Herzblatt-Kolumne – Tiefgang https://www.tiefgang.net Kultur, Politik, Kulturpolitik und mehr Fri, 17 Apr 2026 09:15:58 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 Abflug verpasst auf dem „Planet Harburg“? https://www.tiefgang.net/abflug-verpasst-auf-dem-planet-harburg/ Fri, 17 Apr 2026 22:08:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13637 [...]]]> Meine Lieben, schnallt euch an!

Eure Clara Klatsch hat sich diese Woche mal wieder die Hacken abgelaufen, und zwar direkt am Harburger Ring. Ich sag es euch, wie es ist: Wer beim Friseur mal kurz wegdöst, verpasst weniger als im ehemaligen Karstadt-Haus in zwei Jahren passiert ist!

Habt ihr das mit der NASA letzte Woche mitbekommen? Einmal ruckzuck um den Mond geflogen, Daten gesammelt, zack, fertig. Wahnsinn, oder? Und bei uns? Wir haben hier auch so einen Himmelskörper, den „Planet Harburg“. Aber während die im All mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs sind, scheint unser Planet eher in einem schwarzen Loch aus Aktenordnern festzustecken.

Man nennt es jetzt „Planet“, aber die einzige Bewegung, die ich dort sehe, ist der Staub, der sich sanft auf die Rolltreppen legt. Da passt der Name ja eigentlich: Im Weltraum hört dich niemand schreien – und im alten Karstadt hört man höchstens das Echo der großen Versprechen von 2024.

Und dann erst dieses „Kino“ im Erdgeschoss. Meine Lieben, ich war ja da. Wer ein rotes Samtgestühl und Popcorn-Maschinen erwartet, sollte lieber direkt weiter nach Buxtehude oder in die City düsen. Das Ganze ist ja eher ein gemütlicher Vortragsabend mit bewegten Bildern. Aber wisst ihr, was der Gipfel ist? Selbst dieses kleine ambitionierte Projekt wurde hinterfragt!

Da sitzen schlaue Köpfe zusammen und grübeln, ob das baurechtlich überhaupt ein Kino sein darf oder ob die „baurechtliche Nutzung“ als Vortragsraum durch die Filme gefährdet ist. Ich sag euch: Wenn wir in Harburg so lange über die Definition von „bewegten Bildern“ diskutieren, sind die Bilder im Film schon längst verblasst, bevor der Projektor warm gelaufen ist!

Was mich aber wirklich vom Hocker gehauen hat: Sogar unser Hamburger Stadt-Wolf war schneller! Der wurde letzte Woche eingefangen, bekam einen schicken Sender verpasst und ist schon wieder ausgewildert. Der Wolf hat jetzt eine Perspektive und die Behörden wissen, wo er ist.

Hätten wir dem Karstadt-Gebäude mal einen Sender verpasst, dann wüssten wir vielleicht auch, wo die Reise hingeht. Stattdessen warten wir immer noch darauf, dass die ersten Bücherhallen-Regale einziehen oder die VHS-Kurse starten. In der Zeit, in der die Stadt über Brandschutz und Toilettenreinigung im ersten Stock philosophiert, hätte der Wolf wahrscheinlich schon dreimal das gesamte Erdgeschoss markiert.

Meine Lieben, wir brauchen keine weiteren „Forschungswerkstätten“, in denen wir unsere Träume auf Pappe kleben. Wir brauchen jemanden, der einfach mal den Schlüssel umdreht! Sonst bleibt unser Planet Harburg am Ende nur das, was er gerade ist: Ein grauer Riese im Tiefschlaf, während der Rest der Welt (und der Wolf) an uns vorbeizieht.

Bussi, eure Clara!

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Wolf auf Bewährung https://www.tiefgang.net/wolf-auf-bewaehrung/ Fri, 10 Apr 2026 22:01:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13607 [...]]]> Meine Lieben, schnallt euch an! Wer diese Woche in Harburg keine Meinung zum Wolf hat, der war vermutlich nicht vor der Tür!

Dass ein junges Männchen erst durch eine Altonaer Einkaufspassage spaziert , dort eine Frau verletzt und schließlich in der Binnenalster baden geht, war ja mittlerweile Stadtgespräch von Neugraben bis Kirchdorf. Aber während die City noch über Mahnwachen am Jungfernstieg diskutiert, wird es bei uns im Süden jetzt richtig konkret – und auch ein bisschen ungemütlich.

