Bühne – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Wed, 14 Jan 2026 15:35:09 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Eine Hommage an den Mut https://www.tiefgang.net/eine-hommage-an-den-mut/ Sat, 17 Jan 2026 15:24:47 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13126 [...]]]> Es gibt Momente in der Geschichte einer Stadt, in denen ein Funke überspringt, der weit über die Jahrzehnte hinaus leuchtet. Für Hamburg war ein solcher Moment das Jahr 1926, als Ida Dehmel die GEDOK ins Leben rief.

Heute, 100 Jahre später, blicken wir auf ein Jahrhundert geballter weiblicher Kreativität und politischer Durchsetzungskraft zurück. Die „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen“, kurz Gedok, ist nicht weniger als das europaweit älteste und größte Netzwerk für Künstlerinnen aller Sparten. Und wo ließe sich dieses Jubiläum besser feiern als an seinem Geburtsort?

Ida Dehmel war eine Visionärin mit einem untrüglichen Gespür für Synergien. In einer Zeit, in der Frauen in der Kunstwelt oft noch als schmückendes Beiwerk oder bestenfalls als talentierte Dilettantinnen belächelt wurden, schuf sie eine Struktur, die Professionalität und Solidarität verband. Ihr Hamburger Wohnhaus wurde zum Epizentrum eines interdisziplinären Austauschs, der Musik, Literatur und Bildende Kunst zusammenführte. Es ging nie nur um Ästhetik, es ging um Existenzsicherung und Sichtbarkeit.

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) widmet diesem Jahrhundertprojekt nun die große Schau Künste, Frauen, Netzwerk. 100 Jahre GEDOK. Wer durch die Räume geht, spürt sofort die Energie, die von diesem Aufbruch ausging. Die Ausstellung ist weit mehr als eine historische Rückschau; sie ist eine Analyse von Machtstrukturen und der Kraft der Gemeinschaft. Besonders faszinierend ist, wie hier die Gründungsjahre in Hamburg lebendig werden. Namen wie Anita Rée oder die Textilkünstlerin Maria Brinckmann tauchen auf – Frauen, die das Gesicht der Hamburger Moderne prägten und in der GEDOK eine Heimat fanden.

Was man sich bei diesem Jubiläumsprogramm unbedingt merken sollte, ist die Vielschichtigkeit der Exponate. Es sind nicht nur Gemälde oder Skulpturen zu sehen, sondern auch Dokumente, die den zähen Kampf um Anerkennung belegen. Ein absolutes Highlight im MKG ist die Aufarbeitung der spartenübergreifenden Zusammenarbeit. Die GEDOK verstand sich von Anfang an als Brücke: Komponistinnen trafen auf Schriftstellerinnen, Fotografinnen auf Kunstgewerblerinnen. Diese Offenheit ist bis heute der Kern der Organisation.

Ein weiterer Programmpunkt, der aus der Masse heraussticht, ist die Veröffentlichung des Jubiläumsbuchs. Es ist kein klassischer Wälzer, der nur im Regal verstaubt, sondern ein lebendiges Zeugnis einer Bewegung, die sich auch durch die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte nicht gänzlich unterkriegen ließ. Die Texte beleuchten kritisch die Rolle der GEDOK während der NS-Zeit, die Vertreibung jüdischer Mitglieder – darunter auch die Gründerin Ida Dehmel selbst – und den mühsamen Wiederaufbau nach 1945. Diese Ehrlichkeit in der Aufarbeitung macht das Jubiläum erst wirklich würdig.

Hamburg feiert in diesem Jahr also nicht nur einen Verein, sondern eine Idee, die heute so aktuell ist wie eh und je. In Zeiten, in denen über Gender-Pay-Gap in der Kultur und die Repräsentanz von Frauen in großen Museen gestritten wird, wirkt das Vermächtnis von Ida Dehmel wie ein Kompass. Die GEDOK ist kein museales Relikt, sondern ein pulsierendes Netzwerk, das heute über 20 Regionalgruppen umfasst.

Wer sich für die Kulturpolitik der Hansestadt und die Rolle der Frau in der Kunst interessiert, kommt an dieser Jubiläumsschau nicht vorbei. Sie fordert uns heraus, neugierig zu bleiben und den Blick für jene Strukturen zu schärfen, die Kunst erst möglich machen. Die Ausstellung im MKG läuft als zentraler Ankerpunkt und bietet neben den visuellen Genüssen auch Raum für Diskussionen und Konzerte, die den Geist der Gründerzeit in die Gegenwart holen.

Es ist eine Hommage an den Mut, sich zusammenzuschließen, und eine Einladung, die künstlerische Qualität zu entdecken, die oft erst durch ein starkes Netzwerk im Rücken zur vollen Entfaltung kommen kann. 100 Jahre GEDOK – das ist ein verdammt guter Grund, in die Hamburger Kunstgeschichte einzutauchen und gleichzeitig die Weichen für die nächsten 100 Jahre zu stellen.

