Annika Chrobesch https://www.tiefgang.net Mon, 04 May 2026 09:51:45 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Frisches Geld für das Wort https://www.tiefgang.net/frisches-geld-fuer-das-wort/ Mon, 04 May 2026 09:13:17 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13756 [...]]]> Hamburg geht neue Wege und führt als erstes Bundesland eine strukturelle Förderung für unabhängige Kulturverlage ein. Das ist ein echter Meilenstein.

Insgesamt fließen 700.000 Euro in diesen sogenannten Verlagspakt, um die kulturelle Diversität in den Programmen zu sichern. Das Besondere dabei ist der Fokus: Gefördert werden nicht einzelne Bücher, sondern ganze Programmbereiche der Verlage.

Wer dabei sein will, sollte den 15. Juni 2026 im Blick behalten – bis dahin müssen die digitalen Bewerbungen eingereicht sein. Für alle, die noch Fragen haben, bietet die Behörde am 7. Mai und am 11. Mai digitale Beratungstermine via Skype an.

Ab dem 14. Mai 2026 geht der Wettbewerb um die Hamburger Literaturpreise in die nächste Runde. Bis zum 30. Juni können sich Autor*innen und Übersetzer*innen bewerben, die ihren Erstwohnsitz in Hamburg oder im HVV-Gebiet ABCD (kein Witz!) haben.

Die Zahlen sprechen für sich:

  • Insgesamt werden 12 Preise in acht Kategorien vergeben.
  • In den Sparten Roman, Erzählung, Lyrik/Drama, Kinder- und Jugendbuch sowie Comic winkt ein Preisgeld von jeweils 8.000 Euro.
  • Die drei Preise für literarische Übersetzungen sind mit je 4.000 Euro dotiert.
  • Besonders spannend für den Nachwuchs und die freie Szene: Die Jury entscheidet in den meisten Kategorien anonym über noch unveröffentlichte Texte.
  • Die feierliche Verleihung wird am 7. Dezember 2026 im Literaturhaus Hamburg stattfinden.

Comic-Kunst und neue Perspektiven im Exil

Wer lieber Bilder sprechen lässt, sollte sich bis zum 7. Mai die Graphic Novel Tage nicht entgehen lassen. Im Literaturhaus treffen internationale Größen auf deutsche Comicstars, moderiert von Andreas Platthaus. Ein Pflichttermin für alle, die grafische Literatur auf höchstem Niveau erleben wollen.

Gleichzeitig blickt Hamburg über den eigenen Tellerrand hinaus. Das Literaturzentrum sucht eine*n INTRO-Stipendiat*in. Dieses Programm richtet sich an Künstler*innen, die neu in Deutschland sind, weil sie in ihrer Heimat bedroht werden oder ihre Arbeit dort nicht fortsetzen können. Ziel ist es, diesen Kulturschaffenden den Zugang zur Hamburger Szene zu erleichtern und sie beim Netzwerken zu unterstützen.

Ein deutliches Zeichen für die Freiheit der Kunst setzte Kultursenator Carsten Brosda bei seinem Besuch in der Buchhandlung im Schanzenviertel am 29. April. Nachdem das Bundesinnenministerium der Buchhandlung aufgrund von Verfassungsschutz-Erkenntnissen Bundesmittel gestrichen hatte, betonte Brosda die Unabhängigkeit der Hamburger Förderentscheidungen. Sein Statement ist klar: In Hamburg entscheiden Fachjurys über die Kulturförderung, nicht der Geheimdienst. Unter dem Hashtag #brosdabookbro präsentierte er seine eigenen Neuerwerbungen und unterstrich, dass eine freie Gesellschaft auf eine freie Kultur angewiesen ist.

Ob als Autor*in, Verleger*in oder Lesende*r – die Hamburger Literaturszene zeigt sich in diesen Tagen beweglich, wachsam und voller Tatendrang: Nutzen Sie die Chancen, bewerben Sie sich und bleiben Sie neugierig!


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Stimmen der Gegenwart https://www.tiefgang.net/stimmen-der-gegenwart/ Sat, 25 Apr 2026 22:39:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13690 [...]]]> Wenn in Buxtehude jährlich die Shortlist für den Buxtehuder Bullen präsentiert wird, ist es immer auch ein lokales Bekenntnis zur Leseförderung und zum Dialog zwischen den Generationen. Am 23. April wurde nun die Liste für den 55. Bullen offiziell vorgestellt.

Aus rund 80 Titeln hat die Jury fünf Favoriten ausgewählt, die nun um die renommierte Stahltrophäe und das Preisgeld von 5.000 Euro konkurrieren.

Das Herzstück dieses Jugendliteraturpreises ist seit seiner Gründung durch Winfried Ziemann im Jahr 1971 die absolute Augenhöhe. Elf Jugendliche und elf Erwachsene bilden eine paritätische Jury. Diese Struktur sorgt dafür, dass die Auswahl nicht über die Köpfe der Zielgruppe hinweg getroffen wird, sondern mitten aus ihrer Lebensrealität heraus entsteht. Dass der Preis heute durch die Stadtbibliothek und Förderer wie die Else und Heinrich Klindworth-Stiftung getragen wird, unterstreicht die tiefe Verwurzelung in der Stadtgesellschaft.

Die diesjährige Shortlist ist ein Spiegelbild globaler und persönlicher Krisen, verpackt in mitreißende Narrative. Jedes der fünf Bücher fordert seine Leser*innen heraus, die Perspektive zu wechseln.

Basma Hallak greift in Please Unfollow (Arctis, 416 Seiten, 19 Euro) das Thema Sharenting auf. Die Geschichte der 17-jährigen Sherry, deren Leben ungefragt auf Social Media vermarktet wurde, ist ein hochaktuelles Plädoyer für das Recht auf die eigene Identität in einer digitalisierten Welt.

Mit Hilde Myklebusts Auch am Tag leuchten die Sterne (CARLSEN, 256 Seiten, 15 Euro; übersetzt von Meike Blatzheim) weht ein norwegischer Wind durch die Auswahl. Die Erzählung über Mia, die zwischen Musical-Träumen und einer schweren Krankheitsdiagnose im Freundeskreis ihren Weg finden muss, besticht durch eine feine Balance zwischen Melancholie und Hoffnung.

Nina Scheweling führt uns mit Academy of Lies – Anatomie einer Verschwörung (LOEWE, 400 Seiten, 16,95 Euro) in die Welt der Elite-Internate. Hier verbindet sich das Thema Organtransplantation mit einem packenden Thriller-Plot, der die moralischen Grenzen wissenschaftlichen Ehrgeizes auslotet.

Einen harten Blick in die Geschichte wirft Moritz Seibert in seinem Debüt Das letzte Aufgebot (Karibu, 320 Seiten, 16,99 Euro). Er erzählt vom Schicksal eines 15-Jährigen in der Hitler-Jugend am Ende des Zweiten Weltkriegs – eine mahnende Erinnerung daran, wie zerbrechlich Frieden und Unschuld sind.

