100 Jahre Erster Weltkrieg – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 12 Oct 2018 12:35:35 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Verbrüderung an der Front https://www.tiefgang.net/verbruederung-an-der-front/ Fri, 19 Oct 2018 22:57:21 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4385 [...]]]> Buxtehude und Blagnac sind deutsch-französische Partnerstädte. Ihre Geschichte war nicht immer freundschaftlich, was nun in einer akribischen Ausstellung manifest wird.

In der Mitteilung der Stadt Buxtehude heißt es:

„Buxtehude. In Buxtehudes französischer Partnerstadt Blagnac ist eine Gruppe von Hobbyhistorikern darum bemüht, jedes auch nur kleinste Detail der Stadt und ihrer Bewohner festzuhalten und den Bewohnern in Publikationen, Ausstellungen und Führungen erfahrbar zu machen. Vor einiger Zeit trat die Gruppe „Blagnac Histoire et Mémoire“ über die Amicale franco-allemande an den Deutsch-Französischen Freundschaftskreis e.V. Buxtehude (DFFK) heran, mit dem Ziel, 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges eine Gedenkausstellung in Blagnac zu veranstalten. Wichtig war den Organisatoren dabei „französische und deutsche Zeugnisse dieser Periode für eine gemeinsame Ausstellung zu sammeln“.

Dabei kam das Buxtehuder Stadtarchiv ins Spiel. Leiterin Eva Drechsler traf sich nun mit Vertreterinnen und Vertretern des DFFK, um eine kleine Auswahl an Quellen zusammenzustellen und als Reproduktion nach Blagnac zu geben. Es handelt sich dabei u.a. um ganz persönliche Dokumente von Familienangehörigen der Vereinsmitglieder wie Feldpostbriefe, aber auch um Texte aus der Wochenzeitschrift „Weltbühne“, dem Sprachorgan der linken Intellektuellen Anfang des 20. Jahrhunderts.

Im Stadtarchiv selbst geben Zeitungsartikel Aufschluss über die Zeit des Kriegsendes. So war zum Beispiel im Buxtehuder Wochenblatt vom 12.11.1918 von „Verbrüderungsszenen an der Front“ zu lesen; der Anzeigenteil führt einerseits Werbung für Konsumgüter und Vorankündigungen fürs Theater und andererseits Aufrufe zum sparsamen Umgang mit Lebensmitteln und Todesanzeigen gefallener Soldaten auf. „Diese Dokumente belegen, wie das Leben in der Stadt trotz der Zäsur des Krieges weiterging“, so Stadtarchivarin Eva Drechsler.

In den Feldpostbriefen hingegen wird die ganz persönliche, kritische Sicht eines Soldaten deutlich, der seine Lebenssituation hinterfragt und dennoch nichts daran ändern kann. Ein einzelnes Schicksal, aber dennoch universell auf viele seiner Zeitgenossen übertragbar. „So beschreibt er das Umfeld des Krieges, den Trennungsschmerz und seine Sehnsucht nach Normalität im Kreise seiner Familie“, erzählt Johanna Layer, Vorsitzende des Deutsch-Französischen Freundschaftskreises. Noch heute befinden sich in einem der Briefe 100 Jahre alte getrocknete Blumen, die er seiner Frau nach Buxtehude-Altkloster schickte.

In der Weltbühne, die Helga Pehrke, Gründungsmitglied des DFFK, näher untersucht hat, werden verschiedene Stimmen auf intellektueller Ebene hörbar und der Zeitgeist gegen Ende des Krieges spürbar. Ein Foto aus dem Bestand der Halepaghen-Schule, das im Stadtarchiv aufbewahrt wird, macht darüber hinaus deutlich, wie hart das Schicksal die Menschen traf: Im Nachhinein wurden die Namen derjenigen Schüler auf dem Gruppenfoto unterstrichen, die den Krieg nicht überlebt hatten und ihr Leben an der Front ließen.

Die Ausstellung in Blagnac ist eine Chance, sich 100 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen vor Augen zu führen, wie die Menschen in beiden Ländern mit diesen Umwälzungen umgingen. „Wir sind nun sehr gespannt, wie unsere Quellen in die Ausstellung mit einfließen“, so Eva Drechsler abschließend.“

Quelle: www.buxtehude.de

 

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100 Jahre Erster Weltkrieg https://www.tiefgang.net/100-jahre-erster-weltkrieg/ Fri, 22 Sep 2017 22:27:16 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2203 [...]]]> Im nächsten Jahr jährt sich das Ende des Ersten Weltkrieges zum 100. Male. Es scheint selten so wichtig gewesen zu sein, daran zu erinnern. Und dabei helfen gleich hundert Projekte …

2018 jährt sich das Ende des Ersten Weltkrieges zum hundertsten Mal. Vier Jahre zuvor, am 1. August 1914, entbrannte in Europa ein Krieg, in den weltweit eine große Anzahl an Ländern verwickelt war. Er brachte tiefgreifende Veränderungen der Gesellschaften und Staaten in Europa mit sich und legte den Grundstein für nachfolgende Konflikte und für den Aufstieg totalitärer Ideologien. Rund 30 Millionen Menschen waren von der «Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts» betroffen – sie starben, wurden verwundet oder litten unter den unmittelbaren Folgen für die Zivilbevölkerung.

