Dreifaltigkeitskirche https://www.tiefgang.net Sat, 31 Oct 2020 11:40:45 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 Baukunst sucht neue Aufgabe https://www.tiefgang.net/baukunst-sucht-neue-aufgabe/ Fri, 13 Jul 2018 22:14:29 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3905 [...]]]> In Metropolen wie Hamburg, Berlin oder Frankfurt herrscht Raumnot – auch für die Kultur. Andererseits stehen viele Kirchenbauten leer und laden geradezu zu einer neuen kulturellen Gemeindearbeit ein. Eine Dokumentation zeigt eindrucksvoll, was alles Neues daraus entstehen kann.

„Wüstenrot“ ist den meisten Deutschen als Bausparkasse ein Begriff. Nur wenige aber wissen, dass sie auch eine Stiftung hat. Die führt unter anderem Wettbewerbe durch, um zum Thema Bau neue  Impulse sichtbar zu machen. So auch zum Bereich der neuen Gestaltung von Kirchenräumen. Denn die meisten Kirchen Deutschlands stehen zentral im Gemeindeleben, selbst wenn dies religiös immer seltener Zulauf findet. So wie in Harburg die Dreifaltigkeitskirche an der Neuen Straße, die nun von der Initiative SuedKultur kulturell erkundet und erprobt wird. Bei der Suche nach ähnlichen Konzepten stießen wir unweigerlich auf diese Dokumentation, über die es eben auch zu berichten lohnt.

Denn eben viele Kirchenbauten bleiben ungenutzt, liegen der religiös geprägten Gemeindearbeit als Kostenfalle auf der Tasche und werden oftmals zum Verkauf feilgeboten. Aber eine Kirche als Supermarkt? Oder gar als Moschee wie in Hamburg-Horn? So einfach ist es nicht. Denn es geht um mehr als um ein alltägliches Gebäude.

Die Kirchen in Deutschland stehen vor gewaltigen Aufgaben. In vielen Gemeinden gehört dazu auch die Entwicklung von Strategien, wie der eigene Gebäudebestand angesichts von sinkenden Gemeindemitgliederzahlen, veränderten Nutzungsanforderungen und hohen Kosten für Instandhaltung und Betrieb an die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen des Gemeindelebens angepasst werden kann.

Oftmals erscheinen die Zusammenlegung von Gemeinden und die Schließung von Kirchengebäuden als einzig mögliche Reaktion. Häufig ist damit auch ein Verlust an Möglichkeiten der sozialen Gemeinwesensarbeit verbunden.

Der Wettbewerb der Wüstenrot Stiftung half, Beispiele aufzuspüren und machte sie so sichtbar. Sie zeigen, wie Kirchengebäude und Gemeindezentren als öffentliches Bekenntnis und sichtbarer Teil eigener kultureller Identität erhalten werden können. Einerseits, um den Kirchen und Kirchengemeinden mögliche Strategien für den Umgang mit ihren Gebäuden aufzuzeigen und andererseits, um auf die gesellschaftliche Verantwortung für die architektonische, konzeptionelle und ökonomische Aufgabe hinzuweisen, das mit den Kirchengebäuden verbundene, oft denkmalgeschützte baukulturelle Erbe zu erhalten.

Besondere Orte

Kirchen sind besondere Orte. Sie sind baulicher Ausdruck individueller und gemeinsamer Spiritualität und geben Raum für Besinnung und innere Zwiesprache. Zugleich sind Kirchen auch Orte, an denen Wandel und Transformation erkennbar werden. Aktuelle Veränderungen in gesellschaftlichen Werten und Orientierungen, in persönlichen und kollektiven Verhaltensweisen und in demografischen wie finanziellen Rahmenbedingungen werden in Form und Nutzung von Kirchen manifest.

Die Wüstenrot Stiftung hat in einem bundesweiten Wettbewerb beispielhafte Konzepte und Strategien gesucht, mit denen die Zukunft von Kirchen als besondere Orte gesichert werden kann. Die Inhalte und Ergebnisse des Wettbewerbs wurden in diesem Buch zusammengefasst; es zeigt 33 Beispiele dafür, wie Kirchen und Gemeindezentren als öffentliches Bekenntnis und sichtbarer Teil kultureller Identität erhalten werden können.

