Leonie Althoff https://www.tiefgang.net Tue, 21 Jul 2026 14:53:54 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0.2 Ist es nun nachts um halb eins? https://www.tiefgang.net/ist-es-nun-nachts-um-halb-eins/ https://www.tiefgang.net/ist-es-nun-nachts-um-halb-eins/#respond Fri, 17 Jul 2026 10:26:57 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14192 [...]]]> Vom 16. bis 19. September 2026 verwandelt sich St. Pauli wieder in das pulsierende Zentrum der europäischen Musikwelt. Doch über den Vorbereitungen des Reeperbahn Festivals liegt ein tiefer, dunkler Schatten.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer plant eine drastische Halbierung der Bundesförderung. Ein kulturpolitischer Kahlschlag, der die Hamburger Clubszene ins Mark trifft. Doch hinter den Kulissen schwelt ohnehin ein historischer Verteilungskampf: Für viele Kiez-Clubs ist das Festival Freud und Leid zugleich.

Dabei ist es irgendwie ja auch eine Geschichte vom texanischen Traum zum globalen Kiez-Leuchtturm: Man schreibt das Jahr 2000, als ein junger Hamburger Musikmanager namens Alexander Schulz im texanischen Austin aus dem Flugzeug steigt. Er gerät mitten hinein in das vibrierende, laute Chaos der South by Southwest (SXSW). Dort, im drückenden Süden der USA, beobachtet er fasziniert, wie eine ganze Stadt für wenige Tage zur globalen Hauptschlagader der Musikindustrie wird. Aufstrebende Bands spielen in winzigen Kneipen, in Hinterhöfen, auf der Straße. Labels, Booker*innen und Tech-Pionier*innen feilschen an den Tresen um die Zukunft der Popmusik. Schulz hat eine Vision: Was im staubigen Texas funktioniert, muss doch auch im rauen, windgepeitschten Norden Deutschlands möglich sein.

Es dauert sechs Jahre, bis dieser Traum Wirklichkeit wird. Im September 2006 feiert das Reeperbahn Festival seine Premiere auf St. Pauli. Das Konzept ist so einfach wie genial: Die ohnehin dichte, historisch gewachsene Clubstruktur rund um die sündigste Meile der Welt wird zur Bühne für ein gigantisches Schaufenster der Popkultur – ein sogenanntes „Showcase-Festival“. Anstatt etablierte Megastars zu buchen, die ohnehin die Stadien füllen, wird das Festival zum Entdecker-Paradies. Hier treten die vielversprechendsten Newcomer*innen auf, oft noch bevor sie überhaupt einen Plattenvertrag in der Tasche haben.

Über die Jahre entwickelt sich die Hamburger Veranstaltung rasant vom ambitionierten Kiez-Experiment zum unumstrittenen, unersetzlichen Seismografen und wichtigsten B2B-Marktplatz der europäischen Musikbranche. Es ist die vitale Lunge, durch die die heimische Musikwirtschaft atmet. Jedes Jahr im September treffen sich tausende internationale Fachbesucher*innen in den Hamburger Spielstätten, um auf hochkarätigen Konferenzen die Trends von morgen zu verhandeln. Und weil dieses Treffen längst keine rein lokale Angelegenheit mehr ist, sondern auch als nationaler, kulturpolitischer Leuchtturm strahlt, stieg auch der Bund massiv in die Finanzierung ein. Zuletzt trug die Bundesförderung das Festival zu über 70 Prozent – eine lebensnotwendige Partnerschaft, die nun jedoch vor einer Zerreißprobe steht.

Das Festival in nackten Zahlen

Wenn man nun verstehen will, warum in den Chefetagen der Hamburger Musikwirtschaft und hinter den Tresen der Kiez-Clubs derzeit blanke Existenzangst herrscht, muss man den Blick auf die nackten, eisigen Zahlen richten. Die finanzielle Lebensader des Festivals wird im Rekordtempo abgeschnürt. Noch im vergangenen Jahr feierte die Musikbranche einen historischen Höchststand. Mit 6,27 Millionen Euro (!) Bundesförderung im Rücken konnte das Reeperbahn Festival ein Programm auf die Beine stellen, das international Maßstäbe setzte. Aber schon für das laufende Jahr 2026 grätschte der Rotstift der Politik brutal dazwischen und das Budget wurde auf 4,5 Millionen Euro herabgestuft – ein schmerzhafter, aber gerade noch handhabbarer Schnitt. Der aktuelle Haushaltsentwurf von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer für das kommende Jahr aber sieht nun einen noch radikalen Kahlschlag vor. Nur noch 3 Millionen Euro sollen aus Berlin an die Elbe fließen. Faktisch ist das eine Halbierung der Bundesmittel innerhalb von 2 Jahren.

Kulturpolitik nach Gutsherrenart?

Dieser drastische Sparkurs ist aber kein isoliertes Phänomen. Er legt eine tiefe, fast schon ideologische Kluft in der aktuellen deutschen Kulturpolitik offen. Während Weimer bei der Popkultur, den Newcomer*innen und der Nachwuchsförderung mit eisiger Konsequenz streicht – auch die überlebenswichtige Initiative Musik soll um 22 Prozent auf 15 Millionen Euro gekürzt werden –, bleiben andere Töpfe unangetastet oder wachsen sogar. Ausgerechnet die Bayreuther Festspiele, das alljährliche Hochamt der klassischen Hochkultur, dürfen sich über eine Erhöhung der Bundesmittel freuen.

Es ist eine Schieflage, die in der Szene für fassungslose Wut sorgt. Hier wird nicht einfach nur gespart; hier werden kulturpolitisch gänzlich andere Prioritäten gesetzt. Die Botschaft, die aus Berlin gesendet wird, ist fatal: Die lebendige, diverse und wirtschaftlich so bedeutende Popkultur gilt in den Augen des Kulturstaatsministers offensichtlich als streichbares Freizeitvergnügen, während die elitäre Hochkultur als schützenswertes Heiligtum zementiert wird. Wer die Jugend und die Zukunft der Musik so systematisch im Regen stehen lässt, betreibt eine Kulturpolitik nach Gutsherrenart, die den Anschluss an die gesellschaftliche Realität längst verloren hat.

Wenn im September aber nun die Scheinwerfer wieder angehen und die internationale Musikwelt auf St. Pauli anstößt, waren auch so nie alle glücklich mit dem Festival. Für viele lokale Clubbetreiber*innen bedeutete das Festival jahrelang nämlich nicht nur Glanz und Gloria, sondern auch einen harten Kampf um die eigene Existenz. Die Beziehung zwischen der Festivalleitung und der lokalen Clubszene ist ein hochsensibles, historisch gewachsenes Spannungsfeld, das hinter den Kulissen oft heftig knirschte.

Die Fesseln der „360-Grad-Verträge“

Das größte Konfliktfeld der vergangenen Jahre lässt sich wohl in dem Begriff „360-Grad-Vertrag“ zusammenfassen, der unter Kiez-Clubbetreiber*innen fast wie ein Schimpfwort benutzt wird: eine Exklusivitätsklausel. Wer als Band auf dem Reeperbahn Festival spielen wollte, musste oft sogenannte „360-Grad-Verträge“ unterschreiben. Die Bedingung: Die Künstler*innen verpflichteten sich, in einem Radius von teilweise bis zu 150 Kilometern und über einen Zeitraum von bis zu einem halben Jahr vor und nach dem Festival nicht eigenständig in Hamburg aufzutreten.

Für die kleinen, inhabergeführten Live-Clubs war dies ein Desaster. Es schnitt ihnen das eigene, mühsam kuratierte Booking ab und entzog ihnen lukrative Konzerte im restlichen Jahr. Die Bands wurden künstlich verknappt, die Einnahmen der Hamburger Spielstätten drastisch beschnitten. Hinzu kam ein tiefes Gefühl der Fremdbestimmung. Viele renommierte Clubs dienten während der Festivaltage als bloße Hüllen – als reine „Venues“ für das vom Festivalbüro zentral gebuchte Programm. Eigenes Mitspracherecht beim Line-up? Fehlanzeige.

Während sich das mediale Scheinwerferlicht zudem fast ausschließlich auf die Reeperbahn und ihre direkten Nebenstraßen konzentrierte, blieben Clubs abseits der Partymeile oder Konzertorte, die in den Wochen vor und nach dem Trubel auf Publikum angewiesen waren, sprichwörtlich im Dunkeln stehen. Der gigantische Werbe-Hype des Festivals saugte die Aufmerksamkeit und die Kaufkraft der Musikfans wie ein schwarzes Loch auf.

Dass diese Spannungen nicht in einer offenen Revolte eskalierten, ist vermutlich der zähen Arbeit des Clubkombinats Hamburg zu verdanken. Der Verband der Hamburger Clubbetreiber*innen hat über Jahre hinweg als diplomatisches Schutzschild agiert. In harten, oft zähen Verhandlungen rangen sie der Festivalleitung und der Politik Zugeständnisse ab. Es wurden finanzielle Ausgleichszahlungen für entgangene Einnahmen vereinbart und strukturelle Förderungen erwirkt, um die Härten der Exklusivitätsklauseln für die Betreiber*innen abzufedern. Erst durch diesen mühsam erkämpften Kompromiss wurde das Festival für die Hamburger Clublandschaft überhaupt erst tragbar.

Stirbt nun die Solidarität im Sparkurs?

