Baakenhöft – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 14 Nov 2025 16:04:22 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Die Sache mit dem Stadtbild https://www.tiefgang.net/die-sache-mit-dem-stadtbild/ Fri, 14 Nov 2025 23:48:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12846 [...]]]> Die Architektur der neuen Ära sollte nicht nur auf Stahl und Beton fußen, sondern auf Offenheit und Zugänglichkeit. Genau diese Botschaft sendet der Siegerentwurf der Bjarke Ingels Group (BIG) für den Hamburger Opernneubau.

Der Entwurf der Bjarke Ingels Group (BIG) für Hamburgs neue Staatsoper ist ein architektonisches Versprechen: Leichtigkeit, Offenheit, Öffentlichkeit. Wo bis 2027 am Baakenhöft in der HafenCity ein dritter architektonischer Leuchtturm neben Elbphilharmonie und Elbtower entstehen soll, entfaltet sich die Vision einer „Spirale aus Dachgärten“. Die Fassade des Hauses wird zu einer Kaskade von begrünten, rundum begehbaren Balkonen, die den Opernbesuch zur Begegnung mit der Stadt, dem Hafen und der Elbe machen. Ein wohlüberlegtes Konzept, urteilt die Jury, das eine „gelungene Symbiose“ aus Opernhaus und spannendem Wahrzeichen schaffe.

Bjarke Ingels, Creative Director der Architekt*innen-Gruppe, beschreibt das Gebäude als einen Ort, der in die Stadt hineinwirkt: „The opera will appear like a landscape of concentric terraces – emanating like soundwaves from a central beating heart of music, expanding outward into the harbor like ripples in the surface of the sea.“

Die Architektur der neuen Oper ist damit ein Statement: Sie will Barrieren einreißen, Zugänglichkeit schaffen, Kultur für alle erlebbar machen. Doch das visionäre Bauwerk trägt einen kaum zu übersehenden Schatten in seinem Fundament.

Das neue Opernhaus ist ein Geschenk. Ein großzügiges Geschenk von Klaus-Michael Kühne, dem reichsten Mann Deutschlands, das die Stadtspitze mit dankbarer Erleichterung annimmt. Die Kühne-Stiftung ermöglicht ein Projekt, das die Stadt aus eigener Kraft kaum realisieren könnte (oder hätte wollen). Hier liegt die politische Brisanz: Wer bezahlt, diktiert. Die Stiftung behält sich laut Pressemitteilung vor, nach Vorlage einer belastbaren Kostenschätzung „abschließend über die Realisierung des Neubaus zu entscheiden.“

Dieses Machtverhältnis führt zu der viel diskutierten Zuschreibung des „milliardenschweren Zwangsbeglückers“ (WELT). Die Stadt wird mit einem Kulturbau von Weltgeltung beschenkt, doch die Regie über die Definition des öffentlichen Interesses liegt in privater Hand. Gleichzeitig wird der Spender selbst aus kulturpolitischen und ethischen Gründen kritisiert. Karl-Martin Hentschel rechnete in der taz vor, welche Dimension das Vermögen Kühnes annimmt: „Würde er Abgaben bezahlen wie jeder normale Arbeitnehmer, wären das 1,7 Milliarden Euro jährlich. Das wären also fünfeinhalb Opernhäuser – jedes Jahr!“

Die Diskrepanz zwischen dem in der Schweiz gezahlten Steuersatz und der öffentlichen Spende als Instrument der Einflussnahme ist im Feuilleton allgegenwärtig. Es entsteht ein Dilemma, wie es Niklas Maak in der FAZ beschreibt: Die Gefahr, dass die üppigen Sanierungs- und Neubauetats (man denke an die Elbphilharmonie) den kargen Mitteln für Betrieb, Bespielung und Bezahlung der Mitarbeiter*innen diametral gegenüberstehen. Das Geschenk finanziert das Spektakel, nicht zwangsläufig die nachhaltige Kulturarbeit.

