Albrecht Dürer https://www.tiefgang.net Thu, 16 Mar 2023 15:21:19 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Dürer, Bossard und Natur https://www.tiefgang.net/duerer-bossard-und-natur/ Fri, 17 Mar 2023 23:16:23 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9816 [...]]]> Die Kunststätte Bossard bei Jesteburg bietet aktuell ein umfangreiches Kultur- und Bildungsangebot für Jung und Alt.

Da ist zum einen ein aufschlussreicher Vortrag an der Kunststätte Bossard zu „Albrecht Dürer im Fokus“. Die Vorträge des Kunsthistorikers Dr. Thomas Carstensen an der Kunststätte Bossard erfreuen sich ohnehin großer Beliebtheit. Anschaulich, kurzweilig und amüsant führt er in die Themen der Kunstgeschichte ein. Am Sonntag, dem 26. März 2023, nun nimmt er Albrecht Dürer in seinen Fokus.

Foto: Dr. Carstensen

Dürer ist zweifellos ein Bahnbrecher der abendländischen Kunst: Er schuf das früheste Selbstporträt in der Kunstgeschichte und die erste Aktzeichnung nördlich der Alpen. Er ist Erfinder des Markenzeichens und führte den ersten Urheberrechtsprozess – die Liste seiner Pioniertaten ist lang. Doch in erster Linie ist Dürer ein genialer Künstler, der mit seiner Beobachtungsgabe und der Fähigkeit sie künstlerisch umzusetzen, der Menschheit die Augen geöffnet hat für die Schönheit der Welt. Egal ob Fürst oder Grasbüschel, ob Handelsmagnat oder Vogelflügel – betrachtet mit Dürers Augen ist alles gleich faszinierend. Albrecht Dürer hat ein gewaltiges Lebenswerk geschaffen, das heute genauso frisch und modern wirkt wie vor über 500 Jahren.

Der Vortrag mit Dr. Thomas Carstensen beginnt um 11 Uhr. Karten vor Ort oder mit Anmeldung unter 0 41 83 / 51 12 oder info@bossard.de.

Dann gibt es ein neues Schulbildungsprogramm der Kunststätte Bossard. Die Kunststätte Bossard präsentiert damit zu Beginn der Museumssaison ein umfassendes künstlerisch-geschichtliches Angebot für Schüler zwischen 10 und 20 Jahren. Der Fokus liegt dabei nicht nur auf der künstlerischen Bildung, sondern explizit auch auf der kritischen Auseinandersetzung mit der Geisteshaltung des Künstlerehepaars Johann und Jutta Bossard im Wandel ihrer Zeit.

„Die Kunststätte Bossard ist mit ihren expressionistischen Bauten, der künstlerisch gestalteten Gartenanlage und der besonderen Hintergrundgeschichte seiner Schöpfer ein außerschulischer Lernort mit ungewöhnlichen Möglichkeiten“, so Alexandra Eicks, verantwortliche Kunstvermittlerin der Kunststätte Bossard, die das Programm entwickelt hat.

Die Kunststätte Bossard bietet in den unterschiedlichen Angeboten für die Schulklassen die einmalige Gelegenheit, an einem authentischen Ort, an dem ein Künstlerehepaar gelebt und gewirkt hat, Zeitgeschichte und Zeitepochen wie das wilhelminische Kaiserreich, die Weimarer Republik, die Zeit des Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit am Beispiel des Künstlerehepaars zu verstehen. Gleichzeitig erfahren die Schülerinnen und Schüler einen Teil der Regionalgeschichte des Landkreises und auch Jesteburgs.

„Innerhalb unseres neuen Schulangebotes erarbeiten wir gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern und Ihren Lehrern künstlerische Techniken und Themen und streifen dabei gleichzeitig die Geschichte, die bis in die heutige Zeit hineinreicht und immer wieder eine kritische Auseinandersetzung der Jugendlichen einfordert“, so Alexandra Eicks. Zu den Angeboten gehören zum Beispiel Comiczeichnen, Kalligrafie, Kaltnadelradierung oder Skulpturenbau aus Porenbeton. Vor der Praxiseinheit steht immer ein theoretischer Teil in Form einer Führung zur Biografie des Künstlerehepaars und zu den künstlerischen Bauten der Kunststätte, bevor der praktische Teil anschließt. Für die Klassenstufen 9 bis 13 wird eine Spezialführung für den Geschichtsunterricht zum Thema Nationalsozialismus angeboten.

