Demis Volpi https://www.tiefgang.net Fri, 13 Jun 2025 14:18:59 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 Volpis letzter Tanz https://www.tiefgang.net/volpis-letzter-tanz/ Fri, 13 Jun 2025 22:46:08 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11981 [...]]]> Es war ein Beben, das durch die ehrwürdigen Gänge der Hamburgischen Staatsoper ging – und doch, für jene, die den Herzschlag dieser kulturellen Institution seit Jahren verfolgen, kam es nicht ganz unerwartet.

Demis Volpi, der als großer Hoffnungsträger nach der Ära John Neumeier angetreten war, verlässt das Hamburg Ballett mit sofortiger Wirkung. Ein jähes Ende nach nur einem halben Jahr im Amt, das Fragen aufwirft, Wunden freilegt und die Debatte um die Zukunft einer der renommiertesten Ballettcompagnien der Welt neu entfacht.

Die Bürde eines großen Erbes

Die Erwartungen an John Neumeiers Nachfolge waren von Anfang an gigantisch. Ein halbes Jahrhundert lang hatte der amerikanische Choreograf das Hamburg Ballett geprägt, es zu Weltruhm geführt und zu einer unverwechselbaren Marke gemacht. Sein Abschied, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, wurde sogar um ein Jahr bis Sommer 2024 verlängert. Die Findungskommission, besetzt mit hochrangigen internationalen Expert*innen wie Ted Brandsen oder Brigitte Lefèvre, hatte im Oktober 2022 Demis Volpi als die ideale Wahl präsentiert. Kultursenator Dr. Carsten Brosda äußerte sich damals euphorisch: „Mit Demis Volpi kann die herausragende Geschichte des Hamburg Ballett weitergeschrieben und mit neuen Impulsen in die Zukunft geführt werden.“ Man sprach von einer Verbindung von Tradition und Innovation – Worte, die heute einen bitteren Beigeschmack hinterlassen.

Volpi, der 1985 geboren und in Buenos Aires sowie Stuttgart ausgebildet wurde, kam mit dem Ruf eines international gefeierten Choreografen. Seit August 2020 war er Ballettdirektor und Chefchoreograf des Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburg. Dort hatte er für seine Arbeiten eine große Zahl internationaler Auszeichnungen erhalten, darunter den Konex Award, die Auszeichnung zum „Nachwuchskünstler des Jahres“ der Zeitschrift Opernwelt und den Deutschen Tanzpreis Zukunft. Choreografien wie „Salome“ für das Stuttgarter Ballett oder „Chacona“ zeugten von seinem künstlerischen Talent. Doch die Realität in Hamburg sollte sich als weitaus stürmischer erweisen.

Ein toxisches Klima und der rasche Fall

Schon seit Wochen brodelte es hinter den Kulissen. Gerüchte machten die Runde, Solist*innen kündigten, und es verdichteten sich die Anzeichen für ein „toxisches Arbeitsklima“. Was im Februar 2025 mit einem offenen Brief von 36 der 63 Staatsopern-Tänzer*innen an Kultursenator Brosda begann, mündete nun im Showdown. Die Vorwürfe waren massiv: ein „unfreundlicher, manipulativer und herabsetzender Stil Volpis“, häufige Abwesenheiten und sogar „künstlerische Mängel“. Der Frust saß tief, so tief, dass fünf der elf Ersten Solist*innen, die sonst das Herzstück der Compagnie bilden, zu den Unterzeichner*innen gehörten.

Der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper und Demis Volpi einigten sich auf einen Auflösungsvertrag zum Ende der Spielzeit und eine sofortige Freistellung. Die Kulturbehörde sprach von „einvernehmlich“, doch die scharfen Worte aus der F.A.Z. – „Das Schiff verlässt den sinkenden Kapitän“ – spiegeln die Dramatik der Situation wider. So-Yeon Kim, eine ehemalige Düsseldorfer Ballerina und Mitverfasserin eines Düsseldorfer Solidaritätsschreibens, äußerte sich gegenüber der F.A.Z. erleichtert: „Manche waren der Ansicht, da Volpi nicht körperlich gewalttätig war, müsste man ihn nicht entlassen. Die Wahrheit ist aber, dass viele Tänzerinnen und Theatermitarbeiterinnen unter Volpis Charaktermängeln und Inkompetenz nicht nur gelitten haben, sondern in der Konsequenz ihr Engagement und manche ihre Karriere verloren haben. Sein Verhalten hat das Leben von Tänzer*innen ruiniert.“ Dies zeigt, dass die Probleme nicht neu waren und die Entscheidung in Hamburg in der Ballettwelt genau beobachtet wurde.