Künste, Frauen, Netzwerk. 100 Jahre GEDOK bis zum 30. August 2026 im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) Steintorplatz, 20099 Hamburg Telefon: 040 428134880 www.mkg-hamburg.de

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Ein Club ist mehr als seine Dezibelzahl https://www.tiefgang.net/ein-club-ist-mehr-als-seine-dezibelzahl/ Fri, 16 Jan 2026 15:18:47 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13122 [...]]]> Die Stadt ist ein empfindliches Ökosystem, ein Geflecht aus Sehnsüchten, die oft diametral entgegengesetzt verlaufen. Und so wird oft gefragt: Lärm oder laut?

Während die einen das pulsierende Leben, den Bass in der Magengrube und die ekstatische Gemeinschaft der Clubkultur suchen, fordern die anderen das Recht auf nächtliche Ruhe in ihren immer teurer werdenden Eigentumswohnungen. In diesem Spannungsfeld zwischen Kulturgenuss und Ruhebedürfnis setzt nun ein neues Förderprogramm des Bundesbauministeriums an, das die Koexistenz von Clubkultur und Wohnen technisch untermauern soll.

Das Bundesprogramm Schallschutz, kurz BSSP, zielt darauf ab, die bauliche Resilienz der Livemusikspielstätten zu stärken. Es ist ein spätes Eingeständnis der Politik, dass Clubs nicht bloße Vergnügungsstätten, sondern schützenswerte Kulturorte sind. Über die Initiative Musik werden Mittel bereitgestellt, um Clubbetreiber*innen bei kostspieligen Schallschutzmaßnahmen zu unterstützen. Das Spektrum reicht von baulichen Veränderungen an Fassaden und Dächern bis hin zur Installation hochmoderner, limitergesteuerter Soundsysteme. Es geht darum, den Schall dort zu halten, wo er hingehört: im Inneren des Clubs, weg von den Ohren der Nachbar*innen.

Hamburg ist für diese Problematik ein historisch gewachsenes Laboratorium. Die Hansestadt hat in der Vergangenheit schmerzhaft erfahren müssen, was passiert, wenn die Verdrängung durch Lärmbeschwerden und Gentrifizierung ungebremst voranschreitet. Man denke an das Molotow, das bereits mehrfach seinen Standort wechseln musste, oder an die langwierigen Debatten rund um die Sternbrücke. Hier kollidieren die Interessen der Stadtentwicklung massiv mit der gewachsenen Subkultur. Oft reichte die Beschwerde einer einzelnen Person aus der neu zugezogenen Nachbarschaft, um traditionsreiche Orte an den Rand des Abgrunds zu treiben. Die Schließung des Golem am Fischmarkt oder die Konflikte um die Clubnutzung auf der Elbinsel Wilhelmsburg sind weitere Mahnmale einer Stadtplanung, die den Schallschutz zu lange als Privatvergnügen der Veranstalter*innen begriffen hat.

Mit dem neuen Förderprogramm wird die technische Aufrüstung nun zur kulturpolitischen Strategie. Es ist ein Versuch, den Gordischen Knoten aus Lärmschutzverordnung und Kulturerhalt zu durchschlagen. Dass dies notwendig ist, zeigt der Blick in die Praxis: Bauliche Maßnahmen zur Schalldämmung sind für die meisten Betreiber*innen kleinerer Läden ohne staatliche Hilfe schlicht nicht finanzierbar. Die Initiative Musik übernimmt hier eine zentrale Rolle bei der Verteilung der Gelder, um sicherzustellen, dass nicht nur die großen Player, sondern auch die für das Stadtklima so wichtigen Nischenorte profitieren.

Dennoch bleibt abzuwarten, ob die bauliche Trennung von Innen und Außen ausreicht, um den sozialen Frieden im Quartier zu sichern. Ein Club ist mehr als seine Dezibelzahl; er ist ein Ort der Begegnung, der auch vor der Tür stattfindet. Schallschutzfenster helfen gegen den Bass, aber kaum gegen die angeregten Gespräche der Besucher*innen auf dem Gehweg. Das Förderprogramm ist daher ein wichtiger Schritt, doch die eigentliche Aufgabe für die Stadtplaner*innen und Kulturschaffenden bleibt die Moderation zwischen den verschiedenen Lebensentwürfen in einer immer enger werdenden Stadt.

Aber auch für Hamburgs Clublandschaft könnte dieses Programm eine Atempause bedeuten. Es gibt den Betreiber*innen die Möglichkeit, proaktiv zu handeln, bevor das erste Ordnungsgeld fällig wird. In einer Zeit, in der jeder Quadratmeter umkämpft ist, ist die Investition in Stein, Wolle und Glas letztlich eine Investition in die Freiheit der Kunst. Denn nur wenn der Lärm draußen bleibt, darf es drinnen weiterhin laut und lebendig zugehen.