Mit den drastischen Kürzungsplänen aus Berlin gerät dieses mühsam austarierte, fragile Gleichgewicht auf St. Pauli nun ins Wanken. Denn die bittere Ironie der aktuellen Krise liegt auf der Hand: Wenn dem Festivalriesen die Millionen weggebaggert werden, droht die mühsam erkämpfte Solidarität mit der lokalen Basis als Erstes unter die Räder zu kommen. Ohne ausreichende Bundesförderung stehen vermutlich auch jene finanziellen Ausgleichszahlungen und strukturellen Hilfen zur Disposition, die das Clubkombinat Hamburg für die kleinen Spielstätten erstritten hat.

In dieser zugespitzten Lage prallen die Positionen der verschiedenen Akteur*innen mit unerbittlicher Härte aufeinander. Wolfram Weimer verteidigt seinen harten Sparkurs unbeirrt. Aus dem Umfeld des Kulturstaatsministers heißt es kühl, die Haushaltskonsolidierung des Bundes erfordere schmerzhafte Einschnitte in allen Bereichen. Dass dabei die zeitgenössische Popkultur die Zeche zahlt, während die klassische Hochkultur geschont wird, wird als notwendige Schwerpunktsetzung deklariert. Carsten Brosda, Hamburgs streitbarer Kultursenator, hält mit aller Kraft dagegen. Er warnt eindringlich vor einer „spürbaren und dauerhaften Schwächung des Musikstandorts Deutschland.“ Brosda lässt dabei auch keinen Zweifel daran, dass Hamburg dieses massive Defizit nicht einfach stillschweigend ausgleichen kann: Ein nationaler Leuchtturm, der als Schaufenster für die gesamte Bundesrepublik dient, darf nicht im Alleingang auf den Schultern der Hamburger Steuerzahler*innen abgeladen werden. Ob das Argument verfängt?!

Die Hamburger Clubszene wiederum steht währenddessen in einem quälenden Dilemma. Einerseits ist der Groll über die jahrelange Dominanz, die Knebelverträge und die gefühlte Arroganz der Festivalleitung bei vielen Betreiber*innen noch immer tief verwurzelt. Andererseits wissen die Kiez-Größen ganz genau: Ein unkontrolliert kollabierendes Reeperbahn Festival würde eine Schockwelle auslösen, die die ohnehin angeschlagene, lokale Club-Infrastruktur mit in den Abgrund reißen könnte.

Wenn der Gigant stürzt, kann er auch die kleinen Bühnen mit sich ziehen. Aus dem berechtigten, jahrelangen Verteilungskampf zwischen „Kiez gegen Festival“ ist im Angesicht der Berliner Kürzungspläne ein existenzieller Überlebenskampf geworden, den man vielleicht und letztlich nur gemeinsam gewinnen – oder krachend verlieren kann.

Am Ende wird es bei dieser Debatte also um weit mehr als um nackte Zahlen, Haushaltslöcher und politische Zuständigkeiten gehen. Es geht um die Frage, welchen Wert wir als Gesellschaft der lebendigen, ungezähmten Kultur beimessen. Wenn im Herbst 2026 die Abgeordneten im Bundestag über den finalen Haushaltsentwurf abstimmen, entscheiden sie auch darüber, ob Deutschland seine lauteste, bunteste und mutigste Stimme behält – oder ob wir sehenden Auges ein historisches, kulturelles Sterben einleiten.

Popkultur ist kein Luxusgut

Popkultur ist kein nettes, verzichtbares Beiwerk, das man in Krisenzeiten einfach wegzensieren oder wegbudgetieren kann. Sie ist der soziale Kitt, der Sauerstoff einer Gesellschaft. In den einst stickigen, verrauchten Kellern von St. Pauli wird verhandelt, wer wir sind, wer wir sein wollen und wie wir miteinander leben. Hier entstehen Utopien. Wer hier den Rotstift ansetzt, spart an unserer Identität. Das Reeperbahn Festival darf nicht zum Opfer eines politischen Trauerspiels werden. Es muss ein Ort bleiben, an dem der Bogen tanzt, an dem junge Künstler*innen ohne Knebelverträge eine faire Chance bekommen und an dem die lokalen Clubs als gleichberechtigte Partner*innen glänzen können, statt als bloße Kulissen missbraucht zu werden.

Die Politik in Berlin steht nun also in der Pflicht. Das parlamentarische Verfahren im Bundestag ist die letzte Reißleine. Es ist die Chance für die Abgeordneten, Weimers einseitige, rückwärtsgewandte Schwerpunktsetzung zu korrigieren. Sie müssen beweisen, dass ihnen die Zukunft der Musikwirtschaft und die Existenz der Clubs auf St. Pauli ebenso viel wert sind wie die Traditionen der klassischen Hochkultur.

Der Kiez darf nicht verstummen. Wenn im September 2026 die ersten Akkorde über die Reeperbahn schallen, sollte das kein wehmütiger Abgesang auf bessere Zeiten sein, sondern ein unüberhörbares, trotziges Lebenszeichen. Die Hamburger Livemusikfans sollten ihre lokalen Clubs unterstützen, auf Konzerte gehen, diesen Freiraum einfordern. Denn eine Stadt ohne laute, mutige Livemusik ist am Ende nur eines: unendlich arm.


Tiefgang statt Bezahlschranke:

Dir ist dieser Artikel ein paar Euro wert?

Mit einer Spende hilfst du uns, weiterhin unabhängig über die Kulturszene zu berichten:

Konto Kulturspinnerei, GLS Bank, IBAN: DE42 4306 0967 1117 3871 00, Betreff: „Tiefgang“ 

]]>
https://www.tiefgang.net/ist-es-nun-nachts-um-halb-eins/feed/ 0
Generationswechsel in der Clubkultur https://www.tiefgang.net/generationswechsel-in-der-clubkultur/ https://www.tiefgang.net/generationswechsel-in-der-clubkultur/#respond Sat, 11 Jul 2026 22:26:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14157 [...]]]> Für Hamburgs Nachtschwärmer*innen sind sie der Puls der Stadt, eine absolute Konstante im urbanen Lebensgefühl: die Live-Musikclubs. Aber auch hier ist irgendwann ein Wechsel nötig …

Man tanzt, feiert und geht mit dem beruhigenden Gefühl nach Hause, dass der Lieblingsladen irgendwie immer da ist. Doch dieser vertraute Schein trügt. Hinter den bunten, neonbeleuchteten Fassaden und den dröhnenden Bässen vollzieht sich gerade eine stille, existenzielle Krise. Viele der prägenden Köpfe, die diese Kulturräume teils seit drei Jahrzehnten oder länger unter enormem persönlichen Einsatz und gegen jede bürokratische Welle durch schwere See gesteuert haben, erreichen in absehbarer Zeit das Rentenalter. Ohne eine rechtzeitige und professionelle Planung droht der Hamburger Clubszene das lautlose Sterben geschichtsträchtiger Orte.

Hier klinkt sich nun die Stiftung Private Musikbühnen Hamburg (Clubstiftung) ein und startet ein ambitioniertes Rettungsprogramm für den Generationswechsel. Ab sofort bietet sie eine strukturierte, vertrauliche und praxisnahe Begleitung für den gesamten Prozess der Clubübergabe an. „Ein Musikclub ist kein normales Unternehmen, das man einfach so inseriert. Hier hängen Herzblut, Kultur und jahrzehntelange Identität dran“, betont Heiko Langanke, 2. Vorsitzender der Clubstiftung Hamburg. „Wir merken in den Gesprächen, dass viele Betreibende vor den bürokratischen und finanziellen Hürden zurückschrecken und das Thema einfach vertagen. Genau hier setzen wir an.“

Das Unterstützungsangebot der 2010 von der Stadt und den Clubs gegründeten Stiftung ist feingliedrig aufgestellt. Es reicht vom diskreten Erstgespräch über die Strukturierung erster Ideen bis hin zur konkreten Modellentwicklung. Ob klassischer Verkauf, Verpachtung oder das Aufbrechen alter Strukturen hin zu einem Kollektiv oder Verein – die Clubstiftung stellt das nötige wirtschaftliche, steuerliche und vertragliche Know-how bereit oder vermittelt direkt an die passenden Expert*innen.

Flankiert wird das Ganze durch das laufende Projekt „Soundcheck Finanzen“. Denn eine erfolgreiche Übergabe gelingt nur, wenn die Betriebsstruktur zukunftssicher und transparent ist. Das Projekt hilft den Clubbetreibenden, die Liquidität im Blick zu behalten und die strikten Anforderungen der Finanzbehörden – etwa im Bereich der Barkassen – rechtssicher umzusetzen.

Besonders spannend: Die Initiative richtet sich nicht nur an die alteingesessene Garde des Nachtlebens, sondern öffnet die Türen ganz bewusst für die Stadtgesellschaft. Es ist ein flammender Aufruf an all jene, die ihr Geld nicht in anonymen Kapitalanlagen versenken, sondern gezielt in die „Soundtrackmaschinen“ des eigenen Lebens investieren wollen, um die Vielfalt der Musikstadt Hamburg nachhaltig zu sichern. Jede Beratung, die heute angestoßen wird, sichert den Clubsound von morgen. Detaillierte Informationen finden Interessierte auf der Plattform der Stiftung.

Weitere Infos hier: stiftung-private-musikbuehnen-hamburg.de/clubhilfen/


Tiefgang statt Bezahlschranke:

Dir ist dieser Artikel ein paar Euro wert?

