Kultur https://www.tiefgang.net Fri, 11 Sep 2026 09:32:22 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 DDR-Stahl entert Oper https://www.tiefgang.net/ddr-stahl-entert-oper/ https://www.tiefgang.net/ddr-stahl-entert-oper/#respond Sun, 13 Sep 2026 22:18:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14525 [...]]]> Ein verrosteter DDR-Fischfrachter macht demnächst genau dort fest, wo Hamburg für hunderte Millionen seine neue Staatsoper baut. Wie viel wilde Subkultur verträgt die durchgestylte HafenCity?

Hamburg schmückt sich gerne mit schwimmendem Stahl – solange er glänzt, Geschichte atmet und brav am Pier liegt. Die städtischen Millionen fließen verlässlich in polierte Postkartenmotive: Die elegante Cap San Diego von 1961 erinnert an das Wirtschaftswunder an der Überseebrücke, die Rickmer Rickmers von 1896 liefert den Landungsbrücken ihr historisches Panorama, und für die Rückholaktion und Restaurierung des Legendären Vier-Mast-Seglers Peking (Baujahr 1911) ließ der Staat rund 30 Millionen Euro springen. Sie sind ruhmreiche Wahrzeichen, museale Denkmäler und visuelle Visitenkarten für den Tourismus.

Und dann ist da die MS Stubnitz. 80 Meter dunkler, unpolierter Stahl. Gebaut 1964 in Stralsund als Kühl- und Gefrierschiff (SAS 501) der DDR-Fischfangflotte. Ein Koloss, der nicht nach Elbchaussee riecht, sondern nach Diesel, Maschinenschmiere, Schweiß und Bass. Die Stubnitz ist kein Museum, in dem alte Zeiten konserviert werden, sondern ein hochaktiver, roher Nährboden für Gegenkultur, Avantgarde und Experimentelles. Und im Gegensatz zu ihren adligen Geschwistern im Hafen muss sie seit Jahrzehnten um ihre schiere Existenz und einen festen Liegeplatz kämpfen.

Seit dem Verfall der DDR-Fischerei 1992 von einer engagierten Künstler*innen-Initiative vor dem Abwracken gerettet, zog die Stubnitz als Kulturschiff-Nomadin durch Europa – von Rostock über Rotterdam, Newcastle und London bis nach Hamburg. 2013 machte sie an den Elbbrücken fest. Doch in der hochglanzpolierten HafenCity rückte die Bebauung immer näher. Es folgte das vertraute Hamburger Spiel: Subkultur als Pioniernutzung feiern, aber Verträge auslaufen lassen, wenn die ersten Eigentumswohnungen stehen.

Industrie-Charme im Bauch der MS Stubnitz. (Quelle MS Stubnitz)

Jetzt steht die nächste Reise an: Unter dem Titel „EXIT Elbbrücken“ packt das Schiff im Herbst seine Kisten. Die Stadt schiebt den Koloss weiter – ausgerechnet an das Baakenhöft (das ehemalige Cruise Center). Und hier erreicht die stadtentwicklungspolitische Posse einen weiteren Höhepunkt: Das Baakenhöft ist exakt jenes Areal, auf dem ab etwa 2028 der imposante Neubau der neuen Hamburger Staatsoper entstehen soll. Ab Oktober macht das rohe Subkultur-Schiff also den Platzhalter für den gläsernen Tempel der Hochkultur.

Zwischen Ruderschaden und Instagram

Dass die Stubnitz kein gewöhnlicher Musikclub ist, zeigt ein Blick in die aktuellen Stellenausschreibungen und den Zustand der Crew. Während andere Clubs nach Tresenkräften oder DJs suchen, braucht die Stubnitz Verstärkung im Maschinenraum: Gesucht werden derzeit etwa Mechaniker*innen, die die historischen Schiffsdiesel und die Hydraulik in Schuss halten. Der Schiffs-TÜV steht an, ein Ruderschaden fordert ungeplante Werftaufenthalte in Kiel. Hier entscheidet nicht nur das Booking über die Partynacht, sondern das Kurbelgehäuse. Selbst die BFD-Stelle für Social Media und Öffentlichkeitsarbeit verlangt mehr als nur schöne Fotos: Verlangt werden UNIX-Kenntnisse, Markdown und HTML-Verständnis – eine reizvolle Mischung aus technischem Know-how und Do-It-Yourself-Ethos.

Im Bauch des Schiffs läuft derweil das gewohnt kompromisslose Programm weiter: Von experimentellen Improvisations-Sessions über Noise-Fraktionen bis hin zu Filmpremieren (Vom Traum, unsinkbar zu sein).

Die Ankunft der MS Stubnitz am Baakenhöft bis voraussichtlich zum ersten Quartal 2028 ist eine der typischen Ironien der Hamburger Kulturpolitik. Ein verrosteter DDR-Gefrierfrachter hält die Stellung für die Hochkultur. Doch was passiert, wenn die Bagger für die Oper anrollen? Die Stubnitz erinnert Hamburg daran, dass eine Kulturstadt nicht nur geschmückte Museumsschiffe und schicke Opernsäle braucht, sondern auch Räume, die stören, anecken und nach Diesel riechen.