Schließlich lenkt Tara Sullivan mit The Bitter Side of Sweet (Peter Hammer Verlag, 320 Seiten, 14 Euro; übersetzt von Sandra Knuffinke und Jessica Komina) den Fokus auf die moderne Sklaverei auf Kakaoplantagen. Es ist eine Geschichte über Mut und Widerstand, die uns schmerzhaft bewusst macht, welchen Preis unser täglicher Konsum anderswo fordert.

„Es sind (Jugend-) Romane, die bewegen und Denkanstöße geben. Toll, wenn Bücher oder Geschichten das schaffen. Mit der Shortlist laden wir Jung und Alt dazu ein, mit den Protagonist*innen mitzudenken und mitzufühlen und vielleicht dabei auch die eigene Perspektive zu reflektieren“, so Melanie Hainke, Verantwortliche des Bullen-Projektteams. Für die Buxtehuder*innen und ihre Gäste wird die Literatur so in den kommenden Wochen im gesamten Stadtbild präsent sein. Von Mai bis Juli laden verschiedene Leseplätze in der Altstadt dazu ein, in die nominierten Werke hineinzuschnuppern. Ob in der Altstadtbuchhandlung, im Galerie Café Baham oder direkt am BULLEvard – die Stadt wird zur Leselounge.

Den krönenden Abschluss bildet der Preisentscheid am Dienstag, den 23. Juni 2026, um 19 Uhr im Stieglitzhaus. Dort wird sich zeigen, welches Werk die Jury am stärksten überzeugt hat. Ein Tag im 55. Jahr, in dem Buxtehude einmal mehr beweist, dass gute Geschichten keine Altersgrenzen kennen, sondern Menschen verbinden können. Wer neugierig auf die Stimmen von morgen ist, sollte sich diesen Termin rot im Kalender markieren.

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Was soll ich tun? https://www.tiefgang.net/was-soll-ich-tun/ Thu, 23 Apr 2026 22:01:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13658 [...]]]> Wenn der Kleine Saal der Elbphilharmonie am 8. Juni zum Schauplatz des intellektuellen Kräftemessens wird, blickt die literarische Welt auf Hamburg. Der Deutsche Sachbuchpreis 2026 hat seine Nominierten verkündet, und die Liste liest sich wie ein Kompass für eine Welt, die sich zwischen Algorithmen und alten Geistern neu sortieren muss.

Aus 239 eingereichten Titeln hat die Jury acht Werke herausgefiltert, die weit mehr sind als reine Wissensvermittlung. Sie sind Antworten auf die drängende kantische Frage: Was soll ich tun?

Dass der Fokus in diesem Jahr so stark auf der sprachlichen Gestaltung liegt, ist kein Zufall. In einer Ära, in der künstliche Textfluten das Netz überschwemmen, wird die menschliche Durchdringung der Gegenwart zum eigentlichen Qualitätsmerkmal. Jurysprecher Pascal Mathéus, der in seiner Buchhandlung Wassermann in Blankenese täglich den Puls der Leserschaft fühlt, betont genau diesen Wert an sich: Eine verständliche, klare Sprache, die uns Orientierung ermöglicht.

Dabei wird es am Abend der Preisverleihung um weit mehr als nur um Ehre und Prestige gehen. Der Deutsche Sachbuchpreis ist mit insgesamt 42.500 Euro dotiert, was seine Bedeutung als eine der wichtigsten Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum unterstreicht. Die Spannung wird bis zum Schluss gehalten: Erst während der feierlichen Zeremonie in der Hamburger Elbphilharmonie wird das Geheimnis gelüftet, wer den Titel Sachbuch des Jahres mit nach Hause nehmen darf. Der/die Preisträger*in erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro. Doch auch die sieben weiteren Nominierten der Shortlist gehen nicht leer aus – ihre herausragende Arbeit wird mit jeweils 2.500 Euro gewürdigt. Diese finanzielle Anerkennung ist ein klares Signal für die Relevanz tiefgründiger Recherche und kluger Analyse in unserer Gesellschaft.

Die Nominierten

Werfen wir nun einen detaillierten Blick auf die acht Werke, die in diesem Jahr das Rennen um den begehrten Preis machen. Denn jedes dieser Bücher öffnet eine eigene Tür zu den brennenden Fragen unserer Zeit.

Den Anfang macht Heike Behrend mit einer faszinierenden Spurensuche. In Gespräche mit einem Toten taucht sie tief ein in das exzentrische Leben von Gustaf Nagel, dem Propheten vom Arendsee. Nagel war ein Lebensreformer, der barfuß und im Büßerhemd gegen die Konventionen seiner Zeit anrannte und schließlich für geisteskrank erklärt wurde. Behrend verwebt dieses Schicksal meisterhaft mit ihrer eigenen Familiengeschichte und ethnographischen Erkenntnissen. Es ist ein Buch über den schmalen Grat zwischen religiösem Eifer und gesellschaftlicher Ausgrenzung, das uns fragt, wie viel Abweichung eine Gemeinschaft aushält.

Heike Behrend – Gespräche mit einem Toten. Gustaf Nagel, Prophet vom Arendsee, Matthes & Seitz Berlin

Ganz anders nähert sich Florence Gaub der Weltpolitik. Ihr Buch Szenario ist kein klassisches Sachbuch, sondern ein interaktives Experiment im Stil eines Choose-your-own-adventure-Romans. Sie versetzt die Leser*innen in die zweite Reihe der Macht – als Berater*innen, die ohne eigene Truppen, aber mit Daten und Intuition über Krieg oder Frieden entscheiden müssen. Es ist ein rasanter Ritt durch außenpolitische Sackgassen und Handlungskorridore, der zeigt, dass die Zukunft kein Schicksal ist, sondern das Ergebnis von Entscheidungen, die wir heute treffen.

Florence Gaub – Szenario. Die Zukunft steht auf dem Spiel, dtv

Tilmann Lahme wiederum wagt sich an ein Denkmal der Weltliteratur: Thomas Mann. Doch statt staubiger Philologie liefert er eine Biografie, die sich wie ein psychologischer Thriller liest. Lahme konzentriert sich auf die prekäre Psyche und das allzumenschliche Innenleben des Autors, jenseits der repräsentativen Fassade. Er fördert Materialien zutage, die bisherige Biografien oft übersahen oder die von Herausgeber*innen diskret zensiert wurden. Das Ergebnis ist das Porträt eines Mannes voller Widersprüche und Sehnsüchte, der uns heute näher ist, als wir dachten.

Tilmann Lahme – Thomas Mann. Ein Leben, dtv

In Dreihundert Männer nimmt uns Konstantin Richter mit in die Hinterzimmer der Macht. Inspiriert von Walther Rathenaus berühmtem Diktum über die 300 Männer, die die Wirtschaft des Kontinents lenken, zeichnet Richter die Geschichte der Deutschland AG nach. Von den Industriekapitänen der Kaiserzeit bis zu den heutigen Global Playern entfaltet er ein Panorama aus Bankiers, Lobbyisten und Managern. Es ist eine glänzend erzählte Chronik des deutschen Kapitalismus, die zeigt, wie engmaschig die Netze gestrickt sind, in denen unsere ökonomische Zukunft verhandelt wird.

