Wilhelmsburg https://www.tiefgang.net Fri, 01 Jul 2022 13:00:51 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Die Nachlese zur SuedLese https://www.tiefgang.net/die-nachlese-zur-suedlese/ Fri, 01 Jul 2022 22:52:20 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9181 [...]]]> Der Juni stand im Süden Hamburgs ganz im Zeichen der Literatur. Die nunmehr 7. SuedLese-Literaturtage waren mehr als ein Neustart nach der Pandemie …

Mehr als 60 Termine, 80 Autor*innen, 30 Orte der Worte und über 1000 Besuchende sind die zahlenmäßige Bilanz des diesjährigen Sprachspektakels. Und es zeigt: die Kultur ist auch in Sachen Literatur wieder und immer noch da.

Und trotz spürbarer Zurückhaltung des Publikums zu sonst besuchsstarken Veranstaltungen, die auch andere Kulturgenres gerade erleben, ist die Projektleiterin Anne Lamsbach mit den inhaltlichen Ergebnissen mehr als zufrieden: „Der Ideenreichtum zu Leseorten war schon bemerkenswert: ob auf dem Rad, unter einem Baum, auf einem Laster, einem Sandberg, einem Flohmarkt, einer Kneipe, einem Club, einem Schlossgewölbe oder am Fenster – die Literatur war an Orten zu finde, wo man sie wohl kaum erwarten würde. Und auch die Zusammenarbeit von Bezirk und Landkreis Harburg, die letztes Jahr ihren Anfang nahm, hat ihr Potenzial gezeigt.“ Denn in Winsen, Buchholz, Moisburg oder Stelle wurde ebenso der Literatur gehuldigt wie in Neugraben oder Harburg, Heimfeld, im Hafen oder in Wilhelmsburg.

Konzertlesung in der Kneipe Zur Altstadt in Harburg (Foto: PR)

Und auch Literatur und Inklusion war deutlich präsent durch das Schreiblabor des Sozialkontors Hamburg-Süd aber auch im Heimfelder HinZimmer und gar im Popupstore des Harburg Marketings im Phoenixcenters.

Märchenhaft mit der „kleinen Hexe“ ging es Moisburg zu. (Foto: PR)

Allein zum Otfried Preußler-Märchentag in Moisburg kamen 200 Besucher*innen jeglicher Altersklasse und erfreuten sich an der kleinen Hexe, dem Räuber Hotzenplotz oder dem kleinen Gespenst. „Es war für uns, dem Verein Kultur Punkt Moisburg, wieder eine schöne Gelegenheit, Kultur mal auf anderen Wegen zu vermitteln“, so die erste Vorsitzende Angelika Fröhning. „Und die Einbindung ins Netzwerk SuedKultur hilft dabei natürlich und macht einfach Spaß.“ Das bestätigt auch Musikclubbetreiber und SuedKultur-Sprecher Heimo Rademaker: „Bei der diesjährigen SuedLese war mein sonst als Rockclub agierende Club auch erstmals als Literaturort dabei. Mit dem Trashautoren Jan Off hat es richtig Spaß gemacht und wir werden uns sicher auch weiter anderen Kulturgenres gegenüber offen zeigen.“ Und auch Anke Zumdohme der Bücherhalle Harburg stellt fest: „Unsere SuedLese-Kooperation mit der Buchhandlung am Sand und der Harburger Volkhochschule läuft eh schon sehr gut. Nun kommen noch weitere Kooperationen mit dem Heimfelder HinZimmer und auch der Lesereihe „Die Insel liest“ in Wilhelmsburg hinzu.“ Und Anne Lamsbach weiß auch zu berichten, das durch die SuedLese eine Seniorenresidenz Kontakt zum Literaturteam suchte und nun regelmäßig auch Lesungen für eine Zielgruppe veranstaltet, die selten in der Lage ist, Otte der Lesungen aufzusuchen. „Also kommt die Literatur nun zu denen.“

Die SuedLese ist also trotz Pandemie weiter ein festes kulturelles Highlight im Süden Hamburgs und eine Fortsetzung ist geplant.

Die 7. SuedLese-Literaturtage wurden vor allem möglich durch die Förderung NEUSTART der Bundesbeauftragten für Kultur sowie des Bundesverbandes Soziokultur.

Infos auch auf www.suedlese.de

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„the show must go online“ https://www.tiefgang.net/the-show-must-go-online/ Fri, 29 May 2020 22:45:21 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6955 [...]]]> 48h Wilhelmsburg bringt Musik, Orte und die Nachbarschaft zusammen. Auch in diesem Jahr.

Aber wie kann das auch in Zeiten einer Pandemie sicher umsetzt werden? Dieses Jahr kontaktlos via Internet, Radio und Fernsehen. Aber auch in geschlossenen Hinterhöfen und in der Weite des Deiches.

Im Fokus steht dieses Jahr das Online-Programm: The show must go online! 48h Wilhelmsburg 2020 kommt zu den Besucher*innen nach Hause. Am Festival-Wochenende wird es viele verschiedene Livestreams geben. Mit dabei sind unter anderem die Minibar, die Deichdiele und das Café Nova. Viele Musiker*innen werden außerdem aus ihren Wohnzimmern von zu Hause aus streamen.

Teil des Programmes sind außerdem Videos und Podcastfolgen, die das Bürgerhaus Wilhelmsburg aufgenommen hat. Wie immer bei 48h wurden Orte und Musiker*innen zusammengebracht: Die Konzerte und Podcasts sind deshalb nicht nur Konzertaufzeichnungen, sondern stellen immer auch den Ort vor, an dem das Konzert eigentlich hätte stattfinden sollen.

Bereits jetzt wird es bis zum 48h Wilhelmsburg Wochenende einiges zu sehen und zu hören geben: Jede Woche Mittwoch erscheint der Podcast „Listen to your neighbourhood“ und bis zum 48h Wochenende werden immer Montag bis Freitag um 20 Uhr Konzerte online auf der Festival-Website ausgestrahlt.

Es wird auch verschiedene kleine nachbarschaftliche Innenhofkonzerte geben, die allerdings nicht öffentlich zugänglich sein werden, sondern für die jeweils dort lebende Nachbarschaft bestimmt sind.

Jetzt kommt 48h Wilhelmsburg nach Hause!

„Wir haben mit einigen der Musiker*innen, die sich für 48h Wilhelmsburg 2020 beworben haben, Konzerte aufgenommen, die hier und bei TIDE TV ausgestrahlt werden!“, so die Veranstaltenden. Und weiter:

„Wie immer bei 48h wurden Orte und Musiker*innen zusammengebracht. Raum, der auch immer kultureller Ort der Elbinseln ist und nicht in Vergessenheit geraten darf. Musik, die nicht aufhören darf zu spielen. So werden sich vor dem Konzert Musiker*innen und Orte durch ein Interview vorstellen.

Wir möchten dir damit die Freude bereiten Musik aus Wilhelmsburg und von der Veddel zu genießen. Vor allem möchten wir die Musiker*innen unterstützen, die durch Corona und dem Wegfall von Konzerten starke finanzielle Einbußen haben. Wir wollen weiterhin die Vielfalt der Elbinseln in vollster Pracht präsentieren! Statt Geld im Hut oder an der Bar zu lassen, könnt ihr Musiker*innen durch das Spendenformular bei den Streams unkompliziert unterstützen! So entsteht in gewisser Weise ein waschechter 48h Moment der Begegnung und Solidarität: Nur eben Online.“

Weitergehende Informationen: 48h-wilhelmsburg

 

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Schule Neuhöfer Damm https://www.tiefgang.net/schule-neuhoefer-damm/ Fri, 05 Jul 2019 22:06:34 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5459 [...]]]> Hamburg ist eine Baustelle. Altes verschwindet, Neues entsteht. Je nach Zeitgeist. Manchmal sollte man aber erst innehalten, bevor es platt gemacht wird. Unsere Serie zu Denkmälern. Heute geht´s nach Neuhof.