Beim Wettbewerb fand sich aber einiges mehr:

Die Preisträger

Die Jury des Wettbewerbs unter Vorsitz von Prof. Dr. Kerstin Wittmann-Englert hat unter den Einsendungen zwei besonders herausragende Lösungen gefunden. Sie bewältigen die für viele Gemeinden zentrale Herausforderung, konfessionelle Sakralräume neu zu gestalten und neu zu interpretieren, um sie zukunftsfähig zu machen. Die beiden unterschiedlichen Strategien können als komplementäre Ansätze betrachtet werden. Die Jury hat deshalb nach mehreren Sitzungen, zwischen denen alle Gebäude in der engeren Wahl vor Ort besichtigt wurden, einstimmig beschlossen, diese beiden Beispiele mit zwei gleichwertigen, jeweils mit 10.000 Euro dotierten Preisen zu prämieren.

Die katholische Heilig-Geist-Kirche der St. Martinus-Gemeinde in Olpe hat im kirchlichen Kontext ein neues Profil erhalten. Gemeinsam mit Schilling Architekten (Köln) erhielt das Programm einer „offenen Kirche“ im Inneren und im Äußeren einen in jeder Hinsicht überzeugenden Ausdruck. Vergleichbar der Neuorientierung im Selbstverständnis und in den Aktivitäten der Gemeinde öffnet sich nun auch das Kirchengebäude zum Stadtraum und eine neu geschaffene, kommunikative Raumstruktur setzt diesen offenen Charakter gezielt bis in den zentralen Bereich der kirchlichen Liturgie nach innen fort. Anstelle des möglichen Abrisses und Identitätsverlustes ist es mit dem gewählten neuen Profil gelungen, das vorhandene Gebäude sowohl in pastoraler wie liturgischer Hinsicht als auch unter architektonischen Aspekten auf vorbildliche Weise zu perfektionieren.

Die katholische Heilig-Geist-Kirche der St. Martinus-Gemeinde in Olpe (Stiftg. Wüstenrot)

Für den Erhalt der evangelischen Kirche im Stadtteil Bochum-Stahlhausen wurde gemeinsam mit Soan Architekten (Bochum) ein anderes neues Profil gewählt. Es setzt sich aus verschiedenen Grundlagen zusammen, die auch außerhalb der Kirchengemeinde gefunden wurden. Gemeinsam mit IFAK e.V. (Verein für multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe – Migrationsarbeit) ist ein partnerschaftliches Pilotprojekt für ein attraktives Stadtteilzentrum entstanden, dessen sozialer Charakter in hohem Maße mit der konkreten städtischen Situation korrespondiert. Der im Jahr 2000 bereits einmal verkleinerte Kirchenraum konnte als regulärer Gottesdienstraum nicht mehr erhalten werden. Stattdessen erfolgte nun eine spirituelle Profilierung durch die Schaffung eines multireligiös offenen Andachtsraums, der als „Raum der Stille“ bezeichnet wird. Er überzeugt aufgrund seiner zentralen Lage im erweiterten Gebäudekomplex und seiner sensiblen Schwellengestaltung. Die christliche Motivation bleibt präsent, ohne sich aufzudrängen; dadurch kann dieser Raum Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Prägung spirituelle Erfahrungen vermitteln.

evangel. Kirche im Stadtteil Bochum-Stahlhausen (Foto: Stftg. Wüstenrot)

Beide Lösungen – die Profilierung des konfessionellen Sakralraums im kirchlichen Kontext sowie die Entwicklung eines neuen Sakralraums mit veränderter religiöser Profilierung und in partnerschaftlicher Trägerschaft – sind aus Sicht der Jury gleichermaßen überzeugend beschritten worden, weshalb beide Projekte mit dem ersten Preis honoriert werden.