Die Umweltbehörde hat das Tier am Ostersonntag wieder ausgewildert. Und auch wenn offiziell geschwiegen wird, wo genau der Transporter hielt, pfeifen es die Spatzen in der Fischbeker Heide von den Dächern: Der Wolf ist zurück in unserer Nachbarschaft. Diesmal allerdings mit einem schicken neuen Accessoire: einem Sender-Halsband. Umweltsenatorin Katharina Fegebank nennt das eine „Auswilderung auf Bewährung“. Ich nenne es: ein Experiment am lebenden Objekt, direkt vor unserer Haustür.

Ich kann die Wut unserer Schafzüchter*innen mehr als verstehen. Da verletzt ein Wildtier mitten in der Stadt einen Menschen, und die Antwort ist ein High-Tech-Halsband und ein „Viel Glück“ in Richtung Süden. Das fühlt sich für viele hier wieder einmal so an, als würde Harburg als Vorgarten für Probleme genutzt, die man an der Alster lieber per GPS-Tracker aus der Ferne beobachtet.

Natürlich gibt es auch die andere Seite. Diejenigen, die sich freuen, dass Isegrim eine zweite Chance bekommt und nicht zur Trophäe wurde. Es ist dieses typische Harburger Spannungsfeld: Wir lieben unsere wilde Natur, unsere Heide und das Ungezähmte. Aber wir sind auch Realist*innen genug um zu wissen, dass ein Wolf, der schon einmal gläserne Automatiktüren von innen gesehen hat, kein gewöhnlicher Waldläufer mehr ist.

Was machen wir also daraus? Wir bleiben so, wie wir sind: neugierig, aber wachsam. Wir wissen jetzt, dass die Jäger im Zweifel eingreifen können, wenn der Sender meldet, dass der Wolf unseren Siedlungen zu nahe kommt. Ob das reicht, um das Vertrauen der Tierhalter*innen zurückzugewinnen, wage ich zu bezweifeln. Aber eines ist sicher: Der Spaziergang durch die Heide hat diesen Frühling einen ganz neuen Nervenkitzel.

Mein Tipp für das kommende Wochenende: Genießt die Sonne, aber haltet die Augen offen. Wir teilen uns den Bezirk jetzt mit einem prominenten Rückkehrer. Hoffen wir, dass er die Lektion in der City gelernt hat und sich hier im Süden von seiner besten, also seiner unsichtbaren Seite zeigt.

Wir sehen uns draußen – mit gesundem Abstand und geschärften Sinnen!

Eure Clara

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Feuer, Flamme, frische Luft https://www.tiefgang.net/feuer-flamme-frische-luft/ Thu, 02 Apr 2026 22:19:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13561 [...]]]> Meine Lieben, schnallt euch an! Habt ihr die Wettervorhersage gesehen? Die Sonne hat für dieses Osterwochenende offenbar eine Extra-Schicht gebucht.

Auch wenn es morgens noch diesen frischen, klaren Biss in der Luft hat, der uns daran erinnert, dass wir im Norden wohnen, steht der Frühling jetzt mit beiden Beinen im Bezirk. Und während in der City vielleicht noch über die richtige Etikette beim Osterbrunch diskutiert wird, machen wir uns hier im Süden bereit für das, was zählt: echte Gemeinschaft und ein bisschen Rauch in den Haaren.

Der Karfreitag beginnt ja traditionell eher leise, und ich finde, das steht unserem Binnenhafen erstaunlich gut. Es ist der perfekte Tag, um mal ganz ohne Termindruck am Kai entlangzuschlendern. Habt ihr mal darauf geachtet, wie das Licht der Märzsonne auf den alten Kränen bricht? Das hat eine fast meditative Qualität. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, bevor am Samstagabend die großen Feuer entfacht werden.

