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Wenn Mauern sprechen

Einmal im Jahr pulsiert in Hamburg eine ganz besondere Energie, wenn sich Tore öffnen, die sonst verschlossen bleiben: Vom 12. bis 14. September 2025 taucht die Hansestadt erneut in die faszinierende Welt des Denkmalschutzes ein!

Hamburg steht im September 2025 erneut im Zeichen seiner Geschichte und Baukultur: Der „Tag des offenen Denkmals“ lädt vom 12. bis 14. September ein, verborgene Schätze und bekannte Wahrzeichen aus einer neuen Perspektive zu erleben. Es ist eine Gelegenheit, die sonst unsichtbaren Geschichten, die in den Mauern der Stadt stecken, zu entschlüsseln und sich mit dem Wert des baukulturellen Erbes auseinanderzusetzen.

Die Idee, die einst der französische Kulturminister Jack Lang ins Leben rief und die sich unter dem Dach des Europarats zu den „European Heritage Days“ entwickelte, ist simpel und doch tiefgreifend: Türen öffnen. Sie erlaubt den Zugang zu Bauwerken, die im Alltag hinter Fassaden verborgen bleiben – seien es private Wohnhäuser, historische Werkstätten oder beeindruckende Sakralbauten. Hier wird Geschichte nicht nur erzählt, sondern spürbar, wenn Eigentümer*innen, Vereine und Initiativen mit Führungen, Rundgängen und kulturellen Veranstaltungen Einblicke gewähren, die sonst verwehrt bleiben. Es ist ein Akt der Sensibilisierung für die Bedeutung des Denkmalschutzes und der unabdingbaren Arbeit der Denkmalpflege.

Das diesjährige Motto, „Wert-voll: unbezahlbar oder unersetzlich?“, wirft grundlegende Fragen auf. Es fordert uns auf, über den rein materiellen Wert eines Denkmals hinauszudenken. Was macht ein altes Gebäude, eine historische Brücke, ein verborgener Garten wirklich kostbar und unentbehrlich? Die Antwort liegt oft nicht im Preis von Baumaterialien, sondern in dem, was nicht sichtbar ist: In dem menschlichen Zutun, der Expertise, den Visionen von Architekt*innen und Handwerker*innen, die über Generationen hinweg Wissen und Können weitergaben. Es ist die Zeit und das Geld, die engagierte Eigentümer*innen und Denkmalpfleger*innen investieren, um den immateriellen Wert dieser Zeugnisse für die Zivilgesellschaft zu bewahren – ein unschätzbarer Beitrag zur kulturellen Identität einer Stadt.

Ein besonders lohnender Blick richtet sich dabei auf Hamburgs Süden, der eine faszinierende Dichte an Zeugnissen unterschiedlichster Epochen und Funktionen birgt. Hier, abseits der glanzvollen Innenstadt, entfaltet sich eine Geschichte, die von industriellem Wandel, sozialen Entwicklungen und dem städtischen Wachstum jenseits der Elbe erzählt.

In Wilhelmsburg etwa gewährt der ikonische St. Pauli Elbtunnel nicht nur einen technischen, sondern auch einen historischen Einblick in Hamburgs Verbindung zur Welt. Ebenso verweisen die Ehem. Herberge zur Heimat – Heilsarmee und die Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule auf wichtige soziale und bildungspolitische Kapitel des Stadtteils. Die Windmühle Wilhelmsburg – „Johanna“ ist ein lebendiges Zeugnis der ländlichen Vergangenheit, während der ehemalige Flakbunker – Energiebunker die dramatische Geschichte des 20. Jahrhunderts mit zukunftsweisender Energiegewinnung verbindet.

