Dr. Jenny Svensson – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Tue, 12 Oct 2021 17:00:48 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Auf zur wissenschaftlich-künstlerischen Forschung! https://www.tiefgang.net/auf-zur-wissenschaftlich-kuenstlerischen-forschung/ Fri, 15 Oct 2021 22:54:39 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8513 [...]]]> Die Claussen-Simon-Stiftung schreibt ein Promotionsstipendium für wissenschaftlich-künstlerische Forschung aus. Die Bewerbungsfrist läuft vom 1. bis 30. November 2021.

Durch die Förderung akademischer Abschlüsse für zugleich künstlerisch und wissenschaftlich tätige Personen möchte die Claussen-Simon-Stiftung dazu beitragen, Forschung voranzutreiben, die interdisziplinäre Perspektiven und neue Erkenntnishorizonte erschließt.

Dr. Jenny Svensson, Bereichsleitung Kunst & Kultur: „Mit diesen hybriden Promotionsprojekten wird die akademisch-künstlerische Qualifikationsphase nach dem Master möglich. Wir erwarten von den Bewerber:innen, dass sie einen zentralen Beitrag zur Weiterentwicklung ihres künstlerischen Feldes leisten und dabei Verbindungen zwischen Wissenschaften und Künsten schaffen wollen.“

Um künstlerischer Forschung Sichtbarkeit im öffentlichen Raum zu verleihen, soll das geförderte Vorhaben in Kooperation mit einer dritten Institution oder einem Ort des Kunst-, Musik- und/oder Kulturlebens außerhalb der promotionsberechtigten Hochschule stattfinden. Hierbei kann es sich um ein Theater, ein Museum, ein Konzerthaus, eine Galerie, ein Literaturhaus, ein soziokulturelles Zentrum oder andere vergleichbare Orte handeln. Sowohl akademische als auch rein künstlerische Karrierewege sind nach erfolgreichem Abschluss der Promotion möglich.

Der Wissenschaftsrat empfiehlt ausdrücklich „Ansätze, die künstlerische und wissenschaftliche Perspektiven und Zugriffe so miteinander verbinden, dass etwas Neues entsteht, das weder allein den Künsten noch allein den Wissenschaften eindeutig und trennscharf zugerechnet werden kann.“ (Wissenschaftsrat, Empfehlungen zur postgradualen Qualifikationsphase an Kunst- und Musikhochschulen“, 2021, S. 10). Die bisherigen Förderungen der Claussen-Simon-Stiftung auf diesem Gebiet hat der Wissenschaftsrat als beispielgebend benannt. Seit 2015 vergibt die Claussen-Simon-Stiftung etwa das Opernstipendium, bei dem ein Kompositionsauftrag für die Hamburgische Staatsoper mit einer Dissertation verbunden wird, sowie themengebundene Promotionsstipendien im künstlerischen Bereich.

Das wissenschaftlich-künstlerische Promotionsstipendium ist im Förderprogramm Dissertation Plus angesiedelt, Die Stipendiat:innen erhalten darüber hinaus finanzielle und ideelle Förderung.

Kontakt: Claussen-Simon-Stiftung, Sarah-Isabel Conrad; Große Elbstraße 145f, 22767 Hamburg, Tel.: 040-380 371 50

presse@claussen-simon-stiftung.de; www.claussen-simon-stiftung.de

Zur Claussen-Simon-Stiftung

Die Claussen-Simon-Stiftung fördert begabte junge Menschen auf den verschiedenen Etappen ihrer schulischen, akademischen, professionellen und persönlichen Entwicklung. In den Förderbereichen „Wissenschaft & Hochschule“, „Bildung & Schule“ sowie „Kunst & Kultur“ bieten wir vielfältige Stipendienprogramme und Projektförderungen. Der Bereich „Dialog & Perspektive“ bündelt die programmübergreifenden ideellen Förderangebote mit Seminaren, Vortragsveranstaltungen, Gesprächsreihen und anderen Dialog- und Veranstaltungsformaten.

Im Frühjahr 2020 rief die Claussen-Simon-Stiftung die mit insgesamt 500.000 Euro ausgestattete „Was zählt!“-Initiative ins Leben und unterstützte damit Künstler:innen, Schulen und Hochschulen in Hamburg dabei, den aktuellen Herausforderungen in der Corona-Krise zu begegnen.

