In einer Panelbefragung unter 685 zivilgesellschaftlichen Organisationen wurden jüngst Grundlagen für eine Art „Engagement-Barometer“ zur Corona-Pandemie erstellt. Die Ergebnisse sind alarmierend.

Nur einer von vier Befragten gab in der Befragung des ZIVIZ an, sich zurzeit mit vielen Engagierten einbringen zu können.

  • Und 17 % der Befragten geben an, dass es in Vereinen zu pandemiebedingten Kündigungen von Mitgliedschaften kommt. Dem Bericht zufolge macht auch die finanzielle Situation den gemeinnützigen Organisationen zu schaffen: 82 % der Befragten sprechen von einem teils starken Rückgang selbsterwirtschafteter Mittel und fast jeder Vierte verzeichnet Verluste bei Mitgliedschaftsbeträgen.
  • Trotzdem haben 78 % aufgrund der aktuellen Lage keinen Antrag auf die vom Staat angebotenen Soforthilfen für gemeinnützige Organisationen gestellt. Jeder Zweite gab an, die Kriterien nicht erfüllen zu können.
  • 25% beobachten Einnahmerückgänge im Bereich Mitgliedschaften
  • Für 43% vermitteln die Informationen zu den Soforthilfen einen hohen bürokratischen Aufwand.
  • 66% notieren teils erhebliche Mehrkosten durch Infektionsschutzmaßnahmen.
  • 47% wurden von dem zuständigen Ministerium über Hilfsmaßnahmen informiert.
  • Für 34% federn die Soforthilfen von Bund & Ländern Einnahmeausfälle ab,
  • für 38% sind die Soforthilfen jedoch nicht ausreichend.

Die sogenannte Coronakrise hat die organisierte Zivilgesellschaft in eine ‚neue Normalität‘ gedrängt. Bisherige Veranstaltungsformen, Arbeitsprozesse, Finanzierungswege u.a. sind beeinträchtigt und erfordern es, neue Wege zu erarbeiten, testen und etablieren. Die organisierte Zivilgesellschaft ist in diesem Prozess ganz besonders auf die Unterstützung von Bund und Ländern angewiesen. So wurden Soforthilfen angenommen und als Abfederung von Einnahmeausfällen wertgeschätzt. Jedoch ist bereits jetzt deutlich, dass eine strukturelle Begleitung mittels anderer Förderkonzepte über die kommenden Monate notwendig sein wird.

An die Politik gehen dabei eindeutige Empfehlungen: die Umfrageergebnisse bestärkten Versuche der Länder, Hilfsprogramme zu verlängern und Bedingungen zur Antragsstellung anzupassen. Über weitere Programme sollte beraten werden, bspw. Sondermittel für besonders hohe Mehrkosten durch Hygienemaßnahmen, Empowerment und Digitalisierung in der Verwaltungsarbeit kleiner und mittlerer Organisationen. Informationen zu den Hilfsmaßnahmen von Bund und Ländern sollten weitere Organisationen erreichen. Diese sollten während des Antragstellungsprozesses beratend begleitet werden. Landes- und Bundesverbände sowie Infrastruktureinrichtungen sind die richtigen Partner, die hierfür stärker eingebunden werden sollten.

Eine stärkere Verantwortung von Ländern und Kommunen wird begrüßt. Diese sollte u.a. mit dafür genutzt werden, dass Koordination untereinander und mit dem Bund sich verbessert und dabei die Verbände und Infrastruktureinrichtungen aktiver einzubinden. Unter den Empfehlungen für die alltägliche Praxis findet sich: „Anträge zu Soforthilfen ließen unter vielen einen hohen bürokratischen Aufwand vermuten und wirkten teils schwer verständlich. Verwaltungskompetenzen v.a. von kleinen und mittleren Organisationen stießen an ihre Grenzen. Sowohl Verbände als auch jene Organisationen, die über einen breiten Erfahrungsschatz verfügen, sollten ihr Wissen zur Verfügung stellen durch bspw. Workshops, Leitfäden oder Tandemformate. V.a. älteren ehrenamtlich Engagierten gegenüber ist das Vermitteln von digitalem Know How nach wie vor eine der größten Herausforderungen. Auch hier ist der Wissenstransfer zwischen erfahrenen Organisationen als auch Engagierten wertvoll. Gerade jüngere Engagierte erhalten dadurch auch die Chance, als kompetente Experten wahrgenommen und anerkannt zu werden.  Beteiligte Akteure sollten bereits jetzt gemeinsam Konzepte erarbeiten, wie Kündigungen vermieden zugleich jedoch Mitgliedsbeiträge sich den ökonomischen Situationen der Mitglieder besser anpassen können.“

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