Alle Infos zum Förderprogramm hier: www.initiative-musik.de

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Club-Hoffnung im Oberhafen-Dschungel https://www.tiefgang.net/club-hoffnung-im-oberhafen-dschungel/ Fri, 19 Dec 2025 23:15:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13011 [...]]]> Der Hamburger Oberhafen, einst ein raues Areal aus Gleisen und Güterhallen, pulsiert längst als Herzschlag der Kreativszene. Bald wird es um einen Club reicher.

Doch jede pulsierende Metropole braucht ihre Dunkelkammern, ihre Echokammern, in denen der gesellschaftliche Takt neu justiert wird: die Clubs. Und genau in diese Bresche springt nun ein neuer Player mit einem vielversprechenden Namen – das glimmer.

Wo früher der Club Moloch tobte, kehrt nun, nach einem transparenten Interessensbekundungsverfahren, die Nachtkultur zurück. Die Sanierung der Flächen im ehemaligen Lokschuppen läuft bereits, um für die Saison 2026/2027 ein neues Juwel der Clublandschaft zu enthüllen. Es ist ein entschlossenes Signal in einer Zeit, in der die Existenz vielerorts leider nicht sonderlich gut geht, aber in Hamburg das Potenzial der Szene sicherlich noch nicht erschöpft ist.

Die Entscheidung für das glimmer ist eine Bestätigung des Kurses, den die HafenCity und die Kulturbehörde seit Jahren im Oberhafen fahren. Senator Dr. Carsten Brosda sieht in dieser Entwicklung die Stärkung jener kulturellen Herzkammern, die für die Stadt so essenziell sind. „Der neue Club glimmer wird, gemeinsam mit den Clubs an den Deichtorkasematten, die Vielfalt der Musikstadt Hamburg bereichern“, sagt er. Die Vision ist klar: Die Gegend vom Klosterwall bis zum Oberhafenquartier entwickelt sich zur „kreativen Meile aus Musik, bildender Kunst, Fotografie und Kreativwirtschaft, die viel Platz für Kunst und Kultur bietet. Wir brauchen diese kreativen Herzkammern, in denen Kultur und gesellschaftlicher Zusammenhalt entstehen können.“

Diese kulturelle Verankerung wird von der HafenCity Hamburg GmbH aktiv vorangetrieben. Geschäftsführerin Christina Geib freut sich besonders, dass nun ein „ganz neuer Player die Hamburger Club-Szene bereichern wird“, an einem Ort, der mit der Halle 424 schon lange Pionierarbeit für Jazz und Klassik geleistet hat.

Mehr als nur Bässe: Das Kulturzentrum glimmer

Was Anton Burmester, Johann Kipping und Luke Mehrhoff vom Team glimmer in den Lokschuppen bringen, ist bewusst mehr als ein reiner Nachtclub. Ihr Konzept ist ambitioniert und tief in der Community verwurzelt. Das glimmer soll ein „Ort der Begegnung“ sein, ein Kulturzentrum, das den Namen verdient.

Die Basis bilden kuratierte Clubnächte und Veranstaltungen externer Kollektive, aber die wahre Innovation liegt in der Erweiterung des Spektrums. Die 548 Quadratmeter große Mietfläche, von denen 296 Quadratmeter der Veranstaltungsraum sein werden, wird durch Konzerte, Lesungen, Flohmärkte und Theater ergänzt. Zudem entstehen durch die Angliederung eines Studios und einer Werkstatt Räume, die der Bildung und Förderung der Community zugutekommen sollen.

Die Gründer des Clubs fassen ihre Motivation energisch zusammen: „Unseren Teil dazu beizutragen, dass die Szene wächst, ist eine herausfordernde Aufgabe, die wir mit viel Freude angehen.“

Der Erfolg des Projekts basiert auch auf einer wichtigen Lektion aus der Vergangenheit: dem ehemaligen Club Moloch. Egbert Rühl, Geschäftsführer der Hamburg Kreativ Gesellschaft, betont, dass die „wertvollen Erfahrungen aus dieser Testnutzung die Sanierung der Fläche entscheidend geprägt“ haben.

Das Resultat ist eine Lösung, die das Feiern in der HafenCity zukunftsfähig macht: Die neue Veranstaltungsfläche wird alle baurechtlichen Vorgaben, inklusive der Lärmanforderungen, erfüllen. Dies gewährleistet optimale Rahmenbedingungen für einen Clubbetrieb für bis zu 600 Personen und macht die Fläche zu einem „echten Juwel für Betreiber*innen“, die nun eine Genehmigung für lärmintensive Nutzungen wie Live-Musik erhalten.

Das glimmer ist somit nicht nur ein neues Ziel für die Musikstadt Hamburg, sondern vor allem ein strategischer Sieg für die Clubkultur. Es zeigt, dass die Stadt bereit ist, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Szene auf einem tragfähigen Fundament wachsen kann. Der Name ist Programm: Im Oberhafen erscheint ein neuer, heller Schimmer, der die Nacht erobern wird. Nun liegt es an den Betreibern, das Schiff aus dem Hafen in die offene See zu leiten.

