Bundesverdienstkreuz https://www.tiefgang.net Mon, 16 Mar 2026 17:22:34 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Ein Urgestein mit Ordensglanz https://www.tiefgang.net/ein-urgestein-mit-ordensglanz/ Mon, 16 Mar 2026 17:22:33 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13526 [...]]]> Es gibt Momente, da scheint die Zeit im Hamburger Rathaus für einen Wimpernschlag stillzustehen, während draußen die Elbe unermüdlich weiterfließt. Ein solcher Moment war der 16. März 2026, als Kultursenator Carsten Brosda im Namen des Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse an einen Mann überreichte, der wie kaum ein zweiter das rhythmische Gedächtnis dieser Stadt verkörpert: Achim Reichel.

Wer an Achim Reichel denkt, hat sofort das Rauschen der Wellen und das Knistern von Vinyl im Ohr. Seit über sechs Jahrzehnten prägt dieser Musiker, Texter und Produzent die deutsche Kulturlandschaft. Seine Reise begann dort, wo Hamburg am lautesten und ehrlichsten ist: auf St. Pauli. Als junger Gitarrist und Frontmann der Rattles stürmte er den legendären Star-Club und bewies, dass Rock ’n‘ Roll keine rein angelsächsische Angelegenheit bleiben musste. Doch Reichel war nie ein Künstler, der sich auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhte. Er ist ein Suchender geblieben, ein Neugieriger, der die Grenzen zwischen E- und U-Musik mit einer spielerischen Leichtigkeit eingerissen hat.

Besonders seine Verdienste um die deutsche Sprache stehen bei dieser Ehrung im Fokus. Mit seinem Projekt Regenballade gelang ihm Ende der 1970er Jahre ein kleines kulturelles Wunder. Er nahm die angestaubten Gedichte von Goethe, Fontane und Heine aus den muffigen Klassenzimmern und katapultierte sie mit Hilfe von Folk-Rock direkt in die Herzen und Ohren einer neuen Generation. Dass Schüler*innen heute den Erlkönig oder den Zauberlehrling nicht mehr nur als lästige Pflichtaufgabe, sondern als packende Songtexte begreifen, ist maßgeblich Reichels Vision zu verdanken. Er hat bewiesen, dass deutsche Lyrik eine ungeheure Kraft entfaltet, wenn man sie mit dem richtigen Beat unterlegt.

Diese Fähigkeit zur Vermittlung zieht sich wie ein roter Faden durch sein gesamtes Lebenswerk. Ob mit den psychedelischen Experimenten von A.R. & Machines, seinen mitreißenden Shantys oder seinen einfühlsamen Vertonungen von Jörg Fauser – Reichel ist ein Brückenbauer. Er verbindet Generationen und Milieus. Seine Musik schallt durch die glitzernden Clubs der Reeperbahn genauso wie durch die traditionsreichen Säle in Harburg, wo er über die Jahre hinweg immer wieder das Publikum begeisterte und die lokale Kulturszene mit seiner Präsenz bereicherte. Er ist ein Hamburger Jung, der die ganze Stadt als seine Bühne begreift.

In seiner Laudatio betonte Senator Brosda völlig zu Recht, dass Kultur kein Luxusgut, sondern ein lebensnotwendiger Nerv unserer Gesellschaft ist: „Sein Schaffen ist geprägt von musikalischer Exzellenz und einer großen Liebe zur deutschen Sprache.“ Achim Reichel hat den Nerv immer wieder getroffen. Er hat uns gezeigt, dass man als Künstler*in radikal eigenwillig und gleichzeitig tief in der Tradition verwurzelt sein kann. Seine Autobiografie Ich hab das Paradies gesehen ist nicht nur ein Bestseller, sondern ein Dokument hanseatischer Hartnäckigkeit und Leidenschaft.

Die Auszeichnung mit dem Bundesverdienstorden ist daher mehr als eine formale Geste. Sie ist eine Verbeugung vor einer Karriere, die von der Lust getragen wurde, die Welt immer wieder mit neuen Augen – und neuen Klängen – zu betrachten. Wir gratulieren einem Musiker, der uns gelehrt hat, dass man auch mit 80 Jahren noch den Hunger eines Anfängers verspüren kann. Schön war es doch? Nein, Achim, schön ist es immer noch. Hamburg sagt Danke für sechs Jahrzehnte voller Taktgefühl und klarer Kante.

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Die Schönheit der Andersartigkeit https://www.tiefgang.net/die-schoenheit-der-andersartigkeit/ Fri, 24 May 2019 22:47:25 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5303 [...]]]> Für sein langjähriges, herausragendes Engagement für Künstlerinnen und Künstler mit Autismus wurde Volker Elsen nun vom Bundespräsidenten ausgezeichnet.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, überreicht diese Woche die Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande in der „Galerie der Schlumper“ in der Marktstraße 131. Denn auch sie sind Teil des Engagements.