Weitere Prämierungen

Im Rahmen der Gesamtpreissumme von 50.000 Euro wurden sieben weitere Projekte prämiert.

Zwei Auszeichnungen mit je 7.500 Euro

Die zweite Kategorie bilden zwei Auszeichnungen mit je 7.500 Euro:

Die Kolumbariumskirche Heilige Familie in Osnabrück, umgestaltet von Klodwig & Partner Architekten (Münster). Die Umwidmung als Kolumbarium ist eine Strategie zur Erhaltung von Kirchengebäuden, die bundesweit an Bedeutung gewinnt. Sie ermöglicht es einerseits, Kirchengebäude in ihrer Gestalt weitgehend zu erhalten, und reagiert andererseits auf das in vielen Gemeinden gewachsene Bedürfnis nach (neuen) Orten für eine Urnenbestattung. Die Kolumbariumskirche Heilige Familie in Osnabrück ist nach Auffassung der Jury in Gestaltung und Nutzung ein besonders gelungenes Beispiel für die mit dieser Strategie verbundenen Möglichkeiten, in dem sich die vorgegebene Verkleinerung des Gottesdienstraumes wie selbstverständlich mit der zusätzlichen neuen Nutzung als Kolumbarium verbindet.

Die evangelische Philippuskirche in Mannheim. Die aus den 1960er Jahren stammende Kirche erhielt schon in ihrer ursprünglichen Form eine mehrfache Nutzung. Der gestalterisch überzeugende Umbau durch das Architekturbüro Veit Ruser + Partner (Karlsruhe) erlaubt nun ein noch einmal erweitertes und differenzierteres Nutzungskonzept. In hervorragender Weise ist es gelungen, den identitätsstiftenden Charakter des Kirchengebäudes zu erhalten und zugleich der Kirchengemeinde die für den weiteren Erhalt des Gebäudes dringend erforderlichen räumlichen Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen.

Fünf Anerkennungen zu je 3.000 Euro:

Den Umbau der evangelischen Immanuelkirche in Kassel durch Atelier 30 Architekten GmbH (Kassel). Es ist gelungen, die besonderen, gestalterischen Qualitäten des Kirchengebäudes zu bewahren und im Inneren durch zwei neutrale und flexible Gruppenräume das räumliche Angebot zu ergänzen. Die in enger Abstimmung mit der Kirchengemeinde gefundene, in ihrer Klarheit überzeugende Lösung respektiert die vorhandenen Raumqualitäten und entwickelt sie in überzeugender Weise weiter.

Die Neugestaltung der katholischen Kirche Maria – Hilfe der Christen in Kehl durch das erzbischöfliche Bauamt Freiburg, unter Mitwirkung des Künstlers Stefan Strumbel. Eine mutige, sehr stark künstlerisch geprägte Erneuerung in Verbindung mit einer geänderten liturgischen Ausrichtung führt im Inneren der Kirche zu einer veränderten, offenen Atmosphäre, die einen erweiterten Kreis an Kirchenbesuchern anspricht.

Den Umbau der evangelischen Dornbuschkirche in Frankfurt durch Meixner Schlüter Wendt Architekten (Frankfurt). Neu entstandene räumliche und funktionale Qualitäten ermöglichen es, aus einem Rückbau einen Gewinn für die Kirchengemeinde zu realisieren. Das Ensemble aus Turm und Gemeindezentrum bleibt intakt und wird außen durch einen neuen öffentlichen Platz erweitert, der die Verbindung zwischen der Kirche und der Stadt stärkt.

Den Umbau der evangelischen Christuskirche Bruchhof-Sanddorf durch die ARGE Bayer Uhrig + Modersohn & Freiesleben (Kaiserslautern). In eine kleine Kirche konnten durch eine ästhetisch prägnante, räumliche Neuorientierung wichtige Funktionen der Gemeindearbeit integriert werden. Entstanden ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie kluge Architektur auch mit bescheidenen Mitteln ein passgenaues Nutzungskonzept in überzeugender Qualität verwirklichen kann.