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Raus auf die Bühnen! https://www.tiefgang.net/raus-auf-die-buehnen/ Fri, 19 Dec 2025 23:02:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13030 [...]]]> Buxtehude hat einen Puls, und der schlägt im Takt von Bassdrums und Synthesizern. Wer glaubt, dass die große Musik-Karriere nur in den schummrigen Clubs der Reeperbahn startet, sollte den Blick Richtung Süden wenden.

Seit über einem Jahrzehnt beweist die Konzertreihe „My Six Stages“, dass die wahre Energie oft direkt vor der Haustür entsteht – im Freizeithaus Buxtehude.

Jetzt geht der Ruf wieder raus: Bis zum 5. Januar 2026 können sich Bands und Solokünstler*innen für die kommende Staffel bewerben. Es ist die Chance, den Proberaum-Muff gegen das Rampenlicht einer professionellen Arena zu tauschen.

Was „My Six Stages“ so besonders macht, ist das kompromisslose Bekenntnis zur Qualität. Hier wird kein „Jugendzentrum-Sound“ serviert. Wer hier auf die Bühne tritt, bekommt das volle Paket: Eine erstklassige PA-Anlage, professionelle Mikrofone und eine Lichtshow, die auch gestandene Festival-Acts blass aussehen lässt.

Für viele Newcomer*innen aus dem Landkreis Stade und Umgebung ist das der Moment der Wahrheit. Wenn der Sound perfekt ist, zählt nur noch die Musik – und der Mut, sie einem echten Publikum zu präsentieren.

Das Konzept der Veranstalter*innen von Buxte Sounds und der Stadtjugendpflege Buxtehude ist so simpel wie genial: Zwischen dem 2. Februar und dem 14. März 2026 verwandelt sich die Arena an sechs Abenden in einen Schmelztiegel der Genres. Pro Abend teilen sich bis zu drei Acts die Bühne.

Dabei gibt es keine Berührungsängste. In der Vergangenheit traf hier Metalcore auf sanftes Liedermaching, Hip Hop auf Indie-Pop. Es ist genau diese Unvorhersehbarkeit, die das Publikum seit Jahren anlockt. Es geht nicht darum, in eine Schublade zu passen, sondern darum, die eigene Nische mit Leidenschaft auszufüllen.

Die Macher*innen betonen: Bewerben kann sich jede*r! Zwar liegt der Fokus auf Talenten aus der Region Stade, Harburg und Umgebung, doch gute Musik kennt keine Grenzen. Wer den nächsten Schritt wagen will, muss jetzt liefern.

Der Fahrplan:

  • Bewerbungsschluss: 5. Januar 2026 online unter www.mysixstages.de
  • Was: Infos, Audio-Files oder Videos einreichen.

Reihen wei Six Stages wie diese sind das Rückgrat unserer Szene. Sie sind der Ort, an dem aus „Vielleicht-Musiker*innen“ echte Performer*innen werden. Man darf gespannt sein, wer 2026 die Arena zum Beben bringt. Meldet euch an – Buxtehude wartet auf euren Sound!

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Die Pianistin, der Flügel und die Hölle https://www.tiefgang.net/die-pianistin-der-fluegel-und-die-hoelle/ Fri, 12 Dec 2025 23:16:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13002 [...]]]> Manchmal ist ein Theaterabend kein Genuss, sondern eine Notwendigkeit. Im Januar 2026 bringt das Harburger Theater ein Stück auf die Bühne, das nicht nur unterhält, sondern regelrecht in die Seele zwingt: „Alice – Spiel um dein Leben“.

Es ist die Geschichte von Alice Herz-Sommer (1903 – 2014), der ältesten Holocaust-Überlebenden der Welt, und es ist ein Abend, der die ungeheure Frage stellt: Wie bewahrt man die Liebe zur Schönheit, wenn man vom Schrecken umzingelt ist?

Die Antwort findet sich in den 80 Tasten eines Klaviers. Das musikalische Ein-Personen-Stück von Autorin Kim Langner ist ein wahres Feuerwerk an Emotion und Recherche. Es ist der Versuch, das Unfassbare greifbar zu machen: Alice Herz-Sommers Zeit im Ghetto Theresienstadt. Dort, wo Tausende auf engstem Raum starben, gab die jüdische Pianistin Konzerte – über 100 sollen es gewesen sein. Mit ihrem sechsjährigen Sohn an der Seite, kämpfte sie mit jeder gespielten Note gegen die Verzweiflung, gegen die Verbitterung.

Genau diese Diskrepanz ist das elektrisierende Zentrum des Stücks: die himmlische Schönheit von Bach oder Chopin im Angesicht der Hölle. Kann Musik tatsächlich vor dem seelischen Zusammenbruch schützen?

Die Darstellerin, Natalie O’Hara (Produktion zusammen mit Michael Hildebrandt), die von François Camus inszeniert wird und von Matthias Stötzel musikalisch geleitet wird, hat sich tief in diesen Stoff gegraben. Zwei Jahre Recherche, Reisen nach Prag, Theresienstadt und Tel Aviv, Gespräche mit Alices Familie und Schüler*innen – das ist keine oberflächliche Nacherzählung, sondern ein zutiefst persönliches Unterfangen.