Ab sofort ist es möglich, dass die Kunststätte Bossard in Zusammenarbeit mit den Schulen und dem Landkreis Harburg den Schülertransport ans Museum und zurück zur Schule organisiert. So haben alle Schulen im Landkreis Harburg die Möglichkeit, die neuen Vermittlungsangebote an der Kunststätte Bossard anzunehmen. Dafür stehen zwischen 8.30 Uhr und 11.30 Uhr Busse der KVG zur Verfügung. Weitere Informationen zu den Kosten und der Organisation des Schulvormittags an der Kunststätte unter 04183/5112 oder info@bossard.de. www.bossard.de

Und dann gibt es da auch noch das Kreativprogramm für Kinder in den Osterferien. Dabei erobern Naturkinder die Kunststätte Bossard!
Für Kinder ab 6 Jahren bietet die Kunststätte Bossard im März und April zahlreiche kreative Aktivitäten an. „Netti & Bossard“ heißt ein Nachmittag für Kinder, der in Kooperation zwischen „Nettis Naturkinder„, einem Projekt der Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern, und der Kunststätte Bossard organisiert wird.

Das kostenfreie Programm für Kinder ab 6 Jahren findet einmal im Monat in der Zeit von 14 – 16 Uhr bzw. ab April von 15 -18 Uhr statt und eröffnet Kindern einen Raum, in dem sie zusammen mit der zertifizierten Waldpädagogin Annette von Karp Kunst und Natur kreativ und abenteuerlich entdecken können. Am Freitag, dem 24. März 2023, werden passend zur nahenden Osterzeit Gänseeier mit Naturmaterialien gefärbt. Anmeldung und Info unter Telefon: 0 41 83 / 51 12 oder info@bossard.de. Weitere Termine für „Netti & Bossard“ auf www.bossard.de

Für die Osterferien plant die Kunststätte Bossard zusammen mit Jugend Aktiv e.V. ein buntes Ferienprogramm. Die Vormittags- und Nachmittagskurse dauern jeweils 2,5 Stunden, in denen die Kinder künstlerische Materialien kennenlernen und unterschiedliche Techniken und Werkzeuge erproben werden.

Insgesamt vier Kunsttage mit acht spannenden Themen hat das Kreativteam der Kunststätte vorbereitet:

Die Termine in der Übersicht, Altersangaben, Uhrzeiten und Kosten unter www.bossard.de. Die Anmeldung für alle Veranstaltungen im Museum erfolgt über Jugend Aktiv e.V. unter Telefon 0 41 83 / 9 75 75 70 oder info@jugend-aktiv.eu.

Ort: KUNSTSTÄTTE BOSSARD, Bossardweg 95, 21266 Jesteburg; www.bossard.de

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Kunst, Liebe und Demut https://www.tiefgang.net/kunst-liebe-und-demut/ Fri, 14 Feb 2020 23:10:24 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6355 [...]]]> Dass Urheberrecht eine recht emotionale Sache ist, wird bei der fiktiven Geschichte von „Venus AD“ von Gabriele Borgmann klar. Nun liest sie daraus bei der 5. SuedLese. Grund genug, mal nachzuhaken …

In der Novelle „Venus AD“ von Gabriele Borgmann (siehe auch „Als Cranach bei Dürer klaute“) dreht sich alles um das wohl erste Plagiat in der Geschichte der Malerei. Lucas Cranach hat die Venus-Skizze aus der Dürer´schen Werkstatt gestohlen und beeindruckt mit der lasziven Schönen die Kenner der Kunst. Doch bemerkt der wahre Urheber, Albrecht Dürer, diesen Diebstahl und setzt alles daran, die atemberaubende Schöpfung wieder sein Eigen nennen zu können. Entschlossen springt er durch die Zeit, will sich zurückholen, was ihm gehört, und sein Monogramm auf die Venus ritzen. So landet er im Jahr 2019 vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin, vor den Füßen der Doktorandin Nele Rosenbach. Was folgt, ist eine besondere und zeitlose Nacht voller Emotionen und neuer Erkenntnisse.

