Archäologie – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Thu, 25 Jul 2024 15:11:57 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Ein glänzender Tag im Museum https://www.tiefgang.net/ein-glaenzender-tag-im-museum/ Fri, 26 Jul 2024 22:06:22 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11051 [...]]]> An jedem ersten Sonntag im Monat stellt das Team des Buxtehude Museums ein abwechslungsreiches Programm aus einer Führung für Erwachsene und einem offenen Atelier für Kinder zusammen.

Am Sonntag, 4. August 2024 gibt es die Möglichkeit, um 14 Uhr alle Ausstellungen des Museums von der Stadtgeschichte über die Kunst bis zur Archäologie in einer Kompaktführung kennenzulernen. Bei dem unterhaltsamen Rundgang wird die Geschichte der Hansestadt Buxtehude lebendig und die Besonderheiten der Gemälde im Kunstkabinett sichtbar. Die Ausstellung zur sakralen Kunst zeigt religiöse Objekte aus dem Mittelalter und macht die Herausforderungen ihrer Restaurierung deutlich. In der Archäologie werden durch die Grabbeigaben aus dem Gräberfeld vom Immenbeck die Lebensumstände der Menschen im 4. bis 6. Jh. n. Chr nachvollziehbar.

Ab 15.15 Uhr startet dann die Kleine Sonntagswerkstatt, in der Kinder Goldfolie wie im frühen Mittelalter prägen können. Vor 1.500 Jahren wurden Gold- und andere Metallbeschläge oft mit komplexen Mustern aus ineinander verschlungenen Pflanzen, Formen und Tieren verziert. Unter dem Motto „Es ist fast alles Gold, was glänzt …“ gestalten die Teilnehmenden einen eigenen „Goldbeschlag“ nach archäologischem Vorbild.

Die Führung dauert 60 Minuten. Erwachsene zahlen 9,00 Euro inkl. Eintritt, Kinder ab 6 Jahren 4,00 Euro inkl. Eintritt. Die Kleine Sonntagswerkstatt findet von 15:15-17:15 Uhr statt und ist für Kinder ab sechs Jahren geeignet. Der Eintritt ist für Kinder frei, es fallen Materialkosten in Höhe von 2,00 Euro an. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen finden Sie unter www.buxtehudemuseum.de oder unter Telefon 04161 50797-0.

Der besondere Tipp: Am Donnerstag, den 8. August bietet das Museum, im Rahmen des Straßenkunstfestivals auf dem St.-Petri-Platz ein Kreativangebot für Kinder an. In Anlehnung an die Kunstwerke in der Ausstellung des Museums können die Teilnehmenden kleine Gemälde in Acryl malen. Das Angebot findet von 16-18 Uhr im Museum statt.

Buxtehude Museum für Regionalgeschichte und Kunst | St.-Petri-Platz 11 | 21614 Buxtehude

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Die Kompaktführung https://www.tiefgang.net/die-kompaktfuehrung/ Fri, 05 Jan 2024 23:24:51 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10505 [...]]]> Geschichte, Kunst, Archäologie – wo man schnell den Überblick verlieren könnte, fängt in Buxtehude eine Führung erst an.

Am Sonntag, 7. Januar 2024, lernen Erwachsene bei einer einstündigen Kompaktführung die abwechslungsreiche Ausstellung des Museums zu Buxtehudes Stadtgeschichte, Kunst und Archäologie kennen. Kinder bauen in der Sonntagswerkstatt mittelalterliche Spielzeuge wie einen Schnurrer nach.

Das Team des Buxtehude Museums startet sein Veranstaltungsjahr 2024 mit einem runden Angebot für Erwachsene und Kinder. In der Kompaktführung um 14:00 Uhr lernen die Teilnehmenden bei einem Rundgang die Vielfalt der Museumsthemen kennen und erfahren abwechslungsreich und unterhaltsam die Geschichte der Hansestadt Buxtehude. Welchen Blick hatten Hamburger Künstler im 19. Jahrhundert auf die Stadt? Wie läuft eine Ausgrabung ab und was wurde in Immenbeck alles gefunden? Und was verbirgt sich hinter dem begehbaren Kunstwerk des Museums?