Die tiefste und unumgänglichste Kritik betrifft jedoch den Standort selbst. Das Baakenhöft ist ein „historisch hochbrisanter Ort“, wie der Journalist Henning Bleyl in der taz betonte: „Die Oper soll an einen historisch hochbrisanten Ort kommen: dem Baakenhöft an der Elbe. Also dort, wo die Truppen eingeschifft wurden, die den Genozid an den Herero und Nama begingen, den ersten Völkermord durch deutsche Soldaten.“

Hinzu kommt die wenig aufgearbeitete Vergangenheit des Unternehmens Kühne + Nagel während der NS-Zeit. Das Hamburger Abendblatt berichtete über die Kritik, der Bau diene der Legitimierung des Umgangs mit der NS-Schuld der Firma. Die Debatte erinnert daran, dass das Unternehmen vom jüdischen Unternehmer Adolf Maass aufgebaut wurde, der 1933 „arisiert“ wurde und 1944 mit seiner Frau in Auschwitz ermordet wurde.

In diesem Kontext wird die neue Oper, so architektonisch leicht sie auch erscheinen mag, zum moralischen Zankapfel. Anstatt eines Ortes der umfassenden Aufarbeitung entsteht ein „Denkmal“ des Mäzen*innen-Tums, das droht, die unbequemen Schichten der Geschichte zu überdecken.

Hamburg steht damit vor einer komplexen kulturellen Entscheidung: Die Aussicht auf eine weltoffene, architektonische Ikone wird erkauft mit der Akzeptanz einer gewaltigen privaten Einflussnahme und der Gefahr, einen Ort der Schuld mit einem Gebäude zu überformen, dessen Leichtigkeit in krassem Kontrast zu der historischen Schwere des Bodens steht, auf dem es ruht. Es ist ein Spagat, bei dem die Stadt mehr als nur Geld, sondern auch einen Teil ihrer kritischen, historischen Verantwortung zu zahlen scheint. So schön die Kraft der Bilder auch strahlen mag …

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Wieder nichts gelernt? https://www.tiefgang.net/wieder-nichts-gelernt/ Fri, 27 Jun 2025 22:24:57 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=12028 [...]]]>

Die neue Oper: Hamburgs Kulturlandschaft ist einmal mehr im Umbruch begriffen, und das mit einem Paukenschlag, der weitaus mehr erhält erzeugt als nur Applaus.

Die Kühne-Stiftung als treibende Kraft hinter dem Vorhaben eines neuen Opernhauses für die Hamburgische Staatsoper verkündete bereits auf ihrem eigenen Nachrichtenportal (kuehne-stiftung.org) den Startschuss für das architektonische Qualifizierungsverfahren. Nun bestätigt auch die Kulturbehörde Hamburgs in ihrem Newsletter diese Weichenstellung, was dem Vorhaben einen weiteren Stempel der amtlichen Legitimation verleiht.

Fünf „international renommierte Architekturbüros“ – darunter Bjarke Ingels Group (BIG) aus Kopenhagen, Snøhetta aus Oslo und Sou Fujimoto aus Tokio/Paris – wurden eingeladen, Entwürfe für das Opernhaus am Baakenhöft zu entwickeln. Eine Entscheidung über den Siegerentwurf wird Ende 2025 erwartet. Kultursenator Carsten Brosda betont auch hier die Vision eines „einladenden und öffentlichen Ortes für alle mit einer Architektur von Weltrang“, der der Hamburgischen Staatsoper „optimale Bedingungen“ bieten und einen „herausragenden Platz an der Elbe“ schaffen soll. Er dankt allen Beteiligten dafür, dass diese „Chance für die Kulturstadt Hamburg mit großer Leidenschaft gemeinsam“ angegangen wird. Bestätigt wird auch, dass das Projekt gemeinsam von der Kühne-Stiftung und der Stadt Hamburg realisiert wird, aber die Stiftung nach Abschluss der Planungen und einer Kostenschätzung die endgültige Entscheidung über die Umsetzung trifft. Der Senat redet zwar mit, entschieden tut aber Kühne. Dafür bereitet der Hamburger Senat eine Drucksache vor, um die Zustimmung der Bürgerschaft zum Vertrag einzuholen. Ist das Partizipation?

