Feature Besprechungen – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Tue, 03 Mar 2026 13:36:21 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Dance everybody! https://www.tiefgang.net/dance-everybody/ Sun, 08 Mar 2026 23:30:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13447 [...]]]> Im Juni 2026 wird die erste Tanztriennale die Hansestadt starten. Dann wird es um weit mehr als um ästhetische Pirouetten oder akrobatische Sprünge gehen sondern auch um eine soziale Kraft, die unsere Stadt transformieren kann.

Unter dem elektrisierenden Motto „Brave Moves. Courageous Joy“ wird Hamburg vom 14. bis 21. Juni zum Epizentrum einer Kunstform, die in den Hamburger Alltag drängt: mitten ins Leben, mitten auf die Straße und tief in die Herzen.

Es ist ein kulturpolitisches Highlight, dass Hamburg den Zuschlag für dieses neue Leuchtturmprojekt erhalten hat. Gefördert mit stolzen 950.000 Euro durch die Kulturstiftung des Bundes und weiteren 600.000 Euro durch die Stadt, entsteht hier ein Bündnis, das es so noch nicht gegeben hat. Das Hamburg Ballett, die Kampnagel Internationale Kulturfabrik und das K3 – Zentrum für Choreographie rücken zusammen. Für Amelie Deuflhard, die Intendantin von Kampnagel, setzt diese intensive Zusammenarbeit Maßstäbe und sendet ein wichtiges Signal für die verbindende Kraft des Tanzes über alle kulturellen, sozialen und generationellen Grenzen hinweg.

Das Programm, das nun vorgestellt wurde, verspricht eine wilde Mischung. Hier trifft klassisches Ballett auf Urban Dance, zeitgenössische Ästhetik auf Krump. Es ist diese bewusste Öffnung der Genres, die den Reiz ausmacht. Wenn eine Hip-Hop-Tänzerin selbstverständlich neben dem Balletttänzer auf der Bühne steht, entstehen daraus neue künstlerische Qualitäten und Zugänge für das Publikum, wie Katarzyna Wielga-Skolimowska von der Kulturstiftung des Bundes es visionär beschreibt.

Besonders spannend für alle Klassik-Fans: Das Hamburg Ballett steuert mit Alexei Ratmanskys „Wunderland“ eine Weltpremiere bei. Doch die Tanztriennale will mehr als nur glanzvolle Abende im Opernhaus. Sie will in den öffentlichen Raum, will den Diskurs und vor allem: sie will uns alle zum Mitmachen bewegen. Tanz gehört allen – jedem Körper, jedem Lebenshintergrund und jeder Geschichte, erklären die künstlerischen Co-Leiterinnen Gwen Hsin-Yi Chang und Monica Gillette. Für sie ist klar: Mut ist eine Praxis und Freude eine treibende Kraft. Beides wächst, wenn Menschen gemeinsam tanzen.

Kultursenator Carsten Brosda bringt es auf den Punkt: „Die Tanztriennale macht den Tanz in seinen ganz unterschiedlichen Ausdrucksformen für alle erlebbar – für Profis, für Laien, für Zuschauer und Zuschauerinnen, für Tänzer und Tänzerinnen. Vom Urban Dance über zeitgenössische Ästhetiken bis zum klassischen Ballett öffnet die Tanztriennale die universelle Sprache des Tanzes weit in die Gesellschaft hinein und verbindet Menschen und Tanzstile.“ Denn die Tanztriennale soll eine Einladung an alle Hamburger*innen sein, die Welt durch Bewegung neu zu entdecken.

Man spürt die Begeisterung bei allen Beteiligten, von den Profis bis zu den Institutionen. Nicolas Hartmann vom Hamburg Ballett sieht in der gegenseitigen Öffnung der Genres die wesentliche Zukunft des Tanzes. Und diese Zukunft beginnt im Sommer 2026 in Hamburg.

Der Vorverkauf startet am 20. März – ein Datum, das sich alle Tanzbegeisterten und Neugierigen rot im Kalender markieren sollten. Denn man kann davon ausgehen, dass manche Veranstaltungen schnell ausverkauft sein werden. Wer nämlich wissen will, wie sich mutige Schritte und mutige Freude aktuell anfühlen, wird im Juni an Hamburg nicht vorbeikommen. Das Programm unter: www.tanztriennale.de

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„Wir sind alle emotional berührbar!“ https://www.tiefgang.net/wir-sind-alle-emotional-beruehrbar/ Sat, 07 Mar 2026 23:17:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13412 [...]]]> Jan Simowitsch hat sich in seinem Leben mehrfach neu erfunden. Nun legt er sein Debüt „Und der Wal spuckt mich aus“ vor und liest in Moisburg.

Wir haben mal hinter den Klappentext geschaut und nachgefragt …

Tiefgang (TG): Hallo Jan, Du hast Deinen Job gekündigt und bist auf die Färöer-Inseln gereist – als erster Tourist des Jahres. War dieser radikale Bruch ein bewusster Sturz in den Walfischbauch oder eher eine Flucht nach vorn?

Jan Simowitsch: Es war eine Flucht nach vorn und doch konnte ich nicht ahnen, dass mir ein Wal Asyl anbieten würde, mich für eine Weile bei sich aufnimmt und mich so vor dem Ärger und den Aufregungen der Welt beschützt.

TG: Dein Buch und Programm tragen den Titel „Und der Wal spuckt mich aus“. Die biblische Jona-Erzählung ist ein Klassiker über das Davonlaufen und das Unausweichliche. Was fasziniert Dich an dieser uralten Geschichte für unsere heutige, oft so durchgetaktete Zeit?

Jan Simowitsch: Ich glaube, wir alle haben immer wieder den Fluchtimpuls. Stehen wir zum Beispiel an einem Fernzug nach Basel oder Stockholm kostet es schon Energie, nicht einzusteigen. Und dieser Fluchtgedanke trägt immer ein Bild von einem „noch einmal neu“ in sich. Das Schwere hinter sich lassen und endlich der werden, der man schon immer sein wollte. Und wenn man dann die Flucht wagt, und sei es nur für zwei Wochen, wird man staunen, was sich alles verändert hat. Nicht in der Welt, sondern in einem selbst.

TG: Du wirst gerne als „Doppel-Dude“ bezeichnet, weil Du Texte und Musik verschmelzen lässt. Wie entscheidest Du, wann ein Gefühl eine Note braucht und wann ein klares Wort? Ergänzen sich Klavier und Vorlesen oder stehen sie manchmal auch im kühnen Widerspruch?

Jan Simowitsch: Musik ist für mich eher wie ein subjektives Foto, also alles, was mich umgibt, fließt ohne Wertung, ohne schön sein zu müssen, ein in die Musik. Musik hat somit keine Intension, entsteht im Augenblick und entfaltet beim öffentlichen Spielen trotzdem immer unmittelbar eine Wirkung und Emotion. Worte sind dagegen für mich auch immer mit Wünschen verbunden, mit Ironie und der Hoffnung, etwas Gutes zu bewirken. Und beides ergänzt sich perfekt.

