Ausschreibungen https://www.tiefgang.net Fri, 28 Aug 2026 11:57:30 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Frisches Geld für Visionen! https://www.tiefgang.net/frisches-geld-fuer-visionen/ https://www.tiefgang.net/frisches-geld-fuer-visionen/#respond Sun, 30 Aug 2026 22:43:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14468 [...]]]> Die Behörde für Kultur und Medien hat die Förderentscheidungen für den Elbkulturfonds 2027 bekanntgegeben. Insgesamt 500.000 Euro fließen in sechs herausragende Vorhaben der Freien Szene, die zeigen, wie lebendig, wandlungsfähig und mutig die Kunst in unserer Stadt pulsiert.

Der Elbkulturfonds wurde 2013 ins Leben gerufen, um freischaffenden Künstler*innen den nötigen Rückenwind für großformatige, spartenübergreifende Ideen zu geben.

Die Auswahl der Jury ist stark, gesellschaftlich am Puls der Zeit und voller energetischer Klang- und Erlebensräume:

  • „Unity in Diversity: A Pan-African Dialogue Across Time“ (M.Bassy e. V.): Mit 110.000 Euro gefördert. Ein gewaltiges Musiktheaterprojekt, das historische Reden panafrikanischer Vordenker*innen durch internationale Acts wie Dead Prez, Sammus und Somi in einen vibrierenden Dialog aus Konzert, Performance und Installation übersetzt.
  • „Educate The Scene“ (Gifty Lartey): Erhält 105.000 Euro. Ein achtmonatiges, barrierefreies Tanz- und Bildungsprogramm in der Villa Viva, das die politischen Wurzeln Schwarzer Tanzkulturen wie House, Voguing, Afrofusion und Dancehall feiert.
  • „Ecotron“ (Claudius Schulze): Erhält 90.000 Euro. Eine Hafenschute wird zum begehbaren, computergesteuerten Gewächshaus, das Starkregen und Hitzewellen simuliert – ein drängendes, kühnes Experiment an der Schnittstelle von Natur und Stadt.
  • „Der Hamburger Friedensgipfel – eine performative Friedensforschung“ (Fundus Theater): Gefördert mit 79.850 Euro. Kinder erarbeiten gemeinsam mit Wissenschaftler*innen ihre Visionen von Frieden und tragen diese in einer bunten Kinderfriedensparade durch Hamburg.
  • „Blumen für Otello“ (Ensemble Resonanz): Erhält 65.000 Euro. Auf Kampnagel verschmelzen traditionelle türkische Trauerlieder (Ağıt) mit zeitgenössischer Musik zu einem tief berührenden Konzertprojekt im Gedenken an das NSU-Opfer Süleyman Taşköprü.
  • „A WORLD OF VAST EMPTY SPACES“ (Daniel Dominguez Teruel): Mit 50.150 Euro gefördert. Eine klangstarke Performance-Installation im Kuppelsaal der Hamburger Kunsthalle, die das Publikum in eine vielstimmige Reflexion über Rituale und kollektive Identität einhüllt.

Ein Blick auf die Landkarte der Hamburger Kulturförderung regt jedoch auch zum Nachdenken an: Wer die Historie des Fonds durchgeht, entdeckt schnell, dass aus dem Bezirk Harburg es bisher erst ein einziges Projekt in die Elbkulturfonds-Förderung schaffte – 2015 ein avantgardistisches Kammermusikprojekt im Speicher am Kaufhauskanal. Das liegt aber offenbar weniger an den Jury-Entscheidungen als vielmehr an den Bewerbungen, die aus dem Süden gar nicht erst eingereicht werden. Kann Harburg Elbkultur nicht?

Dabei zeigt der Jahrgang 2027 eindrucksvoll, welch transformative Kraft im Zusammenspiel aus Musik, Performance und gesellschaftlichem Diskurs steckt. Es bleibt spannend zu beobachten, wie diese sechs neuen Welten Hamburg verändern werden – und wie künftig noch mehr Impulse aus allen Ecken der Stadt ihren Weg in diese große Bühne finden können.


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Freiraum für die Kunst https://www.tiefgang.net/freiraum-fuer-die-kunst/ https://www.tiefgang.net/freiraum-fuer-die-kunst/#respond Thu, 13 Aug 2026 09:36:43 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14389 [...]]]> Mit Arbeitsstipendien für die bildende Kunst schafft die Hansestadt Hamburg einen geschützten Raum für Experimente, Konzentration und Weiterentwicklung. Nun ist der Startschuss für die Ausschreibung Jahrgang 2027 gefallen.

In einer Stadt, die so sehr von ihrer kulturellen Vielfalt lebt wie Hamburg, ist die Unterstützung künstlerischer Visionen kein bloßer Luxus, sondern ein essenzieller Baustein für die Zukunftsfähigkeit der Szene. Seit nunmehr 45 Jahren verfolgt die Behörde für Kultur und Medien eine ebenso beharrliche wie erfolgreiche Strategie:

Was 1981 als Pilotprojekt begann, hat sich längst als eines der nachhaltigsten Förderinstrumente der Stadt etabliert und ist bundesweit zum Vorbild für ähnliche Programme geworden. Über 400 Künstler*innen konnten in den vergangenen viereinhalb Jahrzehnten von dieser Unterstützung profitieren, die weit über eine finanzielle Zuwendung hinausgeht.

Senator Dr. Carsten Brosda betont die Bedeutung dieser Förderung: „Die Arbeitsstipendien schaffen Freiraum, sich intensiv auf die kreative Arbeit zu konzentrieren und bieten zugleich wertvolle Möglichkeiten des Austausches und der Vernetzung untereinander. Damit tragen sie wesentlich dazu bei, die Hamburger Kunstszene lebendig, vielfältig und innovativ zu halten.“

Das Stipendium ist für die Dauer eines Jahres angelegt und mit monatlich 1.500 Euro dotiert. Diese finanzielle Basis ermöglicht es den ausgewählten Künstler*innen, den Druck des Alltagsgeschäfts zu mindern und sich voll und ganz neuen Projekten oder der konzeptionellen Weiterentwicklung ihres Werkes zu widmen. Doch der Fokus liegt nicht allein auf der Atelierarbeit: Ein wesentlicher Bestandteil des Förderprogramms ist die abschließende Gruppenausstellung im Kunsthaus Hamburg. Dieser öffentliche Auftritt, begleitet von einer fachkundigen Publikation, bietet den Stipendiat*innen eine wertvolle Plattform, um ihre Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit und der Fachwelt zu präsentieren.