Die Instandsetzung und Erhaltung der ehemaligen Rittergutskirche Kleinliebenau bei Schkeuditz durch Ursula Quester (Leipzig) und den Kultur- und Pilgerverein Kleinliebenau e. V. (Schkeuditz). Nach jahrelangem Leerstand des Kirchengebäudes ist es einer privaten Initiative mit großem Engagement gelungen, das baugeschichtliche Kleinod mit einem innovativen Konzept zu seiner Nutzung als Station eines Pilgerweges zu retten und seine zukünftige Erhaltung zu sichern.

Als bemerkenswerte Beispiele im Sinne der Wettbewerbsauslobung hat die Jury außerdem folgende Angebote in die „Engere Wahl“ aufgenommen:

  • Die Johanneskirche in Altenbach (netzwerkarchitekten GmbH, Darmstadt)
  • Die Grabeskirche St. Joseph in Aachen (Hahn Helten + Assoziierte GmbH, Aachen)
  • Die Melanchthonkirche in Hannover (Dreibund Architekten BDA, Bochum)
  • Die Christus-König-Kirche in Düsseldorf (Pinkarchitektur, Düsseldorf)
  • Das Kloster St. Anton in München (hirner & riehl Architekten, München)
  • Das Pfarrzentrum St. Maria in Neersen (Elmar Paul Sommer, Monschau)
  • Die Kirche St. Hedwig in Frankfurt (PGS Projektmanagement GmbH)
  • Die Kirche Winz-Baak (Soan Architekten, Bochum)
  • Die St. Bernaduskirche in Oberhausen (zwo+ Architekten, Bochum)
  • Die Schlosskirche Colditz (Architekturbüro Fischer, Dresden)
  • Die Simeonskirche in München (Robert Rechenauer Architekt BDA, München)

Unter den Einsendungen zu diesem Wettbewerb befinden sich zahlreiche weitere Beispiele, die als Impulse für den Umgang mit bestehenden Kirchengebäuden dienen können. Die Wüstenrot Stiftung dankt gemeinsam mit den Mitgliedern des Preisgerichtes allen Architekten, Kirchengemeinden und anderen Beteiligten für ihr Engagement und für ihre Teilnahme am Wettbewerb.

Kriterien

Bewertet wurden in diesem Wettbewerb in erster Linie:

  • Die Ertüchtigung von Gebäuden im Sinne sozialer, ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit, entweder in der ursprünglichen oder in veränderter Nutzung
  • Die Qualität der architektonischen Gestaltung und des Städtebaus
  • Die Signifikanz des Beispiels als Beitrag zur Bewahrung baukulturellen Erbes
  • Die mit der Veränderung verbundenen Impulse für eine Weiterentwicklung des Gemeindelebens
  • Der vorbildhafte Umgang mit historischer Bausubstanz.

Die Publikation zum Wettbewerb der Wüstenrot-Stiftung:

Kirchengebäude und ihre Zukunft. Sanierung – Umbau – Umnutzung

263 Seiten mit zahlreichen Abbildungen; Wüstenrot Stiftung [Hg.], Ludwigsburg 2017, ISBN: 978-3-933249-37-1, kostenlos bestellbar unter wuestenrot-stiftung.de/publikationen

Quelle: wuestenrot-stiftung.de

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3falt: Kunst – Kultur – Kreativität https://www.tiefgang.net/3falt-kunst-kultur-kreativitaet/ Fri, 08 Jun 2018 22:32:17 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3713 [...]]]> Seit Jahren steht sie ungenutzt obdoch so zentral und fußnah zum Marktplatz oder Lämmertwiete: die  Dreifaltigkeitskirche in der Neuen Straße. Am kommenden Sonnabend, 16. Juni 2018 ist nun der Auftakt zu Erkundung eines neuen und spannenden Kulturorts in Harburg.

