Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Netzauslastung

Grafik: Geralt / Pixabay

Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Ich frage mich ein wenig besorgt, wie sich der Mensch in Zukunft entwickeln wird.

Seit der Lektüre einer „Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn“ weiß ich, dass selbiges sich anpasst, je nachdem, ob und wofür wir es benutzen. Das ist einerseits eine großartige Chance, für wichtig erachtete Funktionen zu üben und so die Herausforderungen der Zeit zu meistern. Andererseits könnte es alles etwas zu viel werden, wenn wir quasi permanent beschäftigt sind und gar nicht mehr zur Ruhe kommen.

Der Wiener Neurobiologe Bernd Hufnagl ließ Probanden in einem Versuch fünf Minuten aus dem Fenster schauen, damit sie ihren Gedanken nachhängen können. 90 % von ihnen zeigten Stressreaktionen! Ist das nun ein gutes oder schlechtes Zeichen, wenn Ruhe und Tatenlosigkeit nicht mehr als Erholung wahrgenommen werden können? Sind unsere Hochleistungshirne unzufrieden, wenn sie mal Pause machen sollen, und stattdessen süchtig nach Reizen zum Ausbau ihrer neuronalen Netzwerke?

Ich hoffe, sie kommen auch langfristig damit klar, wenn wir ständig online bzw. rund um die Uhr im Stand-by-Modus sind. Es wäre doch schade, wenn uns eines Tages die Sicherung rausfliegt.

Ich denke allerdings auch, ich sollte mir nicht einbilden, die Evolution beurteilen zu können, nur weil ich dabei war, als die EDV noch in den Kinderschuhen steckte. Mit rasanter Geschwindigkeit wuchs sie flächendeckend in die Breite und mir über den Kopf. Droschkenkutschern von damals würde beim heutigen Verkehr vermutlich auch Hören und Sehen vergehen.

Die Generation, die mit digitalem Gerät aufwächst, kann damit vermutlich in jeder Hinsicht besser umgehen, weil ihre Gehirne schon anders gestrickt sind. Wie schon Eckhard von Hirschhausen so schön formulierte: „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben.“

 

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