Ein solch euphorisches Bild, wie es von den Akteur*innen selbst gezeichnet und nun auch von offizieller Seite der Stadt bestätigt wird, klingt verlockend und verspricht eine glänzende Zukunft für die Kulturstadt Hamburg. Doch gerade die Einseitigkeit dieser Darstellung, die auf dem Newsroom der Kühne-Stiftung und in den Verlautbarungen der Kulturbehörde präsentiert wird, lässt die Skepsis wachsen. Denn was in diesen frohen Botschaften gänzlich unerwähnt bleibt, sind die Schattenseiten einer Diskussion, die Hamburg seit Monaten bewegt – detailreich beleuchtet unter anderem vom kritischen Portal Ballett-Journal.de.

„Offene Bühne“ für die Debatte?

Das vorherrschende Narrativ der Kühne-Stiftung und der Kulturbehörde umschifft geschickt jede Klippe der Kontroverse, die sich um dieses ambitionierte Projekt rankt. Die Kritik, die sich vielerorts formierte und die das Ballett-Journal.de präzise aufgreift, wird ausgeblendet: Die fehlende öffentliche Debatte über die Notwendigkeit und den Standort eines Neubaus, die historischen Bedenken bezüglich des Baakenhöfts – einst ein Ort des kolonialen Erbes –, oder die nicht unerheblichen Kosten, die trotz Mäzenatentum auf die Stadt zukommen könnten. Die Bestätigung der „Abstimmung mit der Freien und Hansestadt Hamburg“ und des gemeinsamen Vorgehens der Stiftung und der Stadt durch die Kulturbehörde vermag zwar eine Einigkeit zu suggerieren, doch die Stimmen der Hamburger Bürger*innen, die sich eine solche „Abstimmung“ auch im Vorfeld und in breiterer Form gewünscht hätten, finden hier keine Erwähnung.

Gisela Sonnenburg vom Ballett-Journal.de hebt hervor, dass die altehrwürdige Hamburgische Staatsoper, seit 1678 ein Herzstück der Stadtkultur, durch ihre zentrale Lage, ihre Zugänglichkeit zwischen Binnenalster, Dammtor-Bahnhof und Gänsemarkt, und ihre über Jahre gewachsene Seele, besticht. Sie sei ein Ort, der für viele Hamburger*innen mehr ist als nur eine Spielstätte – sie ist ein Stück Identität. Die Sorge, dass ein Neubau in der HafenCity primär touristischen Interessen dienen und das besondere Flair sowie die etablierte Anbindung an das städtische Leben verlieren könnte, wird von den Befürworter*innen bewusst ignoriert. Stattdessen wird die Vision eines „spektakulären Ortes“ in den Vordergrund gerückt, dessen „einmalige Aufgabe“ von „prominenten Planer*innen“ gelöst werden soll.

Sonnenburg äußert zurecht Bedenken hinsichtlich einer möglichen Einflussnahme, die mit solch großzügigem Mäzenatentum einhergehen könnten – etwa die Befürchtung, dass eine Neuausrichtung hin zu „populistischeren und massentauglicheren Produktionen“ stattfinde. Auch die internen Unruhen beim Hamburg Ballett unter dem nun geschassten Intendanten Demis Volpi, finden in den offiziellen Verlautbarungen der Stiftung und der Kulturbehörde keinerlei Erwähnung, sind aber ein wichtiger Aspekt, der von kritischen Stimmen aufgegriffen wird.

Ob auf diesen Grundlagen ein nachhaltiges und später erfolgreiches Fundament eines neuen Opernhauses zu bauen ist?