Die Claussen-Simon-Stiftung ist seit 2012 eine rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Hamburg. Ins Leben gerufen wurde sie 1982 zunächst als Treuhandstiftung durch Georg W. Claussen, damals Aufsichtsratsvorsitzender und zuvor langjähriger Vorsitzender des Vorstandes der Beiersdorf AG, anlässlich des 100. Jahrestages der Unternehmensgründung. Zur umfänglichen weiteren Ausstattung des Stiftungsvermögens trug 1999 eine testamentarische Verfügung seiner Cousine Ebba Simon bei.

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Entdecke Dich durch Kunst https://www.tiefgang.net/entdecke-dich-durch-kunst/ Fri, 25 Jan 2019 23:05:05 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=4805 [...]]]> Was ein Auflauf! Vergangenen Mittwoch lud die Initiative SuedKultur zur Einweihung der Kunstleihe für Harburg und ganz Hamburg und der Andrang war groß! Ab Sonntag darf dann jeder leihen.Im Obergeschoss des Kulturprojektes „3falt – Kunst, Kultur, Kreativität“ der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche Neue Str. 44 im Harburger Zentrum wurde es kurz nach 18 Uhr sichtlich eng. Das Team vom Irish Pub „The Old Dubliner“ aus der Nachbarschaft reichte Sekt und Häppchen, ein Quartett der Akademie für Musik und Kultur aus Harburgs Hafen spielte auf und knapp hundert Menschen tummelten sich inmitten von Kunst verschiedenster Machart. SuedKultur  im wahrsten Sinne.

v.l. Metin Hakverdi, Heiko Langanke, Dr. Jenny Svensson, Ansgar Wimmer (Foto: Muammer Kazanci)

Unter den Gästen fanden sich neben den sich für die Kunstleihe engagierten Institutionen Stiftungen Alfred Toepfer Stiftung, Ansgar Wimmer, Dr. Jenny Svensson von der Claussen Simon Stiftung , Joachim Bode vom Eisenbahner Bauverein wie auch Anke de Vries vom einstigen Kunstverein Kobalt Kunst international auch Prominenz wie der SPD-Bundestagsabgeordnete Metin Hakverdi.

Aus der örtlichen Bezirkspolitik glänzten Heinke Ehlers und Jürgen Marek von den Grünen, aus der Bürgerschaft kam Norbert Hackbusch von der Linken. Für die Verwaltung kam stellvertretend für die Bezirksamtsleiterin Sonja Fredenhagen die auch für Kulturfragen zuständige Sozialdezernentin Dr. Anke Jobmann, vom Berufsverband der Bildenden Künste der Vorsitzende Alfred Stephan Mattes und auch das Präsidium samt Mitgliedern der dort aktiven Kunstinitiative der Technischen Universität Hamburg mit Dr. Ralf Grote oder auch Jens Brauer vom Stadtmuseum Harburg waren zugegen. Aus Buxtehude kam die Leiterin der Artothek Buxtehude, Susanne Wiegel und vom Landesverband der Artotheken Schleswig-Holstein kam Stephan Tresp. Und etliche Kunstinteressierte mehr kamen zusammen.

Jürgen Marek und Jürgen Havlik

Und am Sonntag (27. Januar) von 12 bis 17h ist nun die Kunstleihe erstmals der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich und wer will kann dann „Kunst auf Zeit“ für Zuhause, das Büro, die Kanzlei oder andere Orte entleihen.

Besonders wichtig ist den Initiator*innen der bildungsrelevante Ansatz. Mit Kunst seine persönlichen Erfahrungen zu machen, sie einfach mal in den eigenen vier Wänden, in KiTas, im Büro, der Arztpraxis oder Anwaltskanzlei über eine längere Zeit „wirken“ zu lassen, rufe bei den meisten ganz automatisch Veränderungen hervor. War es bei der spontanen Auswahl vielleicht noch die passende Farbe zum Sofa, ist es wenige Tage später doch vielleicht die Vieldeutigkeit des Motivs, die Technik oder Wirkung in unterschiedlichen Launen oder Lichtern.

Die Kunstleihe Harburg legt den Schwerpunkt dabei vor allem auf die zeitgenössische Kunst und auf die regionalen Künstler*innen. Denn so wie die Kunstvermittlung auf der einen Seite wirke, ist es zugleich eine Würdigung der lokalen Akteur*innen auf der anderen Seite. Im Bezirk Harburg, so ergab u.a. die einjährige Recherche der Initiator*innen, gibt es rund 100 Künstler*innen , die hier leben und / oder arbeiten und ausstellen. Ihnen mehr Wahrnehmung zu verschaffen und abseits der ohnehin statt findenden Einzelausstellungen Hilfestellung bei der Präsentation ihrer Kunst zu geben, ist eines der Ziele der Kunstleihe.