Konstantin Richter – Dreihundert Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland AG, Suhrkamp

Irina Scherbakowa führt uns in ihrem sehr persönlichen Werk Der Schlüssel würde noch passen zurück in ein Moskau, das zwischen Aufbruchshoffnung und dem Abgleiten in die Diktatur schwankt. Als Mitbegründerin der Menschenrechtsorganisation Memorial blickt sie auf Jahrzehnte des Widerstands und der Erinnerungsarbeit zurück. Ihre Aufzeichnungen sind geprägt von einer berührenden Verletzlichkeit und der schmerzhaften Frage, warum der Versuch einer demokratischen Transformation Russlands scheitern musste. Ein Buch, das gerade in Hamburg, einer Stadt mit einer langen Tradition als Zufluchtsort, auf offene Ohren stoßen wird.

Irina Scherbakowa – Der Schlüssel würde noch passen. Moskauer Erinnerungen, Droemer

Die großen ethischen Fragen unserer Zeit verhandelt Bettina Schöne-Seifert in Leben, Körper, Tod. Anhand von zwölf aktuellen Kontroversen der Medizinethik – von der Fortpflanzungsmedizin bis zur Sterbehilfe – führt sie uns an die Grenzen unserer Autonomie. Schöne-Seifert schreibt analytisch scharf und doch tief empathisch über den Körper als Ort des Seins und der Verletzlichkeit. Sie zeigt auf, wie medizinischer Fortschritt uns ständig vor neue moralische Zerreißproben stellt, bei denen einfache Antworten oft zu kurz greifen.

Bettina Schöne-Seifert – Leben, Körper, Tod. Zwölf aktuelle Kontroversen der Medizinethik, Wallstein

Roberto Simanowski widmet sich in Sprachmaschinen der wohl drängendsten technologischen Revolution: der künstlichen Intelligenz. Er analysiert, was es für unsere Kommunikation und unser Selbstverständnis bedeutet, wenn wir Kompetenzen an Algorithmen delegieren. Simanowski fragt nach den Werten, die in diese Maschinen einfließen, und warnt vor einem schleichenden Souveränitätstransfer. Sein explorativer Denkansatz lädt dazu ein, den Hype beiseite zu lassen und stattdessen die philosophischen Tiefenschichten der Digitalisierung zu erkunden.

Roberto Simanowski – Sprachmaschinen. Eine Philosophie der künstlichen Intelligenz, C.H.Beck

Den Abschluss bildet Ronen Steinke mit einer Untersuchung zur Meinungsfreiheit. Er legt den Finger in die Wunde und zeigt auf, wie Polizei und Justiz in Deutschland das Grundrecht auf freie Rede zunehmend einschränken. Steinke plädiert leidenschaftlich für einen offenen Meinungskorridor und warnt davor, unbequeme Kritik durch juristische Hürden im Keim zu ersticken. Sein Buch ist ein Plädoyer für eine lebendige Streitkultur, die gerade in einer polarisierten Gesellschaft wichtiger ist denn je, um die Demokratie wehrhaft zu halten.

Ronen Steinke – Meinungsfreiheit. Wie Polizei und Justiz unser Grundrecht einschränken – und wie wir es verteidigen, Berlin Verlag

Bevor im Juni die endgültige Entscheidung fällt, ziehen die nominierten Autor*innen noch durch die gesamte Republik. Von Berlin über Frankfurt bis nach München – Hamburg leider nicht – öffnen Buchhandlungen und Kulturzentren ihre Türen für die traditionelle Shortlist-Reise. Es ist die wertvolle Chance für Leser*innen, die Köpfe hinter den Thesen live zu erleben und die Argumente auf Herz und Nieren zu prüfen. Diese Veranstaltungen machen deutlich, dass Sachbücher keine trockene Materie sind, sondern lebendiger Zündstoff für Gespräche am Abendbrottisch oder im Büro. Wer wissen will, wann die Nominierten in der eigenen Nähe Station machen, findet auf der offiziellen Webseite des Preises alle Termine im Überblick: www.deutscher-sachbuchpreis.de

Am Ende ist dieser Preis weit mehr als eine feierliche Gala mit Blick auf die Elbe. Er ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Tiefe. In einer Zeit, in der Informationen oft nur noch in Sekundenbruchteilen konsumiert werden, feiern diese acht Werke die geistige Ausdauer. Sie beweisen, dass wir Menschen mit unserer Neugier und unserer spezifisch menschlichen Sprache Welten erklären können, an denen Algorithmen noch scheitern.

Mein persönliches Resümee: Die Liste 2026 ist ein starkes Signal gegen die Vereinfachung. Sie mutet uns Komplexität zu und belohnt uns dafür mit Erkenntnis. Wenn also im Juni in der Elbphilharmonie das Geheimnis gelüftet wird, wer die Nachfolge der bisherigen Preisträger*innen antritt, gewinnt vor allem die intellektuelle Freiheit. Hamburg wird an diesem Abend zum einem Zentrum einer klugen, streitbaren und vor allem lebendigen Debattenkultur werden. Ein echter Preis für das Wort – und ein hervorragender Grund, sich jetzt schon durch die Shortlist zu lesen und die eigenen Favorit*innen zu entdecken.

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Ein Fest der vollen Häuser https://www.tiefgang.net/ein-fest-der-vollen-haeuser/ Thu, 09 Apr 2026 22:58:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13602 [...]]]> Vier Wochen lang war der Hamburger Süden nicht wiederzuerkennen. Wo sonst der Alltag zwischen Pendelzügen und Hafenbecken taktet, regierten im März die Worte. Die 11. SuedLese ist Geschichte, aber der Nachhall dieses literarischen Marathons ist in Harburg, Wilhelmsburg und bis weit nach Buxtehude hinein noch deutlich zu spüren.

Unter dem passenden Motto Orte der Worte verwandelte sich die gesamte Region in eine einzige, pulsierende Bühne für alles, was zwischen zwei Buchdeckel passt – und oft weit darüber hinausging.

Es war ein Fest der vollen Häuser. Dass die SuedLese längst eine feste Institution ist, zeigte der enorme Andrang. Ob bei den großen Namen wie Michel Abdollahi, der trotz terminlicher Verschiebung für ungebrochene Begeisterung sorgte, oder in der intimen Atmosphäre von Claus-Peter Rathjens plattdeutscher Wohnzimmerlesung: Die Neugier des Publikums war grenzenlos. Wer zu spät kam, stand oft vor verschlossenen Türen – ein schönes Luxusproblem für die lokale Kulturszene.

Besonders hängen geblieben ist die Energie der Debüts. In Buxtehude feierte die Ladies Crime Night Premiere und bewies, dass Krimis im Zehn-Minuten-Takt mit echtem Adrenalin funktionieren. Wenn der Schuss vom Band die Lesezeit gnadenlos beendete, blieb das Publikum mit Cliffhangern zurück, die förmlich nach dem Gang zum Büchertisch schrien. Es ist genau dieser Mix aus Unterhaltung und Anspruch, den die Organisator*innen um Heiko Langanke so meisterhaft kuratieren.