Harburg, der pulsierende Bezirk im Süden, öffnet mit einer Fülle an Entdeckungen die Türen zu seiner industriellen Vergangenheit. Nehmen wir den Harburger Binnenhafen selbst: Er wird zur Bühne für Hafengeschichten zu Wasser und zu Land, inklusive Fahrten mit der historischen Barkasse JAN von 1921 und einem musikalischen Bühnenprogramm. Hier reihen sich auch beeindruckende Zeugnisse der Schwerindustrie auf, wie der Liebherr Portalkran von 1972 und der blaue Peiner Werftkran von 1960. Diese Giganten erzählen von Umschlag und Wirtschaftskraft, gerettet und saniert durch engagierte Initiativen. Daneben fasziniert das historische Kontor- und Wohnhaus am Kanalplatz 6, das von Kaufmannsfamilien und Schiffsmaklern erzählt und heute die KulturWerkstatt Harburg beherbergt. Nicht zu vergessen der Speicher am Kaufhauskanal, Hamburgs ältester Großspeicher von 1827, der mit seinen alten Balken und Winden die Geschichte des Harburger Wohlstands atmet und am Sonntagabend sogar zu einem Klavierkonzert lädt. Das prächtige Harburger Rathaus von 1892, ein Backsteinbau flämischer Renaissance, öffnet seine prachtvolle Fassade und den Großen Sitzungssaal bis zum Dachboden, während der ehemalige Wartesaal im Kunstverein Harburger Bahnhof die Geschichte des Reisens und der Kunst unter einem Dach vereint.

In Heimfeld lädt das Friedrich-Ebert-Gymnasium, gegründet 1628, zu einer Zeitreise durch die Bildungsgeschichte ein. Hier führen Schüler*innen selbst durch das Gebäudeensemble, das Prinzipien des Neuen Bauens folgt und die Tradition moderner Schulgebäude Fritz Schumachers in sich trägt.

Ein besonderes Kleinod in Neugraben-Fischbek ist die Fischbeker Rauchkate, erbaut in den 1720er-Jahren. Dieses einzigartige Rauchhaus ohne Schornstein, das bis vor wenigen Jahren noch mit offenem Rauchabzug bewohnt wurde, ist ein wertvolles und seltenes Zeugnis bäuerlicher Wohnkultur Norddeutschlands.

Und schließlich in Sinstorf bietet das Ensemble Kirche Sinstorf einen faszinierenden Einblick. Neben der Kirche selbst, deren Ursprünge um 1200 liegen, können Besucher*innen ein reetgedecktes Fachwerkhaus von 1831 erkunden, das einst als Schul- und Wohngebäude diente. Ein Sommerfest und Samba-Percussion ergänzen hier das historische Erlebnis.

Der „Tag des offenen Denkmals“ ist somit weit mehr als nur eine Besichtigungstour. Er ist eine Einladung zur Reflexion über das, was uns als Gesellschaft wichtig ist, und eine Chance, die Vergangenheit Hamburgs auf eine tiefere, persönlichere Weise zu begreifen.

Entdeckungen im Süden Hamburgs

Bitte beachten Sie, dass konkrete Adressen und detaillierte Programminformationen für die einzelnen Denkmäler im Süden Hamburgs in der offiziellen Programmübersicht der Stiftung Denkmalpflege Hamburg verfügbar sind. Diese kann online oder in gedruckter Form eingesehen werden, da die spezifischen Details nicht aus dem vorliegenden Dokument entnommen werden konnten.

Die genauen Zeiten und Treffpunkte für alle Angebote finden Sie im vollständigen Programmheft [1] oder auf der Webseite der Stiftung Denkmalpflege Hamburg [2]. Ein Pflichttermin für alle, die Hamburg wirklich erleben wollen!

Die Koordination dieses bedeutsamen Ereignisses liegt in den Händen der Stiftung Denkmalpflege Hamburg, unterstützt vom Denkmalschutzamt der Behörde für Kultur und Medien, sowie Partnern wie LOTTO Hamburg GmbH und Wall GmbH. Bundesweit wird der Denkmaltag von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordiniert. Das Programm zum Tag des offenen Denkmals bietet ein breites Spektrum an Führungen und Rundgängen sowie ein buntes Familien- und Kulturprogramm mit Ausstellungen und Konzerten.

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