Stand Okt. 2018. Als in den 1970er Jahren der ehemalige Hamburger Stadtteil Neuhof für den Bau der Köhlbrandbrücke abgerissen wurde, ist auch die Grundschule des Stadtteils geschlossen worden und dokumentiert bis heute das einstige Arbeiterquartier. Die im Jahre 1913 erbaute Schule am Neuhöfer Damm 95 wurde zuletzt von 1990-2007 als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Nun steht das verlassene Bauwerk mit Ausnahme einer temporären Zwischennutzung der unteren Etagen seit über 10 Jahren leer, und mit jedem Jahr verschlechtert sich die Bausubstanz. Obwohl Fenster und Türen im Erdgeschoss verriegelt wurden, gibt es regelmäßig neue Schäden durch Vandalismus.

Die rote Backstein-Fassade wird durch die geometrische Anordnung großer Fensterflächen und eine zurückhaltende Ornamentik gegliedert. Der Architekt des Gebäudes ist unbekannt – die Architektursprache legt zwar den Verdacht nahe, dass sie von dem Hamburger Baumeister Fritz Schumacher stammt, dieser war jedoch zur Bauzeit nicht für Wilhelmsburg zuständig. Die alten Schul-Grundrisse wurden in den 1990er Jahren für die Nutzung als Unterkunft angepasst, große Räume verkleinert und neue Sanitärräume eingerichtet, davon abgesehen ist das Baudenkmal bis heute weitgehend unverändert.

Eigentümer des Gebäudes ist die Hamburg Port Authority (HPA), die nach Auskunft im März 2018 eine interne Nutzung prüft. Der Denkmalverein hält es für dringend geboten, den historischen Schulbau durch Sicherungsmaßnahmen vor dem weiteren Verfall zu bewahren, ihn zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen. Da in dieser Lage nur hafenkonforme Nutzungen möglich sind, läge eine kreativwirtschaftliche Nutzung nahe.

Die Serie erfolgt mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung des Denkmalvereins.

Quelle: www.denkmalverein.de

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„Beispielhaft“ https://www.tiefgang.net/beispielhaft/ Fri, 09 Nov 2018 23:53:44 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4506 [...]]]> In Wilhelmsburg konnte die denkmalgeschützte ehemalige St. Maximilian-Kolbe-Kirche erhalten werden, in dem eine neue Nutzung gefunden wurde – auch für Kultur. Dafür gab es jetzt einen Preis.

Während die Dreifaltigkeitskirche im Zentrums Harburg nach jahrelangem Leerstand jetzt immerhin in einer Erprobungsphase für eine kulturelle Weiternutzung steht, wird in Wilhelmsburg bereits der erste Preis für ein umgesetztes Profanisierungsprojekt mit einem Preis gefeiert.

In der Pressemitteilung der Hamburger Behörde für Kultur und Medien heißt es:

„Für die Pläne zum Erhalt der denkmalgeschützten St. Maximilian Kolbe-Kirche in Wilhelmsburg und ihre Umnutzung zum „Malteser Campus St. Maximilian Kolbe“ gab es heute einen von drei dritten Preisen beim Bundeswettbewerb „Europäische Stadt: Wandel und Werte – Erfolgreiche Entwicklung aus dem Bestand“, den das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 ausgelobt hatte. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde heute am 8. November in Leipzig im Rahmen der „denkmal – Europäische Leitmesse für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung“ überreicht. Die Rettung und der beispielhafte Erhalt der abrissbedrohten ehemaligen St. Maximilian Kolbe-Kirche und die geplante denkmalgerechte Umwandlung zum Zentrum für Pflege, Ausbildung und Begegnung durch die Malteser Norddeutschland gGmbH wurde in der Kategorie „Stadtgebäude“ ausgezeichnet.

„Wandel und Werte“

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Das ausgezeichnete Projekt zeigt beispielhaft einen Weg zum Erhalt eines identitätsstiftenden Denkmals. Die Hamburgerinnen und Hamburger waren mit vielen kreativen Ideen an der Entwicklung eines neuen Nutzungskonzepts für das Denkmal beteiligt: Die Wünsche aus dem Stadtteil nach Begegnung werden über die denkmalgerechte Umgestaltung des Kircheninnenraums zu einem interkulturellen Zentrum realisiert. Diesem gesellschaftlichen Miteinander jenseits ethnischer, kultureller oder sozialer Grenzen im wahrsten Sinne Raum zu geben, ist auch ein Kerngedanke des Europäischen Kulturerbejahrs. Ich danke den Hamburgerinnen und Hamburgern für ihre vielen guten Ideen zur Umnutzung des Denkmals und den Maltesern für ihre Offenheit bei der Konzeption und Realisierung des Projekts.“

Dr. Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen: „Der Erhalt der wertvollen Architektur der ehemaligen St. Maximilian Kolbe-Kirche ist für die Stadt von hoher Bedeutung. Die geplante Umnutzung wird den Stadtteil Wilhelmsburg mit einem weiteren Baustein an Vielfalt und Lebensqualität bereichern. Mit der neuen Nutzungskonzeption soll eine sozialraumorientierte und nachhaltige Weiterentwicklung des Kirchengebäudes für den Stadtteil entstehen, die für Wilhelmsburg ausgesprochen positiv ist.“

Dr. Franz Graf von Harnoncourt, Geschäftsführer Malteser Deutschland gGmbH: „Wir freuen uns, dass die Jury des Bundeswettbewerbs unsere Bemühungen würdigt, den ,Malteser Campus St. Maximilian Kolbeʻ zum Raum für interkulturelle Begegnung, gekoppelt mit sozialen und kultursensiblen Angeboten, umzuwandeln. Die Auszeichnung ist Bestätigung und Unterstützung zugleich, mit dem Erhalt des Denkmals eine neue Quartiersmitte mit Räumen für alle Wilhelmsburger zu etablieren.“

Mit dem Bundeswettbewerb „Europäische Stadt: Wandel und Werte“ werden im Europäischen Kulturerbejahr 2018 herausragende Konzepte und Projekte für einen zukunftsweisenden Umgang mit dem baukulturellen Erbe ausgezeichnet. Ausgelobt wurde der Wettbewerb vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI). Kooperationspartner sind die Länder und Kommunalen Spitzenverbände der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen der Bund-Länder-Städtebauförderung und der Nationalen Stadtentwicklungspolitik (NSP).

Die achtköpfige, interdisziplinär besetzte Jury bewertete die Beiträge hinsichtlich ihres Umgangs mit den besonderen Qualitäten der Europäischen Stadt. Grundlage waren sieben Bewertungskriterien: Einfügung in den städtebaulichen Kontext einschließlich Erhalt wertvoller Bausubstanz, Belebung von bereits Vorhandenem durch neue Nutzungen, Impuls für weitere Aktivitäten und Übertragbarkeit auf andere Kommunen sowie Innovation durch Erprobung neuer Planungs- und Umsetzungsmöglichkeiten. Ferner Dialog über partizipative Prozesse und Akzeptanz in der Stadtgesellschaft, Engagement von Bürgern und Bürgerinnen oder Initiativen und Perspektive durch Erwartungen beziehungsweise Auswirkungen auf Bürgerinnen und Bürger sowie Stadtentwicklung. In den vier Kategorien Stadtgebäude, Stadtraum, Stadtleben und Stadtbürger gab es insgesamt 21 Nominierungen.

