://www.tiefgang.net/stadt-statt-verkehrsraeume/ Fri, 12 Apr 2019 22:19:15 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5101 [...]]]> Alle reden über Hamburgs Verkehr und neuerdings die „Magistralen“ – in etwa die Hauptverkehrsachsen und wie man sie gestaltet. Dabei geht es um mehr als nur Straßen und Velorouten. Die Architekten melden sich nun zu Wort …

In dem Aufruf der Hamburgischen Architektenkammer anlässlich des Bauforums: „Plant Stadträume, nicht Verkehrsräume!“ heißt es:

„Die Hamburgische Architektenkammer begrüßt sehr das von Oberbaudirektor Höing initiierte Bauforum zum Thema „Magistralen“. Die Präsidentin der Architektenkammer Karin Loosen: „Die sogenannten Magistralen haben gesamtstädtische Bedeutung, weil sie Teilräume der Stadt sowie Stadt und Umland miteinander verbinden. Doch sie müssen mehr sein als Transiträume. Dieses Bauforum ist ein ganz wichtiger Schritt, diese jahrzehntelang vernachlässigten Stadt- und Straßenräume in den Fokus zu nehmen und zu verbessern. Dies kann und muss zugleich aber auch eine Initialzündung sein für eine endlich ganzheitliche und interdisziplinäre Planung von Hamburgs Straßenräumen generell. Unsere Stadtstraßen dürfen niemals nur Verkehrsräume bleiben, sondern müssen Stadträume sein, die das Leben der Menschen positiv prägen.“

Die Hamburgische Architektenkammer fordert deshalb, anstehende Um- und Neubauten von Straßen und Plätzen nur noch in interdisziplinären Teams zu planen und dabei städtebauliche, soziale, freiraumplanerische, ökonomische und verkehrliche Erfordernisse zusammenzudenken. Verkehrsplaner/-innen, Stadtplaner/-innen und Landschaftsarchitekten/-innen müssen von Anfang an, also schon in der Phase der Zielsetzung und Ideenfindung, auf Augenhöhe mit der Auftraggeberseite an einen Tisch sitzen, um die unterschiedlichen Belange zu definieren und miteinander zu vereinbaren. Auf der städtischen Auftraggeberseite muss endlich die bisherige Ämtertrennung überwunden werden: Sollen Nutzungsmischung und Vernetzung Realität werden, müssen Stadtplanung, Grünplanung, Verkehr, Infrastruktur von Beginn an gleichberechtigt zusammenarbeiten. Bei allen größeren Maßnahmen müssen zudem Bürgervertreter/-innen beteiligt werden.

Präsidentin Loosen: „Das ist in der Vergangenheit oftmals unterblieben. Der Umbau von Straßenräumen für das Busbeschleunigungsprogramm ist beispielsweise vor allem unter Mobilitätsaspekten geplant und umgesetzt worden. Auch der Siemersplatz oder der Theodor-Heuss-Platz wurden erst vor Kurzem für rein verkehrstechnische Erfordernisse umgebaut. So werden große Chancen vertan, attraktivere Stadträume an zentralen Orten zu entwickeln. Auch wird bislang kaum daran gearbeitet, Verkehrsknotenpunkte zu Zentren neuer Mobilität und innovativer Verknüpfung von Angeboten aufzuwerten. Man muss sich darüber klar sein, dass größere Straßenumgestaltungen teuer sind und deshalb im Durchschnitt nur alle 40 bis 60 Jahre erfolgen. Umso wichtiger ist es, dass dann lebenswerte Orte entstehen, an denen man sich gerne aufhält, die wohlgestaltet, multifunktional und sicher sind, und die so nachhaltig geplant wurden, dass sie auch noch in mehreren Jahrzehnten gut funktionieren. Wachsende Bedarfe und zusätzliche Nutzungen müssen dabei in den bestehenden Straßenquerschnitten untergebracht werden – eine hochkomplexe Aufgabe, die kein Amt allein bewältigen kann und die zudem professionell gemanagte Aushandlungsprozesse zwischen den Akteuren erfordern. Gerade in einer sich verdichtenden Stadt sind Straßenräume kostbare Frei- und Lebensräume, die sehr umsichtig entwickelt werden müssen.“

Die Hamburgische Architektenkammer hat bereits 2018 mit ihrem „Workshop Hamburg 2050. Die Zukunft gestalten“ Ansätze und Ideen für eine künftige Straßen- und Verkehrsplanung aufgezeigt. Eine zentrale Erkenntnis dort war: „Verkehrsplanung ist Stadtplanung. Lokale und gesamtstädtische Ebene bedingen einander und müssen zusammen gedacht werden, genauso wie (Frei-) Raumentwicklung, Mobilität, Ökonomie und soziale Entwicklung: Zukunft ist eine Gemeinschaftsaufgabe und braucht strategische Stadtentwicklung.“ Karin Loosen resümiert: „Auf dieser Erkenntnis gilt es aufzubauen und die Stadträume der Zukunft zu entwickeln. Das Bauforum Magistralen ist dafür ein erster wichtiger Baustein.“ 

Quelle: www.akhh.de

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