Demis Volpis eigene Stellungnahme klingt fast resignativ: „Meine Vision – sowohl in künstlerischer Hinsicht als auch im Hinblick auf eine zeitgemäße Struktur, die offene und verantwortungsvolle Zusammenarbeit innerhalb einer Ballettcompagnie ermöglicht – ließ sich trotz intensiver Bemühungen unter den aktuellen Rahmenbedingungen am Hamburg Ballett nicht weiter verwirklichen.“ Eine diplomatische Umschreibung für eine tiefe Zerrüttung, die offenbar Vision und Realität in dieser etablierten Compagnie kollidieren ließ.

Senator Brosdas Dilemma und die Zukunft

Kultursenator Dr. Carsten Brosda, der einst Volpi so hoffnungsvoll begrüßte, fand sich in einer prekären Lage wieder. Er bedauert, „dass es nicht gelungen ist, eine gemeinsame Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit im Hamburg Ballett zu schaffen.“ Eine gemeinsame Interimsleitung mit Lloyd Riggins, Nicolas Hartmann und Gigi Hyatt soll nun bis Ende der Spielzeit 2025/2026 die Lücke füllen. Die Verantwortung wird auf mehrere Schultern verteilt, um die Weiterentwicklung „zwischen Tradition und Moderne“ fortzuführen. John Neumeier selbst, der die Vorgänge von außen verfolgte, äußerte gegenüber dem NDR die Hoffnung, dass „Ruhe eintritt im Ballett“ und die Tänzer*innen „jetzt gut arbeiten können“.

Doch die dringlichste Frage bleibt: Wie geht es weiter? Die Krise um Volpis Abgang offenbart strukturelle Herausforderungen, vielleicht auch eine verpasste Chance, frühzeitig auf die kritischen Stimmen aus dem Ensemble zu hören. Für Volpi gibt’s nach BILD-Informationen als Schmerzensgeld rund 1,1 Millionen Euro – das gesamte Salär für seinen Fünfjahresvertrag. Der Aufsichtsrat hat einen extern moderierten Prozess angekündigt, um „unter anderem Maßgaben für die künftige Zusammenarbeit in der Compagnie sowie die Anforderungen der Compagnie an eine künftige Ballettdirektion“ zu erarbeiten. Dies ist ein wichtiger Schritt, denn das Wohl und die Zufriedenheit der Tänzer*innen sind das Herzstück jeder Compagnie.

Der Elefant im Raum

Und dann ist da noch der ständige Elefant im Raum: der seit Jahren diskutierte und heiß umstrittene geplante Neubau der Staatsoper auf dem Baakenhöft in der HafenCity. Bürgermeister Peter Tschentscher und Kultursenator Carsten Brosda verkündeten im Februar 2025 die Vertragsunterzeichnung mit der Kühne-Stiftung euphorisch als „Glücksfall für die Kultur und die Steuerzahler*innen“, da der Bau angeblich komplett finanziert werde. Doch die Hamburgische Architektenkammer (HAK) übte scharfe Kritik an diesem Vorgehen. In einem „Brandbrief“ unter dem Titel „Mehr Öffentlichkeit wagen“ forderte die HAK Transparenz, Wettbewerb und eine Stärkung der Innenstadt. Es wurde bemängelt, dass das Projekt „hinter verschlossenen Türen“ entwickelt wurde, ohne vorherige fachliche Expertise, öffentliche Information oder Diskussion. Die Grundfrage, ob Hamburg überhaupt ein neues Opernhaus in dieser Form und an diesem Standort benötigt, sei nie öffentlich diskutiert worden.

