Dr. Katharina Leipelt https://www.tiefgang.net Fri, 25 Jun 2021 09:30:14 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Zum 100. Geburtstag Hans Leipelts https://www.tiefgang.net/zum-100-geburtstag-hans-leipelts/ Fri, 25 Jun 2021 22:20:36 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=8131 [...]]]> Der Besuch der Nachfahren muss zwar corona-bedingt ausfallen, aber die Initiative Gedenken in Harburg  erinnert in einer Reihe von Veranstaltungen und Projekten an den aus Wilhelmsburg stammenden NS-Widerstandskämpfer …

Zu den Träumen, die, trotz großer Begeisterung und Unterstützung, in der Corona-Krise Illusion blieben, gehört auch der des US-Bürgers Christopher Bade. Mehr als zwei Jahre lang hatte er Pläne geschmiedet, um mit seiner Familie im Juli 2021 anlässlich des 100. Geburtstags seines Onkels Hans Leipelt die Orte in Deutschland, Österreich und der Tschechischen Republik aufzusuchen, an denen seine Vorfahren Freud und Leid erfahren hatten.
Christopher Bade war überwältigt von der positiven Resonanz, auf die seine geplante Reise bei vielen Institutionen und Personen stieß, die sich seinen Vorfahren verbunden fühlen.
Die Corona-Pandemie hat den Plan des Neffen von Hans Leipelt erst einmal zerschlagen. Das wird gerade in Hamburg – und speziell in den Stadtteilen im Süden der Hansestadt – sehr bedauert. Hier wollten die amerikanischen Besucher sich länger als anderswo aufhalten, da ihre Mutter – bzw. Großmutter – in der Neuen Welt besonders gern auf die frühen Jahre ihrer Jugend in diesem Teil der Alten Welt zurückblickte.

Jetzt müssen Christopher Bade und seine Familie sich erst einmal von dem Traum einer Europareise auf den Spuren der Familie verabschieden. Aber an der Bedeutung dieses 100. Geburtstages wird sich für Hans Leipelts Nachfahren nichts ändern. Intensiv werden sie im Internet die vielen Veranstaltungen und Projekte verfolgen, die in den nächsten Wochen an Hans Leipelt und sein Wirken im Kampf gegen das NS-Regime erinnern.

Dazu zählen auch einige Hamburger Programmbeiträge:

  • Auf dem Büchermarkt erscheinen demnächst zwei Publikationen, die sich mit Hans Leipelt befassen.                                                                                               1. – Angela Bottin, ENGE ZEIT: Spuren Vertriebener und Verfolgter der Hamburger Universität 1933 – 1945, Reprint des Ausstellungskatalogs von 1991, Reimer Verlag, Berlin 2021 und Peter Fischer-Appelt, Weiße Rose Hamburg. Reden zum Widerstand im Nationalsozialismus, Wallstein Verlag, Göttingen 2021.
  • Am Donnerstag, 18. Juli 2021, wird die VVN/BdA Hamburg am Weiße-Rose-Mahnmal in HH-Volksdorf Hans Leipelt und seinen Widerstand gegen das NS-Regime würdigen.
  • Darüber hinaus haben natürlich auch im Juli 2021 alle Interessierten weiterhin Gelegenheit, sich auf eigene Faust mit ihrem Smartphone auf den mit QR-Codes und GPS-Daten versehenen digitalen Rundgang auf den Spuren der Familie Leipelt durch Wilhelmsburg zu begeben. Der Rundgang wurde im vergangenen Jahr von einer 9. Klasse der Stadtteilschule Wilhelmsburg erarbeitet und beginnt am Haupteingang ihrer Schule in der Rotenhäuser Straße 47.

Biografie Hans Leipelts

von Klaus Möller

Hans Leipelt (18.7.1921 – 29.1.1945) stammte aus einer zum evangelischen Glauben konvertierten jüdischen Familie. Seine Schwester Maria (13.12.1925 – 5.9.2008) war vier Jahre jünger als ihr Bruder. Die beiden Kinder verbrachten eine glückliche Kindheit und Jugend auf der Veddel und in den damals noch preußischen Orten Heimfeld, Rönneburg und Wilhelmsburg. In den Ferien waren sie oft bei ihren Großeltern.

Diese Verwandtenbesuche kamen allerdings im März 1938 zum Erliegen, als Otto Baron sich nach der Besetzung Österreichs durch die deutsche Wehrmacht unmittelbar nach einem Gestapoverhör das Leben nahm und seine Eltern Hals über Kopf in die tschechoslowakische Kleinstadt Cerná Horá flüchteten. Dort starb Arnold Baron wenige Wochen später, während seine Frau nach der Besetzung auch dieses europäischen Staates durch deutsche Truppen im März 1939 abermals ihre Koffer packte und in der Familie ihrer Tochter Katharina Leipelt in HH-Wilhelmsburg Zuflucht fand. Im Sommer 1942 wurde Hermine Baron im Alter von 75 Jahren von Hamburg in das Getto Theresienstadt deportiert, wo ihr Leben ein halbes Jahr später endete.

