
Wenn der schnelle Rhythmus des globalen Kunstmarkts nach einer ständigen Taktung von Messen, Biennalen und digitaler Sichtbarkeit verlangt, droht kreatives Schaffen allzu leicht zur bloßen Ware zu verkommen, bevor es überhaupt reifen konnte. Umso wichtiger sind jene geschützten Anker im Gefüge der Hansestadt, die genau diesen Verwertungsdruck aushebeln.
Die Kunststipendien der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die in fortwährender Kooperation mit der Behörde für Kultur und Medien Hamburg vergeben werden, bilden einen solchen dringend benötigten Freiraum. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche und Unsicherheiten ist es essenziell, Räume für künstlerische Reflexion und kreative Freiheit zu schaffen, wie auch Jana Schiedek, Staatsrätin für Kultur und Medien, betont. Es geht darum, den Kunstschaffenden durch Zeit, Mittel und Vertrauen die Handlungsfähigkeit zu sichern, damit neue Arbeiten jenseits kurzfristiger Zwänge entstehen können, ergänzt Christine Neuhaus von der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS.
Dass dieses Vertrauen auf ein hochkarätiges Fundament trifft, beweist die Auswahl des Jahrgangs 2026. Eine unabhängige Fachjury, bestehend aus Mela Dávila Freire, Janneke de Vries, Stefanie Jaschke-Lohse, Lene Markusen und Christoph Platz-Gallus, sichtete über 100 Bewerbungen und wählte ein aus sieben Positionen bestehendes Septett aus, dessen Arbeiten durch eine tiefe Reflexion politischer und gesellschaftlicher Realitäten bestechen. Zu den ausgezeichneten Stimmen gehört etwa Simone Karl, deren raumgreifende Skulpturen und feingespinnte Collagen Fragen von Körperlichkeit und Intimität verhandeln – Arbeiten, die Interessierte im Hamburger Raum teils sogar über die Kunstleihe Harburg entdecken und entleihen können. Ebenfalls vertreten ist Barbara Lüdde, die in ihren bildnerischen Welten tief in subkulturellen Kontexten verwurzelt ist und gesellschaftliche Rollenbilder seziert. Das Stipendium teilen sie sich mit Noémi Barbaglia, deren filigrane Objektserien aus Glasfaser und Epoxidharz zwischen Präsenz und visueller Auflösung oszillieren, sowie mit Mitko Mitkov, der in seiner visuellen Kraft die Bruchstellen von Biografie und Migration befragt. Komplettiert wird das Septett durch Franziska Nast, die mit konzeptuellen und partizipativen Anordnungen die bürokratischen Mechanismen des Kunstsystems unterwandert, Cristina Rüesch (Young Valley Soil) mit ihren ökologisch-geologischen Verknüpfungen von Mensch und Mitwelt sowie Krystsina Savutsina, die mit einem unerbittlichen und intimen Blick gesellschaftspolitische Machtstrukturen in filmischen Arbeiten festhält.
Mit jeweils 10.000 Euro dotiert, entziehen sich diese Mittel der direkten Marktorientierung und geben den Künstler*innen die nötige Luft zum Atmen. Wer diesen Positionen nacheifern möchte, muss den Blick bereits auf das kommende Jahr richten, denn die Bewerbungsphase für die Kunststipendien 2027 hat begonnen und läuft noch bis zum 9. September 2026. Für professionell arbeitende Bildende Künstler*innen und Kollektive aus Hamburg öffnet sich damit über die Bewerbungswebseite der Stadt Hamburg erneut das Tor zu jener Autonomie, die das Fundament einer lebendigen Kulturstadt bildet.
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