Das Projekt zur Umnutzung und Erweiterung der denkmalgeschützten und profanierten Kirche St. Maximilan Kolbe erhielt einen von drei dritten Preisen in der Kategorie Stadtgebäude. Die Denkmalumnutzung im Zentrum Wilhelmsburgs ist Teil einer Entwicklung des Standorts zum „Malteser Campus St. Maximilian Kolbe“ als quartiersbezogenes interkulturelles Zentrum für Pflege, Wohnen, Beratung, Ausbildung sowie Begegnung zwischen Generationen und Herkünften.

Abriss war beschlossen

Der Bau des Architekten Jo Filke wurde 1972 als ein Symbol des Aufbruchs für das durch die Flutkatastrophe von 1962 traumatisierte Wilhelmsburg errichtet. Seither prägt der auffällige Betonspiralturm das Stadtbild des Quartiers. Die vorrangig aus Polen stammende Gemeinde erinnerte mit dem Bau an einen in Auschwitz ermordeten Priester und setze somit auch ein Zeichen für die deutsch-polnische Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg.

In Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt wird die Kirche, deren Abriss 2014 bereits beschlossen war, baulich saniert und für Vorschul- und Seminarräume, Beratungsbüros und Familienhilfe umgebaut. Ziel ist es, bei weitestgehendem Erhalt von Raumeindruck, Substanz und Erscheinung einen hochwertigen wie funktionalen Ausbau zu realisieren. Die Kosten der Sanierung werden weitgehend von der Beauftragten für Kultur und Medien der Bundesregierung, dem Denkmalschutzamt Hamburg und Stiftungen getragen.

Der Entwurf für den Umbau von LH-Architekten, Landwehr Henke und Partner mbB war Gewinner eines Wettbewerbs. Er schafft in der Kirche einen Teil der Räume für die neuen Nutzungen sensibel nach dem „Haus-im-Haus-Prinzip“, wobei der beeindruckende Innenraum erlebbar bleibt. Büroarbeitsplätze werden in eine Aufstockung der eingeschossigen Sakristei verlagert, wodurch Eingriffe in die Bestandsfassade minimiert werden können.

Der „Malteser Campus St. Maximilian Kolbe“ ist darauf ausgerichtet, Modellcharakter zu entfalten und wird deshalb auf Grund eines Beschlusses des Bundestages durch das BMI gefördert. Die Fertigstellung ist für 2020 avisiert.“

Quelle: www.hamburg.de/bkm

Weiterführender Link: maltesercampus-wilhelmsburg.de

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Der Kulturkanal kommt! https://www.tiefgang.net/der-kulturkanal-kommt/ Fri, 09 Nov 2018 23:45:08 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4503 [...]]]> Die Weihnachtszeit naht und manche schöne Überraschung lässt frohlocken. So jedenfalls in Wilhelmsburg, wo der lang angedachte Kulturkanal in weiter Ferne schien. Jetzt aber geht es doch los.

Im Tumult um die Schließung der Soulkitchenhalle und dem Drohen der Abrissbirne für die Zinnwerke am Veringkanal gab es erbitterten Streit von Kreativen und Kulturschaffenden in Wilhelmsburg um ihre gestohlen geglaubten Perspektiven. Dann gab die Politik nach und schrieb einen „Kulturkanal“ zumindest zielführend in den Koalitionsvertrag. Dann geschah aber schlichtweg nichts. Nun die Kehrtwende.

In der Mitteilung der Behörde für Kultur und Medien Hamburg heißt es:

„Zum ersten Mal besteht eine reelle Chance, das Areal Veringhof 7 im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg zu erhalten, zu sanieren und dauerhaft zu nutzen. Voraussetzung dafür ist ein belastbares Konzept. Die Hamburg Kreativ Gesellschaft gestaltet für die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte einen offenen Prozess, der die Grundlage für ein dauerhaftes Konzept für eine kultur-und kreativwirtschaftliche Nutzung des Gebäudeensembles auf dem Gelände der ehemaligen Zinnwerke schafft. Sowohl Wilhelmsburgerinnen und Wilhelmsburger als auch Kultur- und Kreativschaffende im gesamten Stadtgebiet sind dazu eingeladen, an der Konzeptentwicklung mitzuwirken.

Dr. Carsten Brosda, Senator der Behörde für Kultur und Medien: „Die ehemaligen Zinnwerke in Wilhelmsburg entwickeln sich seit Jahren zu einem spannenden Quartier für Kreative. Es ist sehr zu begrüßen, dass nun gemeinsam auch eine dauerhafte Perspektive für eine kultur- und kreativwirtschaftliche Nutzung am Veringhof entwickelt werden kann. Hamburg bekommt damit weitere dringend benötigte Flächen für Künstler und Kreative und der Stadtteil einen weiteren positiven Entwicklungsschub.“

Falko Droßmann, Leiter des Bezirksamtes Mitte: „Ich freue mich sehr, dass der Beschluss der Bezirksversammlung jetzt umgesetzt und durch die Kreativ Gesellschaft ein gutes und objektives Konzept gemeinsam mit den Leuten vor Ort und mit Kultur- und Kreativschaffenden aus dem gesamten Stadtgebiet erarbeitet wird.“

Egbert Rühl, Geschäftsführer der Hamburg Kreativ Gesellschaft: „Eine dauerhafte Zukunft für den Veringhof scheint erstmals möglich. Dafür braucht es das beste Konzept. Für Wilhelmsburg und für Hamburg. Dieses Konzept kann nur aus der Zusammenarbeit vieler entstehen, weil es die Zustimmung vieler benötigt. Diese Zusammenarbeit zu ermöglichen, ist dabei die Aufgabe der Kreativ Gesellschaft. Darauf sind wir gespannt, darauf freuen wir uns.“

Über die Webseite der Hamburg Kreativ Gesellschaft können Interessierte ihre Ideen ab dem 9.11.2018 in schriftlicher und/oder visueller Form einbringen (www.kreativgesellschaft.org/veringhof). Im Rahmen eines Workshops am 23. November 2018 werden Anwohner/innen und Gewerbetreibenden vor Ort Konzepte und Ideen vorstellen und entwickeln können. In einem zweiten Workshop am 28. November 2018 sind Kultur- und Kreativschaffende aus ganz Hamburg eingeladen, ihre Vorschläge zu präsentieren und im Austausch voranzubringen.

Über mehrere Jahre hat sich auf Teilflächen des Geländes der ehemaligen Zinnwerke in Wilhelmsburg eine lebendige Kultur- und Kreativszene angesiedelt.

Die Hamburg Kreativ Gesellschaft hat 2014 erstmalig eine Halle auf dem Gelände von der städtischen Eigentümerin, der Sprinkenhof GmbH, angemietet – zunächst mit dem Ziel, dort eine zeitlich begrenzte Nutzung durch Kreative zu ermöglichen. Die Genehmigung einer solchen Nutzung ist an die Erfüllung gesetzlich vorgeschriebener Brandschutzauflagen geknüpft. Die entsprechenden baulichen Maßnahmen konnten bis heute nicht umgesetzt werden, da der Aufwand für eine temporäre Nutzung nicht im Verhältnis zu den damit verbundenen Kosten steht.

Mit dem offenen Ideenfindungsprozess kommt Bewegung in die lange geführte Diskussion: Erstmals steht die Möglichkeit einer dauerhaften Nutzungsperspektive für Kultur- und Kreativschaffende am Veringhof 7 im Raum.

