Hamburgische Architektenkammer – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 13 Jun 2025 14:18:59 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Volpis letzter Tanz https://www.tiefgang.net/volpis-letzter-tanz/ Fri, 13 Jun 2025 22:46:08 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=11981 [...]]]> Es war ein Beben, das durch die ehrwürdigen Gänge der Hamburgischen Staatsoper ging – und doch, für jene, die den Herzschlag dieser kulturellen Institution seit Jahren verfolgen, kam es nicht ganz unerwartet.

Demis Volpi, der als großer Hoffnungsträger nach der Ära John Neumeier angetreten war, verlässt das Hamburg Ballett mit sofortiger Wirkung. Ein jähes Ende nach nur einem halben Jahr im Amt, das Fragen aufwirft, Wunden freilegt und die Debatte um die Zukunft einer der renommiertesten Ballettcompagnien der Welt neu entfacht.

Die Bürde eines großen Erbes

Die Erwartungen an John Neumeiers Nachfolge waren von Anfang an gigantisch. Ein halbes Jahrhundert lang hatte der amerikanische Choreograf das Hamburg Ballett geprägt, es zu Weltruhm geführt und zu einer unverwechselbaren Marke gemacht. Sein Abschied, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, wurde sogar um ein Jahr bis Sommer 2024 verlängert. Die Findungskommission, besetzt mit hochrangigen internationalen Expert*innen wie Ted Brandsen oder Brigitte Lefèvre, hatte im Oktober 2022 Demis Volpi als die ideale Wahl präsentiert. Kultursenator Dr. Carsten Brosda äußerte sich damals euphorisch: „Mit Demis Volpi kann die herausragende Geschichte des Hamburg Ballett weitergeschrieben und mit neuen Impulsen in die Zukunft geführt werden.“ Man sprach von einer Verbindung von Tradition und Innovation – Worte, die heute einen bitteren Beigeschmack hinterlassen.

Volpi, der 1985 geboren und in Buenos Aires sowie Stuttgart ausgebildet wurde, kam mit dem Ruf eines international gefeierten Choreografen. Seit August 2020 war er Ballettdirektor und Chefchoreograf des Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburg. Dort hatte er für seine Arbeiten eine große Zahl internationaler Auszeichnungen erhalten, darunter den Konex Award, die Auszeichnung zum „Nachwuchskünstler des Jahres“ der Zeitschrift Opernwelt und den Deutschen Tanzpreis Zukunft. Choreografien wie „Salome“ für das Stuttgarter Ballett oder „Chacona“ zeugten von seinem künstlerischen Talent. Doch die Realität in Hamburg sollte sich als weitaus stürmischer erweisen.

Ein toxisches Klima und der rasche Fall

Schon seit Wochen brodelte es hinter den Kulissen. Gerüchte machten die Runde, Solist*innen kündigten, und es verdichteten sich die Anzeichen für ein „toxisches Arbeitsklima“. Was im Februar 2025 mit einem offenen Brief von 36 der 63 Staatsopern-Tänzer*innen an Kultursenator Brosda begann, mündete nun im Showdown. Die Vorwürfe waren massiv: ein „unfreundlicher, manipulativer und herabsetzender Stil Volpis“, häufige Abwesenheiten und sogar „künstlerische Mängel“. Der Frust saß tief, so tief, dass fünf der elf Ersten Solist*innen, die sonst das Herzstück der Compagnie bilden, zu den Unterzeichner*innen gehörten.

Der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper und Demis Volpi einigten sich auf einen Auflösungsvertrag zum Ende der Spielzeit und eine sofortige Freistellung. Die Kulturbehörde sprach von „einvernehmlich“, doch die scharfen Worte aus der F.A.Z. – „Das Schiff verlässt den sinkenden Kapitän“ – spiegeln die Dramatik der Situation wider. So-Yeon Kim, eine ehemalige Düsseldorfer Ballerina und Mitverfasserin eines Düsseldorfer Solidaritätsschreibens, äußerte sich gegenüber der F.A.Z. erleichtert: „Manche waren der Ansicht, da Volpi nicht körperlich gewalttätig war, müsste man ihn nicht entlassen. Die Wahrheit ist aber, dass viele Tänzerinnen und Theatermitarbeiterinnen unter Volpis Charaktermängeln und Inkompetenz nicht nur gelitten haben, sondern in der Konsequenz ihr Engagement und manche ihre Karriere verloren haben. Sein Verhalten hat das Leben von Tänzer*innen ruiniert.“ Dies zeigt, dass die Probleme nicht neu waren und die Entscheidung in Hamburg in der Ballettwelt genau beobachtet wurde.

