Neu gegründetes Landesjugendgitarrenensemble bittet zum Debüt:

Sechs Saiten für Hamburg

Foto: LMR HH

Hamburgs Kulturlandschaft ist um eine Facette reicher, und sie klingt herrlich unverbraucht. Wenn im Juni 2026 die ersten Akkorde durch die Säle hallen, feiert der jüngste Spross der Hamburger Musikförderung seine lang ersehnte Premiere: Das Landesjugendgitarrenensemble Hamburg (HH LJGitE).

Und es bittet zugleich zu seinen Debütkonzerten. Als neuestes Auswahlensemble unter dem Dach des Landesmusikrats Hamburg schließt dieser Klangkörper eine spürbare Lücke in der musikalischen Nachwuchsarbeit der Hansestadt.

Hinter den 15 jungen Gitarrentalenten im Alter zwischen 14 und 20 Jahren liegt eine intensive Zeit des Zusammenwachsens. In zwei großen Arbeitsphasen im Frühjahr haben die Jugendlichen aus allen Teilen der Stadt nicht nur ihre Instrumente gestimmt, sondern vor allem gelernt, als eine atmende, dynamische Einheit zu agieren. Es ist spürbar: Hier geht es um weit mehr als um das fehlerfreie Abspulen von Noten. Es ist die pure Lust am gemeinsamen Gestalten, die diesen neuen Klangkörper antreibt.

Dass diese jugendliche Energie in die richtigen Bahnen gelenkt wird, ist das Verdienst einer Ausnahmekünstlerin am Dirigentenpult. Mit Julia Villarroel hat das Ensemble eine musikalische Leiterin gewonnen, die Internationalität und pädagogisches Feingefühl perfekt verkörpert. Die aus Ecuador stammende Gitarristin ist längst keine Unbekannte mehr: Sie ist Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe und verfeinert ihr eigenes Können derzeit im prestigeträchtigen Konzertexamen an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar.

Villarroel versteht sich nicht als strenge Taktgeberin, sondern als Impulsgeberin, die die individuellen Stärken der Jugendlichen zusammenschweißt. Ihre Herkunft und ihre tiefe Verwurzelung in der lateinamerikanischen Gitarrentradition bringt eine spürbare Wärme und Rhythmik in die Probenarbeit. Unter ihrer Hand reift das Ensemble zu einem Kollektiv heran, das technische Präzision mit emotionaler Tiefe verbindet – ein Glücksfall für die Hamburger Gitarrenszene.

Das Debütprogramm, mit dem das Ensemble im Juni 2026 an die Öffentlichkeit tritt, trägt den bezeichnenden Titel „Con Spirito“ – mit Geist, mit Seele, mit Lebensfreude. Und genau dieser Geist spiegelt sich in der anspruchsvollen Dramaturgie wider, die Julia Villarroel für ihre 15 Schützlinge zusammengestellt hat. Die Zuhörer*innen erwartet eine musikalische Entdeckungsreise, die geografische und epochengeschichtliche Grenzen spielend überwindet.

Der Bogen spannt sich von der romantischen, nordisch-melancholischen Klangpoesie Edvard Griegs bis hin zur meditativen, fast zeitlosen Schlichtheit der Musik von Arvo Pärt. Doch das unbestrittene emotionale und künstlerische Zentrum des Programms ist ein echtes Wagnis für ein so junges Ensemble: die absolute Uraufführung der „Suite de las animas“ des ecuadorianischen Komponisten Juan Carlos Urrutia. Hier verschmelzen zeitgenössische Tonsprache und die rhythmische Urkraft Lateinamerikas zu einem packenden Klangerlebnis. Dass ein Jugendensemble eine solche Uraufführung stemmt, beweist den enormen Mut und das hohe Niveau, auf dem hier von Beginn an gearbeitet wird.

Kulturförderung als Gemeinschaftsraum

Hinter den Kulissen dieses musikalischen Erfolgs steht eine strukturierte und weitsichtige Kulturpolitik. Ermöglicht wurde die Gründung des Ensembles durch die maßgebliche Unterstützung der Behörde für Kultur und Medien Hamburg (BKM). Hier wurde erkannt, dass Begabtenförderung dann am besten funktioniert, wenn sie jungen Menschen nicht nur Einzelunterricht, sondern einen kollektiven Raum des Austausches bietet.

Das HH LJGitE ist weit mehr als eine Kaderschmiede für den professionellen Nachwuchs. Es schließt ein wichtiges Bindeglied in der Hamburger Musiklandschaft, indem es zeigt, dass die klassische Gitarre ein extrem wandelbares Ensemble-Instrument ist. Für die Jugendlichen bedeutet das Mitwirken in diesem Auswahlensemble eine prägende Erfahrung von Gemeinschaft und geteilter Verantwortung. In einer von Algorithmen und Vereinzelung geprägten Zeit ist dieses gemeinsame Arbeiten an einem analogen Klangkörper ein unschätzbares gesellschaftliches und pädagogisches Gut.

Die monatelange Probenarbeit biegt auf die Zielgerade ein, und für das Publikum in Hamburg und Umgebung bietet sich Mitte Juni gleich dreimal die Gelegenheit, die Geburtsstunde dieses neuen Klangkörpers live miterleben zu können. Das Ensemble zieht für seine Debütkonzerte ganz bewusst an verschiedene Orte, um die pulsierenden Saiten in ganz unterschiedlichen Akustiken erstrahlen zu lassen.

Die Konzerttermine im Überblick:

  • Freitag, 12.06. (19.30 Uhr): Das erste offizielle Konzert findet in der Jungen Musikakademie Hamburg statt (Bramfelder Chaussee 265).
  • Samstag, 13.06. (17 Uhr): Für das zweite Konzert verlässt das Ensemble die Stadtgrenzen und gastiert im idyllischen Kulturhof Itzehoe (Dorfstraße 4, 25524 Itzehoe).
  • Sonntag, 14.06. (16 Uhr): Das große Finale der Debütkonzertreihe steigt schließlich in der St. Johanniskirche Eppendorf (Ludolfstraße 38), wo der Nachhall des Kirchenschiffs dem Programm „Con Spirito“ eine ganz besondere Tiefe verleihen dürfte.

Der Eintritt zu allen drei Konzerten ist frei – der Landesmusikrat freut sich jedoch über Spenden, die direkt der zukünftigen Arbeit des Ensembles zugutekommen. Man sollte sich diese Termine rot im Kalender anstreichen, um Zeuge*in zu werden, wie 15 junge Talente Hamburgs Gitarrenlandschaft nachhaltig beleben.

weitere Informationen unter www.lmr-hh.de/landesjugendgitarrenensemble/


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