Bewerbungsphase läuft

Gesucht werden herausragende, eigenständige künstlerische Positionen. Teilnahmeberechtigt sind bildende Künstler*innen mit Hauptwohnsitz in Hamburg und einer abgeschlossenen Ausbildung. Eine unabhängige Fachjury wird im November die Auswahl treffen, die Entscheidung erfolgt voraussichtlich Anfang Januar 2027. Wer die Chance nutzen möchte, Teil dieses langjährigen Erfolgsmodells zu werden, sollte sich beeilen: Bewerbungsschluss ist der 24. September 2026.

Die Ausschreibung für die Arbeitsstipendien für bildende Kunst 2027 erfolgt in Hamburg, Bewerbungen sind bis zum 24. September 2026 online über das Serviceportal der Stadt Hamburg möglich, die Stipendien sind mit monatlich 1.500 Euro dotiert, Website: serviceportal.hamburg.de


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Die literarische Herzkammer der Stadt https://www.tiefgang.net/die-literarische-herzkammer-der-stadt/ https://www.tiefgang.net/die-literarische-herzkammer-der-stadt/#respond Tue, 04 Aug 2026 09:16:29 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14346 [...]]]> Wenn die Kulturbehörde die Shortlist des Buchhandlungspreises verkündet, blickt man auch dorthin, wo das gedruckte Wort gegen die Vereinzelung kämpft. Ein Nachruf, eine Verbeugung und ein Blick aus dem Süden.

Es gibt Orte in einer Metropole, die sich dem hastenden Takt des Alltags entziehen. Sie duften noch nach Druckerschwärze, altem Papier und einer ganz besonderen Sorte Geduld. Wenn die Stadt Hamburg stets im Sommer die Shortlist für ihren Buchhandlungspreis bekannt gibt, ist das weit mehr als eine administrative Notiz aus dem Haus an den Hohe Bleichen. Es ist ein Befund über den Zustand unserer urbanen Kultur: Wer liest wo, wer hält die Stellung, während um die Ecken herum die Kettenläden und digitalen Algorithmen das Feld übernehmen?

Besonders für uns hier im Hamburger Süden schlägt dieses literarische Herz in einem ganz eigenen Takt. Es ist kein Zufall, dass die Wilhelmsburger Buchhandlung Lüdemann – im Vorjahr selbst preisgekrönt – diesmal als Teil der unabhängigen Jury mit am Tisch saß und mit wahrem Blick über die Elbe wog, welche Orte das geistige Gewebe dieser Stadt zusammenhalten. Und wenn man den Blick weiter nach Süden richtet, hin zum südwestlichen Neugraben, füllt sich diese Shortlist mit tiefem Leben: Der Buchladen von Bettina Meyer ist nominiert. Ein Ort, an dem Literatur nicht verkauft, sondern gelebt wird – getragen von einer Inhaberin, deren Schmerz über den erst kürzlich verstorbenen Ehemann noch schwer auf dem Laden lastet, und die dennoch den Mut hat, diesen Raum der Kultur offenzuhalten.

Sieben inhabergeführte Buchhandlungen stehen in diesem Jahr auf der engsten Auswahlliste, sie spannen den Bogen von der Neustadt bis in die Außenbezirke. Kultursenator Brosda betont wohl auch mit Seitenhieb auf den Bundeskulturbeauftragten Weimer: „Das Engagement für eine vielfältige Literaturlandschaft und einen freien und offenen Diskurs verdient besondere Anerkennung.“

Die nominierten Buchhandlungen:

Buchhandlung Blattgold (Neustadt)

Buchhandlung Lutz Heimhalt (Fuhlsbüttel)

Bücherfuchs (Wedel)

Bücherstube Stolterfoht (Eimsbüttel)

Der Buchladen Bettina Meyer (Neugraben)

Frau Büchert (Eimsbüttel)

Buchhandlung im Schanzenviertel (Schanzenviertel)

Und Literatur kennt neben der Feier des Augenblicks immer auch die Melancholie des Abschieds. Kaum war die Nominierungsliste fixiert, erreichte die Literaturszene zudem die Nachricht vom Tod Frank Bartlings, der die Bücherstube Stolterfoht in Eimsbüttel seit 1997 mit Leib und Seele prägte. Sein Name auf der Liste ist nun ebenso eine schmerzliche Zäsur und eine späte, tief empfundene Verbeugung vor einem Lebenswerk. Ein Buchhändler dieses Schlags ist ein Seelsorger des Geistes.

Wenn am 5. September beim Ausklang der Langen Nacht der Literatur im Literaturhaus die drei Siegerinnen und Sieger gekürt werden, wird dieser Schatten spürbar sein. Und dennoch liegt in der Shortlist ein tröstliches Versprechen. Ob in Neugraben, in Wilhelmsburg oder in den anderen nominierten Refugien: Hier wird der öffentliche Raum verteidigt als ein Ort der Begegnung, der Kontemplation und des freien Wortes. Hamburg zeigt sich einmal mehr als eine Stadt, die weiß, dass das Buch der wertvollste Kompass für unsere gemeinsame Zukunft ist.


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Geld für kleine Konzerte https://www.tiefgang.net/geld-fuer-kleine-konzerte/ https://www.tiefgang.net/geld-fuer-kleine-konzerte/#respond Thu, 30 Jul 2026 10:16:42 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14323 [...]]]> Wenn in den kleinsten Clubs der Stadt die Lichter ausgehen, wird die Musikstadt Hamburg plötzlich ganz leise. Gerade jene intimen Bühnen, die neuen Talenten eine erste Heimat geben, kämpfen aktuell ums Überleben. Gut, dass es support gibt.