Im Sommer 2018 hat die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte beschlossen, der Hamburg Kreativ Gesellschaft die erforderlichen Mittel in Höhe von 60.000 Euro für die Konzeptentwicklung bereitzustellen.

Die Hamburg Kreativ Gesellschaft hat als städtische Fördereinrichtung der lokalen Kreativwirtschaft bereits mehrfach erfolgreich gezeigt, dass sie in offenen Verfahren mit einem vielfältigen Netzwerk an Beteiligten tragfähige Ideen für Transformationsorte entwickeln und umsetzen kann. Beispielhaft hierfür sind das Hochwasserbassin in Hammerbrook, das Kreativquartier am Oberhafen und zuletzt der Kreativspeicher M28 in der Speicherstadt. Als öffentliche Einrichtung steht die Kreativ Gesellschaft für das übergeordnete Ziel, mit den Akteuren belastbare Konzepte zu entwickeln, die eine dauerhafte Nutzung am Veringhof 7 möglich machen.“

Quelle: www.hamburg.de/bkm

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Eine halbe Meile noch bis Harburg https://www.tiefgang.net/eine-halbe-meile-noch-bis-harburg/ Fri, 23 Mar 2018 23:22:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3079 [...]]]> Die Hamburger Autorin Susanne Bienwald eröffnet bei der 3. SuedLese einen neuen Leseort – die Wilhelmsburger „Deichdiele“. Passend dazu ihr Buch „Da geht einer“. Wir haben vorab mit ihr gesprochen …

Susanne Bienwald stammt aus Eutin und ist seit 2001 als freie Autorin und Lektorin in Hamburg tätig. Nach dem Studium der Philosophie, Germanistik, Romanistik und Soziologie in Konstanz, Berlin und Hamburg.

Nach Auslandsaufenthalten in der Türkei, in Griechenland und Spanien und einem kurzen Zwischenspiel im Schuldienst arbeitete sie für den SWR in Baden-Baden. Mit dem Film „Innenansichten eines Außenseiters“ gewann sie 2002 den Münchener Preis der LiteraVision.

Später veröffentlichte sie beim Verlag  Hoffmann und Campe und dann im Literaturverlag Expeditionen ihre Künstlernovelle „Da geht einer“. Im Kadera-Verlag erschien zuletzt der Roman „Wittensee“ – ein Buch, das sich dem Thema ´Hochsensibilität` beschäftigt. Dies stellte sie 2017 bei der 2. SuedLese in der Kulturwerkstatt Harburg vor. Auch ist sie Mitglied und im Vorstand der Autor*innen-Vereinigung ´Writers’ Room`in Hamburg.

Tiefgang (TG): Du hattest schon 2017 in der Kulturwerkstatt gelesen. Wie war Dein Eindruck von der SuedLese? Ein Format das gefällt?

Susanne Bienwald: Gefallen hat mir die freundliche, ja fast familiäre Atmosphäre, die vor, während und nach meiner Lesung zu spüren war. Es schien mir so, als würden die ZuhörerInnen sich Zuhause fühlen. Viele kannten sich offenbar. Sprachen miteinander. Das ist natürlich auch für jeden Lesenden schön, wenn solch eine Stimmung herrscht. – Jetzt aber denke ich daran, wie ich mit Rüdiger Käßner draußen stand und dachte, wie schmal und verletzlich er doch aussah. Und dass er nicht krank werden dürfte … Es ist für alle, die ihn kannten und für die Hamburger Literaturszene ein Verlust, dass Rüdiger gestorben ist.

(Rüdiger Käßner (´Tiefgang` berichtete) war Autor und auch Literaturveranstalter in Hamburg, arbeitete viel auch in und mit der Kulturwerkstatt Harburg und las selbst dort im Rahmen der 2. SuedLese. Anfang Februar diesen Jahres verstarb er, Anm. d. Red.)

TG: In „Wittensee“ geht es um die Studentin Xenia, die mit Extrovertiertheit und Hochsensibilisierung zu kämpfen hat und in der Einsamkeit einen inneren Wandel vollzieht. Bei der aktuellen Lesung ist es ein „Marsch“ auf der Suche nach der inneren Berufung. Ist die innere Gespaltenheit oder Unsicherheit – könnten man es so nennen? – ein Grundthema deiner Bücher?

Bienwald: Ja, da bist du wahrscheinlich auf der richtigen Spur. Ich würde es so sehen: Mich bewegen inneren Vorgänge; die Zweifel, Ängste, Traumata, Freuden eines Menschen. Die tieferen, oft verborgenen Gründe für Entscheidungen und Verhalten. Und da wir wahrscheinlich alle mehr oder weniger Rollen spielen – so empfinde ich es jedenfalls -, sind es Verdrängungen und Spaltungen, die dann mit ans Licht kommen.

TG: Du eröffnest der SuedLese mit Deiner Lesung am 8. April erstmals die Türen zur Wilhelmsburger „Deichdiele“. Schon mal dagewesen?

Bienwald: Eine Freundin von mir lebt in Wilhelmsburg. Mit der war ich schon mal in der Deichdiele. Sie freut sich über meine Lesung „um die Ecke“ und wird sicher kommen.

TG: Was hälst Du von der SuedLese-Idee, vor allem lokalen Literat*innen mit Lesungen an neuen Orten zu würdigen?

Bienwald: Ich bin ja bekennende Lokalpatriotin (wenn auch für Ostholstein). „Wittensee“ ist auch eine Hommage an meine norddeutsche Heimat. Den lokalen Bezug also finde ich großartig. Durch die Wahl der Orte werden hoffentlich auch Schwellen gesenkt, sowohl bei den Zuhörern („ach, die Kneipe kenn` ich, da seh` ich mal vorbei, obwohl ich sonst nicht zu Lesungen gehe“), als auch bei den Veranstaltern, die plötzlich neues Publikum in ihren Räumen haben. Ja, und dann ist natürlich so eine Art Stolz vorhanden. Was wir hier Tolles auf die Beine stellen. Ich hab ja schon letztes Jahr erlebt, dass sich meine Zuhörer miteinander unterhalten haben. Und da haben sich einige gleich zur nächsten Veranstaltung verabredet. Das fand ich richtig gut.

„Eine halbe Meile noch bis Harburg. Ich wünschte, ich könnte für immer dableiben.“ So heißt es in dem Roman, den ich in der Deichdiele vorstellen werde. Wenn das kein Lokalbezug ist!

TG: Du bist als Autorin  auch aktiv als Vorstandsmitglied des Writers Room Hamburg. Wie schätzt Du die literarische Szene Hamburgs aktuell ein? Wie siehst Du die Szene selbst, ihre Themen?

Bienwald: Ich meine zu beobachten, dass sich die Hamburger Szene im Augenblick öffnet für neue Formate der Präsentation von Literatur. Etwa die Ahab- Lesungen, die AutorInnen aus verschiedenen Ländern zusammenbringen; das hat es vorher so nicht gegeben.        

Vielleicht steigt in einer zunehmend digitalisierten Welt das Bedürfnis nach „analogen“ Begegnungen. Eine Lesung ist viel mehr als der Text, den man sich herunterladen kann. Man sieht den Menschen, der ihn geschrieben hat, hört seine Stimme, kann ihn befragen. Befindet sich mit anderen Interessierten im Raum. Das ist ein großer Wert.

Im Moment warten viele auf die erste Ausgabe von „Tau“; einer neuen Hamburger Literaturzeitschrift mit bundesweiten Ambitionen.

