Buxtehuder Hexenprozesse – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Sat, 31 May 2025 15:33:46 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Eintauchen in Buxtehudes Besonderheiten https://www.tiefgang.net/eintauchen-in-buxtehudes-besonderheiten/ Fri, 06 Jun 2025 22:28:01 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11910 [...]]]>

Buxtehude, die charmante Hansestadt, lockt im Juni mit einem abwechslungsreichen Programm für Entdecker*innen.

Ob klassische Stadtführung, thematische Entdeckungstour oder entspannte Barkassenfahrt – hier ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Wer Buxtehude in seiner ganzen Vielfalt kennenlernen möchte, ist bei den klassischen Stadtführungen genau richtig. Die Gästeführer*innen nehmen Besucher*innen mit auf einen 90-minütigen Spaziergang durch die historische Altstadt, vorbei an der St. Petri-Kirche, durch schmale Gassen und zur Flethmühle mit dem Ewer Margareta. Dabei erfahren die Teilnehmer*innen nicht nur viel über die Geschichte der Stadt, sondern auch, warum in Buxtehude die Hunde mit dem Schwanz bellen.

Eintauchen in Buxtehudes Besonderheiten

Neben den Klassikern bietet Buxtehude im Juni auch eine Reihe spannender Themenführungen an, die tiefer in die Geschichte und Kultur der Stadt eintauchen:

  • Mit Has‘ und Igel durch Buxtehude: Diese humorvolle Führung entführt in die Welt des berühmten Wettlaufs zwischen Hase und Igel, bietet aber auch weitere charmante Anekdoten und kuriose Geschichten aus Buxtehude.
  • Mit dem Hansekaufmann durch Buxtehude: Eine Zeitreise ins Jahr 1500, bei der der Hansekaufmann Hinrich Friedrichsen das lebhafte Treiben am Fleth, dem ehemaligen innerstädtischen Hafen, lebendig werden lässt.
  • Mit dem Nachtwächter durch Buxtehude: Bei dieser abendlichen Führung erkunden die Teilnehmer*innen die Geheimnisse der historischen Gemäuer und lassen sich von der einzigartigen Atmosphäre der Nacht verzaubern.
  • Buxtehude im Nationalsozialismus: Dr. Norbert Fischer von der Universität Hamburg führt zu Schauplätzen der NS-Gewaltherrschaft und erläutert die Strukturen der Diktatur.
  • Hexenprozesse in Buxtehude: Diese Führung taucht ein in das düstere Kapitel der Hexenverfolgung im 16. und 17. Jahrhundert.
  • Klassische Stadtführung auf Französisch: Für französischsprachige Besucher*innen wird die klassische Stadtführung auch in französischer Sprache angeboten.
  • Unterwegs mit Marie auf Brautschau: Eine unterhaltsame und romantische Stadtführung, die Marie auf ihrer Suche nach der großen Liebe begleitet und Einblicke in Buxtehude um 1900 gewährt.

Barkassenfahrt auf Este und Elbe: Entspannung auf dem Wasser

Wer die Seele baumeln lassen möchte, kann bei einer Barkassenfahrt auf Este und Elbe die Großstadt hinter sich lassen. Die Fahrt beginnt an den Hamburger Überseebrücken und führt vorbei an Hafenkränen, großen Pötten und den Airbus-Hallen in Richtung Estemündung. Entlang der Este geht es vorbei an reetgedeckten Fachwerkhäusern und kleinen Obstplantagen bis nach Buxtehude.

Alle Infos auf einen Blick:

Klassische Stadtführungen:

  • Termine: 8., 15., 22., 29. Juni um 11 Uhr; 10., 12., 17., 19., 24., 26. Juni um 14 Uhr; 14., 21. (Schwerpunkt Backsteingotik), 28. Juni um 14 Uhr; 28. Juni um 17 Uhr (auf Französisch); 9. Juni um 11 Uhr (Pfingstmontag)
  • Dauer: 90 Minuten
  • Preis: Erwachsene 7 Euro / Kinder (bis 16 J.) 3,50 Euro

Themenführungen:

  • Mit dem Nachtwächter durch Buxtehude: 20. Juni um 21 Uhr, 120 Minuten, 12 Euro / 6 Euro
  • Buxtehude im Nationalsozialismus: 22. Juni um 11 Uhr, 120 Minuten, 7 Euro / 3,50 Euro (Jugendliche ab 14 J.)
  • Hexenprozesse in Buxtehude: 27. Juni um 18 Uhr, 90 Minuten, 10 Euro / 5 Euro
  • Unterwegs mit Marie auf Brautschau: 29. Juni um 17 Uhr, 90 Minuten, 10 Euro / 5 Euro
  • Treffpunkt für alle Führungen: Historisches Rathaus, Breite Straße 2 (außer „Buxtehude im Nationalsozialismus“: FZH, Geschwister-Scholl-Platz 1)

Barkassenfahrt auf Este und Elbe:

  • Termin: 22. Juni um 8:30 Uhr (ab Hamburg, Überseebrücke)
  • Preis: 39 Euro / 19,50 Euro (Kinder, Schülerinnen, Studentinnen, Schwerbehinderte bis 80%)
  • Rückfahrt: individuell mit S-Bahn/Nahverkehr (nicht im Preis enthalten)

Weitere Informationen und Buchung:

Hinweis:

  • Für die Stadtführungen ist eine vorherige Anmeldung erwünscht, eine spontane Teilnahme ist möglich, sofern die maximale Teilnehmerzahl nicht überschritten ist.
  • Für die Barkassenfahrten ist eine Reservierung zwingend erforderlich.
  • Besucher*innen des Buxtehude Museums erhalten bei Vorlage eines tagesaktuellen Stadtführungstickets einen ermäßigten Eintritt von vier Euro.

 

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Vor der Rechtsstaatlichkeit https://www.tiefgang.net/vor-der-rechtsstaatlichkeit/ Fri, 07 Jun 2019 22:11:22 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5385 [...]]]> Geschichte hilft zuweilen, das heute zu verstehen. Vor einiger Zeit noch war etwa „Hexe“ wahrhaftig ein Totschlagargument. In Buxtehude.

Buxtehude. Aufarbeitung der eigenen Geschichte: Ein halber laufender Meter, in diesem Fall acht Archivmappen oder schlicht rund 3.200 Seiten aus handgeschöpften Papier; das Stadtarchiv der Hansestadt Buxtehude hat nun diese „Zeitzeugen“ zu den Hexenprozessen (1540-1644) restaurieren lassen.

Schon bei der Übergabe der sechs Aktenmappen an die Hamburger Restauratorin Gudrun Kühl freute sich Stadtarchivarin Eva Drechsler: „Wenn wir die Akten zurück bekommen, haben wir ganz tolles Archivmaterial zur Verfügung.“ Forscher können nun mehr Licht in das dunkle Kapitel der Buxtehuder Geschichte bringen. Denn noch lange nicht sind all die zum Teil in Mittel-Niederdeutsch verfassten Akten in ihrer Umfänglichkeit erforscht. Zuletzt waren sie wegen der Gesundheitsgefährdung (Schimmelpilz) der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich.

Das 16. und 17. Jahrhundert galt als Hochzeit der Hexenprozesse in Deutschland. Doch nicht nur im katholisch geprägten Süden des deutschsprachigen Raums wurden Frauen auf dem Scheiterhaufen verbrannt, sondern auch im Norden. 21 Frauen waren in Buxtehude der Hexerei und Zauberei angeklagt, 15 nach grausamer Folter hingerichtet, davon 13 durch Verbrennen. Diese Kapitel hatte bereits Drechslers Vorgänger Bernd Utermöhlen aufgeschlagen und den Hexenprozessen in Buxtehude eine Abhandlung im 2015 erschienenen „Heimatliches Buxtehude“ gewidmet. Im November 2017 folgte die Enthüllung des von Michael Jalowczarz erschaffenen Mahnmals zur Erinnerung an die Opfer der Buxtehuder Hexenprozesse.

Restauriertes Aktenblatt über Bürgermeister Felix von der Hoya (Hansestadt Buxtehude)

Die Restaurierung der Akten war notwendig, weil die Papiere durch ihr hohes Alter und einen frühere Wasserschäden gelitten haben: Risse, Fehlstellen und gar Schimmelbefall waren die Folge. Zwar gab die Restauratorin bei der Übergabe Entwarnung: Bei der fachgerechten derzeitigen Lagerung wachse der Schimmel nicht weiter, aber wenn die Akten der Nachwelt erhalten bleiben sollten, müssten diese gereinigt und restauriert werden, dann hielten sie sich „mindestens nochmal solange“, so Kühl.