Doch die SuedLese scheute auch die harten, schmerzhaften Themen nicht. Dominik Bloh berichtete in einer fast greifbaren Intensität von seinen Jahren auf der Straße und seinem Weg zurück in die Sichtbarkeit. Rina Schmeller brach im Speicher am Kaufhauskanal mit ihrem Debüt Co das Schweigen über Co-Abhängigkeit, während Mia Raben am Moorburger Elbdeich die unsichtbaren Geschichten polnischer Pendel-Migrant*innen beleuchtete. Diese Stimmen gaben dem Festival eine politische Relevanz, die weit über rein literarische Zirkel hinausreicht.

In den Gesprächen mit den Künstler*innen wurde deutlich, wie sehr die Orte die Texte prägen. Jan Simowitsch entführte seine Zuhörer*innen im Amtshaus Moisburg bis auf die Färöer-Inseln und ließ sie an seinem radikalen Ausbruch teilhaben. Kea von Garnier nutzte die raue Atmosphäre des Stellwerks im Harburger Bahnhof, um über die Verletzlichkeit junger Männer und das Patriarchat zu sprechen. Es sind genau diese Begegnungen auf Augenhöhe, die das Festival so nahbar machen.

Zum Abschluss setzte die belarussische Philosophin Olga Shparaga im Kulturhaus Süderelbe einen wichtigen Akzent. Ihr Bericht über den Mut der Frauen in Belarus und die Kraft der zivilen Solidarität erinnerte daran, dass Kultur und Freiheit untrennbar miteinander verwoben sind.

Organisator Heiko Langanke blickt auf einen rasanten Lauf zurück, der trotz mancher Debatten im Vorfeld die demokratische Grundhaltung des Festivals unterstrich. Sein Beharren auf der Eigenverantwortung der Orte und dem Respekt vor der künstlerischen Freiheit ist das Rückgrat der SuedLese. Wenn am Ende die Wangen der Besucher*innen noch vibrieren, wie es Jan Simowitsch hoffte, dann hat dieses Festival alles richtig gemacht. Der Hamburger Süden hat bewiesen, dass er nicht nur arbeiten, sondern auch leidenschaftlich zuhören und streiten kann. Wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Kapitel.

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Von Comic-Welten bis zur weiblichen Revolution https://www.tiefgang.net/von-comic-welten-bis-zur-weiblichen-revolution/ Tue, 17 Mar 2026 23:08:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13381 [...]]]> Der März im Hamburger Süden neigt sich dem Ende zu, aber wer denkt, dass die 11. SuedLese leise ausklingt, hat sich gewaltig getäuscht.

In der Finalwoche vom 23. bis 31. März dreht das Festival noch einmal richtig auf und biegt mit Wucht auf die Zielgerade ein, die von Comic-Welten bis zur politischen Revolution reicht. Es ist dieser Mix aus lokalem Herzblut und globaler Relevanz, der die SuedLese so unentbehrlich macht.

Ein Termin, der ins Auge springt, ist der Dienstagabend (24.3., 19 Uhr) im Harburger Integrationsrat. Die Journalist*innen Hussein Geesey und Sorosh Satari nehmen uns mit auf eine Reise, die unter die Haut geht. Sie berichten vom Ankommen in Harburg, aber auch von den lebensgefährlichen Schatten, die sie in Somalia und Afghanistan hinter sich gelassen haben. Dass die Lesung auf Somali und Deutsch stattfindet, ist ein starkes Zeichen für die Vielstimmigkeit unseres Stadtteils.

Am Mittwoch (25.3., 19 Uhr) wird es im Stellwerk am Harburger Bahnhof emotional. Kea von Garnier präsentiert ihr Romandebüt Restsommer. Es geht um diese eine große Entscheidung zwischen Sicherheit und Risiko, zwischen dem väterlichen Bestattungsinstitut und den eigenen Träumen. Eine feinfühlige Geschichte über den Mut zu springen – genau der richtige Stoff für einen Abend in der besonderen Atmosphäre des Bahnhofs.

Und auch das ist typisch für die SuedLese Literaturtage: Nach Drucklegung des Programmfestes wurde noch die Lesung mit Nina Faecke – Gut, dass du nicht mehr da bist am 27.03. um 19 Uhr in der Skylounge des PHNX Co-Living (Skylounge), Hannoversche Straße 88a (gegenüber des Harburger Bahnhofs) gebucht. Die Hamburger Journalistin und Ghostwriterin Nina Faecke gewährt unterhaltsame und tiefgründige Einblicke in die Welt des Ghostwritings. Sie erzählt von geheimen Treffen und der Kunst, die Lebensgeschichten anderer – wie die der Sängerin Peggy March – zum Leben zu erwecken. Im Zentrum des Abends steht ihr aktueller SPIEGEL-Bestseller Gut, dass du nicht mehr da bist (Co-Autorin von Franziska Hohmann). Ein bewegendes, tabubrechendes Werk über die Befreiung aus einer toxischen Mutter-Tochter-Beziehung.

Aber auch das gehört zu einem Literaturfest, das nun immerhin vier Wochen geht: die von vielen mit Spannung erwartete Lesung am Montag (30.3., 18.30 Uhr) in der legendären Kneipe Zur stumpfen Ecke und mit Olivier David fällt krankheitsbedingt und ersatzlos aus.

Den krönenden Abschluss bildet dafür am Dienstag (31.3., 18.30 Uhr) die Philosophin Olga Shparaga im Kulturhaus Süderelbe. Sie analysiert die belarussische Demokratiebewegung und zeigt, wie Care-Arbeit zum politischen Akt gegen eine Diktatur werden kann. Ein Abend über Zivilcourage, der uns alle mit der Frage entlässt, was wir für unsere eigene Freiheit lernen können.

Ob Krimi-Spannung mit dem ehemaligen Rauschgiftfahnder Ben Westphal auf St. Pauli oder poetische Figurenstücke für die Kleinsten bei Theater Rosenfisch – diese letzte Woche bietet wirklich für jede*n etwas. Also, nutzen Sie die letzten Tage dieses Literaturmarathons und lassen Sie sich von der Begeisterung anstecken!