Dr. Ralf Grote (rechts) vom Präsidium der TUHH überreicht ein Werk für die Kunstleihe.

Denn Harburg kann auf eine große Kunsttradition pochen. Es sind nicht allein die bundes- oder landesweiten relevanten Kunstorte wie die Falckenberg-Sammlung, der Kunstverein Harburger Bahnhof oder die Reihe „Kunst verbindet“ des hit-Technologieparks in Harburg, die das Kunstleben von Hamburgs Süden bestimmen. Es gibt auch etliche Ausstellungen und recht regelmäßige Orte auf lokaler Ebene. Ob vom Kunst- und Kulturverein „Alles wird schön“, die seit 40 Jahren stattfindenden Ausstellungen in der Bücherhalle Harburg, seit 15 Jahren der Harburger Kulturtag, das Atelier Seils, Kunst im Kulturhaus Süderelbe, Kulturcafé komm Du, der Kulturwerkstatt Harburg, der Fischhalle, des Ateliers Malrausch, im AKH Krankenhaus Harburg, der Kunstinitiative der Technischen Universität TUHH, den Moorburger Vereinen eldbeich e.V. oder Moorburger Art e.V.  oder der Initiative wattenbergArt – sie alle präsentieren alltäglich Kunstwerke vornehmlich lokaler Künstler*innen und haben auch ein Publikum dafür. Die Recherche ergab, dass über 70.000 Menschen jährlich allein deren Ausstellungen aber auch Kunstkurse frequentieren. Und umso größer die Wahrnehmung dieser Kunst, um so eher ist natürlich auch gegeben, dass diese Kunst gekauft wird.

Kunstleihen – meist als Artothek bezeichnet – gibt es seit den 80er Jahren in der ganzen Bundesrepublik. Als Pendant zu Biblio-, Video- oder Mediatheken kann man bei ihnen Kunst leihen. In Hamburg gab es das bisher nicht, was die Initiative SuedKultur über die Kunstleihe HH-Harburg nun ändert.

Zu leihen sind vorwiegend Werke lokaler Künstler*innen und in Formaten, die eben leihbar sind. Ob Drucke, Fotos, Stiche, Acryl- oder Ölbilder oder auch kleinere Plastiken – die Vielzahl ist nicht nur in den Techniken als auch in den Motiven und Stilisten breit aufgestellt. Und die Kunstleihe startet mit rund 100 Werken.

Das ist auch bei der zu den Ausstellungen ergänzend startenden Kunstleihe ein wünschenswerter Effekt, damit Kunst eben nicht brotlos bleibt. Ihr vorrangiges Ziel ist es aber nicht. Es ist wirklich die Auseinandersetzung mit Kunst auf Zeit. Immer mal etwas anderes an der Wand hängen zu haben, ist immer eine neue Auseinandersetzung. Und wenn es mal nicht gefällt, tauscht man es einfach schnell gegen ein anderes.

Impuls & Vorgeschichte:

Der Impuls zur ersten Hamburger Kunstleihe kam im Januar 2017 in einer Sitzung des bezirklichen Kulturausschusses. Dort lag eine Anfrage eines Verwaltungsmitarbeiters vor. Dieser hatte in den Verwaltungsgebäuden ein ihn offenbar beeindruckendes Werk gesehen, das aber leicht beschädigt war. Da er nicht wusste, wem es überhaupt gehört, ließ er auf dem Amtsweg nach Eigentümer und der Möglichkeit der Reparatur fragen. Es stellte sich heraus, dass es dem Harburger Verein „Künstler zu Gast in Harburg“ gehört, der jährlich Stipendiaten als „artists in residence“ nach arburgHarburg einlädt. Zum Ende ihrer Arbeitsphase erwirbt der Verein von ihnen zudem eines der zu der Zeit geschaffenen  Werke und überlässt sie dem Bezirk, um etwa Büroräume aufzuwerten. Eine Art interne Artothek. Aber warum nur für Behörden? Und schon war die Idee geboren.

Stephan Tresp übermittelt Glückwünsche.