Denn mal ehrlich: Was wäre Ostern in Harburg ohne den Geruch von brennendem Holz und den Klönschnack am Feuer? Ob in den Harburger Bergen, am Deich oder in den kleinen Quartieren – die Osterfeuer sind unser sozialer Kleber. Da treffen sich die Mitarbeiter*innen aus den Büros mit den Künstler*innen aus den Speichern und den Nachbar*innen aus dem Phoenix-Viertel. Da wird nicht über den neuesten Trenchcoat-Trend aus Eppendorf philosophiert, da wird einfach zusammen in die Glut gestarrt und das Leben gefeiert. Das ist soziale Nachhaltigkeit, die man nicht im Rathaus planen kann, sondern die wir uns selbst erschaffen.

Und apropos Outfits: Ich bin sehr gespannt, was ihr dieses Wochenende aus dem Schrank holt. Ich wette meinen letzten Schokohasen darauf, dass wir hier in Harburg wieder einen bunten Mix aus praktischer Outdoor-Kleidung, mutigen Second-Hand-Stücken und individuellem Stil sehen werden. Wer braucht schon ein beiges Einheits-Cap, wenn er die Freiheit hat, einfach er selbst zu sein? Unsere Gastronom*innen in der Lämmertwiete haben ihre Außenterrassen jedenfalls schon klargemacht. Mein Tipp: Sichert euch ein Plätzchen in der Sonne, bevor der große Ansturm kommt.

Was ich euch für dieses Wochenende ans Herz lege? Seid neugierig! Schaut mal in die Schaufenster der kleinen Galerien, die vielleicht auch über die Feiertage ein Fenster zur Kunst offen halten. Nutzt die frische Luft für einen Ausflug in die Heide oder den Stadtpark. Harburg ist gerade ein riesiges, sonnendurchflutetes Laboratorium für gute Laune.

Wir haben die Geschichten, wir haben die Orte und wir haben jetzt auch das passende Wetter. Lasst uns dieses lange Wochenende nutzen, um mal wieder richtig durchzuatmen und unseren Bezirk von seiner besten Seite zu erleben – bodenständig, herzlich und ein kleines bisschen wilder als der Rest der Stadt.

Ich wünsche euch erholsame Feiertage, die genau die richtige Mischung aus Ruhe und Feuer haben. Wir sehen uns spätestens am Samstagabend am glühenden Haufen!

Eure Clara

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Der Eppendorf-Style https://www.tiefgang.net/der-eppendorf-style/ Fri, 27 Mar 2026 23:29:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13549 [...]]]> Meine Lieben, schnallt euch an! Habt ihr diese Woche auch die Geschichte von Patrice Bouédibéla verfolgt? Unser aller liebster Ex-MTV-Moderator ist auf romantischer Mission und sucht eine Frau, der er im Hamburger Norden begegnet ist.

Klingt erst mal nach großem Kino und Schmetterlingen im Bauch. Aber wenn man sich die Suchmeldung genauer ansieht, wird es eigentlich erst richtig amüsant.

Patrice beschreibt nämlich den absoluten Eppendorfer Standard-Look: Trenchcoat, Leggings, Cap. Die Haare? Blond und offen. Eben „Schnepfendorf“? Ganz ehrlich? Wenn ich am Isemarkt oder in der Eppendorfer Landstraße unterwegs bin, sehe ich gefühlt tausend Frauen, die exakt so aussehen. Das ist keine Personenbeschreibung, das ist eine Inventarliste der örtlichen Boutiquen! Wie will der gute Mann da jemals die Richtige finden? Das ist ja wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen – nur dass der Heuhaufen aus beigem Stoff besteht und Markenkappen trägt.

Man fragt sich ja schon: Ist das noch Mode oder ist das schon eine Uniformierungspflicht? Ob Sylvie Meis oder die Influencer*innen von nebenan – in Eppendorf scheint Individualität unter dem Schirm der Cap feinsäuberlich weggeatmet zu werden. Da glänzt der Ansatz, da sitzt der Mantel, und bloß kein Haar tanzt aus der Reihe. Es ist fast schon tragisch: Eppendorferinnen wollen besonders schick und exklusiv sein, und am Ende sind sie eine Kopie von der Kopie der Kopie.

Hier bei uns in Harburg würde so eine Suchaktion ganz anders ablaufen. Wenn hier jemand jemanden sucht, dann ist das die Frau mit der bunten Strickmütze am Kanal, der Typ mit der abgewetzten Lederjacke in der Lämmertwiete oder die Architektinnen mit den Farbflecken an den Händen am Binnenhafen. Wir Harburgerinnen brauchen keine Tarnkappe aus Luxus-Labels, um uns wohlzufühlen. Wir tragen unsere Ecken und Kanten mit Stolz spazieren, und das sieht man uns auch an.