Ein-Personen-Stück mit Sogwirkung

Das Format des Ein-Personen-Stücks ist dabei genial gewählt. Es bündelt die ganze Kraft der Biografie, des Klavierkonzerts und des Schauspiels in einer einzigen Darstellerin. Natalie O’Hara muss die ganze Bandbreite von Alices unerschütterlichem Optimismus bis hin zu den Grauen des Ghettos tragen. Eine schauspielerische Herausforderung, die die Wucht des Erlebten direkt ins Publikum transportiert.

Wie gut ihr das gelingt, zeigt eine hochkarätige Anerkennung: Natalie O’Hara war für ihre Leistung bereits für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST 2023 in der Kategorie Darsteller*in Schauspiel nominiert. Wer ausgezeichnet wird, weiß, wie man aus einer wahren Geschichte ein emotionales Theatererlebnis formt, das nachhaltig bewegt.

Das Stück feiert seine Premiere in Harburg im Januar und wird insgesamt fünfmal aufgeführt: Am Freitag, den 9. Januar, und Samstag, den 10. Januar, jeweils um 19.30 Uhr, sowie am darauffolgenden Wochenende am Donnerstag, den 15. Januar, und Freitag, den 16. Januar, ebenfalls um 19.30 Uhr. Ein besonderer Termin ist der Sonntag, 11. Januar, um 15.00 Uhr, dem um 13.00 Uhr eine kostenlose Matinee vorausgeht.

Wer also im Januar in Harburg ins Theater geht, bekommt nicht nur ein Stück Zeitgeschichte präsentiert. Man begegnet der tief bewegenden Frage, was Menschlichkeit, Liebe und vor allem Musik in den dunkelsten Stunden des 20. Jahrhunderts zu leisten vermögen. Ein intensiver und wichtiger Abend, der nicht nur die Ohren öffnet, sondern auch das Herz.

Harburger Theater | Museumsplatz 2 | 21073 Hamburg | www.harburger-theater.de

Kartenreservierung: 040 376 394 65

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Harburg wird zum Gerichtssaal der Erinnerung https://www.tiefgang.net/harburg-wird-zum-gerichtssaal-der-erinnerung/ Fri, 17 Oct 2025 22:58:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12694 [...]]]> In Zeiten, in denen rechtsextreme Netzwerke erneut mit erschreckender Energie um sich greifen, ist die Kultur gefordert, sich zu positionieren. Sie muss mehr sein als nur schöne Fassade. Sie muss laut sein, fordernd, und die Leerstellen der Geschichte mit Wahrhaftigkeit füllen.

Am 6. November wird das im Herzen Hamburgs – genauer gesagt in Harburg – geschehen. Im Rahmen der Harburger Gedenkwochen im November 2025 holt der Harburger Integrationsrat zusammen mit weiteren Partnern wie der Interreligiöse Dialog in Harburg, Harburger Muslime, Omas gegen Rechts Hamburg-Süd das erfolgreiche Theaterstück „NSU-Monologe“ nach Harburg. Die Aufführung der „NSU-Monologe“ der Bühne für Menschenrechte ist nicht einfach nur Theater. Es ist eine hochpolitische Notwendigkeit. Das Stück zieht die Zuschauer*innen direkt hinein in einen der dunkelsten Komplexe der deutschen Nachkriegsgeschichte: den Terror des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) und das erschütternde, langjährige Versagen staatlicher Institutionen.

Das Trauma, das nicht enden darf

Zur Erinnerung: Zwischen 2000 und 2007 ermordete die rechtsextreme Terrorzelle, bestehend aus Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, zehn Menschen – neun Gewerbetreibende mit türkischem, kurdischem oder griechischem Migrationshintergrund sowie die Polizistin Michèle Kiesewetter.

Das eigentliche, zutiefst verstörende Trauma liegt jedoch im „zweiten Schock“: Über Jahre hinweg ermittelten die Behörden in die völlig falsche Richtung. Statt rechtsextreme Täter*innen ins Visier zu nehmen, wurde das Umfeld der Opfer kriminalisiert. Familien sahen sich plötzlich im Zentrum verdächtiger Nachfragen, ihre Trauer wurde mit Misstrauen beantwortet. Sie mussten das rassistisch motivierte Morden ihrer Angehörigen und die behördliche Demütigung gleichzeitig ertragen.

Der 2018 abgeschlossene, jahrelange NSU-Prozess in München führte zwar zur Verurteilung von Beate Zschäpe und Helfer*innen, ließ aber viele drängende Fragen unbeantwortet: Wer wusste Bescheid? Wie tief reichen die Verstrickungen in die Sicherheitsbehörden? Und warum konnte dieser Terror so lange unentdeckt – und scheinbar unwidersprochen – stattfinden?