Mit einer Spende hilfst du uns, weiterhin unabhängig über die Kulturszene zu berichten:

Konto Kulturspinnerei, GLS Bank, IBAN: DE42 4306 0967 1117 3871 00, Betreff: „Tiefgang“ 

]]>
https://www.tiefgang.net/generationswechsel-in-der-clubkultur/feed/ 0
Fotos für die Ewigkeit https://www.tiefgang.net/fotos-fuer-die-ewigkeit/ https://www.tiefgang.net/fotos-fuer-die-ewigkeit/#respond Thu, 09 Jul 2026 22:38:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14145 [...]]]> Hol Dir den Freddy an die Wand! – oder wenigstens einen Funken jener elektrisierenden Energie, die einst Stadien zum Beben brachte. Eine Ausstellung im Hamburger Stilwerk lädt dazu ein …

Wer dieser Tage durch das stilwerk Hamburg schlendert, begegnet nicht nur Udo Lindenbergs Panik-Universum, sondern findet im vierten Obergeschoss eine Einladung zu einer wahren Zeitreise. Die Ausstellung „LEGENDS OF ROCK ´N´ ROLL“, kuratiert von der Limelight Gallery, ist kein bloßes Sammelsurium von Fotos; sie ist ein von Neal Preston, Bob Gruen, Henry Diltz und anderen Musikfotograf*innen kuratiertes Hochgebirge an Popkultur-Geschichte.

Hier hängen Bilder, die längst über den bloßen Moment ihrer Entstehung hinausgewachsen sind. Wenn Neal Preston Freddie Mercury 1986 im Wembley Stadion festhält, dann sehen wir nicht einfach einen Sänger. Wir sehen eine Pose für die Ewigkeit, ein Bild, das atmet, das singt, das den Geist einer Ära in einem einzigen Klick einfängt. Diese Fotografien sind das visuelle Gedächtnis unserer Musikgeschichte. Man steht vor diesen großformatigen Fine-Art-Prints und spürt förmlich, wie der Bogen tanzt, wie der Schweiß von den Bühnenbrettern aufsteigt und wie John Lennon vor Bob Gruens Linse zum Symbol einer ganzen Generation wird.

Es ist diese hautnahe Authentizität, die den Reiz ausmacht. Zagaris, Floyd, Diltz – sie alle waren dort, in den Backstage-Bereichen, auf den Festivals, in den intimen Momenten der Rebellion. Sie dokumentierten kulturelle Umbrüche und künstlerische Freiheit, lange bevor die digitalen Filter alles glätteten. Dass man sich diese Fragmente der Rock-Historie tatsächlich mit nach Hause nehmen kann, macht den Besuch zu einem erlebnisorientierten Muss. Ein eigenes Stück „Ewigkeit“ für die heimische Wand zu erwerben, fühlt sich hier fast wie eine Notwendigkeit an, um sich den Spirit des Rock ´n´ Roll dauerhaft in die eigenen vier Wände zu holen.

Die Ausstellung ist bis zum 4. Oktober 2026 im stilwerk Hamburg, direkt gegenüber vom Udoversum in der Großen Elbstraße 68, zu sehen. Der Eintritt ist frei, was den Zugang zu dieser exzellenten Werkschau wunderbar niederschwellig gestaltet. Geöffnet ist die Galerie dienstags bis freitags von 11 bis 19 Uhr sowie am Wochenende von 11 bis 18 Uhr, wobei montags die Türen geschlossen bleiben. Eine wunderbare Gelegenheit, sich in der Nachbarschaft der Panik-Legende inspirieren zu lassen und zu erkennen, dass Rock ´n´ Roll weit mehr ist als nur Musik – er ist ein Lebensgefühl, das uns noch heute, Jahrzehnte später, direkt ins Herz trifft.

weitere Informationen: limelight-gallery.com


Tiefgang statt Bezahlschranke:

Dir ist dieser Artikel ein paar Euro wert?

Mit einer Spende hilfst du uns, weiterhin unabhängig über die Kulturszene zu berichten:

Konto Kulturspinnerei, GLS Bank, IBAN: DE42 4306 0967 1117 3871 00, Betreff: „Tiefgang“ 

]]>
https://www.tiefgang.net/fotos-fuer-die-ewigkeit/feed/ 0
Mythos, Muse und Miete https://www.tiefgang.net/mythos-muse-und-miete/ https://www.tiefgang.net/mythos-muse-und-miete/#respond Thu, 09 Jul 2026 10:14:42 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14140 [...]]]> Seit Jahrhunderten pflegen wir ein Bild, das so hartnäckig ist wie der Kontrabass-Part in einer spätromantischen Sinfonie: Der Künstler oder die Künstlerin als asketische Gestalt, die sich einzig von Luft, Liebe und der eigenen Schöpfungskraft ernährt – die „brotlose Kunst“ als romantisches Schicksal. Doch so einfach ist es nicht …

Während wir noch von der vergeistigten Bohème träumen, die in abgewrackten Hinterhöfen an der nächsten großen Sinfonie oder dem perfekten Song-Text feilt, lohnt mal ein Blick in eine wenig beachtete Auswertung der Künstlersozialkasse (KSK) für das Jahr 2025. Daten, die wie ein eiskalter Regenschauer auf die wohlige Romantik des brotlosen Künstler*innendaseins wirken.

Wenn wir heute auf das „Durchschnittseinkommen“ blicken, offenbart sich ein Mosaik aus erschreckenden Prekaritäten und vereinzelten Lichtblicken. Wir sprechen hier nicht von den glitzernden Ausnahmen der Pop-Industrie wie Taylor Swift, deren Gagen in den Millionen schwelgen, sondern von der breiten Basis: von denjenigen, die unser kulturelles Rückgrat bilden. 53.370 Personen sind in der Sparte Musik 2025 als freiberuflich Tätige in der KSK gemeldet. Ihr durchschnittliches Jahresarbeitseinkommen? Gerade einmal 16.982 Euro.

Rechnen wir das für den Alltag herunter, landen wir bei einem monatlichen Bruttobetrag von etwa 1.415 Euro. Ein Betrag, der uns unweigerlich die Frage stellt: Wovon leben die?! Ist das noch eine tragfähige Lebensgrundlage oder bereits die staatlich verwaltete Armutsgrenze? „Die vorliegenden Daten zum prognostizierten Einkommen spiegeln das zum 1. Januar für das laufende Jahr erwartete durchschnittliche Jahresarbeitseinkommen aus der künstlerischen Haupttätigkeit wider“, erläutert das Deutsche Musikinformationszentrum (miz) nüchtern. Es ist ein Zahlenwerk, das nicht singt, nicht tanzt, sondern mit brutaler Präzision zeigt, wie schmal der Grat zwischen künstlerischer Leidenschaft und existenzieller Bedrohung tatsächlich ist.

Schreiben steht über Spielen

Werfen wir nun mal einen Blick unter die Motorhaube der Branche. Das Bild der Gleichheit innerhalb der Musikszene erweist sich bei näherem Hinsehen als Trugschluss, als eine bunte Fassade, hinter der sich tief gegrabene Gräben verbergen. Die Studie macht deutlich: Die künstlerische Disziplin bestimmt oft über den Kontostand.

Da sind die Urheber*innen, die Architekt*innen der Klänge. Wer als Komponist*in tätig ist, landet bei einem durchschnittlichen Jahresarbeitseinkommen von 26.442 Euro. Es ist ein Betrag, der sich im Vergleich zum Gesamtschnitt von 16.982 Euro geradezu wie ein Luxus anfühlt – ein einsamer Gipfelpunkt in einer Landschaft, die sonst eher flach bleibt. Librettist*innen und Textdichter*innen führen das Feld mit 27.623 Euro sogar noch an. Doch wehe dem, der sich auf die Bühne stellt, um diese Töne in die Welt zu tragen. Hier wird das „Hochgebirge technischer Schwierigkeiten“, das die Musiker*innen tagtäglich durchmessen, nur mäßig entlohnt.

Betrachten wir die Ausübenden: Eine Orchester- oder Bühnenmusiker*in muss im Schnitt mit 13.804 Euro pro Jahr auskommen. Das ist ein existenzielles Nadelöhr. Vergleichen wir dies mit der Welt der Pop-, Rock- und Unterhaltungsmusik, wo das Durchschnittseinkommen für Musiker*innen bei 19.674 Euro liegt, wird ein ökonomisches Gefälle sichtbar, das Fragen nach der gesellschaftlichen Wertschätzung von Hochkultur und Unterhaltung aufwirft. Und die Jazzmusiker*innen? Sie balancieren als improvisierende Poet*innen zwischen den Welten und finden sich statistisch bei 14.678 Euro wieder.

Doch die Musikszene besteht nicht nur aus den Protagonist*innen im Rampenlicht. In den Schatten der großen Bühnen arbeiten die „stillen Motoren“ des Betriebs. Musikpädagog*innen, die das Fundament für die nächste Generation legen, kommen auf 14.791 Euro. Künstlerisch-technische Mitarbeiter*innen, die dafür sorgen, dass jeder Ton technisch brillant beim Publikum ankommt, verdienen mit 21.361 Euro zwar etwas mehr, bleiben aber weit von den Gagen entfernt, die in anderen Branchen bei vergleichbarer Spezialisierung üblich sind.