Im Anschluss startet um 15:15 Uhr die Sonntagswerkstatt. Dieses Mal ist sie als offenes Atelier konzipiert. Unter dem Motto „Wie das Leben so spielt – Mittelalterliches Spielzeug selbst gebaut“ erfahren die Kinder, was z.B. eine Nussmühle, Schnurrer oder Alkerke ist. Sie können sich eines der Spielzeuge aussuchen und für zu Hause nachbauen.

Die Führung dauert 60 Minuten. Erwachsene zahlen 9,00 Euro inkl. Eintritt, Kinder ab 6 Jahren 4,00 Euro inkl. Eintritt. Die Kleine Sonntagswerkstatt findet von 15:15-17:15 Uhr statt und ist für Kinder ab sechs Jahren geeignet. Der Eintritt ist für Kinder frei, es fallen Materialkosten in Höhe von 2,00 Euro an.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen finden Sie unter www.buxtehudemuseum.de oder unter Telefon 04161 50797-0.

Der besondere Tipp: Nutzen Sie die letzte Gelegenheit, sich beim nächsten Atelierkurs für Erwachsene im Museum anzumelden. Am Sonntag, 14.1.2024, können Sie japanische Buchbindetechniken lernen und anwenden. Der Kurs „Ohne Leim und Presse“ findet von 11:30-15:30 Uhr statt. Kosten: 50 Euro inkl. Material, max. 10 Plätze.

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Das Design der Archäologie https://www.tiefgang.net/das-design-der-archaeologie/ Fri, 16 Sep 2022 22:49:11 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9326 [...]]]> Auf dem Altonaer Hopfenmarkt soll eine neu Außenstelle der Hamburger Archäologie entstehen: die „Neue Burg“.  Jetzt wurde entschieden, wie das architektonische Design aussehen soll …

Bei der finalen Jurysitzung zur Neugestaltung des Hopfenmarktes und zur Errichtung des Archäologischen Fensters „Neue Burg“ hat sich die Fachjury für die Entwürfe von Duplex Architekten mit Treibhaus Landschaftsarchitektur (auf dem 1. Platz) und von MNO Architekten Greubel & Schilp & Schmidt mit Planorama – Maik Böhmer (auf dem 2. Platz) entschieden. Die Entwürfe von kleyer.koblitz.letzel.freivogel architekten mit bbz Landschaftsarchitekten und von Summa Femmer Architekt:innen mit Grieger Harzer Landschaftsarchitekten erfuhren jeweils eine Anerkennung.

Die Entwürfe der Architektinnen und Architekten sehen für den Hopfenmarkt eine offenere, fußgängerfreundlichere Gestaltung vor sowie die Möglichkeit, die vor wenigen Jahren entdeckten, außergewöhnlich gut erhaltenen Teile des Walls der „Neuen Burg“ , die vor tausend Jahren erbaut wurde, unter der Platzfläche des Hopfenmarkts zu besichtigen.

Die „Neue Burg“ gilt als wichtige Keimzelle Hamburgs und ist im Stadtgrundriss bis heute sichtbar. Diese besondere Entstehungsgeschichte soll künftig erlebbar werden und damit Ausgangspunkt für die attraktive Neugestaltung des Platzes sein, der lange Zeit größtenteils als Parkplatz genutzt wurde. Die doppelte Wettbewerbsaufgabe – Neugestaltung des Platzes sowie Entwurf für eine Ausstellungsfläche – war darum eine besonders anspruchsvolle.

In dem Wettbewerbsverfahren hatten in der ersten Phase zunächst 30 Teams aus Architektinnen und Architekten sowie Freiraumplanerinnen und Freiraumplanern die Gelegenheit, für diese ungewöhnliche Aufgabe Lösungen vorzuschlagen. Daraus wurden neun Beiträge ausgewählt, die die Bürgerinnen und Bürgern unter Wahrung der Anonymität des Verfahrens besichtigen und kommentieren konnten. Die Kommentare wurden gesammelt und der Jury zur Kenntnis gegeben.