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Ein Kühne(r) Plan https://www.tiefgang.net/ein-kuehner-plan/ Fri, 14 Feb 2025 23:36:58 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11494 [...]]]> Was erst wie eine absurde Idee klang (Sommer 2022) wurde erschreckend konkret. Kühne hat seine persönliche Idee einer neuen Hamburger Oper bis Anfang Februar 2025 bis zur Unterschriftsreife gebracht. Wir sollten reden …

In Hamburg ist eine öffentliche Debatte über den geplanten Neubau einer Staatsoper in der Hafencity entbrannt. Zu Recht.

Denn öffentlich ist ja erst jetzt, nicht dass eine Oper gedacht wird, sondern der Plan in fester Vertragsform steht. Die Vereinbarung besteht zwischen der Stadt Hamburg und der Michael Kühne Stiftung. Eine Beteiligung der Stadt-Bevölkerung gab es nicht. Diese Debatte ist vielschichtig und wirft eine Reihe von Fragen auf, die sowohl die kulturelle Bedeutung eines solchen Projekts als auch die Rolle und Geschichte des Unternehmens Kühne & Nagel betreffen. Wir fangen mal an, einen Überblick zu verschaffen.

Anfang Juni 2022 veröffentlichte das Hamburger Abendblatt einen Gastbeitrag des Vorstandsvorsitzenden der hiesigen Alfred-Toepfer-Stiftung, Anasgar Wimmer, und leitete diesen mit den Worten ein: „Braucht Hamburg einen Opern-Neubau? Und wenn ja – wie, wo und wer soll ihn bezahlen? Der Vorschlag des Logistik-Milliardärs Klaus-Michael Kühne – nach einer ursprünglichen Idee des Generalmusikdirektors Kent Nagano, aber erweitert um den Vorschlag des Abrisses des bestehenden Gebäudes – stieß in den vergangenen Tagen auf reichlich Kritik und wenig Zustimmung.“ (Abendblatt, 01. Juni 2022) 

Der Gastbeitrag der besonders im Kulturbereich hoch geschätzten Toepfer-Stiftung fasste gleich zu Beginn zusammen: „Klaus-Michael Kühnes Vorschlag, der Hamburgischen Staatsoper an der Dammtorstraße zu Leibe zu rücken, um nicht nur dem Operngesang in der HafenCity ein Denkmal zu setzen, ist originell – und sollte von der Politik dieser Stadt höflich, aber zügig zur Seite gelegt werden.“

Genau das aber passierte nicht. Es gab aber auch keine öffentlichen Diskussionen oder Beteiligungsformate. Immer wieder sickerte mal durch Recherche hartnäckiger Journalist*innen durch, dass Kultursenator Brosda und Klaus-Michael Kühne offenbar weiter planten. Und auf einmal sollte am Montag (3. Feb. 2025) gar die notarielle Beglaubigung der Opern-Idee erfolgen. Die aber – und das führte zum Eklat – sagte ausgerechnet Kühne ab mit der offiziellen Verkündung: „Bei der Endfassung des komplizierten Vertragswerks zwischen der Stadt Hamburg und meiner Kühne-Stiftung sind noch offene Fragen aufgetaucht, sodass weitere Gespräche folgen müssen“, sagte Klaus-Michael Kühne auf Abendblatt-Anfrage. „Die Kühne-Stiftung bekennt sich nach wie vor zu ihrem Projekt, allerdings muss die Aufteilung der wirtschaftlichen Belastungen und Risiken aus unserer Sicht überdacht werden. Dies wird mit der Stadt erörtert.““

Befürworter des Neubaus betonen nun die Notwendigkeit, Hamburg als Kulturstadt weiter zu stärken und ein architektonisch herausragendes Gebäude zu schaffen, das der Bedeutung der Hamburgischen Staatsoper gerecht wird. Sie argumentieren, dass der Neubau die Möglichkeit bietet, modernste technische und künstlerische Standards zu realisieren und die Oper für ein breiteres Publikum zu öffnen. Insbesondere Kultursenator Brosda führt ins Feld, dass der jetzige Standort in absehbarer Zeit saniert werden muss. Die Sanierung aber müsste unter den Bedingungen des bestehenden Denkmalschutzes erfolgen, so dass neue Ideen und Nutzbarkeiten kaum möglich seien.

