Handelskammer Hamburg – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 17 May 2024 14:32:19 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.3 Nachtleben und Nachbarschaft https://www.tiefgang.net/nachtleben-und-nachbarschaft/ Fri, 17 May 2024 22:20:55 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=10858 [...]]]> Livemusikclubs gehören zur Freizeit dazu. Aber auch zur Nachbarschaft? Ein runder Tisch soll´s richten …

Am 6. Mai 2024 fand im Hamburger Rathaus die erste Sitzung des Runden Tisches „Nachtleben und Nachbarschaft“ statt. Vertreterinnen und Vertreter der Clubszene, verschiedener Behörden und städtischer Gesellschaften berieten auf Einladung der Behörde für Kultur und Medien über die Lage der Hamburger Clubkultur. Aus Harburg dabei Heimo Rademaker vom Marias Ballroom und auch im Vorstand des Interessenverbandes Clubkominat Hamburg sowie Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen.

Der Runde Tisch soll ein Forum bieten, in dem städtische Akteurinnen und Akteure, Clubs, Musikwirtschaft und Zivilgesellschaft miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam frühzeitig Lösungsansätze für Probleme der Livemusikclubs entwickeln. Das Format soll zweimal im Jahr stattfinden.

Die Livemusikkultur steht immer wieder vor großen Herausforderungen. Konflikte mit Neubauvorhaben, bauliche Auflagen, wie der Lärmschutz, und die fehlende Anerkennung als Kulturorte führen immer wieder zu einer Verdrängung aus dem städtischen Raum. Hinzu kommen Faktoren wie Fachkräftemangel, ein geändertes Konsumverhalten der Besucherinnen und Besucher, steigende Mieten und allgemeine Kostensteigerungen. Dies führt zu einer geringeren Planungssicherheit und Risikobereitschaft der Clubbetreibenden.

Zugleich sind die Clubs von großer Bedeutung für die Musikstadt Hamburg, weshalb der Senat zusammen mit der Clubszene, den Bezirken und weiteren Akteuren und Akteurinnen frühzeitig Lösungsansätze finden will, unter anderem im Rahmen des Runden Tisches.

Meist laufen die Gespräche in wenig prachtvollem Ambiente.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Unsere Clubs sind eine wichtige Säule der Musikstadt. Hamburg wäre nicht die Kulturstadt, die sie ist, wenn es die Clubs nicht gäbe. Livemusik hat hier eine lange Tradition, auf die wir zu Recht stolz sind. Die Clubs sind die Orte, an denen neue Bands ihre ersten Erfolge feiern und uns für die Musik begeistern. Oft finden Clubs jedoch in der sich verdichtenden und immer teurer werdenden Stadt keine Flächen, um das zu tun, was sie ja sollen: mutig, vielfältig, bunt, lebhaft und auch mal laut sein. Wir als Stadt müssen unsere Kräfte bündeln, um den Clubs das Leben leichter zu machen, wo wir können. Dabei geht es nicht nur um Musikkultur, sondern auch um einen wichtigen Wirtschafts-, Tourismus- und Standortfaktor, der auch darüber entscheidet, wie lebenswert und attraktiv die Kreativstadt Hamburg in Zukunft noch sein wird. Mit dem Runden Tisch wollen wir frühzeitig Probleme erkennen und im direkten Austausch Lösungen finden.“

Ziel des Runden Tisches ist es, in regelmäßigen Gesprächen konkrete Handlungsempfehlungen an Politik und Verwaltung zu formulieren und bei Problemen Lösungen zu finden. Gemeinsam suchen die Teilnehmenden des Runden Tisches nach Wegen rund um Themen wie kultursensible Stadtentwicklung, Kulturraumschutz, Zwischen- und Umnutzung von freien Flächen für Clubs sowie Konfliktmanagement im Kontext von Musikkultur, etwa zwischen Musikstätten und ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. Die Stadt setzt damit gemeinsam mit allen Teilnehmenden des Runden Tisches ein wichtiges Signal gegen die Verdrängung von Clubkultur und generell städtischen Kulturorten.