Zum Preisgericht gehörten neben Oberbaudirektor Franz-Josef-Höing, Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor Archäologisches Museum Hamburg, Michael Mathe, Leiter des Fachamts Stadt- und Landschaftsplanung im Bezirksamt Hamburg-Mitte, Bernd Netz, Leiter der Abteilung Landschaftsplanung und Stadtgrün der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft, Dr. Nils Meyer, stv. Leiter des Denkmalschutzamtes sowie eine Reihe renommierter Architektinnen und Architekten aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz, außerdem Sachverständige aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.

Im nächsten Schritt werden nun beide Preisträgerteams zu einem Verhandlungsverfahren eingeladen.

Prof. Jórunn Ragnarsdóttir, Freie Architektin und Juryvorsitzende: „Aus neun hervorragenden Beiträgen ist es gelungen, den Entwurf von Duplex Architekten mit dem ersten Preis auszuzeichnen. Raumübergreifendes Baumdach, attraktive Gestaltung des Stadtbodens und präzise Setzung eines Holzpavillons schaffen einen unverwechselbaren Ort in der Stadt. Der sensible Umgang mit dem denkmalgeschützten Mahnmal St. Nikolai und seine Einbindung in das Gesamtkonzept wird sehr positiv beurteilt. Die Hamburgerinnen und Hamburger können sich auf einen spannenden Platz mit großer Erzählkraft freuen.“

Franz-Josef-Höing, Oberbaudirektor: „Der Hopfenmarkt wird wieder zu einem attraktiven Ort in der Innenstadt. Das archäologische Fenster wird ein markantes, schönes, offenes Haus und zugleich erhält der Hopfenmarkt eine hohe Aufenthaltsqualität und bleibt ein baumüberstandener Platz, der zum Verweilen einlädt.“

Gordon Nelkner, Dezernent für Wirtschaft, Bauen und Umwelt im Bezirksamt Hamburg-Mitte: „Hamburg-Mitte wird an diesem zentralen Ort attraktiver und charismatischer. Die Siegerentwürfe bieten hohe Aufenthaltsqualitäten mit attraktiven Flächen zum Schlendern und Verweilen und gestalten einen identitätsstiftenden Freiraum an dieser Schnittstelle zwischen Altstadt und HafenCity.“

Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor Archäologisches Museum Hamburg: „In einem hochkarätigen Wettbewerb ist es gelungen, überaus spannende Entwürfe für eine Außenstelle des Archäologischen Museums zu finden, in dem die Ursprünge Hamburgs von der Hammaburg bis zur Stadtwerdung im 12. Jahrhundert hautnah erlebt werden können. Ich bin dankbar und glücklich, dass die Hansestadt ihre Wurzeln nun so prominent präsentiert und bin mir sicher, dass auch Hamburgs Gäste künftig eine bislang verborgene Facette der Stadt kennenlernen werden.“

Quelle: www.hamburg.de/bsw

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Was sich in der Erde verbirgt https://www.tiefgang.net/was-sich-in-der-erde-verbirgt/ Fri, 25 Mar 2022 23:15:50 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8885 [...]]]> Zu einem Bericht über die Ausgrabungen des Archäologischen Museums Hamburg auf dem abgebrannten Josthof-Gelände in Salzhausen mit Dr. Jochen Brandt lädt das Museum Marstall in Winsen.

Im Museum im Marstall können sich Besucher*innen am 2. April von 16.30 bis 18 Uhr auf eine Zeitreise begeben. Unter dem Titel „Wie Phönix aus der Asche – Archäologische Ausgrabungen auf dem Gelände des abgebrannten Josthofes in Salzhausen“ berichtet Dr. Jochen Brandt über die Grabungen auf dem Josthof-Gelände.

Der Josthof lag im Herzen des Ortes Salzhausen. Das beliebte Hotel und Restaurant brannte 2017 nahezu komplett nieder. Dadurch ergab sich für das Archäologische Museum die Möglichkeit, in tiefere Besiedlungsschichten unterhalb des Hauses vorzudringen und die Frühzeit Salzhausens näher zu erforschen. Die Grabungen, die von 2018 bis 2020 durchgeführt wurden, waren äußerst ergiebig. Nahezu lückenlos konnte eine Besiedelung des Geländes bis in das Mittelalter vor gut 1000 Jahren dokumentiert werden. Die Forscher stießen auf mittelalterliche Kellerbauten sowie auf sogenannte Grubenhäuser aus dem 10. Jahrhundert.