Entwicklung:

Es bildete sich so im Frühjahr 2017 von der Initiative SuedKultur, in der sich rund 50 Kulturinstitutionen des Hamburger Südens vereinen, schnell eine mehrköpfige Arbeitsgruppe, die das Thema genauer ergründete. Recht bald stand auch fest: offenbar hatte seit den 80er Jahren in den wenigsten Fällen eine Artothek aus Kostengründen wohl aber aufgrund mangelnder Leidenschaft der Akteur*innen geschlossen. Andererseits gibt es viele Arten von Kunstleihen und –ansätzen. Wie würde es also am besten für Hamburg passen?

Ein Antrag im bezirklichen Kulturausschuss, von dem man sich erhoffte, das Thema zumindest mit ein wenig Reisekosten unterstützt zu bekommen, lief ins Leere; Doch die Hamburger Alfred Toepfer Stiftung FVS zeigte sich dem Thema gegenüber offen und bewilligte einstweilen 2.000,- €. Und so wurde alsbald Norbert Weber vom Landesverband der Artotheken Schleswig-Holstein eingeladen, um weitere Möglichkeiten, Probleme aber auch Aspekte der Kooperation sowie inhaltliche Facetten zu beleuchten. Es folgten ein Besuch der Stadtgalerie und Stadtbilderei Kiel, die erfolgreich und enthusiastisch eine Kunstleihe auch für Firmen und ihre Büros betreibt. Ein Besuch in der nahegelegenen Artothek in Buxtehude schärfte die Perspektive für die lokalen Künstler*innen und die fundamentale Vermittlungsarbeit für die Kunst. Die Jahrestagung der Schleswig-Holsteinischen Artotheken im süddänischen Apenrade folgten wie auch der Besuch des Kunst- und Kulturzentrums sowie ihrer Artothek in Sonderburg. Am Ende standen nicht nur eine Vielzahl an Eindrücken sondern auch konkreter Austausch, Möglichkeiten der Ausrichtung sowie der Machbarkeit zur Verfügung.

Die Harburger Kunstgruppe wurde 2017 zudem auf die leerstehende Kantine des Rathauses Harburg aufmerksam gemacht, die aber dann 2018 auf einmal nicht mehr zur Verfügung stand, da dort auf Dauer Akten gelagert werden.

In dem Umwidmungsprojekt „3falt“ der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche in Harburg Neue Str. 44 kam dann im Sommer 2018 plötzlich ein Raum in Betracht, der hinsichtlich Lage, Größe und Möglichkeiten nahezu ideal scheint und auch schnell von weiteren Bildenden Künstler*innen für Kunst-Workshops und –Kurse adaptiert wurde.

Volles Haus zur Einweihung.

Alsbald ergab auch der Austausch mit der Kunstinitiative der TUHH, dass diese selbst auch Kunstwerke ihrer Ausstellungen erwirbt und ihren Studierenden und Mitarbeitenden für ihre Arbeitsräume zur Verfügung stellen will. Eines brachte Dr. Ralf Grote vom Präsidium der TUHH auch gleich mit. „Die Kunstleihe ist eine wunderbare Aktion, die wir liebend gerne unterstützen“, so Grote bei der Einweihung. „Auch wir haben ja jede Menge Kunstausstellungen in unseren Institutsräumen und meist behalten wir von den Künstlerinnen und Künstlern eines bei uns“. Und so übergab er eine Fotoarbeit von Monika Vollmer, die Ende letzten Jahres mit der Ausstellung „Wandel – Verwandlung“ sich mit dem aktuellen Thema Braunkohle und Klimawandel beschäftigte. Ebenso als Eröffnungsgabe hatte Jens Brauer, Leiter des Stadtmuseums Harburg einen Druck des Merians mit einer Harburger Stadtansicht des 17. Jahrhunderts mitgebracht. Darauf besonders schön zu sehne, die einstige Dreifaltigkeitskirche, in der die Kunstleihe nun eröffnet.

Ein persönlicher Kontakt von Toepfer-Stiftungs-Vorstand Ansgar Wimmer führte dazu, dass ein privater Sammler sich von der Idee angetan zeigte und bei der altersbedingten Verkleinerung seines Haushaltes einen beträchtlichen Teil seiner Sammlungen zeitgenössischer und teils bundesweit renommierten Kunst ebenso als Leihgabe an die Kunstleihe abtrat. „Es gibt sicher viele bürgerliche Haushalte, die kaum noch wissen, wohin mit all der Kunst! Vielleicht eine gute Anregung, Kunst allen zugänglich zu machen!“

Andreas Patommel v.d. Bücherhalle Harburg (links) und Prof. Michael Ganß im Diskurs.