In der Pressemitteilung der Initiative SuedKultur heißt es:

„Der Bezirk Harburg hat z.Zt. etwa 160.000 Einwohner, wächst, hat aber immer weniger Platz für Kultur. Seit Jahren weist die Initiative SuedKultur auf den Mangel an Ateliers und Musikproberäumen hin, aber auch größere Veranstaltungsräume werden gesucht. Viele Kulturanbietende verfügen nicht über ausreichend Platz für Events mit mehr als 100 Personen und Ausweichflächen sind rar gesät. Das Stellwerk ist regelmäßig ausgebucht, der Rieckhof mit einer Halle, die erst ab 800 Personen wirtschaftlich sinnvoll ist und die bestuhlte Friedrich-Ebert-Halle mit gut 1.400 Plätzen sind keine adäquaten Ausweichflächen.

Gleichzeitig wird seit einigen Jahren die Dreifaltigkeitskirche in der Neuen Straße 44 von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Trinitatis wenig genutzt und die Gemeinde sucht nach neuen Nutzungen für Gebäude und Fläche. Seit Herbst 2017 kamen nun Vertreter der Kirchengemeinde St. Trinitatis Harburg, des auf Stadt- und Raumerforschung spezialisierten Vereins StadtKultur Hafen e.V. sowie der Initiative SuedKultur zusammen, um sich über weitere Nutzungsmöglichkeiten auszutauschen.

Das Resultat: Die Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Trinitatis Harburg stellt die Dreifaltigkeitskirche in der Neuen Straße für eine begrenzte Zeit als Erprobungsraum für eine Kultur-Initiative zur Verfügung. In einer entsprechenden Vereinbarung ist ein Nutzungszeitraum bis Ende Februar 2019 festgehalten. Während dessen wollen die Kulturschaffenden der Initiative SuedKultur und des Vereins StadtKultur Hafen e.V. das Kirchenschiff und angrenzende Gemeindehaus kulturell erproben. „Das Kirchenschiff selbst verfügt bekannterweise über eine erstaunlich studioreife, gedämpfte Akustik und eine Orgel ist auch noch vorhanden. 300 Besucher könnten dort alle Facetten der im Süden beheimateten Kulturaktiven an einem sehr zentral gelegenen Ort erleben“, so Heiko Langanke von der SuedKultur.

Ob Film, Tanz, Theater, Chöre, BigBands, Rock, Pop oder Lesungen, Diskussionsveranstaltungen oder Tagungen: der Bezirk Harburg verfügt über keinen ähnlich gelegenen Raum. Zudem ist die Lage optimal für einen kulturellen Ort: In Nähe der Harburger City mit Fußgängerzone, S-Bahn und Marktplatz, sowie in Nachbarschaft zur Ausgehmeile Lämmertwiete.

Und, so wie bereits die Vorgängerkirche, mit festen Blick hin zum Harburger Binnenhafen. „Sollte das Projekt Realität werden, wird dies sowohl die Neue Straße als auch die gesamte Harburger City beleben und auch den lang ersehnten Brückenschlag zwischen City und Binnenhafen befördern. Im stadtentwicklungspolitischen Sinn eine famouse Situation und diese einmalige Chance sollte wahrgenommen werden“, so Mathias Lintl, Umweltwissenschaftler und Vorstand von StadtKultur Hafen e.V..

Sakraler Einblick mit erstaunlicher Akustik – das Kirchenschiff.

„Das ist der letzte Versuch, eine neue Nutzung für diese Gebäude zu finden“, sagt Pastorin Sabine Kaiser-Reis, Vorsitzende des Kirchengemeinderates von St. Trinitatis. In den vergangenen zwölf Jahren hat es eine Vielzahl an Gesprächen mit Interessenten und Pläne zur Umnutzung der Dreifaltigkeitskirche gegeben. Letztlich blieben bisher alle ohne ein positives Ergebnis für den Erhalt der Kirche.

Die fusionierte Innenstadtgemeinde St. Trinitatis hat das Gottesdienst- und Gemeindeleben auf den Standort an der Bremer Straße konzentriert, weil schon 2006 absehbar war, dass zwei Standorte mittelfristig nicht finanzierbar sind.