Im gleichen Jahr starb Hans Leipelts Vater Konrad, der als technischer Direktor der Wilhelmsburger Zinnwerke, einem kriegswichtigen Unternehmen, unter ständig wachsendem Leistungsdruck stand. Zwei Jahre zuvor hatte er noch alle Hebel in Bewegung gesetzt, um seinem Sohn eine Studienerlaubnis zu verschaffen, nachdem er als „Halbjude“ unehrenhaft aus der deutschen Wehrmacht, in deren Reihen er 1939 in Polen und 1940 im Westen gekämpft hatte, entlassen worden war. Hans Leipelt hatte im Herbst 1940 zunächst in Hamburg ein Chemiestudium begonnen, mit dem nach einem Jahr jedoch wieder Schluss war. Andere Universitäten verwehrten ihm auch den Zugang. Er konnte es vor Glück kaum fassen, dass der Nobelpreisträger Prof. Heinrich Wieland (4.6.1877 – 5.8.1957), der Leiter des chemischen Instituts der Münchener Universität, sich über alle geltenden Zulassungsbestimmungen hinwegsetzte und ihm eine Möglichkeit bot, sein Studium bei ihm fortzusetzen.

Hier in München fand er im Februar 1943 das 6. Flugblatt der „Weißen Rose“, das zum Widerstand gegen das NS-Regime aufrief, in seiner Post. Zusammen mit seiner Freundin Marie-Luise Jahn schrieb er es auf einer Reiseschreibmaschine mehrfach ab. Bald schloss sich auch seine Schwester Maria dieser Aktion an.

Die Durchschläge reichten sie an gute Freunde in München und Hamburg weiter, wobei sie zugleich um eine Geldspende für Klara Huber baten. Ihr Mann Professor Kurt Huber, der zum Kern der „Weißen Rose“ gehörte, war unmittelbar nach der Hinrichtung der Geschwister Scholl und ihres Freundes Christoph Probst ebenfalls verhaftet und zugleich fristlos und unter Verlust aller Versorgungsrechte, die ihm als Beamten zustanden, aus dem Hochschuldienst entlassen worden. Seine Frau wusste nicht, woher sie das Geld nehmen sollte, um ihren Lebensunterhalt und den ihrer zwei minderjährigen Kinder zu bestreiten.

Im Oktober 1943 wurde Hans Leipelt in diesem Zusammenhang in München verhaftet. Seine Schwester ereilte dieses Schicksal einen Monat später. Im Dezember 1943 wurde dann auch seine Mutter Dr. Katharina Leipelt verhaftet. Sie beging unmittelbar nach ihrer Einweisung in das Polizeigefängnis Fuhlsbüttel in ihrer Zelle Selbstmord.
Hans und Maria Leipelt mussten lange auf ihren Prozess warten. Am 13. Oktober 1944 wurde Hans Leipelt vom Zweiten Senat des Volksgerichtshofes in der bayrischen Kreis-stadt Donauwörth zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde drei Monate später – am 29. Januar 1945 – im Gefängnis München Stadelheim vollstreckt.
Seine Schwester Maria wurde am 14. April 1945 von amerikanischen Truppen aus dem Frauengefängnis in Bayreuth befreit, bevor der Volksgerichtshof eine Woche später den Prozess gegen sie und andere Angeklagte in Hamburg eröffnet hätte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte sie in die USA, wo sie zunächst ihre Schullaufbahn beendete und anschließend Biochemie studierte. Danach lehrte sie als Dozentin an der Harvard University und am Massachusetts Institute of Technology. Sie war mit dem Physiker William Bade verheiratet. 1958 kam ihr Sohn Christopher Bade zur Welt. Als Maria Bade, geb. Leipelt, im September 2008 im Alter von 83 Jahren in Concord (Mas-sachusetts) starb, konnte sie auf ein bewegtes Leben zurückblicken.
Ihr Bruder Hans Leipelt ist im öffentlichen Bewusstsein der Nachwelt als Weggefährte der Männer und Frauen der „Weißen Rose“ bis heute unvergessen.

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15 Jahre des Stolperns https://www.tiefgang.net/15-jahre-des-stolperns/ Fri, 26 Jan 2018 23:32:18 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2890 [...]]]> Seit 15 Jahren und Stein um Stein hält ein Künstler auch in Hamburg auf eine ganz eigene Art das Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus wach. Ein Film würdigt diese Arbeit.