Der Kontakt wiederum zur renommierten Claussen-Simon-Stiftung Hamburg, die in verschiedenen Kulturgenres jährlich Stipendien vergibt, ergab eine Schenkung der Stiftung von insgesamt acht Werken aktueller Stipendiat*innen. Von denen stammt der Photograf Philipp Meuser direkt aus dem Bezirk Harburg. Zwei weitere Künstlerinnen (Linda Hollkott und Simone Karl) wiesen zumindest durch ihre Kunst einen starken regionalen Bezug auf, da sie beispielsweise in den Phoenixhallen schon ausstellten.

Ein weiterer Austausch mit der benachbarten Dependance „arts & change“ der Medical School Hamburg will sich künftig zudem einem Kursangebot an. Unter Federführung von Prof. Michael Ganß soll elementare und erlebbare Kunstvermittlung für Kleinkinder über Schulen bis hin ins hohe Alter erarbeitet werden und anhand der Kunstleihe-Werke direkt vor Ort erfahrbar machen, welche Wirkung Kunst in vielen Belangen des Alltags hat.

Und das war den ganzen Abend über zu spüren: angeregte Gespräche vor allem über Kunst aber auch das Kulturprojekt 3falt, über Harburg und sein kulturelles Miteinander allerorten.

Ziele:

Aus all den recherchierten und erfahrenen Eindrücken kam die Arbeitsgruppe zu der Überzeugung, dass es in einer Millionenstadt Hamburg am Sinnvollsten ist, die Kunstleihe bezirklich zu organisieren. Damit wäre ein unmittelbarer Bezug in die Nachbarschaft gegeben, der Austausch über Kunst wäre konkret und nahbar und die Vermittlung demnach vermutlich individueller und vor allem leidenschaftlicher. Um aber die Kunstleihe zum keinen politischen Strömungen und Wechseln auszusetzen, zum anderen optional auf ganz Hamburg ausweiten zu können, soll der Kunstfundus sowie Ausleihebetrieb alsbald in eine kleine, unabhängige Stiftung eingebracht werden. Eine renommierte Hamburger Anwaltskanzlei (Rose & Partner) war von der Idee angetan und erarbeitete alsbald pro bono die rechtliche Konstruktion.

Die Stiftung wird die Kunst selbst als Kapitalstock vorhalten und kann aber auch durch öffentliche Zuwendungen gefördert werden. Abhängig sollte sie aber von eben diesen nicht werden. Unter dem Dach der Stiftung könnte dann aus jedem Bezirk eine weitere Kunstleihe entstehen, die sich unabhängig organisieren, aber die Struktur der Stiftung nutzen kann.

Unterstützer:

Bisher waren es also allen voran die Alfred Toepfer-Stiftung, die nicht nur durch die erste Unterstützung zur Recherche sondern auch dem Voranbringen bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht genug gedankt werden kann, aber auch die Eisenbahnbauverein Genossenschaft sowie der lokale und nun  leider aufgelöste Kunstverein „Kobalt Kunst international e.V.“ sowie die Claussen-Simon-Stiftung, ohne die das Projekt nicht zur Verwirklichung gekommen wäre. Aber es sind auch die zahlreichen Künstler*innen vor Ort gewesen, die die Idee immer weiter trieben, die unzähligen Gespräche, die die Leidenschaft und die unzähligen Aspekte von Kunst bereichernd einbrachten und bringen. Und letztlich alle Partner der Initiative SuedKultur, die seit nunmehr 12 Jahren besteht und nun neben einer jährlichen Music-Night für Musik und den Literaturtagen Suedlese nun auch einen weiteren Schwerpunkt für die Bildenden Kunst in Hamburgs Süden setzen konnte. 

Plakat zur Kunstleihe

Die Ausleihe

Erste offizielle Öffnungstage:

So., 27. Jan in der Zeit von 12-17 Uhr sowie Sonntag, der 3. Februar ebenso von 12-17h.

Wer Kunst dann direkt entleihen möchte, möge daran denken, seinen Personalausweis, 12 € einmalige Erfassungsgebühr sowie die Entleihgebühr in Höhe von 6,- €  je Werk und für ein ganzes Vierteljahr dabei zu haben.

Um ein Werk zu leihen, bedarf es nämlich nicht viel: einen gültigen Personalausweis und eine einmalige Gebühr für die Erstellung des Kunstleihe-Ausweises in Höhe von 12,-€. Die Leihgebühr für ein Werk und für ein Vierteljahr beträgt 6,- € und liegt damit unter dem Preis eines Tagestickets der Hamburger Verkehrsbetriebe.

