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Literarische Reflekteure

Um diese Welt noch zu verstehen, bedarf es manchmal eines Buches, dessen Urheber hilft, die Sicht zu strukturieren. Zwei wurden dafür nun ausgezeichnet.

In Niedersachsen wurden am vergangenen Dienstag Lisa Kreißler und Christoph Ransmayr mit dem Nicolas-Born-Debütpreis ausgezeichnet. Und Geld gab es oben drauf.

In der Mitteilung des Kultusministeriums heißt es:

„Der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, hat am Dienstag die Literaturpreise des Landes Niedersachsen verliehen. Im Literaturhaus Hannover zeichnete er den Schriftsteller Christoph Ransmayr mit dem Nicolas-Born-Preis (dotiert mit 20.000 Euro) und die Schriftstellerin Lisa Kreißler mit dem Nicolas-Born-Debütpreis (dotiert mit 10.000 Euro) aus.

„Die Literatur hält der Gesellschaft den Spiegel vor, gibt Raum für Reflektion und Austausch. Mit dem Nicolas-Born-Preis zeichnen wir Autorinnen und Autoren aus, die – wie der Namensgeber selbst – gesellschaftlich relevante und kritische Themen ins Zentrum ihres Schreibens stellen. Christoph Ransmayr und Lisa Kreißler zeigen dies in ihren Texten auf ganz unterschiedliche und herausragende Weise“, sagte Minister Björn Thümler.

Prof. Dr. Alexander Košenina, Literaturwissenschaftler an der Leibniz Universität Hannover und Mitglied der Nicolas-Born-Preis-Jury, hob in seiner Laudatio die Vielschichtigkeit im Werk von Christoph Ransmayr hervor: „Der scharfe Blick für das Allgemeine im Besonderen, für das poetische Potenzial einer Situation, eines Ortes, eines historischen oder politischen Ereignisses ist es, was den Dichter Ransmayr auszeichnet. Stets findet er etwas und erfindet auf dieser Grundlage Neues.“

„Wenn wir gelegentlich von Anflügen schlechten Gewissens gestreift werden, reden wir in klimatisierten Konferenzsälen über eine notwendige Verbesserung der Welt, spenden ein zwei Promille aus unserer Tageskasse und wenden uns wieder wichtigeren Geschäften zu. Nein, wir sind nicht einfach zu belehren. Selbst nukleare Katastrophen, von unseren Schloten und Abgasorgeln angefachte Wirbelstürme, leergefischte Ozeane und in Schmelzwasserfluten versinkende Inselreiche bringen uns nicht ab von unserem Weg. Aber womit sollen wir unsere Angst vor Veränderung und vor dem Verlust unseres Überflusses bekämpfen? Welchen Lehren sollen wir folgen? Dem Geschrei von Predigern und Dienern Dutzender Götter? Parteiprogrammen, die das Papier nicht wert sind, von dem sie uns in die Augen springen? Oder Ratschlägen gar von der Kunst?, der Literatur?“, so Christoph Ransmayr in seiner anschließenden Rede.

„Lisa Kreißler hütet sich, politische, soziologische oder ökologische Themen als solche zu benennen. Aber in ihrer hochverdichteten Erzählwelt klingen sie trotzdem in jeder Zeile an“, sagte Jury-Mitglied Ulrike Sárkány, Leiterin der Literaturredaktion bei NDR Kultur, in ihrer Laudatio auf die Nicolas-Born-Debütpreisträgerin Lisa Kreißler. In Kreißlers Geschichten schwinge eine mythische Qualität mit, die an alte Sagen erinnere. So entstehe eine Hyperrealität, die trotz der sehr realen Versatzstücke etwas Traumgleiches und Magisches bekomme.

Preisträgerin Lisa Kreißler: „Jeder Text ist für mich der Versuch, ein Destillat herzustellen. Wie fühlt es sich an, ein Mensch in dieser Welt zu sein? Wo tut es weh? Was stiftet Sinn? Worüber können wir lachen? Auf diese Fragen kommt es mir an. Ich beobachte, was mich umgibt, und sammele Einzelteile. Ich nehme mir vor, nur die Teile zu verwenden, die mich wirklich ins Schleudern bringen. Und während ich sie nebeneinanderstelle, in der Hoffnung, sie mögen sich miteinander verbinden, darf die Gegenwart mitreden.“

Hintergrund:

Die Nicolas-Born-Preise sind die Literaturpreise des Landes Niedersachsen und mit insgesamt 30.000 Euro dotiert. Mit dem Preis werden Schriftstellerinnen und Schriftsteller für ihr herausragendes künstlerisches Werk geehrt. Er wird auf Empfehlung einer Fachjury vergeben. Bis 2018 wurde der Nicolas-Born-Preis jährlich vergeben. Ab 2019 wechselt er sich in zweijährigem Rhythmus mit dem neu eingeführten Walter-Kempowski-Preis für biografische Literatur ab, der im kommenden Jahr zum ersten Mal vergeben wird.“

Quelle: www.mwk.niedersachsen.de [1]

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