„Die vorliegenden Daten ermöglichen keine Berechnung der Medianeinkommen oder weiterer statistischer Kennwerte, die Auskunft über die Einkommensverteilungen innerhalb der aufgeführten Gruppen geben“, mahnt das miz zur Vorsicht. Dennoch ist die Botschaft unmissverständlich: Wer den Zauber der Musik verbreiten will, zahlt oft mit einer prekären finanziellen Stabilität. Es ist ein bizarrer Kontrast – während die Musik das Leben jedes Einzelnen bereichert, atmet und singt, bleibt der Geldbeutel derer, die sie ermöglichen, oft erstaunlich leer.

Gender Pay Gap als Realität

Wenn wir den Vorhang beiseiteziehen, offenbart sich hinter der glitzernden Fassade der Musikbranche aber noch ein Riss, der tiefer geht als die bloße Unterscheidung der Genres. Es ist der Gender Pay Gap, jene statistische Schlucht, die sich bei Licht besehen auftut. Das miz liefert hierzu keine bloßen Zahlen, sondern ein Sittenbild: Während das durchschnittliche Jahresarbeitseinkommen über alle Tätigkeitsbereiche hinweg für Männer bei 19.078 Euro liegt, müssen sich Frauen im Schnitt mit 13.859 Euro begnügen.

Das ist kein bloßer Zufall, das ist eine strukturelle Schieflage. Betrachten wir etwa die Komponistinnen: Ein männlicher Komponist kalkuliert für 2025 ein durchschnittliches Jahresarbeitseinkommen von 28.072 Euro, seine Kollegin hingegen steht bei 15.542 Euro. Dieser Unterschied von über 44 Prozent lässt den Begriff „brotlose Kunst“ für viele Komponistinnen zur bitteren Realität werden. Auch bei den Sänger*innen (Lied, Oper, Operette, Chor) klafft die Schere weit auseinander: Männer kommen hier auf 18.609 Euro, Frauen auf lediglich 12.567 Euro. Mehr als 500 Euro monatlich!

Dabei bleibt der Gender Pay Gap in dieser Statistik „unbereinigt“ – das bedeutet, Faktoren wie Erwerbsunterbrechungen oder die ungleiche Verteilung von Familienarbeit werden hier noch gar nicht explizit herausgerechnet, sondern wirken als zusätzlicher Brennstoff in dieser ökonomischen Dysbalance. Es ist, als würde man bei einem Konzert verlangen, dass die Musikerinnen auf der linken Seite des Orchestergrabens das gleiche Stück spielen wie die auf der rechten – nur dass die eine Seite für ihre Arbeit einen goldenen Lohn erhält, während die andere Seite mit Krümeln abgespeist wird.

„Bei der Interpretation der ausgewiesenen Durchschnittseinkommen ist zu beachten, dass diese empfindlich sind für hohe Ausreißerwerte“, warnt das miz. Doch diese statistische Vorsicht kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir hier von einer Generation von Künstlerinnen sprechen, die unter dem Druck finanzieller Prekarität ihre Leidenschaft zur Profession erhebt. Wenn die statistische Kurve für den Gender Pay Gap bei den ausübenden Künstlerinnen im Jahr 2025 bei 28,3 Prozent verharrt, dann ist das mehr als nur eine Zahl – es ist ein Aufruf, endlich die Debatte über den wahren Wert kultureller Arbeit zu führen, fernab von romantischen Verklärungen.

Zwischen Pandemie und zäher Erholung

Blicken wir dann mal auf einen längeren Zeitraum statt auf den Moment, also auf die letzten Jahre, entfaltet sich vor uns eine Kurve, die man kaum als lineare Entwicklung bezeichnen kann; es ist ein wildes Auf und Ab, ein EKG der kulturellen Betriebsamkeit. Die Prognosen für das Jahr 2020, erstellt kurz vor dem großen Einbruch durch die Pandemie, fungieren in der Statistik heute als schmerzhafter Referenzpunkt. Sie markieren das Ende einer vermeintlichen Normalität, bevor die Krise brutal mitten in die Erwerbsbiografien von 53.370 freiberuflich Musikschaffenden grätschte.

Die Zahlen sind ein beredtes Zeugnis dieser Jahre: Während das durchschnittliche Jahreseinkommen im Jahr 2020 noch bei 14.191 Euro dümpelte, stieg es bis zur Prognose für 2025 auf 16.982 Euro. Ein Zuwachs auf dem Papier, der jedoch wie ein hohler Klang im leeren Konzertsaal verhallt, wenn man die Inflation und die veränderten Lebenshaltungskosten gegenrechnet. Interessant ist dabei die Entwicklung der „Urheber*innen“: Deren Einkommen sprang von 20.031 Euro (2020) auf 26.442 Euro im Jahr 2025 – eine bemerkenswerte Resilienz derer, die aus dem Schatten heraus die Klänge liefern.

Doch schauen wir in den Orchestergraben oder auf die kleinen Bühnen, wo die ausübenden Künstler*innen ihr Handwerk verrichten, zeigt sich ein anderes Gesicht. Die Pandemie wirkte hier wie ein Brandbeschleuniger für strukturelle Defizite. Die Schere zwischen den Geschlechtern, der „Gender Pay Gap“, ist dabei kein statisches Phänomen; sie atmet mit der wirtschaftlichen Lage. Bei den ausübenden Künstlerinnen sprang die Lücke von 26,3 Prozent im Jahr 2019 auf zwischenzeitliche 28,9 Prozent im Pandemie-Jahr 2020, bevor sie sich zur Prognose für 2025 bei 28,3 Prozent einpendelte.

„Die vorliegenden Daten ermöglichen keine Berechnung der Medianeinkommen“, heißt es im Hinweis des miz, was uns daran erinnert, dass hinter jedem statistischen Mittelwert ein individuelles Schicksal steht – die Geigenlehrerin, deren Schülerzahlen einbrachen; der Jazz-Pianist, dessen Club-Gigs ersatzlos gestrichen wurden. Wir sehen hier keine bloßen Kurven, wir sehen das Ringen um Professionalität in einem System, das Künstler*innen oft nur als Beiwerk betrachtet. Wenn wir diese Entwicklung betrachten, wird klar: Die Kultur hat sich erholt, aber sie ist gezeichnet. Sie ist nicht mehr dieselbe wie vor 2020 – und die ökonomische Wunde, die der Gender Pay Gap in das Gewebe der Musikszene schneidet, ist längst noch nicht vernarbt.

Die „brotlose Kunst“ ist also kein Schicksal, sondern eine politische Entscheidung. Wenn wir den Zauber der Musik genießen wollen, müssen wir die ökonomische Basis derer, die sie erschaffen, radikal neu bewerten. Wer die Musik liebt, muss ihre Macher*innen schützen – nicht durch Mitleid, sondern durch faire Entlohnung und geschlechtergerechte Strukturen.

Die Studie ist hier kostenfrei abrufbar: miz.org


Tiefgang statt Bezahlschranke:

Dir ist dieser Artikel ein paar Euro wert?

Mit einer Spende hilfst du uns, weiterhin unabhängig über die Kulturszene zu berichten:

Konto Kulturspinnerei, GLS Bank, IBAN: DE42 4306 0967 1117 3871 00, Betreff: „Tiefgang“ 

]]>
https://www.tiefgang.net/mythos-muse-und-miete/feed/ 0
Macht´s die Musik noch? https://www.tiefgang.net/machts-die-musik-noch/ Sun, 14 Jun 2026 22:41:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14010 [...]]]> „Der Geruch von Kreide, ein etwas verstimmtes Schulklavier, Notenständer, die in der Ecke stehen.“ Wenn wir uns an den Musikunterricht unserer eigenen Schulzeit erinnern, betreten wir ein zutiefst emotionales Archiv.

Und mit diesem Bild stimmt auch das Deutsche Musikinformationszentrum (miz) auf eine Studie ein. Während für die einen das Fach Musik der Ort ist, an dem sie zum ersten Mal eine Bühne betreten, zählen andere im Takt die Minuten bis zur Erlösung durch den Pausengong. Kaum ein anderes Schulfach polarisiert die biografischen Rückblicke der Deutschen so stark wie dieses – es ist der Ort der ersten großen kreativen Freiheit oder der Ort des tiefen, stillen Frusts.

Um dieses kollektive Gedächtnis erstmals systematisch zu vermessen, hat das miz eine wegweisende Repräsentativbefragung in Auftrag gegeben. Durchgeführt vom renommierten Institut für Demoskopie Allensbach im Frühjahr 2026, bildet diese Untersuchung den Auftakt einer neuen Umfragenreihe. Insgesamt wurden 1.057 Personen ab 16 Jahren befragt. Im Fokus steht die Frage, „wie die Menschen in Deutschland ihren Musikunterricht in der Schule rückblickend erlebt haben und was sie heute damit verbinden.“ Die Ergebnisse sind weit mehr als eine bloße statistische Rückschau: Sie halten uns einen Spiegel vor, wie wir als Gesellschaft mit unserem musikalischen Erbe und unserem Nachwuchs umgehen.