Am 3. Februar 2003 wurden die ersten Stolpersteine in Harburg und Wilhelmsburg verlegt. In den 15 Jahren sind viele weitere dazu gekommen. Unsere Serie hier in ´Tiefgang` dokumentiert einige wenige davon. Traurig genug. Aus Anlass des 15jährigen Jubiläums lädt nun die Initiative ´Gedenken in Harburg` der Ev.-Luth. Reiherstiegkirchengemeinde und der Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen zu einem Filmabend am Mittwoch, d. 31.1.2018, 19.00 Uhr, im Gemeindehaus der Paul-Gerhardt-Kirche, Georg-Wilhelm-Straße 121, 21107 Hamburg, ein. Gezeigt wird der Dokumentarfilm ´Stolperstein` von Dörte Franke, der in 76 Minuten den Stolperstein-Künstler Gunter Demnig porträtiert, der Initiator dieses Erinnerungsprojekts. Damit skizziert der Film zugleich die Entwicklung dieses speziellen Beitrags zur europäischen Denkmalskultur.

Die ersten Wilhelmsburger Stolpersteine erinnern an Hermine Baron, die am 23.1.1943 im Getto Theresienstadt umkam, an ihre Tochter Katharina Leipelt, die am 9.12.1943 im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel tot aufgefunden wurde, und an ihren Enkel Hans Leipelt, dessen Leben am 29.1.1945 im Gefängnis München-Stadelheim unter dem Fallbeil endete.

Mitglieder der `Initiative Gedenken in Harburg´ und der `Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen´ gehören seit vielen Jahren zu den mehr als 300 ehrenamtlich tätigen Forscherinnen und Forschern der Hamburger Projektgruppe `Biografische Spurensuche´, die im Herbst 2006 von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg (Dr. Rita Bake) und dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden (Dr. Beate Meyer) ins Leben gerufen wurde. Unter wissenschaftlicher Anleitung haben sie in den letzten zehn Jahren rd. 3.000 Biografien von Menschen erarbeitet, für die in Hamburg Stolpersteine gesetzt worden sind oder gesetzt werden sollen.

Die Ergebnisse dieser Recherchen wurden in den bisher erschienenen 17 Bänden der Buchreihe `Stolpersteine in Hamburg – Biografische Spurensuche´, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, Institut für die Geschichte der deutschen Juden (Hrsg.) und auf der Website www . stolpersteine-hamburg.de veröffentlicht. Die Bücher sind zum Preis von 3,- € in der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, Dammtorwall 1, 20354 Hamburg, erhältlich.

Über 61.000 Namen

Besondere Beachtung verdient die Tatsache, dass es den Mitgliedern der `Initiative Gedenken in Harburg´ und der `Geschichtswerkstatt Wilhelmsburg & Hafen´ in den letzten Jahren gelungen ist, auf der Grundlage ihrer Recherchen Kontakte zu zahlreichen Angehörigen der Ermordeten zu knüpfen und mehrere denkwürdige Schülerprojekte zu initiieren.

Im Zentrum des Dokumentarfilms der Regisseurin Dörte Franke steht Gunter Demnig, Konzeptkünstler mit Cowboyhut, der mittlerweile über 61.000 Namen von NS-Opfern in die Bürgersteige Deutschlands und Europas einbetoniert hat. Dörte Franke begleitet ihn auf seiner Fahrt. Sie begegnet dabei Menschen, bei denen diese Minidenkmale auf ganz unterschiedliche Weise einen Nerv treffen.

In Hamburg polieren drei Frauen mühevoll Stolpersteine, um das schwierige Erbe ihrer SS-Väter zu verarbeiten. In Großbritannien kämpft ein Mann um Stolpersteine vor dem Haus seiner ermordeten Eltern in München und scheitert am Münchner Bürgermeister Christian Ude und Charlotte Knobloch vom Zentralrat der Juden in Deutschland. In Österreich sehen zwei Sinti in den Stolpersteinen in Hochburg-Ach einen Grabsteinersatz für ihren Großvater. In Ungarn will eine junge Frau durch das Kunstprojekt ihre Landsleute zum Reden über eine verdrängte Vergangenheit bringen. Der Film ist sowohl Künstlerporträt als auch Roadmovie und dokumentiert zugleich die Geschichte des größten, dezentralen Denkmals der Welt. Dörte Franke porträtiert einen rastlosen Künstler, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, ausgelöschte Biografien zurück in den Alltag zu bringen. Er legt dabei großen Wert darauf, dass jeder Stein in mühsamer Handarbeit gefertigt und verlegt wird, da er davon überzeugt ist, dass nur so ein individuelles Schicksal nach Hause gebracht werden kann.

Hinter jedem Stolperstein stehen engagierte Helfer und private Spenden. In den letzten Jahren hat sich vielerorts eine Bürgerbewegung formiert, die täglich weiter wächst. Und immer mehr Menschen werden durch diese kleinen Messingplatten zugleich zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit angestoßen, der sie lange ausgewichen sind.