Programm-Highlights auf der MS Stubnitz

  • Kino & Talk: Vom Traum, unsinkbar zu sein (Doku-Filmabend & Gespräch über DDR-Fischereischiffe) | Genre: Dokumentarfilm & Zeitgeschichte |Do., 17. Sept. | Uhrzeit: 19.30 Uhr
  • Konzert: Horse Lords (Minimalistischer Avantgarde-Rock / Math-Rock mit mikrotonaler Stimmlage) | Genre: Experimental Rock |Fr., 25. Sept. | Uhrzeit: 20.00 Uhr
  • Clubnacht: Subkultur-Revival: Industrial & Heavy Electro (Nachtveranstaltung in den tiefen Laderäumen) | Genre: Electro / Industrial / Dark Wave | Sa., 3. Okt. | Uhrzeit: 23.00 Uhr
  • Performance & Jazz: Pavel Milyakov & Guests (Improvisierte Klangräume zwischen Ambient und Free Jazz) | Genre: Avantgarde / Jazz-Performance | Fr., 16. Okt. | Uhrzeit: 20.30 Uhr

Aktueller Liegeplatz (bis Ende September 2026): Kirchenpauerkai 26, 20457 Hamburg (Östliche HafenCity / Elbbrücken)

Neuer Liegeplatz (ab 5. Oktober 2026): Baakenhöft / Versmannstraße, 20457 Hamburg (Künftiges Baufeld der neuen Hamburgischen Staatsoper)

Webseite & Tickets: stubnitz.com


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Coltrane und Chorallen https://www.tiefgang.net/coltrane-und-chorallen/ https://www.tiefgang.net/coltrane-und-chorallen/#respond Fri, 11 Sep 2026 22:09:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14507 [...]]]> Ein zaghafter Takt auf der Tischkante, das spontane Mitsingen im Radio, die Aufregung beim ersten Live-Konzert: Der Spaß an der Musik ist tief in uns allen verwurzelt. Und der Hamburger Landesmusikrat kümmert sich um ihn …

Forscher*innen wiesen sogar nach, dass harmonische Schallwellen das Zellwachstum von Pflanzen wie Korallen stimulieren können. Wenn schon Grünpflanzen auf Wohlklang reagieren, wie tief muss die Musik dann erst im menschlichen Wesen verankert sein? Sie ist kein flüchtiger Luxus, sondern ein grundlegendes Lebensbedürfnis – biologisch, emotional und gesellschaftlich.

Wer in Hamburg verstehen will, wie aus diesem ureigenen Impuls eine nachhaltige Kulturpraxis wird, trifft schnell auf den Landesmusikrat Hamburg e.V. (LMR HH). Als Dachverband vertritt der LMR HH die Interessen professioneller Musiker*innen ebenso wie die der weitverzweigten Amateurmusikszene. Er agiert als kulturpolitisches Sprachrohr, fördert den Nachwuchs in Spitzenensembles und stößt bundesweite Initiativen wie das jährliche „Instrument des Jahres“ an. Wie lebendig dieser Auftrag gestaltet wird, beweisen zwei aktuelle Projekte, die in den kommenden Wochen und Monaten das musikalische Leben der Hansestadt maßgeblich prägen.

John Coltrane trifft Nachwuchspower

Was hat die Urgewalt eines John-Coltrane-Saxosolo eigentlich mit der Lebensrealität heutiger Jugendlicher zu tun? Sehr viel – vorausgesetzt, man betrachtet Jazz nicht als Museumsstück, sondern als lebendigen Resonanzraum. Am 23. September 2026 wäre der Gigant der Jazzgeschichte 100 Jahre alt geworden. Das Landesjugendjazzorchester Hamburg (LJJO HH) in der Trägerschaft des LMR HH nimmt dieses Jahrhundertjubiläum zum Anlass, der Legende ein ganz besonderes musikalisches Denkmal zu setzen.

Unter dem Titel „New York – Rio – Hamburg: John Coltrane meets Emiliano Sampaio“ bringt das Ensemble die zeitlose Strahlkraft Coltranes in die Gegenwart. Als Gast und Dirigent konnte der brasilianische Komponist und Multiinstrumentalist Emiliano Sampaio gewonnen werden. Im Gepäck hat er ein ganz besonderes Präsent: die Uraufführung einer Hommage an Coltrane, die Sampaio extra für diesen Abend komponiert hat.

„Mit im Gepäck als ganz besonderes Geschenk haben wir die Uraufführung einer Hommage an Coltrane – Good vibes only!“, verspricht das Ensemble voller Vorfreude auf ein Konzert voller Energie. Das Jubiläumskonzert steigt punktgenau am Geburtstag des Meisters, am Mittwoch, den 23. September 2026 um 19:30 Uhr in der JazzHall an der HfMT Hamburg. Tickets sind für 19,00 Euro (ermäßigt 12,00 Euro) direkt über die JazzHall erhältlich.

Gleichzeitig markiert das Projekt eine Phase des Umbruchs: Das LJJO HH bietet jungen Nachwuchstalenten bis 25 Jahren laufend die Möglichkeit, sich für vakante Positionen an Posaune oder Trompete zu bewerben, während für 2027 die künstlerische Leitung neu ausgeschrieben wird.