Das Ost-West-Gefälle

Wer die nackten Zahlen der Allensbach-Studie analysiert, stößt schnell auf historische Bruchlinien und gesellschaftliche Ungleichheiten, die bis heute nachwirken. Die erste große Überraschung der Erhebung liegt im deutlichen Ost-West-Gefälle bezüglich der Kontinuität des Unterrichts. Während im Westen lediglich jeder fünfte Befragte angibt, über die gesamte Schullaufbahn hinweg Musikunterricht gehabt zu haben, ist es im Osten mit 39 Prozent fast das Doppelte. „Ein möglicher Erklärungsansatz dürfte hier der hohe Stellenwert des Musikunterrichts in der DDR sein“, so die Studie (S. 2). In der dortigen polytechnischen Oberschule war das Fach ab dem Schuljahr 1971/72 nämlich flächendeckend in allen Klassenstufen fest verankert.

Doch viel alarmierender als dieser historische Unterschied ist vermutlich die soziale Schere, die die Studie offenlegt. Musikunterricht ist in Deutschland ein Privileg der ohnehin schon Privilegierten. Während unter Personen mit hohem Bildungsabschluss nur magere 3 Prozent angeben, in der Schule überhaupt keinen Musikunterricht gehabt zu haben, steigt dieser Anteil bei Menschen mit einfacher Schulbildung auf drastische 14 Prozent. Umgekehrt verhält es sich bei der Regelmäßigkeit: 71 Prozent der Befragten mit höherer Schulbildung genossen fast durchgehend Musikunterricht. Diese Zahlen sind ein kulturpolitisches Alarmsignal, denn sie zeigen, dass der Zugang zu künstlerischer Bildung in unserem Schulsystem stark von der sozialen Herkunft abhängt. Musik darf und sollte kein Elitenprojekt sein.

Die Tristesse der Theorie

Musikunterricht kann begeistern – oder tiefe Spuren des Unbehagens hinterlassen. Die Allensbach-Studie zeigt auch, dass das Fach für immerhin 28 Prozent der Befragten rückblickend „eher keinen Spaß gemacht hat“ (S. 4). Wer in diese Gruppe blickt, stößt auf handfeste Versäumnisse der Vergangenheit, die oft jahrelang nachwirken. Ganze 78 Prozent der Unzufriedenen fanden den Musikunterricht schlicht „zumeist langweilig“. Die Gründe dafür liegen vor allem in einem eklatanten Ungleichgewicht zwischen theoretischem Ballast und gelebter Praxis: 37 Prozent bemängeln kritisch, dass im Unterricht zwar viel Theorie durchgenommen, aber nur wenig selbst Musik gemacht wurde.

Das größte emotionale Nadelöhr im Klassenzimmer war und ist jedoch die persönliche Demütigung vor der Gruppe. Für fast zwei Drittel der Befragten ohne Spaß am Fach (63 Prozent) war es eine zutiefst negative Erfahrung: „Es war mir sehr unangenehm, vor der Klasse vorsingen oder vorspielen zu müssen.“ Wenn die Leistungsbewertung zum öffentlichen Bloßstellen gerät, wird die Kreativität im Keim erstickt. Zudem ging der Unterricht oft völlig an der Lebensrealität der Jugendlichen vorbei: 47 Prozent kritisierten, dass kaum Musik behandelt wurde, die sie interessierte, und 36 Prozent bemängelten das Fehlen von populärer oder moderner Musik (S. 6).

Vom Klassenzimmer an die Instrumente

Die Allensbach-Studie liefert damit unweigerlich einen unumstößlichen Beweis für die immense Nachhaltigkeit von gutem und kontinuierlichem Unterricht. Die Daten zeigen nämlich eine glasklare Korrelation: „Je länger die Befragten in ihrer Schulzeit Musikunterricht hatten, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie auch heute noch selbst Musik machen.“ (S. 6) Während in der Gruppe der Personen ohne oder mit nur sehr wenig Musikunterricht lediglich 14 bzw. 16 Prozent selbst musizieren, steigt dieser Anteil bei denjenigen, die während ihrer gesamten Schullaufbahn Musik im Stundenplan hatten, auf stolze 42 Prozent. Besonders deutlich wird dieser Effekt beim Instrumentalspiel: Wer die gesamte Schulzeit über Unterricht hatte, spielt heute zu 32 Prozent ein Instrument – bei denjenigen ganz ohne schulische Musikbildung sind es magere 7 Prozent.

Doch nicht nur die Quantität der Schulstunden entscheidet, sondern vor allem die Qualität der gemachten Erfahrungen. „Den größten Einfluss haben die persönlichen Erfahrungen“ (S. 6). Von denjenigen Befragten, denen der schulische Musikunterricht Spaß gemacht hat, sind heute 43 Prozent selbst musikalisch aktiv. Bei denjenigen ohne positive Erinnerungen an das Fach sinkt diese Aktivität auf gerade einmal 8 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Musikunterricht der wirksamste Brutkasten für das gesamte deutsche Laienmusizieren ist. Wer in der Schule frustriert verstummt, fasst meist nie wieder ein Instrument an.

Handlungsempfehlungen für das Musikland

Aus diesen Befunden der Allensbach-Studie lassen sich konkrete kultur- und bildungspolitische Aufträge ableiten, um den Musikunterricht der Zukunft krisenfest und zeitgemäß aufzustellen. Die Daten des miz zeigen unmissverständlich, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss.

Abschaffung des Demütigungs-Faktors

Da das solistische Vorsingen vor der versammelten Mannschaft für 63 Prozent der unzufriedenen Befragten eine Quelle des Unbehagens war, müssen Leistungsbewertungen dringend reformiert werden. Ängste und Traumata im Klassenzimmer sind der sicherste Weg, um Menschen lebenslang von der Musik zu entfremden.

Praxis-Offensive statt Theorie-Wüste

Um die unglückliche Kombination aus Langeweile und theoretischem Ballast zu durchbrechen, braucht es mehr aktives Erleben. Konzepte wie das Klassenmusizieren oder das gemeinsame Ausprobieren von Instrumenten müssen zum Standard werden, um den Unterrichtserfolg zu sichern.

Lebensrealität und moderne Kulturen integrieren

Wenn sich fast die Hälfte der Frustrierten darüber beklagt, dass die behandelten Inhalte nicht ihren Interessen entsprachen, müssen die Lehrpläne dringend entstaubt werden. Die Einbindung populärer Genres und auch digitaler Werkzeuge zur Musikproduktion am Computer ist essenziell, um die Schüler*innen im Jahr 2026 dort abzuholen, wo sie emotional stehen.

Garantierte Kontinuität und Bildungsgerechtigkeit

Da die soziale Herkunft noch immer über die Häufigkeit des Musikunterrichts entscheidet, müssen die Bundesländer eine flächendeckende und durchgehende Versorgung in allen Schulformen garantieren. Nur eine verlässliche Kontinuität legt das Fundament für ein späteres eigenes Musizieren.

Ein Fach kämpft um seine Zukunft

Am Ende der Allensbach-Untersuchung steht eine Erkenntnis, die Mut macht: Die Relevanz des Faches steht nämlich trotz aller persönlicher Erfahrungen in der Bevölkerung außer Frage. „Musikunterricht wird von einer klaren Mehrheit der Bevölkerung als wichtiger Bestandteil schulischer Bildung angesehen“. Ganze 7 von 10 Befragten finden es wichtig oder sogar sehr wichtig, dass Kinder und Jugendliche in der Schule Musikunterricht erhalten. Bei den Frauen liegt diese Zustimmung sogar bei stolzen 77 Prozent (S. 8). Die Akzeptanz und der Wunsch nach musikalischer Bildung sind in der Gesellschaft tief verankert – das ist das eigentliche Kapital, auf dem wir aufbauen können.

Die Studie des miz hält den Kultusministerien und Schulen just im Jahr 2026 den Spiegel vor: Wer am Musikunterricht spart oder ihn in starren, veralteten Mustern verharren lässt, beschädigt das kulturelle Fundament der Zukunft. Wenn wir wollen, dass junge Menschen auch morgen noch Instrumente spielen, Chöre bereichern oder einfach nur ein lebenslanges Verständnis für Kunst entwickeln, müssen wir das Fach im Hier und Jetzt stärken. Es ist an der Zeit, die Weichen neu zu stellen – damit die Erinnerung an den Musikunterricht nicht länger von Frust und Versagensängsten geprägt ist, sondern vom Aufbruch in eine lebenslange Liebe zur Musik.

Die gesamte Studie steht hier zum kostenlosen download bereit: miz.org


Tiefgang statt Bezahlschranke:

Dir ist dieser Artikel ein paar Euro wert?

Mit einer Spende hilfst du uns, weiterhin unabhängig über die Kulturszene zu berichten:

Konto Kulturspinnerei, GLS Bank, IBAN: DE42 4306 0967 1117 3871 00, Betreff: „Tiefgang“ 

]]>
Sechs Saiten für Hamburg https://www.tiefgang.net/sechs-saiten-fuer-hamburg/ Sun, 07 Jun 2026 22:00:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13978 [...]]]> Hamburgs Kulturlandschaft ist um eine Facette reicher, und sie klingt herrlich unverbraucht. Wenn im Juni 2026 die ersten Akkorde durch die Säle hallen, feiert der jüngste Spross der Hamburger Musikförderung seine lang ersehnte Premiere: Das Landesjugendgitarrenensemble Hamburg (HH LJGitE).

Und es bittet zugleich zu seinen Debütkonzerten. Als neuestes Auswahlensemble unter dem Dach des Landesmusikrats Hamburg schließt dieser Klangkörper eine spürbare Lücke in der musikalischen Nachwuchsarbeit der Hansestadt.