Tiefgang (TG): Bei der Wahl deines Motives spielt dein Hintergrund vermutlich eine große Rolle: Du hast Kunstgeschichte studiert. Kam dir die Grundidee schon während deines Studiums oder hat dich die Muse erst später geküsst?

Gabriele Borgmann: Meine erste Hausarbeit als Studentin der Kunstgeschichte drehte sich um Albrecht Dürer. Seine Neugierde auf das Leben, sein scheinbar unstillbarer Hunger nach Wissen faszinierten mich. Und ich war beeindruckt von seiner Fähigkeit, mit Farbe und Formen Geschichten zu erzählen. Wenn wir bedenken, dass um 1500 jenseits der Schlösser, Klöster und Humanisten-Häuser kaum jemand in der Lage war, uneingeschränkt zu lesen und zu schreiben, kaum jemand den literarischen Sinn von Worten erfassen konnte, dann hat Dürer mit seinen Bildern sowohl Kunst als auch Aufklärung geschaffen. Er war Maler und Autor seiner Werke. Er erzeugte Spannung und ein Gänsehautgefühl, er zauberte ein Schmunzeln und gleichsam eine Verneigung vor dem, was höher war als die Vorstellungskraft. So, dachte ich, sollte mein Protagonist sein, warum also nicht gleich den Künstler höchstpersönlich wählen?

TG: Die Geschichte selbst ist so geschrieben, dass sie sich auch ohne deine fachspezifischen Kenntnisse erschließt, oder?

Gabriele Borgmann: Da zitiere ich gerne die BILD-Zeitung. Sie schrieb: „Ein (Berliner) Kunstroman, der sich stellenweise spannend liest wie ein Krimi, aber auch nonchalant daherkommt – wie ein lauer Sommerwind. Das Ganze garniert mit einer Prise Erotik. Eine Lektüre, die unterhält und amüsiert!“ Und doch ging es mir auch darum, die Substanz einer Kunst zu spiegeln. Es bleibt in Erinnerung, wie Dürer mit feiner Feder die Natur abbildete, wie überhaupt die großen Maler die kostbarsten Farben mischten. Die Künstler des Mittelalters waren auch Alchemisten! Wer sich die Ingredienzen nicht leisten konnte, der nagte am Hungertuch. Denn die Farben, die Adel und Klerus liebten, die kosteten mehr als Gold. In aufwändiger Art wurde der Natur entlockt, was Bildern Leuchtkraft gab. Heute noch kostet ein Gramm Purpur rund 2.000 Euro. Wenn man mich also nach der Absicht hinter der Erzählung fragt, hat die Antwort mehrere Facetten: Liebesgeschichte, Kunstraub und Verneigung vor der Malerei.

TG: Es hört sich abenteuerlich an, kunsthistorische Figuren in einen Zeitreise-Kontext zu stellen und einen bedeutenden Künstler in der Moderne ankommen zu lassen. Geht das schon in Richtung Fantasy?

Gabriele Borgmann: Ein Zeitsprung ist ein Fantasy-Element, ja. Aber es geschieht in „Venus AD“ unspektakulär, wird alleine durch die Emotion getrieben. Für mich war die Vorstellung verführerisch, Dürer durch das moderne Berlin spazieren zu lassen, ihn mit den Eitelkeiten zu konfrontieren, die doch so alt sind wie die Zeit, aus der er kommt.

TG: Wähltest du Dürer bzw. die Venus, um eine Liebesgeschichte zu schreiben? Oder hast du eine skurrile Liebesgeschichte ersonnen, um Themen wie Kunst, Urheberrechte u.ä. zu behandeln?

Gabriele Borgmann:  Ich habe die Liebesgeschichte ersonnen, um dem vermutlich ältesten Plagiat der Kunstgeschichte eine Prosa zu geben.

TG: Was denkst du persönlich darüber, wie wichtig die Signatur eines Künstlers für sein Werk ist? Bei der Betrachtung und Bewertung scheint der Bekanntheitsgrad eine immense Bedeutung zu haben, auch für den Künstler/ die Künstlerin selbst.

