Buxtehuder Kunstinsel https://www.tiefgang.net Tue, 14 Apr 2026 16:18:09 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Vögel auf dem Drahtseil https://www.tiefgang.net/voegel-auf-dem-drahtseil/ Tue, 14 Apr 2026 22:38:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13630 [...]]]> Es gibt Traditionen, die eine Stadt nicht nur schmücken, sondern sie im Kern definieren. In Buxtehude ist das die Kunstinsel.

Seit 2009 verwandelt sich der kleine Ponton auf der Este alljährlich in eine Bühne für die regionale Kunstszene. Initiiert wurde das Ganze einst von Jürgen K.F. Rohde, und seitdem hat sich die schwimmende Plattform zu einem echten Leuchtturm im öffentlichen Raum entwickelt. In diesem Jahr, zur 18. Ausgabe, kehrt ein alter Bekannter zurück: Folkert Bockentien bespielt die Insel zum dritten Mal und bringt eine Installation mit, die so leichtfüßig daherkommt, wie ihr Titel es verspricht, und doch eine enorme Tiefe in den Wellen verbirgt.

Der Titel der Installation, balance 3, birds in balance, weckt sofort Assoziationen. Wer denkt bei Vögeln auf einer Stange nicht unweigerlich an Leonard Cohens unsterbliche Zeile like a bird on a wire? Bockentien fängt genau dieses Gefühl ein: den Moment zwischen Innehalten und Abflug, zwischen absoluter Ruhe und plötzlicher Bewegung.

Das Spannende an seiner Arbeit ist ihre Reaktivität. Diese drei stilisierten Vögel aus gelbem und blauem Sperrholz sind keine statischen Monumente. Sie reagieren auf den Wind, der durch das Estetal zieht, und auf die Wellen, die gegen den Ponton schlagen. Es ist ein lebendiger Dialog mit der Natur. Was auf den ersten Blick wie eine spielerische Skulptur wirkt, ist eine technisch präzise ausbalancierte Konstruktion, bei der im Inneren Bleigewichte dafür sorgen, dass das fragile Gleichgewicht gewahrt bleibt – ein schönes Sinnbild für unsere eigene Suche nach Stabilität in bewegten Zeiten.

Die Farbwahl in Gelb und Blau ist ein kluger, vielschichtiger Schachzug. Natürlich sind es die Farben der Hansestadt Buxtehude, eine klare Liebeserklärung an die Heimat. Doch im Jahr 2026 schwingt in dieser Kombination unvermeidlich auch die Solidarität mit der Ukraine mit. Es ist bezeichnend für Bockentiens Prozess, dass er sich von der ursprünglichen Idee – dem Schwarz-Weiß-Blau der Elstern in seinem Garten – weg zum Leuchtenden, Signalhaften bewegt hat. Er möchte ein buntes Stückchen Buxtehude schaffen, das die Sinne anregt und den Blick weitet.

Doch hinter der ästhetischen Freude verbirgt sich eine ernste ökologische Reflexion. Der Titel spielt auf eine Balance an, die in der Realität längst verloren gegangen ist. Während die hölzernen Vögel auf der Este sanft im Wind schaukeln, schlägt der NABU Deutschland Alarm: Die Bestände der Feldvögel sind seit 1980 um bis zu 88 Prozent eingebrochen.

Bockentiens Werk wird so zu einem Mahnmal der Abwesenheit. Es macht auf das aufmerksam, was wir immer seltener hören und sehen. Die Kunstinsel wird zum Resonanzraum für ein Thema, das uns alle angeht. Es ist diese Mischung aus lokaler Verbundenheit, handwerklicher Präzision und globaler Relevanz, die die Kunstinsel Jahr für Jahr so unverzichtbar macht.

Bevor die Vögel ihre Balance auf dem Wasser finden, ist Muskelkraft gefragt. Wie in jedem Jahr wird die Insel mit tatkräftiger Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr zu Wasser gelassen – ein wunderbares Beispiel für das Ineinandergreifen von Kultur und bürgerschaftlichem Engagement in der Stadt. Wenn am 25. April die offizielle Eröffnung gefeiert wird, wird Buxtehude einmal mehr beweisen, dass Kunst nicht in geschlossene Räume gehört, sondern mitten ins Leben, dorthin, wo das Wasser fließt und der Wind weht.

Installation: Folkert Bockentien – balance 3, birds in balance

Eröffnung: Samstag, 25. April 2026, 13 Uhr

Auf der Este, Höhe Stadtpark / Zwischen den Brücken 8, 21614 Buxtehude

Die Installation wird für ein Jahr auf der Este und bei freiem Eintritt zu sehen sein.