Am Sonnabend, 16. Juni 2018 will die Initiative SuedKultur nun einen ersten Probelauf unternehmen in Form eines 3falt-Kulturtages. Den ganzen Tag über sind Künstler*innen und Kulturschaffende eingeladen, sich dem Gebäude anzunehmen und zu erproben, wofür es besonders gut und wofür vielleicht gar nicht geeignet ist, was geändert, verbessert oder renoviert werden müsste. Und das ist nicht als geschlossene Gesellschaft angedacht, sondern die Harburger wie auch andere Kulturinteressierte können sich gleich mit auf den Weg der Erkundung begeben.

„Bisher hat das Projekt bei uns den Arbeitstitel ´3falt – Kunst – Kultur – Kreativität`“, so Sonja Alphonso von der Initiative SuedKultur. „Damit sind wir uns zum einen der bedeutenden Geschichte und der Dreifaltigkeitskirche bei der Entwicklung des heutigen Harburgs bewusst und würden die auch gerne im historischen Bewusstsein verankern wollen. Zum anderen sind Kunst, Kultur und Kreativität als Dreifalt versus Einfalt unser Ansporn.“

Idee zum Logo

Und in der Tat: im Obergeschoss des Gemeindehauses ist angedacht, dass das länger schon in Arbeit befindliche Projekt einer ersten Hamburger Artothek – einer Kunstleihe regionaler Werke – in Harburg spielerisch und mit realen Kunstobjekten vorgestellt wird. Im Erdgeschoss hingegen erprobt eine sonst bei der Akademie für Musik und Kultur unweit im Hafen Harburgs angesiedelte Gruppe, ob dort etwa Flamenco-Tanzkurse samt Umkleide- Räumen denkbar sind. Chöre, BigBands, Orchester und kleine Ensembles wie auch Bands und Einzelkünstler*innen aus Rock, Pop, Folk oder Jazz wollen die Akustik im eigentlichen Kirchenschiff erproben und laden somit zugleich ganz Harburg zu einem kulturellen Kulturtag der etwas anderen Art ein.

In Kooperation mit dem im Phoenixviertel beheimateten Musikclub Marias Ballroom aber auch dem im Heimfeld beheimateten Kulturverein ContraZt e.V. werden eine kleine Musik und Lichtanlage bereit stehen. Auch für Getränke und Imbiss ist gesorgt. Während des Tages wird es Ideen zu verschiedenen Projekten der SuedKultur-Mitstreiter und zum Projekt „3falt“ selbst geben. Sobald eine Abfolge der kulturellen Erprobungsprojekte steht, wird sie unter www.sued-kultur.de zu finden sein.

Zur Bedeutung des Gebäudes

Die einstige Dreifaltigkeitskirche wurde 1650–1652 als Ersatz für die Marienkirche errichtet, welche im Zuge des Ausbaus der Befestigungsanlagen der Stadt und des Harburger Schlosses weichen musste und an Stelle des heutigen Lotsekanals im Harburger Binnenhafen stand.

Die Kirche wurde im Jahr 1944 durch Bomben zerstört. Von den verbliebenen Außenmauern ist heute noch die Westwand mit dem barocken Eingangsportal und dem Fragment einer Christus-Figur (1652) erhalten. Neben dem Portal sind zudem einige Grabplatten als Zeugnis der ehemaligen Kirchenbeerdigungen erhalten, darunter auch solche der Fürstengruft der herzoglichen Familie.

Der jetzige Kirchbau entstammt der Feder des bekannten Hamburger Architektenehepaars Spengelin und wurde 1963 der Gemeinde übergeben. 1999 erfolgte die Unterschutzstellung als Denkmal durch die Kulturbehörde Hamburg.

Aus dem Gutachten:

„Bemerkenswert ist an der Dreifaltigkeitskirche Harburg der städtebauliche Einfall mit der Hoferschließung, die eine beliebte zeitgenössische Idee von der „Kircheninsel“ in dem „Meer“ der Großstadt widerspiegelt. … Hervorzuheben ist der pietätvolle und gleichzeitig geschickte Umgang mit den Resten des Vorgängerbaues… Es stellt ein Baudenkmal dar als charakteristisches Element des Stadtbildes, das in besonderem Maße den Altstadtbereich Harburgs prägt.