Folgende Organisationen nahmen auf Einladung der Behörde für Kultur und Medien am ersten Runden Tisch teil:
Behörde für Kultur und Medien, Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW), Behörde für Wirtschaft und Innovation, Bezirksämter Altona, Bergedorf, Harburg und Mitte, Clubkombinat Hamburg e.V., Hamburg Music Business e.V., Mieter helfen Mietern e.V, Handelskammer Hamburg, Hamburg Invest, Hamburg Tourismus GmbH, Hamburg Kreativgesellschaft mbH, Sprinkenhof GmbH, Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen, steg Hamburg, Runder Tisch Innenstadt der BSW, HafenCity GmbH, Billebogen Entwicklungsgesellschaft mbH.

 

]]>
Was, wenn der Vorhang fällt? https://www.tiefgang.net/was-wenn-der-vorhang-faellt/ Fri, 20 Oct 2017 22:57:38 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=2284 [...]]]> Bei aller Leidenschaft ist ein Kulturbetrieb eben auch ein Betrieb. Und was, wenn der Chef*in ausfällt?

Unglücke passieren. Und in der Regel unvorbereitet und aus heiterem Himmel. Unfälle oder Krankheiten lassen sich in aller Regel nicht vorhersagen. Aber wer kann und soll sich bei einem solchen Schicksalsschlag eigentlich um den Betrieb kümmern? Denn auch wenn es ein Szene- oder Kultur-Betrieb ist: es ist eben auch ein Betrieb. Wer nimmt dann – und sei es nur vorübergehend – die wichtigsten Aufgaben wahr? Wenn es ganz dumm läuft, stehen sonst erstmal alle Räder still. Und dann ist das Ende des Betriebs oft schon näher als nötig.

Klar, es ist besser solche Gedanken zu verdrängen. Wer rechnet schon gern mit dem Schlimmsten? Aber es kann durchaus auch mal sinnvoll sein, zumindest darüber nachzudenken. Ein „Notfall-Handbuch für Unternehmen“ der Handelskammer Hamburg hilft dabei und gibt gar gute Strukturen vor, mit denen man ohne Angst und Schrecken gute Sicherheitsleistung betreiben kann.

Ein Mitglied der SuedKultur hat uns darauf aufmerksam gemacht. Also haben wir mal Kontakt zur Handelskammer aufgenommen und schwupp: man kann das Handbuch auch kostenfrei herunterladen.

Die Fragen, die recht früh aufgeworfen werden, zeigen, wie nah das Unbedachte sein kann. Aber auch wie Praxisbezogen das Handbuch ist

  • „Wer könnte im Notfall vorübergehend oder dauerhaft das Unternehmen weiterführen?
  • Gibt es einen Familienangehörigen, einen Mitarbeiter oder einen Externen, der diese Funktion vertrauensvoll wahrnehmen könnte?
  • Muss eventuell die Unternehmensführung auf mehrere Personen verteilt werden?
  • Wer weiß über aktuell anstehende Aufträge Bescheid? Wer kennt die Kunden? Wer dieLieferanten? Wer ist mit den wichtigsten Projekten vertraut? 
  • Wer hat Bankvollmachten? Gibt es Personen, die schon einen Überblick über die Konten haben? Wer kennt die entsprechenden Passwörter vom PC oder Codes? Wer kommt an Schlüssel heran?
  • Steht ein Unternehmensnachfolger bereit? Muss er eingearbeitet werden? Oder kann in der Übergangszeit auch ein anderer das Unternehmen führen?
  • Gibt es im Unternehmen einen Beirat? Soll ein solches Gremium eingerichtet werden?“

Nun, man muss ja nicht gleich zum/r Perfektionst*in mutieren und sollte durchaus die Kirche im Dorf lassen. Aber die Unterteilung in ein betriebliches und privates Notfallbuch  wie auch in den Teil „Weisungen, Vollmachten und Verfügungen“ ist durchaus praxisorientiert und wenn einem z.B., der Fortgang des Kulturbetriebes am Herzen liegt, so macht es Sinn, mal Lieferanten, Vertraute, Mitentscheider zu notieren und so Klarheit über Delegationsverfahren zu schaffen. Und: es kann ja auch selbst im Alltag dienlich sein, wenn man mal Lieferanten, wichtige Ansprechpartner oder Versicherungspolicen zugeordnet hat und weiß, wo sie sich befinden.

Ein Teil lässt auch Platz, um z.B. Passwörter auch für social medias zu notieren, was auch schon bei einem PC-Absturz hilfreich sein kann, es physisch zur Hand zu haben.

