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Kein Bock auf Nazi-Kram?

Hey ihr Lieben,

heute gibt es mal ein fettes Shout-out von mir!

Vielleicht habt ihr es in den Nachrichten gesehen: Das Friedrich-Ebert-Gymnasium (FEG) in Harburg hat gerade den prestigeträchtigen Bertini-Preis 2026 gewonnen!

Ein riesiger Glückwunsch an die Schüler*innen und die Lehrkräfte dort! Aber warum erzähle ich euch das? Nicht nur, weil es eine tolle Leistung ist, sondern weil das, was die dort gemacht haben, eine Antwort auf eine Frage ist, die ich ganz oft höre (und die ihr euch vielleicht auch manchmal im Geschichtsunterricht stellt): „Oh Mann, schon wieder das Thema Nationalsozialismus und Holocaust? Das ist über 80 Jahre her! Wir haben doch damit nichts mehr zu tun. Warum müssen wir da immer noch drüber reden, statt uns um unsere heutigen Probleme zu kümmern?“

Ich verstehe das Augenrollen. Geschichte kann sich staubig anfühlen. Aber die Harburger Preisträger*innen haben gezeigt: Geschichte ist nicht Staub, Geschichte ist ein Alarmsystem für heute.

Was ist dieser Bertini-Preis eigentlich?

Der Preis ist benannt nach dem Roman „Die Bertinis“ des Hamburger Autors Ralph Giordano. Er beschreibt darin, wie seine eigene Familie – die teils jüdische Wurzeln hatte – hier in Hamburg während der Nazi-Zeit ausgegrenzt, verfolgt und bedroht wurde. Und zwar nicht von Aliens, sondern von ihren Nachbarn, von Lehrern, von „ganz normalen Leuten“.

Der Preis wird nicht für gute Mathe-Noten verliehen. Er wird an junge Leute verliehen, die Zivilcourage zeigen. Die hinschauen, wo Unrecht passiert – damals wie heute.

Warum das, was das FEG gemacht hat, so wichtig ist

Das Friedrich-Ebert-Gymnasium hat den Preis bekommen, weil sie sich intensiv damit auseinandergesetzt haben, wie Ausgrenzung und Verfolgung vor der eigenen Haustür stattgefunden haben. Sie haben gezeigt, dass die großen Verbrechen der Geschichte ganz klein anfingen: auf dem Schulhof, im Sportverein, beim Bäcker nebenan.

Sie haben verstanden: Erinnern ist kein passives Zurückblicken. Erinnern ist aktiver Selbstschutz für unsere Demokratie heute!

Die Lektion aus Harburg für uns alle:

Warum ist das für dich relevant, auch wenn du nicht auf das FEG gehst? Weil die Mechanismen von damals – jemanden zum „Anderen“ machen, ihn ausgrenzen, ihm die Rechte absprechen – leider nicht ausgestorben sind.

  1. Der Anfang ist immer gleich: Die Nazis haben nicht sofort Vernichtungslager gebaut. Sie haben angefangen mit Worten. Mit Mobbing. Damit, Menschen ihre Würde zu nehmen. Wenn heute auf dem Schulhof „Du Jude“ wieder als Schimpfwort benutzt wird, oder wenn gegen Geflüchtete gehetzt wird, dann sind das dieselben alten Muster.
  2. Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich: Wir sind nicht verantwortlich für das, was unsere Urgroßeltern getan haben. Aber wir sind absolut verantwortlich dafür, dass so etwas nie wieder passiert. Das ist die „historische Verantwortung“, die wir tragen.
  3. Mutmuskel trainieren: Sich gegen den Strom zu stellen, wenn alle anderen lachen oder wegsehen, ist schwer. Die Schüler*innen in Harburg haben gezeigt, dass man diesen Mut trainieren kann.

Also: Die Leute vom Friedrich-Ebert-Gymnasium sind keine Streber, die alte Bücher lieben. Sie sind Demokratie-Verteidiger im Hier und Jetzt. Sie haben kapiert, dass man die Zukunft nur schützen kann, wenn man die Fehler der Vergangenheit kennt.

Nehmt euch ein Beispiel an Harburg: Haltet die Augen offen in eurer Schule, in eurem Stadtteil. Wo werden Leute ausgegrenzt? Seid mutig, seid laut! Seid Bertinis!

Euer Dr. Sommer der Demokratie

Ob Aufklärung über populistische Parolen, Hintergrundwissen zu den Grundrechten oder Hilfe bei politischen Fragen: Dr. Sommer der Demokratie ist für dich da! Schreib ihm mit Betreff an „Dr. Sommer der Demokratie“ an tiefgang@sued-kultur.de [1]

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