Kirchenarchitektur der Nachkriegsmoderne von den Architekten Spengelin.

Innerhalb der Nachkriegskirchenarchitektur besticht das Ensemble durch die Ausgewogenheit der Zuordnung der Baukörper und Bauteile und stellt ein herausragendes Beispiel für die Kirchenarchitektur der Nachkriegsmoderne in Harburg dar. Der ausgeschriebene Wettbewerb, der auch auf Initiative der Stadt in die Wege geleitet wurde, unterstreicht die Bedeutung, die man diesem Bauvorhaben beimaß. Somit ist sie auch aus architektur- und kirchenbaugeschichtlichen Gründen ein Baudenkmal. An ihrer Erhaltung besteht deswegen ein öffentliches Interesse.“

Der strategischen Bedeutung der Lage wird auch im ´Integrierte Entwicklungskonzept` für das Fördergebiet Harburger Innenstadt / Eißendorf-Ost Rechnung (kurz: RISE) getragen: „Der Handlungsbedarf liegt in der Stärkung der Verbindung zwischen Innenstadt und Binnenhafen, damit die Harburger Innenstadt von der dynamischen Entwicklung des Binnenhafens profitieren kann.“

Zum Projektziel

Der auf Stadt- und Raumerforschung spezialisierte Verein StadtKultur Hafen e.V. sowie die Initiative SuedKultur arbeiten an der Idee, das gesamte Gebäudeensemble in die Nutzung eines Kulturprojektes zu überführen. Ziel ist es bis Februar 2019 ein tragfähiges Nutzungs-, Umbau- und Finanzierungskonzept zu entwickeln. Und die Initiative SuedKultur will es nicht einem einzelnen Betreibendem überlassen, sondern als Ort für alle Kulturschaffenden nutzbar machen.

Ideen von Kulturprojekten und Kreativen für den Sa., 16. Juni sind gefragt, sollten in 1-2 Sätzen skizziert und an fest@dreifalt.info gesandt werden. Bitte ungefähre Zeit für den Tag angeben, damit eine Abfolge erstellt werden kann, wer wann bei der Erkundung zum Zuge kommt. Je Aufführung / Erprobung sollte der Fairness halber gegenüber weiteren Interessenten nicht mehr als eine Stunde inkl. Auf- und Abbau angedacht sein.

Darüber hinaus werden Helfende für Vor- und Nachbereitung gesucht: schleppen, putzen, herrichten, abbauen etc.pp..

Auch hierzu bitte mit kurzer Zeitangabe (also wann verfügbar) mögen sich helfende und unterstützende Hände per Mail unter fest@dreifalt.info melden.

 

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Was gibt es beim 3falt-Kulturtag? https://www.tiefgang.net/was-gibt-es-beim-3falt-kulturtag/ Fri, 08 Jun 2018 22:32:12 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3749 [...]]]> Es wird vor allem ein Tag für Kreative, um auszuloten, was in den Räumen in der Neuen Straße 44 möglich ist. Aber es ist auch ein Tag zum Miterleben. Und einiges lohnt sich …

Steht fest, dass für Getränke und Grill,Kaffee und Kuchen gesorgt ist. Denn der Verein ContraZt e.V., das Marias Ballroom und andere helfen tatkräftig mit! Zudem haben sich über den Heimfelder Verein Alles wird schön e.V.

Musiker*innen zur Jam-Session gemeldet. PoetrySlam, Einführungen zum Projekt, Begehung von Kirche und Gemeidnehaus sind zu erleben. Und auch das Szed-Kultur-Projekt einer ersten Artothek für Hamburg wird vorgestellt und ausgetestet.

Das Modell der ersten Hamburger Artothek

Die Idee ist so spektakulär unspektakulär, dass es ein Wunder ist, dass es sie in Hamburg noch nicht gibt: eine Artothek. Eine Institution, in der man sich regionale Kunst leiht. Kunst auf Zeit.