Die Werke werden in eigens erstellten Kartons handlich und gut transportabel mitgegeben.

Gerne würde die Kunstleihe schon jetzt weitere Entleihtage – etwa auch in der Woche – anbieten. Da aber bisher all diese Arbeit noch unentgeltlich ehrenamtlich erfolgt (Entscheidungen über Anträge zur kommunalen Unterstützung sind noch nicht gefallen), bittet die Kunstleihe um die arg eingeschränkte Leihe um Verständnis. Ebenso ist der bisherige Internetauftritt bislang nur rudimentär unter www.sued-kultur.de/kunstleihe.

weiterführend siehe auch: Hamburger Abendblatt vom 25. Januar 2019

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Kultur macht Schule! https://www.tiefgang.net/kultur-macht-schule/ Fri, 24 Nov 2017 23:07:41 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2594 [...]]]> Was ist eigentlich jenseits von Schulchor und Kunstunterricht kulturell los an Hamburger Schulen? Diese Frage stellten sich sechs gemeinnützige Hamburger und überregionale Stiftungen. Das Ergebnis macht Mut.

Durchgeführt wurde die Studie vom Institut für Kultur- und Medienmanagement (KMM) an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Und die kulturfördernden Stiftungen wollten es schon deshalb wissen, um Entwicklungsbedarfe zu erkennen und ihre Ressourcen im Bereich der kulturellen Bildung nachhaltiger und zielgenauer platzieren zu können.

In der Pressemitteilung heißt es:

„Das Ergebnis lässt sich sehen: Mehr als zwei Drittel aller Hamburger Schulen in öffentlicher Trägerschaft sind über den Unterricht und die schulischen Regelangebote hinaus in einem oder mehreren Kulturprojekten aktiv, oft in Partnerschaft mit Stiftungen, Vereinen oder freien Kulturschaffenden. Besonders tun sich dabei Stadtteilschulen hervor, aber insgesamt offenbart die Studie, die das KMM und die Stiftungen am Donnerstag der Öffentlichkeit präsentierten, eine breite Palette von kreativen und kulturfördernden Aktivitäten in allen Schulformen.

Über 50 Prozent der angeschriebenen Schulen haben auf die Befragung reagiert, sie ist damit repräsentativ. Zu den Aktivitäten aller anderen Schulen hat ein Team unter Leitung von Kulturwissenschaftlerin Dr. Jenny Svensson Internetrecherchen und Experteninterviews durchgeführt. Neben dem Blick auf erprobte Programme wie „Jedem Kind ein Instrument“ oder den „Kulturschulen“ der Gabriele Fink Stiftung vermitteln die Studie und ihre umfangreichen Anlagen ein anschauliches Bild eines lebendigen Mosaiks von Einzelinitiativen wie auch guten Beispielen strategischer Schulentwicklung durch Kultur.

Ein sichtbarer Schwerpunkt vieler Schulen liegt – in der Musikstadt Hamburg wenig überraschend – auf musikalischen Projekten, viele Vorhaben zeichnet aber ihre interdisziplinäre, die Künste verbindende Herangehensweise aus. Die Einbindung kultureller Bildung in den schulischen Alltag, aber auch die Qualität der Zusammenarbeit der Beteiligten wurden von den Befragten am häufigsten als Gelingensbedingungen genannt.

Die Auftraggeber der Studie bewerten die Ergebnisse, wie auch die gute Zusammenarbeit mit Schul- und Kulturbehörde und der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendkultur (LAG) bei der Erstellung der Untersuchung, als Ermutigung. „Die Studie hat ergeben, dass bereits mehr als 60 Prozent der Hamburger Schulen mit externen Kooperationspartnern besondere kulturelle Bildungsprojekte für ihre Schülerinnen und Schüler bieten. Dies ist eine sehr solide und vielfältige Basis, auf der sich weiter aufbauen und eine umfassende kulturelle Bildung befördern lässt“, so Dr. Regina Back, Geschäftsführender Vorstand der Claussen-Simon-Stiftung und Mitinitiatorin der Studie. Ansgar Wimmer, Vorstand der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., der die Erstellung der Studie von Seiten der Auftraggeber betreut hat, ergänzt: „Die Herausforderung bleibt, kulturelle Bildung auch unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen von Zuwanderung und Inklusion im ganztägigen Regelbetrieb als wichtigen pädagogischen Baustein zu verankern. Hieran wollen wir gerne mit unseren Möglichkeiten mitwirken.“