Vielleicht sollten wir Patrice mal zu uns in den Süden einladen. Hier erkennt man die Menschen noch an ihrem Charakter und nicht an der Farbe ihres Trenchcoats. Hier ist der Frühling viel zu bunt für ein Einheits-Beige. Wenn eine Harburgerin Cap trägt, dann wahrscheinlich, weil sie gerade keine Lust auf Kämmen hatte oder weil der Wind an der Elbe mal wieder alles gibt – und nicht, weil es im Lookbook der Woche steht.

Mein Tipp für das kommende sonnige Wochenende: Traut euch ruhig mal, aus der Reihe zu tanzen! Seid bunt, seid laut, seid ihr selbst. Der rote Klinker, über den wir neulich sprachen, sieht nämlich viel besser aus, wenn darauf Menschen wandeln, die man auch ohne Lupe und Stilberater*innen voneinander unterscheiden kann.

Ich drücke Patrice trotzdem die Daumen. Vielleicht trägt seine Auserwählte ja wenigstens Socken in einer anderen Farbe – das wäre in Eppendorf ja schon fast eine Revolution.

Wir sehen uns dort, wo das Leben noch echt ist!

Eure Clara

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Frühlingsputz mit Herz https://www.tiefgang.net/fruehlingsputz/ Fri, 20 Mar 2026 23:06:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13533 [...]]]> Meine Lieben, schnallt euch an! Habt ihr die Sonne heute Morgen gesehen? Sie ist gnadenlos. Nicht nur, weil sie uns die ersten Sommersprossen auf die Nase zaubert, sondern weil sie jedes Staubkorn und jeden achtlos weggeworfenen Kaffeebecher in unseren Parks und Straßen beleuchtet.

Der 21. März ist offiziell Frühlingsanfang, die Luft ist glasklar und frisch, und während wir die dicken Schals langsam lockerer wickeln, wird mir eines klar: Von nichts kommt nichts.

Diese Woche heißt es bei uns nämlich wieder: Hamburg räumt auf. Und während in der City vielleicht nur die Stadtreinigung mit den großen Maschinen durchrollt, zeigen wir hier im Süden, was echte Nachbarschaft bedeutet. Überall im Bezirk sieht man Gruppen von Schüler*innen, Vereinsmitgliedern und engagierten Anwohner*innen, die mit gelben Säcken und Greifzangen bewaffnet dem Winterdreck den Kampf ansagen.

Das ist genau der Punkt, an dem meine Begeisterung für Harburg wieder voll aufflammt. Wir können uns stundenlang darüber streiten, ob ein roter Klinker-Teppich in der Lüneburger Straße die Rettung ist oder nur teure Kosmetik für ein tieferliegendes Problem. Aber wenn Nachbar*innen gemeinsam losziehen, um den Spielplatz am Schwarzenberg oder die Wege am Treffpunkthaus Heimfeld vom Müll zu befreien, dann passiert etwas, das kein Stadtplanungsbüro der Welt am Reißbrett entwerfen kann. Es entsteht echter Stolz auf den eigenen Kiez.

Ich habe mich diese Woche mal bei ein paar dieser Putz-Trupps umgehört. Die Energie ist fantastisch! Da wird nicht gewartet, bis das Bezirksamt das nächste Budget für eine Hochglanz-Sanierung freigibt. Da wird angepackt. Es ist dieser schnelle, energische Stil, den wir hier brauchen. Denn mal ehrlich: Ein sauberer Gehweg ist am Ende viel schöner als ein roter Teppich, auf dem der Unrat von letzter Woche liegt.

Natürlich bleibt die kritische Frage berechtigt: Warum müssen eigentlich die Bürger*innen den Job machen, für den wir Steuern zahlen? Das ist eine Debatte über Kulturpolitik und Sauberkeit, die wir führen müssen. Aber vielleicht ist diese gemeinsame Aktion auch eine Art Liebeserklärung an unseren Stadtteil. Wer einmal selbst den Müll aus dem Gebüsch gefischt hat, der passt in Zukunft vielleicht auch besser auf seine Umgebung auf.