Von offizieller Seite gibt es Unterstützung, aber lange nicht genug. Man schmückt sich gern mit Literaten, aber schaffen sollen sie es am besten ohne Unterstützung. Hamburg hat da eine lange ungute Tradition. Kollegen, die in München oder Berlin gewesen sind, berichten von einer ganz anderen Wertschätzung, die man ihnen dort entgegengebracht hat. Wenn ich erzähle, dass ich Schriftstellerin bin, höre ich als erstes: „Kann man denn davon leben?“ Scheint mir ein typisch hanseatischer Satz zu sein. Einmal hätte ich wegen meines „unzuverlässigen“ Berufs fast eine Wohnung nicht bekommen. „Schriftsteller? Die verdienen doch nichts. Können Sie sich die Wohnung überhaupt leisten?“

TG: Was dürfen von Dir als nächstes erwarten?

Bienwald: Ausnahmsweise mal ein kleines heiteres Buch, „Ich, Mina aus der Gärtnerstraße“. Ein selbstbewusster Terrier-Mischling berichtet von Killer-Enten, kritisiert menschlichen Rassenwahn und erklärt die Relativitätstheorie.

SuedLese-Termin: So., 8. April, 18h, Deichdiele, Veringstraße 156, 21107 Hamburg

Das Buch:

In „Da geht einer“ beschreibt Bienwald einen Marsch auf mehreren Ebenen. Im März 1839 machte sich der noch unbekannte junge Autor Friedrich Hebbel zu Fuß auf den Weg von München nach Hamburg. In „Da geht Einer“ wird dieser gefährliche Marsch unmerklich zu der Reise eines Dichters auf der Suche nach seiner Berufung. Ein Mensch auf der Suche nach sich selbst, der sich dabei zwischen Himmel und Hölle, Depression und Selbstüberschätzung, Euphorie und Demütigung hin und her, hinauf und hinab bewegt. Der Roman beschreibt ein Reiseabenteuer, das nicht nur quer durch Deutschland, sondern zugleich in das Herz eines Dichters führt und nicht nur im 19. Jahrhundert, sondern in jeder Zeit spielt.

 Susanne Bienwald: Da geht einer: kartoniert / broschiert, Paperback; ISBN-13: 9783943863482, 204 Seiten, 220 x 155 mm, erschienen: 14.3.2016

(Das Interview für ´Tiefgang`führte Heiko Langanke.)

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„Ich staune über meinen eigenen Mut“ https://www.tiefgang.net/ich-staune-ueber-meinen-eigenen-mut/ Fri, 09 Mar 2018 23:59:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3247 [...]]]> Es war eine der großen Überraschungen des neuen Jahres, mit der niemand gerechnet hatte: Kreiskantor Rainer Schmitz verlässt Harburg.

Mit seiner Kreativität und seinem großen Engagement hat er in den letzten 25 Jahren die Kirchenmusik im Hamburger Süden wie kein anderer geprägt. Zum Glück wechselt er „nur“ ins nicht allzu ferne Wilhelmsburg. Aber bei den Mitgliedern von Cantate, Concertino und Flauti vivi wächst die Ungewissheit, wie sich die bevorstehende monatelange Vakanz auf die Harburger Ensembles auswirkt. Kreiskantor Rainer Schmitz erläutert im Interview die durch den Wechsel entstehende Situation in Harburg.

Tiefgang (TG: ) Herr Schmitz, nach mehr als 25 Jahren verlassen sie Ende April Ihre Stelle in Harburg, wo sie zuletzt als Regional- und Kreiskantor tätig waren. Was ist der Grund für den überraschenden Wechsel?

Rainer Schmitz: Im Laufe der Jahre habe ich immer wieder einmal an einen Wechsel gedacht, denn um seinen künstlerischen und kreativen Standard zu halten, sollte man sich als Musiker im Grunde regelmäßig Neuem aussetzen. Als Kreiskantor musste ich nun zweimal das Verfahren zur Besetzung einer Kirchenmusikstelle in Wilhelmsburg betreuen. Schon während der Verfahren fragte man mich, ob die Stelle nicht etwas für mich wäre. Nachdem beide Runden ergebnislos verlaufen waren und man die Stelle um einen regionalen Aspekt erweitert hatte, konnte ich auf das neugeschaffene Amt des Inselkantors für Wilhelmsburg berufen werden. Ich bin jetzt 52 Jahre alt. Ich dachte mir: „Wenn ich jetzt nicht wechsle und noch einmal einen Neustart wage, dann werde ich das wahrscheinlich nie mehr schaffen“. Also habe ich die Berufung angenommen.

TG: Was reizt sie an der neuen Position? Was bietet Wilhelmsburg, was Harburg nicht hat?

Schmitz: Ach, ich möchte Harburg und Wilhelmsburg nicht gegeneinander ausspielen. Ich habe hier in Harburg so ziemlich alles erlebt, was man an einer relativ exponierten Stelle als Kirchenmusiker erleben kann: Die Aufführung einiger der größten Werke der Kirchenmusik, die Fusion zweier Gemeinden, die Zusammenlegung von Chören, die Regionalisierung, die Anschaffung eines Konzertflügels und die Renovierung zweier Orgeln, die immerwährende Suche nach schöner und interessanter Musik für meine Ensembles und deren oft beglückende Aufführung in Gottesdiensten und Konzerten, die Arbeit auf „höherer Ebene“ als Kreiskantor, die Entwicklung von „Forum Klangkultur“ und, und, und…

TG:  Und in Wilhelmsburg fangen Sie dann als Inselkantor wieder ganz von vorne an?

Rainer Schmitz (Foto Hermann Straßberger)

Schmitz: Was mich in Wilhelmsburg erwartet, kann ich im Moment eigentlich nur erahnen. Die Aufgaben der neuen Stelle sind vielfältig, sie müssen sich erst entwickeln, und diese Entwicklung soll ich gestalten und als wesentlichen Teil in die sich neu formierende Gemeindearbeit einbringen. Zwar staune ich zuweilen über meinen eigenen Mut, aber diese große Freiheit reizt mich und fordert mich auf ganz neue Weise heraus.

TG:  Wird Ihre Stelle neu besetzt werden oder fällt sie den Sparzwängen der Kirche zum Opfer?

Schmitz: Die Stelle wird neu besetzt werden. Soweit ich weiß, ist eine Kürzung nicht im Gespräch. Als günstig erweist sich hier sicherlich das an diese Stelle gebundene Kreiskantorat.

TG: Wie sieht der zeitliche Ablauf aus? Wann wird die Stelle ausgeschrieben?

Schmitz: Bei der Ausschreibung einer hauptamtlichen Stelle gibt es verschiedene Fristen zu beachten. Die wesentliche Frist ist der Redaktionsschluss der Fachzeitschrift „Forum Kirchenmusik“, in der die Ausschreibung auf jeden Fall erscheinen sollte. Wie ich weiß, ist der Text bereits unterwegs und wird mit der April-Ausgabe veröffentlicht. Weitere Medien der Veröffentlichung sind das Amtsblatt der Nordkirche und die einschlägigen Berufsportale im Internet. Bewerbungsschluss ist dann Mitte Mai, die Vorstellungen der Kandidatinnen und Kandidaten finden Anfang Juni statt.

TG:  Damit sitzt dann in einigen Monaten ein*e neue*r Organist*in an den Orgeln der vier Innenstadtgemeinden in Harburg. Was aber passiert mit den drei Ensembles Cantate Harburg, Concertino Harburg und Flauti vivi, die sie bisher geleitet haben?