CHORALLE 2026 – Festival der Stimme

Noch imposanter wird es im Spätherbst, wenn am 07. und 08. November 2026 rund 2.000 Sänger*innen in der Hansestadt zusammenkommen. Unter dem Namen CHORALLE 2026 – passend zur eingangs erwähnten musikalischen Wirkung auf ähnlich klingenden Riffpflanzen – richten der LMR HH und der Landesmusikrat Schleswig-Holstein das gemeinsame Festival der Stimme aus, das zugleich als Landeschorwettbewerb beider Bundesländer fungiert.


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Der Schulchor der Fridtjof Nansen Schule Hamburg (Foto: Sabine Vinar)

Rund um den Hamburger Mittelweg verwandelt sich das Viertel in ein riesiges Vokal-Mekka. Von klassischen Knaben- und Frauenchören über Kammerensembles bis hin zu modernen Pop- und Jazz-Vokalformationen treten rund 100 Amateurchöre an, um sich fachliches Feedback einzuholen und sich für den Deutschen Chorwettbewerb 2027 in Leipzig zu qualifizieren.

„Die CHORALLE ist der zentrale Ort für die Chorszene Norddeutschlands. Im Mittelpunkt stehen die Präsentation der musikalischen Arbeit, der fachliche Austausch sowie die Begegnung und Vernetzung innerhalb der regionalen Chorszene“, betont das Organisationsteam des LMR HH.

Das Besondere für Musikbegeisterte: Sämtliche Wertungssingen und Festkonzerte sind öffentlich zugänglich und kostenfrei. Ein detaillierter Zeitplan mit allen Auftrittszeiten wird im Herbst online unter www.choralle.org veröffentlicht. Das abschließende Preisträgerkonzert steigt am 25. April 2027 in der Pauluskirche in Kiel.

Ob die Verneigung vor John Coltrane im modernen Bigband-Gewand oder das kraftvolle Zusammentreffen Tausender Stimmen beim Chorfestival – beide Initiativen verdeutlichen die Kernphilosophie des LMR HH: Musik ist ein aktiver Prozess, der Raum, Verankerung und verlässliche Strukturen braucht. Der LMR HH sorgt mit seinen Projekten dafür, dass der Impuls zum gemeinsamen Musizieren in der Stadt keineswegs leiser wird.

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Campusstart mit Clubnacht! https://www.tiefgang.net/campusstart-mit-clubnacht/ https://www.tiefgang.net/campusstart-mit-clubnacht/#respond Thu, 10 Sep 2026 22:40:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14501 [...]]]> Das Semester und der Lernstress beginnen – was kann da Besseres passieren als eine Einladung zum Konzert?

Genau an diesem Punkt setzt die Clubstiftung Hamburg mit ihrem neuen Pilotprojekt „Welcome to the Club!“ an. Zum Start des Semesterbetriebs beschenkt die Stiftung knapp 700 Erstsemester-Studierende der HafenCity Universität Hamburg (HCU) mit Konzertgutscheinen im Wert von jeweils 25 Euro. Über ein Gesamtvolumen von rund 18.000 Euro, umgesetzt in Kooperation mit der HCU und dem Ticketanbieter TixforGigs, bekommen die Neuhamburger*innen den perfekten Anlass, um den Kopf freizubekommen und die Livemusikszene der Stadt für sich zu entdecken.

Die Aktion ist weit mehr als eine nette Geste zum Studienbeginn – sie geht ein reales, strukturelles Problem an. Geschäftsstellenleiter Antonio Stefaniak macht die Dringlichkeit der Lage deutlich: „Insbesondere während der Pandemie hat sich die Verbindung zwischen Musikclubs und dem jungen Publikum immer weiter abgeschwächt. In Zeiten von Social Media und dem Vormarsch der Streamingdienste bleiben vor allem die kleinen Musikclubs, die für Newcomer-Gigs und diverse Programmarbeit stehen, auf der Strecke.“ Hinzu kommt die finanzielle Hürde in einer teuren Stadt: „Die dadurch steigenden Preise im Ticketing führen wiederum dazu, dass junge Menschen sich den regelmäßigen Besuch von Musikclubs kaum noch leisten können.“

Gleichzeitig stehen die Betreiber*innen kleinerer Live-Clubs unter enormem Druck. Doch gerade Abseits der großen Hallen pocht das Herz der Szene: Orte wie das Hafenklang und das Molotow an der St. Pauli Hafenstraße und der Reeperbahn, das Stellwerk am Harburger Fernbahnhof, das Knust im Karoviertel oder Die Hebebühne in Altona zeichnen das echte, dezentrale Gesicht der Hamburger Musikmetropole. Spielstätten dieser Art sind die eigentlichen Keimzellen der Musikkultur, wo Newcomer-Acts ihre erste Chance bekommen und abseits des Mainstreams experimentiert wird.

Hier schlägt das Projekt die Brücke. Stiftungsvorstand Heiko Langanke hebt die Bedeutung dieser Räume hervor: „Wir ermöglichen wieder eine Beziehung zwischen jungem Publikum und angestammten Clubs aufzubauen. Und wir fördern die Willkommenskultur der Musikmetropole Hamburg, die mehr als Fischbrötchen und Schiffegucken ist.“ Für Langanke steht fest: „Musikclubs gehören zu Hamburgs ideeller Skyline und wir wollen Berührungen dazu schaffen.“

Trägerin des Projekts ist die Stiftung zur Stärkung privater Musikbühnen Hamburg (kurz: Clubstiftung). Sie wurde 2010 von der Kulturbehörde und dem Clubkombinat Hamburg e.V. ins Leben gerufen, um die Szene nachhaltig zu sichern. Neben Darlehen für Ton- und Lichttechnik oder Lärmschutz unterstützt die Stiftung Clubs mit Beratungsangeboten und Förderprogrammen für Nachwuchskonzerte.