Hinter den 15 jungen Gitarrentalenten im Alter zwischen 14 und 20 Jahren liegt eine intensive Zeit des Zusammenwachsens. In zwei großen Arbeitsphasen im Frühjahr haben die Jugendlichen aus allen Teilen der Stadt nicht nur ihre Instrumente gestimmt, sondern vor allem gelernt, als eine atmende, dynamische Einheit zu agieren. Es ist spürbar: Hier geht es um weit mehr als um das fehlerfreie Abspulen von Noten. Es ist die pure Lust am gemeinsamen Gestalten, die diesen neuen Klangkörper antreibt.

Dass diese jugendliche Energie in die richtigen Bahnen gelenkt wird, ist das Verdienst einer Ausnahmekünstlerin am Dirigentenpult. Mit Julia Villarroel hat das Ensemble eine musikalische Leiterin gewonnen, die Internationalität und pädagogisches Feingefühl perfekt verkörpert. Die aus Ecuador stammende Gitarristin ist längst keine Unbekannte mehr: Sie ist Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe und verfeinert ihr eigenes Können derzeit im prestigeträchtigen Konzertexamen an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar.

Villarroel versteht sich nicht als strenge Taktgeberin, sondern als Impulsgeberin, die die individuellen Stärken der Jugendlichen zusammenschweißt. Ihre Herkunft und ihre tiefe Verwurzelung in der lateinamerikanischen Gitarrentradition bringt eine spürbare Wärme und Rhythmik in die Probenarbeit. Unter ihrer Hand reift das Ensemble zu einem Kollektiv heran, das technische Präzision mit emotionaler Tiefe verbindet – ein Glücksfall für die Hamburger Gitarrenszene.

Das Debütprogramm, mit dem das Ensemble im Juni 2026 an die Öffentlichkeit tritt, trägt den bezeichnenden Titel „Con Spirito“ – mit Geist, mit Seele, mit Lebensfreude. Und genau dieser Geist spiegelt sich in der anspruchsvollen Dramaturgie wider, die Julia Villarroel für ihre 15 Schützlinge zusammengestellt hat. Die Zuhörer*innen erwartet eine musikalische Entdeckungsreise, die geografische und epochengeschichtliche Grenzen spielend überwindet.

Der Bogen spannt sich von der romantischen, nordisch-melancholischen Klangpoesie Edvard Griegs bis hin zur meditativen, fast zeitlosen Schlichtheit der Musik von Arvo Pärt. Doch das unbestrittene emotionale und künstlerische Zentrum des Programms ist ein echtes Wagnis für ein so junges Ensemble: die absolute Uraufführung der „Suite de las animas“ des ecuadorianischen Komponisten Juan Carlos Urrutia. Hier verschmelzen zeitgenössische Tonsprache und die rhythmische Urkraft Lateinamerikas zu einem packenden Klangerlebnis. Dass ein Jugendensemble eine solche Uraufführung stemmt, beweist den enormen Mut und das hohe Niveau, auf dem hier von Beginn an gearbeitet wird.

Kulturförderung als Gemeinschaftsraum

Hinter den Kulissen dieses musikalischen Erfolgs steht eine strukturierte und weitsichtige Kulturpolitik. Ermöglicht wurde die Gründung des Ensembles durch die maßgebliche Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien Hamburg (BKM). Hier wurde erkannt, dass Begabtenförderung dann am besten funktioniert, wenn sie jungen Menschen nicht nur Einzelunterricht, sondern einen kollektiven Raum des Austausches bietet.

Das HH LJGitE ist weit mehr als eine Kaderschmiede für den professionellen Nachwuchs. Es schließt ein wichtiges Bindeglied in der Hamburger Musiklandschaft, indem es zeigt, dass die klassische Gitarre ein extrem wandelbares Ensemble-Instrument ist. Für die Jugendlichen bedeutet das Mitwirken in diesem Auswahlensemble eine prägende Erfahrung von Gemeinschaft und geteilter Verantwortung. In einer von Algorithmen und Vereinzelung geprägten Zeit ist dieses gemeinsame Arbeiten an einem analogen Klangkörper ein unschätzbares gesellschaftliches und pädagogisches Gut.

Die monatelange Probenarbeit biegt auf die Zielgerade ein, und für das Publikum in Hamburg und Umgebung bietet sich Mitte Juni gleich dreimal die Gelegenheit, die Geburtsstunde dieses neuen Klangkörpers live miterleben zu können. Das Ensemble zieht für seine Debütkonzerte ganz bewusst an verschiedene Orte, um die pulsierenden Saiten in ganz unterschiedlichen Akustiken erstrahlen zu lassen.

Die Konzerttermine im Überblick:

  • Freitag, 12.06. (19.30 Uhr): Das erste offizielle Konzert findet in der Jungen Musikakademie Hamburg statt (Bramfelder Chaussee 265).
  • Samstag, 13.06. (17 Uhr): Für das zweite Konzert verlässt das Ensemble die Stadtgrenzen und gastiert im idyllischen Kulturhof Itzehoe (Dorfstraße 4, 25524 Itzehoe).
  • Sonntag, 14.06. (16 Uhr): Das große Finale der Debütkonzertreihe steigt schließlich in der St. Johanniskirche Eppendorf (Ludolfstraße 38), wo der Nachhall des Kirchenschiffs dem Programm „Con Spirito“ eine ganz besondere Tiefe verleihen dürfte.

Der Eintritt zu allen drei Konzerten ist frei – der Landesmusikrat freut sich jedoch über Spenden, die direkt der zukünftigen Arbeit des Ensembles zugutekommen. Man sollte sich diese Termine rot im Kalender anstreichen, um Zeuge*in zu werden, wie 15 junge Talente Hamburgs Gitarrenlandschaft nachhaltig beleben.

weitere Informationen unter www.lmr-hh.de/landesjugendgitarrenensemble/


Tiefgang statt Bezahlschranke!

Dir ist dieser Artikel ein paar Euro wert?

Mit einer Spende du uns, weiterhin unabhängig über die Kulturszene zu berichten.

Konto Kulturspinnerei, GLS Bank, IBAN: DE42 4306 0967 1117 3871 00, Betreff: „Tiefgang“

]]>
Das Universum hinter Tönen https://www.tiefgang.net/das-universum-hinter-toenen/ Sat, 23 May 2026 22:39:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13891 [...]]]> Das Berufsfeld Musik im Jahr 2026 ist ein riesiges, oft unsichtbares Universum, das weit über die Rampe der klassischen Konzertbühne hinausreicht. Ein Portal leitet nun gekonnt hindurch …

Wer an ein Musikstudium denkt, sieht meist dasselbe Bild vor sich: Ein einsames Genie am Flügel, das stundenlang Tonleitern übt, oder die virtuose Geigerin, die auf den großen Solist*innenplatz im Orchester hinarbeitet. Doch wer die Augen und Ohren öffnet, merkt schnell: Das Berufsfeld Musik im Jahr 2026 ist ein riesiges, oft unsichtbares Universum, das weit über die Rampe der klassischen Konzertbühne hinausreicht.

Hinter den glänzenden Fassaden der Kulturmetropolen wächst eine Generation von Musikschaffenden heran, deren Alltag ganz anders aussieht. Da ist der Musiktherapeut, der mit Klängen Brücken zu Demenzerkrankten baut; die Musikpädagogin, die in der Popkultur die digitale Zukunft des Unterrichts erprobt; oder der Musikjournalist, der komplexe Kulturpolitik verständlich macht. Musik ist heute interdisziplinär, digital und flexibel. Doch genau diese enorme Vielfalt machte es jungen Talenten bislang schwer, den richtigen Weg zu finden. Die Auswahl war schlicht zu unübersichtlich, die Profile der einzelnen Institutionen zu verstreut. Bis jetzt.

Hier kommt der neue „Kompass Musikstudium“ ins Spiel, den das Deutsche Musikinformationszentrum (miz) – eine Einrichtung des Deutschen Musikrats – im Mai 2026 an den Start gebracht hat. Man darf sich dieses Tool nicht als verstaubtes Vorlesungsverzeichnis vorstellen, sondern als modernen digitalen Lotsen durch die deutsche Bildungslandschaft. In enger Kooperation mit der Hochschulrektorenkonferenz ist hier eine Plattform entstanden, die zum ersten Mal Ordnung in das Dickicht der Ausbildungsmöglichkeiten bringt.

Die nackten Zahlen des Portals (unter miz.org/de/kompass-musikstudium) sind beeindruckend: Mehr als 1.700 Studiengänge an Musikhochschulen, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland sind hier zentral erfasst und zugänglich gemacht worden. Das Besondere daran ist die intuitive Handhabung. Nutzer*innen müssen sich nicht mühsam durch die Websites von Dutzenden Instituten klicken, sondern können die Datenbank ganz gezielt nach drei Kernkriterien filtern:

Fachrichtung: Von Instrumentalausbildung über Musiktherapie und Journalismus bis hin zu pädagogischen Studiengängen.

Abschluss: Egal ob Bachelor, Master, Staatsexamen oder künstlerische Promotion.

Studienort: Eine geografische Suche, die zeigt, wo in Deutschland welche Schwerpunkte gesetzt werden.

Der Kompass liefert zu jedem Treffer kompakte, verlässliche Informationen über die tatsächlichen Studieninhalte und verlinkt direkt zu den weiterführenden Bewerbungs- und Prüfungsordnungen der jeweiligen Häuser. Das erklärte Ziel des miz ist es, Orientierung zu schaffen und jungen Menschen den oft einschüchternden Weg in den Musikberuf zu ebnen.