Denn es gibt es einen dringend benötigten Rettungsanker: Die Clubstiftung Hamburg zieht eine positive Bilanz der zweiten Förderrunde ihres Programms „Minibooster“ und schüttete insgesamt 78.000 Euro an 26 Hamburger Kleinstclubs aus. Dank der großzügigen Unterstützung der Hamburger Stiftung elementarteilchen konnte die Fördersumme pro Spielstätte von zuvor 2.000 auf nun 3.000 Euro erhöht werden, um auf die anhaltend angespannte wirtschaftliche Situation adäquat zu reagieren.

In Zeiten massiv gestiegener Kosten für Veranstaltungstechnik, GEMA-Gebühren und die Künstlersozialkasse stehen viele Betreiber*innen mit dem Rücken zur Wand. Das trifft letztlich auch den Hamburger Süden mit seinen kleinen aber so wichtigen Kulturorten im Quartier, wie etwa das Turtur, die Deichdiele oder die Fischhalle Harburg. Hier entstehen jene unverwechselbaren Begegnungen zwischen Publikum und Nachwuchskünstler*innen, die für unsere lokale Identität unersetzlich sind.

Wie Vorstand Heiko Langanke betont, darf in wirtschaftlich extrem herausfordernden Zeiten nicht zugelassen werden, dass elementare Auftrittsmöglichkeiten für den musikalischen Nachwuchs wegbrechen. Der „Minibooster“ setzt hier genau am richtigen Punkt an, um den Live-Betrieb pragmatisch abzusichern. Wer diese unverzichtbare Arbeit unterstützen und das Überleben der kleinsten Bühnen sichern möchte, kann sich mit einer Spende unter dem Verwendungszweck „Minibooster“ direkt an der Aktion der Clubstiftung beteiligen.

Weitere Informationen unter Clubstiftung.de


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Sicherung künstlerischer Freiheiten https://www.tiefgang.net/sicherung-kuenstlerischer-freiheiten/ https://www.tiefgang.net/sicherung-kuenstlerischer-freiheiten/#respond Mon, 20 Jul 2026 13:24:13 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14207 [...]]]> Wenn der schnelle Rhythmus des globalen Kunstmarkts nach einer ständigen Taktung von Messen, Biennalen und digitaler Sichtbarkeit verlangt, droht kreatives Schaffen allzu leicht zur bloßen Ware zu verkommen, bevor es überhaupt reifen konnte. Umso wichtiger sind jene geschützten Anker im Gefüge der Hansestadt, die genau diesen Verwertungsdruck aushebeln.

Die Kunststipendien der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die in fortwährender Kooperation mit der Behörde für Kultur und Medien Hamburg vergeben werden, bilden einen solchen dringend benötigten Freiraum. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche und Unsicherheiten ist es essenziell, Räume für künstlerische Reflexion und kreative Freiheit zu schaffen, wie auch Jana Schiedek, Staatsrätin für Kultur und Medien, betont. Es geht darum, den Kunstschaffenden durch Zeit, Mittel und Vertrauen die Handlungsfähigkeit zu sichern, damit neue Arbeiten jenseits kurzfristiger Zwänge entstehen können, ergänzt Christine Neuhaus von der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS.

Dass dieses Vertrauen auf ein hochkarätiges Fundament trifft, beweist die Auswahl des Jahrgangs 2026. Eine unabhängige Fachjury, bestehend aus Mela Dávila Freire, Janneke de Vries, Stefanie Jaschke-Lohse, Lene Markusen und Christoph Platz-Gallus, sichtete über 100 Bewerbungen und wählte ein aus sieben Positionen bestehendes Septett aus, dessen Arbeiten durch eine tiefe Reflexion politischer und gesellschaftlicher Realitäten bestechen. Zu den ausgezeichneten Stimmen gehört etwa Simone Karl, deren raumgreifende Skulpturen und feingespinnte Collagen Fragen von Körperlichkeit und Intimität verhandeln – Arbeiten, die Interessierte im Hamburger Raum teils sogar über die Kunstleihe Harburg entdecken und entleihen können. Ebenfalls vertreten ist Barbara Lüdde, die in ihren bildnerischen Welten tief in subkulturellen Kontexten verwurzelt ist und gesellschaftliche Rollenbilder seziert. Das Stipendium teilen sie sich mit Noémi Barbaglia, deren filigrane Objektserien aus Glasfaser und Epoxidharz zwischen Präsenz und visueller Auflösung oszillieren, sowie mit Mitko Mitkov, der in seiner visuellen Kraft die Bruchstellen von Biografie und Migration befragt. Komplettiert wird das Septett durch Franziska Nast, die mit konzeptuellen und partizipativen Anordnungen die bürokratischen Mechanismen des Kunstsystems unterwandert, Cristina Rüesch (Young Valley Soil) mit ihren ökologisch-geologischen Verknüpfungen von Mensch und Mitwelt sowie Krystsina Savutsina, die mit einem unerbittlichen und intimen Blick gesellschaftspolitische Machtstrukturen in filmischen Arbeiten festhält.

Mit jeweils 10.000 Euro dotiert, entziehen sich diese Mittel der direkten Marktorientierung und geben den Künstler*innen die nötige Luft zum Atmen. Wer diesen Positionen nacheifern möchte, muss den Blick bereits auf das kommende Jahr richten, denn die Bewerbungsphase für die Kunststipendien 2027 hat begonnen und läuft noch bis zum 9. September 2026. Für professionell arbeitende Bildende Künstler*innen und Kollektive aus Hamburg öffnet sich damit über die Bewerbungswebseite der Stadt Hamburg erneut das Tor zu jener Autonomie, die das Fundament einer lebendigen Kulturstadt bildet.


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Mosaike der Perspektiven https://www.tiefgang.net/mosaike-der-perspektiven/ https://www.tiefgang.net/mosaike-der-perspektiven/#respond Tue, 14 Jul 2026 15:25:52 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14172 [...]]]> Wenn Hamburgs Kulturszene auf internationale Impulse trifft, entsteht weit mehr als nur ein künstlerischer Dialog. Mit dem Start des Stipendiat*innen-Jahrgangs 2026/2027 des Programms INTRO beweist die Hansestadt einmal mehr, wie gesellschaftliche Transformation und künstlerischer Widerstand durch geflüchtete Künstler*innen neue Formen finden. Auch Harburg ist dabei.