]]>
„balance 2 – out of balance“ https://www.tiefgang.net/balance-2-out-of-balance/ Fri, 24 Jul 2020 22:52:36 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7119 [...]]]> Aus dem Gleichgewicht, aus dem Lot geraten. Die zwölfte Ausgabe der Buxtehuder Kunstinsel trägt den Titel „balance 2 – out of balance“ und könnte in dieser Zeit kaum treffender überschrieben sein.

Buxtehude. Für Künstler Folkert Bockenthien ist es nach 2010 bereits die zweite Installation, die er für die schwimmende Kunstplattform im Viver, auf Höhe „Zwischen den Brücken“, realisiert. Erneut nimmt er dabei das Thema Gleichgewicht auf.

Am Montag, 20. Juli, wurde seine Kunstinstallation im dritten Anlauf, nach der Corona-bedingten Verschiebung im April und einer ungeplanten „Besetzung“ des letztjährigen Kunstwerks „Wellenboot #2“ von Thomas Werner durch ein nistendes Teichhuhn und es deshalb nicht früher abgebaut werden konnte, endlich zu Wasser gelassen. Torsten Lange, Fachgruppenleiter Kultur, Tourismus, Stadtmarketing, freute sich bei der Übergabe, dass die Kunstinsel nun wieder ein neues Kunstwerk zeigt und das kulturelle Leben in der Stadt ganz langsam wieder in Bewegung kommt.

„Artensterben und Klimawandel haben sich zu einer globalen Krise verdichtet, die Wohlstand, Sicherheit und Gesundheit der Menschheit, über alle politischen, kulturellen und ethnischen Grenzen hinweg bedroht. Wie wir essen, uns fortbewegen, arbeiten, wohnen, wie stark wir uns vermehren, wie unsere Wirtschaft funktioniert, welche Ziele Politik verfolgt und wie jeder einzelne von uns den Alltag gestaltet: Alles scheint „aus dem Lot geraten“, erklärt Folkert Bockenthien sein Exponat und schlägt den Bogen selbstverständlich auch zu COVID-19.

Das etwa vier Meter hohe Kunstwerk schwimmt auf einer Insel, die die Erde zeigt. Das circa 20 Kilogramm schwere Lot besteht aus recyceltem Styropor. Es muss sich zeigen, wie es die Balance bei Wind und Sturm hält, so Folkert Bockenthien.

Die Idee sowie die Künstlerinnen und Künstler der Kunstinsel:

Zehn Jahre nach „Balance“ gestaltet der Künstler Folkert Bockenthien erneut die Buxtehuder Kunstinsel. „balance 2 – out of balance“ ist das 12. Kunstwerk, der vom Buxtehuder Künstler Jürgen K.F. Rohde ins Leben gerufenen Plattform für Kunst auf dem Wasser. Seit 2009 hatten Künstlerinnen und Künstler der Region die Möglichkeit, die „Insel“ nach eigenen kreativen Vorstellungen zu gestalten. Dies waren bisher:

  • 2009 Jürgen Rohde „Rhombonaden“
  • 2010 Folkert Bockentien „Balance“
  • 2011 Christa Mücke „man kann es drehen und wenden wie man will“
  • 2012 Michael Jalowczarz „Spiegel der Anderswelt“
  • 2013 Dorota Albers „Maispignon“
  • 2014 Christa Donatius „3 rote Figuren“
  • 2015 Gundula Menking „Meerjungfrau und Seemannsgran“
  • 2016 Peter Schmidt „Kreuzfahrten“
  • 2017 Jürgen K.F. Rohde „Leuchtfeuer in der Este“
  • 2018 Uwe Schloen „Rüdiger (Lost in the Supermarket)“
  • 2019: Thomas Werner: „Wellenboot #2“

Website von Folkert Bockethien: www.bockentien.de

Weitere Informationen: Kulturteam der Hansestadt Buxtehude, T: 04161/501-2322 www.buxtehude.de/kultur

]]>
sowohl – als – auch https://www.tiefgang.net/sowohl-als-auch/ Fri, 09 Aug 2019 22:14:50 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5653 [...]]]> Die Grenzenlosigkeit der Fantasie ist seine treibende Kraft. Auch mit 80 noch. Dafür ehrt in die Stadt Buxtehude nun mit einer Retrospektive: Jürgen K.F. Rohde.