Demis Volpis eigene Stellungnahme klingt fast resignativ: „Meine Vision – sowohl in künstlerischer Hinsicht als auch im Hinblick auf eine zeitgemäße Struktur, die offene und verantwortungsvolle Zusammenarbeit innerhalb einer Ballettcompagnie ermöglicht – ließ sich trotz intensiver Bemühungen unter den aktuellen Rahmenbedingungen am Hamburg Ballett nicht weiter verwirklichen.“ Eine diplomatische Umschreibung für eine tiefe Zerrüttung, die offenbar Vision und Realität in dieser etablierten Compagnie kollidieren ließ.

Senator Brosdas Dilemma und die Zukunft

Kultursenator Dr. Carsten Brosda, der einst Volpi so hoffnungsvoll begrüßte, fand sich in einer prekären Lage wieder. Er bedauert, „dass es nicht gelungen ist, eine gemeinsame Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit im Hamburg Ballett zu schaffen.“ Eine gemeinsame Interimsleitung mit Lloyd Riggins, Nicolas Hartmann und Gigi Hyatt soll nun bis Ende der Spielzeit 2025/2026 die Lücke füllen. Die Verantwortung wird auf mehrere Schultern verteilt, um die Weiterentwicklung „zwischen Tradition und Moderne“ fortzuführen. John Neumeier selbst, der die Vorgänge von außen verfolgte, äußerte gegenüber dem NDR die Hoffnung, dass „Ruhe eintritt im Ballett“ und die Tänzer*innen „jetzt gut arbeiten können“.

Doch die dringlichste Frage bleibt: Wie geht es weiter? Die Krise um Volpis Abgang offenbart strukturelle Herausforderungen, vielleicht auch eine verpasste Chance, frühzeitig auf die kritischen Stimmen aus dem Ensemble zu hören. Für Volpi gibt’s nach BILD-Informationen als Schmerzensgeld rund 1,1 Millionen Euro – das gesamte Salär für seinen Fünfjahresvertrag. Der Aufsichtsrat hat einen extern moderierten Prozess angekündigt, um „unter anderem Maßgaben für die künftige Zusammenarbeit in der Compagnie sowie die Anforderungen der Compagnie an eine künftige Ballettdirektion“ zu erarbeiten. Dies ist ein wichtiger Schritt, denn das Wohl und die Zufriedenheit der Tänzer*innen sind das Herzstück jeder Compagnie.

Der Elefant im Raum

Und dann ist da noch der ständige Elefant im Raum: der seit Jahren diskutierte und heiß umstrittene geplante Neubau der Staatsoper auf dem Baakenhöft in der HafenCity. Bürgermeister Peter Tschentscher und Kultursenator Carsten Brosda verkündeten im Februar 2025 die Vertragsunterzeichnung mit der Kühne-Stiftung euphorisch als „Glücksfall für die Kultur und die Steuerzahler*innen“, da der Bau angeblich komplett finanziert werde. Doch die Hamburgische Architektenkammer (HAK) übte scharfe Kritik an diesem Vorgehen. In einem „Brandbrief“ unter dem Titel „Mehr Öffentlichkeit wagen“ forderte die HAK Transparenz, Wettbewerb und eine Stärkung der Innenstadt. Es wurde bemängelt, dass das Projekt „hinter verschlossenen Türen“ entwickelt wurde, ohne vorherige fachliche Expertise, öffentliche Information oder Diskussion. Die Grundfrage, ob Hamburg überhaupt ein neues Opernhaus in dieser Form und an diesem Standort benötigt, sei nie öffentlich diskutiert worden.