TG: In Moisburg liest Du im historischen Amtshaus, einem Ort mit viel Tradition. Wie passt das eher raue, nordatlantische Flair Deiner Färöer-Reise in die Atmosphäre des Kulturpunkts?

Jan Simowitsch: Ich denke, wenn die Musik die klassischen Kronleuchter zum Schwingen bewegt, dann sind auch die Färöer nicht mehr weit. Und wenn es um Traditionen geht, ist diese zu Dänemark gehörende Inselgruppe mitten im Atlantik eh ganz vorne mit dabei.

TG: Ein schachspielender Steinbutt spielt in Deiner Geschichte eine Rolle. Das klingt herrlich absurd. Welche Art Humor braucht man eigentlich, um die großen, tiefgründigen Fragen des Lebens – wie den Verlust von Sicherheiten – zu ertragen?

Jan Simowitsch: Wenn die Sprache hinter ihren eigenen Bildern hinterher rennt, sie am Rockzipfel erwischt, umdreht und erkennt, das bin ich ja selbst. Wenn so Dinge, die ja für gewöhnlich nie reden, sich einmischen und die Wirklichkeit auf den Arm nehmen, dann wird plötzlich auch im Lesen und Zuhören die Welt fantastisch und Unmögliches denkbar.

TG: Auf Deinen Kanälen mischst Du Dich oft in politische Debatten ein und setzt Dich für Menschenrechte ein. Inwieweit ist Deine literarische Arbeit auch und gerade jetzt ein Statement für einen offeneren gesellschaftlichen Diskurs?

Jan Simowitsch: Eine Bühne zu bekommen ist ein Privileg und die Zeiten sind gerade angespannt, die Menschen mitunter hochsensibel. Da tut gemeinsames Lachen ebenso gut wie vor Rührung zu weinen. Und wenn dann das Publikum sieht, dass wir alle emotional berührbar sind und ähnliche Erfahrungen teilen, können wir auch über unsere Träume und Hoffnungen, über das, was uns Mut macht reden. 

TG: Wenn das Publikum am Sonntagabend das Amtshaus verlässt – welche Saite hoffst Du bei den Zuhörer*innen zum Schwingen gebracht zu haben?

Jan Simowitsch: Die tiefen Basssaiten, die so lange resonieren, dass die Wangen zu Hause noch vibrieren und die hohen Diskantsaiten, in denen sich manches Lachen wiedergefunden haben wird.

(Das Interview für ´Tiefgang` führte Heiko Langanke)

Termin: So., 22. Mrz., 17 Uhr: Jan Simowitsch – Und der Wal spuckt mich aus | Vvk + Eintritt 10,- € 

Kulturpunkt Moisburg c/o Amtshaus Moisburg, Auf dem Damm 5, 21647 Moisburg, www.kulturpunkt-moisburg.de

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Die Überlebensstrategie von Gewaltopfern https://www.tiefgang.net/die-ueberlebensstrategie-von-gewaltopfern/ Fri, 06 Mar 2026 23:47:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13400 [...]]]> Trotz aller politischer Bekundungen, ist das Verhältnis zwischen Polen und Deutschen nicht so nachbarschaftlich wie man glauben mag. Besonders deutlich wird dies meist in Dingen, die eben nicht so offensichtlich sind. Mia Raben hat es literarisch aufgearbeitet und wir mal nachgehakt …

Tiefgang (TG): Frau Raben, Sie sind selbst ein Kind polnisch-deutscher Eltern und haben als Korrespondentin in Warschau gearbeitet. War „Unter Dojczen“ ein Buch, das schon lange in Ihnen gereift ist, um den oft „unsichtbaren“ Pendel-Migrant*innen in der Pflege eine Stimme und ein Gesicht zu geben?

Mia Raben: Der Roman, an den ich lange gedacht habe, hat mit den Jahren seine Form immer wieder verändert, bis am Ende dieser Text stand. Ich habe ziemlich lange gebraucht, um zu wissen, welche von den vielen möglichen Geschichten ich als Roman aufschreiben will. Als Korrespondentin in Polen hatte ich das Gefühl, dass die Themen auf der Straße lagen. Ich fand einfach alles spannend. Natürlich auch aus dem Grund, weil ich meine Herkunft erforscht habe. Für den Roman musste ich mich aber für eine Figur und ihre Geschichte entscheiden, und da meine Mutter viele Freundinnen hatte, die so gearbeitet haben wie Jola, habe ich mich irgendwann für sie entschieden.

TG: Zu Beginn des Romans wird Jola fast wie ein Paket in Deutschland „abgeliefert“. Das ist ein hartes Bild für die Entmenschlichung im Pflegesystem. Wie wichtig war es Ihnen, diesen Kampf um Würde und Geld zu beschreiben, ohne dabei den Humor und den spöttischen Blick auf die „Dojczen“ zu verlieren?

Mia Raben: Der Humor und der spöttische Blick, wie Sie es nennen, war mir immer sehr wichtig. Er ist schon immer eine Überlebensstrategie von Gewaltopfern gewesen. Ich habe diesen Humor und diesen Spott gegenüber den Deutschen in meiner polnischen Familie von klein auf erlebt. Mein Problem war damals: Ich war ja auch ein deutsches Kind. Also galt dieser Spott gewissermaßen auch mir. Das tat weh. Ich brauchte viel Zeit und viele Erfahrungen in beiden Ländern, um zu begreifen, dass das alles von außen kommt. Ich muss weder deutsch noch polnisch sein. Beide Länder haben mich geprägt. Es ist ja so, dass die Deutschen historisch betrachtet die Polen einfach sehr mies behandelt haben. Und heute sind die älteren Menschen in Deutschland von den Polinnen abhängig. Was für ein Spannungsfeld sich da auftut, habe ich erst durch Jola und Uschi erfahren. Die haben sich da verselbstständigt und für humorvolle Begegnungen gesorgt, aber eben auch für schmerzhafte. Denn zwischen Deutschen und Polen kann man dem Schmerz nur mit aufrichtigem Interesse und am besten mit Humor begegnen. Wenn man das nicht kann, herrscht Eiseskälte. Es ist einfach zu viel passiert.

TG: Das Herzstück Ihres Buches ist die ungewöhnliche Freundschaft zwischen Jola und der Matriarchin Uschi. Ist diese Beziehung auf Augenhöhe ein bewusst gesetzter optimistischer Gegenentwurf zur meist einseitigen Abhängigkeit in der häuslichen Pflege?

Mia Raben: Dass Jola sich emanzipiert, hat sie sich ja hart erarbeitet. Sie kämpft sich heraus aus der Abhängigkeit und das gelingt heute immer mehr Polinnen, weil sie verstehen, dass auch sie in einer Machtposition sind, nicht nur die wohlhabenden Alten. Ich wollte, dass die oft schreckliche Situation der Pendlerinnen deutlich wird, dass die Ausbeutung gezeigt wird, aber ich wollte nicht, dass man den Roman zu Ende liest und denkt: Oh Gott, wie schrecklich das alles ist, das wird nie besser! Ich vertrage das Grauen besser, wenn ich weiß, es blitzt auch noch etwas Hoffnung auf. Und Jola verkörpert diese Hoffnung doch ganz gut.