Dr. Brandt ist Kreisarchäologe am Archäologischen Museum Hamburg. Er gehört zum Expertenkreis der „7 Weisen“, die das Museum durch ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen unterstützen. In seinem Vortrag stellt er die Ergebnisse der Grabung vor und zeigt eine Auswahl der zahlreichen Gegenstände, die in Salzhausen geborgen werden konnten.

Der Eintritt kostet 3 € für Erwachsene. Kinder bis 18 Jahre und Mitglieder des Heimat- und Museumvereins haben kostenfreien Eintritt. Der Vortrag wird nach den aktuellen Hygienerichtlinien stattfinden. Eine Anmeldung wird empfohlen. Sie kann telefonisch an 04171-3419 erfolgen oder per Mail an info@museum-im-marstall.de.

Museum im Marstall, Schloßplatz 11, 21423 Winsen (Luhe), www.museum-im-marstall.de

 

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Tumult im Kolosseum! https://www.tiefgang.net/8094-2/ Fri, 25 Jun 2021 22:49:45 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8094 [...]]]> Die Sommerferien stehen vor der Tür und auf alle Kinder, die nicht mit ihren Eltern in den Urlaub fahren, warten spannende Abenteuer: Das Archäologische Museum Hamburg stellt Daheimgebliebenen Fahrkarten für die spannende Welt der Archäologie aus!

Und los geht es auf eine Zeitreise in die Welt der alten Römer. Am 3. und 4. August können alle Ferienkinder an einem Schreibworkshop teilnehmen: Mit Papyrus, Schreibrohr und Tinte und werden sie zum Rasenden-Rom-Reporter!
Auf der Entdeckungsreise durch das Archäologische Museum Hamburg wird die Zeit der alten Römer wieder lebendig. Direkt aus dem Kolosseum und als rasende Reporter berichten die Teilnehmer beim Ferienworkshop „Tumult im Kolosseum!“ am 3. und 4. August, jeweils von 10 bis 14 Uhr. Für die älteste Zeitung der Welt, die römische „Acta Diurna“, schreiben sie ihre Reportage direkt vom Ort des Geschehens und nutzen dafür Papyrus, Schreibrohr und Tinte. Anregungen dafür erhalten sie beim Besuch der Ausstellung „Gladiatoren – Helden des Kolosseums“. Als Quintus, Claudia, Aurelia oder Caius berichten sie von dort für die über 2000 Jahre alte Zeitung des Römischen Reichs von einem außergewöhnlichen Ereignis in der Arena. Die römischen Kampfarenen waren einst die größten Bühnen der Antike. Allein das Kolosseum in Rom fasste bis zu 50.000 Menschen, die dort die Kämpfe der Gladiatoren bejubelten. Diese galten zu ihrer Zeit als Helden, trainierten in speziellen Schulen wie heutige Spitzensportler und wurden mit aufwendigen Rüstungen ausgestattet. Aufregend ist es im Kolosseum daher immer, aber an diesem Tag muss etwas sehr Ungewöhnliches dort passiert sein – das Publikum ist besonders laut. Was ist da los? Das Erlebte können die Ferienkinder in einer fantastischen Reportage direkt weiterspinnen.
Alle Berichte werden auf echtem Papyrus festgehalten und auf einer Anschlagtafel zu einer gemeinsamen Zeitung. Wie im alten Rom sind alle Geschichten willkommen: sie können von Klatsch und Tratsch, sportlichen Rekorden, lustigen Pannen oder dramatischen Kettenreaktionen handeln. Die Schienbeinschoner, Federhelme und Kettenhemden der Ausstellung werden zu Requisiten der Geschichten. Selbstverständlich können die Papyri im Anschluss mit nach Hause genommen werden.