Die Architektenkammer wies zudem darauf hin, dass der Neubau keineswegs allein ein Mäzenatengeschenk sei. Die Stadt steuere ein „überaus wertvolles Grundstück in bester Lage“ bei, dazu 147 Millionen Euro für Gründung und Flutschutz sowie die Kosten für die Planung und Herstellung der öffentlichen Freiflächen. Massive Kritik wurde auch an der fehlenden Diskussion über die Nutzung dieses „letzten freien Grundstücks der HafenCity“ sowie die multifunktionale Ausrichtung des Neubaus geübt. Der Vertrag sehe vor, dass das Gebäude ausschließlich für den Betrieb der Staatsoper genutzt werden dürfe, wobei die Kühne-Stiftung jeder Nutzungsänderung zustimmen müsse – was als Einschränkung für breitere Bevölkerungsgruppen und die gesellschaftliche Einflussnahme auf ein solches Großprojekt verstanden wird. Das geplante „Qualifizierungsverfahren“ mit nur „mindestens fünf Planungsbüros“ und einem „deutlichen Missverhältnis von Nicht-Fachleuten und Fachleuten“ in der Jury entspreche zudem in keiner Weise den etablierten Regeln für Planungswettbewerbe. Auch das Vetorecht des Stifter-Ehepaars und die unklare Kostenkalkulation für den späteren Betrieb, der allein von der Stadt zu tragen ist, geben Anlass zur Besorgnis. Die HAK befürchtet kein „volles“, sondern ein „abgespecktes ,Opernhaus light‘“, dessen Funktionalität lediglich „mindestens dem Standard der Bestandsoper entspricht“.

Die Kulturbehörde reagierte auf die Kritik zurückhaltend und verwies auf eine mehrjährige Planungs- und Umsetzungsphase sowie die bevorstehende Befassung der Bürgerschaft. Gleichwohl trägt diese hochkomplexe und kontrovers geführte Bauprojektdebatte zu einem Umfeld bei, in dem die Führung der Staatsoper ohnehin schon unter immensem Druck steht. Auch wenn konkrete Details zu einem kürzlichen Interims-Leiter im kaufmännischen Bereich in den vorliegenden Dokumenten nicht explizit genannt werden, zeugen solche Veränderungen an verschiedenen Führungspositionen von einer Periode der Neuorientierung und Sensibilität innerhalb der Staatsoper insgesamt.

Hamburgs Ballett steht am Scheideweg

Der abrupte Abgang von Demis Volpi ist eine Zäsur, aber auch eine Chance. Die Findung einer neuen Leitung muss diesmal nicht nur künstlerische Vision, sondern auch soziale Kompetenz und die Fähigkeit zur Menschenführung in den Vordergrund stellen. Es gilt, die Wunden zu heilen, das Vertrauen wieder aufzubauen und eine Zukunft zu gestalten, die die herausragende Geschichte des Hamburg Ballett nicht nur weiterschreibt, sondern auch in ein modernes, gesundes Arbeitsumfeld überführt. Diese Episode wird zweifellos als eine kritische Zeit in die Annalen der Hamburger Kulturgeschichte eingehen und die Haltung des Kultursenators auf die Probe stellen, die notwenige Stabilität für die Zukunft dieses Leuchtturms zu gewährleisten – gerade auch angesichts der schwelenden Opernneubau-Debatte, die weit über das Ballett hinausreicht.

 

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Eine Stiftung für Baukultur https://www.tiefgang.net/eine-stiftung-fuer-baukultur/ Fri, 27 Nov 2020 23:47:35 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7433 [...]]]> In der Kammerversammlung im November 2020 haben die Mitglieder der Hamburgischen Architektenkammer die Gründung einer Stiftung für Baukultur beschlossen.

Damit ist der Weg frei für eine Institution, die zeigen wird, wie Hamburger Planer*innen Ideen und Lösungen für wichtige Gegenwarts- und Zukunftsfragen unserer Gesellschaft liefern, und die den Dialog in der Hamburger Stadtgesellschaft zu Architektur, Freiraumplanung, Städtebau und Stadtplanung vorantreiben soll.

Um die Arbeit der Planer*innen in der Gesellschaft stärker sichtbar zu machen und zu zeigen, dass sie auch zu aktuellen Herausforderungen – vom Klimawandel über die Corona-Pandemie und die Mobilitätswende bis zum guten und bezahlbarem Wohnen – Lösungen beitragen, bedarf es neuer Freiräume und Strukturen. Die zu gründende Stiftung kann hier, beispielsweise in Kooperationen mit vielseitigen privaten und öffentlichen Projektpartner*innen, viel flexibler agieren als es der Architektenkammer im Rahmen ihres eng gesteckten und durch Gesetz vorgegebenen Rahmens möglich ist.