Kritiker hingegen bemängeln vor allem die Kosten des Projekts und die Prioritätensetzung in einer Zeit, in der andere Bereiche der Kultur und sozialen Dienste unterfinanziert sind. Sie kritisieren außerdem die Rolle der Michael Kühne Stiftung und die damit verbundene Einflussnahme auf die Stadt. Aber auch der Standort stieß auf Kritik. Denn: Der Baakenhafen war in Deutschland die zentrale logistische Drehscheibe des Genozids, von dem 95% aller deutschen Soldaten in den Krieg fuhren.

Der Historiker und Kolonialismusforscher Prof. Dr. Jürgen Zimmerer hat sich immer wieder kritisch zum geplanten Neubau der Staatsoper in Hamburg geäußert. Seine Kritik zielt vor allem auf die Rolle der Michael Kühne Stiftung als Hauptsponsor und die damit verbundene Frage der „moralischen Patenschaft“ für ein solches Prestigeprojekt. Zusammengefasst lassen sich Zimmerers Kritikpunkte vielleicht wie folgt darstellen:

  1. Koloniale Verstrickungen der Familie Kühne: Zimmerer weist auf die Rolle der Familie Kühne während der Kolonialzeit hin, insbesondere auf die Verstrickungen von August Kühne, dem Mitbegründer des Unternehmens Kühne & Nagel, in den Kolonialhandel und die Ausbeutung kolonialer Ressourcen. Er argumentiert, dass die Stiftung, die den Namen der Familie trägt, sich ihrer historischen Verantwortung stellen und eine aktive Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit betreiben müsse.
  2. Mangelnde Transparenz und Aufarbeitung: Zimmerer kritisiert die mangelnde Transparenz in Bezug auf die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit der Familie Kühne und des Unternehmens Kühne & Nagel. Er fordert eine umfassende und unabhängige Untersuchung der Rolle des Unternehmens im Kolonialismus sowie eine öffentliche Auseinandersetzung mit den Ergebnissen.
  3. Symbolische Bedeutung des Opernhauses: Zimmerer betont die symbolische Bedeutung eines solchen Prestigeprojekts und die Frage, welche Werte und Repräsentationen durch die Wahl des Sponsors vermittelt werden. Er argumentiert, dass die Stadt Hamburg mit der Annahme der Spende der Kühne-Stiftung eine Mitverantwortung für die Vergangenheit des Unternehmens übernimmt und sich damit potenziell mit kolonialen Unrechtskontexten identifiziert.

Ein Interview mit Prof. Dr. Jürgen Zimmerer, in dem er seine Kritik am Opernneubau und der Rolle der Kühne-Stiftung äußert, findet sich auf dem Blog „Hamburgs (post-)koloniales Erbe“.

Die leitenden Forscher der Kolonialforschungsstelle Hamburg, Dr. Jürgen Zimmerer und Dr. Kim Todzi formulierten erneut am 4.2.2025 eindeutig eine Stellungnahme: „Die Kühne-Oper gerade auch an diesem Ort ist aus verschiedenen Gründen problematisch.

  1. Ein zentraler authentischer Ort der Erinnerung an koloniale Verbrechen in Deutschland wird versiegelt und – bildlich gesprochen – überschrieben, und zu einem Ort des Vergnügens.
  2. Der Ort, der wie kaum ein zweiter für das Verhältnis von Genozid und Logistik steht, wird zu einem Prestigeprojekt für einen Mann, an dessen Bereitschaft, die Rolle der eigenen Logistikfirma am Holocaust aufzuklären, immer wieder Zweifel geäußert wurden.“

Die Rolle und strittige Historie von Kühne & Nagel:

Kühne & Nagel ist ein weltweit agierendes Logistikunternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz. Das Unternehmen wurde 1890 in Hamburg gegründet und ist bis heute eng mit der Stadt verbunden. Die Michael Kühne Stiftung, die den Opernneubau finanziert, ist nach dem Ehrenvorsitzenden und Mehrheitsaktionär von Kühne & Nagel benannt.