Die Bühne als Archiv der Wut und Würde

Genau hier setzt das Konzept der „NSU-Monologe“ an, das so energisch wie notwendig ist. Das Stück basiert auf wortgetreuen Dokumenten und Zeugenaussagen, die in enger Zusammenarbeit mit den Angehörigen der Opfer entstanden sind. Die Bühne für Menschenrechte verzichtet auf fiktive Elemente; sie ist ein neutraler Raum, ein Archiv der Wahrhaftigkeit.

Im Mittelpunkt stehen die Geschichten von Elif Kubaşık, Adile Şimşek und İsmail Yozgat. Es sind die Stimmen der Überlebenden, die nach Jahren des Schweigens und der Anschuldigungen endlich Gehör finden. Sie erzählen von ihrem Kampf um die Rehabilitierung ihrer ermordeten Söhne und Väter, von ihrer unerschütterlichen Willensstärke, die Umbenennung von Straßen zu fordern, und von ihrem Mut, sich öffentlich gegen die von Behörden verbreitete „Döner-Mord“-Lüge zu stellen.

Das Format des Monologs ist dabei so schlicht wie genial: Es gibt den Opfern ihre Individualität und ihre Würde zurück, die ihnen durch rassistische Vorurteile und institutionelles Versagen genommen wurde. Es reißt die Perspektive vom rechten Terror-Trio weg und lenkt den neugierigen und kritischen Blick der Zuschauer*innen auf diejenigen, die zurückblieben und gegen das Vergessen kämpfen mussten. Die monologische Dichte erzeugt einen Sog von Empathie und Wut zugleich, der unter die Haut kriecht.

Dieses Theaterstück ist eine Einladung an uns alle, die Lektion des NSU-Terrors endlich anzunehmen: Es gibt keine Entschuldigung für das Wegsehen, und der Kampf um eine antirassistische und demokratische Gesellschaft ist noch lange nicht gewonnen. Die „NSU-Monologe“ sind somit kein Stück über die Vergangenheit, sondern eine hochaktuelle, drängende Intervention für die Gegenwart.

Die Aufführung der „NSU-Monologe“ in Harburg wird von einer Podiumsdiskussion oder einem Publikumsgespräch begleitet, um die sozialen und politischen Konsequenzen des NSU-Komplexes tiefgehend zu erörtern.

Do., 6. Nov., 18.30 Uhr: NSU-Monologe

Feuervogel – Bürgerzentrum Phönix | Maretstraße 50 | 21073 Hamburg | Eintritt frei!

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Stoner Rock und Jazz heben die Schwerkraft auf https://www.tiefgang.net/stoner-rock-und-jazz-heben-die-schwerkraft-auf/ Fri, 17 Oct 2025 22:47:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12669 [...]]]> Manche Bands passen in keine Schublade. Sylmar aus Cincinnati etwa. Bald im Stellwerk in Harburg.

Die Band gehört in die Kategorie musikalisches Chamäleon – mit einem leichten Hang zum Wahnsinn. Am 16. November landet die US-Band mit ihrem eklektischen Soundmix im Stellwerk in Hamburg-Harburg und verspricht einen der energetischsten Abende des Spätherbstes.

Die Band, die seit 2016 die US-Küsten bereist und sich den Ruf als eine der besten Live-Acts Cincinnatis erspielt hat, kommt nicht nur mit neuer Musik, sondern auch mit einer kompromisslosen Stilrichtung: Indie-Rock, Stoner-Jazz und Dream-Rock – eine Kombination, die so verwirrend wie unwiderstehlich ist. Statt sich in Genregrenzen zu verlieren, drehen Sylmar den Rock-Kanon durch den Fleischwolf, bewaffnet mit lauten Gitarren, dynamischen Vocals und Achterbahn-Rhythmen.

Die dunkle Fabrik und der Social-Media-Einfluss

Das musikalische Resultat klingt, als hätten Queen und Queens Of The Stone Age spontan eine Jam-Session veranstaltet, die heimlich von Radiohead und Jeff Buckley produziert wurde. Es ist ein Sound, der gleichzeitig ansteckende Hooks liefert und gleichzeitig die Zuhörer*innen mit cleveren Haken und progressiven Drum-Parts auf Trab hält.

Ihre neuen Songs vom kommenden Album Matching Caskets sind von der dunklen Atmosphäre einer 150 Jahre alten, ehemaligen Lederfabrik geprägt, in der die Platte aufgenommen wurde. Dieser intensive Sound spiegelt sich in den Texten wider, die sich der Polarität der Welt widmen: Liebe trifft auf Angst, Größenwahn auf Weltflucht.

Ein perfektes Beispiel für diesen kreativen Wahnsinn ist die aktuelle Single Canal. Inspiriert vom düsteren Film-Noir-Klassiker Chinatown (Roman Polanski) dreht sich die Story hier um einen TikTok-Influencer, der sich im kleinen Bildschirm verliert, aber den Erfolg auf der großen Leinwand sucht. Sylmar fangen diese moderne Zerrissenheit in einem Wirbelwind von Song ein – am besten genießt man diese Infektion frisch und live.