Herzstück der Stiftung soll ein Zukunftsforum zum Thema Baukultur in Hamburg werden, das unterschiedlichste Aktivitäten bündelt: Veranstaltungen, Ausstellungen, Informations-Angebote für Bürger*innen, Formate des Austauschs und der Zusammenarbeit etc. Dieses Forum soll zunächst im digitalen Raum entstehen und dort verschiedene Formate für die Information, Kommunikation und den Austausch nutzen. Zunehmend soll es sich aber auch mit analogen Orten verbinden und anlassbezogen in der Stadt präsent werden. Wir wollen einen lebendigen Ort schaffen, der jedermann offensteht, in dem diskutiert wird, vorbildhaftes Planen und Bauen vermittelt wird und Visionen für das künftige Hamburg entworfen werden.

Schon jetzt wurden von Planer*innen, aber auch vielen Bürger*innen im Rahmen eines Beteiligungsverfahrens viele Ideen und Anregungen für Projekte und Themen der kommenden Stiftung eingereicht. Jede Hamburgerin und jeder Hamburger ist aufgerufen, sich zu beteiligen. Vorschläge können eingesandt werden unter stiftungsidee@akhh.de. Auf unserer Website www.stiftungsidee-akhh.de kann man sich über die geplante Stiftung und die schon vorliegenden Ideen für Projekte und Themen informieren.

Quelle: Hamburgische Architektenkammer

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Online Bauklötze staunen https://www.tiefgang.net/online-baukloetze-staunen/ Fri, 26 Jun 2020 22:52:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=7053 [...]]]> Architektur ist eine streitbare Kunst: mal funktional, mal protzig … unser Stadtbild prägt sie auf jeden Fall. Statt eines Tags der Architektur kann man nun das ganze Jahr über Bauklötze staunen …

Der Tag der Architektur und Ingenieurbaukunst in Hamburg wird dieses Jahr online ausgetragen, dafür aber nicht wie üblich an zwei Tagen des letzten Juni-Wochenendes, sondern für die Dauer eines ganzen Jahres.

Pandemiebedingt waren Führungen in Gebäuden nicht planbar und wären letztlich Ende Juni auch nicht durchführbar gewesen. Aus diesem Grund haben wir die Architektur- und Ingenieurbüros gebeten, alle an Architektur, Stadtplanung und Ingenieurbaukunst interessierten Bürger*innen in diesem außergewöhnlichen Jahr einmal anders mitzunehmen und ihnen einen besonderen Blick auf ihre Projekte zu geben. Neben Fotostrecken und Zeichnungen haben die Büros vor allem kurze, etwa dreiminütige Filme produziert. Die Beiträge sind kurzweilig, unterhaltsam, betrachten die eigene Arbeit auch mal mit einem Augenzwinkern und wecken Lust auf mehr. Auf einer eigens für die diesjährige Präsentation gestalteten Website mit Spielfeldcharakter gibt es viel zu entdecken: Mal geht es über hundert Meter in die Tiefe (Baugrunderkundungen für den Elbtower Hamburg), mal drei Kilometer mit dem Rad durch die Stadt (Veloroute am Eilbekkanal), mal berichten Mitarbeiter*innen über ihre ganz persönliche Leidenschaften für das Projekt, welches sie im Team mit ihrem Büro umgesetzt haben (KPTN – HC34 Gebäudeensemble mit Kino in der HafenCity)…

Im kommenden Jahr, am 26./27. Juni 2021, können die jetzt online präsentierten und viele weitere Projekte wie gewohnt vor Ort besucht werden – geführt und erläutert von Architekt*innen, Stadtplaner*innen und Ingenieur*innen. Alle jungen Architekturbegeisterten dürfen sich schon heute freuen auf die Premiere des eigentlich für dieses Jahr vorgesehenen Formats „Tag der Architektur und Ingenieurbaukunst für junge Leute“ mit vielen spannenden Workshops und Aktionen in den Planungsbüros.

Bis dahin lässt sich das Programm zum Tag der Architektur und Ingenieurbaukunst unter www.tda-hamburg.de, für alle, die mögen, sieben Tage die Wochen und 24 Stunden am Tag erleben.

Quelle: Hamburgische Architektenkammer

 

 

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„Neue Wege in der Stadt- und Verkehrsplanung!“ https://www.tiefgang.net/neue-wege-in-der-stadt-und-verkehrsplanung/ Fri, 01 May 2020 22:37:57 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=6843 [...]]]> Der seit langem schwelende Streit um den Abriss der Sternbrücke mit den Musik-Clubs Fundbureau, Waagenbau und Astra-Stube hat eine neue Dimension angenommen. Das was kommen soll, erzürnt nun selbst die Architekten.