Die Termine im Überblick:

Di., 24. März, 19 Uhr: Hussein Geesey & Sorosh Satari – Ankommen in Harburg, Harburger Integrationsrat, Hermann-Maul-Str. 5, 21073 Hamburg; Eintritt: frei – Spende erwünscht

Mi., 25. März, 19 Uhr: Kea von Garnier – Restsommer, Stellwerk, Hannoversche Str. 85, 21079 Hamburg; Eintritt: frei – Spende erwünscht

Do., 26. März, 19 Uhr: Bärbel Wegner & Steven Haberland – Harburg. Das Buch, Bücherhalle Harburg, Eddelbüttelstraße 47a, 21073 Hamburg; Eintritt: 5 Euro

Fr., 27. März, 19 Uhr: Ulrich Lubda – In Übersee mit Zungen verschollen, Alles wird schön e.V., Friedrich-Naumann-Str. 27, 21075 Hamburg; Eintritt: frei – Hutspende erwünscht

Do., 27.03. | 19 Uhr: Nina Faecke – Gut, dass du nicht mehr da bist, Eintritt: 5 € | PHNX Co-Living (Skylounge), Hannoversche Straße 88a, 21079 Hamburg

Sa./So., 28./29. März, 10–14 Uhr: Laura Münker – Comics zeichnen (Ferienworkshop), VHS-Zentrum Harburg Carrée, Eddelbüttelstraße 47a, 21073 Hamburg; Kursgebühr: 28 Euro (Anmeldung erforderlich)

Sa., 28. März, 16 Uhr: Regina Denk – Der Fährmann, Buchhandlung am Sand, Hölertwiete 5, 21073 Hamburg; Eintritt: 15 Euro

Sa., 28. März, 18 Uhr: Ben Westphal – Der Bulle auf St. Pauli, Bücherhalle Kirchdorf, Wilhelm-Strauß-Weg 2, 21109 Hamburg; Eintritt: 8 Euro / erm. 5 Euro

Sa., 28. März, 19 Uhr: Maren Osten – Von Doppelgängern und Nachtgeflüster, Schlagzeugstudio Harburg, Heimfelder Str. 43a, 21075 Hamburg; Eintritt: frei – Spende erwünscht

Sa., 28. März, 10–14 Uhr: Bina Noss – Online-Schreibwerkstatt, Online via Zoom; Kursgebühr: 34 Euro (Anmeldung erforderlich)

So., 29. März, 11 & 12.45 Uhr: Theater Rosenfisch – Ich mach dich gesund, sagte der Bär (für Kinder), Bürgerhaus Wilhelmsburg, Mengestraße 20, 21107 Hamburg; Eintritt: 3 Euro (K) / 6 Euro (E)

So., 29. März, 11–16 Uhr: Jutta Martens – Szenisch-kreatives Schreiben (Workshop), VHS-Zentrum Harburg Carrée, Eddelbüttelstraße 47a, 21073 Hamburg; Kursgebühr: 44 Euro (Anmeldung erforderlich)

So., 29. März, 17 Uhr: Ben Westphal – Der Bulle auf St. Pauli, Amtshaus Moisburg, Auf dem Damm 5, 21647 Moisburg; Eintritt: 10 Euro

Mo., 30. März, 18.30 Uhr: Olivier David – Von der namenlosen Menge, Zur stumpfen Ecke, Rieckhoffstraße 14, 21073 Hamburg; Eintritt: frei – Spende erwünscht

Mo., 30. März, 19 Uhr: Abschlusslesung der Schreibwerkstatt (Jörn Waßmund), Treffpunkt HH-Süd, Knoopstraße 1, 21073 Hamburg; Eintritt: frei

Di., 31. März, 18.30 Uhr: Olga Shparaga – Die Revolution hat ein weibliches Gesicht, Kulturhaus Süderelbe (JoLa), Am Johannisland 2, 21147 Hamburg; Eintritt: frei

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Spiegel unserer Zeit https://www.tiefgang.net/spiegel-unserer-zeit/ Thu, 05 Mar 2026 23:48:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13347 [...]]]> Die SuedLese Literaturtage in Hamburgs Süden gehen in die 3. Woche: vom 17. bis 22. März zeigt das Festival eindrucksvoll, wie es gesellschaftliche Relevanz mit künstlerischer Leichtigkeit verwebt. Ein Spiegel unserer Zeit.

Es geht um das Recht auf Rechte, um geheime WGs und um einen Wal, der uns am Ende alle wieder ausspuckt. Es ist diese Mischung aus Tiefgang und Spielfreude, die den Hamburger Süden gerade zum pulsierenden Herz der Literaturszene macht.

Den Auftakt macht am Die., 17.3., 18.30 Uhr Rukiye Cankiran im Kulturhaus Süderelbe. In ihrem Buch Das Recht auf gleiche Rechte legt sie den Finger in eine Wunde, die wir oft allzu gern mit formalen Fortschritten überkleben. Warum klaffen Gesetz und gelebte Realität bei der Gleichstellung noch immer so weit auseinander? Cankiran ist eine Expertin darin, komplexe Strukturen für uns alle zugänglich zu machen, ohne dabei den Mut zu verlieren. Ein erhellender Abend, der zeigt: Gleichberechtigung ist kein Nischenthema, sondern das Fundament unserer Demokratie.

Wer lieber selbst aktiv werden möchte, findet am Wochenende gleich zwei spannende Möglichkeiten. Claudia Schneider lädt am 20./21.3. im Tor zur Welt dazu ein, den Sprung vom Zuschauersessel zur eigenen Szene zu wagen. Erst Theater schauen, dann selbst schreiben – ein kreativer Zündstoff, der ungeahnte Talente weckt. Parallel dazu zeigt Volker Butenschön am Sa., 21.3., 10.15 Uhr in Harburg, wie man jenseits der digitalen Perfektion mit Handlettering ganz persönliche Buchstabenwerke schafft. Es ist die Rückkehr zum Handgemachten, zum Skizzierten, zum Unperfekten.

Der Sa., 21.3., bietet dann die Qual der Wahl. In Wilhelmsburg entführt uns der preisgekrönte Nils Mohl um 18 Uhr in die Buchhandlung Lüdemann. Sein Roman Pepper ist eine berührende Suche nach dem unbekannten Vater, verpackt in eine WG-Geschichte voller Sprachwitz und Musik. Fast zeitgleich (20 Uhr) erzählt Mia Raben im Moorburger Elbdeich e.V. von einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einer polnischen Pflegerin und einer Hamburger Matriarchin. Unter Dojczen ist ein Debüt, das feinfühlig und spöttisch zugleich die Grauzonen der häuslichen Pflege ausleuchtet. Wer es politischer und lauter mag, sollte ins Treffpunkthaus Heimfeld: Dort schlagen Anna Lisa Azur und Michael Klütgens um 20 Uhr mit Mann kann. Feminis Muss! – RELOADED zurück. Bissig, charmant und voller Wumms wird hier das Patriarchat zerpflückt.

Zum Abschluss der Woche wird es am So., 22.3., 17 Uhr in Moisburg fast schon mythisch. Jan Simowitsch präsentiert mit Und der Wal spuckt mich aus eine moderne Jona-Erzählung. Der Musiker und Autor verwebt seine Reiseerfahrungen von den Färöer-Inseln mit Klavierkompositionen zu einer Konzertlesung, die uns fragt: Wie bin ich hier eigentlich schon wieder reingeraten? Ein Abend über das Wagnis des Aufbruchs, der uns mit einer ganz besonderen Melancholie und Hoffnung in die neue Woche entlässt.

im Überblick:

Di., 17. März, 18.30 Uhr: Rukiye Cankiran – Das Recht auf gleiche Rechte, Kulturhaus Süderelbe, Am Johannisland 2, 21147 Hamburg; Eintritt: frei

Fr., 20. März, 18 Uhr & Sa., 21. März, 11 Uhr: Claudia Schneider – Theater trifft Text (Workshop), VHS Tor zur Welt, Krieterstraße 2D, 21109 Hamburg; Kursgebühr: 75 Euro