Der Testlauf an der HCU soll erst der Anfang sein. Die Clubstiftung plant bereits weiter: Ziel ist es, das Modell schrittweise auszuweiten und künftig auch Studierende anderer Hochschulen sowie Auszubildende einzubinden.

Der Auftakt ist gemacht. Wer mehr über die Aktion erfahren möchte, findet alle Details und Informationen direkt auf der Projektseite unter stiftung-private-musikbuehnen-hamburg.de. Die Einladung an die Erstsemester steht: Hörsäle gegen die lebendigen Clubräume der Stadt tauschen und echte Live-Momente sammeln!


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Neugrabens Buchladen ist spitze! https://www.tiefgang.net/neugrabens-buchladen-ist-spitze/ https://www.tiefgang.net/neugrabens-buchladen-ist-spitze/#respond Tue, 08 Sep 2026 22:41:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14488 [...]]]> Ein durchdachtes Sortiment, treue Kundschaft, ausgesuchte Veranstaltungen und eine inspirierende Website voller Büchertipps: diese Kriterien des Neugrabener Buchladens waren preiswürdig!

An einem Spätsommerabend galt alle Aufmerksamkeit den literarischen Stätten der Hansestadt. Hamburg blickte dorthin, wo Kultur nicht nur verwaltet, sondern mit Leib und Seele gelebt wird. Als Höhepunkt der 13. Langen Nacht der Literatur im Literaturhaus Hamburg wurden am vergangenen Samstagabend wieder drei besonders engagierte, inhabergeführte Buchhandlungen mit dem Hamburger Buchhandlungspreis geehrt. Die Auszeichnung, die von der Behörde für Kultur und Medien seit 2014 alle zwei Jahre vergeben wird, ist mit einem Preisgeld von je 5.000 Euro dotiert.

Staatsrätin für Kultur und Medien Jana Schiedek hob bei der Preisübergabe die unverzichtbare Rolle des unabhängigen Buchhandels hervor: „Der unabhängige Buchhandel öffnet uns mit Kreativität und Leidenschaft die Welt der Literatur. Die Buchhändlerinnen und Buchhändler unserer Stadt laden uns ein, in ferne Welten abzutauchen und helfen uns, unsere eigene Welt besser zu verstehen.“ Oft zeigten sie dabei auch Haltung und eckten an – genau das mache sie für eine freie und offene Gesellschaft so wichtig.

Aus sieben Nominierungen wählte die hochkarätig besetzte Jury – bestehend aus Dr. Thomas Andre, Dr. Antje Flemming, Volker Petri, Frauke Untiedt und Bede Lüdemann – in diesem Jahr drei Preisträger aus, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch denselben Geist atmen:

  • Der Buchladen Bettina Meyer (Neugraben): Mitten in der Neugrabener Einkaufsmeile führt Bettina Meyer mit ihrem Team seit vielen Jahren einen Ort, der aus dem Stadtteil nicht mehr wegzudenken ist. Ein durchdachtes Sortiment, treue Kundschaft, ausgesuchte Veranstaltungen und eine inspirierende Website voller Büchertipps zeichnen das Geschäft aus.
  • Frau Büchert (Eimsbüttel): Jana Büchert hat die einstige Kinder- und Jugendbuchhandlung (PÄKI) seit ihrer Übernahme 2018 zu einem breit aufgestellten Anlaufpunkt im Grindelviertel weiterentwickelt und im vergangenen Jahr sogar um wertvollen Raum für ein feines Non-Book-Sortiment ergänzt.
  • Schanzenbuchhandlung (Schanzenviertel): Das traditionsreiche Kollektiv prägt das Schanzenviertel seit den frühen 1990er-Jahren an zwei Standorten mit den Schwerpunkten Literatur und Politik im Schulterblatt sowie Kinderbuch und Pädagogik in der Schanzenstraße. Eine Buchhandlung mit klarer Kante und dezidierter Meinung, die sich im wandelnden Viertel unerschrocken behauptet.

Diese drei Buchhandlungen zeigen einmal mehr, dass der echte, unabhängige Buchhandel weit mehr ist als ein Ort des Verkaufs: Er ist die literarische Herzkammer der Stadt.


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Frisches Geld für Visionen! https://www.tiefgang.net/frisches-geld-fuer-visionen/ https://www.tiefgang.net/frisches-geld-fuer-visionen/#respond Sun, 30 Aug 2026 22:43:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14468 [...]]]> Die Behörde für Kultur und Medien hat die Förderentscheidungen für den Elbkulturfonds 2027 bekanntgegeben. Insgesamt 500.000 Euro fließen in sechs herausragende Vorhaben der Freien Szene, die zeigen, wie lebendig, wandlungsfähig und mutig die Kunst in unserer Stadt pulsiert.

Der Elbkulturfonds wurde 2013 ins Leben gerufen, um freischaffenden Künstler*innen den nötigen Rückenwind für großformatige, spartenübergreifende Ideen zu geben.