Stolpersteine für Hans und Katharina Leipelt sowie für Hermine Baron

Die ersten Wilhelmsburger Stolpersteine wurden am Montag, d. 3. Februar 2003, von Gunter Demnig, dem Initiator des Erinnerungsprojekts, in der Mannesallee 20 verlegt. Sie erinnern an Hans (18.7.1921 – 29.1.1945) und Katharina Leipelt, geb. Baron, (28.5.1892 – 9.12.1943) sowie an Hermine Baron, (15.9.1866 – 22.1.1943), die einst dort wohnten und von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Katharina Baron wuchs als evangelisch getauftes Mädchen in einem ursprünglich jüdischen Elternhaus in Wien auf. Nach ihrer Promotion heiratete sie den katholischen Dipl. Ing. Conrad Leipelt, den späteren Direktor der Wilhelmsburger Zinnwerke am Veringkanal.

Die Nürnberger Rassengesetze der Nationalsozialisten von 1935, die alle Menschen, die jüdische Eltern bzw. zwei jüdische Großeltern hatten, zu Nichtariern erklärten, griffen tief in das Leben Katharina Leipelts und ihrer Familie ein. Ihr Sohn Hans wurde 1940 unehrenhaft aus der Wehrmacht entlassen und 1941 von der Hamburger Universität vom Studium ausgeschlossen. Ihre evangelisch getaufte Mutter wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet.

Noch bedrohlicher wurde die Lage, als Katharinas Leipelts Ehemann 1942 starb und ihr Sohn 1943 verhaftet wurde, nachdem er Flugblätter der `Weißen Rose´, einer Münchner Widerstandsgruppe, verteilt und Geld für die Angehörigen der Familie eines ihrer ermordeten Mitglieder gesammelt hatte. Auch Katharina Leipelt wurde festgenommen und kurz danach tot in ihrer Zelle im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel aufgefunden. 13 Monate später endete Hans Leipelts Lebensweg auf dem Schafott. Er war der letzte Todeskandidat, der vor dem Ende der NS-Herrschaft mit dem Fallbeil in der Haftanstalt München-Stadelheim hingerichtet wurde.

Weiteführende Links: www.gedenken-in-harburg.de, www.stolpersteine-hamburg.de

Termin: 31. Jan. 2018, Gemeindehaus der Paul-Gerhardt-Kirche, Georg-Wilhelm-Straße 121, 21107 Hamburg, 19h

Siehe auch: sued-kultur.de

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Von der Weltoffenheit in den Freitod https://www.tiefgang.net/von-der-weltoffenheit-in-den-freitod/ Sat, 03 Jun 2017 07:00:52 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=1232 [...]]]> Sie stammte aus einer anerkannten, bürgerlichen Familie, die es zu etwas gebracht hatte. Ihr Glaube war protestantisch. Ihr Verhängnis der Hass auf Juden.
Katharina Leipelt war die Tochter von Hermine Baron. Diese war evangelischen Glaubens. Durch die 10. Verordnung zum Reichsbürgergesetz aber wurde sie im Juli 1939 ohne ihr Zutun Mitglied der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland Und dies obwohl sie sich schon seit langem von der Glaubensgemeinschaft, der ihre jüdischen Eltern einst angehört hatten, abgewandt hatte. Nach nationalsozialistischer Rechtsauffassung aber war sie gleichwohl „Volljüdin“. Ihr Geburtsort ˇCerná Hora bei Brünn in Mähren lag im 19. Jahrhundert im Kaiserreich Österreich-Ungarn. Nach dem Ersten Weltkrieg änderte dies sich mit der Gründung der Tschechoslowakischen Republik. In diesem Teil der damaligen Donaumonarchie verbrachte Hermine Baron ihre Kindheit und Jugend. Dort blieb sie auch in den ersten Jahren ihrer Ehe mit Arnold Baron, der ebenfalls aus einem jüdischen Elternhaus stammte.

Geboren in Brünn bei Mähren

Ihre beiden Kinder Katharina (geb. 28.05.1892) und ihr älterer Bruder Otto (geb. 13.11.1888) kamen hier zur Welt und wurden ebenfalls evangelisch getauft. Später zog die Familie in die Kaiserstadt Wien. Dort studierten die Geschwister nach ihrem Abitur und wurden in ihren jeweiligen Fachbereichen promoviert. Nach dem Ersten Weltkrieg heiratete Otto Baron die evangelisch-reformierte Wienerin Margarethe Nenutil, während seine Schwester Katharina dem katholischen Dipl. Ing. Konrad Leipelt (geb. 15.5.1886) aus Neiße a. d. Oder ihr Jawort gab. Am 28.7.1921 freute sich das Ehepaar über die Geburt seines Sohnes Hans in Wien und vier Jahre später, am 13.12.1925, über die der Tochter Maria in Hamburg-Eppendorf, denn die Familie war inzwischen an die Elbe gezogen.