Sa., 21. März, 10.15 Uhr: Volker Butenschön – Handlettering (Workshop), VHS Harburg Carrée, Eddelbüttelstraße 47a, 21073 Hamburg; Kursgebühr: 51 Euro

Sa., 21. März, 18 Uhr: Nils Mohl – Pepper, Buchhandlung Lüdemann, Fährstraße 26, 21107 Hamburg; Eintritt: 12 Euro / erm. 6 Euro

Sa., 21. März, 20 Uhr: Mia Raben – Unter Dojczen, elbdeich e.V., Moorburger Elbdeich 249, 21079 Hamburg; Eintritt: frei – Spende erwünscht

Sa., 21. März, 20 Uhr: Mann kann. Feminis Muss! – RELOADED, Treffpunkthaus Heimfeld, Friedrich-Naumann-Straße 9, 21075 Hamburg; Eintritt: frei – Spende erwünscht

So., 22. März, 17 Uhr: Jan Simowitsch – Und der Wal spuckt mich aus, Kulturpunkt Moisburg, Auf dem Damm 5, 21647 Moisburg; Eintritt: 10 Euro

Das gesamte Programm unter www.suedlese.de

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„Es ist unser Land“ https://www.tiefgang.net/es-ist-unser-land/ Sat, 28 Feb 2026 23:01:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13325 [...]]]> Nachdem der Hamburger Süden literarisch fulminant in den März gestartet ist, zieht das Programm der 11. SuedLese in der zweiten Woche das Tempo spürbar an.

Wer glaubte, die Region hätte ihr Pulver schon verschossen, wird eines Besseren belehrt. Vom 9. bis 15. März verwandeln sich Bankfilialen, Kneipen und Speicher in Orte, an denen die großen Fragen unserer Zeit verhandelt werden – und das mit einer Energie, die ansteckend wirkt.

Der März im Hamburger Süden nimmt Fahrt auf, und wie! Wenn die 11. SuedLese in ihre zweite Woche geht, wird schnell klar: Dieses Festival ist kein braves Vorlesestündchen, sondern eine pulsierende Bestandsaufnahme unserer Gesellschaft. Vom 9. bis 15. März verwandelt sich die Region in ein Labor der Worte, in dem etablierte Stimmen und mutige Neulinge zeigen, was Literatur heute leisten kann – sie rüttelt wach, sie verbindet und sie macht verdammt viel Spaß.

Gleich zum Wochenstart am Montag (9.3., 17 Uhr) beweist die SuedLese ihren Sinn für besondere Orte. In der Neugrabener Haspa-Filiale präsentiert Stephan Funke mit (K)ein perfektes Verbrechen einen Hamburg-Krimi, der tief in die Abgründe von Medienrummel und Ermittlungsarbeit blickt. Dass ein Krimi in einer Bank stattfindet, hat eine ganz eigene Ironie, die perfekt zum unkonventionellen Geist des Festivals passt. Fast zeitgleich (17.30 Uhr) öffnet im Treffpunkt HH-Süd die Schreibwerkstatt Darf ich bitten? ihre Türen. Es ist dieser inklusive Ansatz, den ich an der SuedLese so liebe: Hier wird nicht nur konsumiert, sondern jede*r ist eingeladen, die eigene Schreibkraft zu entdecken.

Ein echtes Highlight für alle, die das Ungefilterte suchen, ist das Open Mic am Mittwoch (11.3., 19 Uhr) im Kulturwohnzimmer. Alltagspoesie und Tagebuchlesungen – das ist Literatur in ihrer intimsten Form. Es erfordert Mut, das Private öffentlich zu machen, und genau dieser Mut wird hier mit einer neugierigen und wertschätzenden Atmosphäre belohnt

Ein besonderes Augenmerk liegt in dieser Woche auf den Stimmen, die den Finger in die Wunden der Gesellschaft legen. Ein echtes Highlight erwartet uns am Donnerstag (12.3., 19.30 Uhr) in der Bücherhalle Harburg. Michel Abdollahi, der Mann für die klaren Worte und den scharfen Blick, präsentiert sein Werk Es ist unser Land. Es ist eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir in diesem Land zusammenleben wollen. Abdollahi bringt eine Präsenz mit, die den Raum sofort elektrisiert, und fordert uns heraus, unsere eigenen Positionen zu überdenken – neugierig, kritisch und absolut notwendig.

Am 12. März in der Bücherhalle Harburg: Michel Abdollahi (Foto: Max Baier & Arian Henning)

Wer es noch eine Spur kantiger mag, sollte am Freitagabend (13.3., 20 Uhr) ins Treffpunkthaus Heimfeld pilgern. Kristjan Knall gastiert dort mit seinem Buch Heldenhass. Knall steht für das, was man bei der SuedLese gern den Punk in der Literatur nennt. Es ist eine Abrechnung mit falschen Vorbildern und gesellschaftlicher Bequemlichkeit. Dass solche radikalen Texte in einer so geerdeten Szene wie in Heimfeld ihren Platz finden, beweist einmal mehr die Relevanz dieses Festivals. Es ist Literatur, die wehtut und genau deshalb so wichtig ist. Diese Energie setzt sich am gleichen Ort am Samstagabend (14.3., 20 Uhr) beim Low Budget Poetry Slam fort – ein Format, das von der Spontaneität und der Begeisterungsfähigkeit seiner Teilnehmer*innen lebt.

Doch die SuedLese wäre nicht das Kinderzimmer der Literatur, wenn sie nicht auch den ganz frischen Stimmen eine Bühne bieten würde. Der Sonntag (15.3.) gehört schließlich den Verwandlungen und Entdeckungen. Während Franziska Biermann im Elbdeich e.V. (16 Uhr) Kinder ab 8 Jahren in die skurrile Welt von Rabbit Boy entführt, dürfen wir uns um 17 Uhr im Speicher am Kaufhauskanal auf ein literarisches Ausrufezeichen freuen. Rina Schmeller stellt im Speicher am Kaufhauskanal ihren Debütroman Co vor. Dank der Unterstützung der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS liegt dieses Jahr ja ein besonderer Fokus auf diesen ersten Büchern. Schmeller erzählt mit einer beeindruckenden rhythmischen Klarheit von der schmerzhaften Befreiung aus einer Co-Abhängigkeit. Dass diese intime Geschichte in der historischen Atmosphäre des Speichers im Binnenhafen erzählt wird, verspricht einen dieser Gänsehautmomente, für die wir das Festival so lieben.

Ob beim Krimi in der Bankfiliale am Montag oder dem interaktiven Zeichenspaß für Kinder mit Franziska Biermann am Sonntag – die zweite Woche der SuedLese zeigt uns, dass Kultur kein Luxusgut ist, sondern der Stoff, aus dem unsere Gemeinschaft gewebt wird.