Die Architektenkammer wies zudem darauf hin, dass der Neubau keineswegs allein ein Mäzenatengeschenk sei. Die Stadt steuere ein „überaus wertvolles Grundstück in bester Lage“ bei, dazu 147 Millionen Euro für Gründung und Flutschutz sowie die Kosten für die Planung und Herstellung der öffentlichen Freiflächen. Massive Kritik wurde auch an der fehlenden Diskussion über die Nutzung dieses „letzten freien Grundstücks der HafenCity“ sowie die multifunktionale Ausrichtung des Neubaus geübt. Der Vertrag sehe vor, dass das Gebäude ausschließlich für den Betrieb der Staatsoper genutzt werden dürfe, wobei die Kühne-Stiftung jeder Nutzungsänderung zustimmen müsse – was als Einschränkung für breitere Bevölkerungsgruppen und die gesellschaftliche Einflussnahme auf ein solches Großprojekt verstanden wird. Das geplante „Qualifizierungsverfahren“ mit nur „mindestens fünf Planungsbüros“ und einem „deutlichen Missverhältnis von Nicht-Fachleuten und Fachleuten“ in der Jury entspreche zudem in keiner Weise den etablierten Regeln für Planungswettbewerbe. Auch das Vetorecht des Stifter-Ehepaars und die unklare Kostenkalkulation für den späteren Betrieb, der allein von der Stadt zu tragen ist, geben Anlass zur Besorgnis. Die HAK befürchtet kein „volles“, sondern ein „abgespecktes ,Opernhaus light‘“, dessen Funktionalität lediglich „mindestens dem Standard der Bestandsoper entspricht“.

Die Kulturbehörde reagierte auf die Kritik zurückhaltend und verwies auf eine mehrjährige Planungs- und Umsetzungsphase sowie die bevorstehende Befassung der Bürgerschaft. Gleichwohl trägt diese hochkomplexe und kontrovers geführte Bauprojektdebatte zu einem Umfeld bei, in dem die Führung der Staatsoper ohnehin schon unter immensem Druck steht. Auch wenn konkrete Details zu einem kürzlichen Interims-Leiter im kaufmännischen Bereich in den vorliegenden Dokumenten nicht explizit genannt werden, zeugen solche Veränderungen an verschiedenen Führungspositionen von einer Periode der Neuorientierung und Sensibilität innerhalb der Staatsoper insgesamt.

Hamburgs Ballett steht am Scheideweg

Der abrupte Abgang von Demis Volpi ist eine Zäsur, aber auch eine Chance. Die Findung einer neuen Leitung muss diesmal nicht nur künstlerische Vision, sondern auch soziale Kompetenz und die Fähigkeit zur Menschenführung in den Vordergrund stellen. Es gilt, die Wunden zu heilen, das Vertrauen wieder aufzubauen und eine Zukunft zu gestalten, die die herausragende Geschichte des Hamburg Ballett nicht nur weiterschreibt, sondern auch in ein modernes, gesundes Arbeitsumfeld überführt. Diese Episode wird zweifellos als eine kritische Zeit in die Annalen der Hamburger Kulturgeschichte eingehen und die Haltung des Kultursenators auf die Probe stellen, die notwenige Stabilität für die Zukunft dieses Leuchtturms zu gewährleisten – gerade auch angesichts der schwelenden Opernneubau-Debatte, die weit über das Ballett hinausreicht.

 

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Bundeskulturstiftung macht Hamburg zur Tanzstadt https://www.tiefgang.net/bundeskulturstiftung-macht-hamburg-zur-tanzstadt/ Fri, 12 Jul 2024 22:23:43 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11004 [...]]]> Die Kulturstadt Hamburg hat sich bei der Kulturstiftung des Bundes erfolgreich um die Ausrichtung der Tanztriennale beworben.

In einem anspruchsvollen Auswahlverfahren konnte die Stadt mit einer gemeinsamen Bewerbung des Hamburg Ballett und der Ballettschule des Hamburg Ballett, dem internationalen Produktionshaus Kampnagel und K3 – Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg überzeugen. Die Kulturstiftung des Bundes fördert die erste Ausgabe 2026 mit bis zu 950.000 Euro und die Stadt stellt weitere 600.000 Euro zur Verfügung. Die Tanztriennale gehört damit zu den von der Stiftung geförderten bundesweiten kulturellen Leuchttürmen.