Informationen zum Workshop:

  • Schreibworkshop für Kinder von 10 bis 12 Jahren
  • Termine: 3.8. und 4.8. 2021, jeweils 10 bis 14 Uhr
  • Ort: Archäologisches Museum Hamburg, Harburger Rathausplatz 5, 21073 Hamburg
  • Anmeldung erforderlich: Museumsdienst Hamburg Tel. 040 428 131 – 0
  •  Teilnahme nur an einzelnen Tagen möglich, entweder am 3.8. oder am 4.8.
  • Kosten: 6,-/Kind
  • Kleidung anziehen, die schmutzig werden darf
  • Ausreichend Essen und Trinken für die Pause mitbringen
  • Medizinischer Mund-Nasen-Schutz erforderlich

Archäologisches Museum Hamburg, Museumsplatz 2, 21073 Hamburg

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Relikte einer vergangenen Zukunft https://www.tiefgang.net/relikte-einer-vergangenen-zukunft/ Fri, 14 Sep 2018 22:00:36 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4171 [...]]]> „Walhalla II ist ein Denkmal, das es  gegeben haben wird“, titulierte eine Meldung, die stutzig machen muss. Ein Projekt in Hamburg, das wir uns genauer angesehen haben.

„Walhalla II ist ein Denkmal, das es gegeben haben wird. Jetzt werden die Relikte dieser Zukunft ausgegraben.“ So umschreibt ein aktuelles Kunstprojekt seinen Anspruch und macht neugierig.

WALHALLA II sei das ´Preenactment eines Denkmals`. Ein Ort, der durch die Tendenzen der Gegenwart denkbar geworden ist – die spekulative Archäologie und Aufarbeitung einer möglichen Epoche. „Der Versuch, die Zukunft Europas und vor allem Deutschlands langsam und behutsam zu ruinieren.“

Zwischen September und Oktober 2018 werden im öffentlichen Stadtraum von Hamburg und Berlin nun archäologische Ausgrabungen durchgeführt, um Dokumente, Reste, Ruinenteile und Beweismittel einer Zukunft ausfindig zu machen. Vom Denkmal WALHALLA II.

Dahinter steckt das „Dokumentationszentrum Zukunft“. Ein Name, der nicht minder die Zeitschiene hinterfragt und ad absurdum führt.

Zwei Wochen läuft dieses Projekt und es soll „Artefakte einer spekulativen Zukunft werden im Rahmen zweier Sonderausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich“ machen. Dabei sieht sich das Dokumentationszentrum als „institutionalisierte Kassandra, jene von Apollon verfluchte Weissagerin, der niemand Glauben schenken wollte, weil es bequemer ist, sich in einer diffusen Angst vor der Zukunft einzurichten, als sich mit der Warnung vor dem auseinanderzusetzen, was bereits beginnt am politischen Horizont der Gegenwart sichtbar zu werden.“

Wir fragten Bastian Sistig von der Projektleitung, wie man denn auf so eine Idee überhaupt komme. Sistig: „Die Sonderaus­stellungen versprechen Aufarbeitung des Kommenden, Einfühlung in das Mögliche, und kritische Reflexion auf eine Epoche, die auf viele noch warten, einige herbei sehnen und andere zerstören werden. Wie verantwortlich ist Ästhetik und wie machtvoll das Dokument, die Zeugen und die Phantasie? Bei Walhalla II geht es um die Frage, ob eine spekulative Archäologie in der Lage ist in ein störendes Verhältnis zur Wirklichkeit zu treten. Das Dokumentationszentrum reagiert damit auf eine politische Praxis, die ständig neue, auf Fiktionen beruhende Echokammern generiert.“

Und so erkläre sich „Spekulative Archäologie“ als eine „prognostische Wissenschaft und künstlerische Strategie, der Zukunft als rätselhaften Befund zu begegnen – Statt Angst vor der Zukunft, wird kritische Distanz geübt.“

Eine mögliche Epoche im Vorhinein aufzuarbeiten sei dabei ein schmerzhafter Prozess, als ständigen Zweifel und sensibles Spekulieren. Dabei gehen die Macher*innen vom „Dokumentationszentrum Zukunft“ von Vergangenheit als einem „veralteten Konzept“ aus, „dass für das Dokumentationszentrum Zukunft nicht weiter von Interesse ist.“