Konrad Leipelt hatte hier zunächst bei der Norddeutschen Affinerie (heute: Aurubis) auf der Veddel eine interessante Aufgabe gefunden, bevor er später Technischer Direktor der Zinnwerke Wilhelmsburg wurde. Nachdem die Familie einige Male ihre Adresse gewechselt hatte, zogen die Leipelts 1932 in das Dorf Rönneburg am südöstlichen Stadtrand Harburgs. Hier bewohnten sie in der Vogteistraße 23 eine prachtvolle Villa mit einem parkähnlichen Garten. Die vornehme Inneneinrichtung dieses Hauses und der großbürgerliche Lebensstil der Familie entsprachen der Herkunft Katharina Leipelts. Freunde und Nachbarn waren fasziniert von ihrem weltoffenen Wesen und ihrer liebenswerten Art.

Groß geworden in Rönneburg

Beide Kinder besuchten die Rönneburger Dorfschule. Hans Leipelt setzte seine Schullaufbahn dann auf der Harburger Oberschule für Jungen (heute: Friedrich-Ebert-Gymnasium) und später auf der Wilhelmsburger Oberschule (heute: Stadtteilschule Wilhelmsburg) fort, wo er am 19. März 1938 sein Abitur bestand. Auch seine Schwester ging in diesem Gebäude einige Jahre zur Schule, denn die Familie hatte inzwischen ein eigenes Haus in der Kirchenallee 20 (heute: Mannesallee 20) in Wilhelmsburg bezogen.

Die Mutter erzog die Kinder protestantisch. Hans Leipelt wurde am 7. April 1935 von Superintendent Johann Feltrup in der evangelischen Dreifaltigkeitskirche in Harburg konfirmiert, seine Schwester Maria am 3. März 1940 von Pastor Karl Tribian in der evangelischen Emmauskirche in Wilhelmsburg. In dieser Gemeinde war sie auch Mitglied des Kirchenchores.

Protestantisch und weltoffen

Die Nürnberger Rassengesetze von 1935 griffen tief in das Leben der Familie ein. Obwohl Katharina Leipelt wie ihre Eltern evangelisch getauft war, galt sie nach nationalsozialistischer Lesart als Jüdin, da ihre Eltern gebürtige Juden waren. Ihre Kinder Hans und Maria waren demnach „Halbjuden“ bzw. „jüdische Mischlinge 1. Grades“, und ihre Ehe mit dem „Arier“ Konrad Leipelt wurde als „Mischehe“ eingestuft: Sie bot ihr zunächst noch einen gewissen Schutz.

Wie groß die Bedrohung war, dürfte sie spätestens beim Suizid ihres Bruders Otto am 15. April 1938 – kurz nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Wien – erkannt haben. Er hatte sich nach einem Gestapoverhör das Leben genommen und seine Frau und die 15-jährige Tochter Christine mittellos zurückgelassen. Katharina Leipelt nahm bald danach ihre Nichte bei sich auf und holte ein Jahr später auch ihre 73-jährige, inzwischen verwitwete, Mutter Hermine Baron nach Harburg. Sie hoffte, dass ihre Mutter hier weniger gefährdet sei als in der Tschechoslowakei, wohin sie nach dem Freitod ihres Sohnes aus Wien geflohen war, ohne zu ahnen, dass Hitler auch dieses Land im März 1939 seinem Herrschaftsbereich einverleiben würde.

Gleich nach dem Abitur absolvierte Hans Leipelt seinen Arbeitsdienst am Westwall, anschließend meldete er sich freiwillig zum Militärdienst. Als Infanterist nahm er zunächst am Polen- und ein halbes Jahr später am Frankreichfeldzug teil. Im Juni 1940 wurde er für seinen militärischen Einsatz mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.

Bald nach dem Abschluss des Waffenstillstands mit Frankreich wurde er im August 1940 als „Halbjude“ unehrenhaft aus der Wehrmacht entlassen. Dank seines einflussreichen Vaters konnte er im Winter 1940/41 in Hamburg ein Chemiestudium beginnen, das er ein Jahr später wieder hätte beenden müssen, wenn er nicht das Glück gehabt hätte, seine Studien am Chemischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität in München unter der Leitung des bekannten Nobelpreisträgers Prof. Heinrich Wieland fortsetzen zu dürfen. Hier studierte auch Marie-Luise Jahn aus Sandlack bei Bartenstein in Ostpreußen (heute: Polen), der er sich bald eng verbunden fühlte.

Im Sommer 1942 kam es zu weiteren dramatischen Veränderungen im Leben der Familie Leipelt. Aufgrund eines neuen Erlasses des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 2. Juli 1942 musste Maria Leipelt als „jüdischer Mischling 1. Grades“ die Oberstufe der staatlichen Elise-Averdieck-Schule verlassen, die sie inzwischen besuchte, um dort ihr Abitur zu erwerben.