Die Auswahl der Jury ist stark, gesellschaftlich am Puls der Zeit und voller energetischer Klang- und Erlebensräume:

  • „Unity in Diversity: A Pan-African Dialogue Across Time“ (M.Bassy e. V.): Mit 110.000 Euro gefördert. Ein gewaltiges Musiktheaterprojekt, das historische Reden panafrikanischer Vordenker*innen durch internationale Acts wie Dead Prez, Sammus und Somi in einen vibrierenden Dialog aus Konzert, Performance und Installation übersetzt.
  • „Educate The Scene“ (Gifty Lartey): Erhält 105.000 Euro. Ein achtmonatiges, barrierefreies Tanz- und Bildungsprogramm in der Villa Viva, das die politischen Wurzeln Schwarzer Tanzkulturen wie House, Voguing, Afrofusion und Dancehall feiert.
  • „Ecotron“ (Claudius Schulze): Erhält 90.000 Euro. Eine Hafenschute wird zum begehbaren, computergesteuerten Gewächshaus, das Starkregen und Hitzewellen simuliert – ein drängendes, kühnes Experiment an der Schnittstelle von Natur und Stadt.
  • „Der Hamburger Friedensgipfel – eine performative Friedensforschung“ (Fundus Theater): Gefördert mit 79.850 Euro. Kinder erarbeiten gemeinsam mit Wissenschaftler*innen ihre Visionen von Frieden und tragen diese in einer bunten Kinderfriedensparade durch Hamburg.
  • „Blumen für Otello“ (Ensemble Resonanz): Erhält 65.000 Euro. Auf Kampnagel verschmelzen traditionelle türkische Trauerlieder (Ağıt) mit zeitgenössischer Musik zu einem tief berührenden Konzertprojekt im Gedenken an das NSU-Opfer Süleyman Taşköprü.
  • „A WORLD OF VAST EMPTY SPACES“ (Daniel Dominguez Teruel): Mit 50.150 Euro gefördert. Eine klangstarke Performance-Installation im Kuppelsaal der Hamburger Kunsthalle, die das Publikum in eine vielstimmige Reflexion über Rituale und kollektive Identität einhüllt.

Ein Blick auf die Landkarte der Hamburger Kulturförderung regt jedoch auch zum Nachdenken an: Wer die Historie des Fonds durchgeht, entdeckt schnell, dass aus dem Bezirk Harburg es bisher erst ein einziges Projekt in die Elbkulturfonds-Förderung schaffte – 2015 ein avantgardistisches Kammermusikprojekt im Speicher am Kaufhauskanal. Das liegt aber offenbar weniger an den Jury-Entscheidungen als vielmehr an den Bewerbungen, die aus dem Süden gar nicht erst eingereicht werden. Kann Harburg Elbkultur nicht?

Dabei zeigt der Jahrgang 2027 eindrucksvoll, welch transformative Kraft im Zusammenspiel aus Musik, Performance und gesellschaftlichem Diskurs steckt. Es bleibt spannend zu beobachten, wie diese sechs neuen Welten Hamburg verändern werden – und wie künftig noch mehr Impulse aus allen Ecken der Stadt ihren Weg in diese große Bühne finden können.


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Freiraum für die Kunst https://www.tiefgang.net/freiraum-fuer-die-kunst/ https://www.tiefgang.net/freiraum-fuer-die-kunst/#respond Thu, 13 Aug 2026 09:36:43 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14389 [...]]]> Mit Arbeitsstipendien für die bildende Kunst schafft die Hansestadt Hamburg einen geschützten Raum für Experimente, Konzentration und Weiterentwicklung. Nun ist der Startschuss für die Ausschreibung Jahrgang 2027 gefallen.

In einer Stadt, die so sehr von ihrer kulturellen Vielfalt lebt wie Hamburg, ist die Unterstützung künstlerischer Visionen kein bloßer Luxus, sondern ein essenzieller Baustein für die Zukunftsfähigkeit der Szene. Seit nunmehr 45 Jahren verfolgt die Behörde für Kultur und Medien eine ebenso beharrliche wie erfolgreiche Strategie:

Was 1981 als Pilotprojekt begann, hat sich längst als eines der nachhaltigsten Förderinstrumente der Stadt etabliert und ist bundesweit zum Vorbild für ähnliche Programme geworden. Über 400 Künstler*innen konnten in den vergangenen viereinhalb Jahrzehnten von dieser Unterstützung profitieren, die weit über eine finanzielle Zuwendung hinausgeht.

Senator Dr. Carsten Brosda betont die Bedeutung dieser Förderung: „Die Arbeitsstipendien schaffen Freiraum, sich intensiv auf die kreative Arbeit zu konzentrieren und bieten zugleich wertvolle Möglichkeiten des Austausches und der Vernetzung untereinander. Damit tragen sie wesentlich dazu bei, die Hamburger Kunstszene lebendig, vielfältig und innovativ zu halten.“

Das Stipendium ist für die Dauer eines Jahres angelegt und mit monatlich 1.500 Euro dotiert. Diese finanzielle Basis ermöglicht es den ausgewählten Künstler*innen, den Druck des Alltagsgeschäfts zu mindern und sich voll und ganz neuen Projekten oder der konzeptionellen Weiterentwicklung ihres Werkes zu widmen. Doch der Fokus liegt nicht allein auf der Atelierarbeit: Ein wesentlicher Bestandteil des Förderprogramms ist die abschließende Gruppenausstellung im Kunsthaus Hamburg. Dieser öffentliche Auftritt, begleitet von einer fachkundigen Publikation, bietet den Stipendiat*innen eine wertvolle Plattform, um ihre Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit und der Fachwelt zu präsentieren.