Hamburg hat sich international einen Namen als Tanzstadt gemacht. Die Stadt verfügt mit dem weltweit bekannten Hamburg Ballett, das in den letzten 51 Jahren unter John Neumeier große Erfolge gefeiert hat, Kampnagel als dem größten internationalen Produktionshaus im deutschsprachigen Raum, dem international renommierten choreographischen Zentrum K3 | Tanzplan Hamburg, mehreren künstlerisch-praktischen Tanzausbildungsstätten sowie einer qualitativ starken und aktiven Tanzszene über große Expertise im Tanz. Die Bewerbung wurde in den letzten Monaten insbesondere von dem designierten Intendanten des Hamburg Ballett Demis Volpi, der Intendantin von Kampnagel Amelie Deuflhard und Kerstin Evert, Künstlerische Leitung K3 – Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg, vorangetrieben. Dabei war ihnen insbesondere die internationale Strahlkraft und ein dezentraler Ansatz wichtig, mit dem die Tanztriennale weit über Hamburg hinaus wirken soll. Für die Künstlerische Leitung sucht die Kulturstiftung des Bundes derzeit eine Persönlichkeit oder ein Team, um unter enger Einbeziehung der Akteure und Akteurinnen und Institutionen vor Ort eine inhaltlich-künstlerische Gesamtkonzeption zu entwickeln.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Dass Hamburg mit der gemeinsamen Bewerbung den Zuschlag für die Tanztriennale bekommen hat, ist ein sensationelles Zeichen für die Tanzstadt Hamburg. Dieser Erfolg ist nur möglich gewesen dank der herausragenden Erfolge, die Hamburg in den letzten Jahrzehnten im Tanz gefeiert hat, und der großen Lust der ganz unterschiedlichen Akteurinnen und Akteure auf kreative Zusammenarbeit. Ich danke allen, die zu diesem Erfolg beigetragen haben und der Kulturstiftung des Bundes für ihr Vertrauen in die Tanzlandschaft in Hamburg. Gemeinsam wollen wir für den Tanz in seiner ganzen Vielfalt begeistern und den kreativen Austausch zwischen den verschiedenen Communitys und Stilen sowie den Wissensaustausch stärken. Dabei haben wir die großen Tanz-Institutionen der Stadt ebenso im Blick wie die vielen kleinen und größeren kulturellen Anlaufstellen für tanzbegeisterte Bürgerinnen und Bürger und die, die es spätestens nach der Tanztriennale noch werden. Machen wir gemeinsam was richtig Gutes draus!“

Demis Volpi, designierter Intendant des Hamburg Ballett: „Dass die Stadt Hamburg von der Kulturstiftung des Bundes als Ort der ersten Tanztriennale gewählt wurde, ist eine fantastische Nachricht und ein Bekenntnis für die Zukunft des Tanzes in Hamburg. Für mich als neues Mitglied dieser unglaublich kreativen Stadt ist es eine tolle Möglichkeit, gleich zu Beginn meiner Intendanz des Hamburg Ballett mit den zahlreichen anderen Tanzinstitutionen in Dialog zu treten. Bereits im Zuge der Antragstellung haben mich die Energie und das Engagement in der Zusammenarbeit besonders mit den Projektpartnern der Stadt Hamburg, von Kampnagel und K3 absolut begeistert. Durch die Triennale werden sich weitere Synergien ergeben können und ich freue mich auf den regen Austausch und die Zusammenarbeit.“

Amelie Deuflhard, Intendantin Kampnagel: „Was für eine wunderbare Nachricht zu Beginn des Sommerlochs: Die Tanztriennale kommt nach Hamburg! Die seit Jahren bestehende Zusammenarbeit zwischen Kampnagel, dem Hamburg Ballett und K3 wird damit in eine neue Dimension katapultiert. Gemeinsam mit vielen weiteren Institutionen und Räumen wollen wir die Stadt zum Tanzen bringen. Wir wollen Tanz in seinen vielfältigen Stilen zeigen und diskutieren sowie Synergien schaffen, um den Tanz in all seine Facetten weiter zu entwickeln und weiterzudenken. Und natürlich soll die Tanztriennale ein Fest werden für Hamburg und alle nationalen und internationalen Besucher*innen.“

Dr. Kerstin Evert, Künstlerische Leitung K3 – Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg: „Es ist wirklich großartig, dass Hamburg Austragungsort der Tanztriennale sein wird. Hamburgs Tanzlandschaft vereint zahlreiche künstlerisch herausragende Akteur*innen aus den unterschiedlichen ästhetischen Bereichen. Gemeinsam werden wir Tanz in seiner Vielfalt und mit seinen künstlerischen und gesellschaftlichen Potenzialen in Hamburg und bundesweit noch sichtbarer machen: Ob im Zuschauen oder im Selbst-Tanzen, Hamburg wird mit der Triennale konsequent zum Tanz einladen! Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit!“

Die Tanztriennale ist eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes und wird veranstaltet von der Freien und Hansestadt Hamburg. Die Kulturstiftung des Bundes wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Weitere Infos und die Begründung finden Sie unter: www.kulturstiftung-des-bundes.de/tanztriennale.  