Die Studie, die von der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., der Claussen-Simon-Stiftung, der Gabriele Fink Stiftung, der Dürr-Stiftung, der BürgerStiftung Hamburg sowie der Stiftung Mercator in Kooperation mit der Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB), der Behörde für Kultur und Medien sowie der LAG Kinder- und Jugendkultur beauftragt und erstellt wurde, erschien nun rechtzeitig zum ersten Hamburger Kulturgipfel (www.kulturnetz-hamburg.de/jetzt), zu dem sich am 21. November 2017 über 400 Akteure kultureller Jugendbildung auf Kampnagel trafen.“

Studie ansehen (PDF)

Quelle: kinderundjugendkultur.info

Ein Fazit en detail:

Die vorliegende Bestandsaufnahme der Kooperationen zwischen Schulen und externen Partnern im Bereich kulturellerBildung wurde in drei Arbeitsschritten durchgeführt: Eine Online-Befragung an allen allgemeinbildenden Schulen Hamburgs, eine Internet-Recherche in Form von Überprüfung der  Homepages der Schulen, die nicht an der Befragung teilgenommen haben, sowie drei ergänzende Expert*innen-Interviews.

An der Online-Befragung nahmen insgesamt 50 % der Schulen teil. Von den teilnehmenden Schulen machen 57 % Projekte oder nehmen an Programmen teil, die im Bereich kultureller Bildung anzusiedeln sind und in Kooperation mit außerschulischen Partnern stattfinden. Die Internetrecherche hat darüber hinaus ergeben, dass ca. 60 % der Schulen, die nicht an der Befragung teilnahmen, auch solche Projekte / Kooperationen durchführen. Da diese Prozentsätze nur gering voneinander divergieren, kann davon ausgegangen werden, dass die Ergebnisse der Umfrage, auch wenn sie „nur“ 50 % der Schulen abdecken, repräsentativ  sind und Tendenzen der Kooperationsprojekte zur Kulturellen Bildung gut abbilden können.

Es ist sogar zu vermuten, dass erheblich mehr Projekte in Kooperation mit externen Partnern durchgeführt werden, als dies durch die Bestandsaufnahme gesichert erhoben werden konnte. Einige Stichproben auf den Internetseiten bekannter Programme ergaben, dass Schulen, die angegeben haben, keine Projekte durchzuführen, dies dennoch tun. Wenigstens sind sie als teilnehmende Schulen auf den Internetseiten von  Programmen / Projekten aufgelistet. Als Beispiel sei hierfür das Projekt KLASSEnSÄTZE genannt: An diesem mehrstufigen Schreibwettbewerb beteiligten sich laut Internet-Seite des Projekts  sieben Grundschulen, elf Stadtteilschulen und 15 Gymnasien in Hamburg im Schuljahr 2016/2017. In der Online-Befragung wurde dieses Projekt lediglich ein einziges Mal erwähnt (von der Max-Träger-Schule).

Warum die anderen Schulen das Projekt in der Befragung nicht erwähnt haben, kann mehrere Gründe haben. Vorherrschend wird es am Zeitmangel liegen – bestätigt durch die Anrufaktion, die Ende Juli durchgeführt wurde, um den Rücklauf zu erhöhen. Viele Schulsekretariate gaben dabei an, mit solchen Umfragen überfordert zu sein und wenn diese freiwillig sind, gäbe es keine Zeit sich damit zu beschäftigen – die Schulen würden in diesem Bereich nur erledigen können, was vorgeschrieben ist. Wenn man sich doch die Zeit nimmt, die Umfrage zu beantworten und es länger dauert, weil mehrere  Projekte und Kooperationen an der Schule durchgeführt werden, wird Zeit gespart, indem nur das  Notwendigste ausgefüllt wird und weniger Projekte als tatsächlich in der Schule durchgeführt, beschrieben werden. Ein weiterer Grund kann sein, dass die Person, die den Fragebogen ausfüllte, aufgrund der Größe mancher Schulen oder aus Unkenntnis und Mangel an schulinterner Kommunikation, die jeweiligen Projekte nicht kannte. Es ist auf jeden Fall davon auszugehen, dass die Ergebnisse und die Anzahl an erhobenen Projekten ein Minimum dessen darstellt, was in der Hamburger Schullandschaft an Kooperationsprojekten im Bereich kultureller Bildung lebt. Aufgrund dieser Problematik, stellt sich die Frage, ob eine Umfrage an Schulen die beste Möglichkeit ist, flächendeckend  Projekte und Kooperationspartner zu erfassen. Das Institut KMM empfiehlt, für eine evtl. zukünftige Erhebung über die Projektanbieter zu gehen. Eine Überprüfung sämtlicher Programm – und Projektanbieter war im Rahmen dieser Studie nicht möglich.