„Evakuierungsbefehl“ für die Mutter

Bald darauf erhielt Hermine Baron den „Evakuierungsbefehl“ für ihre „Umsiedlung“ ins „Altersgetto“ Theresienstadt am 19. Juli 1942. Am Vorabend des Abtransports sagte sie ihrer Wiener Schwiegertochter in einem Abschiedsbrief Lebewohl.
Es waren die letzten Zeilen Hermine Barons, die die Familie von ihr erhielt. Der Großtransport VI/2, der sie nach Theresienstadt brachte, zählte 771 Personen aus Hamburg und aus anderen Orten Norddeutschlands. Unter ihnen waren vorwiegend Juden mit ihren Familien, die über 65 Jahre alt waren und nicht in einer Mischehe lebten, sowie gebrechliche, hochdekorierte und prominente Juden mit ihren Ehefrauen und Kindern unter 14 Jahren.

Nur wenige überlebten das unbeschreibliche Leid, das nun folgte. Hermine Baron gehörte nicht zu ihnen. Sie verbrachte noch sechs Monate in diesem „Wartesaal des Todes“, bevor sie am 22. Januar 1943 für immer die Augen schloss, ohne dass die Familie je davon erfuhr.

Freunde der Familie berichteten später, dass Hans Leipelt und der Rest der Familie unsäglich unter dieser schmerzlichen Trennung und unter der anschließenden Ungewissheit gelitten hätten. Nicht zuletzt Hans Leipelt sei viel verschlossener und noch nachdenklicher geworden. Kaum hatte die Familie wieder etwas Tritt gefasst, da wurde sie erneut durch eine Hiobsbotschaft aus der Bahn geworfen. Am 23. September 1942 erlag Konrad Leipelt völlig unerwartet während einer Kur in Bad Kissingen einem tödlichen Herzschlag, der die Hinterbliebenen in tiefe Trauer und Verzweiflung stürzte. Dieser Tod bedeutete für seine Frau und ihre beiden Kinder nicht nur den Verlust des Ehemannes bzw. Vaters, sondern auch das drohende Ende vieler Ausnahmeregelungen, die für Juden, die in einer Mischehe lebten, und ihre Kinder galten. Katharina Leipelt erhielt wenig später die Aufforderung, sich zur Zwangsarbeit bei einer Futtermittelfirma in der Moorburger Straße in Harburg zu melden.

Der Freiraum der Uni München

Innerlich aufgewühlt und zutiefst empört, kehrte Hans Leipelt nach den Semesterferien im Herbst 1942 an das Chemische Institut der Münchener Universität zurück. Immer mehr wusste er die aufgeschlossene Atmosphäre zu schätzen, die hier herrschte und den Studierenden bei entsprechender Vorsicht viel Freiraum für regimekritische Gespräche ließ. Das hatten die jungen Akademikerinnen und Akademiker vor allem der mutigen Haltung Prof. Heinrich Wielands zu verdanken. Er duldete keine ideologische Einflussnahme und riskierte viel, als er sich entschloss, die geltenden Vorschriften zu ignorieren, indem er Hans Leipelt und zahlreichen anderen so genannten Halbjuden, die als „wissenschaftliche Gäste“ des Instituts geführt wurden, die Fortführung ihres Studiums ermöglichte.

In diesem positiven Umfeld wuchs auch die Freundschaft Hans Leipelts mit Marie-Luise Jahn, die seine Vorliebe für zeitgenössische Kunst, Musik und Literatur teilte. Ihre Diskussionen beschränkten sich aber nicht nur auf kulturelle Themen. Immer wieder ging es dabei auch um politische Fragen. Sehr deutlich spürte Hans Leipelts Freundin in diesen Gesprächen „seine große Verletztheit aufgrund der Demütigungen und Diskriminierungen durch die nationalsozialistische Rassenpolitik. Diese Ausgrenzung traf ihn tief, und seine Stimmung schwankte ständig zwischen ohnmächtiger Wut und Aggressivität gegenüber der menschenverachtenden Ideologie und Politik des Nazi-Regimes.“

Das 6. Flugblatt der „Weißen Rose“

Im Februar 1943 fand Hans Leipelt eines Morgens ein an die Münchener Studentenschaft gerichtetes Flug­blatt (6. Flugblatt der „Weißen Rose“) in seiner Post. Er nahm es mit ins Labor und zeigte es Marie-Luise Jahn. Sie erinnert sich nach 60 Jahren noch sehr gut an diesen Augenblick: „Gemeinsam lasen wir das Flugblatt und waren erstaunt darüber, dass da jemand den Mut gehabt hatte, auszusprechen, was wir auch dachten, aber nie zu schreiben gewagt hätten. Wir waren beeindruckt.“ Beide wussten nicht, wer für den Inhalt verantwortlich war. Erst nachdem die Geschwister Scholl und Christoph Probst am 18. Februar 1943 verhaftet und vier Tage später vom 1. Senat des Volksgerichtshofes unter dem Vorsitz Roland Freislers zum Tode verurteilt worden waren, erfuhren sie, wer diesen Aufruf zum Widerstand verbreitet hatte.