Das Programm, das seit 2019 erfolgreich internationale Talente fördert, die in ihren Herkunftsländern nicht mehr arbeiten können, geht nun in eine neue, besonders vielfältige Runde. Die Bedeutung dieses Austausches betonte auch Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, anlässlich des Starts: „Das INTRO-Programm ist ein wichtiges Signal für die Freiheit der Kunst und den Respekt vor der künstlerischen Arbeit. Es ermöglicht uns, von den Erfahrungen und Perspektiven der Stipendiatinnen und Stipendiaten zu lernen und unsere Stadt als einen Ort zu begreifen, der durch Vielfalt und Austausch stetig wächst.“

Die diesjährigen Tandems – bestehend aus den internationalen Künstler*innen und Hamburger Gastgebern – setzen kraftvolle Akzente. So arbeitet etwa Laila Mahmudi aus Afghanistan beim Harburger Verein „Alles wird schön“ in Heimfeld. Ihr Vorhaben ist ein berührendes Plädoyer für den nonverbalen Ausdruck: Sie nutzt Kunst als Form des Widerstands, der Heilung und sozialen Verbundenheit, um die persönlichen Geschichten afghanischer Frauen im Exil sichtbar zu machen. Der Abschluss ihrer Residenz wird eine Tanzperformance sein, die diese unsichtbaren Geschichten in den öffentlichen Raum trägt.

Neben der Zusammenarbeit in Heimfeld beleben weitere Tandems die Hamburger Quartiere:

  • Honigfabrik e. V. beherbergt den Syrer Khaldoun Shadoud, der in seinem Projekt „Pieces of Peace“ die sinnliche und kollektive Erfahrbarkeit von Frieden jenseits politischer Theorien erforscht.
  • Mut Theater / Interkulturell e. V. arbeitet mit Havin Funda Saç (Türkei/Kurdistan) zusammen, deren experimentelles Theater die Grenzen zwischen Deutsch, Türkisch und Kurdisch auflöst, um universelle menschliche Erfahrungen spürbar zu machen.
  • Verein Gängeviertel e. V. unterstützt Arsenii Kibenko aus Russland bei seinem „Memory-Mapping Lab“, in dem er persönliche Landkarten aus Erinnerungen und Erlebnissen erschafft.

Dass der Verein „Alles wird schön“ in Heimfeld in diesem Jahr als Gastgeber fungiert, ist ein Gewinn für den Bezirk Harburg. Der Verein, der sich durch sein Engagement für „ungewollte“ oder abseits akademischer Pfade agierende Künstler*innen einen Namen gemacht hat, bietet einen idealen Boden für Mahmudi. Hier, wo Kunst als gesellschaftlicher Kitt verstanden wird, wird der Stipendiat*innen-Aufenthalt zu einem lebendigen Gemeinschaftsprojekt.

Der Jahrgang 2026/2027 ist ein starkes Zeichen für ein Hamburg, das seine kulturelle Identität ständig durch den Dialog mit der Welt erweitert. Es sind diese Begegnungen in Stadtteilzentren wie in Heimfeld, die zeigen, dass Kultur nicht nur in zentralen Häusern stattfindet, sondern dort, wo sie den Menschen unmittelbar begegnet.


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Stimmen der Gegenwart https://www.tiefgang.net/stimmen-der-gegenwart/ Sat, 25 Apr 2026 22:39:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13690 [...]]]> Wenn in Buxtehude jährlich die Shortlist für den Buxtehuder Bullen präsentiert wird, ist es immer auch ein lokales Bekenntnis zur Leseförderung und zum Dialog zwischen den Generationen. Am 23. April wurde nun die Liste für den 55. Bullen offiziell vorgestellt.

Aus rund 80 Titeln hat die Jury fünf Favoriten ausgewählt, die nun um die renommierte Stahltrophäe und das Preisgeld von 5.000 Euro konkurrieren.

Das Herzstück dieses Jugendliteraturpreises ist seit seiner Gründung durch Winfried Ziemann im Jahr 1971 die absolute Augenhöhe. Elf Jugendliche und elf Erwachsene bilden eine paritätische Jury. Diese Struktur sorgt dafür, dass die Auswahl nicht über die Köpfe der Zielgruppe hinweg getroffen wird, sondern mitten aus ihrer Lebensrealität heraus entsteht. Dass der Preis heute durch die Stadtbibliothek und Förderer wie die Else und Heinrich Klindworth-Stiftung getragen wird, unterstreicht die tiefe Verwurzelung in der Stadtgesellschaft.

Die diesjährige Shortlist ist ein Spiegelbild globaler und persönlicher Krisen, verpackt in mitreißende Narrative. Jedes der fünf Bücher fordert seine Leser*innen heraus, die Perspektive zu wechseln.

Basma Hallak greift in Please Unfollow (Arctis, 416 Seiten, 19 Euro) das Thema Sharenting auf. Die Geschichte der 17-jährigen Sherry, deren Leben ungefragt auf Social Media vermarktet wurde, ist ein hochaktuelles Plädoyer für das Recht auf die eigene Identität in einer digitalisierten Welt.

Mit Hilde Myklebusts Auch am Tag leuchten die Sterne (CARLSEN, 256 Seiten, 15 Euro; übersetzt von Meike Blatzheim) weht ein norwegischer Wind durch die Auswahl. Die Erzählung über Mia, die zwischen Musical-Träumen und einer schweren Krankheitsdiagnose im Freundeskreis ihren Weg finden muss, besticht durch eine feine Balance zwischen Melancholie und Hoffnung.

Nina Scheweling führt uns mit Academy of Lies – Anatomie einer Verschwörung (LOEWE, 400 Seiten, 16,95 Euro) in die Welt der Elite-Internate. Hier verbindet sich das Thema Organtransplantation mit einem packenden Thriller-Plot, der die moralischen Grenzen wissenschaftlichen Ehrgeizes auslotet.