Die Befragung hat einige Tendenzen deutlich sichtbar gemacht:

– Die Stadtteilschulen sind besonders aktiv hinsichtlich der Durchführung und Teilnahme an Programmen und Projekten kultureller Bildung in Kooperation mit externen Partnern.

– Schulen, die im Sinne der Erhebung aktiv sind, machen im Schnitt 3,3 Projekte pro Schule in einem Schuljahr.

– Es werden vorwiegend kontinuierliche und im Jahresplan der Schule wiederkehrende Projekte und Programme durchgeführt. Einmalige Projekte sind etwas seltener und ergänzen meistens die kontinuierlichen/wiederkehrenden Projekte an den schon aktiven Schulen.

– Die Schulen kooperieren vorzugsweise mit Freien Kulturschaffenden (Grundschulen, Stadtteilschulen, Sonderschulen) und/oder mit Kulturinstitutionen (Gymnasien). Aber auch hier wurde durch Stichproben festgestellt, dass die Schulen nicht immer Kenntnis über die externen Partner von Projekten haben und dass es durchaus mehr und andere Partner geben könnte, als durch die Schulen angegeben.

– Von den großen Programmen zur kulturellen Bildung dominieren JeKi, TUSCH, Kulturagenten für kreative Schulen sowie The Young ClassX. Noch häufiger kommen aber „Sonstige“ Programme und Projekte vor. Die Palette an einzelnen Kooperationsprojekten ist sehr breit und reicht von Projekten wie „Raus aus dem Haus“ (Kooperationsprojekt zum Thema Digitale Medien mit einem Seniorenheim) über „Fußball trifft Kultur“ hin zu „Schüler führen Schüler“ in Kooperation mit den Bucerius Kunstforum. Die einzelnen Projekte sind der Tabelle in der Anlage E im Anhang zu entnehmen. Die qualitative Auswertung der von den Schulen genannten Gelingensbedingungen für erfolgreiche Kooperationen sowie der Expert*innen-Interviews hat ergeben, dass die Projekte und Programme vor  allem dann erfolgreich sind, wenn sie im Schulleben verankert und curricular eingebunden werden. Weitere Gelingensbedingungen sind die gute Qualität der Kooperationen, die Professionalität der Projekte und Kompetenzen der Verantwortlichen, aber auch, dass die Verantwortlichkeiten  deutlich geklärt sind. Bemerkenswert ist, dass die Rolle der Kulturbeauftragten, die sehr stark in den Interviews hervorgehoben wird, von den Schulen wenig explizite Erwähnung findet (nur vier Mal), wenn es um Gelingensbedingungen geht. In den Expert*innen-Interviews wird die Rolle von Stiftungen bei der finanziellen Ausstattung, aber auch bei der inhaltlichen Gestaltung von vielen Programmen und Projekten hervorgehoben. Auch die Schulen erwähnen in der Umfrage Ressourcen und Finanzierung als eine wichtige Gelingensbedingung, weisen jedoch weniger explizit auf Stiftungen hin. Die Bedeutung der Stiftungen als Kooperationspartner scheint also in den Schulen noch nicht in dem Maße präsent zu sein, wie sie in den Behörden und kulturpolitischen Gremien ist.

Dass mehr als die Hälfte aller Hamburger allgemeinbildenden Schulen größere Programme und Projekte kultureller Bildung in Kooperation mit externen Partnern im Schuljahr2016/2017 durchgeführt haben, ist durch diese Studie eine gesicherte Tatsache. Dieses Ergebnis weist darauf hin, dass das Engagement der zivilgesellschaftlichen Akteure für eine kreative und zukunftsfähige Schule in Hamburg sehr groß ist.

Stiftungen, Vereine, Kulturinstitutionen und freie Kulturschaffende kooperieren mit Schulen, bereichern das schulische Angebot und wirken im besten Falle auch an der Erneuerung von schulischen Strukturen und des curricularen Angebots der Schulen mit.

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