Kurzum: sich mit den Fragen und ihren Antworten zu beschäftigen, macht Sinn. Man muß es ja nicht übertreiben. Und da es kostenfrei zu haben ist, liegt es an Dir, sich dem Thema zu stellen.

Hier zum Download des Handbuchs

]]>
Der Vielklang der Gesellschaft https://www.tiefgang.net/der-vielklang-der-gesellschaft/ Sat, 29 Apr 2017 06:00:14 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=968 [...]]]> Der Landesmusikrat Hamburg hat zusammen mit weiteren Musikinstitutionen das  „Netzwerk Musikstadt Hamburg“ gegründet. Denn mit der Elbphilharmonie allein ist kein Stadtstaat zu machen …

Zu den weiteren sieben Gründungsmitgliedern gehören auch das Clubkombinat Hamburg, die Handelskammer Hamburg, die Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft, das Jazzbüro Hamburg, das Netzwerk Musik von den Elbinseln, RockCity und der VUT Nord. Unterstützt wird das Netzwerk zudem u.a. von Tonali, der Hamburg Kreativ Gesellschaft und dem Urban Music Studies Scholars Network.

Seitens des Landesmusikrates heißt es dazu:

„Die Netzwerkpartner werden sich künftig regelmäßig treffen, um sich über anstehende Themen in Bezug auf die Musikstadt Hamburg auszutauschen. Im Fokus dieses Forums für die Musikszene Hamburgs stehen die Verbesserung von Kommunikation und Zusammenarbeit der Musikakteure untereinander und der Dialog mit Behörden und Politik. Das Netzwerk soll die Erarbeitung von Ideen und Maßnahmen zur Förderung der „Musikstadt Hamburg“ als Zusammenspiel von Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft vereinfachen und lädt dafür alle Musikakteure der Stadt ein, sich aktiv zu beteiligen.

Die Vertreter der Gründungsmitglieder unterzeichneten in der Handelskammer eine entsprechende Absichtserklärung, die auch das Selbstverständnis des Netzwerks formuliert.

´Das Musikleben Hamburgs ist nicht nur geprägt von Musicals, Festivals, der Elbphilharmonie und einer lebendigen Clubszene, sondern auch von den vielen Chören und Orchestern der Laien- und Amateurmusik. Gerade sie ermöglichen breiten Bevölkerungskreisen eine kulturelle Teilhabe, die in Ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden darf`, betonte Rüdiger Grambow, Präsident des Landesmusikrates. ´Das Netzwerk will dazu beitragen, dass die verschiedenen Musiksparten und Genres bei der Weiterentwicklung der Musikstadt Hamburg zusammenwirken.`“

(Quelle: Landesmusikrat in der Freien und Hansestadt Hamburg e.V.)

Musizieren bedeutet immer Verständigung

Der Landesmusikrat hatte erst zum Jahresende 2016 eine Musikstadt-Kampagne – Zusammenfinden für Demokratie, Toleranz und Vielfalt“ gestartet und dies auch als klare Botschaft zum G20-Gipfel im Juli 2017 formuliert. Dazu hieß es einleitend:

„Der Landesmusikrat Hamburg befürwortet eine offene und pluralistische Gesellschaft. Ausgrenzung, das Schüren von Ängsten und undemokratische Handlungsansätze widersprechen dem humanistischen Gesellschaftsbildseiner Mitgliedorganisationen. Musiker/-innen widmen sich in ihrem Schaffen dem eigenen kulturellen Erbe und dem sogenannten Fremden in gleicher Weise. Musizieren bedeutet immer Verständigung, ist ein gemeinschaftliches Agieren. Individuelle Fähigkeiten verschmelzen zum Gemeinschaftsergebnis.

Die eigene Position dient beim Musikmachen immer einer übergeordneten Position. Gegenseitiger Respekt und gemeinsame Verantwortung sind für Musiker/-innen selbstverständlich. Der Landesmusikrat positioniert sich im gesellschaftlichen Diskurs deutlich gerade im Hinblick auf das Jahr2017, in dem die Welt auf Hamburg und die Elbphilharmonie schaut.

Nicht nur in diesem herausragenden Konzerthaus soll Musik als Grenzen überbrückende Sprache Zeichen setzen, dass in ganz Hamburg für alle Menschen das Leben lebenswert ist.“

Ob das nun neue Netzwerk Teil oder Ergebnis dieser Kampagne ist, bleibt abzuwarten.

(26. Apr. 2017, hl)

 

]]>