Wo der Code die Karriere trifft

Als wir vor einiger Zeit unter dem Titel „Wo der Code die Kunst trifft“ (Tiefgang, 21.04.2026) über die Digitalisierung der Musiklandschaft berichteten, ging es vor allem um neue ästhetische Räume, um Algorithmen in der Produktion und die Frage, wie Bits und Bytes die Kreativität verändern. Doch die Digitalisierung macht nicht an den Studiotüren halt – sie hat längst die gesamte Ausbildungslandschaft erfasst und gründlich durchgeschüttelt. Wer heute Musik studiert, muss oft selbst den Spagat zwischen Code und Kunst beherrschen. Das Problem: Die Wege dorthin waren bisher so verzweigt, dass viele Talente kapitulierten, noch bevor sie die erste Bewerbung abgeschickt hatten.

Genau an dieser Schnittstelle setzt der neue digitale Lotse an. Ein Blick auf das Suchportal (unter miz.org/de/kompass-musikstudium/suche) offenbart die schiere Bandbreite der modernen Musikwelt. Hier wird sichtbar, wie flexibel und spezialisiert die Ausrichtungen im Jahr 2026 geworden sind. Ob Kirchenmusik, Film&Sounds oder Musik&Geisteswissenschaft – die Bandbreite ist riesig und dazu kommen weitere interdisziplinäre Studiengänge an den Schnittstellen von Medien und Technologie, hochspezifische pädagogische Konzepte oder Nischenfächer – das Portal schlüsselt das unsichtbare Universum präzise auf.

Und der Kompass löst noch ein ganz praktisches, oft unterschätztes Problem: die Geografie der Ausbildung. Nicht jede*r kann oder möchte für das Studium ans andere Ende der Republik ziehen. Für all jene, die nahe der Heimat bleiben und in ihrem gewohnten Umfeld Wurzeln schlagen wollen, bietet die regionale Filterfunktion einen unschätzbaren Mehrwert. Mit wenigen Klicks lässt sich herausfinden, welche ungeahnten akademischen Schätze direkt vor der eigenen Haustür liegen. So wird der Code im Netz zum ganz realen Wegweiser für die Karriere in der Region.

Die Nische als Orientierung und Schutzfaktor

In Zeiten, in denen heftig über GEMA-Reformen, Verteilungsschlüssel und den Erhalt von Kulturräumen gestritten wird, ist Transparenz der erste Schritt zur Selbstbehauptung für den Nachwuchs. Wenn die traditionelle Förderung wackelt, müssen angehende Künstler*innen umso genauer wissen, wo sie ihre Nische finden können. Orientierung wird so zu einem echten Schutzfaktor für die ästhetische Vielfalt. Der neue Kompass erweist sich hier als echte Schatzkarte, die zeigt, dass die Musiklandschaft viel bunter ist, als es die starren Kategorien der Vergangenheit vermuten lassen.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ein Selbstversuch auf der Plattform. Wer dort nach einem modernen Begriff wie „Computermusik“ sucht, wird nicht mit standardisierten Ergebnissen abgespeist, sondern stößt auf hochspezialisierte, innovative Studiengänge. Das Portal führt Interessierte beispielsweise direkt nach Essen an die Folkwang Universität der Künste. Dort verbirgt sich hinter der Suche weit mehr als nur technisches Handwerk: Studiengänge wie „Integrative Komposition“ oder „Professional Media Creation“ zeigen exemplarisch, wie die Ausbildung im Jahr 2026 auf die Anforderungen einer digitalisierten Kulturwelt reagiert.

Hier wird das visible Universum der Musik greifbar. Der Kompass bündelt diese oft versteckten Perlen und holt sie aus der Anonymität der akademischen Nische ins Rampenlicht. Er beweist, dass es sie gibt: die Orte, an denen Experiment, Technologie und Kunst fächerübergreifend verschmelzen. Für junge Menschen ist das die Chance, genau die Ausbildung zu finden, die zu ihrer Vision passt – abseits der ausgetretenen Pfade des Massenmarkts.

Ein Werkzeug mit und für die Zukunft

Mit dem „Kompass Musikstudium“ haben das miz und der Deutsche Musikrat einen Meilenstein gesetzt. In Zeiten, in denen sich die Koordinaten der Kulturwelt rasant verschieben, ist diese Plattform genau das richtige Werkzeug zur richtigen Zeit. Sie ist ein digitales Fundament, das Orientierung bietet, wo vorher oft nur Orientierungslosigkeit herrschte, und sie schützt die Vielfalt, indem sie die Nischen sichtbarer macht.

Doch so beeindruckend die jetzige Datenbank mit ihren über 1.700 Studiengängen bereits ist: Dieser Launch ist erst der Anfang. Das Portal ist als lebendiges System angelegt, und seine wahre Stärke wird sich in den kommenden Jahren entfalten. Wenn das Portal kontinuierlich mit neuen Fortentwicklungen, praxisnahen Inhalten und aktuellen Profilen gefüttert wird, wird seine Nützlichkeit für die Musiker*innen von morgen um ein Vielfaches steigen. Es ist ein erster, mutiger Schritt getan, um den digitalen Wandel in der Ausbildung nicht nur zu verwalten, sondern aktiv zu gestalten – damit das Musikland Deutschland auch in Zukunft so facettenreich bleibt, wie es dieser Kompass schon heute verspricht.

Hier zum Portal: https://miz.org/de/kompass-musikstudium


Tiefgang statt Bezahlschranke: Dir ist dieser Artikel ein paar Euro wert? Mit einer Spende etwa via PayPal hilfst du uns, weiterhin unabhängig über die Kulturszene zu berichten.

per paypal (siehe QR-Code) oder direkt auf das Konto Kulturspinnerei, GLS Bank, IBAN: DE42 4306 0967 1117 3871 00, Betreff: „Tiefgang“ 

]]>
Warum uns die „Reform“ alle angeht https://www.tiefgang.net/warum-uns-die-reform-alle-angeht/ Thu, 07 May 2026 22:36:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13780 [...]]]> In unserer dreiteiligen Serie „Der Preis der Töne“ beleuchten wir die fundamentale Krise der GEMA.

In den letzten zwei Jahren gab es heftige Debatten über die Verteilungsschlüssel innerhalb der GEMA-Sparten (U-Musik vs. E-Musik). Der Kern des Streits: Große Verlage und „Top-Verdiener“ profitieren systemisch stärker von Pauschalauszahlungen. Die Reform nun soll einiges ändern: Kleinere Urheber*innen fordern eine transparentere und „basisnähere“ Verteilung, die besonders Live-Auftritte in kleinen Clubs fairer entlohnt, statt nur die Radio-Charts zu bedienen. Was als solidarisches Schutzschild für Komponist*innen begann, droht im Jahr 2026 unter dem Druck von Algorithmen und Markteffizienz zu zerbrechen. Wir blicken auf die Wurzeln, die Fronten und die Zukunft unserer Musikkultur.

Heute: wem nützt die Reform?

Wenn wir über die GEMA-Reform sprechen, geht es um weit mehr als um nackte Zahlen auf den Konten der Urheber*innen. Es geht um die Zerstörung eines Ökosystems, das Deutschland weltweit einzigartig macht. Wenn das Solidarprinzip der reinen Marktlogik geopfert wird, trifft der drohende Kahlschlag die gesamte kulturelle Infrastruktur des Landes.

Die Folgen ziehen Kreise wie ein Stein, der in ein ruhiges Gewässer geworfen wird. Zuerst trifft es jene, die im Hintergrund die Fäden ziehen. Wie die Interessengemeinschaft der Musikverleger (Mai 2026) in einer Stellungnahme zu bedenken gab: „Ohne die bisherigen Ausschüttungen bricht das Geschäftsmodell für jene weg, die das Wagnis eingehen, komplexe Partituren zu drucken und zu verbreiten, die sich erst in Jahrzehnten amortisieren.“

Wenn diese Verlage sterben, verschwindet das gedruckte Gedächtnis unserer musikalischen Gegenwart. Noch dramatischer zeigt sich dann das Bild bei den Festivals und Ensembles für Neue Musik. Sinkt die Unterstützung, stirbt die Nische – und mit ihr jene Experimentierräume, in denen die Sprache der Musik von morgen überhaupt erst entwickelt wird. Was bleibt, ist ein kultureller Einheitsbrei; ein Musikland Deutschland, das seine Museen pflegt, aber seinen lebendigen Geist aushungert.

Besonders bitter ist die Perspektive für den ländlichen Raum. Während die großen Metropolen ihre Leuchttürme vielleicht noch durch kommunale Mittel retten können, droht in der Fläche die kulturelle Verödung. Wenn nun die Markttauglichkeit zum alleinigen Gradmesser wird, werden jene Stimmen verstummen, die zu leise für die großen Algorithmen, aber zu wichtig für den gesellschaftlichen Diskurs sind.

Was am Ende dieser Debatte bleibt, ist die Frage nach dem sozialen Vertrag unserer Kultur. Wenn die GEMA-Hauptversammlung im Mai 2026 ihre Stimme abgibt, entscheidet sie über das Fortbestehen der Idee, dass Kunst Freiheit braucht, um auch dort zu existieren, wo sie sich nicht sofort rechnet. Wie der Journalist Axel Brüggemann in Backstage Classic (Mai 2026) mahnte, darf es nicht dazu kommen, dass ökonomische Selektionslogik die ästhetische Vielfalt besiegt.