TG: Sie haben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig (DLL) studiert. Wie hat diese Ausbildung Ihren Blick auf das Handwerk verändert? Gab es Momente, in denen die journalistische Präzision mit der literarischen Freiheit Ihres Debüts in Konflikt geraten ist?

Mia Raben: Was ich am DLL vor allem gelernt habe, ist, wie viele Sichtweisen es auf einen Text gibt. Natürlich gibt es handwerkliche Mittel, die man einsetzen kann. Es war auch gut, das zu lernen und zu begreifen, sehr wichtig für mich. Aber am Ende ist ein handwerklich guter Text eben auch Geschmackssache. Grässlich fand ich einen Text und jemand anderes fand ihn großartig. So ist das. Auch bei der eigenen Master-Arbeit. Was die eine Bewerterin toll fand, hat die andere gerade gestört. Leider ist das alles top secret. Aber das Learning ist: Mach einfach dein Ding. Es werden nicht alle gut finden. Niemals. Die Beobachtungsgabe und das Notizenmachen in der Livesituation sind Sachen, die ich aus der Reportage ins Literarische übertrage. Wenn ich losziehe, mache ich ständig Notizen, besonders wenn ich an Orten recherchiere, die für meine literarische Arbeit wichtig sind. Notizen sind sehr wichtig. Sich dann aber bewusst auch von den Notizen zu lösen, war sehr befreiend. Die Phantasie ist ja im Journalismus nur begrenzt willkommen. Eine gute Überschrift, eine spezielle Frage an die Interviewpartnerin …

„Weibliche Geschichten der Selbstbehauptung passen an jeden Ort“

TG: Die SuedLese Literaturtage bringen Sie nach Moorburg in den Elbdeich e.V. – ein „pulsierender Kraftort“ zwischen A7-Rauschen und Dorfgarten. Passt diese Atmosphäre des Widerstands und der Eigenwilligkeit in Moorburg gut zu Jolas Geschichte der Selbstbehauptung?

Mia Raben: Weibliche Geschichten der Selbstbehauptung passen an jeden Ort – aber vielleicht spiegelt diese, wie Sie sagen, „Atmosphäre des Widerstands“ diesen Kampf besonders gut wider. Denn natürlich bedeutet Selbstbehauptung auch: Stress, Anstrengung, an die eigenen Grenzen gehen. Um in Ihrem Bild zu bleiben, kann man sagen, wenn der Kampf um die Selbstbehauptung gelingt, ist die Belohnung dafür vielleicht ein Gefühl, das dem Verweilen in einem idyllischen Dorfgarten nahekommt.

TG: Kristine Bilkau nennt Ihr Buch eine Geschichte über Fürsorge und Ausbeutung. Wenn die Besucher*innen am 21. März nach der Lesung den Moorburger Elbdeich entlanggehen: Welchen Gedanken über das Miteinander unserer Kulturen möchten Sie ihnen mit auf den Weg geben?

Mia Raben: Ich finde es wichtig, die interkulturelle Begegnung, etwa zwischen Deutschen und Pol*innen, zu hinterfragen. Es besteht immer die Gefahr, einerseits zu idealisieren, zu bagatellisieren, und andererseits wiegt das historische Erbe schwer. Für viele Menschen, gerade aus Deutschland, ist es nicht leicht, auf diesem schmalen Grat zu gehen. Polinnen und Polen arbeiten in Deutschland, oft gut bezahlt, aber zu oft eben in ausbeuterischen Verhältnissen. Das ist vor dem Hintergrund der Geschichte, in der Polinnen und Polen von der deutschen Propaganda als „Sklavenvolk“ gebrandmarkt und benutzt wurden, schwer erträglich. Ich denke, für Polinnen und Polen in Deutschland ist es besonders wichtig, dass die schmerzhafte gemeinsame Geschichte anerkannt wird. Es gibt noch zu viele Themen, die nicht im allgemeinen Bewusstsein der deutschen Bevölkerung angekommen sind: Etwa was deutsche Soldaten während der Okkupation der polnischen Zivilbevölkerung angetan haben.

Begegnen wir uns mit Offenheit und aufrichtigem Interesse, können wir als nachfolgende Generationen vieles überwinden. Ein übertriebener Schuldkomplex hilft da ebenso wenig wie Kitsch und Zuckerguss im Versöhnungstheater. Man darf nicht vergessen, dass es immer noch viel zu viele Familien in Deutschland gibt, wo es scheinheilig heißt: Opa war kein Nazi. Ich habe den Eindruck, dass sich das gerade verändert und dass immer mehr Menschen wirklich wissen wollen, was genau Opa oder Oma während des Krieges für eine Rolle gespielt haben. Nur durch diese tatsächliche individuelle Aufarbeitung wird es möglich, die Opfer gemeinsam zu betrauern und so die deutsch-polnische Freundschaft in tieferen Ebenen auszubauen.

TG: Es ist und bleibt ein komplexes aber zum Reflektieren lohnenswertes Thema. Und gut, dass Sie diesem Thema auf ihre besondere literarische Art und Weise angenommen haben. Und so wünsche ich auch viel Resonanz zur Lesung!

(Das Interview für „Tiefgang“ führte Heiko Langanke)

Termin:

Sa., 21. Mrz., 20 Uhr: Mia Raben – Unter Dojczen | Eintritt frei – Spende erwünscht

elbdeich e.V., Moorburger Elbdeich 249, 21079 Hamburg, www.elbdeich.org

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Mehr als Pelz und Pfoten https://www.tiefgang.net/mehr-als-pelz-und-pfoten/ Wed, 04 Mar 2026 23:49:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13455 [...]]]> Wer an Märchen denkt, hat meistens Prinzessinnen, mutige Schneiderlein oder finstere Wälder im Kopf. Doch schauen wir mal genau hin: Wer rettet denn den Helden aus der Patsche? Wer flüstert denn der Müllerstochter die entscheidenden Worte zu? Es sind die Tiere. Und sie sind weit mehr als nur schmückendes Beiwerk. Am 12. März lädt das Buxtehude Museum zu einer Expedition in das tierische Unterholz der Erzählkunst ein – geleitet von einer echten Expertin.

Dr. Hanna Dose, die jahrelang das Deutsche Märchen- und Wesersagenmuseum in Bad Oeynhausen leitete, bringt Licht ins Dunkel der Fabelwesen. Denn im Märchen ist nichts, wie es scheint. Ein Löwe ist hier selten einfach nur ein Raubtier, und ein Krokodil trägt vielleicht die Weisheit der Jahrhunderte in sich.

Tiere im Märchen sind Grenzgänger*innen. Sie sprechen, sie lieben, sie leiden und sie rächen sich. Oft sind sie verzauberte Menschen, die erst durch eine schier unlösbare Aufgabe zu ihrer wahren Gestalt zurückfinden. Diese enge, fast magische Verbindung zwischen Mensch und Tier ist ein radikaler Gegenentwurf zu unserer heutigen, oft rein rationalen oder über-emotionalisierten Sicht auf unsere Mitgeschöpfe.

