Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Digitales Denken

Hatte seine Reize: Das Mailing und Posting im analogen Zeitalter. (Foto: der Specht.de)

Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Gestern bekam ich einen philosophischen Denkanstoß, der mich ins digitale Grübeln brachte.

Ein Bekannter berichtete, er habe einmal einen Bücherstapel gewonnen, weil er die Antwort auf die Kantschen Fragen wusste. Ich erinnerte mich daran, schon davon gehört und sie irgendwo in einer verstaubten Ecke meines Gedächtnisses eingelagert zu haben, ersparte mir jedoch die Mühe, sie umständlich hervorzukramen, sondern bat um Nachhilfe.

Was kann ich wissen?

Was soll ich tun?

Was darf ich hoffen?

Was ist der Mensch?

Fast umgehend stellte mein Zweifel die Wortwahl in Frage. Was bitte soll das heißen? Was DARF ich hoffen? Was SOLL ich tun? Wo ich doch ein freier, aber moralisch denkender, handelnder und hoffender Mensch sein möchte, der idealerweise tun und lassen kann, was er für richtig hält.

Mein Bekannter ertappte mich bei meiner Besserwisserei und meinte, ich könne Kant ja korrigieren. Touché. Ich nahm die Begebenheit zum Anlass, mich erneut und eingehender mit den grundsätzlichen Fragen der philosophischen Anthropologie zu beschäftigen.

Keine leichte Aufgabe, ein weites Feld. Das dämmerte mir bereits bei der ersten Frage, befinden wir uns doch im Informationszeitalter. Das vermag vieles auf den Kopf zu stellen, woran wir als vermeintlich aufgeklärte Wesen glauben.

Ich stieß beispielsweise auf den Physiker John Archibald Wheeler, der seine These schlicht „It from bit“ nennt, denn „Jedes Sein – jedes Teilchen, jedes Kraftfeld, selbst das Raumzeit-Kontinuum an sich – leitet seine Funktion, seine Bedeutung, ja seine nackte Existenz völlig, wenn auch in manchen Kontexten indirekt, aus den geräteinduzierten Antworten auf Ja-oder-Nein-Fragen ab, aus einer binären Auswahl, aus Bits.“ Fachgesimpel. Vereinfacht ausgedrückt meint er:

Alles kommt aus Information.

Alles wird zu Information.

Alles ist Information.

Information ist also kein Spiel innerhalb einer physisch vor sich hin existierenden Welt, sondern der Urgrund von allem.

Ich denke nun in Bezug auf Frage 1: Wissen ist endlos verfügbar, aber bei der Bewertung und Verarbeitung stößt der Mensch an seine Grenzen.

Big Data hat die Macht, unser Leben komplett zu verändern. Mit unseren Likes legen wir die Datenspuren in die Zukunft. Je nachdem, was Quote bringt, passt sich das Angebot an. Ein digitaler Rückkopplungseffekt, der im Laufe der Zeit manche Erscheinungsformen vom Bildschirm verschwinden lassen wird.

Die Moral von der Geschicht´, die like ich nicht.

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