Vom Nationalismus zur EU

Doch wer hätte am Beginn der Kriegswirren des vergangenen Jahrhunderts gedacht, dass 100 Jahre später – 2018 – die Bürgerinnen und Bürger dieser von Kriegen und Konflikten geplagten Region an der Zusammensetzung eines demokratisch gewählten gemeinsamen Europäischen Parlaments mitwirken können? Oder dass die neue politische Ordnung, die Union, auf die sich die Staaten Europas nach einem schmerzvollen Lernprozess geeinigt hatten, sogar mit dem Friedensnobelpreis für Frieden, Versöhnung, Demokratie und Menschenrechte ausgezeichnet würde?

Es scheint so, dass diese Errungenschaften heute in der Wahrnehmung vieler Menschen in Europa nicht mehr genug gewürdigt werden. Aber gerade in Zeiten der Europaverdrossenheit ermahnen die schmerzvollen Erinnerungen an die Katastrophen des 20. Jahrhunderts, dass nicht die Wiederbelebung von nationalen Konzepten die Zukunft Europas sein kann, sondern vielmehr die Stärkung der europäischen Identität und die Suche nach gemeinsamen Lösungen erstrebenswert sind.

Das europäische Bewusstsein

Die Weiterentwicklung eines europäischen Bewusstseins und die Frage nach einer möglichen kollektiven Erinnerung, die eine transnationale Erinnerungskultur möglich macht und das Kennenlernen und Verstehen der unterschiedlichen nationalen Geschichtsbilder zur Voraussetzung hat, sind hierbei von zentraler Bedeutung – gerade bei den jüngeren Generationen, die die Kriegswirren und deren jahrzehntelang anhaltenden Folgen nie selbst miterlebt haben.

Auch in Deutschland und Frankreich sind der Erste Weltkrieg und dessen Folgen für Europa Gegenstand der Gedenkarbeit und zahlreicher Initiativen. Deshalb möchte das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) unter dem Titel „100 Jahre Erster Weltkrieg – 100 Projekte für den Frieden in Europa“ mit einer besonderen Projektförderung junge Menschen, Träger der Jugend- und Bildungsarbeit sowie zivilgesellschaftliche Vereine und Verbände in Deutschland und Frankreich ermutigen, gemeinsam binationale und trinationale Projekte zu entwickeln, um jungen Menschen europäische Werte und deren länderübergreifende Bedeutung näher zu bringen und sich an dieser europäischen Gedenk- und Erinnerungsarbeit zu beteiligen.

Zukunftsweisende Projekte

Eingereicht werden können innovative und zukunftsweisende Projekte zu diesem Thema (z.B. Geschichtsaufarbeitung / Erinnerungsarbeit, Stärkung des europäischen Einheitsgedankens, deutsch-französische Spurensuche der Familien- oder Ortsgeschichte, Dialog zwischen den Generationen, Multimedia-Projekte, Publikationen, Forschungsprojekte,…). Zwei Aspekte sollen privilegiert werden: die Friedenserziehung und die Überlegung, mit welchen Instrumenten man Erinnerungsarbeit übermitteln kann.

Zielgruppe der Projekte: junge Menschen, Schülergruppen, Studenten, Multiplikatoren, (Heimat-)Forscher, Pädagogen…

Wie viele Projekte werden berücksichtigt?

Das DFJW fördert pro Jahr des Gedenkens (2014-2018) 20 Projekte. Ziel war und ist es, über diesen Zeitraum von 5 Jahren insgesamt 100 Projekte zum Gedenken an 100 Jahre Erster Weltkrieg zu fördern.

Rahmenbedingungen

Das Gedenken zum Ausbruch des 1. Weltkriegs war Anlass und Rahmen der Ausschreibung. Die Projekte sollen zurückblicken, aber vor allem auch Ausblick geben auf unsere gemeinsame deutsch-französische Zukunft in Europa. Wie man sich mit dieser Thematik befasst, ist frei wählbar, innovative Methoden sind erwünscht. Das Projekt muss jedoch grundsätzlich dem Artikel 3.5.5. der Richtlinien des DFJW (dfjw.org/richtlinien, S. 37 u. 95) entsprechen.