Warum ist der Fuchs eigentlich schlau und der Wolf böse? Dr. Dose wird in ihrem Vortrag aufzeigen, dass diese Charakterisierungen oft mehr über uns Menschen verraten als über die Tiere selbst. Wir spiegeln unsere eigenen Ängste, Sehnsüchte und Moralvorstellungen in den stummen (oder eben sprechenden) Protagonisten. Die Tiere agieren als Helfer, Ratgeber oder eben als gefährliche Gegenspieler*innen, die uns an unsere Grenzen führen.

Der Abend ist eingebettet in die aktuelle Sonderausstellung „Läuft…! Hase und Igel im Wandel der Zeit“. Vor dem Vortrag, ab 18 Uhr, können die Besucher*innen exklusiv erkunden, warum gerade Buxtehude diese ganz besondere Aura als Märchenstadt genießt. Kuratorin Tanja Gissel gibt dabei spannende Einblicke in die Spurensuche rund um den berühmtesten Wettlauf der Welt.

Es ist diese Mischung aus wissenschaftlicher Tiefe und lokaler Leidenschaft, die den Abend so versprechend macht. Und wer danach noch nicht genug hat, kann am Büchertisch der Buchhandlung „Schwarz auf Weiß“ direkt Nachschub für die eigene Hausbibliothek sichern.

Ein Muss für alle, die wissen wollen, was uns Tiere heute noch zu sagen haben – und warum wir ohne ihre magische Hilfe im Märchenwald wohl ziemlich verloren wären.

auf einen Blick:

Die Veranstaltung findet am Do., 12. März 2026, um 19 Uhr im Buxtehude Museum statt. Für 7,00 Euro ist der exklusive Besuch der Sonderausstellung (ab 18 Uhr) bereits inklusive. Da die Plätze im Märchenkosmos begehrt sind, wird eine Anmeldung unter buchung@buxtehudemuseum.de oder telefonisch unter 04161 50797-0 empfohlen.

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Das perfekte Gegenüber https://www.tiefgang.net/das-perfekte-gegenueber/ Tue, 03 Mar 2026 23:50:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13472 [...]]]> Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal mit einer KI geplaudert? Nicht über Excel-Formeln oder die schnellste Route zum Bahnhof, sondern darüber, ob du heute wirklich zu dieser Party gehen sollst oder wie du deinen miesen Tag sortiert kriegst?

Was vor wenigen Jahren noch wie ein abgefahrener Plot aus Hollywood klang, ist längst in unseren Hosentaschen gelandet. Wir teilen Intimes mit Algorithmen, lassen uns von ChatGPT trösten oder beraten. Die KI ist als menschliche Begleiter*in in unserem Alltag angekommen, oft ohne dass wir uns bewusst fragen: Wollen wir das eigentlich? Und was macht das mit uns?

Genau in diese emotionale Gemengelage stößt das Harburger Theater mit seinem neuen Stück „Ich bin dein Mensch“. Am 20. März feiert diese melancholische Komödie Premiere und stellt uns eine Frage, die unter die Haut geht: Kann ein Algorithmus uns wirklich glücklich machen?

Die Ausgangslage ist so absurd wie faszinierend: Die Altertumsforscherin Alma – herrlich unsentimental und so gar nicht der Typ für Rosenblätter-Romantik – nimmt an einer Studie teil. Ihr wird Tom „frei Haus“ geliefert. Tom ist kein Staubsaugerroboter, sondern ein humanoider Prototyp der Firma Terranaut. Sein einziger Daseinszweck? Alma glücklich zu machen.

Doch Tom startet mit einem Handicap: Er ist auf die Wünsche der deutschen Durchschnittsfrau programmiert. Und zu der gehört Alma beim besten Willen nicht. Seine ersten Versuche, sie mit Champagner und sanfter Musik zu erobern, prallen an ihrer wissenschaftlichen Nüchternheit ab wie Regen an einer Glasfassade.

Doch Tom lernt. Er passt seinen Algorithmus an, wird humorvoller, lockerer und vor allem: weniger offensichtlich in seiner Strategie. Er wird zu jemandem, der Alma gefällt. Und plötzlich stellt sich die Wissenschaftlerin die gefährlichste aller Fragen: Was kann daran falsch sein, glücklich zu sein?

Spiegelbild oder Seelenverwandtschaft?

Das Stück, das auf dem brillanten Drehbuch von Maria Schrader und Jan Schomburg basiert, ist weit mehr als eine Technikspielerei. Es ist eine Einladung, darüber nachzudenken, was Liebe eigentlich ist. Ist sie die Begegnung mit einem fremden Wesen, an dem wir uns reiben können? Oder ist die Liebe zu einem perfekt programmierten Roboter am Ende nur ein trostloses Selbstgespräch? Ein verzweifelter Versuch, der Einsamkeit zu entkommen, indem wir uns ein Gegenüber erschaffen, das uns nie widerspricht?

Die Inszenierung in der Bearbeitung von Esther Hattenbach verspricht, diese feinen Nuancen zwischen Sehnsucht und Melancholie herauszuarbeiten. Es geht um die Fragen, die uns alle umtreiben: Was macht den Menschen zum Menschen? Und reicht uns ein simuliertes Glück aus, wenn es sich echt anfühlt?

Wer nicht nur zuschauen, sondern verstehen will, wie man so eine komplexe Mensch-Maschine-Beziehung auf die Bühne bringt, sollte sich den 22. März rot im Kalender markieren. Um 13 Uhr lädt das Theater zur Matinee ein. Dort bekommt man spannende Einblicke in die Inszenierung und kann mit Oberspielleiter Georg Münzel ins Gespräch kommen. Der Eintritt ist frei und eine Voranmeldung ist nicht nötig. Ein perfekter Sonntagsausflug für alle Neugierigen und Begeisterungsfähigen unter euch.

auf einen Blick

„Ich bin Dein Mensch“ | Premiere: Freitag, 20. März 2026

Vorstellungen: täglich bis zum 27. März 2026 | Matinee: Sonntag, 22. März 2026, 13 Uhr

Harburger Theater, Museumsplatz 2, 21073 Hamburg; www.harburger-theater.de

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„Jedes Mal erschütternd“ https://www.tiefgang.net/jedes-mal-erschuetternd/ Mon, 02 Mar 2026 23:13:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13389 [...]]]> Der Kampf um gleiche Rechte für Frauen ist alt und nie gewonnen. Für manche ist es nur ein nice-to-have, obschon der Epstein-Fall zeigt, wie groß die Abgründe sein können. Rukiye Cankiran widmet sich schon lange dem Thema und ist am 17. März zu Gast bei der SuedLese. Wir haben vorab mal nachgehakt …

Tiefgang (TG): Rukiye, willkommen zurück! Du warst ja schon 2025 bei der SuedLese dabei. Was hat dich dazu bewegt, 2026 wieder den Weg in den Hamburger Süden anzutreten? Hat dich die Energie des Festivals im letzten Jahr so gepackt?

Rukiye Cankiran: Ich fand die Lesung im Rahmen der Suedlese großartig und bin sehr gern wieder dabei. In diesem gefällt mir auch der Rahmen MADAME COURAGE – Diversität und Demokratie weiblicher Stimmen sehr. 