In der Mitteilung der Behörde für Kultur und Medien hieß es dazu:  

„Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Volker Elsen setzt sich mit dem Verein akku e. V. seit 2010 aktiv für mehr Diversität im Kunstbetrieb ein. Er sorgt gemeinsam mit dem Verein seit vielen Jahren dafür, dass Künstlerinnen und Künstler mit einer autistischen Wahrnehmung in der Welt des Kunstbetriebs eine größere Anerkennung bekommen und nicht weiter marginalisiert werden. Durch seine Arbeit sensibilisiert Volker Elsen die Sehgewohnheiten des Publikums für Kunst, die sich in ihrer Andersartigkeit und Schönheit so zeigen kann, wie sie ist und macht so die Künstlerinnen und Künstler mit ihren Talenten sichtbarer.“

mittig Volker Elsen

Volker Elsen wurde 1964 in Gelsenkirchen geboren und ist Inhaber einer Werbeagentur in Paderborn. Den Anstoß, sich für die Kunst von Autistinnen und Autisten zu engagieren und 2010 den Verein akku – Autismus, Kunst und Kultur e.V. zu gründen, gab die Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Werk seines autistischen Bruders Matthias Elsen. Gemeinsam mit über 180 Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland, unter anderem einige Mitglieder der Schlumper sowie mit der Initiative akku, realisierte er 2010 in Kassel die erste bundesweite Ausstellung mit dem Titel „Ich sehe was, was Du nicht siehst…“ in der documenta-Halle. Über 7.000 Besucherinnen und Besucher sahen die Ausstellung allein in den ersten drei Wochen. Anschließend wurde aus der Initiative der gleichnamige Verein, mit dem die Ausstellung durch verschiedene deutsche und europäische Städte tourte.

Der Verein akku e.V. hat sich zur Aufgabe gemacht, Arbeiten von autistischen Künstlerinnen und Künstlern durch Ausstellungen, Konzerte und Lesungen zu vermitteln sowie Netzwerke und Kooperationen mit dem Kunstbetrieb aufzubauen. In einer Gesellschaft der Diversität schafft der Verein durch seine praxisnahen Projekte Gelegenheiten für soziale Interaktion von Menschen mit und ohne Autismus. Über 230 Künstlerinnen und Künstler mit Autismus sind im Netzwerk von akku e.V. registriert und reisen zu den jeweiligen Ausstellungsorten, bis nach Gent, Barcelona und Madrid. So entstehen Begegnungsräume für die Diskussion über mehr Vielfalt in Kunst und Gesellschaft.“

Quelle: Behörde für Kultur und Medien Hamburg

 

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Bundesverdienstkreuz für Klaus Möller https://www.tiefgang.net/bundesverdienstkreuz-fuer-klaus-moeller/ Fri, 19 Apr 2019 22:45:11 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5166 [...]]]> Der Harburger Klaus Möller engagiert sich seit Jahren gegen das Vergessen des Nazi-Terrors. Nun wurde ihm zu Ehren Hamburger Rathaus gefeiert.

Die gute Nachricht kam per Post: In einem Schreiben teilte die Hamburger Senatskanzlei Klaus Möller (83) mit, dass ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen werde. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterschrieb die entsprechende Urkunde bereits im Dezember. Bei einer Feierstunde im Hamburger Rathaus nahm Möller nun Urkunde und Verdienstkreuz aus der Hand von Schulsenator Ties Rabe entgegen: Außergewöhnliche Auszeichnung eines Mannes, der seit Jahrzehnten wie kaum ein anderer in Harburg unermüdlich im Einsatz ist wider das Vergessen der nationalsozialistischen Gräueltaten.

Dass sich Klaus Möller für Geschichte interessiert, kommt nicht von ungefähr: 38 Jahre hat er Englisch und eben Geschichte unterrichtet. Zuletzt, und bis zu seiner Pensionierung 1999, lange Zeit als stellvertretender Leiter des Heisenberg-Gymnasiums. Damals wie heute speiste er seine Motivation aus dieser Überzeugung: „Wer die Geschichte kennt, weiß, wie wichtig es ist, dafür zu sorgen, dass sie sich nicht wiederholt.“ Ein Ansatz, den auch der Senator in seiner Ansprache hervorhob: „Sie haben mit Beharrlichkeit und viel Fingerspitzengefühl dafür gesorgt, dass sich auch junge Menschen mit den Geschichten der Opfer, ihrem Leben und ihrem Leiden auseinandergesetzt haben.“

Bertini-Preis für neun Dokumentationen

Als Lehrer und später auch als treibende Kraft bei der „Initiative Gedenken in Harburg“, die im vergangenen Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feierte und der er fast von Anfang an angehört, hat er immer wieder Schüler bei ihren Projektarbeiten begleitet und unterstützt. Mit großem Erfolg: Zehn dieser Dokumentationen gingen ins Rennen um den Bertini-Preis, neun wurden tatsächlich mit dem Preis ausgezeichnet: „Das ist unter Hamburger Lehrkräften absoluter Rekord“, sagte Rabe.