Sylmar ist bekannt dafür, stereotype Strophe-Refrain-Strukturen zu sprengen. Das Quintett versteht es, das Publikum nicht nur zum Tanzen zu bringen, sondern auch konstant in Erwartungshaltung zu halten. Wer auf unbändige Energie und musikalische Abenteuerlust steht, sollte sich dieses Harburger Konzert auf keinen Fall entgehen lassen.

Gewinnspiel: Tiefgang bringt dich ins Stellwerk!

Das Feuilleton »Tiefgang« verlost 2 x 2 Freikarten für dieses elektrisierende Konzert im Stellwerk.

So kannst du gewinnen: Schicke eine E-Mail mit dem Betreff „Sylma“ an tiefgang@sued-kultur.de. Einsendeschluss: 30. Oktober 2025 um 12 Uhr. Das Los entscheidet.

Termin: Sylmar, So., 16. Nov. 2025, 19 Uhr, Stellwerk, Bhf. Harburg über Fernzuggleis 3, Hannoversche Straße 85, 21079 Hamburg, Tickets: https://www.tixforgigs.com/Event/67752/sylmar-stellwerk-hamburg

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Glitzer, Glamour, Gänsehaut https://www.tiefgang.net/glitzer-glamour-gaensehaut/ Fri, 10 Oct 2025 22:55:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12646 [...]]]> Mamma Mia, Plateauschuhe raus! Der schwedische Pop-Traum kommt in den Hamburger Süden!

Manche Songs sind mehr als Musik – sie sind ein Lebensgefühl, ein Glitzerhemd-Moment, eine kollektive Erinnerung an die goldenen 70er. Genau dieses Gefühl bringt »Abba – Unforgettable« am 27. November in die Burg Seevetal. Es ist die Chance, »Dancing Queen« nicht nur zu hören, sondern zu erleben, als wäre man zurück in der Disco-Ära.

Diese Tribute-Show ist nicht einfach nur ein Cover-Konzert. Sie ist eine musikalische Zeitmaschine, die den Glamour und die emotionalen Tiefen der schwedischen Pop-Giganten detailgetreu auf die Bühne holt. Die Produzent*innen versprechen eine Performance, die selbst die Originale Agnetha, Anni-Frid, Björn und Benny stolz machen würde.

Das Herzstück der Show sind die vier Hauptdarsteller*innen, die mit beeindruckender Hingabe in ihre Rollen schlüpfen:

  • Agnetha wird von der norddeutschen Musical-Absolventin Janina Stiem verkörpert, die ihre Ausbildung in Hamburg absolvierte.
  • Als Anni-Frid glänzt die gebürtige Berlinerin Jessica Fendler, die ihre Vielseitigkeit bereits in Musicals wie Les Misérables und Jesus Christ Superstar bewiesen hat.
  • Björn wird von Markus Förster dargestellt, einem echten Profi an der Live-Gitarre, den Kenner*innen auch von der »Just Floyd Project«-Tribute-Band schätzen.
  • Und Benny? Er wird von Uwe Morscheck verkörpert, dem Produzenten der Show selbst. Morscheck bringt 50 Jahre Bühnenerfahrung mit und sorgt live am Piano für den authentischen Abba-Sound.

Diese Künstler*innen liefern nicht nur die Töne, sie liefern die Emotionen: Wenn »I Have a Dream« erklingt oder »Fernando« die Halle füllt, bleibt garantiert kein Herz unberührt. Die schrillen Outfits, die mitreißenden Choreografien – alles ist dabei, um das Disco-Fieber wieder zu entfachen. Und das Wichtigste: Mitsingen und Mittanzen ist ausdrücklich erlaubt!

Gewinnspiel: Tiefgang verlost Freikarten!

Sie möchten diesen Abend voller Glitzer, Emotionen und »Super Trouper« live erleben? Das Feuilleton »Tiefgang« verlost exklusiv 3 x 2 Freikarten für dieses unvergessliche Spektakel in Seevetal.

So machen Sie mit: Senden Sie eine E-Mail an tiefgang@sued-kultur.de mit dem Betreff „Abba in Seevetal“. Das Los entscheidet. Einsendeschluss ist der 1. November 2025.

Termin: Do, 27. Nov. 2025, Beginn: 20 Uhr ( Einlass: 19 Uhr) | Burg Seevetal, Am Göhlenbach 11, 21218 Seevetal

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Pop, Folk und Songwriting https://www.tiefgang.net/pop-folk-und-songwriting/ Fri, 03 Oct 2025 22:40:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12556 [...]]]> Am Sa., 11. Oktober, gibt Harburg den Ton an! Denn 14 Kulturinstitutionen bieten über 40 Acts und das für nur einen Eintritt von 7,50 €! Wir stellen einige Orte und Acts vor. Heute: Harburg Marketing e.V.!