TG: Dein aktuelles Thema ist „Das Recht auf gleiche Rechte“. Auf dem Papier sieht in Sachen Gleichstellung vieles gut aus, aber du sagst selbst, die Realität hinkt gewaltig hinterher. Wo klafft die Lücke zwischen Gesetz und echtem Leben für dich momentan am schmerzhaftesten?

Rukiye Cankiran: Mein Schwerpunkt ist das Thema Gewalt gegen Frauen. Gewalt verfestigt Ungleichheit und durch Ungleichheit ist Gewalt möglich, die wiederum Ungerechtigkeit durchsetzen kann. Mit Gewalt meine ich nicht nur körperliche, sondern auch finanzielle und psychische Gewalt. Das BKA (Bundeskriminalamt, Anm. d. Red.) veröffentlicht jedes Jahr die Gewalt-Statistik. Das Ausmaß an Gewalt ist jedes Mal erschütternd. Vor einigen Tagen wurde eine Dunkelfeldstudie des Familien- und Innenministeriums und des BKA veröffentlicht. Diese bestätigt, dass das Dunkelfeld, also die nicht angezeigten Fälle noch wesentlich höher sind als vermutet. Das heißt, die statistischen Zahlen zum Thema Partnerschaftsgewalt bilden weniger als fünf Prozent der Realität ab. Das Wissen, dass der größte Teil der Partnerschaftsgewalt im Dunkeln, hinter verschlossenen Türen stattfindet, ist schwer zu ertragen.

TG: Die Veranstaltung läuft, wie Du ja sagst, in der Kulturhaus-Reihe „Madame Courage“. Wer sind für dich heute die wahren Mutmacher*innen im Alltag, und wie viel „Courage“ braucht eine Frau eigentlich 2026 noch, um sich Gehör zu verschaffen?

Rukiye Cankiran: Trotz aller Kritik bin ich auch dankbar für all die rechtlichen und gesellschaftlichen Errungenschaften, die mutige Frauen und Männer hierzulande in der Vergangenheit – häufig gegen massige Ablehnung – erkämpft haben. Frauen, die kritisch und öffentlich sichtbar sind, werden weiterhin angegriffen. Ich denke dabei an Politikerinnen und Journalistinnen, die von Cybermobbing betroffen sind. In Zeiten von Social Media werden diese zum Beispiel mit Hate Speech und Shitstorm mundtot gemacht. Es braucht viel Mut, um nicht zu schweigen und nicht von unbequemen politischen Ämtern zurückzutreten.

TG: Du arbeitest als Gleichstellungsbeauftragte und als Autorin. Ist das Schreiben für dich eine Art Ventil, um die strukturellen Hürden, gegen die du beruflich ankämpfst, literarisch sichtbar zu machen?

Rukiye Cankiran: Das Schreiben war schon immer meine Leidenschaft, da ich aus dem Journalismus komme. Oft habe ich meine Wut über Ungerechtigkeit in Form von Texten verarbeitet oder witzige Erlebnisse als Kurzgeschichten formuliert. Vieles habe ich auch wieder verworfen. Aber es war dann schon mal „von der Seele aufs Papier“ gebracht. Als Gleichstellungsbeauftragte habe ich Benachteiligungen von Frauen und Mädchen öffentlichkeitswirksam präsentiert, ob es die ungleiche Verteilung von Kindererziehung oder Care-Arbeit ist. Sowohl innerhalb der Verwaltung als auch auf politischer Ebene ging es darum, zu sensibilisieren, dass historisch gewachsene Ungleichheit bis heute nachwirkt. Mein Fachwissen zu Themen rund um Gleichstellung und Gleichberechtigung halte ich in Sachbüchern fest. In Geschichten verarbeite ich tatsächlich viele Erfahrungen und Erzählungen von Betroffenen und zeige damit, dass diese universell sind. Damit werden sie dann literarisch sichtbar. Genau so ist es. 

TG: Das Kulturhaus Süderelbe ist ein Ort, an dem viele verschiedene Kulturen und Lebensentwürfe aufeinandertreffen. Wie wichtig ist es, die Debatte über Frauenrechte genau dorthin zu bringen, mitten in die Stadtteile, statt sie nur in akademischen Zirkeln zu führen?

Rukiye Cankiran: Das ist mir sehr wichtig. Ich war bereits mit meinem ersten Buch zum Thema Zwangsheirat bundesweit in Bildungs- und Hilfeeinrichtungen, lokalen Treffpunkten, sogenannten „Brennpunktvierteln“, in Flüchtlingsunterkünften aber auch an Universitäten und bei engagierten Gruppen. Wenn wir aufklären und sensibilisieren wollen, müssen wir dorthin gehen, wo die Menschen sind, und zwar überall hin. Es reicht nicht, dass wir unter uns kultivierte Debatten führen und einander applaudieren. Ich bin immer wieder erschüttert, wie sehr das Gendersternchen bzw. die geschlechtergerechte Sprache die Debatte um Gleichberechtigung und Gleichstellung dominiert, und zwar völlig aus dem Zusammenhang. Begegnung und Diskussion auf Augenhöhe, Zuhören und kritische Argumente zulassen, und zwar vor Ort in den Stadtteilen. Das ist sehr wichtig – wenn auch mühsam – wenn wir ehrlich und aufrichtig eine gesellschaftliche Veränderung und Entwicklung wollen.

TG: In deiner Ankündigung versprichst du praxisnahe Tipps. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Was ist die wichtigste Strategie, die wir alle – egal welchen Geschlechts – sofort anwenden können, um Vorurteile im eigenen Kopf zu knacken?

Rukiye Cankiran: Ich nenne an dieser Stelle nur das Stichwort Solidarität. Mehr dazu vor Ort. In meinem Buch gibt es ein Kapitel Strategien zur Gleichstellung von Frauen und Mädchen. Hier berichte ich über Initiativen, Projekte und auch die Strategie des Familienministeriums. Über besondere Herausforderungen und auch die Verantwortung eines jeden einzelnen Menschen werden wir dann vor Ort reden. Es soll sich ja lohnen, vorbeizukommen! 

TG: Wenn du an den Abend am 17. März denkst: Was ist das wichtigste Gefühl oder der wichtigste Gedanke, den die Besucher*innen mit in ihren Kiez nehmen sollen, wenn sie das Kulturhaus verlassen?

Rukiye Cankiran: Für mich ist ein Kulturhaus ein Ort der Begegnung und des Austausches. Einerseits bietet eine Lesung Informationen und damit einen Mehrwert. Gleichzeitig ist hier auch Raum für Fragen und eine kurzweilige Diskussion. Nach meinen Lesungen bekomme ich oft das Feedback, das einige Themen völlig neu oder bestimmte Perspektiven unsichtbar waren. Mir persönlich ist wichtig, dass ich Menschen auch motivieren kann, sich für Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie einzusetzen. Denn nur so ist ein friedliches und wertschätzendes Zusammenleben möglich. Hierfür brauchen wir gute Argumente, die die Menschen stärker überzeugen als diskriminierende, rassistische, antifeministische oder autoritäre Narrative. 

TG: Besten Dank für das Gespräch und Dir und allen Besuchenden einen regen Austausch! 