Bewerbungsphase läuft

Gesucht werden herausragende, eigenständige künstlerische Positionen. Teilnahmeberechtigt sind bildende Künstler*innen mit Hauptwohnsitz in Hamburg und einer abgeschlossenen Ausbildung. Eine unabhängige Fachjury wird im November die Auswahl treffen, die Entscheidung erfolgt voraussichtlich Anfang Januar 2027. Wer die Chance nutzen möchte, Teil dieses langjährigen Erfolgsmodells zu werden, sollte sich beeilen: Bewerbungsschluss ist der 24. September 2026.

Die Ausschreibung für die Arbeitsstipendien für bildende Kunst 2027 erfolgt in Hamburg, Bewerbungen sind bis zum 24. September 2026 online über das Serviceportal der Stadt Hamburg möglich, die Stipendien sind mit monatlich 1.500 Euro dotiert, Website: serviceportal.hamburg.de


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Spuren der Geschichte https://www.tiefgang.net/spuren-der-geschichte/ https://www.tiefgang.net/spuren-der-geschichte/#respond Fri, 07 Aug 2026 13:13:22 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14352 [...]]]> Wenn Museen ihre eigenen Sammlungen durchleuchten, offenbaren sich oft nicht nur Schätze, sondern auch schmerzhafte Leerstellen. Das Museum am Rothenbaum (MARKK) widmet sich ab dem 28. August 2026 mit der Ausstellung „Zuschreibung: Jüdisch – Fragen an die Geschichte des MARKK“ einem ebenso sensiblen wie überfälligen Kapitel.

Bis zum 27. Juni 2027 richtet die Schau den Fokus auf jüdisches Kulturgut in den Beständen und folgt den oft verschlungenen und schmerzhaften Biografien dieser Objekte vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Im Zentrum der Ausstellung stehen zehn Objekte der ehemaligen Gesellschaft für jüdische Volkskunde, deren einstige Sammlung von über 400 Stücken ab 1913 das Fundament für eine jüdische Sammlung an der Rothenbaumchaussee bildete. Mit der nationalsozialistischen Verfolgung veränderte sich alles: 1935 unter Druck aus der Ausstellung entfernt, 1937 an die Gesellschaft zurückgegeben, deren Mitglieder im Anschluss ins Exil getrieben, deportiert oder ermordet wurden. Der Verbleib der meisten Stücke ist bis heute ungeklärt – umso bedeutender ist die Rückkehr jener zehn Objekte im Jahr 1991.

Die Schau macht deutlich, wie eng das Museum in der NS-Zeit verstrickt war. Bereits zwischen 1933 und 1945 nahm das Haus wissentlich konfiszierte Objekte auf, darunter Silberobjekte, die Jüdinnen und Juden ab 1938 zwangsweise abgeben mussten. Die seit 2021 am MARKK laufende Provenienzforschung arbeitet diese unrechtmäßigen Besitzwechsel akribisch auf.

Neben den dunklen Kapiteln der Entrechtung erzählen Stücke wie ein Tora-Wickelband von 1712 – gestiftet 1917 von dem Hofagenten Berend Lehmann aus Halberstadt – von familiären Geschichten, jüdischer Kultur und der Verbundenheit zu Hamburg und Niedersachsen. Unter der Leitung von Kuratorin Jana Caroline Reimer hinterfragt die Ausstellung kritisch die museale Klassifizierung dieser Stücke als „Judaica“ oder „ethnografische Objekte“.

Wer sich im kommenden Jahr in Hamburg auf diese historische Spurensuche begibt, findet ein bemerkenswertes, sich ergänzendes Netzwerk an Ausstellungen vor: Parallel zeigt das Bucerius Kunst Forum (11.9.2026 bis 29.3.2027) „Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammler*innen in Deutschland“, während das Altonaer Museum ab dem 12. November 2026 mit „Menschen & Orte. Hamburgs jüdische Geschichte“ das vielfältige jüdische Leben in den Blick nimmt.

Das MARKK lädt mit seiner Ausstellung dazu ein, die eigene Museumsgeschichte kritisch zu reflektieren und den Dingen ihre wahren Geschichten und Kontexte zurückzugeben. Begleitet wird die Schau von einem Katalog sowie einer gemeinsamen Online-Ausstellung mit dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden.

Zuschreibung: Jüdisch – Fragen an die Geschichte des MARKK

Museum am Rothenbaum (MARKK) | Rothenbaumchaussee 64 | 20144 Hamburg

reguläre Museumsöffnungszeiten: Di bis So 10–18 Uhr
Do bis 21 Uhr, reg. Eintritt: 10,- € |www.markk-hamburg.de


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Die literarische Herzkammer der Stadt https://www.tiefgang.net/die-literarische-herzkammer-der-stadt/ https://www.tiefgang.net/die-literarische-herzkammer-der-stadt/#respond Tue, 04 Aug 2026 09:16:29 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14346 [...]]]> Wenn die Kulturbehörde die Shortlist des Buchhandlungspreises verkündet, blickt man auch dorthin, wo das gedruckte Wort gegen die Vereinzelung kämpft. Ein Nachruf, eine Verbeugung und ein Blick aus dem Süden.

