Expressionismus in Kunst und Film – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Wed, 20 Mar 2024 14:19:23 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Expressionismus abgebrochen https://www.tiefgang.net/expressionimus-abgebrochen/ Fri, 22 Mar 2024 23:15:07 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10690 [...]]]> Am 9. März eröffnete im Kunsthaus der Museen Stade die Ausstellung „Expressionimus in Kunst und Film“. Leider nur kurz.

Der Expressionismus ist eine der bekanntesten Kunstbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung verfolgte das Anliegen, den Expressionimus neu vorzustellen: als Bewegung, die zutiefst in der Gesellschaft ihrer Zeit verankert ist und Kunst und Kino gleichermaßen beschäftigen. Nach einem gelungenen Auftakt mit vielen Besucher*innen, hoher Presseaufmerksamkeit und einem breit aufgestellten Kooperationsprogramm muss die Ausstellung nun wieder schließen. Aufgrund eines wasserbedingten Gebäudeschadens wird die Ausstellung abgebrochen und muss abgebaut werden. Aktuell ist noch unklar, ob die Ausstellung zu einem späteren Zeitpunkt in das Kunsthaus zurückkehren kann. Dies hängt von der Dauer der erforderlichen Maßnahmen ab, zumal in Kooperation mit dem Institut für Kulturaustausch eine Anschlussausstellung in Frankreich bereits fest terminiert ist.

„Für uns ist das natürlich eine tragische Situation, die Ausstellung quasi am Eröffnungstag wieder schließen zu müssen. Wir müssen aber eine Gefährdung der Kunstwerke sicher ausschließen, daher sind parallel zu Ausstellung durchgeführte bauliche Eingriffe keine Option. Glücklicherweise bestand zu keinem Zeitpunkt eine direkte Gefahr für die Exponate. Sie stehen für uns immer an erster Stelle und ihre konservatorischen Anforderungen sind die Maßgabe für unser Handeln“, so Dr. Sebastian Möllers, Direktor der Museen Stade.

Für die Instandsetzung des Gebäudes planen die Museen Stade nun die weitere Vorgehensweise gemeinsam mit dem Landkreis Stade, der Gebäudeeigentümer ist. Auch wird hinter den Kulissen bereits an der nächsten Ausstellung im Kunsthaus gearbeitet. Ab 8. Juni wird die Ausstellung „Marinella Senatore. TOGEHTHER WE STAND“ gezeigt. Senatore ist eine zeitgenössische italienische Künstlerin, deren Werk sich durch eine ausgeprägte soziale Dimension auszeichnet. Sie ist bekannt für ihre partizipatorischen Projekte, die Menschen aus verschiedenen Gemeinschaften einladen, aktiv an kreativen Prozessen teilzunehmen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt soll das Kunsthaus wieder für die Öffentlickeit zugänglich sein.

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Expressionismus in Kunst und Film https://www.tiefgang.net/expressionismus-in-kunst-und-film/ Fri, 02 Feb 2024 23:16:23 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10558 [...]]]> Der Expressionismus ist eine der bekanntesten Kunstbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts.Das lohnt bald einen Besuch in Stade …Im Expressionimus spiegeln sich die gesellschaftlichen Veränderungen einer bewegten Epoche. Quer durch die Kunstgattungen reflektiert der Expressionismus eine kulturelle Moderne, die ebenso faszinierend wie ambivalent und bedrohlich ist. Kritik, Tabu, Dekadenz, Sehnsucht und Aufbruchsstimmung prägen in den 1920er-Jahren die Gesellschaft und sind zentrale Motive in Kunst und Film. Otto Dix’ einfühlsame Porträts von Zuhältern und Prostituierten, Käthe Kollwitz’ ikonische Darstellungen von trauernden Müttern und Opfern des Krieges oder Fritz Langs zusammen mit Thea von Harbou entstandenes Filmepos „Metropolis“ (1927) einer futuristischen Zweiklassengesellschaft sind hierfür Beispiele.

Die 1920er-Jahre sind genährt vom nervösen Gefühl des Krieges und von politischen Umbrüchen, aus denen die Künste ihre Themen beziehen. Der Beginn des 20. Jahrhunderts ist jedoch auch eine Zeit lebhafter intellektueller Fruchtbarkeit: In den Kaffeehäusern treffen sich die künstlerische Avantgarde und ein gewöhnliches Publikum. Die deutschen Großstädte und insbesondere Berlin sind ein Eldorado der Variétés, Tanzsäle, Kinopaläste, Sportereignisse, Theater, Orte sexueller Befreiung und homoerotischer Subkulturen. Zwischen einem Ringen um Demokratie, gesellschaftliche Visionen, dem Sog neuer Medien sowie Errungenschaften zur Emanzipation der Frau, ist der Expressionismus revolutionärer Antrieb und Spiegel seiner Zeit.

Ausstellung und Katalog

In über 120 Gemälden, Zeichnungen, Druckgrafiken und Filmsequenzen präsentiert die Ausstellung wechselseitige Einflüsse von Kunst und Film. Das Kino der 1920er-Jahre löst mit seinen neuen technischen Möglichkeiten vieles von dem ein, was die expressionistischen Maler*innen bereits zuvor begonnen hatten – ein naheliegender Anlass, beide Kunstformen erstmals gegenüberzustellen und ihre engen Beziehungen aufzuzeigen. Mit Arbeiten von Paula Modersohn-Becker, Otto Dix, Franz Marc, Gabriele Münter, Wilhelm Morgner und Filmen von Fritz Lang oder Lotte Reiniger werden die 1920er-Jahre in drei Episoden vorgestellt: „Aufbruch und Bruch“, „Traum und Trauma“, „Form und Deformation“ werfen Schlaglichter auf das, was die Menschen damals erlebten. Kunst und Film verleihen diesen Themen einen lautstarken Ausdruck und lassen den Expressionismus auf neue Weise entdecken.

Künstler*innen

Max Ackermann, Max Beckmann, Rudolf Belling, Rüdiger Berlit, Heinrich Maria Davringhausen, Walter Dexel, Otto Dix, Erich Drechsler, Lyonel Feininger, Conrad Felixmüller, Lis Goebel, Arthur Goetz, Erich Heckel, Ludwig von Hofmann, Franz M. Jansen, Alexej von Jawlensky, Alexander Kanoldt, Käthe Kollwitz, Bernhard Kretzschmar, Wilhelm Lachnit, Fritz Lang, Otto Lange, Ernst Lubitsch, Paula Modersohn-Becker, August Macke, Karlheinz Martin, Franz Marc, Frans Masereel, Ludwig Meidner, Moritz Melzer, Wilhelm Morgner, Otto Mueller, Gabriele Münter, Friedrich Wilhelm Murnau, Heinrich Nauen, Emil Nolde, G. W. Pabst, Max Pechstein, Robert Reinert, Lotte Reiniger, Christian Rohlfs, Josef Scharl, Martel Schwichtenberg, Arthur Segal, Arnold Topp, Paul Wegener, Robert Wiene

Zur Ausstellung erscheint der reich bebilderte Katalog Expressionismus in Kunst und Film / Expressionism in Art and Film, Silvana Editoriale, 40 €

EXPRESSIONISMUS IN KUNST UND FILM – Kunsthaus Stade | 9. März – 20. Mai 2024

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