Träger der Projekte können sein: Einzelpersonen oder Jugendverbände, Einrichtungen, Organisationen und Vereine in den Bereichen Jugend- und Erwachsenenbildung, Kultur, Sport, Wissenschaft, Medien, Schul-, Hochschul- und Berufsbildung, Gedenkstätten oder Partnerschaftskomitees usw.

Das Projekt kann am Heimatort, am Ort des Partners oder an einem Drittort stattfinden. Trilaterale oder multilaterale Projekte (mit regionalem Bezug) sind ebenfalls möglich. Bei der Durchführung des Projekts sollen möglichst sowohl die französische als auch die deutsche Sprache verwendet und gesprochen werden.

Auswahlkriterien

Vorrangig werden Projekte berücksichtigt, die eine aktive Teilnahme der Jugendlichen an der Vorbereitung und Durchführung der Programme erfordern. Konzeption und Inhalte sollen sich direkt an den Interessen junger Menschen orientieren. Innovation und Kreativität sind neben der Sichtbarkeit und der Kommunikationsfähigkeit der Projekte weitere wichtige Kriterien.

Finanzierung, Unterstützung und Auswertung

Das DFJW wird die ausgewählten Projekte entweder mit einer Rahmenvereinbarung fördern, wie es die Richtlinien des DFJW für „besondere Veranstaltungen und Partnerschaften“ (Artikel 3.5.5.) vorsehen, oder – falls es sich bei dem Projekt um eine „konventionnelle“ Gruppenbegegnung handelt – gemäß der in den Richtlinien vorgesehenen Fördersätzen (Fahrt- und Aufenthaltskosten sowie sonstige Kosten). Die Projekte werden auf der Internetseite des DFJW in Form eines Kalenders veröffentlicht.

Eine zusätzliche Förderung der Projekte durch andere Organisationen oder Sponsoren wird empfohlen und vom DFJW unterstützt, solange die Sichtbarkeit des DFJW gewährleistet ist. Die inhaltliche und logistische Vorbereitung und Durchführung der Projekte obliegen ausschließlich den Projektträgern. Spätestens zwei Monate nach Projektende ist dem DFJW ein Verwendungsnachweis mit einer ausführlichen Auswertung des Projekts vorzulegen.

Kommunikation

Die Projektträger bekommen Zugang zu einer interaktiven Internet-Plattform, auf der Informationen zu den Projekten (Programme, Fotos, Videos usw.) online gestellt werden können. Das DFJW kann die veröffentlichen Bilder, Musik oder Videos für seine Zwecke verwenden.

Die Verantwortlichen der ausgewählten Projekte verpflichten sich, die Medien über das Projekt und die Beteiligung des DFJW zu informieren. Die Pressestelle des DFJW kann die Organisatoren bei der Pressearbeit unterstützen.

Antragsverfahren, Projektdauer und Fristen

Die Bewerbungen für Projekte im Kalenderjahr 2018 müssen spätestens bis zum 1. November 2017 eingereicht werden.

Die Projektanträge werden ausschließlich über ein Bewerbungsformular per Mail eingereicht: 100(at)dfjw.org

Die Auswahl der Projekte übernimmt eine DFJW-interne Jury, mit beratender Unterstützung eines oder mehrerer Experten, die mit dem Thema „1. Weltkrieg“ besonders vertraut sind.

Die Auswahl eines Projekts garantiert nicht, dass weitere Phasen oder ähnlich geartete Projekte in den Folgejahren ebenfalls eine Förderung erhalten. Die Projekte, die nicht im Rahmen der Projektausschreibung gefördert werden können, werden in das jeweils zuständige Referat weitergeleitet. Dort wird eine eventuelle Förderung über eine andere Haushaltslinie des DFJW geprüft.

Alle Projektträger, die normalerweise ihre Anträge über eine DFJW-Zentralstelle stellen, verpflichten sich, die Zentralstelle über ihre Teilnahme an dieser Ausschreibung zu informieren. Pro Projekt kann nur ein Antrag eingereicht werden. Falls mehrere Partner an einem Projekt teilnehmen, stellen diese Projektträger den Antrag gemeinsam. Jegliche Änderung nach Auswahl der Projekte muss dem DFJW umgehend mitgeteilt werden.

Abschlussdokumentation

Nach Projektende muss eine Abschlussdokumentation bzw. ein aus dem Projekt hervorgegangenes Werk vorgelegt werden. Die Form ist frei wählbar: Bericht, Film, Fotos/Collagen mit Kommentaren, Internetseite o. ä.

  • 01.11.2017: Einsendeschluss für die Bewerbungen 2018

Formular: EinzelantragFormular: Mehrere Träger

Kontakt : 100(at)dfjw.org

Quelle: geschichte-erinnerung.dfjw

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