Es gibt Orte in einer Metropole, die sich dem hastenden Takt des Alltags entziehen. Sie duften noch nach Druckerschwärze, altem Papier und einer ganz besonderen Sorte Geduld. Wenn die Stadt Hamburg stets im Sommer die Shortlist für ihren Buchhandlungspreis bekannt gibt, ist das weit mehr als eine administrative Notiz aus dem Haus an den Hohe Bleichen. Es ist ein Befund über den Zustand unserer urbanen Kultur: Wer liest wo, wer hält die Stellung, während um die Ecken herum die Kettenläden und digitalen Algorithmen das Feld übernehmen?

Besonders für uns hier im Hamburger Süden schlägt dieses literarische Herz in einem ganz eigenen Takt. Es ist kein Zufall, dass die Wilhelmsburger Buchhandlung Lüdemann – im Vorjahr selbst preisgekrönt – diesmal als Teil der unabhängigen Jury mit am Tisch saß und mit wahrem Blick über die Elbe wog, welche Orte das geistige Gewebe dieser Stadt zusammenhalten. Und wenn man den Blick weiter nach Süden richtet, hin zum südwestlichen Neugraben, füllt sich diese Shortlist mit tiefem Leben: Der Buchladen von Bettina Meyer ist nominiert. Ein Ort, an dem Literatur nicht verkauft, sondern gelebt wird – getragen von einer Inhaberin, deren Schmerz über den erst kürzlich verstorbenen Ehemann noch schwer auf dem Laden lastet, und die dennoch den Mut hat, diesen Raum der Kultur offenzuhalten.

Sieben inhabergeführte Buchhandlungen stehen in diesem Jahr auf der engsten Auswahlliste, sie spannen den Bogen von der Neustadt bis in die Außenbezirke. Kultursenator Brosda betont wohl auch mit Seitenhieb auf den Bundeskulturbeauftragten Weimer: „Das Engagement für eine vielfältige Literaturlandschaft und einen freien und offenen Diskurs verdient besondere Anerkennung.“

Die nominierten Buchhandlungen:

Buchhandlung Blattgold (Neustadt)

Buchhandlung Lutz Heimhalt (Fuhlsbüttel)

Bücherfuchs (Wedel)

Bücherstube Stolterfoht (Eimsbüttel)

Der Buchladen Bettina Meyer (Neugraben)

Frau Büchert (Eimsbüttel)

Buchhandlung im Schanzenviertel (Schanzenviertel)

Und Literatur kennt neben der Feier des Augenblicks immer auch die Melancholie des Abschieds. Kaum war die Nominierungsliste fixiert, erreichte die Literaturszene zudem die Nachricht vom Tod Frank Bartlings, der die Bücherstube Stolterfoht in Eimsbüttel seit 1997 mit Leib und Seele prägte. Sein Name auf der Liste ist nun ebenso eine schmerzliche Zäsur und eine späte, tief empfundene Verbeugung vor einem Lebenswerk. Ein Buchhändler dieses Schlags ist ein Seelsorger des Geistes.

Wenn am 5. September beim Ausklang der Langen Nacht der Literatur im Literaturhaus die drei Siegerinnen und Sieger gekürt werden, wird dieser Schatten spürbar sein. Und dennoch liegt in der Shortlist ein tröstliches Versprechen. Ob in Neugraben, in Wilhelmsburg oder in den anderen nominierten Refugien: Hier wird der öffentliche Raum verteidigt als ein Ort der Begegnung, der Kontemplation und des freien Wortes. Hamburg zeigt sich einmal mehr als eine Stadt, die weiß, dass das Buch der wertvollste Kompass für unsere gemeinsame Zukunft ist.


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Geld für kleine Konzerte https://www.tiefgang.net/geld-fuer-kleine-konzerte/ https://www.tiefgang.net/geld-fuer-kleine-konzerte/#respond Thu, 30 Jul 2026 10:16:42 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14323 [...]]]> Wenn in den kleinsten Clubs der Stadt die Lichter ausgehen, wird die Musikstadt Hamburg plötzlich ganz leise. Gerade jene intimen Bühnen, die neuen Talenten eine erste Heimat geben, kämpfen aktuell ums Überleben. Gut, dass es support gibt.

Denn es gibt es einen dringend benötigten Rettungsanker: Die Clubstiftung Hamburg zieht eine positive Bilanz der zweiten Förderrunde ihres Programms „Minibooster“ und schüttete insgesamt 78.000 Euro an 26 Hamburger Kleinstclubs aus. Dank der großzügigen Unterstützung der Hamburger Stiftung elementarteilchen konnte die Fördersumme pro Spielstätte von zuvor 2.000 auf nun 3.000 Euro erhöht werden, um auf die anhaltend angespannte wirtschaftliche Situation adäquat zu reagieren.

In Zeiten massiv gestiegener Kosten für Veranstaltungstechnik, GEMA-Gebühren und die Künstlersozialkasse stehen viele Betreiber*innen mit dem Rücken zur Wand. Das trifft letztlich auch den Hamburger Süden mit seinen kleinen aber so wichtigen Kulturorten im Quartier, wie etwa das Turtur, die Deichdiele oder die Fischhalle Harburg. Hier entstehen jene unverwechselbaren Begegnungen zwischen Publikum und Nachwuchskünstler*innen, die für unsere lokale Identität unersetzlich sind.