Letzte Woche nun kehrte der halbe laufende Aktenmeter mit brisantem Inhalt zurück in den Stavenort. Die Hamburger Restauratorin Gudrun Kühl übergab die acht Archivmappen am 5. Juni  an die Stadtarchivarin Eva Drechsler. Für diese sind damit zwei wichtige Etappenziele erreicht: Den Erhaltungszustand der ca. 3.200 Seiten zu verbessern und die Akten wieder einer interessierten Öffentlichkeit und vor allem der Forschung zugänglich machen zu können. Der Grundstein sei gelegt, dass die Wissenschaft die Opfer, den Ablauf und ggf. die Motive zu den Hexenprozessen eingehender untersuchen und in den Gesamtzusammenhang der europäischen Hexenverfolgung einbetten könne.

Die Restaurierung kostete knapp 7.000 Euro. Die Hälfte – 3.500 Euro – stiftete die Sparkasse Harburg-Buxtehude.

Opfer der Buxtehuder Hexenprozesse 1540-1644:

1540 Metcke Wildenbrockes, „gerechtfertiget“ (= bestraft)
1545 Metcke Wildenbrockes, hingerichtet
1555 Gesche Kahlen, hingerichtet, Ahlcke Rolapp, „gerechtfertiget“ (= bestraft), Gretcke Timmen, „gerechtfertiget“ (= bestraft)
1556 Ahlcke Hedendorp, hingerichtet durch Verbrennen, Margareta Bicker, Frau des Bürgermeisters Segebade Bicker, hingerichtet durch Verbrennen
1558 Namentlich nicht genannte Frau, hingerichtet durch Verbrennen
1588 Ilsabe Meyers, hingerichtet durch Verbrennen
1590 Gretje Wüppers, hingerichtet durch Verbrennen
1598 Gesche Meyers, hingerichtet durch Verbrennen, Ahleke Hagens, hingerichtet durch Verbrennen
1607 Wöbcke Richers, hingerichtet durch Verbrennen
1608 Gesche von Schleiseln, hingerichtet durch Verbrennen, Becke Lohmanns, hingerichtet durch Verbrennen, Catharina Möllers, hingerichtet durch Verbrennen
1609 Wummel Dickgreve, der Zauberei verdächtigt, Prozessausgang nicht belegt
1613 Anne Ropers, Verfahren aus Mangel an Indizien nicht fortgeführt
1614 Becke Kruse, hingerichtet durch Verbrennen, Ilse Dede, aus der Stadt gewiesen
1625 Else Meyer, hingerichtet durch Verbrennen
1643-1644 Elisabeth Hessel angeklagt, Prozessausgang nicht belegt

Der Aufsatz zum bisherigen Forschungsstand von Bernd Utermöhlen: Hexenprozesse in Buxtehude, Heimatliches Buxtehude, Bd. VII, Buxtehude 2015, S. 161-180., kann im Stadtarchiv eingesehen oder erworben werden.

Veranstaltungen:

  • Freitag, 21. Juni 2019, 17.00 h
  • Mittwoch, 07. Aug. 2019, 18:00 h
  • Freitag, 04. Okt. 2019, 17:00 h
  • Mittwoche 04. Dez. 2019, 18:00 h

„…dat man eyn pynlich Guding hegen und holden mag.“
Begeben Sie sich in die Zeit des 16. und 17. Jahrhunderts – in eine Zeit, die zu den dunkelsten Kapiteln der Stadtgeschichte gehört.
Zwischen 1540 und 1644 wurden in Buxtehude insgesamt 21 Frauen als Hexen bzw. Zauberinnen angeklagt. Eine beachtliche Zahl für eine Kleinstadt in Norddeutschland wo Hexenverfolgungen nicht besonders ausgeprägt waren.
Von den Anfängen und Verdächtigungen, über Anklage, Verhör, Folter und der Urteilsverkündung bis zur Hinrichtung erfahren Sie alles, was zu jener Zeit als gesundes Rechtsempfinden galt.

Treffpunkt: Historisches Rathaus in der Fußgängerzone, Breite Straße 2
Dauer: 90 Minuten; Preis: Erwachsene 7,00 € / Kinder 2,00 €

Quelle: buxtehude.de/hexenprozesse

Weiterführender Link: heimat-und-geschichtsverein-buxtehude.de

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