Mein Tipp für dieses sonnige Wochenende: Nutzt die frische Luft für einen Spaziergang. Vielleicht habt ihr ja sogar Lust, euch spontan einer der Gruppen anzuschließen. Es gibt kaum ein besseres Gefühl, als nach getaner Arbeit in der Frühlingssonne zu stehen und zu sehen, dass unser Harburg wieder ein kleines bisschen mehr glänzt – und zwar aus eigener Kraft.

Wir sehen uns draußen – hoffentlich mit sauberen Wegen unter den Füßen!

Eure Clara

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Roter Teppich oder nur Fassade? https://www.tiefgang.net/roter-teppich-oder-nur-fassade/ Fri, 13 Mar 2026 23:36:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13490 [...]]]> Meine Lieben, schnallt euch an! Letzte Woche war ich hier an dieser Stelle vielleicht ein bisschen sehr im Frühlingsmodus.

Ich habe euch vom roten Klinker-Teppich für unsere Lüneburger Straße vorgeschwärmt und davon geträumt, wie wir dort demnächst wie die Stars zum Bäcker flanieren. Aber wisst ihr was? Ihr habt mir ordentlich den Kopf gewaschen – und das völlig zu Recht.

Ich habe eure Nachrichten gelesen und die Skepsis in euren Augen förmlich gespürt. „Schön und gut, Clara“, hieß es da, „aber was nützt uns ein roter Stein, wenn die Läden dahinter leer stehen?“ Oder: „Glaubst du wirklich, dass ein bisschen neue Farbe die tiefen sozialen Risse in der Fußgängerzone kitten kann?“

Diese Kritik hat gesessen. Und sie ist wichtig. Denn wenn wir ehrlich sind, haben wir in Harburg schon oft erlebt, dass viel Geld in schicke Oberflächen fließt, während das eigentliche Leben darunter ignoriert wird. Ein neuer Bodenbelag vertreibt keine Dealer, er senkt keine Mieten für kleine, mutige Ladenbesitzer*innen und er schafft auch nicht über Nacht das Gefühl von Sicherheit zurück, das viele von uns am späten Abend dort vermissen.

Vielleicht war mein Optimismus letzte Woche ein bisschen wie Lippenstift auf einem Problem, das eigentlich eine Operation am offenen Herzen braucht. Wenn wir als Nachbar*innen dort nicht mehr gern einkaufen gehen, weil das Angebot nicht mehr passt oder weil wir uns unwohl fühlen, dann hilft auch der edelste Klinker aus dänischer Produktion nichts. Dann bleibt der rote Teppich eine leere Bühne ohne Schauspieler*innen.

Die Mitarbeiter*innen im Bezirksamt und die Planer*innen müssen sich also die Frage gefallen lassen: Ist dieser Teppich der Anfang einer echten Strategie oder nur ein teures Trostpflaster? Wir brauchen Konzepte, die über das Pflaster hinausgehen. Wir brauchen Unterstützung für Start-ups, die sich trauen, gegen die 1-Euro-Shops anzutreten. Wir brauchen Lichtkonzepte, die nicht nur schick aussehen, sondern Angstträume vertreiben. Und wir brauchen eine soziale Arbeit vor Ort, die nicht nur Symptome bekämpft.

Ich bleibe neugierig, aber ich schaue jetzt genauer hin. Dank eurer kritischen Stimmen ist mir klar geworden: Ein roter Teppich ist nur dann ein Gewinn, wenn er uns zu Orten führt, an denen wir wirklich sein wollen. Harburg verdient keine bloße Kosmetik, sondern echte Substanz.

Danke, dass ihr mich daran erinnert habt, dass wir hier im Süden keine Träumer*innen sind, sondern Realist*innen mit einem sehr feinen Gespür für hohle Versprechungen. Ich werde die Verantwortlichen beim Wort nehmen und nachhaken, was neben den Steinen sonst noch im Paket steckt.

Was meint ihr? Welche konkrete Veränderung – abgesehen vom Boden – würde die Lüneburger Straße für euch wieder attraktiv machen? Schreibt es mir, ich höre zu.