(Das Interview für „Tiefgang“ führte Heiko Langanke)

Termin:

Di., 17. Mrz., 18.30 Uhr: Rukiye Cankiran – Das Recht auf gleiche Rechte | Eintritt frei

Kulturhaus Süderelbe, Am Johannisland 2, 21147 Hamburg-Neugraben, www.kulturhaus-suederelbe.de

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Geschrieben, um gesund zu werden https://www.tiefgang.net/geschrieben-um-gesund-zu-werden/ Sun, 01 Mar 2026 23:34:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13396 [...]]]> Pünktlich zu den SuedLese Literaturtagen erscheint der Debüt-Roman „Co“ von Rina Schmeller. Ein Werk, das es in sich hat. Denn es bricht mit dem Schweigen zu einem Thema, das präsenter ist als man ahnt: der Co-Abhängigkeit.

Co-abhängig in Sucht, Partnerschaften, Beziehungen generell. Druckfrisch wird es Rina Schmeller im Speicher am Kaufhauskanal im Harburger Hafen zu Gehör und ins Gemüt bringen. Wir haben schon mal im Vorfeld nachgefasst.

Tiefgang (TG): Frau Schmeller, „Co“ ist Ihr Debütroman und bricht radikal mit dem Schweigen über ein oft unsichtbares Thema: die Co-Abhängigkeit. Was war der entscheidende Funke, der Sie dazu gebracht hat, gegen dieses gesellschaftliche Tabu anzuschreiben und die Perspektive derer zu wählen, die im Schatten der Sucht eines anderen leben?

Rina Schmeller: Danke für Ihre Frage. Mir gefällt, wie Sie das formulieren. „Co“ erzählt als Autofiktion von meiner eigenen Erfahrung. Ich war lange co-abhängig. Dieses Buch ist das Ergebnis eines Prozesses, der vor allem darin bestand, eine Sprache zu finden, später dann auch eine Form. Ich habe mit diesem Stoff literarisch zu schreiben begonnen. Anfangs liefen die Prozesse im Schreiben und Leben parallel, griffen dann zunehmend ineinander, bis sie sich voneinander lösten. In der letzten Zeit meiner Arbeit an „Co“ hatte ich in meinem Leben bereits stabilen Abstand gewonnen. Co-Abhängigkeit ist als Thema wenig beleuchtet, aber allgegenwärtig. Es war mir wichtig, das sichtbar zu machen. Zu wissen, dass viele betroffen sind, war dabei immer wieder ein Antrieb.

TG: Ihre Sprache im Roman ist eine Mischung aus Klarheit, Rhythmus und irgendwie auch Stille. Wie haben Sie es geschafft, für die oft chaotische und von Gewalt geprägte Dynamik der Abhängigkeit eine so präzise Form zu finden, ohne dabei in Sentimentalitäten zu verfallen?

Rina Schmeller: Zunächst musste ich vom Stillstand erzählen, der durch jahrelange Wiederholung entsteht, das ist ziemlich anspruchsvoll. Ich musste möglichst klar benennen, gegen die eigene Scham anschreiben und den Reflex, zu schützen, ablegen. Es war elementar, das Tabu zu brechen und die Sprachlosigkeit im Text zu bewahren. Im Prozess habe ich mich Passage für Passage bis an die Schmerzpunkte vorgetastet und nach einer Form gesucht. Schließlich haben sich die einzelnen Teile wie ein Puzzle zusammengefügt. Selbstbestimmt zu arbeiten, war für „Co“ sehr wichtig. Was das Thema nicht brauchte, ist nicht im Text. Reduktion und Verdichtung sind die literarischen Verfahren. Dennoch habe ich bewusst nicht verschlüsselt und gehe offensiv mit meiner Erfahrung um. Gefühle sind im Text zurückgenommen, so entsteht Raum, im besten Fall, für die Gefühle der Lesenden.

TG: Sie haben in Leipzig Literarisches Schreiben studiert und waren Stipendiatin der Autor*innenwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin. Hat dies das handwerkliche Fundament gelegt?

Rina Schmeller: Das sicher auch. In erster Linie haben diese Orte mir einen fachlichen Austausch ermöglicht. Man begegnet Autor*innen mit Erfahrung und hat Lesende, die selbst schreiben. So erfährt man erste Resonanzen, bewegt sich aber in einem geschützten Rahmen. In diesem Umfeld kann man eine Haltung zum eigenen Schreiben entwickeln, sich bewusst machen, wie und warum.

TG: Bei der SuedLese lesen Sie im Speicher am Kaufhauskanal, einem Ort mit Geschichte in Harburg. Freuen Sie sich auf den Kontrast, Ihre sehr intime und bewegende Geschichte in diesem weiten, geschichtsträchtigen Raum zu präsentieren?

Rina Schmeller: Ihre Frage macht mich neugierig auf den Raum, ich freue mich sehr auf die Lesung. Vielleicht zeigt sich am 15. März, dass der Kontrast gar nicht so stark ist. Für mich gehört die Arbeit an „Co“ in die Jahre 2018-2025, das Thema ist aber zeitlos, würde ich sagen, und die Erfahrung sehr menschlich und weit verbreitet.

TG: Ihr Buch wird als Zeugnis der Selbstermächtigung und des Wiederfindens der eigenen Freiheit beschrieben. Ist es Ihnen ein Anliegen, den Leser*innen zu zeigen, dass es auch nach Jahren der Umklammerung einen mutigen Weg zurück zum eigenen Ich gibt?

Rina Schmeller: Ich habe dieses Buch geschrieben, weil es nötig war, um gesund zu werden, und um für das Thema zu sensibilisieren. „Co“ macht etwas sichtbar, das tagtäglich passiert – anhand einer individuellen Geschichte. Dahinter steht der Prozess meines Ausstiegs, einer realen Auseinandersetzung. Die Geschichte soll aber kein Beispiel sein, dem nun zu folgen wäre. So unterschiedlich die Krankheitsverläufe sind, so unterschiedlich sind auch die Auswege. Das Buch ist ein Zeugnis, das ermutigen kann und möchte. Es wird hier und da seine Wirkung tun, wo und wann und wie auch immer.

TG: Haben Sie bereits Rückmeldungen von Leser*innen erhalten, die sich in der Geschichte von „Co“ wiedererkannt haben, und wie beeinflusst dieser Austausch Ihre Sicht auf Ihr eigenes Debüt?

Rina Schmeller: Bislang gibt es keine Rückmeldungen, „Co“ erscheint ja erst, am 11. März. Ich habe aber bei Lesungen bereits schöne Resonanz erlebt, die mir viel bedeutet hat. Co-Abhängigkeit ist eine Krankheit mit ähnlichen, oft gleichen Symptomen und doch unterschiedlichen Verläufen. Die erzählte Geschichte ist dementsprechend keine Blaupause, andere erleben ganz anderes, was allerdings nicht heißt, dass nicht viele (gefühlt) das Gleiche erleben. Man müsste die Menschen fragen und ihnen zuhören, wenn sie erzählen. Es ist Aufgabe der Gesellschaft und der Menschen in ihr, eine Sensibilität zu entwickeln. 