 

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Demis Volpi wird Intendant des Hamburg Ballett https://www.tiefgang.net/demis-volpi-wird-intendant-des-hamburg-ballett/ Fri, 21 Oct 2022 22:42:58 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=9443 [...]]]> Demis Volpi tritt am 1. August 2024 die Nachfolge von Prof. John Neumeier als Intendant des Hamburg Ballett und Leiter des Ballettzentrums Hamburg an.

Das hat der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper heute einstimmig beschlossen und sich damit der Empfehlung einer international besetzten Findungskommission angeschlossen. Der 36-jährige Deutsch-Argentinier ist seit August 2020 Ballettdirektor und Chefchoreograph des Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburg. Er ist ausgebildeter Tänzer und hat sich als Choreograph international einen Namen gemacht. Auch für das Bundesjugendballett hat er bereits choreographiert. Um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, wird John Neumeier seinen Vertrag um ein weiteres Jahr bis Sommer 2024 verlängern. John Neumeier leitet das Hamburg Ballett seit 1973. Mit seinem Wirken hat Hamburgs Ehrenbürger Ballettgeschichte geschrieben und die Compagnie zu weltweitem Ruhm geführt.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Mit Demis Volpi kann die herausragende Geschichte des Hamburg Ballett weitergeschrieben und mit neuen Impulsen in die Zukunft geführt werden. Er kennt das Bundesjugendballett und die Ballettschule aus eigener Arbeit und wird das von John Neumeier geschaffene Repertoire lebendig halten. Zugleich freue ich mich auf die Präsentation neuer choreographischer Handschriften und seine eigene Arbeit als Choreograph, da er auch als Künstler Tradition und Innovation vereint. Als ausgebildeter Tänzer verfügt Demis Volpi zudem über ein sehr feines Gespür für die Möglichkeiten einer Compagnie und die Bedürfnisse der Tänzerinnen und Tänzer. Ich bin auch John Neumeier sehr dankbar, dass er bereit ist, ein weiteres Jahr das Hamburg Ballett zu leiten und so einen guten Übergang zu gewährleisten. Hamburg hat seinem Ehrenbürger sehr viel zu verdanken. Er hat in unserer Stadt mit herausragenden Choreographien Ballettgeschichte geschrieben. Sie definieren das Hamburg Ballett. Mit Demis Volpi geben wir das Erbe John Neumeiers in gute Hände und öffnen zugleich die Tür zu einer guten Zukunft des Balletts in Hamburg.“

Demis Volpi, designierter Intendant des Hamburg Ballett: „Ich freue mich sehr über die Berufung zum Intendanten des Hamburg Ballett in der Nachfolge von John Neumeier. Den Mitgliedern der Findungskommission bin ich dankbar für das große Vertrauen, das sie in mich setzen. Die Besonderheit und auch die Herausforderung, die diese Aufgabe mit sich bringt, sind mir sehr bewusst. Die Chance einem Künstler nachzufolgen, der diese Compagnie, die Stadtgesellschaft und ein Publikum aus der ganzen Welt rund ein halbes Jahrhundert lang geprägt und inspiriert hat, ist einfach einzigartig. Ich freue mich sehr darauf, das reiche, von John Neumeier geschaffene Repertoire lebendig zu halten, neue tänzerische Sichtweisen auf unsere Welt zu suchen und zu zeigen und auch meine eigene choreographische Sprache weiterzuentwickeln. Gemeinsam mit der Compagnie und dem Hamburger Publikum die Zukunft des Hamburg Ballett zu gestalten, soll für uns alle eine aufregende und inspirierende Erfahrung werden.

Trotz der pandemiebedingt schwierigen Umstände, unter denen ich im Sommer 2020 mit der Neuausrichtung des Ballett am Rhein begonnen habe, liegen reiche und beglückende Spielzeiten hinter uns, an die sich zwei weitere hoffentlich ebenso erfüllende anschließen werden. Dass ich diese Arbeit leisten kann, die mit der Berufung nach Hamburg eine so große Anerkennung erfährt, verdanke ich den hoch motivierten Tänzerinnen und Tänzern des Ballett am Rhein, meinem Team und allen Kolleginnen und Kollegen im Haus der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg.