Eure Clara

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Harburg macht sich schick https://www.tiefgang.net/harburg-macht-sich-schick/ Fri, 06 Mar 2026 23:28:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13485 [...]]]> Meine Lieben, schnallt euch an! Habt ihr heute Morgen auch die Nase in die Sonne gehalten? Dieser strahlende Märzmorgen ist wie ein kräftiger Espresso für die Seele.

Und während wir die dicken Wintermäntel langsam gegen die Übergangsjacke tauschen, tut sich was in unserem Bezirk, das uns alle zum Strahlen bringen könnte. Es geht um unsere Lüneburger Straße, das ewige Sorgenkind, das jetzt endlich eine Schönheitskur bekommt, die sich gewaschen hat.

Vergesst den grauen Beton und das triste Pflaster! Die Planer*innen und Architekt*innen haben sich nämlich etwas richtig Schönes ausgedacht: Ein roter Teppich aus Klinker soll unsere zentrale Einkaufsmeile schmücken. Ich finde die Vorstellung herrlich: Wir flanieren demnächst wie die Stars über roten Stein, während wir unsere Brötchen holen oder beim Optiker vorbeischauen. Das ist genau die Art von Aufwertung, die Harburg verdient hat – weg vom Schmuddelimage, hin zu echtem hanseatischen Flair mit einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein.

Natürlich höre ich schon die ersten Zweifler*innen: Reicht ein bisschen neuer Bodenbelag aus, um die Leerstände zu füllen? Ich sage: Ja, es ist immerhin ein Anfang! Wenn die Umgebung stimmt, kommen auch die Menschen zurück. Und wenn die Menschen da sind, folgen die neugierigen Händler*innen und Gastronom*innen. Wir brauchen diesen Mut zur Farbe und zum Design, um zu zeigen, dass Harburg eben keine graue Maus ist, sondern ein lebendiges Zentrum mit Charakter.

Besonders begeistert mich, dass auch mehr Grün und bessere Sitzmöglichkeiten geplant sind. Stellt euch vor, wie wir im nächsten Frühling unter Bäumen auf dem roten Klinker sitzen und den Leuten beim Vorbeihuschen zuschauen. Das ist Lebensqualität, die man nicht am Reißbrett in der City verordnen kann, sondern die hier vor Ort wachsen muss. Die Mitarbeiter*innen im Bezirksamt scheinen verstanden zu haben, dass wir keinen sterilen Glaskasten wollen, sondern eine Straße, die zum Verweilen einlädt.

Mein Tipp für das sonnige Wochenende: Macht mal einen bewussten Spaziergang durch die Lüneburger Straße. Schaut euch die Fassaden an und stellt euch diesen roten Teppich darunter vor. Es ist wie beim ersten Date – man braucht ein bisschen Fantasie und die Bereitschaft, sich neu zu verlieben. Und ich bin mir sicher: Unser Harburg hat das Zeug dazu, uns wieder so richtig zu begeistern.

Genießt die Sonne, nutzt die frische Luft für einen Bummel und zeigt unserem Bezirk, dass wir an ihn glauben. Wir sehen uns auf dem Catwalk des Südens!

Eure Clara

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Harburgs heimliche Helden https://www.tiefgang.net/harburgs-heimliche-helden/ Fri, 27 Feb 2026 23:29:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13440 [...]]]> Meine Lieben, schnallt euch an! Wer sagt eigentlich, dass Nachhaltigkeit immer nur mit Solardächern und Bio-Möhren zu tun hat? In Harburg wissen wir es besser: Die wichtigste Energiequelle unseres Bezirks ist das Miteinander. Und genau das wurde diese Woche offiziell vergoldet.

Letzten Freitagabend wurde im Rathaus der 13. Harburger Nachhaltigkeitspreis verliehen, und mein Herz hat einen kleinen Sprung gemacht, als die Kiezläufer von IN VIA Hamburg e.V. den ersten Platz abgeräumt haben. Diese engagierten Mitarbeiter und Ehrenamtlichen sind seit 2014 in unseren Quartieren unterwegs – nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einem offenen Ohr und einer unglaublichen Präsenz.