Schmitz: Mit dieser Frage berühren Sie zwei verschiedene Zeitabschnitte – nämlich die Zeit der Stellenvakanz und die Zeit nach dem Dienstantritt meiner Nachfolgerin oder meines Nachfolgers. Wann dieser Dienstantritt und damit die Übernahme dieser Ensembles erfolgen kann, hängt ganz wesentlich von den Bedingungen ab, in denen sich meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger derzeit noch befindet. Darüber kann also höchstens spekuliert werden. Realistisch gesehen wird er aber nicht vor September oder Oktober liegen. Für die Zwischenzeit arbeite ich gerade an guten und für die Ensembles hoffentlich interessanten Lösungen.

TG:  Wie könnten die aussehen?

Schmitz: Für Cantate Harburg wird es ein Projekt mit Studentinnen und Studenten aus dem Master-Studiengang Kirchenmusik der Hamburger Musikhochschule geben, das von der sehr sympathischen, neuen Professorin für Chorleitung, Annedore Hacker, betreut wird und das mit einem Konzert Ende Oktober abgeschlossen werden soll. Die Verhandlungen dafür laufen gerade.

TG:  Wird es auch für das Streichorchester „eine Aushilfe“ von der Musikhochschule geben?

Schmitz: Nein, Concertino Harburg werde ich selbst im Rahmen meiner neuen Stelle auf die Aufführung des „Requiem“ von Wolfgang Amadé Mozart und meines „Wiener Totentanz“ vorbereiten. Die Proben sind bereits geplant, das Konzert findet am 24. November in der Kreuzkirche Kirchdorf statt.

TG:  Fehlt nur noch eine Lösung für Flauti vivi.

Schmitz: Da kann ich derzeit noch keine so konkrete Lösung anbieten. Ich stehe einerseits in Verhandlungen mit der Musikhochschule, andererseits mit Blockflötistinnen aus meinem musikalischen Umfeld. Ich hoffe aber, auch hier eine Person zu finden, die nicht nur die Proben abhält, sondern „meinen“ Flöten mit Verve und Herzlichkeit ein interessantes Programm und neue Erkenntnisse zu bieten in der Lage ist.

TG: Werden die Musiker und Musikerinnen der drei Ensembles auch ein Wort mitreden können bei der Neubesetzung Ihrer Stelle?

Schmitz: Das hoffe ich sehr. Ich habe jedenfalls bei der Vorbereitung der Stellenausschreibung darauf gedrungen, dass alle drei Ensembles bei der Vorstellung der Kandidatinnen und Kandidaten beteiligt werden und ihr Urteil abgeben können. Das ist meines Wissens in diesem Umfang einzigartig, und ich hoffe sehr, dass sich alle Sängerinnen und Sänger sowie Instrumentalistinnen und Instrumentalisten an diesem spannenden Prozess beteiligen und diese Chance wahrnehmen.

TG:  Wo sehen Sie die Zukunft des Förderkreises „Forum Klangkultur“?

Schmitz: Der schon seit Jahren erwartete Einbruch der Kirchensteuereinnahmen ist bisher zum Glück ausgeblieben. Alle Fachleute weisen aber immer wieder auf seine Unvermeidbarkeit hin, und zwar in absehbarer Zukunft. Die Vergangenheit lehrt, dass in ähnlichen Situationen zuerst an den Sachmitteln der Kirchenmusik gespart wird. Freundeskreisen der Kirchenmusik wie „Forum Klangkultur“ wird zukünftig also eine zentrale Rolle der Ermöglichung und dem Erhalt von Kirchenmusik zukommen. „Forum Klangkultur“ wird mit seiner finanziellen und ideellen Förderung der Kirchenmusik zu einem unverzichtbaren Player in der kulturellen Landschaft der Harburger Innenstadt werden.

(Das Interview für ´Tiefgang` führte Peter Kerbusk vom Forum Klangkultur)

Letzte Termine mit Kreiskantor Rainer Schmitz:

Sonntag, 11. März, 11:00 Uhr:  Musikalischer Gottesdienst, St. Johannis-Kirche, Bremer Straße 9, Mitwirkende: Concertino Harburg; Leitung: Rainer Schmitz

Sonntag, 18. März, 11:00 Uhr: Musikalischer Gottesdienst, St.Petrus-Kirche, Haakestraße 2, Mitwirkende: Flauti vivi Harburg; Leitung: Rainer Schmitz

Samstag, 24. März, 18:30 Uhr: Benefizkonzert für den Förderkreis „Forum Klangkultur“, St. Paulus-Kirche, Alter Postweg 46, Mitwirkende: Cantate, Concertino und Flauti vivi Harburg, Leitung; Rainer Schmitz; Heimfelder Posaunenchor, Leitung Hartmut Fischer Eintritt: frei (Spenden erbeten)

Freitag, 30. März (Karfreitag), 15:00 Uhr: „Musica Crucis“ – Musik zur Sterbestunde Jesu, St. Johannis-Kirche, Bremer Straße 9, Mitwirkende: Rainer Schmitz spielt Werke für Klavier von Carl Philipp Emanuel Bach, Frédéric Chopin, Edvard Grieg, Wolfgang Amadeus Mozart und Alexander Skriabin

Sonntag, 1. April (Ostern), 6:00 Uhr: Musikalischer Gottesdienst mit Osterfrühstück, St. Paulus-Kirche, Alter Postweg 46, Mitwirkende: Cantate Harburg; Leitung: Rainer Schmitz

Sonntag, 22. April, 9:30 Uhr: Lutherkirche, Kirchenhang 21, Musikalischer Gottesdienst mit Cantate Harburg; Leitung: Rainer Schmitz

Sonntag, 22. April, 15:00 Uhr: St. Johannis-Kirche, Bremer Straße 9, Gottesdienst zur Verabschiedung von Kreiskantor Rainer Schmitz, Orgel: Viktor Holpert

Sonntag, 29. April, 17:00 Uhr; Lutherkirche, Kirchenhang 21, Konzert mit dem Konzertchor Buchholz und Concertino Harburg; Rainer Schmitz

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3. SuedLese überzeugt mit Vielfalt https://www.tiefgang.net/3-suedlese-ueberzeugt-mit-vielfalt/ Fri, 09 Mar 2018 23:04:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3256 [...]]]> Zum dritten Mal bereits finden im Hamburger Süden Literaturtage ´SuedLese` statt. Im ´Tiefgang` stellen wir Ihnen ab heute vorab etliche Bücher und Autor*innen vor.

Die Initiative SuedKultur mit über 40 Kulturinstitutionen des Süderelbe-Bereichs würdigt seit drei Jahren die literarische Arbeit südlich der Elbe und nennt sie konsequent ´SuedLese`. Dieses Jahr bestimmt sie den ganzen Monat April vor.

Das Programm ist regelrecht ein Spiegel der Zeit: Der Auftakt zum 1. April wird scherzhaft mit einer Lesung von Texten von Hans Scheibner im Literaturcafé Striepensaal in Neuwiedenthal gemacht. Passend zur Osterzeit stellt der Schauspieler Hartmut Lange in der St. Johannis-Kirche in der Bremer Straße die Frage, ob Jesus oder Judas für uns starb. Grundlage dafür ist das Monodrama „Judas“ der flämischen Autorin Lot Vekeman (6. Apr., 20h).

In Harburgs Irish Pub „The Old Dubliner“ liest der Harburger Autor Christoph Rommel über Sex, Drogen und andere Abgründe, will aber beim Bier vor allem Hoffnung geben (10. Apr.).