Lange Zeit ging es bei dem Streit um den Erhalt der Sternbrücke vor allem um die Existenzängste der darunter befindlichen Musikclubs. Nach dem nun bekannt wurde, was die Deutsche Bahn als Alternative plant, schlagen die Wogen jedoch weit höher. Denn die völlig überdimensionierte Brücke, die entstehen soll, zeigt vor allem: Verkehrsplanungen werden oftmals ohne Blick auf das Umfeld und das Stadtbild vorgenommen. Gerade heutzutage dem Verkehr auf und unter der Brücke derart Priorität einzuräumen, sei engstirnig, so die Architekten. Ein Beitrag, der auch für Harburger Verkehrs- und Stadtplaner mahnend sein sollte.

In der Pressemitteilung der Hamburgischen Architektenkammer vom 24.04.2020 heißt es:

„Die Hamburgische Architektenkammer (HAK) nimmt die Entwicklung bei der Sternbrücke in Altona zum Anlass, grundsätzlich zu den Vorgängen rund um das Projekt sowie zum Verhältnis zwischen Stadt- und Verkehrsplanung Stellung zu beziehen.

Die HAK kritisiert, dass die bisherigen Planungen zur Sternbrücke vollständig hinter verschlossenen Türen abliefen. Hierzu gehören der Entschluss der Bahn, die denkmalgeschützte Brücke abzureißen sowie die dieser Entscheidung zugrunde liegenden, sich teilweise offenbar widersprechenden Stellungnahmen und Gutachten. Auch der weitere Abstimmungsprozess zwischen Bahn, Wirtschaftsbehörde (BWVI), Stadtentwicklungsbehörde sowie Denkmalschutzamt bis hin zur Senatsentscheidung für den Abriss der denkmalgeschützten Sternbrücke und dem Neubau in der nun geplanten Form verlief intransparent. Die Bevölkerung erfuhr von den konkreten Planungen erst jetzt, unmittelbar vor Beginn des Planfeststellungsverfahrens. Dies ist angesichts der Tragweite der Entscheidungen und der Bedeutung des Projekts nicht akzeptabel und gilt es bei künftigen Infrastruktur-Großprojekten zu vermeiden.

Die HAK kritisiert weiter, dass Bahn und Stadt die gesamtstädtische Bedeutung eines Neubaus der Sternbrücke nicht erkannt und nicht entsprechend gehandelt haben. Als eigentliches Problem kristallisiert sich hierbei die Grundsatzentscheidung der BWVI heraus, dass die neue Brücke den Kreuzungsraum Max-Brauer-Allee / Stresemannstraße komplett stützenfrei zu überspannen habe. Erst aufgrund dieser Maßgabe wurde ein Brückenbauwerk notwendig, dessen Dimensionen die Kleinteiligkeit und den Maßstab des Umfelds vollkommen negiert und sprengt.

Inhaltlich ist die Entscheidung für eine den Straßenraum frei überspannende Brücke in Frage zu stellen: Die vage Begründung, man wolle sich mittels Stützenfreiheit alle Optionen für eine künftige Umgestaltung der Straßenräume im Sinne einer Stärkung des ÖPNV und des Radverkehrs offen halten, ist nicht überzeugend, da die BWVI zugleich betont, dass ein Erhalt der Vierspurigkeit der Straßen für den jetzigen und künftigen Kfz-Verkehr unabdingbar sei. Angesichts dessen kritisiert die HAK, dass die BWVI und der Bezirk Altona es trotz ausreichender Zeit mutmaßlich unterlassen haben, ein Verkehrskonzept für die beiden stark durch motorisierten Verkehr frequentierten Straßen Stresemannstraße und Max-Brauer-Allee zu entwickeln. Aufgrund dieses anzunehmenden Unterlassens halten BWVI und Bezirk nun an der Vierspurigkeit fest, die zu den oben beschriebenen Konsequenzen für das neue Brückenbauwerk führt.