Der Bertini-Preis wird jedes Jahr an Schüler vergeben, die sich in besonderer Weise für mehr Toleranz und gegen das Vergessen von Unrecht und Unmensch-lichkeit während der Nazi-Zeit einsetzen. Der Bertini-Preis e. V. war es auch, der Möller für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen hat. An sich hätte er es in Hannover entgegennehmen sollen. Denn Möller lebt mit seiner Frau Irmtraut (75) seit 50 Jahren in Rosengarten. Doch Hamburg konnte sich durchsetzen: Weil Möller mit seinem Engagement hier so sehr verwurzelt ist, kam es zur Feierstunde im Hamburger Rathaus.

An der nahmen auch ehemalige Schüler, Lehrer sowie Mitstreiter von „Gedenken in Harburg“, dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden, der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, der Landeszentrale für politische Bildung, der Hamburger Stolperstein-Initiative und des Bertini-Preis e. V. teil. Alles Menschen, „ohne die meine jahrelange Arbeit Stückwerk geblieben wäre“, sagt Möller. So aber ergibt sich ein komplexes Bild: Möller veröffentliche zahlreiche Kurzbiografien von Opfern des Nationalsozialismus. Er sorgte mit dafür, dass die Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig, mit Stolpersteinen an die Opfer des Nazi-Terrors zu erinnern, vor 15 Jahren auch in Harburg umgesetzt wurde. Aktuell bringt es der Bezirk auf 231 Steine.

Möller organisierte Putzaktionen und mehr als 100 Rundgänge. Zudem sorgte seine Harburger Initiative dafür, dass mehr als 100 Zeitzeugen Harburg einen Besuch abstatteten. Was Möller dabei stets besonders beeindruckt und nachhaltig bewegt, ist der direkte Austausch zwischen diesen Holocaust-Überlebenden und Schülern. Klaus Möller ist überzeugt: „Ein Gespräch mit einem Zeitzeugen bringt so viel wie fünf Stunden Geschichtsunterricht.“

Möller selbst merkt noch an: „Über die unerwartet vielen Glückwünsche zu meiner Ehrung durch den Bundespräsdidenten habe ich mich ungemein gefreut, ohne dabei zu vergessen, dass Unzählige von Euch zu dieser eindrucksvollen Bilanz einer lebendigen Erinnerungsarbeit im Bezirk Harburg in erheblichem Maße beigetragen haben. Für diese Mitwirkung bin ich überaus dankbar. Ich hoffe, dass das Engagement gegen das Vergessen auch in Zukunft viel Positives bewirkt, und wünsche allen ein frohes Osterfest.“

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Bundesorden für literarische Kinderarbeit https://www.tiefgang.net/bundesorden-fuer-literarische-kinderarbeit/ Fri, 05 Jan 2018 23:36:30 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2788 [...]]]> Was nützen schlaue Bücher, wenn sie nicht gelesen werden? Dass dies nicht passiert, ist eine seiner selbstgegebenen Aufgaben geworden: Alfred Büngen. Jetzt wurde er geehrt.

In der Pressemitteilung des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur Niedersachsen heißt es:

„Der Verleger und Autor Alfred Büngen ist Mitte Dezember 2017 für sein herausragendes literarisches Engagement insbesondere in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, händigte die von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier verliehene Auszeichnung im Rahmen der Abschlussveranstaltung der „6. Berner Bücherwochen“ in der Kulturmühle in Berne aus.

„Alfred Büngen verlegt Bücher, die zum Widerspruch auffordern, aber zugleich den Wert von Traditionen beachten. Alt und Jung, Ost und West, Tradition und Moderne treffen sich in Büchern des Geest-Verlags. Der Verlag versteht sich als Bindeglied zwischen Schreibenden und Lesenden“, sagte Minister Thümler.

Alfred Büngen studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Pädagogik in Vechta, entschied sich aber nach seinem Abschluss gegen den Lehrberuf. Knapp 20 Jahre war Büngen anschließend in der Jugend- und Kulturarbeit tätig. 1998 gründete er den Geest-Verlag, der bis heute mehr als 1.000 Autoren veröffentlicht hat.

Seine eigene Schreibtätigkeit stellt Büngen inzwischen zugunsten der literarischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zurück. Ziel seiner Arbeit ist es, der zunehmenden Entfremdung vom Buch durch die eigene schriftstellerische Tätigkeit der Kinder und Jugendlichen entgegenzuwirken. Dank seiner fachlichen Begleitung konnten mittlerweile zahlreiche Schulprojekte umgesetzt werden. Dazu zählen unter anderem das kooperative Buchprojekt „Unsere Wege“ mit Schülern der Liebfrauenschule Vechta und des Gymnasiums Antonianum Vechta sowie ein im Rahmen der Inklusion entstandenes Romanprojekt des Gymnasiums Brake in Zusammenarbeit mit der Pestalozzischule Brake.

Neben seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen engagiert sich Büngen auch immer wieder in zahlreichen regionalen und lokalen Kulturinitiativen, die sich der Literaturvermittlung verschrieben haben. Unter anderem organisiert er seit 2004 das „Literarische Sommerfest“ in Vechta.“

Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur

Weiterführender Link: geest-verlag.de

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