„Wir müssen weitermachen!“

Ihre Reaktion beschrieb Marie-Luise Jahn im Nachhinein: „Wir besaßen das Flugblatt, aber die, die es geschrieben hatten, waren von den Nazis hingerichtet worden. Wer sollte jetzt den Menschen die Augen öffnen? Wer sollte jetzt die Wahrheit sagen über das verbrecherische Regime? Die, die es gewagt hatten, waren nicht mehr am Leben. Aber wir hatten das Flugblatt. Was sollten wir tun? Wir wussten es. Ganz spontan entschlossen wir uns: Wir müssen weitermachen. An die Gefahr dachten wir nicht.“

Gesagt, getan. Hans Leipelt und Marie-Luise Jahn schrieben das 6. Flugblatt der „Weißen Rose“ mehrfach mit einer Reiseschreibmaschine ab und versahen alle Abschriften mit dem Zusatz „Und ihr Geist lebt trotzdem weiter!“, bevor sie diesen Aufruf an gute Bekannte weiterreichten. Außerdem begannen sie unter ihren Freunden Geld für Clara Huber zu sammeln. Ihr Mann, Prof. Kurt Huber, hatte das letzte Flugblatt der Gruppe um Hans Scholl und Alexander Schmorell verfasst und war inzwischen ebenfalls festgenommen worden. Die Münchener Universität hatte ihn daraufhin sofort entlassen und ihm zugleich alle Pensionsansprüche aberkannt.

Als Hans Leipelt und Marie-Luise Jahn in den Osterferien 1943 nach Hamburg fuhren, hatten sie u. a. das 6. Flugblatt der „Weißen Rose“ in ihrem Gepäck. Auch unter Hans Leipelts Hamburger Freunden kam es zu lebhaften Diskussionen über den Appell und konkrete Möglichkeiten, ihn/sie durch eigene Initiativen aktiv zu unterstützen. Mehrere Hamburger Weggefährten schlossen sich der Hilfsaktion für die Familie Huber an.

Im Oktober 1943 wurden Hans Leipelt und Marie-Luise Jahn aufgrund einer Denunziation verhaftet. Es folgten weitere Festnahmen unter ihren Freunden in Hamburg und München, denen auch Katharina Leipelt und ihre Tochter nicht entgingen. Maria Leipelt wurde am 9. November 1943 von der Gestapo abgeholt, ihre Mutter vier Wochen später am 7. Dezember 1943. Beide Frauen wurden in das Polizeigefängnis Fuhlsbüttel überstellt.

keine Chance auf gerichtliches Verfahren

Als „Jüdin“ hatte Katharina Leipelt keine Chance auf ein gerichtliches Verfahren. Bereits im Herbst 1942 hatte Heinrich Himmler angeordnet, alle deutschen Gefängnisse und Zuchthäuser von Juden zu „reinigen“ und sie in das Vernichtungslager Auschwitz zu verlegen. Angesichts dieser aussichtslosen Lage nahm Katharina Leipelt sich am 9. Dezember 1943 in ihrer Zelle im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel das Leben. Ihr Hausstand wurde danach öffentlich versteigert und erbrachte einen Erlös von 13214,70 RM zugunsten des Reiches.

Die Anklage gegen Hans Leipelt, Marie-Luise Jahn und sieben weitere Münchner Freunde lautete auf „Vorbereitung zum Hochverrat in Tateinheit mit Feindbegünstigung und Rundfunkverbrechen“. Der Prozess vor dem 2. Senat des Volksgerichtshofs fand am 13. Oktober 1944 in Donauwörth statt. Hans Leipelt wurde zum Tode verurteilt und Marie-Luise Jahn zu zwölf Jahren Zuchthaus, nachdem ihr Freund in der Verhandlung kurz zuvor alle Schuld auf sich genommen hatte, um sie auf diese Weise zu entlasten.

In den folgenden Monaten gelangte Hans Leipelt in langen Gesprächen mit dem evangelischen Gefängnisgeistlichen Karl Alt zu einem entschiedenen Christentum. In den Abschiedsbriefen an seine Schwester Maria und an seine Freundin Marie-Luise Jahn, die beide den Zweiten Weltkrieg überlebten, ist dieser innere Wandel deutlich zu erkennen:

„Hans K. Leipelt Gef. – B – Nr. 1947 München, den 29. Januar 1945, Stadelheimerstr. 12