Die Termine im Überblick:

Mo., 09. März, 17 Uhr: Stephan Funke – (K)ein perfektes Verbrechen, Haspa Neugraben, Neugrabener Bahnhofstraße 2, 21149 Hamburg; Eintritt: 5 Euro

Mo., 09. März, 17.30 Uhr: Schreibwerkstatt: Darf ich bitten? – Für ALLE, Treffpunkt HH-Süd, Knoopstraße 1, 21073 Hamburg; Eintritt: frei

Mi., 11. März, 19 Uhr: Open Mic: Alltagspoesie & Tagebuchlesung, Kulturwohnzimmer, Resedaweg 2, 21077 Hamburg; Eintritt: frei

Do., 12. März, 19.30 Uhr: Michel Abdollahi – Es ist unser Land, Bücherhalle Harburg, Eddelbüttelstraße 47, 21073 Hamburg; Eintritt: 12 Euro

Fr., 13. März, 20 Uhr: Kristjan Knall – Heldenhass, Treffpunkthaus Heimfeld, Friedrich-Naumann-Straße 9, 21075 Hamburg; Eintritt: Spende erwünscht

Sa., 14. März, 20 Uhr: Low Budget Poetry Slam, Treffpunkthaus Heimfeld, Friedrich-Naumann-Straße 9, 21075 Hamburg; Eintritt: frei – Spende erwünscht

So., 15. März, 12 Uhr: Anke Wistinghausen – Der Zauber des Anfangs (Workshop), VHS Harburg, Carrée Altona, 21073 Hamburg; Eintritt: 26,40 Euro (Anmeldung erforderlich)

So., 15. März, 16 Uhr: awsLiteratur aktuell – Geschichten im Fluss, Alles wird schön e.V., Friedrich-Naumann-Straße 27, 21075 Hamburg; Eintritt: frei – Hutspende erwünscht

So., 15. März, 16 Uhr: Franziska Biermann – Rabbit Boy (für Kinder ab 8 Jahren), elbdeich e.V., Moorburger Elbdeich 249, 21079 Hamburg; Eintritt: frei – Spende erwünscht

So., 15. März, 17 Uhr: DEBÜT: Rina Schmeller – Co, Speicher am Kaufhauskanal, Blohmstraße 22, 21079 Hamburg; Eintritt: frei – Spende erwünscht

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Elfenbeinturm und Barrikade https://www.tiefgang.net/elfenbeinturm-und-barrikade/ Thu, 26 Feb 2026 23:16:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13419 [...]]]> Wenn Hamburg im März zum vierten Mal das Buch aufschlägt, dann gilt die große Aufmerksamkeit einem Mann, der wie kaum ein anderer das literarische Gewissen dieser Stadt verkörpert: Siegfried Lenz.

Zum 100. Geburtstag des Ehrenbürgers heißt es einen Monat lang „Hamburg liest Lenz“ – und das Programm ist so vielseitig und lebendig, wie es sich der Altmeister wohl selbst gewünscht hätte.

Kultursenator Dr. Carsten Brosda würdigt Lenz nicht nur als Geschichtenerzähler, sondern auch als jemanden, der tief in die deutsche Identität blickte. Es ist diese Mischung aus scharfem Blick und einladender Erzählweise, die uns heute noch packt. Dass dieses Festival in Kooperation mit der Siegfried Lenz Stiftung, dem Literaturhaus und den kreativen Köpfen der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) entstanden ist, zeigt, wie tief verwurzelt sein Werk in der hiesigen Kulturlandschaft ist.

Den fulminanten Auftakt feiert Hamburg am 1. März im Rolf-Liebermann-Studio. NDR Kultur lädt zur Matinee, und die Besetzungsliste liest sich wie ein Who-is-Who der deutschen Schauspielriege: Bjarne Mädel, Catrin Striebeck und Stephan Kampwirth werden dort humorvolle Texte von Lenz zum Leben erwecken. Es geht um Töne, Bilder und Musik – eine Hommage, die weit über eine klassische Lesung hinausgeht.

Doch Lenz ist im März 2026 überall. In der Rathausdiele etwa wird am 11. März die Ausstellung „Siehst du es?“ eröffnet, in der Illustrationsstudierende der HAW ihre Graphic Novel zum Leben des Autors präsentieren. Wer es noch etwas politischer mag, sollte sich den 3. März vormerken: In der Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) beleuchtet die Ausstellung „Elfenbeinturm und Barrikade“ das spannungsreiche Verhältnis zwischen Politik und Literatur, das Lenz gemeinsam mit seinem Freund Helmut Schmidt so intensiv ausfocht.

Dass Lenz’ Werk keineswegs in den Regalen verstaubt, beweisen Veranstaltungen wie „Lenz ist ein DJ“ am 20. März oder das „Flexible Schmøkern“ im Teehaus am 6. März. Auch literarische Schatzgräber*innen kommen auf ihre Kosten: Am 5. März präsentiert Burghart Klaußner bei Felix Jud Texte aus dem Nachlass unter dem wunderbaren Titel „Am Widerhaken hängt das Glück“.

Es ist diese Begeisterungsfähigkeit für das geschriebene Wort, die durch alle 35 Veranstaltungen weht – von den Stadtrundgängen bis hin zu den Filmvorführungen. Lenz fordert uns heraus, mitzudenken und mitzugestalten. In diesem März haben wir die beste Gelegenheit dazu. Das vollständige Programm ist online unter hamburgliest.de/programm/ zu finden.

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Von der Straße in den Kopf https://www.tiefgang.net/von-der-strasse-in-den-kopf/ Sat, 21 Feb 2026 23:37:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13294 [...]]]> Der März im Hamburger Süden beginnt nicht leise, sondern mit einer literarischen Wucht, die man in dieser Dichte nur einmal im Jahr findet. Die 11. SuedLese Literaturtage beginnen …

Wenn am 1. März der Startschuss für die 11. SuedLese fällt, verwandelt sich die Region zwischen Harburg und Buxtehude in eine pulsierende Bühne für das Wort. Die erste Woche setzt dabei sofort ein Zeichen: Es geht um Tiefe, um den Mut neuer Stimmen und um die Frage, wie Literatur uns helfen kann, die Welt – und uns selbst – besser zu verstehen.

Den Auftakt macht am Sonntag (1.3., 16 Uhr) eine fast meditative Begegnung mit der Natur. In der Heimfelder Friedrich-Naumann-Straße bei Alles wird schön e.V. laden Ulrike Burbach, Gisela Baudy und Christian Baudy zu einer Lesung für den Baum ein. Es ist eine Einladung zur Entschleunigung, will heißen: ein bewusstes Innehalten in einer Zeit, die oft zu schnell an uns vorbeizieht. Hier wird der Baum nicht als Kulisse, sondern als lebendiges Mitwesen begriffen – eine poetische Mahnung in Zeiten des ökologischen Umbruchs.

Ein erstes Highlight der Woche erwartet uns am Mittwoch (4.3., 19 Uhr) in der Fischhalle Harburg. Der Historiker Dr. Tillmann Bendikowski nimmt uns mit in Sagenhafte Nordgeschichten. Bendikowski ist ein Meister darin, staubige Archivfunde in lebendige Erzählungen zu verwandeln. Von Untoten im Kloster Harsefeld bis zur Entstehung des berühmten Diercke Schulatlas – er zeigt uns die Seele des Nordens jenseits der Klischees.