Einen harten Blick in die Geschichte wirft Moritz Seibert in seinem Debüt Das letzte Aufgebot (Karibu, 320 Seiten, 16,99 Euro). Er erzählt vom Schicksal eines 15-Jährigen in der Hitler-Jugend am Ende des Zweiten Weltkriegs – eine mahnende Erinnerung daran, wie zerbrechlich Frieden und Unschuld sind.

Schließlich lenkt Tara Sullivan mit The Bitter Side of Sweet (Peter Hammer Verlag, 320 Seiten, 14 Euro; übersetzt von Sandra Knuffinke und Jessica Komina) den Fokus auf die moderne Sklaverei auf Kakaoplantagen. Es ist eine Geschichte über Mut und Widerstand, die uns schmerzhaft bewusst macht, welchen Preis unser täglicher Konsum anderswo fordert.

„Es sind (Jugend-) Romane, die bewegen und Denkanstöße geben. Toll, wenn Bücher oder Geschichten das schaffen. Mit der Shortlist laden wir Jung und Alt dazu ein, mit den Protagonist*innen mitzudenken und mitzufühlen und vielleicht dabei auch die eigene Perspektive zu reflektieren“, so Melanie Hainke, Verantwortliche des Bullen-Projektteams. Für die Buxtehuder*innen und ihre Gäste wird die Literatur so in den kommenden Wochen im gesamten Stadtbild präsent sein. Von Mai bis Juli laden verschiedene Leseplätze in der Altstadt dazu ein, in die nominierten Werke hineinzuschnuppern. Ob in der Altstadtbuchhandlung, im Galerie Café Baham oder direkt am BULLEvard – die Stadt wird zur Leselounge.

Den krönenden Abschluss bildet der Preisentscheid am Dienstag, den 23. Juni 2026, um 19 Uhr im Stieglitzhaus. Dort wird sich zeigen, welches Werk die Jury am stärksten überzeugt hat. Ein Tag im 55. Jahr, in dem Buxtehude einmal mehr beweist, dass gute Geschichten keine Altersgrenzen kennen, sondern Menschen verbinden können. Wer neugierig auf die Stimmen von morgen ist, sollte sich diesen Termin rot im Kalender markieren.

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Was soll ich tun? https://www.tiefgang.net/was-soll-ich-tun/ Thu, 23 Apr 2026 22:01:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13658 [...]]]> Wenn der Kleine Saal der Elbphilharmonie am 8. Juni zum Schauplatz des intellektuellen Kräftemessens wird, blickt die literarische Welt auf Hamburg. Der Deutsche Sachbuchpreis 2026 hat seine Nominierten verkündet, und die Liste liest sich wie ein Kompass für eine Welt, die sich zwischen Algorithmen und alten Geistern neu sortieren muss.

Aus 239 eingereichten Titeln hat die Jury acht Werke herausgefiltert, die weit mehr sind als reine Wissensvermittlung. Sie sind Antworten auf die drängende kantische Frage: Was soll ich tun?

Dass der Fokus in diesem Jahr so stark auf der sprachlichen Gestaltung liegt, ist kein Zufall. In einer Ära, in der künstliche Textfluten das Netz überschwemmen, wird die menschliche Durchdringung der Gegenwart zum eigentlichen Qualitätsmerkmal. Jurysprecher Pascal Mathéus, der in seiner Buchhandlung Wassermann in Blankenese täglich den Puls der Leserschaft fühlt, betont genau diesen Wert an sich: Eine verständliche, klare Sprache, die uns Orientierung ermöglicht.

Dabei wird es am Abend der Preisverleihung um weit mehr als nur um Ehre und Prestige gehen. Der Deutsche Sachbuchpreis ist mit insgesamt 42.500 Euro dotiert, was seine Bedeutung als eine der wichtigsten Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum unterstreicht. Die Spannung wird bis zum Schluss gehalten: Erst während der feierlichen Zeremonie in der Hamburger Elbphilharmonie wird das Geheimnis gelüftet, wer den Titel Sachbuch des Jahres mit nach Hause nehmen darf. Der/die Preisträger*in erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro. Doch auch die sieben weiteren Nominierten der Shortlist gehen nicht leer aus – ihre herausragende Arbeit wird mit jeweils 2.500 Euro gewürdigt. Diese finanzielle Anerkennung ist ein klares Signal für die Relevanz tiefgründiger Recherche und kluger Analyse in unserer Gesellschaft.

Die Nominierten

Werfen wir nun einen detaillierten Blick auf die acht Werke, die in diesem Jahr das Rennen um den begehrten Preis machen. Denn jedes dieser Bücher öffnet eine eigene Tür zu den brennenden Fragen unserer Zeit.

Den Anfang macht Heike Behrend mit einer faszinierenden Spurensuche. In Gespräche mit einem Toten taucht sie tief ein in das exzentrische Leben von Gustaf Nagel, dem Propheten vom Arendsee. Nagel war ein Lebensreformer, der barfuß und im Büßerhemd gegen die Konventionen seiner Zeit anrannte und schließlich für geisteskrank erklärt wurde. Behrend verwebt dieses Schicksal meisterhaft mit ihrer eigenen Familiengeschichte und ethnographischen Erkenntnissen. Es ist ein Buch über den schmalen Grat zwischen religiösem Eifer und gesellschaftlicher Ausgrenzung, das uns fragt, wie viel Abweichung eine Gemeinschaft aushält.

Heike Behrend – Gespräche mit einem Toten. Gustaf Nagel, Prophet vom Arendsee, Matthes & Seitz Berlin

Ganz anders nähert sich Florence Gaub der Weltpolitik. Ihr Buch Szenario ist kein klassisches Sachbuch, sondern ein interaktives Experiment im Stil eines Choose-your-own-adventure-Romans. Sie versetzt die Leser*innen in die zweite Reihe der Macht – als Berater*innen, die ohne eigene Truppen, aber mit Daten und Intuition über Krieg oder Frieden entscheiden müssen. Es ist ein rasanter Ritt durch außenpolitische Sackgassen und Handlungskorridore, der zeigt, dass die Zukunft kein Schicksal ist, sondern das Ergebnis von Entscheidungen, die wir heute treffen.