Die Geschichte von Kühne & Nagel ist umstritten. Während des Nationalsozialismus profitierte das Unternehmen von der Arisierung jüdischer Unternehmen und war in die Enteignung und Deportation von Juden verstrickt. Man vollzog quasi die Zwangsumzüge jüdischer Deportierter. Diese Vergangenheit wirft Fragen nach der moralischen Verantwortung des Unternehmens und der Stiftung auf, insbesondere im Zusammenhang mit einem so prominenten Kulturprojekt.

Einige Medienberichte und öffentliche Debatte:

  • Hamburger Abendblatt: Berichtet über die Einigung zwischen der Stadt und der Kühne-Stiftung, betont die Chancen für die Stadtentwicklung und die Modernisierung des Opernbetriebs (Quelle: Hamburger Abendblatt).
  • NDR Kultur: Analysiert die Hintergründe der Entscheidung, die Rolle der Kühne-Stiftung und die möglichen Auswirkungen auf die bestehende Kulturszene (Quelle: NDR Kultur).
  • Die Zeit: Kommentiert die Pläne kritisch und wirft Fragen nach der Prioritätensetzung in der Kulturpolitik auf (Quelle: Die Zeit).
  • taz: Beleuchtet die Geschichte von Kühne & Nagel im Nationalsozialismus und die möglichen ethischen Implikationen der Spende (Quelle: taz).

Und dann ist da noch die dauerhafte Diskussion über das Prinzip der Oper an sich. Denn man schätzt den öffentlichen Zuschuss je Besucher*in auf weit mehr als 150,- €. Die Besuchszahlen sind rückgängig – wie bei vielen der angestammten Opernhäuser.

Und der Wohnsitz des Milliardärs Michael in der Schweiz tut sein Übriges: Kühne hat seinen Wohnsitz in der Schweiz, wo er vermutlich einen tieferen Steuersatz hat als in Deutschland. Dadurch entgehen dem deutschen Staat höchstwahrscheinlich hohe Steuereinnahmen. Es ist schwierig, die genaue Höhe der Steuerersparnis von Kühne zu schätzen, da seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse nicht öffentlich bekannt sind. Schätzungen gehen jedoch aufgrund seines Wohnsitzes in der Schweiz jährlich von einem hohen Millionenbetrag an „Steuerersparnis“ aus.

Mehrere Medien haben über die möglichen Steuerersparnisse von Klaus-Michael Kühne aufgrund seines Wohnsitzes in der Schweiz berichtet. Hier sind einige Beispiele:

  • Der Spiegel: Ein Artikel mit dem Titel „Die Tricks der Superreichen und Konzerne“ befasst sich mit verschiedenen Methoden der Steuervermeidung, darunter auch die Verlagerung des Wohnsitzes ins Ausland. In diesem Zusammenhang wird auch Klaus-Michael Kühne erwähnt. (Quelle: Der Spiegel)
  • NDR: In einem Beitrag über das „Steuerparadies Luxemburg“ wird erläutert, wie Konzerne und Superreiche durch die Nutzung internationaler Strukturen ihre Steuerlast reduzieren können. Auch hier wird auf Klaus-Michael Kühne und seine Firma Kühne+Nagel eingegangen. (Quelle: NDR)
  • Süddeutsche Zeitung: In einem Artikel über „Steueroasen“ wird die Problematik der Steuervermeidung durch Superreiche und Konzerne thematisiert. Auch hier wird Klaus-Michael Kühne als Beispiel genannt. (Quelle: Süddeutsche Zeitung)

 

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