(Das Interview für „Tiefgang“ führte Heiko Langanke)

Termin:

So., 15. Mrz., 17 Uhr: Rina Schmeller – Co | Eintritt frei / Spende erwünscht; Moderation: Simone Lechner

Speicher am Kaufhauskanal, Blohmstraße 22, 21079 Hamburg, www.speicher-am-kaufhauskanal.com

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„Es ist unser Land“ https://www.tiefgang.net/es-ist-unser-land/ Sat, 28 Feb 2026 23:01:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13325 [...]]]> Nachdem der Hamburger Süden literarisch fulminant in den März gestartet ist, zieht das Programm der 11. SuedLese in der zweiten Woche das Tempo spürbar an.

Wer glaubte, die Region hätte ihr Pulver schon verschossen, wird eines Besseren belehrt. Vom 9. bis 15. März verwandeln sich Bankfilialen, Kneipen und Speicher in Orte, an denen die großen Fragen unserer Zeit verhandelt werden – und das mit einer Energie, die ansteckend wirkt.

Der März im Hamburger Süden nimmt Fahrt auf, und wie! Wenn die 11. SuedLese in ihre zweite Woche geht, wird schnell klar: Dieses Festival ist kein braves Vorlesestündchen, sondern eine pulsierende Bestandsaufnahme unserer Gesellschaft. Vom 9. bis 15. März verwandelt sich die Region in ein Labor der Worte, in dem etablierte Stimmen und mutige Neulinge zeigen, was Literatur heute leisten kann – sie rüttelt wach, sie verbindet und sie macht verdammt viel Spaß.

Gleich zum Wochenstart am Montag (9.3., 17 Uhr) beweist die SuedLese ihren Sinn für besondere Orte. In der Neugrabener Haspa-Filiale präsentiert Stephan Funke mit (K)ein perfektes Verbrechen einen Hamburg-Krimi, der tief in die Abgründe von Medienrummel und Ermittlungsarbeit blickt. Dass ein Krimi in einer Bank stattfindet, hat eine ganz eigene Ironie, die perfekt zum unkonventionellen Geist des Festivals passt. Fast zeitgleich (17.30 Uhr) öffnet im Treffpunkt HH-Süd die Schreibwerkstatt Darf ich bitten? ihre Türen. Es ist dieser inklusive Ansatz, den ich an der SuedLese so liebe: Hier wird nicht nur konsumiert, sondern jede*r ist eingeladen, die eigene Schreibkraft zu entdecken.

Ein echtes Highlight für alle, die das Ungefilterte suchen, ist das Open Mic am Mittwoch (11.3., 19 Uhr) im Kulturwohnzimmer. Alltagspoesie und Tagebuchlesungen – das ist Literatur in ihrer intimsten Form. Es erfordert Mut, das Private öffentlich zu machen, und genau dieser Mut wird hier mit einer neugierigen und wertschätzenden Atmosphäre belohnt

Ein besonderes Augenmerk liegt in dieser Woche auf den Stimmen, die den Finger in die Wunden der Gesellschaft legen. Ein echtes Highlight erwartet uns am Donnerstag (12.3., 19.30 Uhr) in der Bücherhalle Harburg. Michel Abdollahi, der Mann für die klaren Worte und den scharfen Blick, präsentiert sein Werk Es ist unser Land. Es ist eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir in diesem Land zusammenleben wollen. Abdollahi bringt eine Präsenz mit, die den Raum sofort elektrisiert, und fordert uns heraus, unsere eigenen Positionen zu überdenken – neugierig, kritisch und absolut notwendig.

Am 12. März in der Bücherhalle Harburg: Michel Abdollahi (Foto: Max Baier & Arian Henning)

Wer es noch eine Spur kantiger mag, sollte am Freitagabend (13.3., 20 Uhr) ins Treffpunkthaus Heimfeld pilgern. Kristjan Knall gastiert dort mit seinem Buch Heldenhass. Knall steht für das, was man bei der SuedLese gern den Punk in der Literatur nennt. Es ist eine Abrechnung mit falschen Vorbildern und gesellschaftlicher Bequemlichkeit. Dass solche radikalen Texte in einer so geerdeten Szene wie in Heimfeld ihren Platz finden, beweist einmal mehr die Relevanz dieses Festivals. Es ist Literatur, die wehtut und genau deshalb so wichtig ist. Diese Energie setzt sich am gleichen Ort am Samstagabend (14.3., 20 Uhr) beim Low Budget Poetry Slam fort – ein Format, das von der Spontaneität und der Begeisterungsfähigkeit seiner Teilnehmer*innen lebt.

Doch die SuedLese wäre nicht das Kinderzimmer der Literatur, wenn sie nicht auch den ganz frischen Stimmen eine Bühne bieten würde. Der Sonntag (15.3.) gehört schließlich den Verwandlungen und Entdeckungen. Während Franziska Biermann im Elbdeich e.V. (16 Uhr) Kinder ab 8 Jahren in die skurrile Welt von Rabbit Boy entführt, dürfen wir uns um 17 Uhr im Speicher am Kaufhauskanal auf ein literarisches Ausrufezeichen freuen. Rina Schmeller stellt im Speicher am Kaufhauskanal ihren Debütroman Co vor. Dank der Unterstützung der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS liegt dieses Jahr ja ein besonderer Fokus auf diesen ersten Büchern. Schmeller erzählt mit einer beeindruckenden rhythmischen Klarheit von der schmerzhaften Befreiung aus einer Co-Abhängigkeit. Dass diese intime Geschichte in der historischen Atmosphäre des Speichers im Binnenhafen erzählt wird, verspricht einen dieser Gänsehautmomente, für die wir das Festival so lieben.

Ob beim Krimi in der Bankfiliale am Montag oder dem interaktiven Zeichenspaß für Kinder mit Franziska Biermann am Sonntag – die zweite Woche der SuedLese zeigt uns, dass Kultur kein Luxusgut ist, sondern der Stoff, aus dem unsere Gemeinschaft gewebt wird.

Die Termine im Überblick:

Mo., 09. März, 17 Uhr: Stephan Funke – (K)ein perfektes Verbrechen, Haspa Neugraben, Neugrabener Bahnhofstraße 2, 21149 Hamburg; Eintritt: 5 Euro

Mo., 09. März, 17.30 Uhr: Schreibwerkstatt: Darf ich bitten? – Für ALLE, Treffpunkt HH-Süd, Knoopstraße 1, 21073 Hamburg; Eintritt: frei

Mi., 11. März, 19 Uhr: Open Mic: Alltagspoesie & Tagebuchlesung, Kulturwohnzimmer, Resedaweg 2, 21077 Hamburg; Eintritt: frei

Do., 12. März, 19.30 Uhr: Michel Abdollahi – Es ist unser Land, Bücherhalle Harburg, Eddelbüttelstraße 47, 21073 Hamburg; Eintritt: 12 Euro

Fr., 13. März, 20 Uhr: Kristjan Knall – Heldenhass, Treffpunkthaus Heimfeld, Friedrich-Naumann-Straße 9, 21075 Hamburg; Eintritt: Spende erwünscht

Sa., 14. März, 20 Uhr: Low Budget Poetry Slam, Treffpunkthaus Heimfeld, Friedrich-Naumann-Straße 9, 21075 Hamburg; Eintritt: frei – Spende erwünscht