Florence Gaub – Szenario. Die Zukunft steht auf dem Spiel, dtv

Tilmann Lahme wiederum wagt sich an ein Denkmal der Weltliteratur: Thomas Mann. Doch statt staubiger Philologie liefert er eine Biografie, die sich wie ein psychologischer Thriller liest. Lahme konzentriert sich auf die prekäre Psyche und das allzumenschliche Innenleben des Autors, jenseits der repräsentativen Fassade. Er fördert Materialien zutage, die bisherige Biografien oft übersahen oder die von Herausgeber*innen diskret zensiert wurden. Das Ergebnis ist das Porträt eines Mannes voller Widersprüche und Sehnsüchte, der uns heute näher ist, als wir dachten.

Tilmann Lahme – Thomas Mann. Ein Leben, dtv

In Dreihundert Männer nimmt uns Konstantin Richter mit in die Hinterzimmer der Macht. Inspiriert von Walther Rathenaus berühmtem Diktum über die 300 Männer, die die Wirtschaft des Kontinents lenken, zeichnet Richter die Geschichte der Deutschland AG nach. Von den Industriekapitänen der Kaiserzeit bis zu den heutigen Global Playern entfaltet er ein Panorama aus Bankiers, Lobbyisten und Managern. Es ist eine glänzend erzählte Chronik des deutschen Kapitalismus, die zeigt, wie engmaschig die Netze gestrickt sind, in denen unsere ökonomische Zukunft verhandelt wird.

Konstantin Richter – Dreihundert Männer. Aufstieg und Fall der Deutschland AG, Suhrkamp

Irina Scherbakowa führt uns in ihrem sehr persönlichen Werk Der Schlüssel würde noch passen zurück in ein Moskau, das zwischen Aufbruchshoffnung und dem Abgleiten in die Diktatur schwankt. Als Mitbegründerin der Menschenrechtsorganisation Memorial blickt sie auf Jahrzehnte des Widerstands und der Erinnerungsarbeit zurück. Ihre Aufzeichnungen sind geprägt von einer berührenden Verletzlichkeit und der schmerzhaften Frage, warum der Versuch einer demokratischen Transformation Russlands scheitern musste. Ein Buch, das gerade in Hamburg, einer Stadt mit einer langen Tradition als Zufluchtsort, auf offene Ohren stoßen wird.

Irina Scherbakowa – Der Schlüssel würde noch passen. Moskauer Erinnerungen, Droemer

Die großen ethischen Fragen unserer Zeit verhandelt Bettina Schöne-Seifert in Leben, Körper, Tod. Anhand von zwölf aktuellen Kontroversen der Medizinethik – von der Fortpflanzungsmedizin bis zur Sterbehilfe – führt sie uns an die Grenzen unserer Autonomie. Schöne-Seifert schreibt analytisch scharf und doch tief empathisch über den Körper als Ort des Seins und der Verletzlichkeit. Sie zeigt auf, wie medizinischer Fortschritt uns ständig vor neue moralische Zerreißproben stellt, bei denen einfache Antworten oft zu kurz greifen.

Bettina Schöne-Seifert – Leben, Körper, Tod. Zwölf aktuelle Kontroversen der Medizinethik, Wallstein

Roberto Simanowski widmet sich in Sprachmaschinen der wohl drängendsten technologischen Revolution: der künstlichen Intelligenz. Er analysiert, was es für unsere Kommunikation und unser Selbstverständnis bedeutet, wenn wir Kompetenzen an Algorithmen delegieren. Simanowski fragt nach den Werten, die in diese Maschinen einfließen, und warnt vor einem schleichenden Souveränitätstransfer. Sein explorativer Denkansatz lädt dazu ein, den Hype beiseite zu lassen und stattdessen die philosophischen Tiefenschichten der Digitalisierung zu erkunden.

Roberto Simanowski – Sprachmaschinen. Eine Philosophie der künstlichen Intelligenz, C.H.Beck

Den Abschluss bildet Ronen Steinke mit einer Untersuchung zur Meinungsfreiheit. Er legt den Finger in die Wunde und zeigt auf, wie Polizei und Justiz in Deutschland das Grundrecht auf freie Rede zunehmend einschränken. Steinke plädiert leidenschaftlich für einen offenen Meinungskorridor und warnt davor, unbequeme Kritik durch juristische Hürden im Keim zu ersticken. Sein Buch ist ein Plädoyer für eine lebendige Streitkultur, die gerade in einer polarisierten Gesellschaft wichtiger ist denn je, um die Demokratie wehrhaft zu halten.

Ronen Steinke – Meinungsfreiheit. Wie Polizei und Justiz unser Grundrecht einschränken – und wie wir es verteidigen, Berlin Verlag

Bevor im Juni die endgültige Entscheidung fällt, ziehen die nominierten Autor*innen noch durch die gesamte Republik. Von Berlin über Frankfurt bis nach München – Hamburg leider nicht – öffnen Buchhandlungen und Kulturzentren ihre Türen für die traditionelle Shortlist-Reise. Es ist die wertvolle Chance für Leser*innen, die Köpfe hinter den Thesen live zu erleben und die Argumente auf Herz und Nieren zu prüfen. Diese Veranstaltungen machen deutlich, dass Sachbücher keine trockene Materie sind, sondern lebendiger Zündstoff für Gespräche am Abendbrottisch oder im Büro. Wer wissen will, wann die Nominierten in der eigenen Nähe Station machen, findet auf der offiziellen Webseite des Preises alle Termine im Überblick: www.deutscher-sachbuchpreis.de

Am Ende ist dieser Preis weit mehr als eine feierliche Gala mit Blick auf die Elbe. Er ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Tiefe. In einer Zeit, in der Informationen oft nur noch in Sekundenbruchteilen konsumiert werden, feiern diese acht Werke die geistige Ausdauer. Sie beweisen, dass wir Menschen mit unserer Neugier und unserer spezifisch menschlichen Sprache Welten erklären können, an denen Algorithmen noch scheitern.