Archäologie also als zukunftsorientierte Forschung?!? Ja, sagt Sistig, denn „die Archäologie gerät als Wissenschaft im 21. Jahrhundert an Ihre selbst aufgelegten Grenzen. Sie generiert kulturelle Identität und Ausschluss auf Basis einer Vergangenheit, auf die sich einige wenige geeignet haben. Spekulative Archäologie generiert produktiven Zweifel auf Grundlage einer Zukunft, die für alle gleichermaßen wahrscheinlich ist.“ 

Und es scheint eine dauerhafte Angelegenheit, denn „unsere Suche nach Walhalla2 läuft ja nun schon eine ganze Weile“, verrät uns Bastian Sistig. „Drei Grabungen haben bereits stattgefunden, nun folgt in Hamburg vom 13. bis zum 17. die nächste Grabung am Domplatz. Danach präsentieren wir erste Funde im Dokumentationszentrum Zukunft (Standort Hamburg) in Niendorf. Danach geht es zur Grabung am Molkenmarkt in Berlin. Auch in unserem Berliner Standtort werden im Anschluss unsere Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert. Die Besucher*Innen sollen in die Lage versetzen werden, sich selbst in einem anderen Verhältnis zur Zukunft zu verorten.“

Und dabei werden so ziemlich alle akademischen Register gezogen: ob Architektur, Archäologie, Philosophie, Kulturwissenschaften, theoretische Physik, Bildende- und Darstellende Kunst, Interface- und Ausstellungsdesign, Sozialwissenschaften, Betriebswirtschaftslehre, Journalismus und Photographie – all diese Disziplinen sind im Dokumentationszentrum vertreten und machen es daher auch auf völlig verschiedenen Betrachtungsebenen spannend.

Termine:

  • Non-Stop-Grabung Hamburg (Domplatz): bis 16. Sept. 2018 – Ausstellung WALHALLA II – Hamburg
  • Dokumentationszentrum Zukunft, Sootbörn 22, 22453 Hamburg: 09. bis 30.09. 2018
  • Non-Stop-Haupt-Grabung Berlin (Am Molkenmarkt): bis 7. Oktober 2018
  • Hauptausstellung WALHALLA II – Berlin
  • Dokumentationszentrum Zukunft, Alte Münze Berlin, Am Molkenmarkt 2, 10179 Berlin: 11. Okt. bis 21.Okt. 2018

Konzeption, Archäologie, Planung, Architektur und Kuration: Peter Behrbohm, Josephine Hans, Anselm Schenkluhn, Bastian Sistig, Kolja Vennewald Text und Dokument: Holger Fröhlich, Julia Lauter, Philipp Röding Bildrecherche, Dokumentation, Archiv und Expedition: Jonas Fischer, Philipp Meuser Tonfragmente: burgund t brandt Artefakte: Lena Marie Emrich, Samantha Bohatsch, Karoline Schneider, Øystein Aasan, Marie Köhler, Zuza Golinska, Gregor Rozanski Grabungteam: Daniel Degeest, Alyssa Marie Warncke, Josema Enriquez, Sarah Besch, Andrea Krohn, David Gómez, Klara Oehler u.a. Vermittlung: Janine Meißner Produktionsleitung: Friederike Schneider Beratung: Maria Kusche Technische Leitung: Florian Fink Technische Mitarbeit: Walter Habrich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Melanie Marten

Eine Produktion von PARA Inc und dem Dokumentationszentrum Zukunft.

Das Projekt wird gefördert vom Hauptstadtkulturfonds, aus Mitteln der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, Monika Grütters, der Hamburgischen Kulturstiftung und der Kulturbehörde Hamburg. In Kooperation mit dem Künstlerhaus Sootbörn Hamburg, der Alten Münze Berlin und dem 2OG – contemporary opportunities. Mit freundlicher Unterstützung des Archäologischen Museums Hamburg, des Landesdenkmalamtes Berlin und dem Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin. Ein Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018.

