Wer an ein Krankenhausfoyer denkt, hat meistens sterile Emsigkeit, das leise Quietschen von Gummirollen und eine gewisse Anspannung vor Augen. Doch am 25. Januar wird alles anders.
Das Museum im Marstall bricht aus seinen historischen Mauern aus und bringt eine ordentliche Portion norddeutsche Seele direkt dorthin, wo man sie am wenigsten erwartet: in das Krankenhaus Winsen.
Von 14 bis 16 Uhr wird das Warten zur Nebensache. Unter dem Titel „Kulturpause“ verwandelt sich das Foyer in eine lebendige Aktionsfläche für traditionelle Handwerkstechniken. Es ist die zweite von insgesamt sechs geplanten Begegnungen zwischen Kultur und Medizin, gefördert durch die GiRoWi-Stiftung und den Förderverein des Krankenhauses.
Ehrenamtliche der Spinngruppe und der Museumsweberei zeigen, was passiert, wenn Handwerk auf Leidenschaft trifft. Wo heute sterile Textilien den Alltag bestimmen, wurde früher aus Flachs mühsam Leinen gewonnen. Es ist eine Rückbesinnung auf eine Zeit, in der das Spinnen nicht nur Arbeit war, sondern das soziale Schmiermittel der Region – ein Ort für Austausch, Gespräche und Gemeinschaft.
Besucher*innen können den Weber*innen über die Schulter schauen oder beobachten, wie an den Spinnrädern aus loser Wolle ein fester Faden entsteht. Es geht dabei um mehr als nur Nostalgie. Es geht um Digital Literacy des Analogen: Wie entsteht eigentlich das, was wir auf der Haut tragen?
Die Veranstaltung richtet sich ausdrücklich an alle – Patient*innen, Mitarbeiter*innen, Angehörige und neugierige Winsener*innen, die Lust auf einen Plausch jenseits des Krankenbett-Alltags haben. Informationstafeln ergänzen die Vorführungen, während die Ehrenamtlichen bereitstehen, um jede Fachfrage mit Herzblut zu beantworten.
Kultur als Brücke
Dass ein Museum seine Schätze in ein Krankenhaus trägt, ist ein starkes Zeichen für eine Stadtgesellschaft, die zusammenrückt. Es zeigt, dass Kultur überall dort hingehört, wo Menschen sind. Wer also Lust auf eine kleine Flucht aus dem Alltag hat oder einfach nur wissen will, wie ein historischer Webrahmen funktioniert, sollte diesen Sonntagnachmittag im Marstall-Stil im Kalender markieren.
Sonntag, 25. Januar, 14 bis 16 Uhr: Vorführung traditioneller Handwerkstechniken (Spinnen & Weben)
Foyer des Krankenhauses Winsen, Friedrich-Lichtenauer-Straße 22, 21423 Winsen (Luhe) | www.museum-im-marstall.de [1]
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