Im letzten Jahr hat eine Gruppe Kunstinteressierter der freien Initiative SuedKultur sich allerorten schlau gemacht, wie es für Harburg am besten passen würde. Auch ein Ort war bereits angedacht – die frühere Kantine im Harburger Rathaus, auf die der verstorbene Bezirksamtsleiter Völsch seinerzeit aufmerksam machte. Doch kaum stand das inhaltliche wie auch finanzielle Konzept zur ersten Hamburger Artothek, hieß es seitens der Verwaltung, dass die Kantine nun wieder von der Verwaltung genutzt werde. Bis auf unbestimmte Zeit.

Mit der Vereinbarung zwischen der evang.-luther. Trinitatis-Gemeinde und SuedKultur, die ehemalige Dreifaltigkeitskirche an der Neuen Straße 44 für kulturelle Zwecke zu erproben, fiel umgehend ein größerer Raum im Obergeschoss des ehem. Gemeindehauses ins Auge.

Am Sa., 16. Juni werden die Artotheken-Interessierten von SuedKultur nun erkunden, ob und wie der Raum als Artothek nutzbar ist. Was müsste geändert, verbessert werden oder kann gar bleiben? Zugleich aber steht an dem Tag der gesamte Gebäudekomplex auch der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung und so will die Artotheken-Gruppe ganz praktisch zeigen, was es mit der Idee auf sich hat.

Ausgestellt werden in Größe, Material und Handhabbarkeit leihbare Bilder, Grafiken, Skulpturen und Fotos verschiedenster Künstler*innen aus Harburg. Sie könnten auf Zeit dann auch für 2-3 Monate in Privathaushalten, Kanzleien, Büros oder Arztpraxen hängen und würden nach 2-3 Monaten „getauscht“. Ein idealer Weg, sich mit der Kunst und ihren Erschaffenden über einen längeren Zeitraum und in vertrauter Umgebung auseinanderzusetzen.

Wer also am Modell einer Artothek, aber auch der Kunst aus Harburg Interesse hat: Sa., 16. Juni ab 14h im Obergeschoss des ehem. Gemeindehauses Neue Straße 44!

Flamenco – Tanz & Musik

Drei Hamburger Künstler haben sich mit ganzem Herzen dem Flamenco und den spanischen “Canciones“ verschrieben. Mit viel Sinn für das Poetische in Text, Melodie und Tanz, schaffen sie ihre ganz persönliche Musikalität zwischen traditonellem Flamenco, spanischen Balladen und eigenen Kompositionen.
Einfühlsam, virtuos und leidenschaftlich Anabel Balcana (Gesang, Cajón, Gitarre, Palmas), Anton Graefe (Gitarre) und Gundula König (Tanz, Cajón, Palmas) geben mit ihren Auftritten einen stimmungsvollen Einblick in die mitreißende Welt des Flamencos und der spanischen Musik. Das Trio sucht nach Räumen und wird im Gemeindesaal im Erdgeschoss Räume für ihre Arbeit erproben. Dabei können Sie zuschauen. Die eigentliche Performance im ehem. Kirchenschiff findet dann etwa zur angegeben Zeit gegen 17h statt.

Plattdeutsche Lesung

Der Schauspieler Claus-Peter Rathjen ist vielemn für seine plattdeutsche Lesungen bekannt oder über das Museum Elbinsel Wilhelmsburg. Als Harburger aber ist er auch der SuedKultur stark verbunden und wird gegen 16h im ehem. Kirchenschiff eine plattdeutsche Lesung mit Kurzgeschichten von Hans-Joachim Meyer vortragen.

Zudem wird es eine Stellwand geben, auf denen Interessierte eigene Ideen und Fanatsien zur neuen 3falt einbringen können. Und auf Info-Listen kann man sich dann eintragen, um über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Weitere aktualisierte Programmpunkte werden kurzfristig unter sued-kultur.de zu finden sein!

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