Besonders intensiv wird es am Freitagabend (6.3., 20 Uhr) im Treffpunkthaus Heimfeld. Dominik Bloh liest aus seinem neuen Werk Die Straße im Kopf. Bloh, der selbst elf Jahre obdachlos war, beschreibt darin eindringlich den täglichen Kampf mit der Normalität. Auch wenn er heute Bestsellerautor und Träger des Bundesverdienstkreuzes ist, bleibt die Straße in seinem Kopf präsent. Sein Buch ist kein bloßes Anklagen, sondern ein augenöffnender Bericht über das Leben zwischen zwei Welten und die Hürden eines Alltags, den man nach Jahren auf dem Asphalt erst mühsam wieder erlernen muss.

Am Samstagabend (7.3., 19 Uhr) lohnt sich dann ein Besuch in Buxtehude, denn der hört man dann ganz frische Stimmen des Verbrechens. Die Ladies Crime Night ist ohnehin ein Erfolgsformat des Vereins Mörderische Schwestern e.V., doch diesmal stehen exklusiv Debütantinnen im Rampenlicht. Dank einer neuen Förderung durch die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS liegt dieses Jahr erstmals ein besonderer Fokus auf diesen neuen Talenten. Das Prinzip ist nervenaufreibend: Fünf Autorinnen wie Hedda Anders oder Jana Stieler haben jeweils exakt zehn Minuten Zeit, ihre kriminellen Welten zu entfalten. Wenn der Schuss fällt, ist die Lesezeit gnadenlos vorbei. Ein Format, das perfekt zur energischen Atmosphäre der SuedLese passt.

Den Abschluss der ersten Woche bildet am Sonntag (8.3., 15 Uhr) ein intimer Einblick in die norddeutsche Seele. In einer privaten Wohnzimmerlesung in Harburg präsentiert Claus-Peter Rathjen plattdeutsche Texte von Hans-Joachim Meyer. Es ist dieser persönliche Rahmen, der die SuedLese so besonders macht – Literatur zum Anfassen, direkt in der Nachbarschaft.

Die Termine der ersten Woche im Überblick:

So., 01. März, 16 Uhr: Burbach, Baudy & Baudy – Lesung für den Baum, Alles wird schön e.V., Friedrich-Naumann-Straße 27, 21075 Hamburg; Eintritt: frei / Spende erwünscht

Mi., 04. März, 19 Uhr: Tillmann Bendikowski: Sagenhafte Nordgeschichten, Fischhalle Harburg, Kanalplatz 16, 21079 Hamburg; Eintritt: 15 Euro

Fr., 06. März, 20 Uhr: Dominik Bloh: Die Straße im Kopf, Treffpunkthaus Heimfeld, Friedrich-Naumann-Straße 9, 21075 Hamburg; Eintritt: VVK 12 Euro / AK 15 Euro

Sa. 07. März, 19 Uhr: Ladies Crime Night – Debüts, Stadtbibliothek Buxtehude, Fischerstraße 2, 21614 Buxtehude; Eintritt: 12 Euro

So., 08. März, 15 Uhr: Wohnzimmerlesung mit Claus-Peter Rathjen: Plattdüütsche Texte von Hans-Joachim Meyer, Hastedtstraße 34, 21073 Hamburg; Eintritt: frei / Spende erwünscht (Anmeldung erforderlich)

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Hamburgs Süden wird wieder Hotspot der Literatur! https://www.tiefgang.net/hamburgs-sueden-wird-wieder-zum-hotspot-der-literatur/ Wed, 04 Feb 2026 23:20:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13219 [...]]]> Es ist eine bemerkenswerte Beständigkeit, die sich im Hamburger Süden manifestiert, wenn am ersten März der Startschuss für die elfte Ausgabe der SuedLese Literaturtage fällt. Was einst aus einer schlichten Beobachtung über die mangelnde Wahrnehmung literarischer Orte in Harburg erwuchs, hat sich über ein Jahrzehnt hinweg zu einem etablierten Fest mit jährlich über vierzig Veranstaltungen entwickelt.

Der aufmerksame Leser und Leserin erkennen hier ein Prinzip, das man als Dezentralität bezeichnen könnte, will heißen: die bewusste Verteilung kultureller Ereignisse auf viele kleine, oft private Orte, statt sich in großen, anonymen Hallen zu verlieren.

Der Reiz dieses Festivals liegt in seiner organischen Entstehung. Der Begründer Heiko Langanke betont, dass die SuedLese nicht künstlich aufgesetzt wird, sondern dass sich die Autoren und Autorinnen sowie die jeweiligen Orte selbst suchen und finden müssen. Es entsteht eine Symbiose, will heißen: ein tiefes, wechselseitiges Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem geschriebenen Wort und dem Raum, in dem es erklingt, sodass beide am Abend der Lesung eine untrennbare Einheit bilden. Rund einhundert engagierte Menschen wirken im Hintergrund oft ehrenamtlich mit, um diese Verbindung zwischen Institutionen wie dem Club Stellwerk oder der Fischhalle oder lokalen Buchhandlungen und der Literatur zu ermöglichen.

In diesem Jahr liegt ein besonderer Schwerpunkt auf den Stimmen von morgen in Form von Debüts, unterstützt durch eine dreijährige Förderung der ZEIT Stiftung Bucerius. Langanke bezeichnet das Festival treffend als „Kinderzimmer“ der kommenden Autoren und Autorinnen. Es ist eine Form der literarischen Inkubation, will heißen: ein geschützter Raum, in dem junge Talente wie Kea von Garnier mit ihrem Roman Restsommer oder Rina Schmeller mit ihrem Debüt Co ihre ersten Schritte vor einem breiten Publikum wagen können. Diese Bühne bietet eine weitaus stärkere Motivation als eine bloße Lesung im privaten Kreis, da sie den Mut zum öffentlichen Präsentieren fördert.

Dabei scheut das Festival auch nicht vor dem zurück, was Langanke den „Punk“ in der Literatur nennt. Es geht um eine geerdete Szene, die sich mit harten gesellschaftlichen Themen, Subkultur oder gar Trash beschäftigt, bevor diese Strömungen irgendwann in der etablierten Hochkultur gewürdigt werden. Ob die bewegenden Schilderungen von Dominik Bloh über die Obdachlosigkeit oder die provokante Kritik eines Kristjan Knall – die SuedLese bietet jenen Themen Raum, die oft wie ein Stachel im Fleisch der Gegenwart wirken. Von der Ladies Crime Night in Buxtehude bis zu Workshops des szenisch-kreativen Schreibens zeigt sich so ein Panorama, das weit über die Grenzen des herkömmlichen Literaturbetriebs hinausreicht. So wird der März wieder zum Monat, an dem es sich lohnt hinauszugehen und die Kultur zu genießen!

SuedLese – Literaturtage im Hamburger Süden

Über 40 Veranstaltungen an 26 Orten, Eintritt: Teilweise frei / variierend. Veranstaltungsorte von Harburg, Neugraben, Wilhelmsburg, Buxtehude u.a., 01. – 31. März 2026

Programm: www.suedlese.de Hintergründe: www.tiefgang.net

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