In einer Woche, in der wir uns oft über die Kälte oder die dunklen Ecken im Bezirk ärgern, ist dieser Preis ein echtes Signal. Die Kiezläufer*innen sorgen für Deeskalation, sie reden mit den Jugendlichen, sie verhindern Vandalismus, bevor er überhaupt entsteht. Das ist soziale Nachhaltigkeit in Reinform! Sie sind das menschliche Schmiermittel, das dafür sorgt, dass unser Harburger Getriebe nicht knirscht. Dass die Bezirksversammlung dieses Engagement mit 2.000 Euro Preisgeld würdigt, ist längst überfällig.

Aber es gab noch mehr Grund zur Freude: Auch die Berufliche Schule Harburg wurde für ihre kreative Lauschtour zu den UN-Nachhaltigkeitszielen ausgezeichnet. Da zeigt sich mal wieder: Unsere Schüler*innen und Lehrer*innen haben richtig gute Ideen im Gepäck, wie man globale Themen ganz lokal und hörbar machen kann. Harburg ist eben nicht nur Industrie, wir sind eine Ideen-Schmiede für das gute Leben von morgen.

Was wir daraus lernen können? Dass wir uns nicht immer nur auf die großen Pläne der Architekt*innen in der City verlassen müssen. Die wahre Aufwertung findet auf dem Gehweg statt, im Gespräch zwischen den Haustüren und im Einsatz für den Nachbarn oder die Nachbarin.

Und während wir diese Erfolge feiern, klopft schon das nächste Highlight an: Diesen Sonntag startet die 11. SuedLese! Wer also nach der Preisverleihung Lust auf noch mehr Tiefgang hat, sollte sich direkt das Programm schnappen. Von Neugraben bis Wilhelmsburg werden wir einen Monat lang zeigen, dass wir literarisch ganz weit vorne mitspielen.

Ich ziehe meinen Hut vor allen Preisträger*innen dieser Woche. Ihr macht Harburg zu einem Ort, an dem man nicht nur wohnt, sondern an dem man sich zu Hause fühlt.

Bleibt neugierig, bleibt engagiert und vor allem: Bleibt so, wie ihr seid!

Eure Clara

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Harburg schlägt die Seiten auf https://www.tiefgang.net/harburg-schlagt-die-seiten-auf/ Fri, 20 Feb 2026 23:52:00 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13360 [...]]]> Meine Lieben, schnallt euch an! Während der Februar sich mit seinen letzten Sturmböen verabschiedet, rollt im März eine Welle auf uns zu, die ganz ohne Gummistiefel auskommt – dafür aber mit jeder Menge Kopfkino. Die 11. SuedLese Literaturtage stehen vor der Tür.

Und ich sage euch: Unser Bezirk wird einen Monat lang zum Epizentrum für alle, die das geschriebene Wort lieben.

Was ich an der SuedLese so faszinierend finde? Es ist kein steifes Event in schicken Konzertsälen, sondern ein Festival der kurzen Wege und der echten Begegnungen. Unter dem Motto Autorin und Ort suchen und finden sich selbst wird vom 1. bis zum 31. März fast jede Ecke in Harburg, Wilhelmsburg und sogar Buxtehude zur Bühne. Über 26 Institutionen und viele engagierte Mitarbeiterinnen machen diesen Lesemarathon möglich.

Besonders spannend: Dieses Jahr liegt der Fokus auf den Debütant*innen. Dank der Unterstützung durch die Zeit Stiftung bekommen frische Stimmen wie Kea von Garnier mit ihrem Roman Restsommer oder Rina Schmeller eine ganz große Bühne. Das passt perfekt zu Harburg – wir sind schließlich auch ein Ort, an dem immer wieder Neues entsteht und sich mutige Leute ausprobieren.

Ein absolutes Highlight, das ihr euch rot im Kalender markieren solltet, ist der Auftritt von Tillmann Bendikowski am 4. März in der Fischhalle. Er liest aus seinen Sagenhaften Nordgeschichten. Wer die Fischhalle kennt, weiß: Zwischen maritimen Flair und historischem Gebälk liest es sich einfach am besten. Und für die Krimifans unter euch gibt es am 7. März die Ladies Crime Night in Buxtehude – ein Format, bei dem jede Lesung abrupt mit einem Schuss endet. Wenn das mal kein schneller und energischer Stil ist!

