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Ab in die Tropen!

Wer sagt eigentlich, dass man für eine Reise in die Tropen in den Flieger steigen muss? In Harburg reicht ein Gang durch die City Galerie.

Wo früher nur eilige Passant*innen zwischen Lüneburger Straße und Harburger Ring pendelten, leuchten jetzt Vögel in Farben, die das Hamburger Wintergrau schlichtweg ignorieren. Thomas „Behri“ Behrens hat die Glasvitrinen übernommen – und damit das nächste Kapitel der Harburger Kunstpassage aufgeschlagen.

Von Kubismus zu tropischer Lebensfreude

Es ist erst wenige Monate her, da feierte das Projekt der Kunstleihe Harburg seinen Einstand. Den Auftakt machte im vergangenen Herbst Frank Vaders, der mit seinen markanten, oft kubistisch anmutenden Köpfen die ehemals ungenutzten Flächen im Herzen der Innenstadt wachküsste. Vaders, ein Künstler mit New Yorker Vita und einem Händchen für die Dekonstruktion des Menschlichen, setzte ein starkes Statement für die Präsenz lokaler Kunst im Alltag.

Nun folgt der radikale Kontrast: Thomas Behrens, in der Szene schlicht als „Behri“ bekannt, bringt eine ganz andere Energie in die Passage. Wo Vaders Struktur und Tiefe suchte, feiert Behri die unbändige Kraft der Farbe.

Dass Behri heute für seine großformatigen, farbgewaltigen Vogelmotive und tropischen Szenerien geliebt wird – über 500 Gemälde umfasst dieses Oeuvre bereits –, ist nur eine Facette seiner beeindruckenden Karriere. Der 1961 geborene Künstler startete in den 80ern mit etwas völlig anderem: präzisen, fast manischen Kugelschreiberzeichnungen, die damals für viel Aufsehen sorgten.

Seine Reise führte ihn weit über die Grenzen des Hamburger Südens hinaus. In den 90ern betrieb er eine eigene Galerie im schweizerischen Ascona, stellte in Lugano aus und festigte seinen Ruf als internationaler Freigeist. Seine Kunst ist dabei immer eines geblieben: nahbar. Das passt perfekt zum Konzept der Kunstleihe, bei der man die Werke nicht nur anschauen, sondern direkt für das eigene Wohnzimmer oder Büro entleihen kann.

Unterstützt durch den Verfügungsfonds „Mitten in Harburg“, beweist die Kunstleihe Harburg mit diesem Projekt einen langen Atem. Die Kunstpassage ist kein kurzes Strohfeuer, sondern eine einjährige Transformation des öffentlichen Raums. Es geht darum, die Schwellenangst vor Galerien abzubauen. Kunst passiert hier einfach – zwischen dem Wocheneinkauf und dem Weg zur S-Bahn.

Das ehrenamtliche Team der Kunstleihe schafft es so, den Harburger Ring kulturell aufzuladen. Nach Vaders und Behri sollen im Laufe des Jahres 2026 noch weitere lokale Künstler*innen die Vitrinen bespielen. Harburg zeigt hier sein bestes Gesicht: bunt, eigenwillig und verdammt lebendig.

Wer also eine Pause vom Grau braucht: Ab in die City Galerie. Die Tropen warten schon – ganz ohne Jetlag.

Die Ausstellung: Thomas „Behri“ Behrens (tropische Motive & Vögel)

Von Mitte Januar bis Ende März 2026 | Passage der City Galerie Harburg (Lüneburger Straße / Harburger Ring) | www.kunstleihe-harburg.de [1]

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