Unter den Stars der SuedLese findet sich der durch die TV-Sendung „Extra 3“ bekannte Auslandsreporter Dennis Gastmann (12. Apr., Bücherhalle Harburg), aber auch der zur Zeit viel gelobte Johann Scheerer, der als Sohn von Philipp Reemtsma dessen Entführung 1996 aus Teenager-Sicht bravourös schildert (24. Apr., Buchhandlg. am Sand). Und auch die gehbehinderte Laura Gehlhaar ist bundesweit als Inklusionsverfechterin bekannt und liest am 20. April aus ihrem neuesten Buch „Kann man da noch was machen?“ (Treffpunkt Hölertwiete).

Aber auch aktuelle Themen wie Migration und Flucht sind vertreten – passenderweise im Café Refugio. Dort liest am 19.4. der einst aus Sri Lanka geflohene und mittlerweile erfolgreiche deutsche Klinikarzt Umes Arunagirinathan aus seinem Buch „Der fremde Deutsche“ und ebendort lesen am 27.4. die Brüder Thaer und Thamer Imad aus ihren Erinnerungen „Von Tod zu Tod“.

Die SuedLese ist aber vor allem eine Würdigung der lokalen Literaturarbeit. „Es ist faszinierend, wie viele publizierende Schreiberlinge weitestgehend  unentdeckt hier leben und arbeiten“, so Mit-Organisator Heiko Langanke. Denn viele der Schreibenden und Lesenden entstammen direkt der Nachbarschaft. So die Agitatoren der Harburger Schreibwerkstatt wie Heide-Marie Preuß oder Kerstin Brockmann, die auch einen Schreibwettbewerb für den Nachwuchs ausschrieb und am 22. April im Kulturverein „Alles wird schön“ unter den mehr als 40 Einsendungen verleihen wird. Oder die Macher des Harburger Szene-Magazins „heigh“, die sich und den „Poetomaten“ im neuen Kreativort „Kulturwohnzimmer“ im Gloria-Tunnel vorstellen werden (13. / 14. Apr.). Die türkischstämmige Harburgerin Kadriye Bakşi wird aus ihren Kinderbüchern auf Deutsch aber auch türkisch vorlesen (13. Apr.) und die erfolgreiche Harburger Buchautorin Birgit Storm stellt ihren druckfrisch erschienen 3. Krimi „ „Alte Schuld und neues Leid“ erstmals im Rahmen der SuedLese vor.

All das und noch viel mehr an mehr als 20 verschiedenen Orten der Literatur im Süden der Stadt. Ob in Neugraben, Neuwiedenthal, Moorburg, Heimfeld, Harburg-City oder –Hafen, Rönneburg oder Wilhelmsburg – ob in der klassischen  Buchhandlung, an der Universität, in der Kneipe oder Restaurant, im Museum oder Tunnel – es wird gelesen, was das Zeug hält!

Weit über 40 lesende Akteure sind zugange und machen den Hamburger Süden einen ganzen Monat lang zum Literaturfest.

Möglich wird all das vor allem durch Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien, der Alfred Toepfer-Stiftung FVS und auch der Stadtentwicklungsgesellschaft Steg.

Das komplette Programmheft steht auch hier zum download bereit.

Die Initiative SuedKultur ist ein lockerer und ungeförderter Zusammenschluss von über 40 verschiedenen Kulturinstitutionen des Hamburger Südens. Sie besteht seit nunmehr 10 Jahren, stärkt die Wahrnehmung der Süderelbe-Kultur durch das Terminportal www.sued-kultur.de, seit acht Jahren mit einer jährlichen SuedKultur Music-Night (dieses Jahr am 20. Okt.) und eben den nunmehr dritten Literaturtagen SuedLese.

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Hier geht´s bunt zu! https://www.tiefgang.net/hier-gehts-bunt-zu/ Fri, 24 Nov 2017 23:37:59 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2598 [...]]]> Die Welt ist bunt und rund. Wilhelmsburg und die Veddel aber schlagen alles. Wie sehr belegt nun eine Studie.

Das ist ein Ergebnis einer Untersuchung, die das infas-Institut für angewandte Sozialwissenschaft im Auftrag der Körber-Stiftung durchgeführt hat. In Auftrag gegeben hatte die Untersuchung die Hamburger Körber-Stiftung und entstanden ist ein „Superdiversitäts-Index“. Der zeigt, wie bunt es wo in Hamburg zu geht.

In der Pressemitteilung heißt es:

„Wilhelmsburg und Veddel sind Hamburgs Stadtteile mit der höchsten Diversität. Nicht nur weil hier viele Menschen mit Migrationshintergrund leben, sondern auch, weil die Wilhelmsburger sich hinsichtlich Alter, Kaufkraft und Religionszugehörigkeit stark voneinander unterscheiden und weil in Veddel Menschen verschiedenster politischer Präferenz leben.

Der neu entstandene »Superdiversitäts-Index« zeigt auf einer Karte, wie vielfältig Hamburgs Stadtteile sind. Dafür wurde nicht nur die Verteilung von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund erfasst, sondern der Begriff Diversität um die Faktoren Alter, Kaufkraft, Religion und Parteienpräferenz erweitert.

Unsere Gesellschaft wird immer diverser, und zwar nicht nur durch Zuwanderung, sondern durch die Emanzipation einzelner Gruppen oder den Trend zur Individualisierung. „Die Menschen unterscheiden sich hinsichtlich ethnischer Zugehörigkeit, Kultur, Religion genauso wie in Lebensstilen und Familienmodellen – die Vielfalt wächst in allen Dimensionen, die homogenen Mehrheiten schwinden“, sagt Jonathan Petzold, Programm-Manager bei der Körber-Stiftung. „Mit dem Superdiversitäts-Index versuchen wir, diese Entwicklung abzubilden und die unterschiedlichen Dimensionen von Vielfalt zu berücksichtigen.“

Jonathan Petzold (Foto: Körber-Stftg.)

„Wie vielfältig eine Stadt ist, drückt sich nicht nur in der Herkunft ihrer Bewohner aus. Gerade in einer Metropole wie Hamburg treffen Menschen aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands und der Welt aufeinander und bringen die unterschiedlichsten Einstellungen und Lebensstile mit“, sagt Melanie Leonhard, Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration der Freien und Hansestadt Hamburg. „Mit der Untersuchung zur Superdiversität blickt die Körber-Stiftung aus einer neuen Perspektive auf unsere Stadt. Sie zeigt, dass wir Vielfalt auch in Stadtteilen finden, an denen wir sie nicht unbedingt erwarten. Das macht Hamburg spannend.“

Im bundesweiten Vergleich zeigt sich, dass der Stadtstaat Hamburg das Bundesland mit der höchsten Diversität ist, vor Bremen und Berlin. „Superdiversität gehört zum Wesen einer Großstadt und ist Teil ihrer Attraktivität“, so auch Jonathan Petzold. Sie kann bereichernd sein, wenn sie nicht zu Segregation und Spaltung führt, sondern eine Kultur des Mit- und Füreinander bedeutet. Darum gilt es, den Blick zu öffnen für alle Aspekte von Vielfalt, um dann die Rahmenbedingungen zu schaffen für ein Leben nicht gegen- oder nebeneinander, sondern miteinander.“

Quelle: koerber-stiftung.de

Die Ergebnisse wurden erstmals beim Körber Demografie-Symposium mit dem Titel »Heimat in der superdiversen Stadt« Mitte November 2017 vorgestellt. Dieses bereits 8. Körber Demografie-Symposium begleitet lokale Akteure aus der Verwaltung und Zivilgesellschaft dabei, Vielfalt zu gestalten und darüber hinaus die Potenziale gesellschaftlicher Diversität strategisch zu nutzen. „Der Blick auf Städte wie Toronto, Malmö oder Mannheim zeigt: Diversität kann eine gute Folie für eine neue Stadterzählung sein. Ein Narrativ, das nicht die Unterschiede, sondern die gemeinsame Heimat betont. Wie wird die Stadt zur Heimat aller? Was ist Heimat im 21. Jahrhundert – und wie führt man in einer »superdiversen« Stadt? Auch kritische Fragen werden auf dem Symposium diskutiert, z.B. wo Vielfalt zur Verunsicherung führt oder was sozialen Zusammenhalt bedroht“, hieß es zur Einladung.