Gabriele Borgmann: Albrecht Dürer durfte als erster deutscher Maler offiziell seinen Bildern ein Monogramm zufügen. Das hatte der Nürnberger Rat entschieden, um seine Werke vor Fälschern und Kopisten zu schützen. Schon damals erkannte man den Wert seiner Ideen, Skizzen, Werke.

TG: Was hältst du vom Konzept von Artotheken, d.h. wie vielversprechend findest du den Ansatz, auf diese Weise einen freieren Zugang zu Kunst und dem zugrunde liegenden kreativen Geist zu ermöglichen?

Gabriele Borgmann:  Das hat zwei Seiten, die harmonieren. Auf der einen Seite steht die Kunstförderung, die steigende Bekanntheit des Künstlers. Auf der anderen Seite beschäftigt sich derjenige, der ein Werk ausleiht, mit Intention und Motiv, vielleicht auch der Technik zum Bild. Kunst sollte nicht abhängig vom Geld sein, sondern Kreativität und Liebe zu den Werken sollten im Vordergrund stehen. Ja, bitte mehr davon!

TG: Wenn du vor der Rückreise nach Berlin noch Zeit findest, schau´ doch mal bei der Kunstleihe Harburg rein, der ersten Artothek in Hamburg. Schließlich gehört zu deinem Themenspektrum u. a. Kommunikation, Kunst und Kultur, Zeitgeist und Chancen im Leben.

Gabriele Borgmann: Ich freue mich auf Hamburg, auf die Lesung und nun auch auf die erste Artothek in der Stadt.

TG: Wir wünschen den Zuhörern spannende Unterhaltung! Vielen Dank für das Interview.

(das Interview für ´Tiefgang führte Sonja Alphonso)

Weitere Infos zur Autorin: www.gabrieleborgmann.com15

Termin: Am Do., 05. Mrz, Gabriele Borgmann – Venus AD, um 19 Uhr im „Komm du“, Buxtehuder Str. 13, 21073 Hamburg

 

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Als Cranach bei Dürer klaute https://www.tiefgang.net/als-cranach-bei-duerer-klaut/ Fri, 14 Feb 2020 23:02:22 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6291 [...]]]> Unser einstiger Bundestagspräsident Wolfgang Thierse las und fand ihn „spanend und vergnüglich“: den Debut-Roman der Berliner Autorin Gabriele Borgmann. Sie stellt ihn zum Auftakt der 5. SuedLese im ´Komm du` vor.

Schon zum Auftakt der Literaturtage SuedLese am 5. März haben wir im Kulturcafé ´Komm du` ein literarisches Debüt: Die Autorin Gabriele Borgmann liest aus ihrem ersten Roman “Die Geburt der Venus nördlich der Alpen” vor. (siehe auch das Interview „Kunst, Liebe und Demut“)Und da es um einen Urheberstreit der besonderen Art geht, ist die Nähe zum Harburger Amtsgericht vielleicht gar von Vorteil.

In der romantisch-skurrilen Geschichte dreht sich alles um das wohl erste Plagiat in der Geschichte der Malerei. Denn Lucas Cranach gehen die Ideen aus. So stiehlt er kurzerhand eine gemalte Skizze von Albrecht Dürer: die Venus mit Amor. Mit der lasziven Schönen beeindruckt Cranach die Kenner der Kunst. Doch der wahre Urheber, Albrecht Dürer, bemerkt diesen Diebstahl. Er gerät außer sich. Die Venus ist seine Schöpfung! Sie muss sein Monogramm tragen.

In seinem Zorn überwindet er Raum und Zeit. Er landet im Jahr 2019 vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin, vor den Füßen der Doktorandin Nele Rosenbach. Die reagiert geistesgegenwärtig und nimmt den Meister mit in ihre Mansardenwohnung, um zu erfahren, was der Kunstwelt bislang verborgen blieb. Was folgt, ist eine besondere und zeitlose Nacht voller Emotionen und neuer Erkenntnisse…

Gabriele Borgmann hat Kunstgeschichte studiert. Als Ghostwriterin konzipiert und schreibt sie Sach- und Unternehmensbücher. Sie berät Autoren und Autorinnen vom Exposé bis zur Buch-PR. Mit ihren Arbeiten in namhaften Verlagen blättert sie ein Themenspektrum aus Markenbildung, Unternehmenskultur, Kommunikation, Zeitgeist, Kunst und Chancen im Leben auf. Als Autorin veröffentlichte sie Bücher über das Schreiben. In ihren Ratgebern „Business-Texte“ und „Vom Exposé zum Bucherfolg“ ermutigt sie die Leser, eine eindrucksvolle Schreibstimme zu trainieren und mit Freude an Sätzen zu feilen, bis sie funkeln.