Aber auch die leisen Töne haben ihren Platz. Am 1. März geht es los mit einer Lesung für den Baum bei Alles wird schön e.V., und am 6. März erzählt Dominik Bloh im Treffpunkthaus Heimfeld seine bewegende Geschichte Die Straße im Kopf. Es ist diese Mischung aus Neugier und Begeisterungsfähigkeit, die die SuedLese so besonders macht. Man stolpert quasi von einer Haspa-Filiale in Neugraben direkt in ein Wohnzimmer-Event in der Harburger Innenstadt.

Und als wäre das nicht schon genug, feiert ganz Hamburg im März den 100. Geburtstag von Siegfried Lenz. Unter dem Motto Hamburg liest Lenz gibt es stadtweit Hommagen an diesen großen Ehrenbürger. Wir im Süden zeigen dabei mal wieder, dass wir literarisch locker mit der City mithalten können.

Alos: Lasst den Fernseher aus, schnappt euch das Programmheft und werdet selbst zu Entdecker*innen. Es gibt nichts Schöneres, als in die Welten anderer einzutauchen, während draußen der Märzregen gegen die Scheiben peitscht. Ich werde auf jeden Fall bei der einen oder anderen Lesung in der ersten Reihe sitzen und lauschen, was die neue Generation der Schreiber*innen uns zu sagen hat.

Wir sehen uns zwischen den Zeilen!

Eure Clara

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Harburg hat Herz https://www.tiefgang.net/harburg-hat-herz/ Fri, 13 Feb 2026 13:43:43 +0000 https://www.tiefgang.net/?p=13284 [...]]]> Meine Lieben, schnallt euch an! Am Samstag ist es wieder so weit: Der Valentinstag steht vor der Tür.

Bevor ihr jetzt die Augen verdreht und an überteuerte Rosen von der Tankstelle oder kitschige Herzkissen denkt – haltet kurz inne. Wir in Harburg machen Romantik nämlich auf unsere ganz eigene Art, und die ist meistens viel echter als jeder Hollywood-Film.

Manche behaupten ja, unser Bezirk sei grau, industriell und ein bisschen zu direkt. Ich sage: Wer das behauptet, hat noch nie den Sonnenuntergang im Binnenhafen beobachtet, wenn sich die alten Kräne im Wasser spiegeln. Es gibt kaum etwas Romantischeres, als mit einem Becher heißem Kaffee an der Schlossinsel zu spazieren und den Wind zu spüren, der einem die Sorgen aus dem Kopf pustet. Das ist Harburger Romantik pur – ehrlich, ungeschminkt und mit einer Prise Elbwasser.

Unsere lokalen Gastronom*innen haben sich für dieses Wochenende auch wieder ordentlich ins Zeug gelegt. Ob ein gemütliches Abendessen in der Lämmertwiete, wo das Kopfsteinpflaster Geschichten aus alten Zeiten erzählt, oder ein Drink in einer der Bars am Hafen – man muss nicht über die Elbe fahren, um einen besonderen Moment zu erleben. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Herz von Hamburg eigentlich hier im Süden schlägt?

Mein Tipp für alle Singles und Paare: Vergesst den Perfektionszwang! Liebe bedeutet in Harburg nicht unbedingt das Fünf-Gänge-Menü bei Kerzenschein. Liebe ist es, wenn man gemeinsam über die verspätete S-Bahn lacht, sich gegenseitig den Schirm hält, wenn der Hamburger Regen mal wieder waagerecht kommt, oder dem Nachbarn einfach mal eine Freude macht.

Vielleicht ist dieser Valentinstag ja die perfekte Gelegenheit, mal wieder ein Date mit unserem eigenen Bezirk zu haben. Geht raus, entdeckt eine neue Ecke in Heimfeld oder genießt den Blick vom Schwarzenberg. Harburg hat so viele schöne Seiten, die nur darauf warten, von uns geliebt zu werden.

Ich für meinen Teil werde den Tag nutzen, um den Menschen in meinem Umfeld zu zeigen, wie wichtig sie sind – ganz ohne großen Schnickschnack, aber dafür mit ganz viel Harburger Herz.

In diesem Sinne: Habt euch lieb, seid gut zueinander und genießt das Wochenende, egal ob mit oder ohne Rose!

Eure Clara

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