Studie zum Download: Koerber-Stiftung_Broschuere__Superdiverse_Stadt.pdf

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Deine Stimme fürs Theater am Kulturkanal! https://www.tiefgang.net/deine-stimme-fuers-theater-am-kulturkanal/ Fri, 17 Nov 2017 23:06:10 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2523 [...]]]> Ein eigenes Theater für Wilhelmsburg? Brauchen die das? Ja, sagt Paula Zamora-Cornejo und sagt auch warum. Jetzt sucht sie Unterstützer*innen per Petition.

In der Petition, die noch bis zum 18. Dezember 2017 läuft, heißt es: „Wir möchten ein Theater für den Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg schaffen. Das Theater am Kulturkanal soll für und mit Akteurinnen aus Wilhelmsburg, Hamburg und Umgebung, aber auch für Touristinnen durch ein breites Angebot attraktiv werden. Wilhelmsburg hat eine sehr große und aktive Kulturszene, die genau solch einen Veranstaltungsort braucht. Das Theater soll ein Zuhause für alle Bühnenkünstlerinnen in Wilhelmsburg sein, aber auch ein offener Ort für alle interessierten Wilhelmsburgerinnen als Zuschauerinnen oder Akteurinnen. Das Theater soll feste Arbeitsplätze schaffen, Praktikumsplätze bieten und Kurse in den Bereichen Schauspiel, Musik, Tanz und Zirkus anbieten. Neben Theater-, Zirkus-, Tanz- oder Konzertveranstaltungen wird ein großer Fokus auf das Angebot an aktiven kreativen Workshops gerichtet. Dabei ist uns wichtig, Räumlichkeiten für Workshopgeber*innen zur Verfügung zu stellen und auch Proberäume anzubieten.

Und als Begründung:

„Wilhelmsburg hat bisher als großer Hamburger Stadtteil noch kein eigenes Theater. Gleichzeitig leben hier viele Bühnenkünstlerinnen, die weder Probemöglichkeit noch Bühne haben. Außerdem gibt es viele Schulen, die ihren Schülerinnen gerne die Möglichkeit bieten möchten, Erfahrungen auf einer professionellen Bühne zu sammeln. Unsere Idee ist, dass das Theater als öffentlicher, kultureller Raum für alle Menschen offen ist und wir möchten ein breites Angebot an Kursen im Bereich der darstellenden Kunst ermöglichen. Es soll also neben einem reinen Veranstaltungsort auch eine Begegnungs- und Bildungsstätte für Wilhelmsburg entstehen.“

´Tiefgang` hat mal nachgefragt, wer dahinter steckt und wie konkret es ist. Und es zeigt sich: durchaus keine Schnapsidee. „Die Projektidee ist schon weit mehr als 10 Jahre alt und ich hatte sie schon bevor ich nach Hamburg zog“, so (Mit)-Initiatorin Paula Zamora-Cornejo Schauspielerin,Theaterpädagogin, Regisseurin und auch Wilhlemsburgerin. „TaK Wilhelmsburg – Das Theater am Kulturkanal“ nennt sich die Initiative.  „Seit 2 Jahren ist es nun konkret und ich habe mich mit meinem damaligen Mitstreiter bei der Sprinkenhof, um das alte leerstehende Lidl Gebäude beworben. Damals haben wir das Objekt auch angesehen und die Sprinkenhof (damals noch AG) war der Idee gegenüber nicht abgeneigt. Laut Bezirksamt Mitte sind bisher keine weiteren Pläne für das ehemalige Lidl-Gebäude bekannt, „dennoch wissen sie nun von unseren Interesse. Wir haben die Petition ins Leben gerufen, um dem Bezirk und auch der Sprinkenhof GmbH zu zeigen, dass wir in Wilhelmsburg ein Theater brauchen. Das sich viele Menschen in Hamburg ein solches Theater wünschen und unsere Position mit stärken. Aber auch noch mal daran zu erinnern, dass der Senat den Kanal bereits zum Kulturkanal ausgerufen hat und umbauen wollte.“

Rot-grüne Koalitionsvereinbarung

Und in der Tat, der politische Wille ist seit 2013 amtlich und wurde auch 2014 in den rot-grünen Koalitionsvereinbarungen festgeschrieben. (siehe Abendblatt vom13. Jan. 2016 „Keine Kultur am Kulturkanal“).  „Jedoch ist bislang keine weitere Kultur dort entstanden. Es sind die vorhanden, die vorher auch da waren. Hamburg braucht ein Theater, wie wir es geplant haben, mit integriertem Kurssystem, das professionelle Bühnenkünstler*innen aus- und fortbildet, Laien die Möglichkeit gibt sich auszuprobieren oder gezieltes Persönlichkeitscoaching in Anspruch zu nehmen, Kindern und Jugendlichen einen Einstieg in verschiedene kreative Bühnenkunstbereiche (Schauspiel, Zirkus, Gesang u.v.m.) ermöglicht, aber auch sonst Arbeits- und Praktikumsplätze für viele Wilhelmsburger schafft. Die Bühne kann gemietet werden, ebenso Probenräume. Was Schulen genauso begrüßen, wie Perfomancegruppen. Es wird nicht nur ein Ort der Unterhaltung, sondern auch der Bildung und Begegnung für alle in und um Wilhelmsburg werden. Zudem sehen wir die Notwendigkeit eines Theater auch deswegen, da weder Wilhelmsburg, noch die Veddel oder auch Harburg ein solches Theater haben.“

So erhofft sich die Initiative große Unterstützung von der Bevölkerung, um das Projekt realisieren zu können. Sollte die Petition die Sprinkenhof und das Bezirksamt nicht überzeugen, werden sie nicht aufgeben. „Wir brauchen jede Hilfe, die wir kriegen können. Zumal, wir wenn wir endlich die Pläne für das Gebäude bekommen, erst einen Kostenplan für dieses Projekt machen können. Bislang arbeiten wir alle drei ehrenamtlich dafür.“

„Wir“ sind Paula Zamora-Cornejo (Schauspielerin,Theaterpädagogin & Regisseurin), Franco Gil (Clown, Artist und Zirkuspädagoge), Anne Nikusch (Kultur und Veranstaltungsmanagerin) und Sie vielleicht auch?! Die Initiative SuedKultur jedenfalls unterstützt die Idee eines Theaterraumes, wohlwissend, dass allein im Süden Hamburgs etliche Theatergruppen existieren und stets in Not um Probe- und auch Auftrittsräumen sind. Synergien sind da hilfreich und nötig. Und die Petition ist vor allem ein Zeichen der Interessensbekundung.

Die Petition läuft noch bis zum 18. Dezember 2017. Unterstützer*innen können online unterzeichnen, die Petitionsseite weiterleiten aber auch ausdrucken und manuell Unterschriften sammeln.

Hier zur Online-Petition: openpetition.de/petition/online/ein-theater-am-kulturkanal

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