 

Buxtehude. Er gilt als Schöpfer der Buxtehuder Kunstinsel: Jürgen K.F. Rohde. Der Dammhauser Zeichner und Grafiker feierte vor kurzem seinen 80. Geburtstag. Das Kulturteam der Hansestadt Buxtehude ehrt den Künstler aus diesem Grund mit einer Retrospektive. Vom 20. August bis 29. September werden unter dem Ausstellungstitel „sowohl  – als – auch“ Zeichnungen – Bilder – Objekte im Marschtorzwinger knapp 30 Werke gezeigt, die im Zeitraum 1969 bis 2018 entstanden sind.
„Mich faszinieren die grenzenlosen Möglichkeiten der Fantasie in der Kunst“, sagt Rohde selbst über seine Arbeit. „Meine Bilder und Objekte sind selten ganz eindeutig – sie lassen viel Raum für die Fantasie des Betrachters. Auch die Bildtitel erklären nicht den Inhalt. Sie deuten nur eine von vielen Interpretationsmöglichkeiten an.

Es ist aber sicher kein Zufall, wenn z.B. ein Bild mit dem Titel „Systemauflösung“ im Jahre 1989 gemalt wurde. Oder ein Bild mit dem Titel „Spülfeld“ ein Stück Land zeigt, auf das Sand aus tieferen Schichten aufgespült wurde, wodurch das, was lange Zeit verdeckt war, wieder sichtbar wird.

Am Sonntag, 18. August 2019 um 11 Uhr wird die Ausstellung durch die stellvertretende Bürgermeisterin Christel Lemm und einer Einführung von Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Claudia Rasztar, eröffnet. Jürgen K.F. Rohde wird ebenso anwesend sein. Er nutzt zusätzlich das 3. Buxtehuder Kunstfest am 24. und 25. August, jeweils von 15 bis 17 Uhr, um im Marschtorzwinger mit Kunstinteressierten ins Gespräch zu kommen. Ausstellungseröffnung: Sonntag, 18. August 2019, 11 Uhr

Ausstellungsdauer: 20. August – 29. September 2019
Ort: Marschtorzwinger, Liebfrauenkirchhof, Buxtehude,

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 15 – 19 Uhr; Samstag und Sonntag 11 – 18 Uhr; Eintritt frei

Die Ausstellung wird unterstützt durch die Sparkasse Harburg-Buxtehude.

Biographie Jürgen K. F. Rohde

  1. Juli 1939  geboren in Wittenberg (Lutherstadt), aufgewachsen in Rostock (DDR), Ausbildung zum Schiffbauer

1957                Flucht nach Hamburg, Arbeit als Schiffbauer, Grundwehrdienst bei der Bundeswehr, grafischer Zeichner bei Airbus und Zeitmagazin

1969-77           Kunststudium Hochschule für bildende Künste Hamburg

Kunstaktionen, Ausstellungsbeteiligungen im Raum Hamburg und Buxtehude

1971                IG Kunst

Gründung Künstlergruppe IG Kunst, Planung und Realisation von Projekten in Buxtehude z.B. Aktionen – „Rettet den Fleth“ – „Erhalt Haus Fischerstraße“ – „Petriplatz wird Marktplatz“. Aufbau eines Kulturzentrums am Ostfleth,- Dokumentation Bahnübergang (Film im Buxtehude Museum), 12 Jahre Mitarbeit Kulturausschuss Buxtehude, Idee zum 1. Kunstpreis Buxtehude (Konzeption + Realisierung)

1977-1987       Kunst- und Sozialtherapeut in einer heilpädagogischen Einrichtung, davon zwei Jahre Heimleitung

Ab 1987          überwiegende Tätigkeit im Bereich bildende Kunst (Malerei, Grafik, Skulptur, Installation)

Einzelausstellungen, Installationen

1996                „Form und Auflösung“       Buxtehude Museum

1999                „Bilder und Figuren“          Marschtorzwinger

2000                „Fluss Leuchten“                 Este

2002                „Hanse Häuser“                   Wesel Niederrhein

2004                „Rote Laterne“                    Stavenort

2005                „Grande Miniatur“             Buxtehude

2007                „Monaden & Urzeller“       Marschtorzwinger

2009                „Television masks“              Installation Veilky Novgorod

2009                „Kunstinsel Este“                Rhombonade, Installation, Zeichnungen

2010                „Natürlich-Künstlich“         Gemeinsame Ausstellung im Zwinger mit Dorotha Albers
2013                „Tischinstallationen“          Konzept für „Erinnerungsausstellung Bruhns-Decker“

2016                „Bilder + Objekte“               Galerie „Schichtwechsel“, Hamburg

2017                „Installation“                        Kunstinsel „Leuchtfeuer“, Buxtehuder Este

Weiterführend: www.buxtehude.de/kultur

 

]]>