So., 15. März, 12 Uhr: Anke Wistinghausen – Der Zauber des Anfangs (Workshop), VHS Harburg, Carrée Altona, 21073 Hamburg; Eintritt: 26,40 Euro (Anmeldung erforderlich)

So., 15. März, 16 Uhr: awsLiteratur aktuell – Geschichten im Fluss, Alles wird schön e.V., Friedrich-Naumann-Straße 27, 21075 Hamburg; Eintritt: frei – Hutspende erwünscht

So., 15. März, 16 Uhr: Franziska Biermann – Rabbit Boy (für Kinder ab 8 Jahren), elbdeich e.V., Moorburger Elbdeich 249, 21079 Hamburg; Eintritt: frei – Spende erwünscht

So., 15. März, 17 Uhr: DEBÜT: Rina Schmeller – Co, Speicher am Kaufhauskanal, Blohmstraße 22, 21079 Hamburg; Eintritt: frei – Spende erwünscht

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Elfenbeinturm und Barrikade https://www.tiefgang.net/elfenbeinturm-und-barrikade/ Thu, 26 Feb 2026 23:16:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13419 [...]]]> Wenn Hamburg im März zum vierten Mal das Buch aufschlägt, dann gilt die große Aufmerksamkeit einem Mann, der wie kaum ein anderer das literarische Gewissen dieser Stadt verkörpert: Siegfried Lenz.

Zum 100. Geburtstag des Ehrenbürgers heißt es einen Monat lang „Hamburg liest Lenz“ – und das Programm ist so vielseitig und lebendig, wie es sich der Altmeister wohl selbst gewünscht hätte.

Kultursenator Dr. Carsten Brosda würdigt Lenz nicht nur als Geschichtenerzähler, sondern auch als jemanden, der tief in die deutsche Identität blickte. Es ist diese Mischung aus scharfem Blick und einladender Erzählweise, die uns heute noch packt. Dass dieses Festival in Kooperation mit der Siegfried Lenz Stiftung, dem Literaturhaus und den kreativen Köpfen der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) entstanden ist, zeigt, wie tief verwurzelt sein Werk in der hiesigen Kulturlandschaft ist.

Den fulminanten Auftakt feiert Hamburg am 1. März im Rolf-Liebermann-Studio. NDR Kultur lädt zur Matinee, und die Besetzungsliste liest sich wie ein Who-is-Who der deutschen Schauspielriege: Bjarne Mädel, Catrin Striebeck und Stephan Kampwirth werden dort humorvolle Texte von Lenz zum Leben erwecken. Es geht um Töne, Bilder und Musik – eine Hommage, die weit über eine klassische Lesung hinausgeht.

Doch Lenz ist im März 2026 überall. In der Rathausdiele etwa wird am 11. März die Ausstellung „Siehst du es?“ eröffnet, in der Illustrationsstudierende der HAW ihre Graphic Novel zum Leben des Autors präsentieren. Wer es noch etwas politischer mag, sollte sich den 3. März vormerken: In der Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) beleuchtet die Ausstellung „Elfenbeinturm und Barrikade“ das spannungsreiche Verhältnis zwischen Politik und Literatur, das Lenz gemeinsam mit seinem Freund Helmut Schmidt so intensiv ausfocht.

Dass Lenz’ Werk keineswegs in den Regalen verstaubt, beweisen Veranstaltungen wie „Lenz ist ein DJ“ am 20. März oder das „Flexible Schmøkern“ im Teehaus am 6. März. Auch literarische Schatzgräber*innen kommen auf ihre Kosten: Am 5. März präsentiert Burghart Klaußner bei Felix Jud Texte aus dem Nachlass unter dem wunderbaren Titel „Am Widerhaken hängt das Glück“.

Es ist diese Begeisterungsfähigkeit für das geschriebene Wort, die durch alle 35 Veranstaltungen weht – von den Stadtrundgängen bis hin zu den Filmvorführungen. Lenz fordert uns heraus, mitzudenken und mitzugestalten. In diesem März haben wir die beste Gelegenheit dazu. Das vollständige Programm ist online unter hamburgliest.de/programm/ zu finden.

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Museale Inspiration und praktisches Tun https://www.tiefgang.net/museale-inspiration-und-praktisches-tun/ Wed, 25 Feb 2026 23:30:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13371 [...]]]> Manchmal braucht die Muse keinen Kuss, sondern einfach nur den richtigen Ort und ein wenig Handwerkszeug. Wer schon einmal durch die verwunschenen Gartenanlagen der Kunststätte Bossard in Jesteburg gewandelt ist, weiß: Dieser Ort ist ein Kunstwerk an sich.

Ab diesem Jahr wird dieser Atem kanalisiert. In einer neuen, engen Kooperation bündeln das Museum Kunststätte Bossard und die Kreisvolkshochschule Landkreis Harburg (KVHS) ihre Kompetenzen, um das lebenslange Lernen in der Region künstlerisch aufzuladen.

Es ist eine klassische Win-Win-Situation. Die KVHS bringt ihre Erfahrung in der Erwachsenenbildung und ein modernes, digitales Buchungssystem mit, während die Kunststätte Bossard die wohl inspirierendste Kulisse bietet, die man sich für einen Workshop vorstellen kann. „Zusammen mit dem Museum können wir unser Bildungsangebot regional und vielfältig gestalten,“ freut sich Gabriele Dilger, Fachbereichsleiterin bei der KVHS.

Das Besondere: Die Teilnehmenden sitzen nicht in sterilen Kursräumen. Sie haben freien Zugang zum Gesamtkunstwerk des Künstlerehepaares Bossard. Ob Malerei oder die filigrane Kunst des Buchbindens – die historischen Anknüpfungspunkte sind überall zu finden. Sophie Wellner, Referentin für Bildung und Vermittlung bei Bossard, betont den Mehrwert: Die Verbindung von musealer Inspiration und praktischem Tun erreicht ganz neue Zielgruppen.

Ein schöner Nebeneffekt der Zusammenarbeit ist die soziale Komponente. Durch die Bündelung der Ressourcen können die Kurse deutlich preiswerter angeboten werden als bisher. Kunst wird damit zugänglicher, die Schwellenangst sinkt. Die Anmeldung erfolgt unkompliziert über die Website der KVHS – ein Klick, und der Weg zum eigenen kreativen Projekt ist frei.

Ob für Anfänger*innen, die zum ersten Mal den Pinsel schwingen, oder Fortgeschrittene, die ihre Technik im Schatten expressionistischer Architektur verfeinern wollen: Die Kooperation macht deutlich, dass Bildung und Kultur in Harburg keine getrennten Silos sind, sondern ein lebendiger Organismus.

Wer selbst kreativ werden möchte, findet alle Termine und Details auf den Portalen der Partner. Es ist Zeit, die eigenen Talente aus dem Winterschlaf zu wecken.

Service-Informationen: Die Anmeldung für die Kreativ-Workshops ist ab sofort möglich. Detaillierte Kursbeschreibungen und Termine finden Interessierte auf den Websites www.bossard.de und www.kvhs-harburg.de.

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