Die Architektenkammer fordert den Senat auf, die Grundsatzentscheidung für eine stützenfreie Querung der Straßenräume zu überdenken und zu prüfen, wie eine verkehrliche und stadträumliche Lösung mit einer Brücke mit Stützen aussehen kann. Weiterhin fordert die Architektenkammer die Deutsche Bahn auf, durch weitere Planungsbüros prüfen zu lassen, ob die Vorgabe der Stützenfreiheit tatsächlich zwingend zu einem solch hohen und ungünstig proportionierten Brückenbauwerk führen muss. Es müsste für diesen Fall also unbedingt ein Planungswettbewerb durchgeführt werden. Bei einem derart prägenden Bauwerk muss alles dafür getan werden, dass die für den Stadtraum bestmögliche Lösung gefunden wird.

Insgesamt zeigt die vermeidbare Entwicklung aus Sicht der Architektenkammer exemplarisch, wohin eine isolierte und nicht auf Zusammenarbeit ausgelegte Verkehrsplanung führt, die zudem ihre Auswirkungen auf den Stadtraum nicht bedenkt. Die Hamburgische Architektenkammer fordert daher eindringlich, dass die Verkehrsplanung nicht isoliert agiert, sondern wieder zu einem Teil der Stadtplanung wird. Dies bedeutet einerseits, dass Stadt und Verkehr und also Stadt- und Verkehrsräume wieder zusammengedacht und -geplant werden müssen und zum anderen konkret, dass die Verkehrsabteilung wieder aus der Wirtschaftsbehörde herausgelöst und in die Stadtentwicklungsbehörde integriert wird. Es ist aus Sicht der HAK wichtig, dass in den derzeit laufenden Koalitionsverhandlungen diese Verlagerung beschlossen wird, denn sie ist eine Grundvoraussetzung für die dringend notwendige Verkehrswende in Hamburg.

Diese Neustrukturierung ist nicht nur unter klimapolitischen Aspekten notwendig, sondern auch aus der aktuellen Notwendigkeit, die städtischen öffentlichen Räume Hamburgs unter dem Aspekt des wohl noch lange notwendigen Social Distancing zu optimieren. Der städtische Raum muss und wird sich somit dauerhaft und tiefgreifend verändern. Umso wichtiger ist es, dass sich eine Prozess- und Planungskultur etabliert, die auf Zusammenarbeit, Austausch und Transparenz beruht.“

Quelle: www.akhh.de

 

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Stadt- statt Verkehrsräume! https://www.tiefgang.net/stadt-statt-verkehrsraeume/ Fri, 12 Apr 2019 22:19:15 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=5101 [...]]]> Alle reden über Hamburgs Verkehr und neuerdings die „Magistralen“ – in etwa die Hauptverkehrsachsen und wie man sie gestaltet. Dabei geht es um mehr als nur Straßen und Velorouten. Die Architekten melden sich nun zu Wort …

In dem Aufruf der Hamburgischen Architektenkammer anlässlich des Bauforums: „Plant Stadträume, nicht Verkehrsräume!“ heißt es:

„Die Hamburgische Architektenkammer begrüßt sehr das von Oberbaudirektor Höing initiierte Bauforum zum Thema „Magistralen“. Die Präsidentin der Architektenkammer Karin Loosen: „Die sogenannten Magistralen haben gesamtstädtische Bedeutung, weil sie Teilräume der Stadt sowie Stadt und Umland miteinander verbinden. Doch sie müssen mehr sein als Transiträume. Dieses Bauforum ist ein ganz wichtiger Schritt, diese jahrzehntelang vernachlässigten Stadt- und Straßenräume in den Fokus zu nehmen und zu verbessern. Dies kann und muss zugleich aber auch eine Initialzündung sein für eine endlich ganzheitliche und interdisziplinäre Planung von Hamburgs Straßenräumen generell. Unsere Stadtstraßen dürfen niemals nur Verkehrsräume bleiben, sondern müssen Stadträume sein, die das Leben der Menschen positiv prägen.“

Die Hamburgische Architektenkammer fordert deshalb, anstehende Um- und Neubauten von Straßen und Plätzen nur noch in interdisziplinären Teams zu planen und dabei städtebauliche, soziale, freiraumplanerische, ökonomische und verkehrliche Erfordernisse zusammenzudenken. Verkehrsplaner/-innen, Stadtplaner/-innen und Landschaftsarchitekten/-innen müssen von Anfang an, also schon in der Phase der Zielsetzung und Ideenfindung, auf Augenhöhe mit der Auftraggeberseite an einen Tisch sitzen, um die unterschiedlichen Belange zu definieren und miteinander zu vereinbaren. Auf der städtischen Auftraggeberseite muss endlich die bisherige Ämtertrennung überwunden werden: Sollen Nutzungsmischung und Vernetzung Realität werden, müssen Stadtplanung, Grünplanung, Verkehr, Infrastruktur von Beginn an gleichberechtigt zusammenarbeiten. Bei allen größeren Maßnahmen müssen zudem Bürgervertreter/-innen beteiligt werden.