Mein persönliches Resümee: Die Liste 2026 ist ein starkes Signal gegen die Vereinfachung. Sie mutet uns Komplexität zu und belohnt uns dafür mit Erkenntnis. Wenn also im Juni in der Elbphilharmonie das Geheimnis gelüftet wird, wer die Nachfolge der bisherigen Preisträger*innen antritt, gewinnt vor allem die intellektuelle Freiheit. Hamburg wird an diesem Abend zum einem Zentrum einer klugen, streitbaren und vor allem lebendigen Debattenkultur werden. Ein echter Preis für das Wort – und ein hervorragender Grund, sich jetzt schon durch die Shortlist zu lesen und die eigenen Favorit*innen zu entdecken.

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Kontinuität und Aufbruch https://www.tiefgang.net/kontinuitaet-und-aufbruch/ Sat, 10 Jan 2026 23:17:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13095 [...]]]> Das Arbeitsstipendium für bildende Kunst der Freien und Hansestadt Hamburg gilt seit seiner Einführung im Jahr 1981 als eines der beständigsten Instrumente der lokalen Kulturpolitik.

Mit der Bekanntgabe der zehn Stipendiat*innen für das Jahr 2026 setzt die Behörde für Kultur und Medien ein deutliches Zeichen für die Förderung künstlerischer Exzellenz. Aus insgesamt 223 Bewerbungen wählte eine Fachjury Positionen aus, die das breite Spektrum und die Innovationskraft der Hamburger Kunstszene repräsentieren.

Die Förderung ist mit monatlich 1.500 Euro dotiert und auf eine Laufzeit von einem Jahr angelegt. In einer Zeit, in der prekäre Arbeitsbedingungen oft den künstlerischen Alltag bestimmen, schafft dieses Stipendium die notwendige Basis für eine konzentrierte Auseinandersetzung mit dem eigenen Werk. Die Liste der geförderten Künstler*innen für 2026 liest sich wie ein Querschnitt durch die aktuelle künstlerische Produktion der Stadt: Eda Aslan, Asma Ben Slama, Vedad Divović, Catalina González González, Maik Gräf, Nizan Kasper, Simone Kessler, Kenneth Lin, Lulu MacDonald und Jagrut Raval werden durch die Stadt unterstützt.

Die Auswahl der Jury unterstreicht dabei die mediale Vielfalt, die von klassischer Malerei und Skulptur über Performance und Video bis hin zu komplexen multimedialen Arbeiten reicht. Die inhaltlichen Schwerpunkte bewegen sich zwischen rein ästhetischen Diskursen, gesellschaftlichen Fragestellungen und wissenschaftlichen Grenzgängen. Kultursenator Dr. Carsten Brosda sieht in dieser Förderung eine wesentliche Investition in die Freiheit der Kunst, die als Grundlage einer offenen Gesellschaft fungiert.

Ein Blick auf die Gegenwart: Future Continuous im Kunsthaus

Welche Früchte diese Form der Unterstützung trägt, lässt sich derzeit im Kunsthaus Hamburg beobachten. Unter dem Titel Future Continuous präsentiert dort der aktuelle Stipendienjahrgang 2025 seine Ergebnisse. Die Ausstellung fungiert als wichtiges Bindeglied zwischen der individuellen Atelierarbeit und der öffentlichen Sichtbarkeit. Sie macht deutlich, wie nachhaltig das Programm über die Jahrzehnte gewirkt hat – immerhin wurden seit dem Bestehen des Programms bereits über 450 Künstler*innen auf ihrem Weg begleitet.

Die gezeigten Arbeiten im Kunsthaus zeugen von einer hohen konzeptionellen Dichte. Die Verbindung von finanzieller Absicherung und der abschließenden musealen Präsentation inklusive Katalog bietet den Stipendiat*innen eine Plattform, die weit über die Grenzen Hamburgs hinausstrahlt. Die aktuelle Präsentation des Jahrgangs 2025 ist noch bis zum 25. Januar 2026 zu sehen und markiert den Übergang zu der nun neu ausgewählten Generation an Kunstschaffenden.

Profile der Stipendiat*innen 2026

Eda Aslan setzt sich in ihrer künstlerischen Praxis intensiv mit der Geschichte und dem Gedächtnis von Orten auseinander. Sie nutzt oft architektonische Spuren und Archivmaterialien, um Installationen zu schaffen, die verborgene Narrative und räumliche Erinnerungskultur thematisieren.

Asma Ben Slama nutzt die Medien Video und Fotografie, um soziale Gefüge und Identitätsfragen zu untersuchen. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch eine präzise Beobachtung der Wechselwirkungen zwischen individuellen Lebensentwürfen und gesellschaftlichen Strukturen aus.

Vedad Divović arbeitet primär im Bereich der Skulptur und Installation. Er transformiert alltägliche Materialien und Objekte in neue formale Zusammenhänge, wobei er Fragen nach der Dauerhaftigkeit und der materiellen Beschaffenheit von Kunst stellt.

Catalina González González verfolgt einen multimedialen Ansatz, der Video, Fotografie und Installation verbindet. Ein zentrales Motiv ihrer Forschung sind politische Geografien sowie die ökologischen Veränderungen von Landschaften unter menschlichem Einfluss.

Maik Gräf bewegt sich im Spannungsfeld von Fotografie, Video und Performance. Durch Inszenierungen und den Einsatz des eigenen Körpers untersucht Gräf kritisch Konstruktionen von Identität, Männlichkeit und gesellschaftlichen Rollenbildern.

Nizan Kasper arbeitet an der Schnittstelle von Film, Video und Performance. Die künstlerische Arbeit konzentriert sich auf die Erforschung von Zeitlichkeit, Rhythmus und der physischen Präsenz von Körpern innerhalb medialer und technischer Räume.

Simone Kessler entwickelt raumgreifende und oft ortsspezifische Installationen. Ihre Werke nutzen häufig Licht, Luft oder vergängliche Materialien, um Naturphänomene zu abstrahieren und die sinnliche Wahrnehmung der Besucher*innen herauszufordern.

Kenneth Lin verfolgt konzeptuelle Ansätze, die er vorwiegend in der Malerei und Grafik realisiert. Dabei untersucht er die materiellen Grenzen der jeweiligen Medien sowie das Verhältnis zwischen abstrakter Form und symbolischer Bedeutung.