Liebes Schwesterchen, gerade im Moment, sozusagen, habe ich eine Karte (bzw. einen Brief) an Dich losgelassen, die ersten an die Adresse in Cottbus, die ich erst in der letzten Woche erfuhr – und heute findet meine Hinrichtung statt. Ich weiß, was Dir diese Nachricht – wenn Du sie unter den jetzigen Verkehrsumständen und bei der gegenwärtigen Kriegslage überhaupt erhältst – für großen Schmerz bereiten wird. Sie lässt Dich die völlige Hilflosigkeit und Verlassenheit Deiner gegenwärtigen Lage umso stärker empfinden, da Dir nun der letzte Dir wirklich nahestehende Mensch genommen wird, der – wenn auch jetzt ebenso hilflos wie Du – Dir doch nach dem Kriege jede Hilfe hätte zuteil werden lassen, die in seiner Macht gestanden hätte, der versucht hätte, durch ein Leben voll unaufhörlicher Liebe und nach Möglichkeit einen Teil dessen wieder gut zu machen, was Du durch ihn und um seinetwillen hast er­dulden müssen. Und doch, Liebes, bleibst Du nicht allein zurück. Abgesehen davon, dass ich gute Menschen weiß, die nach dem Kriege ihr Möglichstes tun werden, Dich zu finden und Deine Existenz zu sichern, bleibst Du in der Hand Gottes zurück, in der ich Dich getrost lasse – hält er uns doch alle in seiner Hand, schützt und erhält uns, und wo er uns diesen Schutz, diese Erhaltung zu versagen scheint, muss uns doch auch das, und gerade das, zum Besten dienen. Dieses Zutrauen zu ihm dürfen, ja müssen wir haben, auch wenn wir seine Wege einmal nicht verstehen und vielleicht sogar hart finden. Ich bitte Dich, und werde in diesen letzten Stunden für Dich darum beten, dass Du Dir dieses Vertrauen zu Gott Dein ganzes Leben erhalten möchtest. Sei meinetwegen nicht traurig, wenn Du kannst, und jedenfalls unbesorgt. Ich fühle im wahrsten Sinne göttliche Ruhe in mir und sterbe ohne Angst in der Hoffnung auf Gottes Vergebung, die mir freilich bitter notwendig ist, bedenke ich, in wie schwerer Weise ich mich an ihm, unserer lieben Mutti, Dir und Eileen [Marie-Luise Jahn] – von anderen Nahen zu schweigen – versündigt habe. Der evangelische Anstaltspfarrer, Dr. Alt, wird mir das Abendmahl reichen. Auch Dich bitte ich nun zum Schluss, Du möchtest mir meine häufige Lieblosigkeit gegen Dich, meinen Egoismus, vor allem meinen maßlosen Man­gel an Selbstbeherrschung vergeben, durch den ich auch Dich ins Unglück gestürzt habe. Lebe wohl, mein Liebes. Nochmals empfehle ich Dich in die Hände Gottes. Ich weiß, dass wir uns wiedersehen werden.
Dein Dich liebender Bruder Hans“

Hans Leipelt starb am 29. Januar 1945 auf demselben Schafott im Gefängnis München-Stadelheim, auf dem vor ihm die Geschwister Scholl und andere Mitglieder der „Weißen Rose“ hingerichtet worden waren.

Nach ihm wurden in München und Hamburg in den Nachkriegsjahren zwei Straßen benannt. Sein Name ist auch auf den Gedenktafeln im Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität in München und im Foyer des Auditoriums Maximum der Hamburger Universität zu finden. 1995 erhielt die Staatliche Fachoberschule Donauwörth den Beinamen „Hans-Leipelt-Schule“, und seit Juli 2000 trägt ein Seminarraum im Neubau der Fakultät für Chemie und Pharmazie in München den Namen Hans Leipelts. Für Hans Leipelt wurden drei Stolpersteine verlegt, der dritte am 22.4.2010 vor dem Hauptgebäude der Universität Hamburg in der Edmund-Siemers-Allee 1.

Zudem halten zahlreiche Gedenktafeln die Erinnerung an Hans Leipelt wach: am Eingang der Stadtteilschule Wilhelmsburg in der Rotenhäuser Straße 67 in Wilhelmsburg, am ehemaligen Wohnhaus der Familie Leipelt in der Vogteistraße 23 in Rönneburg, im Harburger Rathaus, am „Weiße Rose“-Mahnmal in Ham­burg-Volksdorf und am Gebäude der einstigen Buchhandlung Anneliese Tuchel in der Hamburger Innenstadt am Jungfernstieg 50, einem damaligen Treff des Hamburger Zweiges der Weißen Rose. Sie erinnern auch an das Schicksal seiner Mutter.
Hermine Baron, geb. Löw, geb. am 15.9.1866 in ˇCerná Hora, deportiert am 19.7.1942 nach Theresienstadt, gestorben am 22.1.1943
Hans Leipelt, geb. am 18.7.1921 in Wien, hingerichtet am 29.1.1945 im Gefängnis München-Stadelheim

© Klaus Möller; www.gedenken-in-harburg.de

(Überarbeitung für ´Tiefgang` v. Heiko Langanke)

stolpersteine-hamburg.de

Quellen: 1; 2 (V 1/184); 4; 5; 8; Heyl (Hrsg.): Harburger Opfer; StaH 351-11, AfW, Abl. 2008/1, 131225 Bade-Leipelt, Maria; Heyl, Synagoge; Diercks, Gedenkbuch ,Kola-Fu‘; diverse Gespräche des Verfassers mit Marie-Luise Schultze-Jahn, Maria Bade-Leipelt und Christine Croy, geb. Baron.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Recherche und Quellen.

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