Präsidentin Loosen: „Das ist in der Vergangenheit oftmals unterblieben. Der Umbau von Straßenräumen für das Busbeschleunigungsprogramm ist beispielsweise vor allem unter Mobilitätsaspekten geplant und umgesetzt worden. Auch der Siemersplatz oder der Theodor-Heuss-Platz wurden erst vor Kurzem für rein verkehrstechnische Erfordernisse umgebaut. So werden große Chancen vertan, attraktivere Stadträume an zentralen Orten zu entwickeln. Auch wird bislang kaum daran gearbeitet, Verkehrsknotenpunkte zu Zentren neuer Mobilität und innovativer Verknüpfung von Angeboten aufzuwerten. Man muss sich darüber klar sein, dass größere Straßenumgestaltungen teuer sind und deshalb im Durchschnitt nur alle 40 bis 60 Jahre erfolgen. Umso wichtiger ist es, dass dann lebenswerte Orte entstehen, an denen man sich gerne aufhält, die wohlgestaltet, multifunktional und sicher sind, und die so nachhaltig geplant wurden, dass sie auch noch in mehreren Jahrzehnten gut funktionieren. Wachsende Bedarfe und zusätzliche Nutzungen müssen dabei in den bestehenden Straßenquerschnitten untergebracht werden – eine hochkomplexe Aufgabe, die kein Amt allein bewältigen kann und die zudem professionell gemanagte Aushandlungsprozesse zwischen den Akteuren erfordern. Gerade in einer sich verdichtenden Stadt sind Straßenräume kostbare Frei- und Lebensräume, die sehr umsichtig entwickelt werden müssen.“

Die Hamburgische Architektenkammer hat bereits 2018 mit ihrem „Workshop Hamburg 2050. Die Zukunft gestalten“ Ansätze und Ideen für eine künftige Straßen- und Verkehrsplanung aufgezeigt. Eine zentrale Erkenntnis dort war: „Verkehrsplanung ist Stadtplanung. Lokale und gesamtstädtische Ebene bedingen einander und müssen zusammen gedacht werden, genauso wie (Frei-) Raumentwicklung, Mobilität, Ökonomie und soziale Entwicklung: Zukunft ist eine Gemeinschaftsaufgabe und braucht strategische Stadtentwicklung.“ Karin Loosen resümiert: „Auf dieser Erkenntnis gilt es aufzubauen und die Stadträume der Zukunft zu entwickeln. Das Bauforum Magistralen ist dafür ein erster wichtiger Baustein.“ 

Quelle: www.akhh.de

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Exkursionen zu Denkmälern https://www.tiefgang.net/exkursionen-zu-denkmaelern/ Fri, 27 Apr 2018 22:58:38 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=3522 [...]]]> Die Stadt ist im steten Umbruch und Architektur so immer auch ein Spiegel der Zeit. Eine Exkursionsreihe bietet nun Einblicke in die Ideen dahinter.

In der Pressemitteilung der Behörde für Kultur und Medien heißt es:

„Zum vierzehnten Mal werden vor Ort aktuelle Entwicklungen an Denkmälern öffentlich vorgestellt. Anfang Mai startet erneut die Reihe Weiterbauen. Im Rahmen einer Kooperation zwischen der Freien Akademie der Künste, dem Denkmalschutzamt, dem BDA Hamburg und der Hamburgischen Architektenkammer werden dieses Frühjahr insgesamt sieben Hamburger Bauten und Ensembles vorgestellt, die Alt und Neu vorbildlich miteinander verbinden.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Die Reihe Weiterbauen zeigt an praktischen Beispielen, wie Denkmalschutz und Stadtentwicklung Hand in Hand gehen. Anschaulich erläutern Experten aus der Praxis, wie es gelingen kann, Altbauten an heutige Bedürfnisse anzupassen und so Schützenswertes für kommende Generationen lebendig zu bewahren. Die Beispiele zeigen kreative und sensible Lösungen mit Vorbildwirkung.“  

Der vierzehnte Turnus der Reihe Weiterbauen widmet sich insgesamt sieben Baumaßnahmen, die sich durch überzeugende, zum Teil auch überraschende Umnutzungskonzepte auszeichnen. Wie schon in den Vorjahren werden auch dieses Jahr Architekten, Bauherren und Denkmalpfleger gemeinsam aktuell gelungene Sanierungen, Umbauten und Erweiterungen vorstellen und auf Herausforderungen im Planungs- und Bauprozess eingehen.

