Der Igel ist der Gewinner – zumindest, wenn man dem alten Märchen vom Wettlauf auf der Buxtehuder Heide glaubt.
Doch in der Realität sieht die Bilanz des sympathischen Stachelritters düster aus. Während er in der Fabel den Hasen mit List besiegt, verliert er im 21. Jahrhundert den Kampf gegen Mähroboter, Asphalt und den schwindenden Lebensraum.
Am 5. Februar bittet das Buxtehude Museum zu einem Abend, der aufrüttelt: Merwel Otto-Link von der Igelpflege Rotenburg/Wümme e.V. berichtet über das bedrohte Nachtleben der charmanten Insektenfresser.
Der europäische Braunbrustigel ist ein Überlebenskünstler. Er gehört zu den ältesten Säugetierfamilien überhaupt und hat schon die Dinosaurier kommen und gehen sehen. In der Antike schätzte man ihn als nützlichen Mitbewohner, der Haus und Hof von Mäusen befreite. Im Mittelalter hingegen war sein Ruf zwiespältig: Mal galt er als Unglücksbote, mal landete er gar als Delikatesse im Topf.
Heute ist der Igel zwar ein absoluter Sympathieträger, doch seine runden Knopfaugen und die Stupsnase täuschen nicht darüber hinweg, dass es ihm dreckig geht. Er steht kurz vor dem Einzug in die Rote Liste. Warum? Weil unsere Gärten zu „ordentlich“ geworden sind. Wo früher Totholzstapel und Laubhaufen Schutz boten, herrscht heute oft sterile Leere oder die tödliche Gefahr von Mährobotern und Freischneidern.
Mit Merwel Otto-Link kommt eine echte Expertin nach Buxtehude. Die gelernte Krankenschwester und Heimtierpflegerin hat sich seit 2013 der Rettung der Tiere verschrieben. Als Vorsitzende der Igelpflege Rotenburg und Vorstandsmitglied von „Pro Igel e.V.“ kennt sie die Blessuren, die der moderne Alltag den Tieren zufügt.
Ihr Vortrag ist kein trockener Biologieunterricht, sondern ein Blick in den „Maschinenraum“ der Igelrettung. Mit ihrem 30-köpfigen Team versorgt sie verletzte Tiere, pflegt sie gesund und wildert sie wieder aus. Doch sie betont: „Die Rettung einzelner Tiere fruchtet nur, wenn sich die Lebensbedingungen insgesamt verbessern.“
Der Vortrag findet im perfekten Rahmen statt: Das Buxtehude Museum zeigt aktuell die Sonderausstellung „Läuft…! Hase und Igel im Wandel der Zeit“. Wer den Vortrag besucht, kann bereits ab 18 Uhr exklusiv die Ausstellung erkunden und in die Kulturgeschichte des wohl berühmtesten Wettlaufs der Welt eintauchen.
Es ist die Chance, den Igel nicht nur als Märchenfigur, sondern als schützenswertes Juwel unserer Natur neu zu entdecken. Buxtehude macht den Februar zum „Igel-Monat“ – und das ist auch bitter nötig.
Do., 5. Feb., 19 Uhr (Ausstellung ab 18 Uhr offen) „Der Igel – gestern, heute …und auch noch morgen?“
Buxtehude Museum, St.-Petri-Platz 11, 21614 Buxtehude; 7,- Euro (inkl. Ausstellungsbesuch)
Anmeldung: buchung@buxtehudemuseum.de [1] oder 04161 507 970
Extra-Tipp: Fokus-Führungen am 1.2. und 15.2. jeweils um 14 Uhr!
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