Sehr herzlich möchte ich mich bei John Neumeier für seine Offenheit und positive Reaktion bedanken. Ohne seinen Zuspruch wäre dieser Schritt für mich undenkbar.“

John Neumeier, Intendant des Hamburg Ballett: „Am Beginn dieser Saison war unsere Wiederaufnahme von Dritte Sinfonie von Gustav Mahler eine herausragende Leistung. In einer Zeit, in der man Probleme hat, Theater zu füllen, inspirierte ein 48 Jahre altes Stück vier ausverkaufte Vorstellungen. Diese Compagnie – das Hamburg Ballett – ist ein beeindruckendes und einzigartiges Ensemble.

Als ich kürzlich den Rohschnitt des Anna Karenina-Films ansah, den wir im Mai aufgezeichnet hatten, habe ich spontan gesagt: Dafür habe ich 50 Jahre gearbeitet! Nun gebe ich etwas aus meiner Hand, das für mich unendlich wertvoll ist: diese Gruppe wunderbarer Künstlerinnen und Künstler.

Ich bin der Meinung, dass jede Compagnie ein eigenes Gesicht haben sollte. Ich vertraue darauf, dass Demis Volpi das Hamburg Ballett bewahrt und dieses Ensemble mit einem anderen, einem neuen, aber wiederum unverwechselbaren Gesicht in die Zukunft führt. Dabei freue ich mich, dass Lloyd Riggins als sein Stellvertreter bleibt und dass er zusätzlich eine neue Position als Kurator und Experte für meine Werke übernimmt. Ich kann Demis Volpi, Lloyd Riggins und dem gesamten Hamburg Ballett nur das Allerbeste für die Zukunft wünschen.“

Demis Volpi ist seit 2020 Ballettdirektor und Chefchoreograph des Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburg. Zuvor war er sehr erfolgreich als freiberuflicher Choreograph und Regisseur tätig und hat Werke unter anderem für das American Ballet Theatre, das Ballet de Santiago de Chile, das Ballet Nacional del Sodre in Uruguay, das Lettische Nationalballett, das Ballett Dortmund, die Compañia Nacional de Danza de México und das Ballet Vlaanderen kreiert. Auch mit dem Bundesjugendballett hat er bereits gearbeitet. Von 2013 bis 2017 war er Hauschoreograph des Stuttgarter Balletts, für das er unter anderem das Ballett „Krabat“ entwickelte.

In Buenos Aires geboren, wurde Demis Volpi zuerst am Instituto Superior de Arte des Teatro Colón ausgebildet. Seine weitere Ausbildung erhielt er an Canada‘s National Ballet School in Toronto und an der John Cranko Schule in Stuttgart. Anschließend wurde er in die Compagnie des Stuttgarter Balletts aufgenommen.

Volpi hat für seine Arbeiten eine große Zahl internationaler Auszeichnungen erhalten, darunter der Konex Award der gleichnamigen Stiftung in Buenos Aires, „Nachwuchskünstler des Jahres“ der Zeitschrift Opernwelt und der Deutsche Tanzpreis Zukunft des Aalto Theaters Essen. Er war außerdem für den Prix Benois de la Danse und die International Opera Awards nominiert.

Der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper folgte mit seiner Entscheidung für Demis Volpi der Empfehlung einer hochrangig und international besetzten Findungskommission. Dieser gehörten unter dem Vorsitz von Kultursenator Brosda an: als externe Expertinnen und Experten Ted Brandsen, Direktor und Choreograph des Niederländischen Nationalballetts, Tamas Detrich, Intendant des Stuttgarter Balletts, Brigitte Lefèvre, ehemalige Tänzerin, Choreographin und Ballettdirektorin der Pariser Oper, Dorion Weickmann, Tanzkritikerin und Autorin/Redakteurin der Zeitschrift „tanz“, Ashley Wheater, Künstlerischer Leiter des Joffrey-Ballet, Chicago, sowie Gigi Hyatt, stellvertretende Direktorin und pädagogische Leiterin der Ballettschule John Neumeier, die Aufsichtsratsmitglieder der Hamburgischen Staatsoper Michael Behrendt, Monika Hess und Elke Weber-Braun sowie Hans Heinrich Bethge, Amtsleiter Kultur der Behörde für Kultur und Medien.

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