Wie Vorstand Heiko Langanke betont, darf in wirtschaftlich extrem herausfordernden Zeiten nicht zugelassen werden, dass elementare Auftrittsmöglichkeiten für den musikalischen Nachwuchs wegbrechen. Der „Minibooster“ setzt hier genau am richtigen Punkt an, um den Live-Betrieb pragmatisch abzusichern. Wer diese unverzichtbare Arbeit unterstützen und das Überleben der kleinsten Bühnen sichern möchte, kann sich mit einer Spende unter dem Verwendungszweck „Minibooster“ direkt an der Aktion der Clubstiftung beteiligen.

Weitere Informationen unter Clubstiftung.de


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Ökologie, Porzellan und Projektile https://www.tiefgang.net/oekologie-porzellan-und-projektile/ https://www.tiefgang.net/oekologie-porzellan-und-projektile/#respond Wed, 22 Jul 2026 14:32:19 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=14253 [...]]]> Wenn zeitgenössische Kunst den harten Boden wissenschaftlicher Realität berührt, entstehen oft jene unbequemen, eindringlichen Resonanzräume, die den Status quo unserer Gegenwart befragen. Nun stellt Swaantje Güntzel ihren „Stand der Dinge“ vor …

Schloss Agathenburg, das traditionsreiche Mehrspartenhaus im nördlichen Niedersachsen, bietet mit der umfassenden Einzelausstellung Stand der Dinge der Hamburger Konzeptkünstlerin Swaantje Güntzel einen solchen Ort. Es ist die erste große institutionelle Einzelausstellung der Künstlerin in Niedersachsen – und sie beginnt buchstäblich auf einem Scherbenhaufen.

Bereits im Vorfeld der Eröffnung sorgte nämlich eine radikale Kunstaktion für Aufsehen: Güntzel zerschoss mit einem Luftgewehr historische Grönland-Sammelteller aus blau-weißem Porzellan. Die filigranen Teller, versehen mit idyllischen Motiven der arktischen Insel, stehen symbolisch für eine Region, die wie keine andere unter den verheerenden Folgen der globalen Erderwärmung leidet. Indem die Künstlerin sie mit Projektilen zerstört und die Videodokumentation samt der Scherben in den Ausstellungsräumen versammelt, führt sie die physische Zerstörung der Natur unmittelbar vor Augen. Es ist ein Akt der ästhetischen Gewalt, der die fragile Balance zwischen menschlichem Konsum und ökologischem Kollaps unmissverständlich greifbar macht.

Swaantje Güntzel setzt sich seit über zwanzig Jahren intensiv mit den Krisenfeldern des Anthropozäns auseinander: Klimawandel, Umweltverschmutzung und das anhaltende Artensterben bilden die thematischen Koordinaten ihres Schaffens. Ihre Installationen, Fotografien, Performances und Videos entstehen dabei selten im isolierten Studio. Stattdessen arbeitet sie eng mit renommierten wissenschaftlichen Institutionen wie dem Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven oder der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) zusammen.

In Stand der Dinge verdichten sich diese Kooperationen nun zu einer raumgreifenden, episodisch strukturierten Erzählung. Güntzel überführt wissenschaftliche Daten, historische Postkarten und materielle Fundstücke aus dem Polarmeer – wie Plastikrückstände – in poetische und zugleich drastische Bildkonstellationen. Neu ist dabei eine tiefgreifende persönliche Dimension: Erstmals verarbeitet die Künstlerin in ihren Arbeiten auch Erfahrungen mit öffentlicher Ablehnung und Bedrohungen, womit sie die Ausstellung um eine sensible Reflexion über die prekären Bedingungen künstlerischer Freiheit in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft erweitert.

Getreu ihrem interdisziplinären Ansatz ist die Ausstellung auf Schloss Agathenburg auch in ein vielschichtiges Rahmenprogramm eingebettet, das den Dialog zwischen Kunst, Wissenschaft und Öffentlichkeit sucht. So diskutiert die Konzeptkünstlerin am 02.08. mit der Nachhaltigkeitsforscherin Dr. Anne Chahine vom Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) in Potsdam über unterschiedliche Zugänge zu gesellschaftlichen und ökologischen Krisen. Moderiert wird das Gespräch von der Kuratorin der Ausstellung, Claudia Rasztar. Am 14.08. ist Frei-Tag: An diesem Tag ist der Eintritt für Schloss und Ausstellung bei verlängerten Öffnungszeiten (14 bis 20 Uhr) kostenfrei. Zur Tandem-Führung lädt das Schloß am 21.08: Güntzel führt gemeinsam mit der bekannten Polar- und Tiefseeforscherin Dr. Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut durch die Schau. Und für Schulen gibt es eine Projektwoche vom 24. bis 27.08. Unter dem Titel Kunst trifft Klimarealität lädt das Schloss Schulklassen ab der 10. Jahrgangsstufe zu einem kostenfreien Vermittlungsangebot mit der Kunstvermittlerin Lola Barnickel ein.

SWAANTJE GÜNTZEL: STAND DER DINGE | noch bis 13. September 2026

Schloss Agathenburg, Hauptstraße 45, 21684 Agathenburg

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr; Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr; Eintritt: Regulär 6,00 Euro, ermäßigt 4,00 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei; www.schlossagathenburg.de


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