Mit ihrer Novelle greift sie die Geschichte einer schöpferischen Konkurrenz zwischen Albrecht Dürer und Lucas Cranach auf, die sich in der Renaissance ein malerisches Duell mit Aktbildern lieferten. Der Kunstraub ist dichterische Freiheit, aber das sind Zeitreisen schließlich auch. Die Autorin schöpft in ihrem Berliner Künstler-Roman mit bildhafter Sprache eine gefühlvolle Handlung, die sich quer durch die Zeiten erstreckt – von der Renaissance in Nürnberg und Wittenberg bis in die Gegenwart der deutschen Hauptstadt.

Weitere Informationen: www.gabrieleborgmann.com

Platzreservierung per Telefon: 040 / 57 22 89 52  oder E-Mail: kommdu@gmx.de

 Termin: Do., 5. Mrz, 20:00 Uhr, Gabriele Borgmann – „Die Geburt der Venus nördlich der Alpen“, Kulturcafé Komm du, Buxtehuder Str. 13, 21073 HH-Heimfeld

Eintritt frei / Hutspende

Das Buch:

Gabriele Borgmann – Venus AD, PalmArtPress,

ISBN 978-3-96258-024-7, 190 Seiten,.

Preis: 20,- €

 

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Die Schönheit der Schichtarbeit https://www.tiefgang.net/die-schoenheit-der-schichtarbeit/ Fri, 10 Nov 2017 23:46:07 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2473 [...]]]> Albrecht Dürer war für seinen lebendigen Hasen bekannt. Sie holte sich einen Preis für ihren toten Hasen: Birgit Jaenicke. Nun stellt sie in Buxtehude aus – auch Teile des Atelierbodens.

In der Pressemitteilung der Stadt Buxtehude heißt es:

„Buxtehude. Die letztjährige Gewinnerin des Kunstpreises „KünstlerInnen sehen Buxtehude“, Birgit Jaenicke, präsentiert im Buxtehuder Marschtorzwinger vom 12. November 2017 bis zum 7. Januar 2018 Malerei, Zeichnungen und Illustrationen aus drei Jahrzehnten. „Schönheit ist empfundener Rhythmus“ ist der bei Christian Morgenstern entlehnte Titel dieser Ausstellung, die offiziell am Samstag, 11. November, 15 Uhr, von Buxtehudes Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt eröffnet wird. Einführende Worte spricht der Kunsthistoriker Dr. Wolf Jahn.

Die Hansestadt Buxtehude hatte die am Fleth – kaum 100 Meter vom Ausstellungsort entfernt – lebende und arbeitende Künstlerin zu dieser Ausstellung eingeladen, nachdem sie 2016 den mit 3.000 Euro dotierten Kunstpreis der Stadt gewonnen hatte. Birgit Jaenicke zeigt eine repräsentative Auswahl aus ihrem Schaffen von 1986 bis heute.

Farbschicht um Farbschicht

„Toter Feldhase oder das Ende eines Märchens“ heißt die Arbeit, mit der Birgit Jaenicke 2016 den Kunstpreis gewonnen hatte. Das mit Buntstiften/Aquarell gemalte Werk (50 mal 30 Zentimeter) erinnert in seiner Anmutung an die alten Meister. Dürers (lebender) Hase kommt dem Betrachter fast unweigerlich in den Sinn. Erst der ins Detail gehende Blick auf den toten Hasen zeigt, dass er aus rhythmischen Setzungen des Malwerkzeugs entstanden ist. Das sind auch die „Bodenarbeiten“. „Schönheit ist empfundener Rhythmus“ – hier offenbart sich eine Klammer zwischen den zunächst unterschiedlich anmutenden.

Birgit Jaenicke: Birke.