 

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Der Mythos von der „Hammaburg“: vom Wikinger zum Hanseaten https://www.tiefgang.net/der-ewige-mythos-von-der-hammaburg-vom-wikinger-zum-hanseaten/ Sat, 17 Dec 2016 18:22:32 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=203 [...]]]> Über die Ursprünge Hamburgs wird schon lange gerätselt. Dass aber Franken, Slawen und Wikinger unsere Gründungsväter sein sollen, mag überraschen.

Die Hammaburg – Keimzelle Hamburgs – wird seit Jahrhunderten auf dem Domplatz im Herzen der Stadt vermutet. Die spannende Suche nach der historischen Hammaburg ist dabei zum Mythos geworden. Das Archäologische Museum Hamburg inmitten Harburgs verknüpfte mit der Ausstellung „Mythos Hammaburg – Archäologische Entdeckungen zu den Anfängen Hamburgs“ erstmals die schriftliche Überlieferung mit den aktuellen Ergebnissen archäologischer Ausgrabungstätigkeit. Wer es also genau wissen will, konnte sich seit Ende 2015 mit einem Begleitband zur Ausstellung tief ins Herzen nicht nur St. Paulis begeben und ist dabei von fachkundigen Archäologen beraten.

Der Band präsentiert in über 40 reich illustrierten Beiträgen ein neues Bild von den Ursprüngen Hamburgs zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert. Erstmals kann die Stadtwerdung der Hansestadt lückenlos von einer spätsächsischen Siedlung bis zur blühenden Hansestadt des Hochmittelalters aufgezeigt werden. Die renommierten wissenschaftlichen Autoren betten zudem in fundierten Fachbeiträgen die Hammaburg in ihr frühmittelalterliches Umfeld zwischen Franken, Slawen und Wikingern ein. Der Weg zur heutigen einer Weltmetropole ist also lang und war nicht immer so klar in seiner Richtung.

Nun erschien im November 2016 ein weiterer ergänzender Band: „Hammaburg. Wie alles begann“.

Das Archäologische Museum Hamburg schlägt damit ein weiteres spannendes Kapitel der Geschichte Hamburgs auf: Die historische Keimzelle der Hansestadt – die legendäre Hammaburg – gilt seit 2014 als endgültig entdeckt, womit zahlreiche Rätsel um die Gründung der Stadt gelöst werden konnten. So kann erstmals die Stadtwerdung Hamburgs lückenlos von einer kleinen sächsischen Siedlung des 8. Jahrhunderts bis zur blühenden Hansestadt aufgezeigt und illustriert werden.

Beide Bände oblagen dem Herausgeber Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss.  Seit 2003 ist er Direktor des Archäologischen Museums Hamburg mit Sitz in Harburg und Landesarchäologe von Hamburg. Er studierte Vor- und Frühgeschichte und Kunstgeschichte in Regensburg. 1990 begann er seine berufliche Laufbahn am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in Regensburg. 1991 wechselte er an das Museum für Vor- und Frühgeschichte nach Berlin. Nach weiteren Stationen in der Denkmalpflege in Berlin und Bayern sowie am Gäubodenmuseum in Straubing wurde er 2001 am Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte zum Kustos ernannt, bevor er dann nach Hamburg kam. Über seinen archäologischen Arbeiten ist er auch für sein großes kulturelles Engagement bekannt.

Nun ist ein zweiter, ergänzender Band zum Mythos Hammaburg erschienen. (Bild: Wachholtz-Verlag)
Mythos Hammaburg. Archäologische Entdeckungen zu den Anfängen Hamburgs, Autoren: Rainer-Maria Weiss (Hrsg.), Anne Klammt (Hrsg.) ISBN: 9783529052705, Format: 24 x 30 cm, Seiten: 508, Einband: gebunden, Preis: 29,50 €
Hammaburg. Wie alles begann, Autor: Rainer-Maria Weiss (Hrsg.), ISBN: 9783529052712, Format: 14,5 x 22 cm, Seiten: 144, Einband: gebunden, Preis: 19,90 €

(17. Dez. 2016, hl)

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