Wahre Modernisierung hieße, die Instrumente der Förderung so zu schärfen, dass sie Nachwuchs und Innovation schützen, ohne die wirtschaftliche Basis zu gefährden. Es liegt nun an den Urheber*innen selbst zu beweisen, dass sie mehr sind als die Summe ihrer Klicks – und dass die Solidarität, die Richard Strauss einst begründete, auch im Zeitalter der Algorithmen noch einen unschätzbaren Wert besitzt.

Teil1: Richard Strauss und das Erbe von E und U

Teil2: Die Logik des Marktes


Tiefgang statt Bezahlschranke: Dir ist dieser Artikel ein paar Euro wert? Mit einer Spende via PayPal hilfst du uns, weiterhin unabhängig über die Kulturszene zu berichten.


]]>
Die Logik des Marktes https://www.tiefgang.net/die-logik-des-marktes/ Wed, 06 May 2026 22:28:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13775 [...]]]> In unserer dreiteiligen Serie „Der Preis der Töne“ beleuchten wir die fundamentale Krise der GEMA.

In den letzten zwei Jahren gab es heftige Debatten über die Verteilungsschlüssel innerhalb der GEMA-Sparten (U-Musik vs. E-Musik). Der Kern des Streits: Große Verlage und „Top-Verdiener“ profitieren systemisch stärker von Pauschalauszahlungen. Die Reform nun soll einiges ändern: Kleinere Urheber*innen fordern eine transparentere und „basisnähere“ Verteilung, die besonders Live-Auftritte in kleinen Clubs fairer entlohnt, statt nur die Radio-Charts zu bedienen. Was als solidarisches Schutzschild für Komponist*innen begann, droht im Jahr 2026 unter dem Druck von Algorithmen und Markteffizienz zu zerbrechen. Wir blicken auf die Wurzeln, die Fronten und die Zukunft unserer Musikkultur.

Heute: Wer zahlt und wer bekommt?

Wenn man die prunkvollen Foyers der Musikgeschichte verlässt und die kühlen Büros der GEMA-Zentrale in München betritt, ändert sich die Sprache. Hier regieren nicht mehr Partituren, sondern Bilanzen und Rechtsgutachten. Der Kern der aktuellen GEMA-Reform lässt sich auf ein Wort reduzieren: Äquivalenz.

Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine juristische Zäsur. Wie der Bundesgerichtshof (BGH) bereits in seinem richtungsweisenden Urteil von 2011 festschrieb, muss die Verteilung der Einnahmen streng dem wirtschaftlichen Wert der Nutzung folgen. Für den GEMA-Vorstand ist die Reform daher keine Herzensangelegenheit, sondern eine rechtliche Notwendigkeit. In internen Papieren und öffentlichen Stellungnahmen betont die GEMA-Führung (März 2026) immer wieder: „Wir müssen unsere Verteilungsschlüssel gerichtsfest und marktgerecht gestalten, um im internationalen Wettbewerb gegen profitorientierte Verwerter aus den USA bestehen zu können“.

Doch was die eine Seite als Modernisierung preist, nennt die andere Seite Verrat. Besonders laut hallt der Protest aus den Bildungsstätten des Landes. In einem beispiellosen Brandbrief der Rektor*innen deutscher Musikhochschulen (April 2026) warnten die Unterzeichner*innen eindringlich: „Die Pläne, den sogenannten Kulturfaktor massiv zu beschneiden, treffen das Herz der zeitgenössischen Komposition und drohen einen Kahlschlag in der Nachwuchsförderung auszulösen“.

Die Fronten sind verhärtet: Die Reformbefürworter*innen argumentieren, dass nur eine „verschlankte und effiziente GEMA“ das Überleben der Urheber*innen im digitalen Zeitalter sichern kann. Die Kritiker*innen halten dagegen, dass neue Fördermodelle wie „Contemporary Classic“ (CCL) lediglich „Nebelkerzen“ seien, die den massiven Rückzug aus der E-Musik-Förderung kaschieren sollen.

Besonders brisant ist dann noch die Frage der Mitbestimmung. Da die Reform die Ausschüttungen für viele Nischen-Genres kürzt, rückt die finanzielle Schwelle für eine „ordentliche Mitgliedschaft“ für junge Komponist*innen in weite Ferne. . Die „ordentliche Mitgliedschaft“ liegt aktuell und primär in einer starren Umsatzgrenze: Nur wer über mehrere Jahre hinweg signifikante Einnahmen durch GEMA-Vergütungen nachweist, erhält das volle Stimmrecht und Zugang zur Altersversorgung. In der Welt der Verteilungsschlüssel wird so also aus dem solidarischen „Wir“ von Richard Strauss ein exklusiver „Club der Etablierten“, in dem, wie es in einem Kommentar der FAZ (Mai 2026) hieß, faktisch das Prinzip „The winner takes it all“ Einzug hält.

Teil1: Richard Strauss und das Erbe von E und U


Tiefgang statt Bezahlschranke: Dir ist dieser Artikel ein paar Euro wert? Mit einer Spende via PayPal hilfst du uns, weiterhin unabhängig über die Kulturszene zu berichten.

per paypal (siehe QR-Code) oder direkt auf das Konto Kulturspinnerei, GLS Bank, IBAN: DE42 4306 0967 1117 3871 00, Betreff: „Tiefgang“


]]>
Richard Strauss und das Erbe von E und U https://www.tiefgang.net/richard-strauss-und-das-erbe-von-e-und-u/ Tue, 05 May 2026 22:13:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13768 [...]]]> In unserer dreiteiligen Serie „Der Preis der Töne“ beleuchten wir die fundamentale Krise der GEMA.

In den letzten zwei Jahren gab es heftige Debatten über die Verteilungsschlüssel innerhalb der GEMA-Sparten (U-Musik vs. E-Musik). Der Kern des Streits: Große Verlage und „Top-Verdiener“ profitieren systemisch stärker von Pauschalauszahlungen. Die Reform nun soll einiges ändern: Kleinere Urheber*innen fordern eine transparentere und „basisnähere“ Verteilung, die besonders Live-Auftritte in kleinen Clubs fairer entlohnt, statt nur die Radio-Charts zu bedienen. Was als solidarisches Schutzschild für Komponist*innen begann, droht im Jahr 2026 unter dem Druck von Algorithmen und Markteffizienz zu zerbrechen. Wir blicken auf die Wurzeln, die Fronten und die Zukunft unserer Musikkultur.

Heute: zur Herkunft des Urheberrechts

Es ist ein nebliger Vormittag im Jahr 1903, als Richard Strauss in Berlin Geschichte schreibt. Gemeinsam mit Hans Sommer und Friedrich Rösch gründet er die AFMA – die Anstalt für musikalische Aufführungsrechte. Sein Antrieb war so simpel wie revolutionär. „Musikschaffende sollten nicht länger nur Almosenempfänger sein, sondern Teilhaber am wirtschaftlichen Erfolg ihrer eigenen Schöpfung“, so begründete Richard Strauss die Initiative im Rahmen der Gründungsversammlung der AFMA 1903.

Es war der Moment, in dem die Kunst ihre ökonomische Mündigkeit forderte. Strauss verstand, dass Komponist*innen gegenüber mächtigen Verlagen und Veranstalter*innen nur dann eine Chance hatten, wenn sie ihre Rechte bündelten. Damit legte er den Grundstein für das, was wir heute als kulturelles Solidaritätsprinzip kennen: Ein System, in dem die Urheber*innen gemeinsam für den Wert ihrer Arbeit einstehen.

Dieses System beruhte von Anfang an auf einer fast schon romantischen Übereinkunft: Die „starken“ Schultern der Unterhaltungsmusik stützen die „schwachen“ Glieder der ernsten Musik. Es war eine bewusste Entscheidung gegen die reine Marktlogik – eine Subventionierung des kulturell Wertvollen durch das kommerziell Erfolgreiche.

Heute, über 120 Jahre später, wirkt diese Trennung zwischen „E“ (Ernster Musik) und „U“ (Unterhaltungsmusik) so anachronistisch wie ein Grammofon im Apple Store. Und doch ist sie das emotionale Epizentrum der aktuellen Debatte. Kritiker*innen der GEMA-Reform sehen die Seele der Solidarität in Gefahr. So konstatierte der Journalist und Kulturkritiker Axel Brüggemann in der Ausgabe von Backstage Classic im Mai 2026, dass sich die Institution unaufhaltsam in eine „Gemeinschaft der Egoisten“ verwandle, wenn die solidarische Quersubventionierung unter dem Vorwand der Modernisierung abgeschafft werde. Der Riss geht tief: War die GEMA je ein reines Inkassounternehmen? Oder ist sie, wie Strauss es wohl sah, eine Kulturinstitution, deren wichtigstes Gut nicht der Euro, sondern die Vielfalt ist? Während die Algorithmen des Streaming-Zeitalters heute den Marktwert eines Liedes in Sekundenbruchteilen berechnen, stellt uns das Erbe von Strauss vor eine weit unbequemere Frage: Welchen Preis hat die Musik, die sich nicht sofort rechnet?


Tiefgang statt Bezahlschranke: Dir ist dieser Artikel ein paar Euro wert? Mit einer Spende via PayPal hilfst du uns, weiterhin unabhängig über die Kulturszene zu berichten.


]]>