In den Räumlichkeiten des Harburg Marketing e.V. in der Hölertwiete 6 erwartet die Besucher*innen ein Programm voller akustischer Klänge und emotionaler Geschichten. Von Pop-Akustik über Singer-Songwriter-Folk bis hin zu einer tiefen, gefühlvollen Reise durch menschliche Emotionen.

Nach dem Einlass um 18.30 Uhr beginnt der Abend um 19 Uhr mit Louis. Louis ist Sänger, Musiklehrer und beherrscht eine Vielzahl von Instrumenten, darunter Akustik-, E- und Bass-Gitarre, Klavier, Schlagzeug, Saxophon und Klarinette. Als Teil des Duos TiLou ist er heute solo auf der Bühne und präsentiert eine beeindruckende Bandbreite von Rock und Pop über Bossa-Nova und Balladen bis hin zu eigenen Songs in englischer und thailändischer Sprache.

Um 19.30 Uhr übernimmt das Akustik-Duo Pony M die Bühne. Mit Gesang, Gitarre, Piano und Cajon bringen Melly und Ernesto Pop-Akustik auf die Bühne, die ins Ohr und in die Beine geht. Ihr Sound ist ehrlich, ihr Timing punktgenau und ihr Repertoire ein Hit-Feuerwerk zum Mitsingen. Melly begeistert mit ihrer einzigartigen Stimme, während Ernesto als rhythmisches Herz der Band für den perfekten Groove sorgt.

Der Abend wird um 20.15 Uhr mit Cedric Saga fortgesetzt, einem Singer-Songwriter aus Hamburg, dessen Musik seine persönliche Reise widerspiegelt. Seine Songs erzählen Geschichten von Liebe, Verlust und Selbstfindung. Ein neues Album, das bereits aufgenommen ist, soll 2025 erscheinen.

Harburg Marketing e.V., Hölertwiete 6, Hamburg

Samstag, 11. Oktober 2025 | Einlass: 18.30 Uhr

19 Uhr: Louis

19.30 Uhr: Pony M

20.15 Uhr: Cedric Saga

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Brücken bauen und Musik feiern https://www.tiefgang.net/bruecken-bauen-und-musik-feiern/ Fri, 03 Oct 2025 22:28:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12531 [...]]]> Am Sa., 11. Oktober, gibt Harburg den Ton an! Denn 14 Kulturinstitutionen bieten über 40 Acts und das für nur einen Eintritt von 7,50 €! Wir stellen einige Orte und Acts vor. Heute: Harburger Integrationsrat in der Sauerkrautfabrik!

Der Harburger Integrationsrat ist eigentlich ein gewähltes Gremium, das sich ehrenamtlich als Brücke zwischen der Bevölkerung, der Politik und der Verwaltung im Bezirk Harburg einsetzt. Er vertritt die Interessen von Menschen mit Migrationshintergrund, berät in Integrationsfragen und fördert interkulturelle Veranstaltungen, um das Zusammenleben in Vielfalt zu stärken. Er nimmt aber auch regelmäßig an Treffen des Netzwerkes SuedKultur teil und sieht Formate wie die Music-Night oder SuedLese Literaturtage als gute Formate, über Kultur Brücken zu bauen.

Eine passende Bühne für dieses Anliegen bietet die Sauerkrautfabrik, ein selbstverwaltetes Kulturzentrum am Wall 24 / Kleine Schippsee, das Raum für Kultur, Bildung und Politik schafft. Bekannt als Ort des solidarischen Miteinanders, hat sie sich zum Ziel gesetzt, die Welt ein kleines bisschen offener zu gestalten.

Für die SuedKultur Music-Night haben der Harburger Integrationsrat und die Sauerkrautfabrik nun ein vielfältiges und vor allem passendes Programm zusammengestellt:

Um 19.30 Uhr startet die Rap-Band candyboiclique, die aus jungen Künstlern mit unterschiedlichen Wurzeln besteht. Die Gruppe selbst hat noch keine zentralen Accounts, aber ihre Musik ist über die Profile der einzelnen Künstler erreichbar.

Anschließend, um 20.30 Uhr, entführt die Ney-Gruppe das Publikum in die Welt der orientalischen Längsflöte. Die Ney hat ihren Ursprung bereits 2.000 Jahre vor Jesu Geburt und war schon bei den Sumerern im Einsatz. Sie spielt eine zentrale Rolle in der islamischen Kunst. Der Klangeiner Ney wird oft mit der menschlichen Stimme verglichen. Der Musiker Murat Akmaz, einer der wenigen Ney-Meister in Deutschland, lernte die Kunst von Meistern in der Türkei.

Der krönende Abschluss des Abends gehört um 21.45 Uhr der Band Bloody Disco, die ursprünglich als Coverband begann und nun mit eigener Musik und der ersten EP im März 2025 begeistert.

Sauerkrautfabrik, Am Wall 21, 21073 Hamburg

Samstag, 11. Oktober 2025

19 Uhr: Einlass

19.30 Uhr: candyboiclique

20.30 Uhr: Ney Gruppe

21.45 Uhr: Bloody Disco

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