Den Auftakt bildet das älteste Bauwerk der heute im Umbruch befindlichen City Nord, das einen Weg vom Bürogebäude zum Boardinghouse hinter sich hat. Eine weitere Veranstaltung geht der Entwicklung des ältesten Gebäudes der HafenCity nach. Das ehemalige Amt für Strom- und Hafenbau, ist heute ein maritim anmutendes Hotel.

Zwei bereits umgenutzte Bauten erfahren in diesen Tagen eine abermalige Weiterentwicklung und werden ebenfalls in der Reihe vorgestellt: Die Zeisehallen beherbergen nach dem Auszug des Instituts für Theater, Musiktheater und Film der Universität Hamburg jetzt einen Lebensmittelmarkt und in den Mittelbau der ehemaligen Oberpostdirektion am Stephansplatz zieht unter anderem ein Fitnesscenter ein.

Eine aufwendige Revitalisierung sowie einen zusätzlichen Baukörper erhielt das Ensemble um das Finnlandhaus an der Esplanade. Und unter dem Namen „Quality Street“ entstehen in einem ehemaligen Druckereigebäude unweit des Eppendorfer Marktplatzes hochwertige Eigentumswohnungen. Komplettiert wird die Reihe schließlich mit einem Besuch des behutsam sanierten Laeiszhofes am Rödingsmarkt.

Programm

Mi, 2.5. 2018 – Umbau Firmenzentrale Claudius Peters AG zu Boarding House – Gerd Mevius (Pertner Mevius Mörker Architekten), Ulrike Wessel (Niederlassungsleiterin ISARIA Wohnbau AG), Dietmar Ridder (Denkmalschutzamt Hamburg)

Mi. 16.5.2018 – REWE-Markt in den Zeisehallen – Christian Herbert (Kunst + Herbert, Büro für Forschung und Hausbau), Bastian Hämmerle (Procom Invest), Alexander Krauß (Denkmalschutzamt Hamburg)

Mi. 23.5.2018 – Revitalisierung Finnlandhaus – Matthias Latzke (Büroleiter Hamburg HPP Architekten), (Becken GmbH, Hamburg), Christoph Schwarzkopf (Denkmalschutzamt Hamburg)

Mi. 30.5.2018 – Hotel im ehemaligen Amt für Strom und Hafenbau – Neil Winstanley (spine architects), Patrick Moreira (25Hours Hotels), Albert Schett (Denkmalschutzamt Hamburg),

Mi. 6.6.2018 – The Quality Street – Umbau einer Bonbonpapierfabrik und Neubauten für ein Wohnquartier – Frank Birwe (Partner KBNK Architekten GmbH), n.n. (DC Developments GmbH & Co. KG)

Mi. 13.6.2018 – Mittelbau der ehemaligen Oberpostdirektion – Udo Schaumburg (LH Architekten), Jan Kuschnik (Geschäftsführer DWI Grundbesitz), Christoph Schwarzkopf (Denkmalschutzamt Hamburg)

Mi. 27.6.2018 – Umbau und Sanierung des Laeiszhofs – KD. Zimmermann (AIS Architekten), n.n. (F. Laeisz GmbH), Alexander Krauß (Denkmalschutzamt Hamburg)

Für alle Veranstaltungen gilt: Eine verbindliche Anmeldung ist zwingend erforderlich bis spätestens sieben Tage vor der jeweiligen Veranstaltung per E-Mail an weiterbauen@fadk.de. Aufgrund begrenzter Teilnehmerzahl erfolgen die Zusagen nach der Reihenfolge der Anmeldungen. Informationen zum jeweiligen Treffpunkt werden bei Anmeldung bekannt gegeben (Unkostenbeitrag fünf Euro pro Person und Veranstaltung).“

Quelle: www.fadk.de

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