 Bei den Bodenarbeiten kommt nicht nur, was die Größe angeht, eine andere Dimension hinzu. Eine Gaze bildet ihre Basis. Auf ihr baut die Künstlerin in rhythmischer Bewegung Farbschicht um Farbschicht auf, so wie Wasser und Wind in der Natur rhythmisch formen. Die Reichweite des Arms, die Form des Pinsels, der Rhythmus der Bewegung bilden die Struktur. 100 Schichten und mehr liegen so bei einigen der Werke übereinander. Das Ergebnis sind bewegte und bewegende Flächen, deren Anmutung sich bei jedem Schritt des Betrachters um sie herum verändert.

Mit den Jahren abstrakter geworden

Birgit Jaenicke wurde 1958 in Mainz geboren, verbrachte ihre Schulzeit in Buxtehude und nahm 1980 ihr Studium an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg auf. Sie schloss es 1985 mit einem Diplom als Grafikdesignerin ab, um sich gleich im Anschluss schwerpunktmäßig der freien Kunst zuzuwenden. Ihre Malerei und Pinselzeichnungen waren zunächst überwiegend gegenständlich orientiert, wurden aber Jahr für Jahr abstrakter. Werke aus dieser Zeit wie der Flöte spielende „Pan“ mit schwarzer Leimfarbe auf Wellpappe gezeichnet oder Pinselzeichnungen  auf Briefumschlägen  werden auf der Ausstellung im Zwinger zu sehen sein.

Boden- und Schichtarbeiten. (Foto: B. Jaenicke)

Während eines Stipendiums des Landes Schleswig-Holstein mit Studienaufenthalt im Künstlerhaus Cismar entstanden 1992 die ersten Werke, die sich vom Figürlichen lösten und ausschließlich aus Farbe und Form heraus wirkten. Auch die sogenannten Bildgegenstände aus dieser Zeit werden ausgestellt. Ein Stipendium der Deutschen Akademie Rom mit Studienaufenthalt in der Rom nahen Casa Baldi markierte eine erneute Entwicklung. Inspiriert durch die hügelige Landschaft und das intensive, schnell wechselnde Licht widmete sich Jaenicke der Herausforderung, die Gesetzmäßigkeiten in der Wirkung von Landschaft, Licht und Bewegung zu ergründen und in ihrer Malerei ein- und umzusetzen.

 Kunst aus dem Atelierboden

Nicht immer ist es der bewusste künstlerische Schaffensakt, der Bilder entstehen lässt: Beim Arbeiten auf den Fußböden ihrer Ateliers früher in Hamburg und heute in Buxtehude ging der Pinsel immer wieder über den Bildrand hinaus. Jahr um Jahr, Schicht um Schicht. So entstanden auf dem Atelierboden selbst Formen, Rhythmen und Strukturen, die an Landschaften erinnern. Birgit Jaenicke schnitt diese Landschaftsfragmente aus dem Atelierboden heraus und ordnete sie den zugehörigen Werken zu. Auch diese Zuordnungen werden Teil der Ausstellung sein.

Ein Haufen seltsamer Vögel

Und noch etwas vollkommen anderes ist für den Zwinger angekündigt: ein Haufen seltsamer Vögel. Denn seit 2015 arbeitet Birgit Jaenicke, die von 1990 bis 1995 zusammen mit Christa Mücke die Jugendkunstschule Buxtehude aufgebaut hatte und seit 1997 mit ihrer Familie wieder ganz in Buxtehude lebt, auch an einem Bilderbuch. Dessen Zeichnungen zeigen fleißige Amseleltern, träumende Gänse und sogar artistische Stare.“

Quelle: www.buxtehude.de

12. November 2017 bis 7. Januar 2018: Ausstellung „Schönheit ist empfundener Rhythmus“ – Malerei, Zeichnung und Illustration von Birgit Jaenicke aus drei Jahrzehnten im Marschtorzwinger, Liebfrauenkirchhof 1, 21614 Buxtehude

Öffnungszeiten: Di. – Fr. 16 bis 19 Uhr, Sa. & So. 11 bis 18 Uhr. Eröffnung: 11. November, 15 Uhr

Weitere Informationen zur Künstlerin: www.birgit-jaenicke.de

 

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