Lulu MacDonald schafft skulpturale Werke, die durch eine eigenwillige Materialästhetik und organische Formensprache bestechen. Sie experimentiert mit Wachstumsprozessen und Materialien aus der Natur, um Themen wie Transformation und Vergänglichkeit zu visualisieren.

Jagrut Raval ist ein interdisziplinär arbeitender Künstler, dessen Portfolio Fotografie, Video und großformatige Installationen umfasst. Seine Werke beschäftigen sich häufig mit der Relativität von Zeit, historischen Wahrheiten und der menschlichen Wahrnehmung.

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Hamburger Rockförderung mit KI https://www.tiefgang.net/die-ki-wird-zur-hamburger-rock-und-popfoerderung/ Fri, 31 Oct 2025 23:11:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12789 [...]]]> Digitale Release-Prozesse gleichen für viele freie Musikschaffende einem unübersichtlichen Labyrinth, in dem das kreative Herz oft von administrativen Hürden erdrückt wird. Doch RockCity Hamburg e.V. hat dieser Überforderung nun ein technologisches Rettungsboot entgegengestellt. Mit Künstlicher Intelligenz.

Der neue Artist Navigator ist ein innovatives, kostenfreies KI-Tool, das seit dem 29. Oktober frei zugänglich ist beispielhaft demonstriert, wie technologische Transformation aktiv im Sinne der Künstler*innen gestaltet werden kann.

Die Veröffentlichung des Artist Navigator ist mehr als eine bloße Produktvorstellung; sie ist ein Meilenstein in der deutschen Popförderung. Während die Branche weiterhin über die Zukunft der KI debattiert, liefert Hamburg eine handfeste, künstler*innenzentrierte Antwort.

Das Herzstück des Navigators ist die strategische Verknüpfung von GPT-Technologie mit sorgfältig kuratiertem Fachwissen von RockCity und Branchenexpert*innen. Dieses „Rückgrat“, wie es Andrea Rothaug, Geschäftsführung RockCity Hamburg, nennt, soll Musikschaffende befähigen, ihren digitalen Release selbst zu organisieren. Sie betont: „Endlich können wir unseren Artists digital und kuratiert, zweisprachig und barrierefrei Hilfe bieten, ohne dass sie bei Anbieter*innen vierstellige Beträge für teure digitale Coachings ausgeben müssen oder an Öffnungszeiten gebunden sind.“

Der Einsatz der KI ersetzt die Kreativität nicht, sondern befreit sie. Senator Dr. Carsten Brosda sieht darin ein ideales Modell: „Der von RockCity vorgestellte Artist Navigator ist ein gutes Beispiel für einen sinnvollen Einsatz von KI, der Kreativität nicht ersetzt, sondern hilft, erfolgreich künstlerisch zu arbeiten.“

Der Live-Test: Was der Navigator wirklich kann

Um die wahre Tiefe des Artist Navigators zu verstehen, muss man ihn in Aktion erleben. Das Tool verspricht, Orientierung im komplexen Prozess von der Studioaufnahme über Social-Media-Bewerbung bis hin zu Vertrieb und psychischer Gesundheit zu bieten. Es ist diese ganzheitliche Perspektive, die den Navigator so wertvoll macht. Wir haben ihn getestet. Wir stellten dem Artist Navigator zwei typische Fragen, die vermutlich im Alltag vieler Musiker*innen auftauchen:

Eingabe: „Ich bin eine Newcomer*in aus Hamburg. Welche Förderungen passen zu mir, um mein erstes Musikvideo zu finanzieren?“

Antwort des Navigators „Basierend auf Deinen Angaben kommen die Film- und Musikförderung der Hamburger Kreativgesellschaft sowie die Projektförderung der BKM in Frage. Den nächsten Stichtag findest Du auf der webseite. Wir stellen Dir hier den direkten Link zum Antragsformular bereit und zeigen, welche Budgetposten Du realistisch ansetzen kannst.“

Eingabe 2: „Mein Song ist fertig gemastert. Was ist der nächste Schritt, um sicherzustellen, dass ich meine GEMA-Anmeldung und meinen Pre-Save-Link rechtzeitig aufsetze?

Antwort des Navigators: „Dein Master ist der Startpunkt für die 8-Wochen-Frist. Schritt 1 ist nun die Anmeldung Deiner Werke bei der GEMA – dies muss vor dem Release-Datum geschehen. Parallel dazu solltest Du bei Deinem Distributor den Pre-Save-Link mindestens 6 Wochen vor dem Release-Tag beantragen, damit die notwendigen Metadaten an Spotify und Apple Music übermittelt werden können. Hier ist eine Checkliste für die kommenden Wochen …“

Immerhin. Man bekommt eine Richtung und einen Austausch, der Schritt für Schritt für Orientierung sorgt.

Der große Unterschied zu allgemeinen KI-Plattformen wird durch Thomas Burhorn, Vorstand RockCity Hamburg und Mitglied der Band MEUTE, auf den Punkt gebracht: „Chat GPT weiß nicht unbedingt, welche Förderstellen in Hamburg zu Dir passen und wo Dir konkret weitergeholfen werden kann. Das Tool verbindet beide Welten und schlägt ganz konkrete Schritte für eine Releaseplanung vor.“

Die Essenz des Artist Navigators liegt genau in dieser Kuratierung: Er verbindet die immense Rechenleistung und Zugänglichkeit der KI mit dem echten Fachwissen der lokalen Szene. Er ist ein Instrument, das die komplexen Prozesse in „einfache, emphatische Nutzer*innenerlebnisse“ übersetzt, wie Dieter Pries von Hyperinteractive, die die App entwickelte, beschreibt. Damit ebnet Hamburg einmal mehr den Weg für eine menschlichere, modernere und vor allem künstler*innenzentrierte Zukunft der Popförderung. Das Hochgebirge bleibt eine Herausforderung, aber jetzt gibt es endlich einen sicheren Pfadweiser auf dem Weg zum Gipfel.

Man darf gespannt sein, ob das Arbeitern mit der KI dann auch zum gewünschten Erfolg führt.

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